Jod – Wichtig für die Schilddrüse & was zu Dosis, Lugolscher Lösung, Algen & Co.

Von | 1. Januar 2018
Jod

Jod als Element. Bild Lizenzsiert unter CC BY SA 2.5

Viele Artikel im Internet ‘ranken’ sich um Jod. Die einen schreiben das es gefährlich ist – die anderen, das man nicht genug davon zu sich nehmen kann – und Empfehlen dann Algen (Kepl, Wakame), Lugolsche Lösung und Jod in Milligramm-Dosen gegen Schilddrüsen-Unterfunktion, Hashimoto & Co.

Auch ich war sehr, sehr lange sehr verwirrt. Deswegen geht es in diesem Artikel um folgende Dinge:

  • Etwas zum Jod-Mangelgebiet Deutschland
  • Einige Auswirkungen eines Jod-Mangels
  • Etwas zur Jod-Verteilung  im Körper (Angeblich)
  • Übliche Jod-Quellen (Algen, Lugolsche Lösung, Jodsalz)
  • Etwas zu den Jod-Mengen die der Körper ggf. braucht (was ist zu viel, was zu wenig)
  • Kontroverse Jod-Diagnostik (-> Jod-Sättigungstest)
  • etc. pp.

Vorab möchte ich noch anmerken, das dieser Blog-Artikel mal zusammen mit dem Schilddrüsen-Artikel entstanden ist. Da der daraus resultierende Artikel aber zu unübersichtlich wurde, habe ich Jod & Schilddrüse getrennt. Wichtig deswegen auch der Hinweis, gleich hier zum Einstieg:

  • Einem Jodmangel folgen zwar meist ein Problem mit der Schilddrüse
  • aber ein Problem mit der Schilddrüse hat nicht unbedingt etwas mit einem Jod-Mangel zu tun!

Einige Probleme mit der Schilddrüse sind organisch (-> zu kleine Schilddrüse, Knoten, etc.) , andere regulativ (-> Dysregulation von Hypophyse, Hypothalamus z.B. durch Quecksilber bzw. Amalgam) und noch andere können auch durch zu viel Jod ausgelöst werden. Letztendlich ist das ganze nicht so einfach, wie es aus meiner Sicht einige Protagonisten von Hochdosis-Jod-Gaben es darstellen…

Deutschland = Jodmangelgebiet

Deutschland ist immer noch ein Jodmangelgebiet [1]. Da Jod zu den lebensnotwendigen Spurenelementen zählt und vom Organismus nicht selbst gebildet werden kann, muss es regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden.

Im verlinkten BfR Artikel wird ein Wert von 60-120µg/Tag als minimaler Referenzwert der WHO angegeben. Nach DGE [2] sollten es 200µg/Tag als sicherer Wert sein, da es auch Substanzen (weiter unten dazu mehr) gibt, die die Jodaufnahme behindern. Hingegen werden nach der WHO bei einer durchschnittlichen Ernährung in Deutschland nur ca. 60µg/Tag zugeführt wenn kein extra Jod supplementiert wird.

Wer sich nun pflanzlich & vollwertig ernährt, nicht jodiert, ‘zusaltzt’ und/oder kaum oder keine (Jod-) salzhaltigen (verarbeiten) Produkte verzehrt (z.B. Brot und Fertiggerichte) oder dabei auf Produkte ausweicht die kein jodiertes Salz verwenden (z.B. nicht jodiertes Stein-, Himalaja- oder Meersalz) – der kann in Deutschland durchaus einen Jodmangel entwickeln.

