Kalium: Vom historischen Natrium/K-Verhältnis und verbreitetem Mangel, Funktionen, Zufuhr-Empfehlungen & Formen (Supplemente) sowie Risiken

Von | 15. März 2017
Kalium im PSE

Kalium. Quelle: Wikipedia

In meinem Blogpost zu Natrium ging ich ja schon auf die Bedeutung von Kalium und die Natrium-Kalium Pumpe ein. Nun etwas mehr zu Kalium, denn genug Kalium ist in Bezug auf Bluthochdruck, Schlaganfallrisiko und Nierenfunktion ein sehr wichtiges Mineral.

Evolutions-Historisch gesehen wurden wohl bis zu 10 g Kalium ggf. jedoch nur 800 mg Natrium zu sich genommen (wobei das bei Natrium umstritten ist). Das ist das, was ich mit meiner Ernährung in Bezug zu Kalium auch so in ‘etwa’ etwa so schaffe (Kalium: 4-9 g). Heute ist es in der Regel umgekehrt – die Menschen essen bis zu 4 g Natrium (entspricht 10 g Kochsalz) aber meist nur nur 2 g Kalium, wobei selbst die DGE aktuell 4 g Kalium/Tag empfiehlt (in 2017 von 2 g auf 4 g aktualisiert) [4]. Um die DGE zu verstehen muss man wissen, das diese sich durchaus daran orientiert, was mit der ‘heutigen Ernährung’ realistisch erreichbar ist – aber nicht am Optimum. Und da u.a. die Milchseen irgend wer trinken & essen muss – stehen die eben auch auf dem Programm. Glaubt Ihr nicht? Dann lest hier weiter…

Für Interessierte, empfehle ich ein Video von Dr. Jacob [5] zum historischen Natrium/Kalium Verhältnis. Auch bei Nutritionfacts gibts ein Video dazu [6], welches ebenfalls die historischen Natrium/Kalium Verhältnisse bespricht und u.a. die positive Wirkung von Nitraten aus Spinat & Co. im Bezug zu Bluthochdruck hervorhebt. Im nachfolgenden Beitrag möchte ich dann das Thema etwas ausbreiten und folgende Aspekte etwas tiefer beleuchten:

  • Zu wenig Kalium, zu viel Natrium – ist das ein Problem?
  • Wofür brauchen wir Kalium?
  • Welche Lebensmittel enthalten Kalium?
  • Zu viel Kalium (Hyperkaliämie) – zu wenig Kalium (Hypokaliämie) und die Nebenniere
  • Welche Formen von Kalium gibt es?
  • Mengen der normale Zufuhr, Empfehlungen, Grenzwerte von Kalium und Ergänzungen
  • Sicherheit, Kontraindikationen, Medikamente & Co.
  • Etwas zu Blutwerten
  • Interaktionen mit Magnesium, Calcium & Co.

Am Ende des Artikels folgt dann wie immer mein eigenes Fazit.

Zu wenig Kalium, zu viel Natrium – ist das ein Problem?

Historisches Natrium / Kalium Verhältnis.

Historisches Natrium / Kalium Verhältnis. Quelle: [1]

Eine Tabelle dazu von Dr. Jacobs ist hier zu sehen und macht deutlich das der Natriumverzehr bei einem gesunden Menschen im Vergleich zu Kalium eher gering und der Kaliumverzehr möglichst hoch sein sollte. Genug Kalium sorgt nicht nur für einen ausgeglichenen Säure-Basen Haushalt, sondern normalisiert den Blutdruck, senkt das Schlaganfallrisiko, schützt vor nitrosativem Stress, senkt die renale Ammoniakbildung in den Nieren, verringert den Kalizumabbau in den Knochen (Osteoporose!),  verbessert die Insulinsensitivität (Diabetes!), etc. pp.

Ein Verzehr von zu viel Natrium (Salz) hingegen fördert die Ausscheidung von Kalium über den Urin. Das ist auch das Problem an der vielen verarbeiteten- bzw. Fertignahrung: Viel Salz, aber kaum Kalium. Weiter unten ist auch eine Liste zu sehen wo Kalium drin ist – und das das sind primär pflanzliche Lebensmittel, wobei die Getreide eher wenig Kalium enthalten. Belegtes Brötchen, Nudelspeisen, Kekse, Pizza & Co. sind also eher schlechte Quellen für Kalium – enthalten aber alle massiv Salz (Natrium). Wieder mal ein starkes Argument für eine (vorwiegend) vollwertige- & pflanzenbasierte Ernährung mit viel Gemüse!

