EMF 7: Neurospychische Auswirkungen von Mobilfunk & Co. (VGCC, Depressionen, Energielosigkeit, etc.)

Energielos?, Depressiv? Neurologische Störungen? Ggf. sind EMF die Ursache.

Energielos?, Gedächnisprobleme?, Depressiv? Neurologische Störungen? Ggf. sind EMF die Ursache. Quelle: Pixabay

Energie- oder Kraftlos? Gedächtnis- und/oder Konzentrationsprobleme? Depressionen oder Verstimmungen? Dysästhesie? Schlafschwierigkeiten? Kopfschmerzen? Benommenheit? Rastlosigkeit? Appetitlosigkeit? Haut-brennen oder Jucken? Veränderungen im EEG?

All diese neuropsychischen Effekte beschreibt eine aktuelle (Meta-) Studie von P. Hall [1] in Zusammenhang mit den Auswirkungen von (Mikrowellen-) EMF in Verbindung mit spannungsabhängigen Calcium-Kanälen (VGCC -> Voltage Gated Calcium Channels)[4] als primären Schadens- bzw. Wirkmechanismus [14].

Hinweis: Für mehr zum Thema EMF, Mobilfunk & Co. schaut mal auf meine Seite zu EMF & Co.

Mikrowellen, Calciumkanäle (VGCC), Gehirn & Co.

Ich hatte zwar keine Ahnung von VGCCs – jedoch scheinen diese spannungsabhängigen Kanäle durch Mikrowellen aktiviert zu werden [1]. Wo findet man VGCCs? Insbesondere in den Membranen von Neuronen, Gliazellen (andere Zellen im Nervengewebe, insb. dem Gehirn) und Muskelzellen.

Über die Aktivierung der Kanäle können Calcium-Ionen (Ca2+) in die Zelle gelangen. Das Ca2+ aktiviert dann Kalium-Kanäle, löst Muskel-Kontraktionen aus, erregt Neuronen und kann die Freisetzung von Hormonen oder Neurotransmittern auslösen. Eine übermäßige Aktivierung der VGCC kann dann jedoch auch zu der so-genannten Excitotoxizität führen. Das ist der Tod einer Nervenzelle durch Reizüberflutung – u.a. weil das zelluläre Calcium Enzyme aktiviert, welche in zu hohen Mengen die Zellstrukturen degradieren. Das alles erklärt dann für mich auch die Eingangs aufgeführten Beschwerden und Symptome.

Überblick über die Auswirkungen

Die Studie [1] beschreibt zusammenfassend folgende Auswirkungen von Mikrowellen (MW):

  • Aktivierung der Spannungsabhängigen Calcium-Kanäle im Gehirn.
  • Tierstudien zeigen auf, das auch niederdosierte MW auf das Gehirn wirken.
  • VGCC Aktivierung hat umfangreiche neuropsychische Effekte in Menschen (genetische Studien).
  • MW EMF erzeugen mindestens 13 neuropsychische Effekte in Menschen, inkl. Depressionen
  • 26 Studien assoziieren EMF mit neuropsychischen Effekten; 5 Kriterien zeigen Kausalität.

Interessanter Weise blockieren wohl Calcium-Kanal Blocker die Effekte von EMF – was ein Hilfsmittel war das ganze kausal zu testen. Weiterhin gibt es wohl einen ‘haufen’ an Literatur in Bezug auf Mikrowellen und Auswirkungen auf die VGCC sowie das Nervensystem aus der westlichen und auch sowjetischen Forschung. Dabei wird angenommen das die (negative) Wirkung u.a. durch die Aktivierung der VGCC (exzessive Freisetzung von Neurotransmittern und Hormonen) sowie oxidativen und nitrosativem Stress herbeigeführt wird [1].

Häufige (neuropsychische) Symptome

Für eine Übersicht, geordnet nach Häufigkeit der Studien die diese Symptome (bzw. Auswirkungen vom MW EMF) angeben habe ich mal Tabelle 4 (‘Commonly reported neuropsychiatric symptoms following microwave EMF exposure’) aus der Studie übersetzt [1]:

Symptom(s)Numbers of studies reporting
Schlafstörungen / Schlaflosigkeit17
Kopfschmerzen14
Erschöpfung & Müdigkeit11
Depressionen und depressive Symptome10
Dysästhesie (sehen/hören/riechen)10
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, kognitive Dysfunktion10
Schwindel9
Gedächnisstörungen8
Unruhe, Anspannung, Stress, Erregbarkeit8
Reizbarkeit7
Appetitverlust, Verlust des Körpergewichtes6
Hautjucken, Brennen, Entzündungen, Dermographismus6
Übelkeit5

