Buchkritik: Jod – Schlüssel zur Gesundheit

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Buchcover. Foto: H.C.

In meinem Blogpost über Jod hatte ich schon einiges zusammengetragen, was mir über die Jahre begegnet war – dennoch, das Thema Jod ist und blieb irgendwie kontrovers, anders als z.B. bei Vitamin D3. Bei letzterem sagen immer mehr Studien aus, das z.B. die Empfehlungen nach der Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) mit 800 I.E. am Tag ungenügend sind um Mangelerscheinungen entgegenzutreten bzw. einen ausreichenden Vitamin D3 Status im Blutserum zu erreichen. Meine zentrale Frage blieb denn auch: Reichen die 200ug Jod/Tag die empfohlen werden aus um den Körper optimal zu versorgen – oder sind diese nur ein absolut unterstes Maß, damit es nicht zur Kropfbildung der Schilddrüse kommt?

Die Autoren des Buches hatten sich genau dieser Frage verschrieben u.a. deswegen weil z.B. Hashimoto erkrankten oft jeglicher Jodkonsum abgeraten wird – Japaner aber Jod im Milligrambereich! regelmäßig verzehren. Dies ist deutlich mehr als die bei uns empfohlenen 200ug – die die meisten Menschen nicht einmal erreichen. Und warum erkranken aktuell überhaupt so viele Menschen an Hashimoto? Ist das eine Modekrankheit? Ist die Zwangsjodierung von Salz, obwohl Sie die Kröpfe beseitigt hat, nicht gut oder ggf. sogar viel zu gering? Ist ggf. der Jodmangel in unserer verarbeiteten Nahrung größer geworden? Genau darum geht es in dem Buch.

Einleitung

In der Einleitung lernt man, das es Jod in verschiedenen Formen gibt, z.B. Jodit (Anm: was als Kaliumjodid im Jodsalz ist) und elementares Jod – jedes hat seinen Zweck im Körper. Weiterhin wird angegeben das Jod ein wichtiger Antioxidant ist und wo überall im Körper (und Gehirn) Jod benötigt wird.

Und letzteres ist ganz wichtig: Wir brauchen Jod nicht nur für eine funktionierende Schilddrüse, sondern an ganz vielen Stellen und Prozessen im Körper!

Co-Faktoren für Jod

Damit Jod wirksam ist benötigt es einer guten Versorgung mit Omega 3-Fetten (ALA/DHA) zusätzlich zu den Omega 6-Fetten. Auch die Mitochondrien-Funktion ist wichtig, welche Vitamin B2/3 (z.B. in Getreide) und Coenzym-Q10 voraussetzt. Dann wird wie schon in meinem Jodartikel auf Selen für die Dejodase in der Schilddrüse verwiesen. Auch Eisen ist wichtig, wobei Vitamin C die Aufnahme fördert (wie auch bei Zink) und gleichzeitig auch noch einen positive Wirkung auf den Jod-Stoffwechsel (Natrium-Jodid-Symporter) hat. Zuletzt kommt der Hinweis auf Vitamin D, das eine wichtige Rolle für die Speicherfähigkeit von Jod im Gewebe spielen soll sowie Vitamin A, was u.a. in Maßen aus Provitamin A (Betacarotin) vom Körper synthetisiert werden kann (falls keine Tierprodukte verzehrt werden).

Deutschland – Jodmangelland?

“Jodmangel ist weltweit der häufigste Grund – obwohl er einfach zu verhindern ist – für Hirnschädigungen” (WHO)

 

Nach der WHO ist Deutschland ein Jodmangelland, wobei für erwachsene ca. 200ug/Tag an Jod empfohlen werden – was aber wohl gerade mal für die richtige Funktion der Schilddrüse alleine ausreicht. Bei einer großen Untersuchung in 2002 mit über 96 Tausend Menschen in D wurden bei jedem dritten Deutschen krankhafte Veränderungen der Schilddrüse festgestellt und jeder 2te über 45 war schilddrüsenkrank (Frauen und Männer waren gleichermaßen betroffen).