Nach vielen klassischen Empfehlungen soll Jod über jodiertes Salz (mittels Kaliumjodat, ca. 15-25µg pro g [3] – was aber mit der Zeit oder beim Kochen verloren geht), Milchprodukte (Anm.: Jod wird dort zur Reinigung eingesetzt – die Reste landen in der Milch) oder Fisch zugeführt werden. Für sich (vorwiegend) pflanzlich ernährenden Menschen sind Milchprodukte (viele gesättigte Fette, IGF-1 -> Krebs fördernd, Dioxine & PCB’s, allergiefördernd, etc.) meist keine sinnvollen Alternative. So bieten sich dann nur noch (begrenzt) Fisch und/oder Meeresalgen oder NEM an – später im Text mehr dazu.

Gesundheitliche Auswirkungen eines Jodmangels bzw. einer Schilddrüsen-Unterfunktion?

Ein ein Jodmangel kann eine Schilddrüsen-Unterfunktion zur Folge haben – und die hat so viele gesundheitliche Auswirkungen – ich weiß da gar nicht wo ich anfangen soll. Aus verschiedenen Quellen [13][17] deswegen nur einmal ein kleiner Überblick:

  • Ein Hoher Cholesterin-Spiegel [17] – früher einer der primären diagnostischen Faktoren!
  • Kropfbildung, Knoten in der Schilddrüse, Schilddrüsen- und Brustkrebs.
  • Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Depressionen.
  • Auswirkungen auf den Stoffwechsel:
    • Gewichtszunahme,
    • häufiges Frieren (auch in warmer Umgebung), eher erniedrigte Körpertemperatur,
    • Puls unter 65 Schlägen in der Minute, niedriger Blutdruck,
  • Libidoverlust,
  • trockene Haut.
  • In Bezug auf die Schwangerschaft und bei Neugeborenen:
    • Erhöhte Kindersterblichkeit (Fehl- und Totgeburten),
    • Kretinismus, Entwicklungsstörungen,
    • Einfluss auf den IQ der Kinder (ca. 7-13,5 Punkte weniger).
  • etc.

Das ist jedoch nicht alles – die Schilddrüsenhormone interagieren mit ganz vielen anderen Bereichen und Dingen im menschlichen Organismus. Letztendlich ist jede Zelle im Körper abhängig von von aktiven Schilddrüsenhormonen T3 & T4 [4] – und mit zu wenig dieser Hormone ‘geht dann mal gar nichts’ bzw. nicht viel.

Wer mehr über die Schilddrüsen-Thematik lesen möchte, der schaue bitte in diesen Artikel!

Jod – Nur in der Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist bei der ganzen Geschichte nur ein Organ das Jod benötigt – und dabei wohl nicht einmal das mit der größten Jod-Einlagerung im Körper. Einer Präsentation von MD J. Flechas in Bezug auf Abraham, G.E. [11] nach sieht es so aus folgend aus –  1500 mg verteilen sich auf folgende Organe:

  • 35 % Jod für das Körperfett
  • 32% Jod für die Muskeln
  • 20% Jod für die Haut
  • 2% Jod für die Schilddrüse!

Ein Jodmangel hat also weitreichende Folgen – und die Unterfunktion der Schilddrüse (wenn es auf einem Jodmangel basiert) sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Allerdings gebe ich zu bedenken, das ich Flechas und Abrahams teils kritisch sehe und nicht alles was Sie behaupten war sein muss.

Verlust von Jod über den Schweiß

Über das Schwitzen verlieren wir Menschen nicht nur Salz – sondern auch Jod. Der Autor des Buches ‘The Salt Fix’ [16] weißt darauf hin, das z.B. Sportler, die 3-5 Liter Flüssigkeit in Form von Schweiß verlieren, auch zwischen 111 und 185 µg Jod ausscheiden. Zusammen mit den Verlusten über den Urin können so Gesamtverluste von 195-270 µg Jod auftreten – mehr als die täglich empfohlene Zufuhr… (Seite 132). Ich denke mal, das dieses bei der Jod-Zufuhr beachtet werden müsste… aber das betrifft eben nicht alle Menschen….