Krass ist ja hier, das vieles davon schleichende Effekte sind, welche viele niemals der Mikrowellen oder dem Mobilfunk (+ WLAN, DECT, etc.) zuordnen würden. Selbst wenn MW diese Symptome (je nach Nutzung) nur um 10-30% verstärken – ist das ein deutlicher Verlust an Lebensqualität! Warum? Hier mal meine Ideen dazu:

  • ein bisschen schlechter Schlafen (teils merkt man gar nicht das der Tiefe Rem-Schlaf fehlt),
  • etwas unkonzentrierter bzw. langsamer (im Verkehr ganz schlecht),
  • ein oder zwei mal mehr Kopfschmerzen (dann bleib ich heute zuhause…),
  • Matt und Müde (ist es das Wetter, die Grippe, der Stress oder das Mobiltelefon?),
  • depressive Verstimmungen (verstärkt ggf. Beziehungsstress und Zukunftsangst),
  • Erregbarkeit, Anspannung, Reizbarkeit (subjektiv wird das in der Gesellschaft mehr…),
  • etc. pp.

Auch WiFi (WLAN) betroffen – nicht nur Mobilfunk

Wer jetzt denkt, das dass alles für WLAN nicht gilt – weil hier ja mit weniger Sendeleistung gearbeitet wird – leider Fehlanzeige! WLAN MF EMF haben nach verschiedenen Studien die gleichen Effekte. Aus einer Studie des gleichen Autors zu den etablierten Effekten für WiFi [2]:

  • Zelltod (Apoptosis),
  • oxidativer Stress,
  • testikuläre Fehlfunktionen (Sperma),
  • neuropsychische Effekte,
  • Einfluss auf die DNA,
  • hormonelle Änderungen,
  • Erhöhungen des Calcium-Ionen (Ca2+) Spiegels in den Zellen,
  • sowie der Vermutung das WiFi wohl ebenfalls die VGCCs aktiviert.

Das Problem aus meiner Sicht: WLAN-Tablet, Notebook und Smartphone werden in unmittelbarster Nähe zum Körper betrieben. Es ist also weniger der WLAN-Router das Problem – als die eigene Nutzung dieser Technik-Gadgets mit aktiviertem WLAN (bzw. Mobilfunk). Ggf. interessant dabei ist, das 5 GHz WLAN mit bis zu 1 Watt Leistung (EIRP) funken darf – was nicht ohne ist. Deswegen würde ich auch nur 2,4 GHz WLAN nutzen (max. 100 mW).

Das eher erschreckende Fazit der Studie…

Ich gebe mal das nachdenkliche Fazit der Studie komplett in Englisch wieder und übersetzte es dann mit ein paar zusätzlichen Gedankengängen von mir. Hier erst einmal der Text aus der Studie [1]:

We can barely imagine how the combinations of neuropsychiatric effects, including those in Table 4, will influence human behavior and social interactions, now that the majority of the human populations on earth are exposed to ever increasing intensities and diversity of microwave frequency EMFs. You may recall that three of the occupational exposure studies cited in (Raines, 1981 showed increasing prevalence of neuropsychiatric symptoms with years of exposure to consistent patterns of EMF exposure intensities (Dwyer and Leeper, 1978; Sadcikova, 1974;Baranski and Edelwejn, 1975). With ever increasing exposures in human populations, we have no idea what the consequences of these ever increasing exposures will be.”

Nach dem Autor können wir uns kaum vorstellen wie die Kombinationen der verschiedenen neuropsychischen Effekte (siehe u.a. Tabelle 4) das menschliche Verhalten und soziale Interaktionen beeinflussen – jetzt, wo der größte Teil der Menschheit einer immer weiter anzeigenden Last von verschiedensten MW EMF ausgesetzt ist (bzw. sich selber aussetzt). Er zieht zum Vergleich Studien aus den 70’ern und 80’ern heran – welche bereits damals in Expositionsuntersuchungen (also Studien ‘so richtig mit Menschen’ und nicht mit Ratten, Mäusen oder in der Theorie) die neuropsychischen Veränderungen und Symptome in Zusammenhang mit MW EMF dokumentiert hatten. Der Autor schließt mit dem Satz:

“Wir haben absolut keine Idee, was die Konsequenzen aus der stetig steigenden Erhöhung der MW EMF-Dosis für die Menschheit sein werden”