Insofern war es zeitgemäß das die DGE Ihren Wert für die Kaliumzufuhr verdoppelt hat  – was aufgrund der historischen Datenlage meiner Ansicht nach auch dringend angezeigt war. Was verwundert ist eher das es nur 4g sind, denn die American Heart Association (AHA) sowie das Food and Nutrition Board der USA empfehlen schon länger mindestens 4,7 g Kalium pro Tag und maximal so viel Natrium (Salz) wie nun die DGE als ‘Schätzwert’ empfiehlt (1500mg Natrium bzw. 3,75g Salz) – was mich wiederum verwundert (also die DGE ‘Empfehlung’, nicht die der AHA).

Da ich in diesem Beitrag nicht das wiederholen möchte was andere viel genauer und besser schreiben – möchte ich hier noch auf einen Artikel von Dr. Jacobs zum historischen Verhältnis der Natrium/Kalium Aufnahme hinweisen [2], welchen ich schon in meinem Beitrag zu Natrium besprochen hatte.

Wofür brauchen wir (ausreichend) Kalium?

Die Na-K-Pumpe befördert Natrium (Na) unter ATP-Verbrauch aus der Zelle. Adaptiert aus: [18]

Kalium ist lebensnotwendig für das normale Wachstum und zur Erhaltung des Lebens, da es als wichtigstes intrazelluläres Kation an der Funktion jeder Zelle beteiligt ist. Relevant ist Kalium u.a. für [10]:

  • Die Bioelektrizität der Zellmembranen, Reiz-Bildung und Reiz-Weiterleitung des Herzens (K+Kanal oder Na+Kanal) und der Regulation des Zellwachstums,
  • die Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks,
  • die Regulation des Säuren-Basen-Gleichgewichtes über die Ausscheidung der Nieren,
  • die Beeinflussung der Insulin-Freisetzung aus den Beta-Zellen,
  • der Kohlenhydratverwertung und der Eiweißsynthese sowie Transportprozessen in Niere und Darm (u.a. Glucose, Aminosäuren)

Dr. Jacob und eine große Studie von Sebastian et al [20] merken noch an [1], das (ausreichend) Kalium:

  • den Blutdruck und den Herzrhythmus normalisiert und das Schlaganfallrisiko senkt,
  • die Gefäße weiter stellt (-> Vasodilator) indem es eine normale NO-Synthese befördert und dessen Ausscheidung hemmt,
  • das Zellmembranpotential und intrazelluläres Magnesium erhöht, intrazelluläres Calcium senkt [21] sowie die NADPH-Oxidase hemmt (-> weniger oxidativer Stress)
  • die die Nieren schützt, weil es die renale Ammoniakbildung (NH3) mindert und zudem die Ausscheidung von Citraten und die Diurese (-> ‘Pinkeln’) fördert,
  • die salzbedingte Erhöhungen der Calciumexkretion im Urin umkehrt,
  • die Aktivität der Na-K-Pumple befördert [21],
  • die Insulinsensitivität erhöht,
  • die Natriumausscheidung fördert und der Einlagerung von Na im Bindegewebe entgegenwirkt,
  • die Nierensteinbildung reduziert sowie
  • den Calciumabbau aus dem Knochen und die renale Calcium- und Phosphorausscheidung mindert,  die Osteoklasten hemmt, aber die knochenaufbauenden Osteoblasten stimuliert.

Gerde die Aspekte des hohen intrazellulären Calciums (Ca) und des zu geringen Magnesiums sollte in keiner Weise unterschätzt werden: Hohes Calcium in den Zellen ist einer der primären Beförderer von oxidativem Stress – und damit der Krankheit durch alle Ursachen!

Welche Lebensmittel enthalten Kalium?

Meine Quellen für Kalium

Cronometer Kaliumanalyse. Foto: H.C.