So kritisieren die Autoren des Buches das die Empfehlungen für die tägliche Jod-Aufnahme nur die Schilddrüse berücksichtigen, nicht aber viele Umwelt(belastungs)- und (ggf. fehlende oder entgegenwirkende) Co-Faktoren. Da hatte ich in meinem Jod-Blogeintrag ja auch schon Rauchen, Schwangerschaft, Medikamente sowie “Goitrogene” Kohlgewächse erwähnt, welche die Jod-Aufnahme behindern bzw. Jod ‘verbrauchen‘.

Weitere Goitrogene

Neben den Kohlgewächsen und Soja, gibt es noch andere Stoffe die negativ auf die Jodaufnahme wirken. Wer zumindest bei den Kohlgewächsen auf Nummer sicher gehen möchte der fermentiert, erhitzt bzw. kocht diese vorher – und verwendet Sie nicht roh z.B. in Smoothies. Weiter Goitrogene sind:

  • Perchlorat behindert die Jodaufnahme – der Stoff gelangt u.a. über Niederschläge in den Wasserkreislauf und dadurch auch in unser Obst und Gemüse. Bis zu 40% des Obst und Gemüses sind belastet (Ökotest 8/2013).
  • Bromid ist chemisch mit Jod verwandt und kann bei einem Jodmangel anstatt dessen über den Natrium-Jodid-Symporter in die Zellen gelangen (u.a. bei einigen Medikamenten relevant).
  • Fluorid ist ebenfalls chemisch mit Jod verwandt – was Fluor in Zahnpasta und Salz sehr kritisch erscheinen lässt.
  • Extremsport und Saunieren – hier werden 10ug Jodverlust pro Liter Schweiß angegeben.
  • ‘Östrogen’dominanz verschlechtert die Aufnahme – wichtig u.a. auch in Hinblick auf Anti-Babypille & Co.
    • Anm.: Die Dominanz in Bezug auf weibliche Geschlechtshormone, z.B. Estradiol.

Jodmangel und Jodlebensmittel Check

In den folgenden Seiten wird eine Checkliste für die Feststellung eines möglichen Jodmangels geliefert und danach Tabellen mit dem Jodinhalt üblicher Lebensmittel zur groben Orientierung.

Optimalversorgung mit Jod

Jetzt wird es spannend – die Autoren greifen noch mal den Aspekt auf, das die empfohlenen 200ug gerade mal das untere Maß sind, damit sich kein Kropf bildet – aber bei weiten nicht das Optimum darstellen. Ggf. decken die 200ug sogar nur 30% unseres Jodbedarfs. Das ist interessant, denn diese These hatte ich das erste mal bei John Bennet gelesen, der u.a. auf Japaner verweist die Jod im mg Bereich pro Tag zu sich nehmen.

Dann folgt eine Liste von Krankheiten die positiv von mehr Jod profitieren könnten, sowie ein Interview mit dem Arzt Jochen Armbruster über die optimale Jodversorgung – welcher angibt das ca. 90% seiner Patienten einen Jodmangel haben, er die 200ug pro Tag für zu wenig hält und auch seine Hashimoto-Patienten Jod bekommen, welche folgendes gemeinsam haben: (Schwerer) Jod-Mangel, Vitamin-D3 Mangel und eine Glutenunverträglichkeit.

Joddiagnostik

Dieses Kapitel geht auf die Joddiagnosik ein, wobei es aktuell 3 Tests mit jeweiligen Vor- und Nachteilen gibt:

  • Urinausscheidung im Harm (bisher der Goldstandard)
  • Jod im Serumblut
  • Jodsättigungstest

und als Ergänzung einen ‘Jod-Haut-Test’ für die Diagnostik zu hause, sowie beschreibt die Vor- und Nachteile der anderen Tests im Detail.

Jodbewuste Ernährung (von den Japanern lernen)

Hier wird bereits in der Einleitung darauf hingewiesen das die meisten Japaner zwischen 1 und 13 Milligramm (mg) Jod pro Tag mit Ihrer (traditionellen) Ernährung aufnehmen. Das gibt zu denken….