Jod Supplementieren? – Was zu Tabletten, Algen und Lugolscher Lösung

Eine Supplementation ist z.B. mit Kalium-Jodit-Tabletten möglich und wird z.B. bei schwangeren Frauen oft empfohlen. Diese Möglichkeit scheidet für viele (u.a. mich) aber aus – außerdem liefert diese Art der Supplementierung kein elementares Jod. Wer auf natürliche Quellen zurückgreifen möchte, der kann dieses z.B. über Meeresalgen tun, wie es z.B. die Japaner machen. Dies u.a. auch , da Jod in den Algen mit Aminochelaten vorliegt was wohl die natürliche Aufnahme begünstigt. Auch enthalten Algen elementares Jod sowie Jodid.

Jod & Algen: Wakame, Kelp & Co.

Bei den Algen ist der teils extrem unterschiedliche Jodgehalt der einzelnen Arten zu beachten. Weiterhin unterscheidet sich der Jodgehalt der Algen nach Wachstumsort und Jahreszeit der Ernte.

So hat z.B. Kelp bis zu 8mg Jod pro Gramm Algen, so das man bei Supplementierung von z.B. 200µg/Tag (die DGE-Empfehlung) eine digitale Feinwage benötigt bzw. Kelp sich eher für die Abfüllung in Kapseln eignet. Besser zu dosierende Alternativen sind z.B. Wakame bei denen die Jodkonzentration deutlich geringer ist als bei Kelp (100-200µg/g – siehe unten stehende Tabelle, wobei es auch weniger sein kann -> 42µg/g Algen [12]). Da hier andere Mengen verzehr werden müssen, sollte man die Algen vor großen Bestellungen ausprobieren – nicht alle mögen Algen essen. Eine sehr gute Übersicht zu den Algen gibt es in einem Video von Nutritionfacts.org – Avoiding Iodine Deficiency, wobei auch erwähnt wird, das die WHO das sichere obere Limit für Jod mit 1mg/Tag angibt – also 5 mal so viel wie die DGE Empfehlung für die empfohlene (mindest-)Zufuhr an Jod.

Hier habe ich dann noch eine andere Tabelle zu Jod in den Algen gefunden. Leider gibt es keine Quellenangabe, die Zahlen scheinen grob mit den anderen Angaben und denen auf Nutritionfacts zu harmonieren. Auf jeden Fall sieht man, das die Werte in den Algen sehr stark variieren können:

Algenart

Jodgehalt (Orientierungswerte) [mg/100 g getrocknete Algen]

Nori5 – 8
Dulse8
Meeresspaghetti15
Meeressalat25
Wakame10-20
Hijiki30-50
Arame60-80
Kombu (Kelp)100-500

Zu guter letzt bieten sich auch noch viele Fischsorten an um Jod zu supplementieren. Dabei hat Fisch auch in Hinblick auf Omega3-Fette (EPA/DHA) und einige Proteine viele Vorteile, welche andere Fleischsorten (z.B. Huhn, Rind oder Schwein) nicht haben.

Zur so-genannten ‘Lugolsche Lösung’

Zur Ergänzung von Jod kann sich für einige auch die Lugolsche Lösung (LL) anbieten, welche in flüssiger Lösung elementares Jod und Kaliumjodid enthält. Preislich und in Bezug auf eine mögliche Belastung der Algen mit Arsen, Schwermetallen & Co. ist die LL sicher eine durchaus interessante Alternative.

Aber Achtung!: selbst die 5% Lösung so hoch dosiert mit Jod, das ein Tropfen dann ca. 2,5 mg elementares Jod und 3,75 mg Jodid enthält. Die 5%-Lösung erscheint mir (wenn überhaupt!) etwas für eine (alternative propagierte) Jod-Therapie, welche aus meiner Sicht unter therapeutischer Aufsicht stattfinden sollte. Teilweise ist auch eine 0,5%ige Lösung zu bekommen – bei welcher die Dosierung dann besser handhabbar würde (dann ca. 625 µg Jod pro Tropfen) – aber immer noch recht hoch dosiert ist. Natürlich kann die 5%ige Lösung selber im Verhältnis von 1:10 oder besser 1:30 (ca. 200 µg pro Tropfen) zur genaueren Dosierbarkeit verdünnt werden.