Nebenstehend habe ich meine Kaliumquellen basierend auf meinen Cronometer Referenztag abgebildet, wobei die Kartoffeln die Hauptquelle ist. Zwar enthalten 100g Kartoffeln nur 411 mg Kalium – aber davon kann man eben mal schnell 500 g essen, was bei einer Gans oder einem Stück Rinderfilet eher problematisch ist. Nach Vitalstoff-Lexikon enthalten folgende Lebensmittel die angegebene Menge Kalium pro 100 g [15]:

  • Sojabohnen: 1775 mg
  • Kakaopulver: 1500 mg
  • Bohnen (Weiß): 1320 mg
  • Erbsen: 935,5 mg
  • Linsen: 810 mg
  • Spinat: 633 mg
  • Walnüsse: 544 mg
  • Grünkohl: 490 mg
  • Feldsalat: 420 mg
  • Gans: 420 mg
  • Forelle: 413 mg
  • Kartoffeln: 411 mg
  • Makrele: 396 mg
  • Kalbsfilet: 348 mg
  • Honigmelone: 330 mg
  • Bananen: 382 mg
  • Rote Beete: 335 mg
  • Blumenkohl: 328 mg
  • Kiwi: 295 mg
  • Vollkornbrot: 291 mg
  • Möhren: 290 mg
  • Vollmilch: 157 mg
  • Reis (Vollkorn) : 150 mg
  • Ei: 144 mg
  • Zucchini: 142 mg
  • Emmentaler: 100 mg
  • Edamer: 67 mg

Zu beachten ist, das kaum einer mehr als 30-50 g Walnüsse oder mehr als 20-30 g Schokoladenpulver am Tag essen dürfte – was die realen Zufuhren bzw. Beiträge dieser theoretischen ‘Kalium-Superfoods’ beschränkt. Wer also im Winter ordentlich Kartoffeln, Grünkohl, Spinat, Salat und Hülsenfrüchte isst, der bekommt so sehr günstig seine Portion Kalium. Milch, Ei und insbesondere jedoch Käse, schneiden im Vergleich zu den üblichen Portionsmengen eher bescheiden ab.

Zu viel Kalium (Hyperkaliämie) – zu wenig Kalium (Hypokaliämie) und die Nebenniere

Die meisten Menschen dürften zu wenig Kalium zu sich führen bzw. zu viel Kalium durch zahlreiche Erkrankungen verlieren bzw. ausscheiden. So kann ein Kaliummangel (Hypokaliämie) kann als Folge zunehmender Verluste aus dem Gastrointestinaltrakt oder einer Nierenfehlfunktion entstehen, aber auch bei längerer Diarrhöe oder Erbrechen und im Zusammenhang mit der Anwendung von Abführmitteln oder Diuretika [9]. Die Symptome eines Kaliummangels umfassen u.a. [9]:

  • Muskelschwäche,
  • Störungen der Herzfunktion, die zu Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkt führen können, aber
  • auch psychische Störungen, z.B. Depression und Verwirrtheit.
Das Steroid-Hormonsystem (Einfach). Anm.: Blaue Kästen sind Hormone die von der Nebenniere gebildet werden.

Das Steroid-Hormonsystem (Einfach). Bei zu wenig Progesteron bzw. Cortisol, kann Aldosteron in Mitleidenschaft kommen.

Es geht aber auch andersrum: Die Kalium-Ausscheidung wird auch von den Hormonen der Nebenniere beeinflusst. So kann eine Nebenniereninsuffizienz, speziell eine Abnahme der Sekretion sowohl der Glukokortikoide (insbesondere Cortisol) als auch der Mineralokortikoide (insbesondere Aldosteron) zu einer Abnahme der Kaliumausscheidung durch die Nieren führen, was zu einem Anstieg des Serumkaliums führt. Hier spielt jedoch auch die Natrium-Zufuhr hinein, die nicht zu hoch, aber auch nicht zu niedrig sein sollte.

Die Kaliumaufnahme kann das Natriumgleichgewicht beeinträchtigen, und eine niedrige Kaliumaufnahme (10-30 mmol/Tag) kann Natriumretention und einen Anstieg des Blutdrucks sowohl bei normalen als auch bei hypertensiven (-> Bluthochdruck) Patienten induzieren.

Interessant fand ich noch was Dr. Volkmann in seinem Buch zu Kalium schreibt: “… vor allen im Muskelstoffwechsel des Herzens kann es zu massiven Störungen durch eine Unterversorgung, aber auch durch eine Überversorgung mit Kalium kommen.”.

