Bor was? Das oft übersehene Element für den Calcium-Stoffwechsel, PSA-Wert, Testosteron & Co.

By | 12. Juli 2017
Borax (Bor) Kristall

Borax (Bor) Kristall. Quelle: Wikipedia. Autor: Aram Dulyan, Lizenz: Public Domain

Bor? Ja, genau: Bor!

Über dieses Element bzw. diesem Mikronährstoff bin ich das erste mal bei Edubily.de [11] gestolpert. Dort wurde Bor in Bezug auf Erhöhung der Testosteronwerte (10 mg Bor/Tag, ca. 30% mehr Testosteron) und Reduzierung der Entzündungswerte vorgestellt [1]. Im Artikel wurden auch noch zwei andere Studien angegeben – u.a. soll Bor schon bei 2,5mg/Tag folgende Auswirkungen haben [2]:

  • Deutliche Steigerung der Testosteron-Werte
  • Deutliche Steigerung der Magermasse (Lean Body Mass)
  • Deutlicher Zuwachs an Kraft (Bankdrücken, Kniebeugen)

Damit hören die guten Nachrichten zu Bor jedoch noch nicht auf. Bor soll überdies bei folgenden Dingen nützlich bzw. positiv wirken [6]:

  • Knochenstoffwechsel (Osteoporose, Regulation des Ca, Mg und Vitamin D3-Stoffwechsels)
  • Aktivierte Arthrose (Verringerung von ROS, Cyclooxygenase (COX II), Lipoxygenase (LOX), welche Mittler für die Entzündungskaskade sind)
  • Prostatakarzinom (Bor wirkt als Inhibitor der Serin-Protease (SA), reduziert PSA um bis zu 87% im Tierversuch, Prostatakarzinomreduktion um 25-38%)
  • Hormonhaushalt (Bor ist ein Hydroxylgruppendonator und wirkt hier positiv, u.a. auf 17-ß-Östradiol und Testosteron)
  • Gehirn (Verbesserung der physiologischen und neurologischen Funktion wie kognitive Fähigkeiten, Motorik, etc.)

Letztgenannte Faktoren (immer mit Referenz auf die Orginalstudien) sind dann für mich wichtiger als das was im Edubily-Artikel [2] steht.

Dr. Flechas zu Bor, Vorteilen, Dosiwerung, Vorkommen & Co.

In einem Video von Dr. Flechas geht dieser auch auf die Aspekte ein, die die GanzImmun AG [6] in Ihrer Fachinformation erwähnt. Flechas erwähnt dabei insbesondere den Zusammenhang von Bor auf die Knochengesundheit und Arteriosklerose und gibt viel Hintergrund zur Geschichte, Dosierung sowie der Sicherheit von Bor [3]. Hier erst einmal das Video:

Jorge Flechas, MD

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Zusammenhang von (fehlendem) Bor im Trinkwasser mit den Krankheiten

Flechas macht darauf aufmerksam das die Verfügbarkeit und Aufnahme von Bor im Boden über die Nahrung (u.a. Gemüse, Pflanzen) und Trinkwasser in direktem Zusammenhang mit Arteriosklerose stehe. So haben Regionen mit hohem Bor-Anteil in der Erde geringere Raten an Arthrose – und Länder mit mittleren oder sehr wenig Bor immer höhere:

  • Carnarvon (Westaustralien) mit viel Bor: 1% Arthrose
  • Israel mit 10-30 mg/Bor je Tag: 0,5-1% Arthrose
  • USA, England, Australien mit ca. 1-2 mg/Bor Tag ca. 20% Arthrose

In seinem Vortrag zeigt Flechas dann auf was passiert wen Pflanzen zu wenig Bor zur Verfügung steht (u.a. Samen und Wurzelentwicklung / Missbildung).