Dann folgt ein Abstecher bez. der Ketogene (Fettreiche und faktisch Kohlenhydrat-lose) Ernährung – hier gehen aber meine Warnlampen an, denn das hat nichts mit Japanern, nichts mit Gesund und insbesondere auch nichts mit den langlebigen aus Okinawa zu tun – welche sich fast nur mit Kohlenhydraten und fast keinem Fett ernähren. Das eine ketogene Ernährung (u.a. Atkins) ungesund ist, kann man z.B. hier nachlesen oder hier anschauen. Ich könnte noch viele andere Quellen dafür angeben, wie z.B. Dr. Jacobs (in Deutsch) oder Dr. Campbell (China Study). So rate ich von den dort aufgeführten Keto-Büchern ab.

Der folgende Algenüberblick ist dann o.k. und mit dem hier bei Nutritionfacts vergleichbar. Leider wird das Buch hier nicht richtig aussagekräftig bezüglich der ungefähren Jodgehalte der Algen und wie diese dann ungefähr dosiert werden müssen, das macht das Video bei Nutritionfacts besser. Alternativ verweise ich auf die Tabelle in meinem Jod-Blogpost.

Gut auch die Erwähnung das Meersalz faktisch kein Jod enthält – das gleiche gilt auch für Steinsalz, wie ich es auch schon in meinem Jod-Blogeintrag bemerkt hatte. Danach geht es weiter mit der Geschichte zum Jodsalz und Mengenangaben von Jod in den Salzvarianten.

Dies ist dann auch das erste mal wo ich etwas über den Kaliumjodidgehalt in jodiertem Speisesalz gelesen habe. Die Autoren geben es mit 15-25mg Jod pro Kg Salz an. Ein Gramm Salz enthält also 15-25ug Jod. Setzte ich nun die Empfehlungen der DGE für Salz mit min. 1,4g und max. 6g an, dann spricht das nicht gerade für eine ausreichende Jodaufnahme durch jodiertes Speisesalz: also die sich ergebenden maximal 75-150ug Jod, da ca. 1g Salzäquivalent schon in den Lebensmitteln (Gemüse & Co.) selber stecken.

Ganz wichtig

Das Buch gibt an, das Kaliumjoid (in jodiertem Kochsalz) durch die Hitze ‘zerstört’ wird – und deswegen erst nach dem Kochen gesalzen werden sollte. Das hatte ich zwar noch nicht gelesen und könnte es auch nicht verifizieren – aber das wäre dann sehr fatal, weil viele Menschen das Salz zum Kochwasser dazugeben und denken Sie zum sich bez. des Jod was gutes. Alles was Sie dann aber bekommen ist zu viel Natrium.

Jodtheraphie

Dieser Abschnitt dreht sich um Jod in der Therapie und den Jodquellen die dafür in Frage kommen können, z.B. Iodoral oder die Lugolsche Lösung – wobei deren spezifischen Nachteile in einem Interview mit dem Apotheker Dr. Tennenheuser thematisiert werden.

Anschließen tut sich ein Interview mit dem US-Arzt Dr. David Brownstein der sich u.a. zum täglichen Jodbedarf äußert, den er auf 12-50mg taxiert, also 100-400 mal höher als die Empfehlungen (Anm.: Das erscheint mir nun selber zu hoch). Er sagt auch, das viele seiner Patienten 25mg pro Tag einnehmen und weißt auf einen erhöhten Jodbedarf durch Toxine wie Fluor und Bromide hin.

Folgen tut noch einmal eine Liste der wichtigen Vitalstoffe und dann ein Protokoll zur Hochdosisjodtherapie. Danach wird dann noch einmal die maximale Dosis besprochen die in Bezug auf Jod als Sicher angegeben wird – denn die hier zuletzt genannten Dosen sind ja weit von den Empfehlungen der DGE entfernt. So wird im Buch die National Academy of Medicine in den USA angegeben, die als (dauerhafte) Tageshöchstdosis für erwachsene ca. 1,1mg angibt – also ca. 5-6 mal mehr als die DGE oder die WHO.