Welche Form von Kalium gibt es?

Kalium gibt es in verschiedenen Formen – wie auch die anderen Mineralien. Die meisten Supplemente die ich gefunden habe verwenden Citrat und Gluconat. Insgesamt gibt es folgende (übliche) Formen, wobei nicht alle sinnvoll in Lebensmitteln bzw. NEM scheinen und einige auch nicht in der EU als Lebensmittelzusatz zugelassen sind [10]:

  • Kaliumcitrat(e) (E332) – hat wohl eine sehr gute Bioverfügbarkeit, senkt den Säure-Spiegel im Urin, gut gegen Nierensteine, verwendet bei Herz-Rhythmus-Störungen [7].
    • Kaliumcitrate sind Salze der Citronensäure (E 330), wobei der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen ist möglich ist.
    • Infolge des Herstellungsverfahrens aus Citronensäure, können industriell hergestellte Citrate bei Schimmelpilzallergikern allergische Symptome auslösen.[13]
    • Kaliumcitrat kommt auch natürlich, u.a. in Früchten, vor [12]. Enthält ca. 32% Kalium auf die Bruttomenge bezogen.
  • Kaliumglukonat (E577) – ist wohl effektiver bei den Blut-Kalium Werten, angeblich oft im Kontext Blutdruck und Herz-Rhythmus-Störungen eingesetzt [7].
    • Ist das Kaliumsalz der Gluconsäure (E 574), wirkt es stark komplexbildend auf Calcium- und Eisenionen und unterstützt auf diese Weise die Wirkung von Antioxidantien.
    • Wird als leicht lösliche Verbindung sehr gut aufgenommen und verwertet und auch zur Anreicherung von Lebensmitteln eingesetzt. [14] Enthält ca. 16% Kalium auf die Bruttomenge.
  • Kaliumchlorid (KCl) (E508) (CAS-Nr. 7447-40-7) – wird u.a. von der WHO zur Akutbehandlung bei Kleinkindern eingesetzt [9]
    • Ist das Kaliumsalz der Salzsäure (E 507), wobei Chloride für den menschlichen Organismus lebensnotwendig sind (Nerven und Muskeln) [17].
    • Allerdings sind bei sehr hohen Zufuhren (gastrointestinale) Nebenwirkungen (u.a. negative Auswirkungen auf die Magen-Darm-Schleimhaut) und Vergiftungen beschrieben [9].
    • Zu bedenken gebe ich auch: Chlorid auch im Übermaß in (Koch-) Salz enthalten – was in der Regel zu viel zugeführt wird [1]. Enthält ca. 50% Kalium auf die Bruttomenge.
  • Kaliumlactat (E 326)
  • Kaliumorthophosphat(e) (E 340)
  • Kaliumbicarbonat (KHCO3) (CAS-Nr. 298-14-6)
  • Kaliumcarbonat (K2CO3) (CAS-Nr. 584-08-7)
  • Kaliumhydroxid (KOH) (CAS Nr. 1310-58-3)
  • Kaliumaspartat – in der EU wohl nicht zugelassen.
    • Von Aspartat-Verbindungen nehme ich selber auch grundsätzlich Abstand (siehe auch meinen Artikel zu Magnesium).

Welche Form hier nun wirklich, je nach Zweck, am ‘optimalsten’ ist hat mich bisher denn auch nicht so genau, da ich sehr Kaliumreich essen. Dr. Jacobs schreibt zu den Formen u.a.:

“bei der Supplementierung von Mineralstoffen ist auch immer wichtig, in welcher Verbindung diese vorliegen. Am besten ist es hier, sich daran zu orientieren, in welcher Form man den jeweiligen Mineralstoff natürlicherweise, also in Lebensmitteln, präsentiert bekommt. Kalium ist in großen Mengen in Gemüse, Kräutern und Obst vorhanden, und zwar in Form von Kaliumcitrat. “

Ich selber würde noch das Gluconat hinzufügen, aber auf das viel verwendete Chlorid eher verzichten.

