Entsaften mit der Saftpresse bzw. einem Slow-Juicer – Ist das noch zeitgemäß?

Kurvings Entsafter (Slow-Juicer, Saftpresse) zum Entsaften

Kurvings Entsafter (Slow-Juicer). Foto: H.C.

Dörren, Keimen, Smoothies waren schon dran – nun fehlt nur noch ein Artikel zum Entsaften mit der Saftpresse (bzw. einem Slow-Juicer) um die pflanzliche (und rohe) ‘Powerfood’-Küche zu komplettieren.

Nebenstehend ist ein moderner Entsafter abgebildet, der mit ca. 60 Umdrehungen pro Minute Obst, Gemüse, Blattsalate und (Weizen-)gräser entsaftet. Für dieses Modell (Kurvings B600) hatte ich mich damals (2014) wegen des geringen Platzbedarfs und der recht einfachen Reinigung entschieden.

Ist das Entsaften noch zeitgemäß?

… genau das frage ich mich heute. In meinem Artikel zu Smoothies hatte ich ja zahlreiche Studien angeführt die Aussagen das durch das aufbrechen der Zellwände (von Obst und Gemüse) der Magen- und Darmtrakt die Inhaltsstoffe z.B. der Gemüse um bis zu 100 mal besser nutzen kann. Gleiches wird auch immer für das Entsaften angeführt: Durch die Pressschnecke werden die Zellstrukturen aufgebrochen – das Ergebnis ist die entsaftete Flüssigkeit.

Weniger Ballaststoffe, Polyphenole und sekundäre Pflanzenstoffe

Leider wird beim Entsaften ein großer Teil des (teuren) Obst bzw. Gemüses weg geschmissen – das ganze wird dann ‘Trester’ genannt.

Unter anderem sind darunter wertvolle Ballaststoffe die unsere Magen- und Darmbakterien nähren – aber auch andere Stoffe wie Polyphenole, sekundäre Pflanzenstoffe und sicher auch viele Mineralien, welche ebenfalls in den festen Bestandteilen gebunden sind. Das ganze wird auch durch zwei Beiträge von Nutritionfacts [1][2], u.a. Warum Smoothies besser als Entsaften ist‘ unterstützt, wo dann zahlreiche Studien präsentiert werden.

Pressschnecke

Wer hingegen Möhren entsaftet und den recht trockenen Möhrentrester dann für einen Möhrenkuchen oder Hafer-Möhren-Kekse verwendet der hat sicher alles richtig gemacht 🙂 Alternativ könnte auch der Saft getrunken und der Trester gegessen werden – z.B. als Zutat einer Gemüsepfanne.

Achtung Blutzucker (Obst)!

Wer Obst entsaftet sollte darauf achten, das der Konsum von Saft eine deutlich stärkere Anflutung des Blutzuckers (Fruktose) bewirkt – nicht gut. Egal ob gekaufte oder frisch gepresste Säfte – hierauf sollten blutzuckersensitive Menschen ggf. achten.

Wird das Obst hingegen ‘ganz’ gegessen – dann ist es nach diesem Beitrag von Nutritionfacts.org (‘Can you eat to much fruit?’) u.a. mit Verweise auf diese Studie (‘Effect of a very-high-fiber vegetable, fruit, and nut diet on serum lipids and colonic function.’) so ziemlich egal, wie viel davon pro Tag gegessen wird – auch 20 Portionen sind kein Problem. Für Diabetiker soll nach dem NF-Artikel die Fruktose aus Obst (in Maßen verzehrt) ebenfalls kein Problem darstellen – wenn die Ballaststoffe nicht entfernt werden, wie es leider in Saft, Zucker, etc. pp. der Fall ist. Also Obst lieber ‘ganz’ essen 🙂

Insofern ist auch von allen Arten von ‘Kaufsaft’ abzuraten, wo insb. bei Apfelsaft die Situation wohl sehr gruselig ist (ink. Bio-Apfelsaft) [3]. Nach dem Artikel förder die den Säften zugesetzte Zitronensäure (E 330) auch noch gleich die Aufnahme von Metallen wie Blei, Aluminium und Radionukliden im Körper – und greift den Zahnschmelz an [4] – Leckerschmecker! Und bei Apfelsaft in Tetra-Paks und Plasteflaschen gilt das was ich schon zu BPA & Co. geschrieben hatte.

Weitere Nachteile? Ja, beim Saubermachen…

Bis der ganze Entsafter, Auffangbehälter, insb. das Trester-Sieb und der Tresterauslass wieder sauber ist dauert es schon ein paar (5-10) Minuten.

Wo beim Turbomixer einmal kurz durchgespült und ggf. kurz mit klarem Wasser und einem tropfen Spüli sauber gemixt wird  – dauert die komplette Reinigung selbst bei der Kurvings Saftpresse ca. 8-10 Minuten (inkl. Abtrocknen). Und die Kurvings-Presse ist eine der Besten in Bezug auf den Aspekt des Saubermachens.

Ach ja, mit dem Trinken sollte nicht lange gewartet werden – genau wie beim Smoothie oxidiert der Saft recht schnell.

Gibts auch gute Nachrichten?

Trester-Sieb

Ja, auch die gibt es. Populär wurde das Pressen von (Blatt-)Gemüse u.a. durch den Geschäftsmann Norman Walker. Der Vorteil der Gemüsesäfte ist denn ja auch, das dadurch viele Vitamine und andere pflanzliche Stoffe schnell und ggf. zusätzlich zu anderem Essen oder bei Problemen mit der Verdauung zugänglich sind.

So können gerade Kranke Ihre Ration an Gemüsen deutlich steigern – selbst wenn Magenprobleme vorliegen und (rohe) Gemüse aktuell nicht oder nur im geringen Maße verzehrt werden können. Denn die Verdauung braucht auch Energie und Zeit – und möchte man natürliche Nährstoffe schnell verfügbar zuführen, dann hat eine Saftpresse sicher ihre Vorteile und ist jeglicher (synthetischer) Vitamintablette (oft fragwürdiger Herkunft) vorzuziehen.

Auch beim Fasten werden teil Gemüsesäfte empfohlen um eine Versorgung mit vielen Mikronährstoffen und Vitaminen sicherzustellen. Allerdings habe ich mich nie mit dem Fasten in ausreichender Tiefe beschäftigt – also ob und wann das über die Grenze von 1-3 Tagen sinnvoll ist.

Mein (eigenes) Fazit

Zutaten für ein 0,4l Smoothie.

Ich presse nur noch sehr selten (Gemüse-)Säfte – und mache mehr grüne Smoothies. Wenn ich im eigenen Garten einen Überschuss an Blattgrün, Gurken & Co. habe und nicht weiß wohin damit – dann presse ich mir doch noch mal gerne einen Saft.

Kaufe ich allerdings das Gemüse auf dem Markt oder im Supermarkt, dann möchte ich nicht unbedingt einen Teil von diesem – inkl. den dort noch enthaltenen Nährstoffen – wegschmeißen. Schaue ich auf nebenstehend abgebildeten Zutaten, aus welcher ein Smoothie gemixt – aber auch ein Saft gepresst werden kann – dann mache ich doch lieber einen Smoothie daraus. Der ist auch deutlich schneller zubereitet…


Quellen

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