Beim Menschen scheint Bor nach Flechas dann wichtig für die Regulierung von Entzündungsprozessen zu sein – u.a. in Gelenken, wie es ja auch [6] bestätigt. Auch zeige sich, das es Knochen mit Arthrose an Bor mangelt (bis zu 1/20 des üblichen Boranteils). Das ganze mache jedoch nicht bei den Knochen halt – sondern Bor hat wohl auch starke Auswirkungen auf die Zahngesundheit.

Mehr Bor = weniger Verlust von Mg & Ca über den Urin

Spannend auch, das Bor die Ausscheidung von Calcium und Magnesium über den Urin reduziert. Ggf. ist das ja auch ein Grund, warum Menschen die viele Pflanzen – jedoch wenig oder keine Tierprodukte verzehren mit ca. 500 mg Calcium / Tag auskommen?

Auch für die mentale Gesundheit scheint Bor relevant, u.a. Kognition, psychomotorische Aufgaben, Aufmerksamkeit, Kurz- und Langzeitgedächtnis, Auge-Hand Koordination. In diesem Zusammenhang empfiehlt Flechas Bor nicht am Abend einzunehmen – da es das Gehirn stimuliert und man dann schlecht schlafen könne.

Flechas schließt dann mit Bor und Krebs (Prostata) sowie der Hormon- & Steroid Synthese: D2->D3->D4 sowie Testosteron nach DHT. Also Vitamin-D Stoffwechsel, welcher entscheidend für den Calciumstoffwechsel ist.

Bor und Hormone + Calcium generell

Hohe Konzentrationen von Bor im Körper gibt es in den Nebenschilddrüsen, gefolgt von Knochen und Zahnschmelz – Insofern machen die Angaben aus dem Video von Dr. Flechas und Blogeintrag von Edubily Sinn und erzeugen ein rundes Bild: Ohne Bor gibt es Probleme im Hormonhaushalt und mit dem Calciumstoffwechsel.

Sehr gut fand ich dann noch diese Zusammenfassung: “Bormangel verursacht Hyperaktivität der Nebenschilddrüsen, die dann zuviel ihres Hormons ausschütten. Das Hormon setzt Kalzium aus den Knochen und Zähnen frei, wodurch der Kalziumspiegel im Blut ansteigt. Das führt zu Gelenkarthrose und anderen Arthrose- und Arthritisformen sowie Osteoporose und Zahnschäden.“.  Zwar mag das Nexus-Magazin nicht die beste Quelle [9] sein – jedoch gehen die Angaben überein mit den wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf die u.a. Dr. Flechas in seinem Vortrag abstellt.

Wo ist Bor natürlich enthalten?

Dazu habe ich nachfolgende Daten in der Tabelle gefunden. Spannend in diesem Zusammenhang war auch, das Flechas in seinem Vortrag darauf hinweist das z.B. Rote Rüben (Nr. 4 der Liste) auf an Bor armen Böden kaum wachsen – ggf. ist das ja auch interessant für den einen oder anderen Hobbygärtner.

Borreiche Lebensmittelmg/100g bzw. mg/100ml
Pfirsich7,0
Gurke3,6
Pflaume/Zwetschke2,7
Rote Beete (rote Rüben), Rettich2,1
Nüsse2,0
Sellerie1,1
Avocado1,0
Rotwein0,9
Getreide0,6
Aprikose/Marille0,5
Karotte/Möhre0,3
Grünkohl, Rotkohl, Rosenkohl0,3
Blumenkohl (Karfiol), Broccoli0,2
Apfel, Birne, Zitrusfrüchte0,2
Tomate0,1

Also Gurke, Pfirsich und Pflaume, wobei ja beide letzteren auch gut in getrockneter Form gegessen werden können (gerade im Winter Lecker, wenn es keine ‘normalen’ Gurken gibt).

