Die Triage Theorie von Dr. Bruce Ames: (Kurzfristiges) Überleben gegen Lebensspanne & die Relevanz der Mikronärstoffe

Dr. Bruce Ames

Dr. Bruce Ames

In meinem Beiträgen zu Mikronährstoffen bin ich nun schon länglich auf die Wichtigkeit der verschiedenen Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Fette und Vitaminoide) eingegangen. Denn stimmts bei den Grundbausteinen nicht – woher soll das Substrat für all die biochemischen Prozesse im Körper kommen?

Insofern bin ich letztens über die Triage Theorie [1] von Dr. Bruce Ames gestolpert, welche grob zusammengefasst besagt,

“das der Körper bei Mikronährstoffmangel erst einmal die verfügbaren Ressourcen für das einsetzt was das kurzfristige Überleben sichert – auf Kosten von Langzeitauswirkungen – also das langzeitüberleben  des Organismus.”

Das können dann solche Dinge sein, wie chronischen Krankheiten, und insbesondere vorzeitiges Altern – also nicht das, was Mann oder Frau unbedingt möchte. Insofern wäre eine gute Mikronährstoff-Versorgung bzw. weniger Verschwendung davon eine grundsätzlich gute Sache.

Makro <-> Mikro: Nicht das gleiche…

Die meisten Ernährungsberater, Angaben und Tabellen fokussieren eher auf die so genannten Makronährstoffe, also Kohlenhydrate, Proteine und Fett. Dabei wird in der Regel weder die Art, Menge und Gewichtung der essentiellen Aminosäuren unterschieden und auch die Fette werden meist nur in gesättigt und ungesättigt unterteilt. Das dem Körper nur zwei sogenannte essentielle Fettsäuren, Omega 3 und 6, zugeführt werden müssen (und auch dabei noch differenziert werden muss) wird oft vernachlässigt. Bei den Kohlenhydraten geht es dann auch oft nur um die Kalorien, nicht jedoch um die wichtigen Ballast- und Mikronährstoffe, welche ja gerade vollwertige Produkte (z.B. Haferflocken Großblatt) von hoch raffinierten Produkten (-> hoch verarbeitet  -> z.B. Cornflakes) unterscheiden. Allerdings sind gerade die Ballaststoffe essentiell für unser Mikrobiom (-> also die Magen- und Darmbakterien). Auf gleiches hatte ja schon Kollath vor über 70 Jahren hingewiesen.

Das Problem mit den Studien in Bezug auf die Mikronährstoffe

Ein zusätzliches Problem nach Ames ist [2, min. 4], dass es zwar viele Studien gibt, jedoch der Gesundheitsstatus der Probanden nicht genaustens erfasst wird. Nach Ames haben fast alle Menschen irgendwelche (Nährstoff-) defizite und wenn man den Ausgangspunkt nicht kennt, wie will man da irgendwelche Interventionen bewerten? So kann am Ende bei den Studien zwar viel Herauskommen, es werden tollste Schlüsse gezogen & Theorien aufgestellt, aber wirkliche Klarheit besteht dann dennoch nicht.

Ähnliches ist u.a. auch bei Nahrungsergänzungen der Fall und fällt mir im Themenbereich bei Vitamin D immer wieder auf. Vitamin D ohne Vitamin K2 bzw. genug Verzehr von dunkelgrünen Blattsalaten (-> Vitamin K1) und / oder tierischen Produkten (-> Vitamin K2) kann sogar nachteilig sein. Ohne Vitamin K2 (MK4&7) landet das Calcium nicht in den Knochen sondern ggf. im Gewebe. Viele Osteoporose-Studien, die ich im Kontext Vitamin D kenne, beachten oft nicht Vitamin K(2) – und damit ist eigentlich die ganze Studie “für die Tonne”. Ames unterlegt dann seine Aussage mit offiziellen Angaben bez. der Mikronährstoffmängel in der USA [2, min. 4:45].

