Das Aktivatoren-Trio: Vitamin A, D, K(2) & der Calcium-Metabolismus: Gute Zähne & Knochen & keine Atherosklerose

Von | 16. September 2020

Die Vitamine A, D und K – zusammen ein starkes Aktivatoren-Trio!

Nach dem Lesen von zwei Büchern zum Themenkomplex Vitamin K(2) [1] und Calcium [2] war mir klar, das ich meine Blog-Artikel zu Vitamin A und Vitamin D stark überarbeiten und ergänzen sollte. Zudem verdient Vitamin K2 einen eigenständigen Artikel – um diesem essentiellen Vitamin auch gerecht zu werden.

Was mir ‘so’ nicht klar war: Die fettlöslichen Vitamine A, D, K – aber auch E – interagieren miteinander. Ungleichgewichte bei der Ergänzung von einem haben Auswirkungen auf die anderen. Dies erklärt aus meiner Sicht auch teils widersprüchliche Ergebnisse von Studien, wo die hoch dosierte Einnahme von einem dieser Vitamine letztendlich nur die typische Mangelsymptome eines (oder mehrerer) der anderen auslöst(e).

So möchte ich mit der Überarbeitung meiner Artikel zu Vitamin A, D & K2 diesen Themenkomplex besser abdecken und werde einige Artikel in den nächsten Wochen in einer überarbeiteten Version ‘neu’-veröffentlichen. Den Anfang macht heute der D3-Artikel:

In diesem Artikel möchte ich es sehr kurz halten und nur über die Aspekte schreiben, die all die fettlöslichen Vitamine und Ihr Zusammenspiel betrifft:

  • Das Aktivatoren-Trio “Vitamin A, D, K” und Calcium
  • Einiges in Bezug auf die Interaktionen von Vitamin A, D, E – und der Dosierung von Supplementen

sowie mein übliches Fazit.

Das Aktivatoren-Trio “Vitamin A, D, K” und der Calcium-Metabolismus

Vitamin K steht mit D & A (als Retinol) in einer starken Wechselbeziehung – speziell im Kontext des Calcium-Stoffwechsels. Der Calcium-Stoffwechsel ist essentiell für die Knochen-,  Zahn-, Arterien- und Herzgesundheit & viele anderen (u.a. oxidativer Stress). Deswegen wird der Calcium-Spiegel vom Körper extrem streng kontrolliert.

Im Kontext Calcium werden die Vitamine A und D für die Produktion von Proteinen wie Osteocalcin  (OC) und MGP (Matrix-Gla-Protein) benötigt, wobei das Vitamin K2 diese Proteine aktiviert (-> Carboyxliert). OC und MGP sind wichtig für den Transport von Calcium im Körper. Ohne A & D kein OC und MGP – ohne K2 keine Aktivierung, wodurch Calcium nicht in die Knochen – aber in die Arterien, Herzklappe & Co. eingebaut wird. Mega-Ungut.

Die fettlöslichen Vitamine A, D und K2 (Anm.: E hat eine Sonderrolle) unterscheiden sich zudem grundlegend von anderen Nährstoffen, welche in der Regel nur als Co-Faktoren von Enzymen wirken. Vitamin A & D regulieren jedoch die Aktivität von Genen, die die Zellen veranlassen, Proteine bzw. Enzyme zu produzieren. K2 beeinflusst dann zwar nicht die genetische Aktivität, aber aktiviert Proteine und ermöglicht ihnen, z.B. Calcium zu binden, damit sie ihre Aufgabe erfüllen können, u.a. den Aufbau von Knochen & Zähnen. Aus diesem Grund bezeichnete der Zahnarzt Dr. Weston Price Vitamin A, D und ‘X’ (-> K2) als “Aktivatoren”.

Die Beziehung zwischen A, D und K2 wird gut durch ein Bild illustriert, das ich in Anlehnung an Rheaume-Bleue [13] verwende. Es zeigt die drei Viro-Brüder, ein akrobatisches Ensemble aus der Zeit um die Wende zum 19. Jahrhunderts – wobei hier jeder Bruder für ein Vitamin steht:

  • Die Vitamine A und D stehen an der Basis der Formation.
  • D ist präsent, schaut direkt ins Publikum und ist derzeit der Liebling der Ernährungswelt.
    • Auf D fußt die Formation.
  • A ist der Bruder mit dem Kopf zwischen den Beinen von – der unbekannte, ggf. Unheimliche!
    • Ohne A würde diese Formation umkippen.
  • Über allem steht K(2), der Bruder an der Spitze. K kann jedoch nichts ohne A und D machen und würde ohne sie flach auf sein Gesicht fallen.
    • In der Tat ist K ohne A und D größtenteils nutzlos.

Allerdings können A & D auch ohne (extra) K(2) ihren eigenen kleinen Spagat machen. Das kann, je nach dem, jahrelang recht gut klappen – weil zumindest immer ein bisschen K1 in der (pflanzlichen) Nahrung ist, was, in sehr engen Grenzen, zu K2 (primär in Tierprodukten aus Grasfütterung sowie Natto) umgewandelt werden kann. Das volle Potential wird jedoch erst mit genug K(2) ausgeschöpft.

Hier eine etwas ausführlichere Erklärung: Vitamin D erhöht die Produktion von OC (synergistisch mit A) und MGP und steigert die Calcium-Absorption im Darm. Wenn jedoch zu viel MGP produziert wird – was dann nicht durch K(2) aktiviert (-> Carboxyliert) werden kann, dann kann dies zu vermehrter arterieller Plaque führen. Vitamin A begrenzt jedoch die Produktion von MGP , was in Folge K(2) spart und negative Effekte von zu viel D mindert. Zudem veranlasst A wohl auch den Körper dazu, das durch K(2) aus den Arterien freigesetzte Calcium auszuscheiden.