Bor und die verschiedenen Formen

Hier bin ich noch auf der Suche nach Studien bzw. Übersichten. In Supplementen sind vor allem folgende Formen enthalten:

  • Bor-Gluconat (C6H11BO8, z.B. NOW)
  • Bor-Glycinat (Pure Encapsulations)
  • Bor-Citrat/Aspartat/Glycinat-Komplex (z.B. LEF Bor) oder
  • Bor-Aminosäurenchelat (z.B. LEF Mix)

Die Dosierung ist dabei meist 3 mg pro Kapsel. Ansonsten gibt es noch:

  • Borsäure (E284, Boric Acid, H3 BO3 – 17,48% Boranteil)
  • Borax (E285, Na2B4O7 .10H2O – 11% Boranteil)

wobei letzteres teils auch als Dünger bzw. Düngemittel angeboten wird  (in Deutschland nur Verkauf an Händler mit Endverbrauchererklärung). Nach dem BfR ist denn auch die Einnahme bzw. Verwendung von Borax nach meiner Lesart wohl grundsätzlich kein Problem (und es wird im Ausland wohl auch Verwendet), wobei es hier auf die schon erwähnten (geringen) Mengenempfehlungen hinweist [6][8].

Der Australier Dr. Rex Newnham hatte in den 1960er Jahren jedoch wohl erfolgreich ca. 30 mg Borax  (entspricht ca. 3mg Bor) pro Tag (über 3 Wochen) eingenommen um seine Arthrose und im Nachgang wohl auch die vieler Patienten zu heilen [9]. Zudem stellte Newnham den Zusammenhang von wenig Bor im Boden und Arthrose in der Bevölkerung her. Nach dem er versuchte (australische) Pharmahersteller zum anbieten eines Bor-Präparates gegen Arthrose zu überzeugen, kam es (wohl auf deren Bestreben) 1981 zu einer Einordnung von Bor(verbindungen) als Giftstoff – egal in welcher Konzentration [9].

Was mir in diesem Kontext auffiel: Das Dokument des BfR ließt sich für mich ein bisschen wie: “Im Zweifel besser verbieten bzw. (stark) reglementieren” – also anders wahrgenommen als bei Spritzmitteln, Gentechnik, Glyphosat & Co. – wo ja scheinbar alles erlaubt ist bis festgestellt wird, das es wirklich, wirklich, wirklich Krebs & Co. macht.

Sicherheit von Bor

Allgemein ist das ‘Tolerable Upper Limit (TUL)’ mit 20 mg / Tag angegeben [10], wobei bei jüngeren und schwangeren weniger empfohlen wird. Auch Dr. Flechas gibt an, das schwangere nicht mehr als 30 mg/Tag zu sich nehmen sollten [2]. In Deutschland werde je nach (Mineral-)wasserkonsum wohl Bor Tagesaufnahmen zwischen 3-12 mg/Tag aufgenommen, wenn nicht supplementiert wird [4]. Krass negative Auswirkungen von Bor im ein oder unteren zweistelligen ‘mg’-Bereich (bis 20 mg/Tag) konnte ich zumindest dem BfR-Artikel (und anderen [7]) nicht entnehmen.

Flechas gibt in seiner Präsentation [3] tödliche Dosen von Bor um 15-20 g (Gramm!) pro Tag für Erwachsene an (also das ca. 1000-fache der ‘tollerierbaren’ Tagesmenge nach BfR bzw. [10]). Interessant ist das es Gebiete in der Türkei gibt, welche nach Flechas Trinkwasser mit bis zu 29 mg/L Bor aufweisen – jedoch (nach Flechas) keine beobachtbaren toxischen Wirkungen bekannt sein.

Ach ja: Weil Bor die 17-ß-Estradiol erhöht sollten nach WebMD ggf. Menschen mit Brustkrebs oder erhöhten Werten in diesem Kontext vorsichtig mit der Supplementierung von Bor sein [7].