Mengen der normale Zufuhr, Empfehlungen, Grenzwerte von Kalium und Ergänzungen

Ungeachtet der historischen und meiner eigenen Zufuhren sieht die Welt der Empfehlungen anders aus. Dabei schreibt selbst die EFSA das nach SCF die Verluste von Kalium über den Magen-Darm-Trakt, die Harnausscheidung und den Schweiß bei ca. 800 mg/Tag liegen, aber 1,6 g/Tag Zufuhr erforderlich sind, um niedrige Plasmaspiegel und den Verlust von Körperkalium bei Erwachsenen zu kompensieren [9]. Das gilt natürlich nur, wenn alles optimal läuft und auch die Natrium-Zufuhr in einem angemessenem Verhältnis liegt.

  • Nach BfR ist um normale normale Konzentrationen von Kalium im Körper aufrechtzuerhalten, bei Jugendlichen und Erwachsenen eine Mindestzufuhr von etwa 1600-2000 mg/Tag notwendig, wobei ein erhöhter Bedarf bei Sportlern und Schwerstarbeitern diskutiert wird [10].
  • Nach EFSA (2006) liegt die durchschnittliche Aufnahme bei Erwachsenen aus der Nahrung bei 3-4 g, und die Aufnahme übersteigt im Allgemeinen nicht 5-6 g pro Tag. [9]
  • Nach SCF (1993) lagen die empfohlene täglichen Aufnahmemengen in Europa in der Größenordnung von 3,1-3,5 g pro Tag [9]
  • Das US Food and Nutrition Board (FNB, 2004) hat eine Aufnahme von 4,7 g Kalium pro Tag über die Nahrung als angemessene Zufuhr festgelegt, hauptsächlich basierend auf den positiven Auswirkungen auf den Blutdruck. [9]
  • Die DGE empfiehlt aktuell für Erwachsene 4 g pro Tag, eine Empfehlung die erst 2017 von 2 g auf 4 g aktualisiert wurde [4].
  • Die WHO empfiehlt, bei der Akutbehandlung von Säuglingen und Kleinkindern bis zu 156 mg Kalium pro kg Körpergewicht als Kaliumchlorid zu verabreichen, sobald ein ausreichender Urinfluss festgestellt wurde (WHO, 1999). Das sind bei 20 Kg (Kleinkind) ca. 3 g / Tag. [9]
  • Das LPI empfiehlt anstatt Supplemente den Konsum von an Kalium reichen Lebensmitteln [18].
  • Zumindest Kaliumcitrat (E322), Kaliumgluconat (E 577) und Kaliumchlorid (E508) sind nach Zusatzstoffe-Online ‘qs’ = quantum satis (-> wörtlich etwa: ausreichende Menge). Meint: Eine Höchstmenge ist nicht vorgeschrieben, wobei jedoch nur soviel eingesetzt werden, wie für die gewünschte Wirkung unbedingt notwendig ist. [13][14][17]
  • Das IOM (Institute of Medicine) hat keinen Höchstwert (UL) für Kalium festgelegt. [20]

Interessanter Weise hat das Bfr in 2004 [10] und 2018 [15] einen Höchstmengenvorschlag von 0,5 g für Kalium-Supplemente empfohlen und gibt für NEM ein hohes gesundheitliches Risiko für unerwünschte Effekte an, weil Personen mit gestörter Kaliumausscheidung betroffen sein könnten. So hat das BfR einen UL (Upper Limit) von 1000 mg für die zusätzliche Zufuhr abgeleitet, empfiehlt jedoch die Höchstmenge für NEM auf 500 mg zu beschränken – also ca. so viel wie in 100 g Kartoffeln steckt. Wow! das IOM schreibt hingegen (übersetzt mit deepl.com) [20]:

“Bei ansonsten gesunden Personen (d.h. Personen, die aufgrund einer Erkrankung oder einer medikamentösen Therapie keine Kaliumausscheidung im Urin haben) gibt es keine Hinweise darauf, dass ein hoher Kaliumgehalt in Lebensmitteln unerwünschte Wirkungen hat…”

Diese kurze Recherche ließ mich in Bezug auf die Empfehlungen des BfR erst einmal verwundert zurück. Schaut das BfR nur auf die Risiken – aber nicht auf die Möglichkeiten und Gefahren einer Unterversorgung? Für das BfR ist ja selbst Glyphosat recht unbedenklich – aber mehr als 500 mg Kalium als NEM soll nun eine hohe Gefahr darstellen?