Der Vorteil der LL: Falls es dann mal einen Reaktorunfall in der Nähe geben sollte, können im Notfall auch ‘mal schnell’ 65 mg Jod zugeführt werden – wie es die Bundesministerium für Reaktorschutz [15] empfiehlt (meint: Falls man bei der Verteilung der offiziellen Tabletten leer ausgehen sollte…).

Jod & Diagnostik (Jod-Sättigungstest)

Im alternativen Bereich wird oft ein Jod-Sättigungstest angeboten – wobei ich da sehr vorsichtig sein würde. Warum? Das habe ich in diesem Artikel im Detail beschrieben.

Die Mega-Frage: Welche Dosis ist sinnvoll? Welche Risiken gibt es?

Genau das waren meine Kernfragen die ich selber hatte. Auch Im Buch ‘Jod – Schlüssel zur Gesundheit’ kommt genau diese Frage immer wieder auf – wobei ich dieses Buch nicht mehr empfehle! Grundsätzlich wird dort in vielen Beiträge spekuliert, das die Empfohlenen 150 bzw. 200 µg (DGE und FDA) wohl gerade die Menge sind, bei welcher es keinen Kropf mehr gibt. Aber bei den Spekulationen oder eher unbelegten Aussagen bleibt es denn auch.

Ist diese Menge (150-200µg / Tag) jedoch ausreichend und insbesondere optimal?

Jod wird ja noch an vielen anderen Stellen des Körpers gebraucht, wie z.B. den Drüsengeweben – und nicht nur in der Schilddrüse. Zudem wirken sich auf den Jodverbrauch noch anderen Faktoren aus, wie: Alter, Schwangerschaft, Sport, Ernährung, Umweltbelastung, etc. pp. So haben wohl viele Mädchen genau in der Pubertät Schilddrüsenprobleme – weil die Brüste (Drüsengewebe!) sich hier entwickeln und dort dann sehr viel Jod benötigen (das oben genannte Buch vertieft diese Aspekte).

Zu den empfohlenen 200 µg/Tag

Einige argumentieren, das die 200 µg/Tag das untere Maß an Jod sind, was in der Regel & von gesunden Erwachsenen Menschen zugeführt werden sollte – aber nicht die Menge ist, welche (ggf. individuell) optimal sei, oder eine Menge, welche vorherige Mangelzustände beheben könnte. So gibt das oben genannte Jod-Buch oft Japan, wo die tägliche Aufnahme von Jod nach im Bereich von 1-13 mg (Milligramm, nicht Mikrogramm!) liegen soll – leider ohne Referenz. Diese Angaben (und wohl ‘Urbane Mythen’) basieren wohl auf Veröffentlichungen mit falschen Annahmen von Brownstein und Flechas (die keine Quellen angeben). Eine neuere Studie macht dann auch Transparent, das 13 mg /Tag wirklich in den Bereich der Mythen gehören! [18].

Das 13 oder auch nur 5 mg pro Tag auf die Dauer gut sind – das bezweifele ich sehr, sehr stark! Das Linus Pauling Institut (LPI) gibt denn auch maximal 3 mg als Tagesaufnahme bei Japanern an und weißt darauf hin, das es in Japan angesichts der hohen Dosen aus Algen auch Schilddrüsenerkrankungen gibt (jedoch nicht wie viele im Vergleich zu DE oder den USA) [13]. Ich selber konnte nur 1-3 mg / Tag für Japan in einer PubMed Recherche validieren [18]. Ob dann jedoch bis zu 3 mg / Tag dann auf die Dauer noch gesund sind – ist eine andere Frage…..

Was sind die Höchstmengen – wo wird es Kritisch?

