Haar-Analysen (nach A. Hall Cutler) für Mineralien, Toxine (u.a. Quecksilber, Blei) & mehr – Sinnvoll oder Unsinn?

By | 26. Februar 2020
Ein Beispiel für eine Haar-Analyse mit einer aus meiner Sicht sehr hohen Belastung an Quecksilber, und unter anderem Schilddrüsen- und Nebennieren-Problemen.

Ein (synthetisches) Beispiel für eine Haar-Analyse mit einer aus meiner Sicht sehr hohen Belastung an Quecksilber, und unter anderem Schilddrüsen-Unterfunktion, ggf. (leichten) Nebennieren-Problemen, niedrigem Adrenalin, klarem Lithium-Mangel und ggf. schon wenig Chrom. Selen scheint noch o.k., aber auf die Leber(werte) sollte auch mal ein Blick geworfen werden.

Bestimmungen von Mineralstoffen (z.B. Zink, Selen, Magnesium) und toxischen Metallen (u.a. Quecksilber, Blei, Arsen, Cadmium) in Haaren gibt es schon lange. In vielen (allgemeinen) Tests und Berichten schneiden die Haar-Analysen in Bezug auf die Aussagefähigkeit jedoch oft schlecht ab.

Ich denke, das die Haar-Tests zu unrecht schlecht abschneiden und ein geeignetes und sehr wichtiges (zusätzliches) Hilfsmittel bei der Beurteilung von

  • Belastungen mit Schwermetallen (insbesondere Quecksilber und Blei),
  • dem Mangel oder Überschuss bei vielen Mineralien (z.B. Kupfer, Chrom),
  • dem Status von Organfunktionen (Schilddrüse, Nebennieren, Leber…),
  • und teils sogar dem Vorliegen einer HPU!

sein können. Interesse geweckt – oder noch nicht überzeugt? Einfach weiter lesen! 🙂

Worum geht es nun in diesem Artikel konkret?

Folgende Fragen möchte ich dem Leser hier beantworten bzw. die damit verbundenen Thematiken etwas näher bringen:

  • Welche Informationen kann ein Haar-Test liefern?
  • Warum schneiden Haar-Tests oft so schlecht in Vergleichen ab?
  • Welche Vorteile haben Haar-Tests gegenüber Blut und Urin?
  • Eine kurze Einführung zu Quecksilber: Hgº, Hg++ und CH3Hg+ 
    • Also: Metallisch, Anorganisch und Organisch (Methyl-Hg)
  • Warum erscheint das Quecksilber meist gar nicht im Haar-Test – obwohl eine sehr hohe Belastung vorliegt?
  • Was ist A. Hall Cutlers ‘Kniff’ um eine relevante Hg-Belastung über das Haar dennoch herauszufinden?
  • Was nützen die reinen Mess-Ergebnisse eines Haar-Tests ohne kompetente Auswertung?
  • Wer kann die Ergebnisse von einem (geeigneten) Haar-Test auswerten?
  • Zusatz: Häufige Fehler – was muss beim Haar-Test beachtet werden?

Einige hundert Stunden Recherche, viel Lesen und auch die Praxis der Auswertung von weit über 50 realen (und ca. 100 Lern-) Haar-Tests, der Korrelation mit Blutwerten & Co. –  hat einiges an theoretischen und praktischen Wissen in meiner ‘Rübe’ akkumuliert. Insofern denke ich, das ich über die Thematik inzwischen einen guten Überblick habe und recht brauchbare Einschätzungen zum Thema geben kann.

Welche Informationen kann ein Haar-Test aus meiner Sicht liefern?