So sehe ich eher mit schrecken, das überall 5G Mobilfunk, Heimvernetzung, WLAN & Co. propagiert und adaptiert werden – also ich diesen Dingen heute und später selber immer weniger entkommen kann. Hier noch ein Video von dem Autor der Studie Prof. Martin Pall [10]:

Prof. Martin Pall – How WiFi & other EMFs Cause Biological Harm

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Das Video ist sehr, sehr sehenswert. Pall erklärt das aus seiner Sicht die (ungewollte) Aktivierung der VGCC’s durch EMF wohl der hauptsächliche Wirkungsmechanismus in Bezug auf die negativen Effekte der EMF ist. Alles passiert dann in Folge der Anreicherung von Calcium (Ca2+) in den verschiedenen Zellen:

  • mehr Stickstoffmonoxid (NO) & teils auch Peroxynitrit in den Zellen [12][13][14],
  • dadurch oxidativer Stress (ROS),
  • (ungewollte) Aktivierung der Ausschüttung von Hormonen und Botenstoffen (u.a. Nervenzellen),
  • (Zer-)Störung der Melatonin-Produktion [11],
  • die Blut-Hirn Schranke wird durchlässig,
  • die Zeugungsfähigkeit wird (stark) beeinträchtigt,
  • etc. pp.

Im Vortrag erklärt Pall auch, wie die ‘Industrie’ dazu kommt, das es nur thermische Auswirkungen von EMF gäbe – und auf welcher Basis hier viele tausende von Studien ignoriert bzw. ausgeklammert (werden welche genau das Gegenteil belegen). Für mich ist dieser Vortrag ein sehr wichtiger Baustein im Verständnis um EMF gewesen. Wer eine kurze Übersicht über die Thematik in Deutsch braucht, sei auf diese [14] Folien verwiesen. Ein neueres Interview mit M. Pall (durch Dr. Mercola) ist dann noch hier zu sehen [15].

Mein Fazit

Die Thematik der VGCC’s hat zu einem wichtigen Teil meines Verständnisses in Bezug auf die Effekte von EMF beigetragen. Ein Effekt, der jeden mehr oder minder direkt betrifft und meiner Einschätzung nach wie eine schleichende und akkumulierende Belastung darstellt – insbesondere auf den Zelltod der Neuronen & Co. durch (langfristige) Überstimulation.

Das Problem: Man nimmt diese Belastung in der Regel kaum wahr. Zeigen sich dann später ggf. lebenseinschränkende Symptome, dann sind die meisten Ratlos – inkl. der Standard-Medizin. Warum? Kaum einer hat EMF als auslösenden bzw. beitragenden Faktor auf dem Radar. Und wenn ggf. kurz daran gedacht wird, wird es meist abgetan – die individuellen Konsequenzen (den weitgehenden Verzicht) möchte kaum einer umsetzten.

Schleichende Veränderungen…

In meiner subjektiven Wahrnehmung nach hat sich in den letzten 5-10 Jahres einiges in der Bevölkerung geändert. Dies schließe ich in Bezug auf Anzahl der Problemchen die die Menschen um mich herum so haben,

  • dem was ich aus den Bereichen Schule, Lehre, Studium & Co. höre (Aufmerksamkeit, Denkvermögen, Konzentrationsfähigkeit…),
  • von immer mehr Burnouts & Depressionen von denen ich etwas mitbekomme (und die oft verschwiegen werden…),
  • von verschiedensten Krankheiten & Unverträglichkeiten, welche die Menschen auf einmal entwickeln,
  • von immer mehr gefühltem ‘Stress’ um mich herum und teils auch aggressiven ‘Reflexen’,
  • etc. pp.

Natürlich – das ganze ist (wie so oft) Multikausal. Blaulicht & Co., Zusatzstoffe, Hormone aus der Pille im Abwasser, andere Umweltfaktoren, zeitliche Verdichtung im Arbeitsumfeld, immer komplexere Aufgaben und Überforderung durch Nachrichten, Twitter, Whatsapp und Internet-Informations-Overkill, etc. pp. – gehen natürlich in diese Stress-Rechnung mit ein.

Für ich ist eines jedoch ganz klar: Gerade die Smartphones tragen zu mehreren der vorgenannten Effekten bei. Das relativiert für mich nicht das Thema EMF – sondern stellt vielmehr die Frage was wir da mit ‘uns’ und insbesonderen den Kindern und Jugendlichen so anstellen. Was der Anteil von MW-EMF bei der ganzen Rechnung ist, das weiß ich zwar nicht – es ist jedoch Wasser auf meine Mühlen. Auf jeden Fall hat sich die effektive Dosisbelastung durch MW-EMF in den letzten 10-15 Jahren sicher um den Faktor 100 oder 1000 erhöht – und die speziellen Techniken & Modulationen von LTE (4G) und demnächst 5G machen es nicht besser.