Achtung - Stop! Wichtiges zur Dosierung von Jod!

Achtung – Stop! Quelle: Pixabay

Leider wird es bei den offiziell empfohlenen Höchstmengen abseits der 150-200 µg pro Tag sehr dünn. Ich konnte keine Empfehlung für mehr als 200 µg / Tag finden. Auch das von mit kritisch gesehene Jod-Buch macht keine konkreten Empfehlungen über noch höhere ggf. ‘optimale’ oder spezielle bedarfsorientierte Mengen.

Im Jod-Buch wird dann noch die National Academy of Medicine in den USA angegeben, welche als (dauerhafte) Tageshöchstdosis für Erwachsene ca. 1,1 mg nennt – also ca. 5-6 mal mehr als die DGE Mindestempfehlung. Heilpraktiker Gräber weißt ebenfalls auf die (empfohlene) Höchstmenge von 1 mg/Tag (WHO) hin – und speziell auch auf die Risiken einer Überdosierung insb. von elementarem Jod (u.a. Lugolsche Lösung) [14]. Das LPI schließt sich den Höchstmengen von 1,1 mg an – verweist zudem darauf, das auch schon deutlich geringere Dosen Probleme bereiten können, nicht jedoch ob dies auch für Menschen mit gesunder SD gilt.

In einem Artikel von Don Bennet zu Jod [20] wird die Dosierung auch nicht geklärt. Bennet weißt jedoch in einem zusätzlichen Post [19] darauf hin, das die Menge an Jod, die zugeführt werden kann, soll oder darf! absolut individuell ist. Vor einer Gabe über den Empfehlungen sollte nach seiner Ansicht auf jeden Fall mit einem Arzt der Status der Schilddrüse (Blutwerte, Knoten, etc. pp) geklärt werden. Ins gleiche Horn bläst J. Cohen von der Webseite Selfhacked.com [21] – er schreibt das mehr als 400 µg Jod (pro Tag) Problematisch sein können und empfiehlt so höchstens 400 µg Jod zusammen mit min. 50 µg Selen einzunehmen. Dies, da zu viel Jod die Immunantwort verstärkt (Th1 & Th17), was zu höheren Entzündungswerten und in Folge Autoimmunproblemen führen kann. Cohen schließt dann im Artikel das bei niedrigem T3-Wert auch Chrom, Zink, Eisen, Kupfer, Vitamin A und die B-Vitamine 2, 6 und 12 wichtig sind. Dr. Strienz [5] weißt dann noch darauf hin, das wohl nach einigen Studien zu folge Hashimoto & Co. bereits bei Werten von über 200 µg / Tag zunahm. Wie diese Studien (teils aus den 1920’ern und von 1966) zu interpretieren sind kann ich nicht sagen.

Mein Fazit

Mehr als 200 µg / Tag bei Jod? Ich bin da mal vorsichtig!

Wer das vor hat, der sollte ggf. erst mal seine Schilddrüse überprüfen – also Blutwerte (zumindest TSH, fT3, fT4) und ein Ultraschall. Was da alles beachtet werden sollte – das steht in meinem Artikel zur Schilddrüse.

Hochdosis-Jod im ein oder zweistelligen Milligramm-Bereich? Nichts für mich!

Viel ist teils zu lesen über das Jod-Protokoll von Brownstein & Co. mit täglichen Einnahmen im Bereich >12,5 mg. Auch bei Symptome.ch gibt es dazu eine interessante Diskussion [7]. Was halte ich selber davon? Also, ob das gut ist? Ich selber habe da so meine Zweifel.. und halte von diesen Hoch-Dosis-Irgendwas Geschichten im allgemeinen nichts. Hochdosis-Irgendwas setzt für mich immer ein genaues Verständnis der Situation voraus und ist nicht etwas was man mal ‘eben’ macht. Wenn die Rahmenbedingungen passen kann so etwas sehr sinnvoll und förderlich sein – wenn nicht, dann kann es (arg) nach hinten losgehen…

