Nahrungsergänzungsmittel (NEM): Inhalts-, Zusatz- & Füllstoffe – was man wissen sollte

Verschiedene Nahrungsergänzungsmittel

Verschiedene Nahrungsergänzungsmittel

Der Markt der Nahrungsergänzungsmittel (NEM) für viele ist das beim Einstieg eine durchaus unübersichtliche Sache. Genau wie bei den Lebensmitteln gibt es die verschiedensten, teils unsinnigen Zusatzstoffe. Im Vergleich zu Pharma-Produkten geben sich jedoch die Mehrzahl der Nahrungsergänzungsmittel-Hersteller aus meiner Sicht einige Mühe nicht ganz so viel “Mist” in die Produkte zu packen.

Da vorgenanntes keine Garantie ist, schaue ich bei jedem (neuen) Produkt auf die detaillierte Inhaltsstoff-Liste. Dort ist mir wichtig, das neben den Wirk-Substanzen und der Kapselhülle optimaler Weise nichts anderes in der Kapsel ist. Danach sollte der Inhaltsstoff in der richtigen Form (Mineralien, Vitamine, Aminosäuren) und / oder Qualität (z.B. Extrakt-Qualitäten bei Pflanzenpulvern) vorliegen.

In meinen Artikeln diskutiere ich ja im Detail was der Unterschied von ‘Zink’ und seinen Formen (z.B. Citrat, Gluconat, Glycinat, etc.), ‘Magnesium’ und seinen Formen (z.B. als Bisglycinat, Malat, Citrat, Taureat, Oxid, Threonat), etc. ist. Die Mineralien müssen an bestimmte Stoff gebunden sein – reine metallische Zink-, Magnesium- oder sogar Eisenspäne im Essen wären sehr ungesund. Bei Vitaminen gibt es ebenfalls verschiedene Formen, z.B. bei Vitamin B12: Cyano-, Adenosyl-, Hydroxo- und Methylcobalamin. Hier muss man wissen was gut, ggf. schlecht oder passend für den Zweck ist. Vitamin B12 ist nicht gleich B12! Das gleiche gilt insbesondere für B2, B3, B6 und Folat (B9).

Einiges von dem, worauf ich so achte, möchte ich in diesem Beitrag kurz darlegen.

Auf was sollte grundsätzlich bei NEM’s geachtet werden?

  • Zusatzstoffe
    • Teils sind in NEM’s Farb-, Füll- und Zusatzstoffe, Emulgatoren, Trennmittel, etc. enthalten die der Gesundheit nicht förderlich sind.
    • Die schlimmsten sind aus meiner Sicht u.a.:
      • Titandioxid (E171), was u.a. Entzündungsfördernd ist – und was auch nach EFSA unsicher für den menschlichen Verzehr ist [1].
      • Polysorbat 80 , ein Emulgator, ist aus meiner Sicht ein totales “No-No.” [5]
      • Süßstoffe (u.a. Aspartam, Sorbitol, Sucrose) sind für mich absolut zu vermeiden. Damit die Tablette besser “schmeckt” wird der Mensch vergiftet.
      • Aromen, Farb- und Geschmacksstoffe haben für mich in NEM’s nichts zu suchen.
    • Mannitol  hat aus meiner Sicht nichts in NEM und Arzneimitteln zu suchen und bereit oft Verdauungsprobleme.
    • Carragen würde ich auch nicht nutzen wollen [4].
  • Antiklumpmittel
    • Verwendet, damit die Zutaten nicht zusammen“bappen” und sich besser bzw. schneller maschinell verkapseln lassen – “Time is Money”.
    • Siliziumdioxid ist für mich zumindest umstritten, jedoch fast immer anzutreffen und breit in Arzneimitteln, Kosmetika, Zahnpasta & Co. verwendet.
      • Tip: Wenn es enthalten ist, sollte es eher als letzte Komponente aufgeführt sein (-> mengenmäßig geringster Anteil).
    • Magnesiumstereat ist ebenfalls umstritten, scheint jedoch eher unkritisch“er” zu sein. Weniger ist hier auf jeden Fall mehr [2][3].
  • Füllstoffe
    • Optimal keine, ansonsten etwas funktionales wie Glycin oder andere Aminosäuren. Die “Füllen und Nähren” gleichzeitig!
      • Alternativ auch mikrokristalline Zellulose, Kokosmehl, Reismehl
    • Auch die Kapselhülle kann relevant sein: Pflanzlich – oder aus (Schweine-, Fisch- oder Rinder-) Galantine?
      • Tip: Kapseln aus tierischer Gelatine würde ich in der Regel nur aufbeißen / ausschneiden, den Inhalt leeren und die Kapsel ausspucken.
  • Pflanzliche Herkunft nicht immer besser
    • Oft werden Vitamine aus getrockneten Obst & Getreide angeboten, z.B. B-Vitamine aus Buchweizen, Vitamin C aus Acerola.
      • B-Vitamine aus Buchweizen (Extrakt)? Hier wird der Buchweizen in B-Vitamin Nährlösung aufgezogen – was dann später wieder extrahiert wird. Sinnvoll?
      • Oft hat Acerola-Pulver kein (bzw. kaum) Vitamin-C mehr – weil das Pulver mit Temperaturen über 50-60 Grad getrocknet wurde.
    • Produkte aus Asien (u.a. Indien, China) können, auch in Bio-Qualität, belastet sein, wie Dr. J. Mutter berichtete (z.B. Paraquat in Bio-Produkten aus Indien).
  • Was ist der genaue Wirkstoff bzw. die chemische Zusammensetzung?
    • Oft ließt man Inhaltsstoff: “Vitamin B12”, “Vitamin D”, “Zink”, “Magnesium”. Das sagt aber rein gar nichts aus!
    • Bei Vitamin B12 – da gibt es verschiedene Formen: Vor-, zwischen- und aktive Formen, sowie einige die nicht verwertbar sein sollen (Pseudo-B12, u.a. in Algenprodukten).
      • Und ganz miese wie Cyanocobalamin….
    • Auch bei Magnesium gibt es viele Formen: Ist da billiges Oxid, Carbonat, Citrat oder optimaler Weise eher die Bisglycinat bzw. Malat-Form enthalten?
      • Warum?: Dies ist entscheidend für die Bioverfügbarkeit, die Verträglichkeit und die Aufnahme im Margen- & Darmtrakt.
        • So ist gerade in den ‘preiswerten’ Produkten das Oxid enthalten, was nicht gut Bioverfügbar sein soll.
    • Das gleiche gilt z.B. für verschiedene Formen von Zink, Eisen, etc.
  • Unvollständige Angaben
    • Angaben für Kapseln wie “Inhalt: 100% Magnesium” sollten Vorsichtig stimmen.
      • Erst einmal besteht die Kapsel auch aus irgendwas (ggf. tierischer Gelatine) und Magnesium ist nur der Oberbegriff für einen Inhaltsstoff – jedoch keine genaue Deklaration (siehe vorheriger Punkt -> Form / Verbindung).
    • Dann gibt es noch einen Unterschied zwischen ‘Brutto’ und ‘Netto’
      • Beispiel: 1000 mg Magnesium-Bysglycinat enthalten nicht 1000 mg Magnesium – sondern nur 11-14% davon, also ca. 110-140 mg Magnesium. Der Rest ist dann Glycin – auch gut.
        • Insofern sollten auch die Anteile der “Netto”-Inhaltsstoffe richtig deklariert sein.
    • Meint: Unbedingt auf eine Feindeklaration achten. Tip: Gibt es die nicht – oder ist diese uneindeutig – dann Finger weg!
  • Nicht-optimale Wirkstoffkombinationen und Darreichungsformen
    • Dieses Thema ist sehr, sehr unübersichtlich – weil die Bewertung der Mengen, Kompositionen und speziellen Verbindungen von Vitaminen und Mineralstoffen nicht so einfach ist. Ganz wichtig jedoch für mich sind folgende Themen:
    • Zudem bin ich kein Freund von (‘günstigen’) Citrat-Verbindungen – außer man mag die teils abführende Wirkung.
    • Sojalecithin ist wegen Soja-Proteinanteilen (Reste) vielfach “nicht gemocht”, Sonnenblumenlecitin scheint ist Alternative.
      • Wenn das Lecithin “entproteiniert” ist, keine Allergie besteht, sehe ich hier eher weniger Probleme.