In einem Interview mit der Ärztin Bettina Hess werden Studien angegeben die besagen das das Jod aus Meeresalgen anscheinend wirksamer ist als die Gabe von Kaliumjodid. Das Jod werde nicht so schnell ausgeschieden und bei Krebspatienten seinen mit der Jodsupplementation durch Algen andere (bessere) Ergebnisse erzielt worden als mit Kaliumjodid.

Des weiteren wird am Ende noch auf Nebenwirkungen und Symptome einer hochdosierten Jod-Supplementation eingegangen, was das Kapitel abschließt – sowie der Hinweis, das sich die Jod-Hochdosistherapie NICHT zur Selbstmedikation eignet.

Atomunfall

Um im Falle eines AKW-GAU’s u.a. die Schilddrüse und den Körper vor Aufnahme von radioaktivem Jod zu schützen werden 2 * 65mg Jodtabletten (Kaliumjodid) eingenommen (welche aber normal nicht zu bekommen sind). Auch ist deren Einnahme nicht ungefährlich – im Falle eines AKW-Unfalls mit Austritt von viel Radioaktivität (Jod) wohl das kleinere Übel.

Ähnliches würde sich auch mit Iodoral 12,5mg Tabletten erreichen lassen, von denen man dann ca. 10 Stück nehmen müsste. Die Idee hinter der Dosis von 130mg Jod ist wohl den Körper voll mit Jod zu sättigen. Man geht davon aus, das alleine die Schilddrüse (eines Erwachsenen) um die 50mg Jod speichern kann. Da viele unterversorgt sind, kann mit 130mg jedes Defizit im gesamten Körper – in der Theorie – ausgeglichen werden (wenn auch dieses hau-drauf Verfahren nicht ohne Risiko ist). Da Jod auch über die Haut aufgenommen und dann überall gespeichert wird, ist dieses im Falle eines GAU mit Austritt von Radioaktiven Jod wichtig – selbst wenn man keine kontaminierte Nahrung zu sich nimmt.

Der Jod-Stoffwechsel und die Schilddrüse

In diesem Abschnitt wird dann genau erzählt wie die Jodaufnahme und die Regelmechanismen im Körper funktionieren. Begriffe wie TSH-Basal Wert, T3, T4, Dejodase, L-Thyroxin werden eingeführt und die Regelmechanismen und die Diagnostik erklärt. Letzteres ist wichtig, weil nicht jeder Arzt sich mit der Thematik auskennt. Hier wird dann auch noch mal auf Thyrosin, was der Körper aus Phenylalanin (eine Aminosäure z.B. in Hülsenfrüchten vorkommend) herstellen kann, als Co-Faktor hingewiesen. Die Kurzversion von allem gab es schon in meinem Blog-Artikel zu Jod.

Es schließt sich dann eine Liste von Symptomen bei Unterfunktion an. Hier ein kleiner Ausschnitt:

  • Verstopfung
  • häufiges Frieren (auch in warmer Umgebung)
  • eher erniedrigte Körpertemperatur
  • Libidoverlust
  • Plus unter 65 Schlägen in der Minute
  • trockene Haut
  • Antriebslosigkeit, Müdigkeit
  • Gewichtszunahme
  • niedriger Blutdruck
  • Depressionen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • etc.

Danach folgt ein Abstecher zur Basaltemperatur – um die (Eigen-)Diagnostik zu ergänzen. Dabei wird morgens beim Aufstehen die ‘Aufwachtemperatur’ oral gemessen. Je nach Temperatur und verlauf kann dies die Vermutung auf eine Unterfunktion bzw. Jodmangel bekräftigen.