Denn oft vergessen die Menschen (und auch viele Autoren) jedoch, das ein mehr bzw. (individuelles) zu viel an Jod den Stoffwechsel aktivieren kann und damit auch die Entgiftungsprozesse ankurbelt. Nicht das das grundsätzlich schlecht ist, jedoch kann dies bei Menschen mit einer Schwermetallvergiftung (oder vielen Giftstoffen im Fettgewebe) Prozesse auslösen, die der Körper nicht packt – speziell, wenn nicht vorab und zeitgleich Bindemittel zugeführt werden. Dies, weil sie schlechte Entgifter sind (u.a. genetisch bedingt -> HPU-Test) und/oder sich zusätzlich so ernähren das die mobilisierten Giftstoffe nicht gebunden und zügig ausgeleitet werden (-> zu wenig Ballaststoffe, langsame Darmpassage der Nahrung, fehlende Chelatbildner).

Einen sehr ausführlichen Artikel zu den Vor- und Nachteilen von hohen Jodgaben findet man dann noch bei der Weston A. Price Foundation (WPF) [22]. Einige Auszüge davon habe ich in meinem Blogpost über das Jod-Buch von Hoffman in der Kritik aufgeführt. Auch dieser Artikel legt nahe das es ja nach Person auch schon bei Jod-Dosen über 200 µg und unter 1 mg zu Problemen kommen kann und historisch (u.a. native Völker) 50-150 µg eine normale Tagesdosis waren (bzw. sind). Dosen von >= 1 mg/Tag könnten dann auch nur mit dem Verzehr von (jodhaltigen) Algen überschritten werden – etwas was eher wenige Menschen regelmäßig machen und wohl auch im historischen Kontext (abseits der Küstenregionen) eher die Ausnahme gewesen ist.

Eine aktuelle Studie aus 2016 [23] beobachtete bei Ratten die mit 100 bzw. 500 mal mehr Jod als normal über 30 bzw. 60 Tage gefüttert wurden Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsorgane, der Testosteron-Spiegels und mehr Bildung von Sauerstoffradikalen (ROS), etc. pp. – ebenfalls nicht gut. Zudem gibt es auch Youtube-Blogger, welche sich mit Jod-Hochdosis-Experimenten (Lugolsche Lösung im Milligramm-Bereich) veritable Probleme mit der Schilddrüse (u.a. Knoten) zugezogen haben. Jedoch hört man wohl auch auch von Gynäkomastien und anderen Entgleisungen des Stoffwechsel- und Hormonhaushalts. Die Probleme gab es wohl jedoch auch deswegen, weil bei diesen Menschen Selen nicht vorher aufgefüllt wurde und ggf. auch andere Mikronährstoffmängel existierten.

Allerdings sind auch positive Berichte zu hohen Dosen an Jod zu lesen, welche sich u.a. auf (vorgenannten) Dr. Brownstein und Dr. J. Flechas berufen [6]. Hier wird u.a. angegeben das es wohl eine kritische Dosis von Jod gibt (ca. 15 mg) die überschritten werden muss (inkl. der Einnahme von anderen Supplementen) damit die negativen Effekte (u.a. stark oxidativ) nicht überwiegen. Das ganze ließt sich durchaus spannend – ich selber habe jedoch keine Erfahrung damit und dieses aktuell auch noch nicht weiter recherchiert. Für mich wäre Hochdosis-Jod auf jeden Fall keine First-In-Line Therapie. Hätte ich selber eine vermutete Schwermetallbelastung, Problemen mit der Schilddrüse oder z.B. den Nebennieren – dann würde ich zumindest solange davon Abstand nehmen bis diese Punkte geklärt sind.

