Pestizidrückstände in Lebensmitteln – Muss es immer Bio sein? Zu Mehrfachbelastungen & einer Top 10 der guten & schlechten Obst & Gemüse

Von | 29. März 2017
EU Biolabel

Biolabel – Immer nötig? Bildquelle: Wikipedia, Autor: Dusan Milenkovic, Lizenz: Gemeinfrei

Wie viel Pestizidrückstände sind in Obst und Gemüse drin? Lohnt Bio immer und überall? Auf welche konventionellen Lebensmittel sollte unbedingt verzichtete werden? Und was sind die problematischen Länder? Viele Fragen den in in diesem Artikel nachgehen möchte inkl.:

  • Was sind Mehrfachbelastungen’?
  • Ist Bio grundsätzlich besser?
  • Was sagt die Greenpeace-Studie grundsätzlich aus? Was ist gut, was ist schlecht?
  • Was das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel? Was ist gut, was ist schlecht?
  • Top 10 der unbedenklichen & schlechten Lebensmittel

Basis für diesen Artikel lieferten auch Untersuchungen von Greenpeace aus 2014 [5][6][7]. Dort hatte diese Organisation eine große Studie durchgeführt in denen verschiedenste konventionelle Lebensmittel auf Spritzmittelrückstände untersucht wurden. Dabei wurde auch nach den Herkunftsländern unterschieden und es wurden Mehrfachbelastungen untersucht.

Am Ende des Artikels folgt dann mein übliches Fazit.

Was sind ‘Mehrfachbelastungen’?

Mehrfachbelastungen nennt man es wenn sich viele verschiedene Spritzmittel auf einem Lebensmittel finden. Das Problem ist das zwar Maximalwerte je Gift definiert sind – aber nicht für den ‘Cocktail’ aus verschiedenen Giften. So ist ein Gemüse noch o.k. wenn es 20 verschiedene Spritzmittelrückstände knapp unter den Grenzwerten enthält – aber nicht mehr ‘Marktfähig’ wenn es nur die Rückstände von nur einem Gift aufweist das dann den zulässigen Grenzwert überschreitet.

Das diese Regulierung nichts mit den wirklichen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus zu tun hat, dann ist sicher nachvollziehbar. Weiterhin sind die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Giften, insb. der Synergismus – bei dem sich die schädliche Wirkung der Gifte ggf. potenziert, kaum untersucht oder bekannt.

Ist Bio grundsätzlich besser?

Nach der Greenpeace-Studie [5]]6][7] gibt es hier nur ein Aussage dazu: Ja! Bio-Obst und Gemüse war in den Tests zu über 82% unbelastet. Konventionelles Obst nur zu ca. 20% und Gemüse zu ca. 43%.

Wegen der Belastungen empfiehlt Greenpeace nach dem Hantieren mit konventionellem Obst sich sogar die Hände zu waschen. Ebenfalls wird auch empfohlen das Obst und Gemüse das mit Schale verzehrt wird gründlichst vor dem Verzehr zu waschen.

Was sagt die Greenpeace-Studie grundsätzlich aus? Was ist gut, was ist schlecht?

Das habe ich für mich aus der Greenpeace-Studie mitgenommen:

  • Konventionelles Obst ist deutlich stärker belastet als Gemüse.
  • Zitrusfrüchte und Bananen sind oft sehr stark belastet.
  • Sowie auch die exotischen Früchte wie Papaya, Mango, Ananas, Pitahaja.
  • Tafeltrauben haben den größten Chemiecocktail – bis zu 24 Giftstoffe.
  • Südländer (Asien, Afrika, Südamerika), aber auch die Türkei, sind oft problematisch.
  • Deutsches Gemüse schneidet in der Regel gut ab, leider nicht die Äpfel.

Das ließt sich nicht so toll…

Was das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel? Was ist gut, was ist schlecht?

Auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel (BVL) hat eine Untersuchung gemacht über welche die Verbraucherzentrale Niedersachsen [1]berichtet.

Dort schneiden gut ab (>70% o.k.):

  • Gemüse: Blumenkohl, Mangold, Rhabarber, Spargel, Zuckermais, Zwiebeln
  • Nüsse: Erdnüsse, Kürbiskerne, Haselnüsse, Maronen (Esskastanien), Pinienkerne
  • Sonstiges: Apfelsaft, Rapsöl, Sonnenblumenöl

und sehr schlecht (<30% o.k.)

  • Gemüse: Bohnen, Feldsalat, frische Kräuter, Lauchzwiebeln, Grüner Salat, Grünkohl, Knollensellerie, Kraussalat, Okra, Rosenkohl
  • Obst: Ananas, Äpfel, Aprikosen, Birnen, Feigen, Granatäpfel, Grapefruit, Kirschen, Limetten, Mandarinen, Mangos, Melonen, Orangen, Pitahaya, Pfirsiche, Wein-/Tafeltrauben, Zitronen, getrocknete Aprikosen, Rosinen
  • Beeren: Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren
  • Sonstiges: Birnensaft, Wein, Linsen

Dabei waren die Spitzenreiter an Mehrfachbelastungen:

  • Wein-/Tafeltrauben, Kirschen, Äpfel, Pfirsiche, Johannisbeeren, Grapefruit, Rucola, Grüner Salat, Birnen, etc. pp.

Top 10 der unbedenklichen & schlechten Lebensmittel

Hier [3] habe ich noch eine Liste von Obst und Gemüse gefunden die das ganze in den Top 10 der guten und schlechten konventionellen Lebensmittel einteilt. Leider ist die Liste aus den USA – so das gerade die Herkunftsländer der Südfrüchte oft andere sind also in Europa – und damit auch die Giftstoffe und Belastungen. Beim Rest sind die Anbautechniken wohl ähnlich – denn die Daten korrelieren sehr stark mit denen von Greenpeace und dem BVL.

Hier die kommentierten Listen – zuerst einmal die Positivliste:

  • Avocado
  • Zuckermais
  • Ananas (nach Greenpeace und BVL nicht o.k.)
  • Kohl
  • Erbsen (Gefroren)
  • Zwiebeln
  • Spargel
  • Mango (nach Greenpeace und BVL nicht o.k.)
  • Papaya (nach Greenpeace und BVL nicht o.k.)
  • Kiwi

Auf der Negativliste stehen [4]:

  • Erdbeeren
  • Äpfel
  • Nektarinen
  • Pfirsiche
  • Sellerie
  • Weintrauben
  • Kirschen
  • Spinat (nach Greenpeace aus Deutschland und Italien o.k., nach BVL insg. eher nicht)
  • Tomaten
  • Paprika

Mein Fazit – Was mache ich?

Bei Gemüse habe ich eine Positivliste (u.a. Kohl für eigenes Sauerkraut) die ich zur Not auch konventionell kaufe. Bei Obst kaufe ich jedoch nur noch Bio – und auf Obst außerhalb der EU verzichte ich mit der Ausnahme für Bananen für mein Eis, sowie Dattel, Feigen und Sultaninen (Getrocknet), fast vollständig.

Was ggf. noch erwähnenswert ist: Nicht-Bio Südfrüchte, die von außerhalb der EU kommen, können bestrahlt sein – das muss aber im Kleingedruckten deklariert sein. Bei Gewürzen gibt es diese Deklarationspflicht jedoch nicht [2]. Grundsätzlich und auch speziell deswegen würde ich nur Bio-Qualität kaufen.


Quellen / Links

Schreibe einen Kommentar