Nach meiner persönlichen Sichtweise und Erfahrung kann aus einen Haar-Test in vielen (aber nicht allen) Fällen einiges abgeleitet werden – je nach individueller Konstellation und auch den eingenommenen Nahrungsergänzungsmitteln (die einiges Kaschieren können). Nachfolgend Liste ich das, was ich meine daraus ungefähr ableiten zu können – u.a. basierend auf den Befundkonstellationen von A. Hall Cutler [1]:

  • Mineralstoffe & Vitamine: Hinweise auf
    • den ungefähren Kupfer-Status, insbesondere zu viel Kupfer (oft bei Quecksilber-Belastung und HPU),
    • den ungefähren Zink-Status -> insbesondere Mangel oder Überschuss,
    • einen Mangel an Magnesium und ggf. Taurin (wenn diese ausgeprägt sind),
    • einen ausgeprägten Calcium-Mangel bzw. Überschuss (‘Wasting’).
      • z.B. bei starker Mobilisierung aus den Knochen (u.a. viel D3, aber kein K2 oder eine NNS)
    • Meist die ungefähre SelenZufuhr – aus der sich grob Mangel oder Überschuss abschätzen lässt.
    • Brauchbare Hinweise für Mangan, Chrom und Molybdän – speziell bei Mangel oder Überschuss.
      • Wichtig: Gerade Chrom & Molybdän sind als Blutwerte nach EFSA recht unzuverlässig.
    • Bei Vitamin B6 teils Indikation wenn ein starker Mangel vorliegt.
      • Top: Damit, je nach Gesamtschau auch Hinweise auf eine HPU.
    • Oft Hinweise auf einen starken Mangel an Lithium – wenn dieser vorliegt.
      • Hinweis: Lithium als Blutwert ist hier in der Regel keine Hilfe.
    • Den ungefähren Status von Bor sowie, mit abstrichen, Jod.
  • Organe: Hinweise auf eine
    • potentielle Nebennieren-Insuffizienz und deren ausgeprägtheit,
    • potentielle Schilddrüsen-Unterfunktion und eine
    • potentielle Schwäche der Leber bzw. der Nieren.
    • Meist der ungefähre Adrenalin-Typ: Also Wenig, Normal oder viel Adrenalin.
      • Wichtig im Kontext der Nebennieren-Insuffizienz für das Gesamtbild.
    • Meist der ungefähre metabolische Stoffwechsel-Typ: Sehr schnell, schnell, normal, langsam oder sehr langsam.
    • Teils Hinweise eine gestörte Mikronährstoff-Aufnahme.
    • Wenn stark ausgeprägt, dann Hinweise auf potenzielle Probleme mit dem Blutzucker bzw. Kohlenhydraten.
  • Schwermetalle:
    • Mit recht guter Sicherheit ob eine eine relevante Belastung mit Quecksilber (Hg) besteht – oder auch nicht.
      • Wobei sich relevant darauf bezieht, das der Mineralstoff-Transport im Körper durch das Hg gestört wird.
    • Der relative Belastungsgrad bei Blei, Cadmium, Arsen 
    • aber auch der Status bei Antimon, Aluminium und anderen.

Wichtig: Ich möchte hier (nochmals) darauf Hinweisen, das dieses meine persönlichen Ansichten in Bezug auf Cutler [1] – und keine ‘Health-Claims’ – sind. Die jeweiligen Interpretationen von Haar-Analysen sollten jedoch immer durch einen Therapeuten bzw. andere diagnostische Verfahren überprüft werden – bevor auf der Basis der Daten irgend welche Handlungen abgeleitet werden. Dieses gilt für mich jedoch allgemein: Alle Einzel-Tests und Daten haben Ihre Ungenauigkeiten und teils kommt es in den Laboren auch zu Verwechselungen.

Warum schneiden Haar-Tests oft so schlecht in Vergleichen ab?

Laborwerte zu interpretieren ist nicht so einfach – manchmal zum Verrückt werden 🙂 . Quelle: Wikimedia, Autor: J.J., Lizenz: CC-BY-SA 3.0

In Kurzform: Weil die Tester sich wohl nicht mit der Mineralstoff-Kinetik der Elemente in Haar und dem Körper auseinander setzten! Was bedeutet das in Langform? Nicht alle Haar-Werte korrelieren ‘linear’ mit denen im Körper – und teilweise auch gar nicht – und teilweise in Abhängigkeit von bestimmten Umständen anders (speziell, wenn der Mensch hinter dem Haar eine relevante Quecksilber-Belastung hat). [1]