Empfohlene Zufuhr-Mengen

Referenzwerte für Bor sind weder in Deutschland (DGE) oder der USA (FDA)  festgelegt. Die meisten US-Supplementehersteller verwenden bzw. empfehlen 3 mg (‘Brutto’ = ca. 0,3 mg elementares Bor) pro Kapsel und Tag. Aus einer BfR Stellungnahme geht hervor, das der obere Grenzwert für Bor in Trinkwasser bei 1 mg/L und bei Mineralwassern bei max. 5,5 mg/L liegt – nur mal so als Vergleich.

Es wird zwar teils angegeben, das Bor für den Menschen nicht essentiell ist, wobei Dr. Flechas in seiner Präsentation angibt das Bor bei mindestens 26 Enzymen eine regulative Rolle hat. Ich bin da eher bei Flechas & Co. in Bezug auf die Wichtigkeit von Bor für Mensch, Tier und Pflanze.

Dr. Flechas selber gibt dann zum Schluss des Vortrages (auf der Tonspur – nicht auf den Folien) noch Dosierungen für Erwachsene an die er bei sich bzw. seinen Patienten zur Arthroseprävention verwendet: 30-75 mg/Bor(ax?) pro Tag. In wie weit das langfristig gut ist oder welche Seiteneffekte dies hat – kann ich nicht beurteilen. Zumindest liegen die Mengen von Flechas nur so um den Faktor 3-4 über dem TUL.

Was ich zu bedenken gebe: Die Angaben zu Bor schwanken teils enorm – der eine gibt elementares Bor an, der andere Borax und der nächste Borsäure. 30 mg Borax enthalten jedoch nur ca. 3 mg elementares Bor. Deswegen sollte immer ganz genau hingehört und gelesen werden wer nun was genau meint um nicht auf einmal eine Dosierung um Faktor 10 zu hoch (oder zu niedrig) zu wählen. Wie es sich mit Bor-Gluconat oder Glycinat verhält weiß ich leider nicht genau – nehme jedoch für mich auch grob 10% an.

Blutwerte & Diagnostik

Bor kann von einigen Laboren (z.B. GanzImmun) im Serum gemessen werden. Da Bor wohl nicht gerade ein populärer Wert ist, sind die Daten in Bezug auf ‘gute’ Blutwerte kaum verfügbar. Werte über 20 µg/l scheinen auf jeden Fall erstrebenswert, Werte über 37 µg/l ggf. ausreichend für eine gute Versorgung.

Mein Fazit

Ich fand das ganze spannend – insbesondere in Bezug auf die Calcium/D3 sowie die Jod/Schilddrüsen-Thematik (über welche ich ja schon einige Artikel hier geschrieben hatte).

Herr Dr. Flechas sagte ja noch in seinem Video, das die 3 mg/Tag Bor(ax?) in keiner Weise ausreichen würden um die Effekte wie Arthrose / Osteoporose (u.a. Schrumpfung im Alter) aufzuhalten. Er macht dieses auch an seiner langjährigen Praxis und seinen eigenen Erfahrungen fest. Sehr interessant u.a. auch der Hinweis das Menschen die in Israel geboren aufgewachsen sind auch im hohen alter keine / kaum Probleme mit Arteriosklerose haben. Dieses gelte jedoch nicht für Menschen, die erst später in Ihrem Leben nach Israel eingewandert sind. Die Borzufuhr über die Lebensspanne scheint also entscheidend zu sein. Ggf. begünstigt auch die sonnenreiche Lage in Israel den optimalen Vitamin D3 Stoffwechsel – zusammen mit Bor. Wer weiß.

Auf jeden Fall scheint man mit 3 mg Bor-Verbindung (ca. 0,3 mg elementares Bor) nichts falsch machen zu können. Verwirrend finde ich jedoch das hin- und her in Bezug auf elementares Bor und die ca. 10 mal höheren Werte bei den Bor-Verbindungen. Mit ist es so auch bei Flechas (im Rückblick) nicht immer klar wovon er nun eigentlich spricht. Wenn jedoch in 100g Gurke wirklich 3,6 mg elementares Bor enthalten sein sollte – kann es so schlimm ja nicht sein 😉


Quellen