L-Thyroxin

Nun schließt sich die Geschichte von L-Thyroxin an – Hashimoto Patienten mögen hier aufhorchen. Spannend ist das das L-Thyroxin das Hashimoto Patienten gegeben wird zu 2/3 Jod beinhaltet. Das ist wohl auch der Grund warum es vielen, auch bei einer falschen Diagnose, damit erst einmal besser geht. Das Problem ist aber das, liegt nicht wirklich eine Fehlfunktion vor, das zusätzliche L-Thyroxin den Jod-Stoffwechsel ankurbelt. Da aber kaum Jod da ist – zumindest bis auf das bisschen das mit der Medikation mit kommt – wird die Gesamtsituation in vielen Fällen dadurch nicht viel besser. Der eigentliche Jodmangel aber bleibt in diesen Fällen dann unbehandelt.

Anschließen tut sich dann ein FAQ zu L-Thyroxin anschließen und es wird noch einmal auf die Diagnostik zur Schilddrüsenvergrößerung eingegangen, wobei ein Interview mit einem Internisten das Kapitel abschließt.

Hashimoto-Thyreoiditis (HT)

Dieses Kapitel geht im Detail auf Hashimoto ein – die häufigste Autoimmunerkrankung. Es wird ausgesagt das HT’ler zunächst heftig auf Jodgaben reagieren – deswegen wohl auch die totale Zurückhaltung von einigen Menschen in Bezug auf Jod. Dies passiert wohl, da die Schilddrüse nicht mehr richtig mit Jod umgehen kann. Das strikte meiden von Jod erzeugt aber nicht nur einen Mangel in der Schilddrüse, sondern auch in allen anderen Organen.

Ganz wichtig in diesem Kapitel wird noch einmal darauf hingewiesen, das durch die Gabe von Vitamin-D3 und Selen die Entzündungsprozesse in der Schilddrüse häufig vermindert werden, so das Jod wieder vertragen wird. So soll in dieser Phase auf alle Gaben von Jod >500ug am Tag unbedingt verzichtet werden.

Die Ursache für die HT kann aber auch genetisch bedingt sein – hier durch eine Kryptopyrrolurie (KPU) und Hämopyrrolaktamurie (HPU) welches eine erworbene oder ererbte Störung der Mitochondrienfunktion ist. Neben der Herstellung von ATP haben die Mitochondrien noch eine Nebenaufgabe: Die Herstellung von Häm-Monekülen. Das sind Eiweisverbindungen wie u.a. auch für die Herstellung des Enzyms Thyreoperoxisase (TPO) benötigt werden – was wichtig im Jodstoffwechsel ist. Die Mitochondrienfunktion wiederum wird zusätzlich durch Umweltgifte (Aluminium, Arsen, Quecksilber), chemische Gifte und Nährstoffmangel (Q10, B2, B3, Mangan und Magnesium) beeinträchtigt.

Da die Ursachen von HT vielfältig sein können (wie oben-stehend aufgezeigt) müssen diese in einer ganzheitlichen Therapie berücksichtigt werden. Dabei kann eine angepasste Jodgabe den Heilungsprozess bei HT häufig positiv beeinflussen. Mehr Details sind im Buch zu finden 🙂

Jod und Schwangerschaft

Dieses Kapitel ist ziemlich heftig – also die Auswirkung von Jodmangel auf das neugeborene und z.B. seinen IQ. Was bei Folsäure ein Selbstläufer ist, ist bei Jod das Gegenteil. 90% der Schwangeren sind hier nicht aufgeklärt oder informiert.

Während der Schwangerschaft muss die Mutter den Jodbedarf für zwei stillen – dies, da im Embryo auch Jod angereichert wird (erst im Magen-Darm-Trakt, dann im Gehirn und zuletzt in der Schilddrüse). Ein Jodmangel kann also enorme Auswirkungen für das Neugeborene haben, wie z.B.:

  • geringere Körpermaße
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Hördefekte
  • Störung der psychomotorischen Entwicklung
  • geringerer IQ (um bis zu 15 Punkte)
  • Fehlgeburten
  • Frühgeburten
  • AHDS
  • Autismus
  • plötzlicher Kindstod
  • etc.