Da all dies schleichende Veränderungsprozesse und Effekte sind – entziehen Sie sich unserer direkten Wahrnehmung. Denn EMF kann die Spezies Mensch, wie auch radioaktive Strahlung, nicht sinnlich erfassen oder spüren. Wenn es doch mal der Fall sein sollte – z.B. als (hoch-)sensibler in Bezug auf EMF – dann ist das heute schon fast eine ‘Verdammung’ zum Einsiedlertum im Wohnwagen außerhalb von Ortschaften. Und solche Menschen gilt es schon einige…

Was tun? -> Vorbild- und Gesellschaftskontext

Bewusstsein für diese (und andere) Themen schaffen, selber handeln – und Vorbild sein: Für Kinder, für die Familie, für Bekannte, für Freunde und Kollegen. Also nicht ‘predigen’ und selber das Smartphone andauernd nutzen – sondern ggf. ‘Vorreiter’ sein und zeigen das es auch ohne geht.

Ich selber setzte das seit längerer Zeit um: eMails lese ich wieder am verkabelten PC und ein Mobiltelefon nutze ich nur noch absoluten Ausnahme- und Notfällen (und nach vorheriger Vereinbarung) – ansonsten ist es ausgeschaltet. Ein schnurloses (DECT) Telefon habe ich selber nie besessen (dafür war die Datenlage schon damals zu gruselig) & WLAN nutze ich ebenfalls nicht mehr.

Was tun? -> Stofflich & in Bezug auf Mikronährstoffe / Supplemente

In einem Buch zu Mitochondrien welches ich aktuell lese stand, das Magnesium (Mg) dabei hilft die Calcium-Ionenkanäle wieder zu schließen [6][7] – wobei die verschiedenen Interaktionen jedoch komplexer sind [8][9]. Ganz klar scheint Magnesium jedoch für einen (natürlichen) blockierenden und einen schließenden Effekt zuständig [6]:

  • Magnesium ions – inhibitor effects: close channels
  • Magnesium ions reduces the ionic transfer: block effect

Das ca. 30% der Bevölkerung in DE eine Unterversorgung mit Magnesium haben hilft bei dem ganzen sicher nicht ( -> und das nach den ‘Standards’ der DGE). So scheint mir hier eine ausreichende Versorgung mit Magnesium nochmals wichtiger zu sein. Ein anderer Aspekt kann wohl NRF2 sein, was ich schon in Bezug auf Brokkolisprossen vorgestellt hatte und was Herr M. Pall in einem Interview erwähnt [15, ca. min 51]. Praktischer weise hat Herr Pall dann auch noch ein Paper zu NRF2 [16] veröffentlicht 🙂 Was aktiviert NRF2 neben dem Sulforaphan aus Brokkoli?

“Health-promoting nutrients and other factors act, at least in part by raising Nrf2 including: many phenolic antioxidants; gamma- and delta-tocopherols and tocotrienols; long chain omega-3 fatty acids DHA and EPA; many carotenoids of which lycopene may be the most active; isothiocyanates from cruciferous vegetables; sulfur compounds from allium vegetables; terpenoids. Other health promoting, Nrf2 raising factors include low level oxidative stress (hormesis), exercise and caloric restriction.” [16]

Also Polyphenole (Obst & Gemüse), Vitamin E (u.a. Mandeln, Sonnenblumenkerne) , DHA & EPA (fetter Fisch), Lycopin (u.a. Tomaten) und Isothiocyanate aus Kohlgewächsen (u.a. Kohl, Brokkoli, Brokkolisprossen, Sauerkraut), Schwefel aus Zwiebelgewächsen (MSM?) und verschiedene Terpene. Zudem gesellen sich noch (hormetischer) oxidativer Stress sowie Sport und Kalorienrestriktion.

Was tun? -> Praktisch

Mit fällt aktuell nur vermeiden, reduzieren und ein vernünftiger (bzw. angepasster) Lifestyle ein. Einige Tips dazu hatte ich schon am Ende dieses Artikels aufgelistet. Wer gezielt EMF-Belastungen vermeiden möchte, der kann sich auch mit dem Messen beschäftigen.


Quellen / Links