Das bedeutet aus meiner persönlichen Sicht (und mit Bezug auf Cutler [1]):

  • Einige Werte verhalten sich, z.B. in den oberen Grenzbereichen ‚umgekehrt-proportional‘ zum Auftreten im Körper.
    • So weist z.B. ein hoher Wert bei Zink oder Magnesium darauf hin, das in der Regel ein Mangel vorliegt.
    • Ein niedriger Wert tut dieses jedoch auch.
  • Einige Werte haben dann wohl gar keine Relation zum Bestand bzw. Vorkommen im Körper (u.a. Kobalt, Eisen, Kalium)
    • wobei jedoch relative Verhältnisse (z.B. die Ratio von Kalium zu Calcium) auf Probleme mit der Schilddrüse
    • bzw. zu viel Kupfer hinweisen können.
  • Einige Werte reflektieren dann mehr die Zufuhr als den Körperbestand (z.B. bei Selen)
    • Wobei Werte über dem 50sten Perzentil (also Supergrün-Normal) schon kritisch (hoch) sein können.
  • Haar-Färbungen und Tönungen, aber auch Selen-Haltige Shampoos, können viele Werte verfälschen.
    • Dieses muss vom auswertenden Abgefragt und auch unabhängig einer Angabe erkannt werden können!
  • Auch Nahrungsergänzungsmittel haben einen Einfluss auf die Haar-Werte
    • und können darauf basierende Auswertungen (teils stark), meist positiv, beeinflussen – aber auch die Interpretation erschweren.
  • Kein Quecksilber im Haar-Test bedeutet rein gar nichts!
    • Weil im Haar nur das Methyl-Quecksilber auftaucht – aber nicht die anderen Varianten.

Und alles ist noch mal anders, wenn eine relevante Quecksilber-Belastung vorliegt… das alles haben meiner Erfahrung nach jedoch nur sehr, sehr wenige Menschen bzw. Therapeuten auf dem ‘Radar’. Insofern kann eine Haar-Test-Auswertung, welche nicht zumindest die oben genannten Interaktionen berücksichtigt, den Anwender in falscher Sicherheit wiegen – oder falsche Schlüsse davon ableiten lassen. Nicht gut!

Das alles ist zwar lang und breit beschrieben [1] – aber Im Bereich Haar-Test Auswertung gibt es meines Wissens nach keine Standards. Bei der Auswertung der Blutwerte ist das aber auch nicht viel anders – alleine die Interpretation der Kupferwerte im Blut ist schon ein komplexes Unterfangen. Eine individuelle Interpretation einer Haar-Analyse (+ Fragebogen mit vielen Schwermetall-Relevanten Fragen) basiert also auf einer differenzierten und mitunter zeitaufwändigen Auswertung.

Welche Vorteile haben Haar-Tests gegenüber Blut und Urin?

Blut- und Urin-Werte sind momentan-Werte! Zwar können Teils, wie z.B. bei Eisen, die Speicherwerte über Ferritin und Transferrin ermittelt werden – aber das klappt nicht immer und überall. Oft lässt die Diagnostik jedoch aus meiner Sicht sehr zu wünschen übrig, wie z.B. bei Kupfer – aber auch Chrom. Teils lassen Urin & Blut aber auch schlecht auf die Speicherwerte zu schließen, wie z.B. bei Molybdän. Wer sich nicht im Detail mit den einzelnen Blutwerten und den jeweiligen Problemen der diagnostischen Verfahren auseinander gesetzt hat – der zieht schnell Fehlschlüsse…

Ein weiterer Unterschied einer Haar-Analyse zu den Blut- und Urintests ist auch, dass hier keine Momentaufnahme bestimmt wird, sondern ein Durchschnitt der letzten Wochen oder Monate (je nach Haarlänge) ermittelt wird. Zudem kann eine Haar-Analyse auch von zu Hause aus durchgeführt werden – ohne Pieks und große Komplikationen!