So ist z.B. in Japan, wo die Frauen geschätzt zwischen 1-13mg am Tag aufnehmen auch der plötzliche Kindstod weniger verbreitet als bei uns. Zudem weißt Japan die geringste Rate an Frühgeburten auf. Es schließt sich ein Interview mit dem ‘Jodforscher und Arzt’ Prof. Dr. Sebatiano Venturi an, welches weitere aufschlussreiche Daten liefert.

Aber auch in der Stillzeit ist Jod sehr wichtig, wird doch das Kind über die Muttermilch mit allem versorgt. So ist auch hier eine ausreichende Jodversorgung wichtig, die über eine auch noch so ausgewogene Ernährung im Jodmangelgebiet Deutschland in keiner Weise sichergestellt werden kann (man geht von ca. 60ug Jodaufnahme durch Nahrung seitens der WHO aus – wie u.a. in meinem Jod-Blogpost ausgeführt).

Es folgen weitere Hinweise zu Symptomen bei Schwangeren in Bezug auf die Unterversorgung mit Jod – selbst wenn supplementiert wird und alle Blutwerte o.k. scheinen. Dies wird dann durch ein längeres Interview mit einer Hebamme ergänzt.

In diesem Zusammenhang ist gerade bei Vegetarisch bzw. Vegan lebenden Menschen wichtig zu betonen, das diese sich vollwertig und möglichst ohne Milch ernähren um die Eisenaufnahme nicht zu vermindern. Wenn Fleisch konsumiert wird, sollte hier wohl komplett auf (quecksilberarmen) Fisch gewechselt werden, da dieser Omega3 Fettsäuren und DHA mitbringt – sowie auch einen im Verhältnis zu anderem Fleisch hohen Anteil an Jod. Für Veganer empfehlen sich hier ggf. DHA Produkte auf Algenbasis. da davon ausgegangen wird das ALA aus Omega 3 Fetten von Lein- und Hanfsaamen nur in geringem Maße zu DHA umgewandelt werden kann.

Jodmangel und Brustkrebs

Die Autoren berichten, das in Ihrer Praxis die meisten Brustkrebspatientinnen auch meist eine Schilddrüsenerkrankung hatten. So haben auch die Brustdrüsen die Fähigkeit Jod zu speichern, wobei die Brust elementares Jod speichert – die Schilddrüse Jodit. Das ist dann wohl auch der Grund warum Joditpräparate nicht so gut gegen Brustkrebs wirken wie z.B. Algen die beide Jodformen enthalten.

So wird u.a. auch diesen Artikel der Ärztezeitung verwiesen. Interessant u.a.:

“Danach war die Proliferationsrate in Tumoren bei Patientinnen mit bioptisch nachgewiesenem Mammakarzinom, die neoadjuvant über vier Wochen 4 Milligramm Jod pro Tag erhielten, um 50 Prozent reduziert.”

Das ist die 20-fache Dosis die die DGE empfiehlt. Danach werden Vergleiche mit der Ernährung in Japan gezogen, wobei auch mögliche genetische Faktoren diskutiert werden. Folgen tun dann wieder zwei Interviews, einmal mit dem Endokrinologen Prof. Dr. Roland Gärtner und der Gynäkologin Dr. Simone Koch. Es wird darauf eingegangen das die Frauen in Japan und Korea 5 mal weniger Brustkrebs haben als bei uns. Dann wird noch einmal wiederholt das 60 bis 80% des Jods im Körper NICHT in der Schilddrüse gespeichert werden, sowie ausgesagt das pharmazeutische Jod-Präparate den Bedürfnissen der Brust nicht genügen können (Anm.: Jodit und nicht elementares Jod u.a. in chelierter Form).

Es folgen dann noch weitere Interviews z.B. mit der US Jodforscherin Prof. Dr. Lynne Farrow (u.a. Autorin von ‘Die Jodkrise’), welche Ihre eigene Geschichte bez. einer Brustkrebserkrankung erzählt, inkl. interessanten Dingen zu Onkologen, Chemo und Bestrahlung. Alleine dieses hoffnungsvolle Interview macht das Buch wohl schon kaufenswert für Brustkrebspatientinnen – oder welche die es nicht werden wollen.