Sicherheit, Kontraindikationen, Medikamente & Co.

Ein kurzer Blick in die die Fakten zur Sicherheit der Anwendung von Kalium als Supplement mag in Weiterführung der offenen Frage aus dem letzten Absatz (zum BfR) hilfreich sein. Bei meiner Suche habe ich mich allerdings primär auf die Daten der EFSA [9] konzentriert – welche die europäische ‘Autorität’ darstellen und wie so oft einen guten Überblick auf die Studienlage geben:

  • Kurzzeitstudien (2-3 Wochen) an gesunden Erwachsenen haben gezeigt, dass die Serumkaliumspiegel bei einer Aufnahme von bis zu etwa 15 g Kalium pro Tag im normalen Bereich lagen, vorausgesetzt, die Flüssigkeitsaufnahme ist ausreichend und die Aufnahme ist gleichmäßig über den Tag verteilt [9].
  • Mehrere Studien an Probanden mit und ohne Bluthochdruck weisen nach EFSA darauf hin, dass eine erhöhte Kaliumkonzentration durch Ergänzung den Blutdruck senken und die Natriumausscheidung im Urin erhöhen kann  – wobei nicht alle Studien einen klaren Dosis-Wirkungs-Effekt zeigen [9].
  • Akute hohe Dosen von Kalium könnten jedoch die Kapazität der Niere zur Ausscheidung von Kalium übersteigen und dadurch zu erhöhten Kalium-Serumspiegeln und einer gestörten Ausscheidung z.B. von Harnstoff führen [9].
  • Die EFSA weist auf eine Studie hin, wo es bei Einzeldosen von 9,5-17,5 g Kaliumchlorid oder -bicarbonat bei 2 von 7 Probanden zu einer ausgeprägten/oder schweren Hyperkaliämie kam [9].
  • Langzeiteinnahme (mehr als 2 Jahre) von KCl-Nahrungsergänzungsmitteln mit einer effektiven Dosis von 3,1 g Kalium pro Tag in 3 getrennten Dosen verursachte keine Hyperkaliämie bei männlichen Hypertonikern mittleren alters Männer, welche eine an Natrium beschränkte Diät einhielten. [9]
  • Bei Kaliumcitrat, Kaliumgluconat und Kaliumchlorid ist ein ADI-Wert (Acceptable Daily Intake) nicht festgelegt, alle gelten als Unbedenklich [13][14][17]

Dr. Jacobs [1] weißt noch auf eine Meta-Studie von Sebastian et al. [20] in der diese verschiedene Studien zu Kalium aufführen bei denen Kalium in recht hohen Dosen als Kalium-Chlorid bzw. Citrat ergänzt wurde. Bei allen Studien stiegen die Serumsspiegel von K. Nach Dr. Jacob wurde die Ergänzung in der Regel gut vertragen. Hier die verkürzte Übersicht aus der originalen Studie [20]:

K über Nahrung (mg)K inkl. Supplemente (mg)Serum-K (mmol/l) unter SupplementierungDauer (Tage)
Rabelink et al. (1990)3.90015.6004,2220
Witzgall & Beth (1986)2.34010.1404,66
Dluhy et al. (1972)1.5607.8004,3?
Sebastian et al. (1994)2.3016.9814,1518
Hené et al. (1986)3.12011.7004,4814

Angesichts der Normalwerte zwischen 3,5-5,5 mmol/L [10] schaut mir das sehr gut aus. Natürlich wird Kalium im Körper streng reguliert – jedoch scheinen mir diese Werte weit weg von jeglicher abnormen Höhe.

Bei einer Ergänzung mit Kalium sollte ggf. auch Wechselwirkungen mit kaliumsparenden Diuretika (u.a. Amilorid, Triamteren), Aldosteron-Antagonisten, ACE-Hemmern, peripheren bzw. nicht-steroidale antientzündliche Schmerzmittel (Analgetika), Zytostatika, Cyclooxygenase-2-Hemmer und Angiotensin II-Rezeptor-Blocker (Sartane) geachtet werden – da diese Medikamente den Kaliumhaustalt beeinflussen können. Weiterhin sollten Menschen mit Hyperkaliämie, einer chronischen Niereninsuffizienz bzw. Nebenniereninsuffizienz bzw. Aldosteronmangel vorsichtig mit einer erhöhten Kaliumzufuhr sein. [1][10]

Was schlussendlich irritiert: Die langfristige zusätzliche Einnahme von Kaliumpräparaten als Kaliumchlorid mit 3 g / Tag zeigte nach EFSA keine nachteiligen Auswirkungen [9]. Ich selber komme mit 7-9 g / Tag Kalium aus der Nahrung gut zurecht. So halte ich ganz persönlich die Grenzwertvorschläge des BfR in der ‘Höhe einer großen Kartoffel’ für mehr als irritierend.