Um einen Eindruck von dem Vorkommen und der Verteilung der verschiedenen Mineralien zu bekommen habe ich hier einmal eine Tabelle übernommen, die angibt was wo im Körper ‚vorhanden ist‘ (alle Angaben in µg/g) [1]:

MineralPlasmaCytoplasmaVollblutUrinHaarVariation
Natrium (Na)330023028006649-fach
Kalium (K)160550079160040140-fach
Calcium (Ca)960,0004161406401.600.000-fach
Magnesium (Mg)291400620967548-fach
Phosphor (P)120230060068032019-fach
Zink (Zn)1110,33160470-fach
Kupfer (Cu)10,680,02315660-fach
Chrom (Cr)0,320,0290,0550,2811-fach
Kobalt (Co)0,630,00220,021290-fach
Mangan (Mn)1,70,0140,0020,31840-fach
Molybdän (Mo)0,000780,0010,0560,0472-fach
Selen (Se)1600,270,131,31200-fach

Insofern ist die Haar-Analyse aus meiner Sicht eine sehr gute und wichtige Ergänzung zu Blut- und Urin-Tests. Jedes Verfahren hat seine individuellen Stärken und schwächen – je nachdem was man messen und korrelieren möchte.

Erst mal was zu Quecksilber: Die Unterschiede von Hgº, Hg++ und CH3Hg+

Amalgam im Zahn

Amalgam im Zahn. Quelle: Wikipedia, Lizenz: Gemeinfrei

Bevor ich das Thema Quecksilber im nächsten Abschnitt vertiefe, möchte ich erst einmal klar stellen, das mehrere Formen von Quecksilber gibt, und davon dann drei in der Regel relevante Verbindungen im Kontext Mensch & Amalgam. Jede Verbindung hat andere Wirkungen und eine andersartige Toxizität im menschlichen Organismus. Der Einfachheit halber gebe ich mal Cutlers Erklärungen (in etwa) wieder [1] – wobei ich :

  • Metallisches Quecksilber (Hgº) ist das (flüssige) Metall,
    • was für Amalgam-Füllungen genutzt wird.
    • Es ist (erstaunlicher Weise) wohl nicht ‘in sich’ gefährlich ist, wenn man es verschluckt.
    • Allerdings ist die Dampf-Form des Hgº gefährlich,
      • weil die Lunge es aufnimmt und es über den ganzen Körper verteilt wird (-> Risiko bei der Amalgam-Entfernung!).
    • Der Metabolismus oxidiert Hgº jedoch zum (‘fiesen’) anorganischen Hg++.
    • Dabei erreicht wohl eine Menge Hgº das Gehirn, bevor es (dann auch dort) in Hg ++ umgewandelt wird.
  • Anorganisches Quecksilber (Hg++) ist das ‘eklige Zeug’, das einem tatsächlich weh tut.
    • Es ist ein Salz, bestehend aus dem oxidierten Hgº.
    • Wer das anorganisches Quecksilber schluckt, absorbiert es aber nicht sehr gut (was ja von Vorteil ist)
  • Organisches Quecksilber (RHg+), wobei R ein ‘Kohlenstoff-Dingens’ wie eine Methylgruppe (z.B. CH3) ist.
    • (Mono-)Methylquecksilber (MeHg) ist dann CH3Hg+ (ich kürze es auch gerne als MeHg ab).
      • z.B. sehr viel in Thunfisch, Schwertfisch und Hai.
    • Der Darm absorbiert diese Form von Quecksilber sehr gut.
    • Solange es in organischer Form bleibt, ist dieses Quecksilber wohl nicht ‘so’ giftig.
    • Unglücklicherweise wandelt es Körper langsam in die ‘eklige giftige’ anorganische Form (Hg++) um
      • und es gibt wohl nichts nichts, um das zu verhindern….
  • Ethyl-Quecksilber (EtHg)
    • Ist eine synthetische Form von Quecksilber, z.B. als Thiomersal in Impfungen.