Ein anderer Aspekt ist z.B. der Folat- bzw. Folsäuremangel [2, min. 13 & min. 21:45]. Viele Menschen machen Sich Gedanken um die Strahlung von Röntgenapparat, Fukushima, Tschernobyl & Co. in Bezug auf DNA Schäden und Krebs. Nach aktuellen Studien kann ein Folsäuremangel das gleiche (und mehr) bedeuten, ohne genug Folsäure (bzw. Folat) können bestimmte DNA Reparaturmechanismen nicht mehr richtig funktionieren. Das gleiche gilt auch für Vitamin B12 (min. 18:30), wobei es auch wichtig für das Gehirn ist. Stichwort: Methylierungszyklus.

Weiter geht es dann mit dem Eisen-Status bei min. 22:20. Dort präsentiert Ames, das es gerade für die Metalle ein zu wenig und auch ein zu viel gibt – gerade in Hinblick auf oxidativen Stress und DNA-Schäden. Zudem sind auch die Verhältnisse und Interaktionen wichtig – z.B. Salz und Kalium sowie Magnesium und Kalzium. Bei Min. 25 geht es dann im Zinkmangel, danach um Biotin sowie Selen [2, min. 26:45].

Mitochondrien & Vitamin K

Ab [2, min. 27:15 – Anm.: Video ist auch weiter unten Verlinkt] folgt dann ein Einwurf in Bezug auf die Mitochondrien (-> unsere Zell-Kraftwerke) und den Einfluss eines Mikronährstoffmangel in Bezug auf DNA-Schäden, Krebs, etc. Das ganze hat dann Dr. Ames zur Formulierung seiner ‘Triage Theorie’ geführt, in welcher der Organismus einfach ausgedrückt ‘Lebensspanne gegen (kurzfristiges) Überleben tauscht’.

Wichtig um das ganze einordnen zu können: Ein DNA Schaden mit einer nachfolgenden Mutation hat bzw. kann langfristig gesehen schlimme Folgen haben. Jedoch ist das egal, wenn man den nächsten Tag ansonsten nicht überleben würde.

Ab min. 33 geht es weiter mit Vitamin K. Eine Mitarbeiterin von Ames (Dr. Rhonda Patrick) wollte kritisch seine Theorie untersuchen und hatte mit Vitamin K (Mangel) angefangen & diesen in Bezug auf die abhängigen Proteine im Körper untersucht. Dr. Ames geht dann in diesem Kontext auf den Gerinnungsfaktor und den Calciumstoffwechsel in Bezug auf Knochen und Blutgefäße ein, welche alle stark Abhängig von Vitamin K(2) sind.

Vitamin D & Autismus, Dosis & Co.

Ab [2, min. 44] geht es dann um den Zusammenhang zwischen Vitamin-D Mangel und Autismus, den Botenstoffen Oxytocin (Bindungsbotenstoff), Serotonin und Tryptophan – sowie die Melatoninproduktion (min. 50). Ein Thematik an dem die schon erwähnte Mitarbeiterin (Post-Doktorin), Dr. Rhonda Patrick, bei Ihm arbeitet. In anderen Vorträgen bestätigt Frau Patrick dann auch das, was ich mir Über Vitamin D aus den verschiedensten Quellen zusammengereimt hatte: ca. 4000 IE am Tag sollten es für einen gesunden Menschen nordeuropäischer Abstammung (u.a. im Winter in Nordeuropa) schon sein. Zudem bestätigt Sie, wie auch Dr. Ames, den Zusammenhang mit Vitamin K in Bezug auf die Calciumverwertung.

Das Muster steht sich fort. Besteht keine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen, dann gibt es irgendwo Probleme (u.a. DNA-Schäden, Mutationen, Stoffwechselstörungen, ‘Verkalkung’ von Arterien, etc. pp) welche sich mittel- und langfristig Auswirken. Das sind dann u.a. die ganzen schönen so-genannten Alterskrankheiten.

Mein Fazit

Das was Ames sagt bzw. schreibt ist für mich eine breite Bestätigung für meine eigenen Schlüsse & Erfahrungen der letzten Jahre. Zum Abschluss noch ein Video von Bruce Ames mit dem Titel: ‘Vitamin and Mineral Inadequacy Accelerates Aging-associated Disease’ (Anm.: der Mann ist 88 Jahre alt und Forscht noch immer aktiv und hat Doktoranden unter sich!):

Bruce Ames: Vitamin and Mineral Inadequacy Accelerates Aging-associated Disease
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Quellen

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