Etwas zur Einnahme und potentiell sinnvollen Dosierungen von Kalium als NEM

Bei all dem hin und her fragt sich der Leser nun sicher: Sollte ich Kalium ergänzen, und wenn in welcher Form und wie viel? Grundsätzlich würde ich nie ohne Not bzw. Mangel Kalium als Supplement ergänzen. Auch würde ich ohne vorherigen Check der Blutwerte, bei Problemen mit den Nebennieren oder niedrigem Blutdruck nicht pauschal ergänzen bzw. es bei maximal 1 g am Tag belassen. Kartoffeln erscheinen mir in jedem Fall als bestes ‘Supplement’ – etwas, das auch das supplementierungsfreudige LPI [18] vorschlägt, das ansonsten sehr ‘gnädig’ mit der Empfehlung von Supplementen ist.

Zu bedenken gebe ich vorab auch, das man auch zu viel Kalium (als Supplement) zu sich nehmen kann (-> Hyperkaliämie), speziell wenn man zu vorgenannten Risiko-Patienten gehört. So gibt Cutler an, das Kalium nur supplementiert werden sollte, wenn das Serum oder Vollblut-Kalium wirklich niedrig ist [8] und auch niemals auf nüchternen Magen eingenommen werden sollte – sondern nur mit dem Essen. Die EFSA [9] merkt an, das bestimmte Gruppen, insbesondere solche mit eingeschränkter Kaliumausscheidung in der Niere, empfindlich auf die Auswirkungen einer erhöhten Kaliumaufnahme reagieren (u.a. Herzfunktion).

Dr. Jacobs weißt darauf hin [1], das nach nationaler Verzehrstudie aus 2008 [19] die Deutschen im Schnitt nur 3140 mg Kalium pro Tag zuführen – jedoch das US FNB 4700 mg empfiehlt. Die fehlende Differenz beiträgt als ca. 1,5 g Kalium / Tag für den durchschnittsdeutschen Erwachsenen – wenn man die aus meiner und Jacobs Sicht sinnvolle US-Empfehlung als Maßstab anlegt. Ich denke das 1,5 g dann eine durchaus sichere Menge für den größten Teil der Erwachsenen als Supplement darstellt – wobei ich zu bedenken gebe, das die Empfehlung der DGE nur bei 4 g für Erwachsene ab 15 Jahren liegt – evolutionsbiologisch aber wohl eher 8 g (oder mehr) die Regel waren. Interessant fand ich noch, das Joe Cohen von Selfhacked [22] selber Kalium-Gluconat nutzt bzw. empfiehlt, wobei er 2 g als Pulver zum Frühstück und Mittag nimmt (entspricht ca. 2 * 320 mg Netto). Dies hilft Cohen in Bezug auf Muskelprobleme – aber auch beim Schlaf.

Eine Zufuhr von Kalium als Supplement sollte aus meiner Sicht – wie bei natürlicher Nahrung – über den Tag verteilt zum oder nach dem Essen stattfinden (zumindest bei höheren Dosen > 1 g am Tag). In Bezug auf die Formen scheint mir pauschal nur das Kaliumglukonat sinnvoll, da zu viel Chlorid (ca. 50% des Kaliumchlorids) bzw. Citrat aus GMO oder großtechnischer Produktion mit Schimmelpilzen nicht jedermanns Sache zu sein scheint. Da die Gluconat-Verbindung aber nur 16% Kalium enthält – braucht es ‘Brutto’ etwas mehr.

Etwas zu Blutwerten

Blutwerte aus dem Labor

Blutwerte aus dem Labor. Quelle: Pixabay

Grundsätzlich werden Serumswerte von Kalium gemessen, wobei hier als Normalwerte zwischen 3,5-5,5 mmol/L erachtet werden [10]. Wenn ich die Werte die Sebastian et al. [20] in seiner Übersicht in Bezug auf andere Studien angibt betrachte – dann scheint ein ‘guter’ Normalwert im Bereich von 4,2-4,6 mmol/L zu liegen.

