Nahrungsergänzungsmittel (NEM): Inhalts-, Zusatz- & Füllstoffe – was man wissen sollte

Von | 17. Juli 2016
Verschiedene Nahrungsergänzungsmittel

Verschiedene Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) – für viele ist das beim Einstieg eine durchaus komplexe Sache. In meinen Artikeln diskutiere ich ja im Detail was der Unterschied von ‘Zink’ und seinen Formen (z.B. Citrat, Gluconat, Glycinat, etc.), ‘Magnesium’ und seinen Formen (z.B. als Bisglycinat, Malat, Citrat, Taureat, Oxid, Threonat), etc. ist. Die Mineralien müssen an bestimmte Stoff gebunden sein – reine metallische Zink-, Magnesium- oder sogar Eisenspäne im Essen wären sehr ungesund.

Wenn es dann daran geht das ‘richtige’ Präparat aus einem Angebot von Dutzenden von Herstellern auszumachen – dann gibt es jedoch noch weitere Aspekte wie Inhalts- und Zusatzstoffe. Einiges von dem, worauf ich so achte, möchte ich in diesem Beitrag kurz darlegen.

Auf was sollte grundsätzlich bei NEM’s geachtet werden?

  • Zusatz- und Füllstoffe
    • Oft sind in NEM’s Füll- und Zusatzstoffe, Trennmittel, etc. pp. enthalten die der Gesundheit nicht förderlich sind.
      • Hier ist insbesondere Titandioxid zu nennen (Entzündungsfördernd).
        • Wird benutzt, damit die Pille schön “Weiß” ist.
      • Auch Süßstoffe (Aspartam, Sorbitol, Sucrose, etc.) sind für mich absolut zu vermeiden.
        • Damit die Tablette besser “schmeckt”.
      • Aber auch Dinge wie Mannitol & Co. haben aus meiner Sicht nichts in NEM und Arzneimitteln zu suchen – und bereiten oft Verdauungsprobleme.
    • Siliziumdioxid ist für mich zumindest umstritten, jedoch fast immer anzutreffen und breit in Arzneimitteln, Kosmetika, Zahnpasta & Co. verwendet.
      • Wenn es enthalten ist, sollte es eher als letzte Komponente aufgeführt sein (-> mengenmäßig geringster Anteil).
    • Magnesiumstereat ist ebenfalls umstritten, scheint jedoch eher unkritisch zu sein. Keines ist jedoch besser.
    • Polysorbat 80, Carragen sind ebenfalls sehr umstritten.
    • Sojalecitin würde ich selber vermeiden, Sonnenblumenlecitin ist optimaler für mich – aber das steht nicht immer zur Auswahl.
    • Aromen, Farb- und Geschmacksstoffe haben für mich in NEM’s in der Regel nichts zu suchen.
    • Optimal ist für mich natürliches wie Mikrokristalline Zellulose, Kokosmehl, ggf. Glycin, Reismehl & Co. als Füllstoff.
    • Aber auch die Kapselhülle kann relevant sein: Pflanzlich – oder aus (Schweine-, Fisch- oder Rinder-) Gelantine?
      • Tip: Kapseln aus tierischer Gelatine würde ich in der Regel nur aufbeißen und die Kapsel ausspucken.
  • Pflanzliche Herkunft nicht immer besser
    • Oft werden Vitamine aus getrockneten Obst & Getreide angeboten, z.B. B-Vitamine aus Buchweizen, Vitamin C aus Acerola. Dieses muss nicht immer besser sein -> so ist auch hier viel Mist auf dem Markt.
      • Produkte aus Asien können, auch in Bio-Qualität, belastet sein, wie Dr. J. Mutter berichtete (z.B. Paraquat in Bio-Produkten aus Indien).
      • Oft hat Acerola-Pulver kein (bzw. kaum) Vitamin-C mehr – weil das Pulver mit Temperaturen über 50-60 Grad getrocknet wurde.
      • B-Vitamine aus Buchweizen (Extrakt)? Hier wird der Buchweizen in B-Vitamin Nährlösung aufgezogen – was dann später wieder extrahiert wird.
        • Ist dieses wirklich ‘natürlicher’ bzw. ‘besser’ oder nicht?
  • Was ist der genaue Wirkstoff bzw. die chemische Zusammensetzung?
    • Oft ließt man Inhaltsstoff: “Vitamin B12”, “Vitamin D”, “Zink”, “Magnesium”. Das sagt aber rein gar nichts aus!
      • Bei Vitamin B12 – da gibt es verschiedene Formen – vor- und aktive Formen, sowie einige die nicht verwertbar sein sollen (Pseudo-B12, u.a. in Algenprodukten).
        • Und ganz miese wie Cyanocobalamin….
      • Auch bei Magnesium gibt es viele Formen: Ist da also Oxid, Carbonat, Citrat oder optimaler Weise eher die Bisglycinat bzw. Malat-Form enthalten?
        • Dies ist entscheidend für die Bioverfügbarkeit, die Verträglichkeit und die Aufnahme im Margen- & Darmtrakt.
        • So ist gerade in den ‘preiswerten’ Produkten das Oxid enthalten, was nicht gut Bioverfügbar sein soll.
      • Das gleiche gilt z.B. für verschiedene Formen von Zink, Eisen, etc. pp.
  • Unvollständige Angaben
    • Angaben für Kapseln wie “Inhalt: 100% Magnesium” sollten Vorsichtig stimmen.
      • Erst einmal besteht die Kapsel auch aus irgendwas (ggf. tierischer Gelatine) und Magnesium ist nur der Oberbegriff für einen Inhaltsstoff – jedoch keine genaue Deklaration (siehe vorheriger Punkt -> Form).
    • Dann gibt es noch einen Unterschied zwischen ‘Brutto’ und ‘Netto’
      • Beispiel: 1000 mg Magnesium-Bysglycinat enthalten nicht 1000 mg Magnesium – sondern nur 11-14% davon, also ca. 110-140 mg Magnesium. Der Rest ist dann Glycin – auch gut. Insofern sollten auch die Anteile der Inhaltsstoffe richtig deklariert sein.
    • Also unbedingt auf eine Feindeklaration achten. Tip: Gibt es die nicht – oder ist diese uneindeutig – dann Finger weg!
  • Nicht-optimale Wirkstoffkombinationen und Darreichungsformen
    • Dieses Thema ist sehr, sehr unübersichtlich – weil die Bewertung der Mengen, Kompositionen und speziellen Verbindungen von Vitaminen und Mineralstoffen nicht so einfach ist. Ganz wichtig jedoch für mich sind folgende Themen:
    • Zudem bin ich kein Freund von (‘günstigen’) Citrat-Verbindungen – außer man mag die teil abführende Wirkung.