Allerdings bedarf es dazu einer Balance von Vitamin A, D, K und ggf. auch E – etwas was ich mit den einzelnen Artikel in Hinblick auf Dosis, Co-Faktoren und auch genetische Eigenheiten verschiedener Menschen abdecken möchte.

Einiges in Bezug auf die Interaktionen von Vitamin A, D, E – und der Dosierung von Supplementen

Die fettlöslichen Vitamine interagieren miteinander und können sich im Körper, speziell in der Leber, akkumulieren. Was jahrelang gut gehen mag – geht ab einem bestimmten Punkt auf einmal nicht mehr. Thomas E. Levy, MD [3, Seite 95] schreibt so (übersetzt mit deepl.com)

“Von den vier fettlöslichen Vitaminen (A, D, E ,K) können drei (A, D, E) in toxische Konzentrationen gebracht werden, da sie sich zunehmend in der Leber und im Fettgewebe des Körpers anreichern.”

Allerdings geht es bei den toxischen Dosen nicht um ‘Kleinkram’, sondern um wirklich hohe Dosen, die dann auch chronisch (über lange Zeit) eingenommen werden müssen. Für mich wären das:

  • Vitamin D3: > 10.000-50.000 IE / Tag über Monate,
    • bzw. Serum-Spiegeln von 25(OH)D > 80 ng/ml
    • mit weiteren Nachteilen für den Calcium-Stoffwechsel, wenn ausreichend A & K fehlen bzw. zu viel Calcium zugeführt wird.
  • Vitamin A (als Retinol): > 10.000 IE / Tag über Jahre
    • bzw. starke Missverhältnisse bei der Zufuhr von Vitamin D & A.
  • Vitamin E: ggf. schon ab 400 IE – wenn nur reines Alpha-Tocopherol (a-T) zugeführt wird und Vitamin A (als Retinol) fehlt.
    • U.a. in Bezug auf die Beeinträchtigung von Vitamin A hinsichtlich Augenkrankheiten, wenn dieses fehlt oder nicht ergänzt wird [49],
    • bzw. Störung vom Vitamin-E-Metabolismus, wenn nur a-T, aber nicht die anderen acht Tocopherole und Tocotrienole zugeführt werden.

Aus meiner Sicht sollte die Thematik der Vitamin E Ergänzung ab 400 IE nicht überbewertet werden. Bleue [1] schreibt denn auch in Bezug auf Weston A. Price, dass die Ernährung gesunder traditioneller Menschen mindestens viermal mehr Mineralien und wasserlösliche Vitamine und mindestens zehnmal mehr fettlösliche Vitamine enthielt – als die übliche amerikanische Ernährung der 1930er Jahre. Das Problem sind also nicht unbedingt die 400 IE Alpha-Tocopherol, sondern der (ausgesprochene) Mangel an den anderen fettlöslichen Vitaminen.

Zudem scheint es für Vitamin K gar keinen toxischen Wert zu geben [1][2], wobei die Vitamine E und K auf ähnlichen metabolischen Pfaden abgebaut werden und (sehr) hochdosiertes Vitamin K (theoretisch) zu einer Beeinträchtigung des Vitamin-E-Mangel Stoffwechsels beitragen könnte [7]. Exzessive Mengen an Vitamin A und E erzeugen durch Hemmung der Carboxylase eine antagonistische Wirkung, so dass sie wohl einen relativen Vitamin-K-Mangel erzeugen können [6, in Verweis auf (Booth et al., 2004; Olson, 1984)]. Aber auch das ist nur relevant bei einem Ungleichgewicht, das effektiv nur durch eine sehr einseitige Supplementierung erreicht werden kann.

Mein Fazit

Kate Rheaume-Bleue: Vitamin K2 und das Calcium-Paraxodon - DAS Buch zu und über Vitamin K2.

Kate Rheaume-Bleue: Vitamin K2 und das Calcium-Paraxodon – DAS Buch zu und über Vitamin K2.

Vitamin A, D, und K werden aus meiner Sicht oft missverstanden, weil meist nur das Duo aus D3 & K2 betrachtet wird – aber eben nicht Vitamin A als Retinol. Die Studienlage, die sich dann oft nur auf eines der Vitamine konzentriert – aber nicht eben auch auf die beiden anderen – führt dann zu Fehlschlüssen. In dieser Hinsicht ist das Buch Vitamin K2 und das Calcium-Paradoxon von Bleue [1] wirklich zu empfehlen. Allerdings erfasst auch dieses Buch, was sich neben K2 sehr intensiv mit Vitamin A & D beschäftigt, nicht die fundamental problematische Rolle von (zu viel) Calcium aus der Nahrung bzw. Supplementen.

Erst das Calcium-Buch von Levy [2] schließt den Kreis für mich – gerade im Hinblick auf das Verständnis von Osteoporose, Arteriosklerose und anderen Herzkrankheiten, wobei Levy die Rolle von Vitamin A nicht betrachtet. Levy geht jedoch auf die absolute Wichtigkeit von ausreichend Vitamin C und die absolute Mäßigung in Bezug auf die Aufnahme von Calcium im Kontext der vorgenannten Krankheitsbilder sowie die Zahngesundheit ein.

 


Quellen / Links:

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