Bor was?

Borax Kristall. Quelle: Wikipedia. Autor: Aram Dulyan, Lizenz: Public Domain

Bor? Ja, genau: Bor!

Über dieses Element bzw. diesem Mikronährstoff bin ich das erste mal bei Edubily.de gestolpert. Dort wurde Bor in Bezug auf Erhöhung der Testosteronwerte (10 mg Bor/Tag, ca. 30% mehr Testosteron) und Reduzierung der Entzündungswerte vorgestellt [1]. Im Artikel wurden auch noch zwei andere Studien angegeben – u.a. soll Bor schon bei 2,5mg/Tag folgende Auswirkungen haben [2]:

  • Deutliche Steigerung der Testosteron-Werte
  • Deutliche Steigerung der „Lean Body Mass“ (Magermasse)
  • Deutlicher Zuwachs an Kraft (Bankdrücken, Kniebeugen)

Bing!

Da hatte es aber noch nicht Bing! bei mir gemacht und noch dieses Video von MD Jorge D. Flechas benötigt. In diesem Video geht Dr. Flechas insb. auf den Zusammenhang von Bor auf die Knochengesundheit und Arteriosklerose ein – sowie eine Menge zur Geschichte von Bor und auch die Dosierung bzw. Sicherheit von Bor [3].

Flechas macht darauf aufmerksam das die Verfügbarkeit und Aufnahme von Bor im Boden über die Nahrung (u.a. Gemüse, Pflanzen) und Trinkwasser in direktem Zusammenhang mit Arteriosklerose stehe. So haben Regionen mit hohem Bor-Anteil in der Erde geringere Raten an Arthrose – und Länder mit mittleren oder sehr wenig Bor immer höhere:

  • Carnarvon (Westaustralien) mit viel Bor: 1% Arthrose
  • Israel mit 10-30 mg/Bor je Tag: 0,5-1% Arthrose
  • USA, England, Australien mit ca. 1-2 mg/Bor Tag ca. 20% Arthrose

In seinem Vortrag zeigt Flechas dann auf was passiert wen Pflanzen zu wenig Bor zur Verfügung steht (u.a. Samen und Wurzelentwicklung / Missbildung).

Beim Menschen scheint Bor dann wichtig für die Regulierung von Entzündungsprozessen zu sein – u.a. in Gelenken. Auch zeige sich, das es Knochen mit Arthrose an Bor mangelt (bis zu 1/20 des üblichen Boranteils). Das ganze mache jedoch nicht bei den Knochen halt – sondern Bor hat wohl auch starke Auswirkungen auf die Zahngesundheit.

Spannend auch, das Bor die Ausscheidung von Calcium und Magnesium über den Urin reduziert. Ggf. ist das ja auch ein Grund, warum Menschen die viele Pflanzen – jedoch wenig oder keine Tierprodukte verzehren mit ca. 500 mg Calcium / Tag auskommen?

Auch für die mentale Gesundheit scheint Bor relevant, u.a. Kognition, psychomotorische Aufgaben, Aufmerksamkeit, Kurz- und Langzeitgedächtnis, Auge-Hand Koordination. In diesem Zusammenhang empfiehlt Flechas Bor nicht am Abend einzunehmen – da es das Gehirn stimuliert und man dann schlecht schlafen könne.

Flechas schließt dann mit Bor und Krebs (Prostata) sowie der Hormon- & Steroid Synthese: D2->D3->D4 sowie Testosteron nach DHT. Also Vitamin-D Stoffwechsel, welcher entscheidend für den Calciumstoffwechsel ist. Hier dann noch das Video:

Jorge Flechas, MD

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Mengen und Werte

Die Referenzwerte zu Bor sind in Deutschland seitens der DGE nicht festgelegt – in den USA gelten seitens der FDA 3 mg/Tag als Empfehlung. Aus einer BfR Stellungnahme geht hervor, das der obere Grenzwert für Bor in Trinkwasser bei 1 mg/L und bei Mineralwassern bei max. 5,5mg/L liegt. Für einen Erwachsenen werden als tolerierbare Bor Tagesmenge 10 mg angegeben – wobei diese Festlegung mir eher willkürlich erscheint. In Deutschland werde je nach (Mineral-)wasserkonsum wohl Bor Tagesaufnahmen zwischen 3-12mg/Tag aufgenommen, wenn nicht supplementiert wird [4]. Großartig negative Auswirkungen von Bor im mg-Bereich konnte ich zumindest dem Artikel nicht entnehmen. Es wird auch angegeben, das Bor für den Menschen nicht essentiell ist, wobei Flechas in seiner Präsentation angibt das Bor bei mindestens 26 Enzymen eine regulative Rolle hat.