Mastopathie

Hier wird über die Auswirkung von Jod und Jodmangel in Bezug auf fibrozystischer Mastopathie berichtet, Studien erwähnt und mit einem Interview der Ärztin Dr. Doerthe Nicolas abgeschlosen, die nochmals auf gute Ferritin (Eisen)-Werte (min. 90ng/ml) und einen guten Selenstatus vor Beginn einer Behandlung hinweist. Die Autoren ergänzen dann noch weitere Hinweise und Tips bezüglich Co-Faktoren und ergänzender Diagnostik.

Was Jod sonst noch alles kann

Hier wird dann noch kurz auf:

  • Infertilität (Frau)
  • Ovarialzysten (PCOS)
  • Wechseljahresbeschwerden
  • Prostataerkrankungen
  • Chronische Erschöpfung / Nebennierenschwäche
  • und Kognitionsstörungen

eingegangen.

Kritik

Mit hat das Buch sehr gefallen. Es ist mit 150 Seiten kompakt & schnell zu lesen, deckt einen großes Themenspektrum ab, fasst das wichtigste der einzelnen Abschnitte am Ende jeweils sehr kurz zusammen und wird durch viele gut leserliche Interviews ergänzt. Gerade durch letzteres ergibt sich für mich der Eindruck das die Autoren sich wirklich tiefgründig mit der Thematik beschäftigt haben.

Was ich auf den ersten Blick nicht plausibel fand waren die Angaben zu sehr hohen täglichen Jodmengen von Dr. David Brownstein. Es zeigt jedoch auf, was ggf. für Spielräume im Rahmen der täglichen Jod-Dosis vorhanden sind – insb. bei Krankheit oder z.B. Vergiftung mit Fluor und/oder Brom welche beide das Hormonsystem beeinflussen und gegen die Jodaufnahme wirken. Unter den Links habe ich ein sehenswertes Video von ihm.

Das alles bringt mich jedoch auch zu einem anderen Punkt: Ein Artikel aus 2009 bei der Weston A. Price Foundation (WPF) [1] beschäftigt sich ebenfalls mit  der Jod-Frage, Brownstein, Flechas & Co., Empfehlungen, Epidemiologie, Forschungen und Publikationen und beleuchtet kritisch die Hintergründe von Jodsättigungstests, hohen Gaben von Jod, Kropfbildung durch Jod, etc. Dort ist u.a. zu lesen:

“In addition, there is epidemiological evidence that populations with ‘sufficient’ or ‘high normal’ dietary iodine intake have a higher prevalence of autoimmune thyroiditis, compared with populations with deficient iodine intake. In a study of children in a mountainous area of Greece with a high prevalence of goiter, public-health measures taken to eliminate iodine deficiency were followed by a three-fold increase in the prevalence of autoimmune thyroiditis.”

Ich schreibe diese Zeilen am Ende, weil mit Jod also nicht unbedingt zu Spaßen sein muss – denn das vorliegende Buch erweckt (für mich) stark den Eindruck, das eine geringe Erhöhung der Jodmenge durch Algen, Lugolsche Lösung & Co. unproblematisch sein sollte. Dem muss jedoch nicht so sein. Aus dem WPF-Artikel [1]:

“In addition, modest increases in dietary iodine have been suspected to cause hyperthyroidism in some people, an effect that is known to occur with larger doses of iodine.”

Zu den im Buch beschriebenen hohen Jod-Dosen in Japan sagt der Artikel dann auch aus, das Mengen über 1 mg/Tag eigentlich nur über Algen erreicht werden können. So sind nach der WPF dann auch die Aufnahmemengen an Jod bei vielen Naturvölkern auch im Bereich von 50-150 µg am Tag – identisch mit dem Empfehlungen von WHO & Co.