Eine Vollblut-Analyse ist möglich – jedoch dürften die meisten Ärzte vertrauter mit den Serumswerten sein, die zumindest mir in der Regel ausreichend erscheinen. Dr. Volkmann schreibt in seinem Buch zu Mikronährstoffen in Bezug auf Kalium noch:

“Die Ergebnisse von Serumanalysen auf Kalium sind leider oft fälschlicherweise zu hoch, weil bei längerem Stehen des Vollblutes Kalium aus den Erythrozythen in das Plasma übertritt.

Ich denke das ist noch ein Punkt auf den geachtet werden sollte – speziell wen Laborproben vor Feiertagen oder am Freitag in das Labor gehen.

Interaktionen mit Magnesium, Calcium, etc.

Dr. Lee Crowden weißt darauf hin, dass, wenn auch bei einer hohen Einnahme von Kalium die Blutwerte nicht steigen wollen, unbedingt Magnesium supplementiert werden sollte – und umgekehrt! [3]. Auch das BfR schreibt [10], das die Kalium-Homöostase auch in engem Zusammenhang mit dem Magnesiumhaushalt steht, was für die intrazelluläre Kaliumregulation notwendig ist. Kalium und Magnesium interagieren auf vielen Ebenen, so das durch einen Magnesiummangel die Durchlässigkeit von Kalium durch die K+-Kanäle erhöht, was wiederum Auswirkungen auf das Herzmuskelaktionspotential hat.

Ebenfalls verhindert ein guter Kalium-Status eine erhöhte Calcium-Ausscheidung und wirkt so positiv auf den Knochenstoffwechsel [10], wie schon weiter oben angeführt.

Mein Fazit

Die Zufuhr von genug Kalium stellt bei einer vorwiegend pflanzlichen und vollwertigen Ernährung in der (überwiegenden) Regel wohl kein Problem dar – ganz im Gegenteil. Wird mit dem Natrium nicht übertrieben, liegt man gut bei den (historischen) Werten, welche auch Dr. Jacobs thematisiert und wohl deutlich besser als die (Mindest-) Werte die von der DGE angesetzt werden.

Probleme mit dem Na/K-Haushalt kann es aber geben, wenn etwas mit den Nieren bzw. den Nebennieren oder dem Hormonsystem (-> Aldosteron) nicht in Ordnung ist. Wer bei Mangel nur Kalium ergänzt, der schaut aus meiner Sicht (leider) etwas zu kurz, denn nicht die fehlenden Kalium-Supplemente sind das Problem, sondern die Regulation und/oder die Zufuhr – oder auch ein einfacher Mangel an Magnesium – meinem Supplement #1.

Ich selber esse einfach genug Gemüse, Kartoffeln, Getreide und etwas Obst um damit meinen Bedarf an Kalium zu decken – und meine Cronometer-Daten stützen meine Strategie. So ist eine ausreichende Kalium-Zufuhr für mich nichts, worüber ich mir (aktuell) Gedanken mache. Was ich mache ist jedoch täglich >= 400 mg Magnesium zu mir zu führen.


Zusatz: Historisches Natrium / Kalium Verhältnis im Vortrag von Dr. Jacobs

Für alle die diese Thematik per Video besser aufnehmen können, hier noch mal der (bereits oben verlinkte) Vortrag von Dr. Jacobs auf der VeggieWorld 2015 direkt mit dem Zeitindex (min. 23) auf den Abschnitt mit dem Natrium/Kalium-Verhältnis:

Vortrag VeggieWorld 2015 – Dr. med. Ludwig Manfred Jacob
Dieses Video ansehen auf YouTube.
Hinweis: Durch aktivieren der Wiedergabe (Play-Button) werden Daten von Youtube nachgeladen. Bitte beachten Sie dazu unsere Datenschutzerklärung

P.S.: Wer mit Veggie & Co. nichts anfangen kann – schaut das Video ggf. doch an, denn es geht um die Mechanismen – und die betreffen alle!


Quellen

Links

Schreibe einen Kommentar