Was (oder wer) sind seriöse Anbieter?

Dies ist das am wenigsten übersichtliche Thema – denn bunte Aufkleber und eine schicke Webseite kann heute fast jeder erstellen. Hier habe ich noch ein paar Zeilen mehr dazu geschrieben.

Meine Leitlinien:

  • Ungünstige Inhaltsstoffe in einigen Präparaten des Herstellers
    • Meint: Wenn es da Produkte gibt, die Folsäure, B12 als Cyanocolbalamin oder inaktives B6 enthalten – bin ich schnell vorsichtig. Das bedeutet für mich, dass der ‘Chief Formulator’ der Firma eher wenig ‘Plan’ hat – oder der Fokus nicht auf optimalen Produkten für die Kunden liegt.
  • Schon länger im Markt aktiv?
    • Meint: Firmen die es vor 2-5 Jahren noch nicht gab nicht unbedingt meiden – aber hinterfragen. Aktuell sind viele (neue) ‘Glückritter’ im Markt und nicht jeder versteht sein Handwerk.
  • Werden Rückstande und Verunreinigungen der Chargen unabhängig Labor-getestet und gibt der Anbieter diese Analysen auf Verlangen heraus?
    • Meint: Zumindest mal anfragen wie der Hersteller hier grundsätzlich agiert – speziell bei neuen Anbietern. Kommt keine Antwort – oder gibt es keine Rückstandsanalysen – dann würde ich vorsichtig sein.
    • Geprüft sollen die angegebenen Inhaltsstoffe, Verunreinigungen mit Schwermetallen – und bei pflanzlichen Produkten unbedingt auch mikrobielle Verunreinigungen und Pilze (u.a. Aflatoxine) und Pestizide – werden.
  • Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht….
    • Meint: Wenn Inhaltsangaben unvollständig sind oder die Werbung eher aggressiv ist –  dann nehme ich lieber Abstand von dem jeweiligen Anbieter.

Mein Fazit

Kritisches hinterfragen & recherchieren ist wichtig. Insbesondere wenn eine Webseite mit sehr (oder nur) positiven Informationen (‘Werbung’) daherkommt – und auch gleich noch das passende Pülverchen anbieten. Produkt und Marketing sollten getrennt sein – alternativ sollten die Informationen seriös argumentiert und mit dem Verweis auf Studien belegt sein.

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