Sobald wir also etwas organisches Quecksilber essen, bekommen wir eine Quecksilbervergiftung davon. Die anorganische Form hat es jedoch schwer, vom Körper in das Gehirn zu gelangen. Die metallische Dampfform (u.a. aus Amalgam-Füllungen) und die organische Form gelangen jedoch leicht in das Gehirn und können dort zu der anorganischen Form oxidiert werden und das Gehirn durcheinander bringen. Nach Cutler wird über den Urin nur das (anorganische) Hg++ ausgeschiedenen – aber über den Stuhl auch das organische (RHg+), wobei ich anmerken möchte, das wenn der Stuhl zu lange im Körper ist, das CH3Hg+ auch wieder resorbiert werden kann. [1]. Deswegen nutze ich hier auch Bindemittel – ein Thema für spätere Blog-Einträge.

Dr. J. Mutter mehr in einem Seminarscript noch an, das es noch das organische Dimethylquecksilber (CH3)2Hg gibt, was schon in geringsten Mengen tödlich ist [3][4]. Auf noch recht schlecht geklärte Weise kann Mono- in Di-Methlyquecksilber verwandelt werden [4], wobei dann die Toxizität um Größenordnungen steigt. Das Di-Methlyquecksilber gilt dabei als eine der giftigsten Substanzen im Universum – schon 0,1 mL reichen für eine schwere Hg-Vergiftung, mehr führen zum Tod. Durch Entzündungen und Bakterien, z.B. im Kiefernknochen, scheint nach Dr. Mutter wohl auch im Menschen eine Umwandlung von Mono- zu Dimethlyquecksilber ggf. möglich [2].

Warum erscheint das Quecksilber meist gar nicht im Haar-Test – obwohl eine sehr hohe Belastung vorliegt?

Nach Dr. Chris Shade taucht im Haar nur das organische CH3Hg+, also das Methyl-Quecksilber, auf. Cutler [1] und auch Shade weisen zudem darauf hin, das u.a. im Urin nur das Hg++, also das anorganische Hg, ausgeschieden wird.

Insofern sind Urin- und auch Haar-Tests bei denen nur auf den Hg-Wert geschaut wird irreführend! Allerdings gibt es einen ‘Kniff’ mit dem beim Haar-Test dennoch herausgefunden werden kann, ob relevant viel Quecksilber im Körper ist. Wer nun denkt, das die Messung im Blut besser wäre – wohl eher nicht, da das meiste Quecksilber nach Cutler [1] und Shade intrazellulär geht – und so nicht oder kaum Im Serum bzw. Vollblut vorhanden ist. Ernsthafte Referenzwerte für eine viele Jahre zurückliegende Hg-Belastung mit Amalgam gibt es dann nach meiner Kenntnis auch nicht. Von Chelat (DMSA / DMPS) Mobilisations-Tests rate ich komplett ab – das hat schon einige Menschen ‘umgehauen’, weil auf einmal mehr mobilisiert (und neu verteilt) wird, als der Organismus verkraftet bzw auch ausscheiden kann.

Was ist Cutlers ‘Kniff’ um eine relevante Hg-Belastung über das Haar dennoch herauszufinden?

Statistik war die Lösung Cutlers!  Quelle: Pixabay

Cutlers ‘Kniff’ in Bezug auf die Haar-Analyse ist nun folgender: Was von vielen, aber auch Labors, aus A. Hall Cutler‘s Sicht [1] nicht erkannt bzw. beachtet wird ist, das bei einer relevanten Belastung mit Quecksilber (u.a. aus Amalgam) der gesamte Mineralstofftransport im Körper – und so auch dem Haargestört ist.

Was bedeutet das nun?

Das bedeutet, das wenn die Haar-Mineral-Analyse bestimmte statistische Muster aufweist – was Statistisch gesehen eher unwahrscheinlich ist, das dann – nach Cutler – davon auszugehen ist, das eine relevante Belastung mit Quecksilber vorliegt. Cutler hat dafür fünf so-genannte ‘Zähl-Regeln’ auf Basis der binomialen Wahrscheinlichkeits- und der Gaußschen- oder Normalverteilung in Bezug auf die Verteilung der einzelnen essentiellen (und anderen) Elemente in den Haar-Tests entwickelt.