Noch was zur Supplementierung von Jod…

Die Supplementierung von Jod bzw. der Algenkonsum sollte an die individuelle Situation & Ernährung angepasst sein. So nutze ich z.B. kein Jodsalz, ernähre mich vorwiegend Pflanzlich und esse faktisch keine verarbeiteten Produkte die (Jod-)Salz enthalten. Ich gehe davon aus, das ich auf natürlichem Wege nur ca. 60 µg Jod pro Tag (siehe die Eingangs erwähnte BfR/WHO Schätzung für Deutschland) zu mir nehme und entsprechend supplementieren sollte. Die 200 µg Jod/Tag im Schnitt zu erreichen ist für mich persönlich das tägliche Ziel. Ich achte jedoch auch darauf die 400-500 µg pro Tag (Einzeldosis) in nicht grob zu überschreiten – bzw. baue dann auch Tage ohne zusätzliches Jod ein.

Jodsalz ist für mich jedoch keine sichere Quelle für die Jodversorgung. Wird Sie genutzt, so sollte das Salz am besten nach dem Kochen über die Speisen gegeben werden. Mit den max. empfohlenen 2-3 g / Kochsalz am Tag können (in Deutschland) jedoch in keiner Weise (insb. bei schwangeren) die empfohlenen 200 µg Jod/Tag erreicht werden – und auch dann nicht wenn einmal in der Woche möglichst jodhaltiger Fisch verzehrt wird. Eine Supplementierung mit Algen habe ich deswegen in meine Ernährung integriert. Eine (stark verdünnte!) Lugolsche Lösung wäre ggf. eine Option um genauer zu dosieren bzw. Geld gegenüber Wakame zu sparen.

Was mache ich in Bezug auf Jod?

Ich selber nutze für die Jodversorgung u.a. (aber nicht nur) Wakame-Algen (von Algamar in BIO Qualität – welche aktuell mit 16 mg Jod pro 100 g Algen angegeben werden) – wobei hier Risiken in Gezug auf Schwermetalle bestehen – aktuell überdenke ich deswegen diese Form der Jod-Zufuhr. Die aufgedruckte Verzehrempfehlung ist 1 g pro Tag (~ 160 µg). Algen sind dabei keine exakte Wissenschaft sondern ein Naturprodukt mit schwankendem Jodgehalt – wie auch alle anderen Pflanzen. Wakame Algen können leicht in Wasser eingeweicht (min. 10-15 min.) und dann z.B. zum Salat hinzugegeben werden. Wichtig: Ich achte immer auch auf die entsprechende Selen-Zufuhr!

Für die Reise nutze ich meist Kelp (Algen) als Pulver – weil es sehr kompakt ist. Alternativ gibt es auch Kelp in Kapselform für alle die den Geschmack nicht mögen – die Dosierungen sind für mich jedoch in der Regel viel zu hoch! Wie auch bei den Wakamealgen sollte auf die Herkunft geachtet und ein Analysezertifikat bez. der Schwermetalle (insb. in Bezug auf Arsen) vom Hersteller bzw. Vertrieb angefordert werden.

Mein Praktischer Tip: Eigenes Jodsalz

Eigenes Jod-Salz?

Eigenes Jod-Salz? Autor: Poyraz 72, Quelle: Wikimedia. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wem das alles zu kompliziert ist, der könnte sich auch sein eigenes Jodsalz machen: Einfach Steinsalz entsprechend dem gewünschten Verhältnis (Anm.: bezogen auf die tägliche Salzaufnahme und die gewünschte Jodzufuhr) mit Kelp oder gemahlener Wakame (besser) mischen. Fertig ist das eigene Jodsalz ohne komische Zusätze!

Wichtig: Die Mischung sollte jedoch den spezifischen Jodgehalt der Kelp- oder Wakame-Charge und den individuellen Verzehr an Salz pro Tag berücksichtigen. Ein bisschen Dreisatz schadet hier nicht. Ein wichtiges Hilfsmittel ist hier genaue Wage mit Auflösung im Milligramm-Bereich beim wiegen von Kelp.

 


Quellen

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