Pescetarier – Noch besser als rein Pflanzlich?

Hmmm… wie konnte das die letzten 3 Jahre an mir vorbei gehen? – Was? Das Pesco-Vegetarier (also Vegetarier bzw. Veganer die auch Fisch essen) in Adventistenstudie in Bezug auf die Mortalität noch vor Veganern liegen. Aus dem Ärzteblatt:

„Mit einer Hazard Ratio von 0,57 (0,40-0,82) hob sich der Pescetarismus, der den Verzehr von Fischen erlaubt, klar vom Ovo-Lakto-Vegetarismus (Anm.: 0,82 (0,65-1,02)), der Eier und Milch erlaubt, und vom Veganismus (Anm.: 0,84 (0,59-1,19)) ab, der alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs konse­quent ablehnt.“

Auszug aus Tabelle 3 der Adventisten Gesundheitsstudie

wobei das wohl in der EPIC-Studie nicht mehr ganz so rosig aussieht – denn auch die Menge und Zubereitung entscheidet mit.

Die Adventist-Health-Study 2

Als ich nach der Studie gesucht habe, habe ich das hier gefunden: ‘Vegetarian diets in the Adventist Health Study 2: a review of initial published findings’. Da sieht das zwar nicht ganz so rosig aus für die Pescetarier, jedoch ist die Gesamtsterblichkeit bei allen vegetarischen Ernährungsweise – im Vergleich zu Mischköstlern – dennoch am geringsten.

Aus der Tabelle rechts geht hervor, das die Pescetarier (als Gruppe) ein (leicht) erhöhtes Diabetis und Krebsrisiko im Vergleich zu den Veganern haben – jedoch bei der Gesamtmortalität Vorteile, Leider differenziert die Studie nicht zwischen Vegetarisch-Pesco (ala Vegan + Fisch) und Vegetarisch-Lakto-Ovo-Pesco sowie den verzehrten Fischmengen. Das wäre noch einmal zusätzlich interessant gewesen, denn aus den generalisierten Gruppen können auch leicht falsche Schlüsse gezogen werden – z.B. wenn die rein pflanzlichen Gruppen nicht genau wissen was Sie in Bezug auf Omega-3 Fettsäuren beachten sollten.

In meinem Beitrag über Omega 3/6 Fettsäuren im Bezug zu EPA und DHA hatte ich ja schon raus gefunden, das sich die Wissenschaft in Bezug auf zusätzliches Omega 3/6 in Bezug auf eine Vegane Ernährung noch nicht so ganz sicher ist, da ALA (aus Pflanzen) vom Körper je nach Genen und Alter eher Schlecht als Recht zu EPA & DHA umgebaut werden kann. Grundsätzlich weißt jedoch sehr vieles auf zu viele Omega 6 Fette in der Ernährung hin, was die ALA nach EPA Wandlung bremst.

EPA/DHA und Gehirnfunktion – sollten Veganer Supplementieren?

Genau dieser Frage geht Dr. Greger von Nutritionfacts in diesem Video nach (‘Should Vegans Take DHA to Preserve Brain Function?’). In dem Video zitiert er u.a. diese Studie: ‘Red blood cell ω-3 fatty acid levels and markers of accelerated brain aging.’, welche folgert das:

“Lower RBC DHA levels are associated with smaller brain volumes and a “vascular” pattern of cognitive impairment even in persons free of clinical dementia.”

und das heißt in Deutsch: Weniger DHA = Weniger Gehirnvolumen im Alter = Kognitive Einschränkungen auch in Personen die frei sind von klinisch festgestellter Demenz. Nicht so toll… weil Veganer haben die geringsten EPA / DHA Level im Blut – siehe auch hier. Und jetzt kommts: Supplemente (damit meine ich Fisch) helfen. Hier die Studie dazu: ‘Long-chain omega-3 fatty acids improve brain function and structure in older adults.’.

Im Video dann noch was zu den Dosen und den Blutwerten. Dr. Greger sagt dann noch das ca. 2/3 der Veganer unter diesem magischen Wert sind – wobei viele Omnivoren nicht besser liegen… weil DHA ist eben nicht in Burgern aus Industriefleisch und auch nicht in Softdrinks.

Dr. Greger nimmt & Empfiehlt EPA /DHA Supplemente

Weil diese den Vorteil haben, das Sie (meist) frei sind von toxischen Stoffen im Fisch, wobei es fraglich ist ob die meisten dieser Supplemente überhaupt noch eine positive Wirkung haben – Stichwort: Oxidation. Bloß wie will ich checken ob die Algenölkapsel o.k. ist? Fisch mag PCBs und Dioxine haben, Glykotoxine wenn zu hoch erhitzt – jedoch weiß ich auch das das DHA da noch einigermaßen drin sein müsste, solange der Fisch halbwegs frisch ist.

Was ich jetzt schräg von Dr. Greger finde ist das Video hier in dem es um die Frage geht ob ein ‘bisschen’ Fleisch schon schlecht ist – oder ggf. positiv wirkt. Dabei greift er aber nicht auf die da schon erschienen Adventisten-Studie zurück und berücksichtigt auch in keiner Weise die Pescetarier. Er vergleicht hier mit Menschen die Warmblüter-Fleisch essen, also Huhn, Rind, Schwein, etc. – also den eher ungünstigen Fleischsorten.

Wie viel Fisch?

Wenn ich mir mal das Profil von Hering anschaue dann enthalten 100g ca. 0,7g EPA und 1,2g DHA – also fast 2g. Es werde so ungefähr 250mg EPA&DHA / Tag empfohlen, was für mich bedeutet das z.B. ca. 150g Hering die Woche ausreichen würden. Das ist nicht viel.

Mein Fazit

Eine sehr moderate Vegan-Pescetarische Ernährung könnte ggf. mit einer rein pflanzlichen Ernährung mithalten bzw. je nachdem ein bisschen vorteilhafter sein (wenn z.B. der Körper schlecht ALA ein EPA/DHA wandelt). Zu berücksichtigen ist (meiner Ansicht nach) in diesem Kontext, das der Fisch auch vorgebautes Taurin, Kreatin, Carnitin, Cholin, richtiges Vitamin A (Retinol) & Co. mitbringt.

Die Wahrheit kann ggf. irgendwo in der Mitte liegen – ich gehe jedoch davon aus das die Menge an Fisch eher gering sein dürfte. Wer weiß…

 

Ein Gedanke zu „Pescetarier – Noch besser als rein Pflanzlich?

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