Flechas gibt in seiner Präsentation [3] tödliche Dosen von Bor um 15-20 g (Gramm!) pro Tag für Erwachsene an (also das ca. 1000-fache der ‘tollerierbaren’ Tagesmenge nach BfR). Interessant ist das es Gebiete in der Türkei gibt, welche nach Flechas Trinkwasser mit bis zu 29 mg/L Bor aufweisen – jedoch keine beobachtbaren toxischen Wirkungen bekannt sein. Flechas weißt darauf hin, das die Tierstudien die Reproduktionsstörungen nahelegen wohl nicht auf den Menschen übertragbar sind (hier u.a. Chinesische Arbeiter in einer Bormine mit ca. 125 mg Bor/Tag) [5]. Er selber gibt dann zum Schluss des Vortrages Dosierungen für Erwachsene an die er bei sich bzw. seinen Patienten zur Arthroseprävention verwendet: 30-75 mg/Bor pro Tag!

Wo ist Bor natürlich enthalten?

Dazu habe ich nachfolgende Daten in der Tabelle gefunden. Spannend in diesem Zusammenhang war auch, das Flechas in seinem Vortrag darauf hinweist das z.B. Rote Rüben (Nr. 4 der Liste) auf Borarmen Böden kaum wachsen – ggf. ist das ja auch interessant für den einen oder anderen Hobbygärtner.

Borreiche Lebensmittelmg/100g bzw. mg/100ml
Pfirsich7,0
Gurke3,6
Pflaume/Zwetschke2,7
Rote Beete (rote Rüben), Rettich2,1
Nüsse2,0
Sellerie1,1
Avocado1,0
Rotwein0,9
Getreide0,6
Aprikose/Marille0,5
Karotte/Möhre0,3
Grünkohl, Rotkohl, Rosenkohl0,3
Blumenkohl (Karfiol), Broccoli0,2
Apfel, Birne, Zitrusfrüchte0,2
Tomate0,1

Bor und Hormone + Calcium generell

Hohe Konzentrationen von Bor im Körper gibt es in den Nebenschilddrüsen, gefolgt von Knochen und Zahnschmelz – Insofern machen die Angaben aus dem Video von Dr. Flechas und Blogeintrag von Edubily Sinn und erzeugen ein rundes Bild: Ohne Bor gibt es Probleme im Hormonhaushalt und mit dem Calciumstoffwechsel.

Sehr gut fand ich dann noch diese Zusammenfassung: “Bormangel verursacht Hyperaktivität der Nebenschilddrüsen, die dann zuviel ihres Hormons ausschütten. Das Hormon setzt Kalzium aus den Knochen und Zähnen frei, wodurch der Kalziumspiegel im Blut ansteigt. Das führt zu Gelenkarthrose und anderen Arthrose- und Arthritisformen sowie Osteoporose und Zahnschäden.“.  Zwar mag das Nexus-Magazin nicht die beste Quelle sein – jedoch gehen die Angaben überein mit den wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf die u.a. Dr. Flechas in seinem Vortrag abstellt.

Mein Fazit

Ich fand das ganze spannend – insbesondere in Bezug auf die Calcium/D3 sowie die Jod/Schilddrüsen-Thematik (über welche ich ja schon einige Artikel hier geschrieben hatte).

Herr Dr. Flechas sagte ja noch in seinem Video, das die 3 mg/Tag Bor in keiner Weise ausreichen würden um die Effekte wie Arthrose / Osteoporose (u.a. Schrumpfung im Alter) aufzuhalten. Er macht dieses auch an seiner langjährigen Praxis und seinen eigenen Erfahrungen fest. Sehr interessant u.a. auch der Hinweis das Menschen die in Israel geboren aufgewachsen sind auch im hohen alter keine / kaum Probleme mit Arteriosklerose haben. Dieses gelte jedoch nicht für Menschen, die erst später in Ihrem Leben nach Israel eingewandert sind. Die Borzufuhr über die Lebensspanne scheint also entscheidend zu sein. Ggf. begünstigt auch die sonnenreiche Lage in Israel den optimalen Vitamin D3 Stoffwechsel – zusammen mit Bor.

Interessanterweise gibt es sogar Kombisupplemente die aus Zink, Mangan, Chrom, Molybdän und Bor bestehen – alles Spurenelemente bei denen viele Menschen, die wenig Ost und insb. Gemüse verzehren, deutlich im Mangel sein dürften. Ggf. schreibe ich auch noch mal was zu Mangan, Chrom & Molybdän

Was mich abschließend wundert ist, das neben der DGE, auch a) die Orthomonekularier wie das LPI und Dr. Volkmann Bor nicht auf Ihrer Liste bez. Ihrem Fokus haben und b) das BfR da (im Vergleich zu Dr. Flechas) sehr niedrige Höchstdosen ansetzt. Insofern würde ich mir ohne Not nicht unbedingt Bor in großen Mengen ‘einkippen’ und etwas zurückhaltet sein – wie mit allen Supplementen.

 


Quellen