Mit diesen Regeln können dann die Haar-Tests ausgewertet werden. Wenn z.B. bei einem Doctors Data Inc. Haar-Test >= 4 Balken (-> Messwerte) im roten Bereich (Meint: Unter dem 2,5ten Perzentil bzw. über dem 97,5ten Perzentil) liegen – dann ist das nach Cutler ‘statistisch gesehen’ sehr unwahrscheinlich (-> Chance <0,5%), was dann wiederum ein potentieller Hinweis auf einen gestörten Mineralstoff-Transport ist Und der Mineralstoff-Transport kann nach Cutler faktisch nur durch (relevante Mengen) an Quecksilber gestört sein.

Ein gestörter Mineralstoff-Transport bedeutet aber auch, das man sich auf die Angaben in Bezug auf viele Elemente nicht oder nur noch eingeschränkt verlassen kann – also wenn eine Quecksilber-Belastung vorliegt – da es u.a. viele ‘Ausreißer’ gibt. Zwar weis man dann nicht ‘wie hoch’ die Quecksilber-Belastung ist – aber zumindest, das diese (nach Cutler) wohl so hoch ist, das Sie relevante Auswirkungen hat.

Die 5 Cutler-Regeln im Detail – Ein Beispiel für eine rudimentäre Auswertung

Wer nach den 5 Regeln von Cutler einen Haar-Test auswerten möchte – also in Bezug ob eine potentielle Hg-Belastung vorliegt, der kann einen DDI-Haar Test mit (nach)folgenden Kriterien auswerten. Um so mehr Regeln erfüllt sind, desto Höher ist die Chance einer (potentiell relevanten) Belastung mit Hg. Die Regel-Nummern sind dann auch insofern relevant, als das eine erfüllte Regel “1” relevanter ist als eine “3” oder sogar “5” (die schwächste Regel). Hinweis: Es können maximal 3 Regeln erfüllt sein.

Hier nun die einzelnen Regeln:


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Was nützen die reinen Mess-Ergebnisse eines Haar-Tests ohne kompetente Auswertung?

Stop! Quelle: Pixabay

Aus meiner Sicht nicht viel – wie auch bei vielen Blutwerten. Das Problem ist (aus meiner Sicht), das jede Art von fehlinterpretierten Werten und daraus gezogenen (falschen) Schlüssen zu Folgeproblemen führen kann. Das ist kein unmittelbares Problem – jedoch kann dann eins werden, wenn auf Basis falscher Schlüsse ggf. ‘ungünstige’ Interventionen für den betroffenen abgeleitet werden.

Insofern würde ich, soweit bei kritischen Werten bzw. Interventionen möglich, mindestens zwei verschiedene Diagnose-Verfahren kombiniert wissen wollen: z.B. a) ein Wert aus einer Haar-Analyse, b) eine Anamnese in Bezug auf die Symptome, c) ein Blut-Wert – bevor dann ein qualifizierter Therapeut ein weiteres Vorgehen daraus ableitet.

Wer kann die Ergebnisse von einem (geeigneten) Haar-Test auswerten?

Aus meiner Sicht alle, die sich mit den ca. 15 Jahre alten Grundlagen, welche Cutler im Detail dargelegt hat [1], beschäftigt – und in der Zwischenzeit genug Praxis-Erfahrung mit der Auswertung gesammelt haben. Es mag andere Herangehensweisen geben – diese sind mir jedoch nicht bekannt. Für ein grobes Beispiel bitte ich die Beschreibung des Bildes, ganz am Anfang dieses Artikels, zu lesen.

Wichtig ist jedoch: Nicht jeder Haar-Test ist gleich gut geeignet!

Die meisten Haar-Tests haben keine Alters- und geschlechtsbezogenen Referenzwerte. Zudem ist die grafische Darstellung der Messwerte in Bezug auf die Referenzwerte oft nicht optimal für deren Auswertung. Ich verwende deswegen selber nur die Haar-Analyse von Doctors Data Inc.

