Buchempfehlung: Essen gegen Herzinfarkt – Dr. Caldwell B. Esselstyn

By | 19. September 2016
Buchcover: Essen gegehn den Herzinfarkt von Dr. Esselstyn

Buchcover. Foto: H.C.

Dieses Buch von Caldwell B. Esselstyn hatte ich letztens bei einer Verlosung gewonnen 🙂

Positiv Überrascht!

Beim Lesen des Buches war ich positiv ĂŒberrascht. Nicht wegen fundamental neuer Erkenntnisse – sondern weil der wissenschaftlich belegte Hintergrund auf alle zusĂ€tzlichen Fette in der ErnĂ€hrung zu verzichten – sehr gut fĂŒr den Einsteiger dargelegt wird. ZusĂ€tzliches Fett meint auf (raffinierte) Öle, fetthaltige Aufstriche (verarbeitete Fette, Margarinen, etc.) und andere fettreiche Lebensmittel komplett zu verzichten – schließt also normale Kuchen, Kekse (haben ca. 50% Fettkalorien) und die meisten tierische Produkte mit ein.

Das Buch hat ein modernes Layout, ist hervorragend zu lesen und ĂŒberzeugt mit Geschichten von betroffenen Menschen die Herr Dr. Esselstyn ĂŒber eine Dekade in einer Langzeitstudie begleitet hat. Dazu werden die wissenschaftlichen HintergrĂŒnde, Studien und viele Bilder anschaulich erklĂ€rt und auch erlĂ€utert warum sich diese Erkenntnis so wenig durchgesetzt hat.

Cholesterin unter 150 mg/dl?!

Eine Kernaussage im Buch ist das der Cholesterinspiegel optimaler weise um/unter 150 mg/dl sein sollte um Herz-Kreislauferkrankungen dauerhaft zu vermeiden. Unter diesem Wert spielt auch wohl auch das VerhĂ€ltnis von LDL (“schlechtes” ) und HDL (“gutes”) Cholesterin keine große Rolle mehr, wobei ein LDL unter 80 mg/dl empfohlen wird. Nur unter diesem Wert kann angenommen werden das die Arterien sich nicht weiter zusetzten und sich der Prozess sogar umkehrt. Die Daten gehen u.a. auf die Framington Heart Study zurĂŒck, welche ich in dem Link vorstelle.

Leider dĂŒrften das die wenigsten Deutschen schaffen. Fast alle Menschen die ich kenne haben einen Spiegel ĂŒber 190 mg/dl, die meisten ĂŒber 200. Viele Menschen merken (leider) erst zu spĂ€t die Folgen einer zu fettreichen ErnĂ€hrung – wenn der Herzinfarkt, Gehirnschlag mit höherem Alter dann plötzlich da sind. Aber auch Impotenz, RĂŒckenschmerzen und Alzheimer können Anzeichen von immer verstopfteren Arterien sein.

Perforierte Adern & Co.

Erschreckend (im positiven Sinne) in dem Buch sind Bilder & Fotos von verschiedenen Krankheitsbildern. Z.B. was passiert mit Cholesterin-Ablagerungen an Adern die auf einmal auskristalisieren? Genau wie bei Eis gibt es scharfe Kanten (eben ein ‘Kristall’) und eine Expansion des Volumens. So kann es zu einem Verschluss einer Ader kommen – oder sogar zu einer Perforation – und damit zu einer inneren Blutung. Und viele dieser inneren VerschlĂŒsse & Co. (Mikroinfarkte) werden nicht einmal bemerkt.

Hoher Blutdruck? Eine Frage: Was muss ich machen wenn ich durch einen Gartenschlauch mit geringeren Durchmesser die gleiche Menge Wasser Pumpen pro Zeiteinheit möchte? Druck erhöhen? Genau! Im Körper ist es nicht anders…. setzten sich die Arterien durch Plaques zu – wird der Druck erhöht um die Organe (hoffentlich) noch ausreichend zu versorgen.

Keine gute Öle – auch nicht Olivenöl

Nach Esselstyn gibt es keine ‘guten’ Öle! Entweder es wird (in Maßen) die ganze Frucht (z.B. Olive) oder den Samen (z.B. Sonnenblumenkerne) gegessen, welche dann auch Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien mitbringt  – oder eben nicht. Wer es nicht so eng sieht der sollte meiner Ansicht darauf achten, das er zumindest Öle mit viel PalmitinsĂ€ure (gesĂ€ttigte FettsĂ€ure) vermeidet und insgesamt mindestens doppelt so viele ungesĂ€ttigte FettsĂ€uren wie gesĂ€ttigte (2:1) zu sich nimmt.

AndĂŒnsten kann auch in Wasser anstatt Öl passieren – hohe Temperaturen wie beim scharfen Anbraten sind erzeugen karzinoge Stoffe, welche beim Verzicht auf Öle zum anbraten automatisch wegfallen. Zudem sollten Avocados und NĂŒsse ebenso wie (fettreiche) Samen nur in sehr engem Maß genossen werden.