“However, a published analysis of iodine intake in Japan found a range of 45-1921 mcg per day,33 and Weston Price found healthy peoples consuming iodine amounts in the lower end of this range. Furthermore, without seaweed, it would be very difficult to exceed 1,000 mcg per day, based on values found in typical traditional foods (see chart, page 47).”

Der Artikel ist sehr lang und endet auch damit, das die vielen berichteten Erfolge durch höhere Jodgaben nicht ignoriert werden können – es jedoch mehr Studien bedarf um die genauen Zusammenhänge zu verstehen. Den Artikel komplett zu lesen ist für alle die das Jod-Buch kaufen wollen oder schon gekauft haben sicher ein Gewinn – er erscheint mir Ausgewogener als die Darstellung im Buch.

Zum Thema Jod-Sättigungstest empfehle ich auch noch diesen Betrag [2] zu lesen, welcher diesen Test sehr kritisch und auf Basis von 96-Stunden Messwerten auseinander nimmt und detailliert die Schwächen aufzeigt.

Fazit

Ein interessantes Buch, das meiner Ansicht jedoch die negative Seite von ggf. zu hohen Joddosen (jenseits der 200 µg bzw. 1 mg/Tag) nicht ausreichend würdigt bzw. einbezieht. Auf jeden Fall sind die Vielzahl der positiven Berichte zu hohen Gaben von Jod nicht zu ignorieren – jedoch ist das ganze für mich Bild deutlich komplexer und besteht aus einer individuellen Krankengeschichte sowie ebenfalls zahlreichen Co-Faktoren und Umwelteinflüssen.

Das alles jedoch im Detail zu beschreiben würden den Rahmen jedes Buchs sprengen – und wäre am Ende doch nicht aufklärbar, weil vieles eben noch im Nebel liegt. Insofern ist das vorliegende Buch sicher ein guter Einstieg in die Materie und Ausgangspunkt für weitere Nachforschungen.


Links

Quellen

2 Gedanken zu „Buchkritik: Jod – Schlüssel zur Gesundheit

  1. Hallo,

    laut diesem Artikel von Chris Masterjohn mit weiteren Nachweisen

    https://www.westonaprice.org/health-topics/vegetarianism-and-plant-foods/bearers-of-the-cross-crucifers-in-the-context-of-traditional-diets-and-modern-science/#processing

    reduziert Fermentation die Bildung von Goitrogenen gerade nicht, sondern fördert diese im Gegenteil stark. Und die hier so geliebten Brokkolisprossen sieht Masterjohn durchaus kritisch.

    Ist mir etwas unangenehm, dass mein erster Kommentar hier gleich ein besserwisserischer ist, andererseits käme ich mir schäbig vor, wenn ich schon mal meine, etwas beitragen zu können, das dann zurückzuhalten, nachdem ich hier so viel gelernt habe. Also vor allem Danke, vielen Dank, für die Fülle an Informationen und Verweisen. Allein der Hinweis auf Radium in Paranüssen… hatte ja keine Ahnung… Zudem kommt mir auch Dein Schreibstil entgegen, den ich angenehm zu lesen finde. Nochmals Danke und noch ein gutes und gesundes neues Jahr!

    • Hallo Fidda,

      danke für das Feedback & den Link – Masterjohn habe ich auch im Vitamin K2 Artikel verlinkt und halte ihn für sehr lesenswert. Besserwisserisch? Auf keinen Fall! – Nur mit solchen Hinweisen kann das Verständnis wachsen. Im Artikel fasse ich ja auch nur das was im Buch steht zusammen.

      Schön beim verlinkten Artikel, das Masterjohn mal genauer sagt (schreibt) wie viel (Prozent der) Goitrogene mit welcher Kochmethode zerstört werden. Gerade der kritische Blick von Masterjohn auf Brokkoli-Sprossen ist für mich sehr interessant. Ansonsten habe ich nur positives gelesen… und irgendwie kann das ja auch nicht sein. Nun ist die (meine) Frage: Welche Menge (Dosis) ist sinnvoll bzw. optimal bzw. sollte nicht überschritten werden.

      LG
      H.C.

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