Weiterhin ist zu beachten, das verschiedene Faktoren die Werte bzw. Ergebnisse des Haar-Tests beeinflussen können (-> Shampoo, Haar-Tönung, teilweise EMF-Abschirm-Bekleidung mit viel Silber, das einschicken des ganzen Haars – anstatt der ersten 1-2 cm ab Kopfhaut, das ankreuzen von Kopf-Haar beim Einsenden von Schamhaar, etc.). Auch dieses sollte bei der Auswertung durch den auswertenden nach Möglichkeit erkannt werden um Fehlinterpretationen zu minimieren. Denn nicht immer ist sich der Einsender der Haar-Probe ‘all der Möglichkeiten’ an Kontaminationen bewusst bzw. befolgt die Anleitung zu den Haar-Tests ‘ganz genau’. 😉

Zusatz: Häufige Fehler – was muss beim Haar-Test beachtet werden?

Es gibt einige Dinge die viele nicht beim Abschneiden der Haare nicht beachten. Die wichtigsten Aspekte die mir auffallen sind:

  • Haar-Färbung oder Tönung in der Haar-Probe (-> Macht oft Calcium und Kupfer unbrauchbar)
  • Dauerwelle oder Bleiche im abgeschnittenem Haar.
  • Nutzung von Schuppen-Shampoos (-> Selen-Verunreinigung).
  • Nutzung von Lavaerde & Co. zur Haar-Pflege (-> Verunreinigung mit verschiedenen Mineralien).
  • Haar-Probe nicht aus den ersten 2 cm Haar ab Kopfhaut.
  • Haar-Probe nicht aus ca. 7 verschiedenen Stellen am Hinterkopf entnommen.
  • Haar-Probe nicht mit Keramik (optimal) oder vernünftiger Edelstahl-Schere abgeschnitten.
  • Zu wenig Haare eingeschickt…
  • Achsel oder Brusthaare eingeschickt…

Diese Dinge sollten unbedingt beachtet werden. Insbesondere sollte eine Färbung mehr als 1 cm über den für die Probe eingesendeten Haaren heraus gewachsen sein. Eine bestehende Tönung bzw. Färbung sollte dem auswertenden unbedingt mitgeteilt werden – auch wenn man selber denkt, das diese nicht mehr in den eingesendeten Haaren war.

Mein Fazit

Andrew Hall Cutler ist aus meiner Sicht ein hoch kompetenter und genialer Mensch gewesen. Ich habe aus seinen Büchern zu Quecksilber, Amalgam, Haar-Tests und anderen Beiträgen (Newsgroups) sehr viel gelernt. Aus meiner Sicht liefern die richtigen Haar-Tests kombiniert mit der Auswertung nach Cutler (und einiger praktischer Erfahrung in der Auswertung) gute und sehr oft nutzbringende Informationen. Allerdings erfordert das Selbst-Studium all dieser Informationen und das erlernen der Auswertung einiges an Zeit. Ein paar hundert Stunden sollten aus meiner Sicht einkalkuliert werden um richtig Fit zu werden – ja, wirklich!

Wer die Zeit nicht hat und nur an einer Auswertung einer vorliegenden oder noch zu tätigenden Haar-Analyse nach Cutler [1] interessiert ist: Meine Kontakt-eMail steht wie gewohnt im Impressum.

 


Noch ein (rechtlicher) Hinweis: Alle Aussagen in Bezug auf die Auswertungen und Aussagekraft von Haar-Analysen in diesem Artikel beziehen sich auf die Befundkonstellationen und Darlegungen von A. Hall Cutler, Ph.D (Chemie) P.E. und dem Buch „Hair Test Interpretation: Finding Hidden Toxicities“ aus dem Jahre 2004 [1]. Die in diesem Beitrag oder dem eingangs abgebildeten Bild und seiner Bildunterschrift dargelegten Informationen stellen ausdrücklich keine Diagnose und / oder Behandlungsempfehlung dar. Besprechen Sie alle ggf. abgeleiteten Schritte oder Handlungen welche Sie aus diesem Beitag oder Haar-Analysen nach den Befundkonstellationen nach Cutler [1] ableiten mögen vorab mit Ihrem Therapeuten.


Quellen / Links

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