Was empfohlen wird ist 1-2 TL Leinsamen pro Tag fĂŒr die ausreichende Versorgung mit Omega 3 und 6 FettsĂ€uren – das war es dann aber auch schon. Alle anderen Fette die der Körper braucht stecken in jedem Lebensmittel – selbst in Obst und GemĂŒse und insb. auch in Getreiden. Ich wĂŒrde im Zweifelsfall noch einmal die Woche mit Fisch ergĂ€nzen – im Kontext von EPA, DHA, Taurin, Kreation & Co. Das ist bei vorherigem Fleischkonsum (meiner Ansicht nach) jedoch erst nach ein paar Monaten wirklich relevant.

Demenz und Alzheimer

Sehr gut finde ich auch, das Esselstyn auch auf die Demenz-Problematik durch den Fettverzehr eingeht (ab Seite 92). Denn es muss nicht immer der große Schlaganfall oder Hirnschlag sein – durch die Plaquefetzen die sich aus den Adern lösen können kann es auch zu sehr kleinen Embolien im Gehirn kommen die unbemerkt verlaufen, quasi ein stummer (Herz-)infarkt. Dieses fĂŒr mit der Zeit zu GedĂ€chtnisschwĂ€che und dann zu schwerer Demenz.

Esselstyn verweist auf zwei Studien mit 500 und 5000 Menschen bei denen der Zusammenhang einer Arterienerkrankung und Demenz belegt wurde – und interessant dabei: das Alter spielte hier keine Rolle. Das was zĂ€hlte war die Gesundheit der Arterien!

Die MRI (Magneto-Ressonanzaufnahmen) von einem gesunden und einem dementen Gehirn (also die mit den vielen kleinen unbemerkten SchlaganfĂ€llen durch zu fettreiche ErnĂ€hrung) ist dann noch mal ganz krass. Wenn also das Herzinfarktrisiko kein Grund ist Fettarm (bzw. fettĂ€rmer, also zumindest unter 25% der Kalorien als Fett) zu essen – dann vielleicht fĂŒr den ein oder anderen die Sorge um die geistige Gesundheit bzw. das Risiko an Demenz (bzw. Alzheimer) zu erkranken (vorausgesetzt, das die Annahmen von Esselstyn korrekt sind).

Kompakt & viele Rezepte

Der große Pluspunkt am Buch ist zudem, das alles Wichtige in wenigen Seiten niedergeschrieben ist, so das sich die zweite HĂ€lfte des Buches auf leckere, einfache und fettfreie Rezepte fĂŒr FrĂŒhstĂŒck, Mittag, Abend, Salate, Nachtisch, Kuchen und Kekse konzentrieren kann. Dies ist gerade fĂŒr Einsteiger in die Thematik wichtig, weil viele eine Änderung der Gewohnheiten als Verlust oder Verbot empfinden – anstatt die vielen neuen Möglichkeiten zu sehen die Sie bisher gar nicht gedacht und welche Sie noch weniger ausprobiert haben!

Esselstyn lĂ€sst dabei auch noch in Maßen Zucker zu – sein Thema ist ja der Herzinfarkt und nicht die Gewichtsabnahme wie z.B. bei McDougal – so das die Rezepte eine sehr breite Menge von Menschen direkt ansprechen dĂŒrften. Auf dieser Seite des Verlages gibt es dann auch ein Link auf eine Leseprobe mit Rezepten.

Mein Fazit

Bei all den vielen BĂŒcher die ich bez. einer pflanzlichen, vollwertigen und fettarmen ErnĂ€hrung gelesen habe ist dieses das was ich aktuell zum Einstieg empfehlen wĂŒrde, wenn es nicht primĂ€r um den Gewichtsverlust geht – denn Esselstyn erlaubt Zucker & Co. – nur eben Fett nicht.

In Fall der Gewichtsabnahme, gekoppelt mit der Herzgesundheit, wĂŒrde ich eher zur deutschen Version von McDougals Starch Solution greifen. McDougal geht dabei breiter auf die gesamte ErnĂ€hrung ein und gibt auch Hintergrundwissen. Das kann zum Anfang etwas verwirren und ggf. ein zu viel an Information sein – schafft jedoch ein breiteres VerstĂ€ndnis fĂŒr die verschiedenen Lebensmittel. FĂŒr ganz viele Fakten und Tips die Leseratten interessieren können ist Dr. Gregers Buch How Not To Die (der Link verweist auf meine Rezession) mein Tip.

Update: Wer eine ganz alternative Sichtweise auf die Entstehung von Herzkrankheiten sucht bzw. dafĂŒr interessiert ist, dem lege ich durchaus aus Dr. S. Gundry Buch ‘Plant Paradox’ ans Herz – was sich auch mit den AnsĂ€tzen von McDougal und Esselstyn kombinieren lĂ€sst.

Nachtrag: In meinen Artikel ĂŒber Fette Ă€ußere ich die These das es bei der Fettreduktion von Esselstyn ggf. primĂ€r um das oxidierte LDL Cholesterin und andere oxidierte FettsĂ€uren geht, welche insbesondere ĂŒber erhitzte (tierische) und hoch prozessierte Fette (u.a. raffinierte Öle, Margarine, Backwaren & Co.) aufgenommen werden. Wer alle Fette reduziert, der reduziert denn auch diese Art der besonders schĂ€dlichen Fette sehr effektiv. Ob ein so krasser Fettverzicht, wie Ihn Esselstyn vorschlĂ€gt, jedoch wirklich nötig ist – das ist fĂŒr mich jedoch die noch offene Frage, jedoch macht es fĂŒr mich biochemisch durchaus Sinn!

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