Was (oder wer) sind seriöse Anbieter?

Dies ist das am wenigsten übersichtliche Thema – denn bunte Aufkleber und eine schicke Webseite kann heute fast jeder erstellen. Hier habe ich noch ein paar Zeilen mehr dazu geschrieben.

Meine Leitlinien:

  • Ungünstige Inhaltsstoffe in einigen Präparaten des Herstellers
    • Meint: Wenn es da Produkte gibt, die Folsäure, B12 als Cyanocolbalamin oder inaktives B6 enthalten – bin ich schnell vorsichtig. Das bedeutet für mich, dass der ‘Chief Formulator’ der Firma eher wenig ‘Plan’ hat – oder der Fokus nicht auf optimalen Produkten für die Kunden liegt.
  • Schon länger im Markt aktiv?
    • Meint: Firmen die es vor 2-5 Jahren noch nicht gab nicht unbedingt meiden – aber hinterfragen. Aktuell sind viele (neue) ‘Glückritter’ im Markt und nicht jeder versteht sein Handwerk.
  • Werden Rückstande und Verunreinigungen der Chargen unabhängig Labor-getestet und gibt der Anbieter diese Analysen auf Verlangen heraus?
    • Meint: Zumindest mal anfragen wie der Hersteller hier grundsätzlich agiert – speziell bei neuen Anbietern. Kommt keine Antwort – oder gibt es keine Rückstandsanalysen – dann würde ich vorsichtig sein.
    • Geprüft sollen die angegebenen Inhaltsstoffe, Verunreinigungen mit Schwermetallen – und bei pflanzlichen Produkten unbedingt auch mikrobielle Verunreinigungen und Pilze (u.a. Aflatoxine) und Pestizide – werden.
  • Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht….
    • Meint: Wenn Inhaltsangaben unvollständig sind oder die Werbung eher aggressiv ist –  dann nehme ich lieber Abstand von dem jeweiligen Anbieter.

Mein Fazit

Kritisches hinterfragen & recherchieren ist wichtig, denn nicht jeder Hersteller von NEM hat seine Hausaufgaben gemacht. Leider kann oben genanntes auch “alten Hasen” wie NOW, Life Extension & Co. passieren – welche diese Fehler nicht machen sollten. Nur sehr wenige Herstellers sind hier lückenlos umsichtig, meint:

  • Keine ungünstigen Zusatzstoffe,
  • keine umstrittenen Füllstoffe,
  • hauptsächlich funktionale Füllstoffe (z.B. Glycin)
  • immer vegane Kapselhüllen,
  • jedes Produkt & jede Charge in Bezug auf Inhaltsstoffe, Pestizide, Schwermetalle und mikrobiell analysiert
  • Markenrohstoffe bzw. konkrete Angabe der Extrakt-Qualitäten bei pflanzlichen Substanzen
  • etc.

Deswegen: Immer im einzelnen nachschauen was “drin” ist.


Links / Quellen

 

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