Chrom – Von Formen, Dosierung, Blutwerten, der Picolinat-Kontroverse, Insulin- & Glukosestoffwechsel + Glukosetoleranzfaktor (GTF)

Von | 23. Dezember 2020

Chrom – sehr wichtig für den Insulin- und Glukose-Stoffwechsel – aber nicht alle Verbindungen sind wohl gut. Quelle: Pixabay P.S.: Das Bild passt zwar nicht ganz zum Chrom-Artikel – ist aber Weihnachtlich und irgendwie silberig 🙂

Vorweg: Ich wünsche euch allen frohe und besinnliche Festtage im Kreise eurer liebsten! Und bedenkt: Bei Beerdigungen dürfen bis zu 50 liebe Menschen anwesend sein. ‘Gedenkt’ also mit bis zu 50 lieben Menschen dem Tode eurer Weihnachtsgans – ganz ‘konform’ zum Wahn der täglich wechselnden Corona-Regeln.

Nun zurück zum Chrom: Dieser Artikel über Chrom hatte einen speziellen Anlass: Chrom-Picolinat. Wie schon bei meinen Recherchen zu Zink, ergab sich auch bei dieser speziellen Form von Chrom – die oft empfohlen und breit verwendet wird – dass es ggf. einige Probleme mit der Picolinat-Version gibt.

Neben Fragen zur ‘richtigen’ Form ist Chrom generell wichtig für die Insulin-Signalisierung und in Folge den Glukose-Stoffwechsel in den Zellen. Das ist dann nicht nur bei Diabetikern ein Problem. Zusammenfassend möchte ich in diesem Beitrag folgende Themen behandeln:

  • Wofür brauchen wir Chrom
  • In welchen Lebensmitteln ist Chrom natürlich enthalten
  • Welche Mengen an Chrom braucht der Mensch?
  • Welche marktgängigen Chrom-Verbindungen gibt es.
  • Ist Chrom-Picolinat ggf. eine ungünstige Form?
  • Interaktionen von Chrom (Vitamin C, Eisen)
  • Dosierungen von Chrom (als NEM)
  • Blutwerte – Mal wieder nichts genaues…
  • Viel hilft nicht immer viel – oder auch nicht…
  • Warum haben die Studien zu der Wirkung von Chrom (u.a. Insulin, Diabetiker) so verschiedene Ergebnisse?

Am Ende des Artikels folgt dann mein übliches Fazit.

Wofür brauchen wir Chrom?

Chrom (-Mangel) wird insbesondere mit dem Glukose- bzw. Kohlenhydrat-Stoffwechsel und der Insulin-Signalisierung (bzw. Wirkung) auf Zellen assoziiert bzw. genannt, welcher nicht nur bei Menschen mit Diabetes relevant ist [1][4][14][16].

In einem älteren Dokument des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) [1] steht, dss Chrom ein wesentlicher Bestandteil des sogenannten Glukosetoleranzfaktors (GTF), auch Chrommodulin [20] genannt, ist und starken Einfluss auf den Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsel hat [23].

Insulin-Rezeptor

Insulin-Rezeptor (Ausschnitt). Quelle: Wikipedia. Autor: Yikrazuul, Lizenz: CC BY SA 3.0

Chrom soll u.a. für die Aktivierung der Tyrosinkinase-Aktivität (Tyr) des Insulinrezeptors, welcher der Überfamilie der ‘Receptor Tyrosine Kinases’ (RTK) angehört [21], verantwortlich sein und auf diese Weise für die Bindung von Insulin, einem Glukose senkenden Peptidhormon, an den insulinspezifischen Rezeptor mitverantwortlich sein. So soll die Insulin-Wirkung (durch Chrom bzw. Tyr) um ein vielfaches potenzieren [23] und die Aufnahme u.a. von Glukose in den Zellen beschleunigt werden – wodurch die im Blut (Serum) zirkulierenden Mengen an Glukose (aber auch Insulin & Glukagon, dem Glucose erhöhenden Peptidhormon) gesenkt werden. [14]

Ein Mangel an Chrom ist so mit vielen Symptomen assoziiert, die mit dem Glukose-Stoffwechsel und Insulin zu tun haben [14]:

  • Verminderte Glukosetoleranz (gestörte Glucoseverwertung)
  • Ein um 50 % reduzierter Einbau von Glucose in Muskel- und Leber-Glykogen
  • Hyperglykämie (erhöhter Blutzuckerspiegel)
  • Hyperlipidämie (Fettstoffwechselstörung) – erhöhte LDL- und Triglyceridwerte im Serum
  • etc.

Ich würde noch, speziell wenn auch Mangan niedrig ist, Probleme mit dem Kohlenhydrat-Metabolismus und ‘Übersäuerung’ (-> Laktat) hinzufügen, was die vorgenannten Symptome ggf. besser ‘auf den Punkt’ bringt. Zur Feststellung nutze ich selber am liebsten einen Haar-Test.

Bei dem von mir beliebten Selfhacked [12] stehen für die Wirkungen von Chrom zudem:

  • Hilft Symptome von Diabetes zu verbessern (Glukose-Tolleranz) [18]
    • oder auch nicht [19][23][33] – weil ja sicher nicht allen Chrom fehlt.
    • Wobei die American Diabetes Association und die European Association for the Study of Diabetes Chrom nicht als Standard-Behandlung bei Diabetes empfehlen [33].
  • Verbessert wohl die Funktion des Immunsystems (in Kühen) sowie die Seiteneffekte von antiviralen Medikamenten bei der HIV-Therapie.
    • Speziell bezogen auf die Senkung von Pro-Inflamatorischen Zytokinen (TNF-alpha, IL-6, CRP), oxidativem Stress, etc. (in diabetischen Ratten) [17].
  • Auch die Gehirn-Funktion bei älteren Menschen soll sich verbessert haben.
  • Sowie ein verbesserter Gewichts-Verlust,
  • ein niedriger Cholesterin-Spiegel (in Verbindung mit Traubenkernextrakt),
  • bessere Hormon-Spiegel (meint: Stress-Hormone) in Kühen,
  • etc.

Was mich irgendwie nicht überrascht, das alles aus meiner Sicht (synergistisch) mit der Verbesserung des Glukose-Stoffwechsel – bei Menschen mit einem Mangel an Chrom – zusammen hängt.

Mein Zwischenfazit: Mit zu wenig Chrom sieht es wohl klar nicht gut mit der Glukose bzw. Kohlenhydrat-Verwertung aus. Menschen, die meinen, dass das mit den vielen Kohlenhydraten bei ihnen nicht funktioniert – sollten ggf. mal Ihren Chrom-Status überprüfen. Allerdings sind die molekularen Mechanismen, über die Chrom all seine positiven Eigenschaften bewerkstelligt, noch nicht komplett klar [17].

Lebensmittel & Chrom

Chrom wird in der Ernährung viel über Getreide-Produkte zugeführt, wobei Bierhefe, Leber, Nieren und einige Käsearten gute Lieferanten sind. Auch brauner Zucker (Melasse) und einige Gewürze sollen wo noch einiges an Chrom enthalten. Obst, die meisten Gemüse und auch alle ausgemahlenen Mehle enthalten jedoch eher wenig Chrom. In all diesen Lebensmitteln liegt Chrom in organischer und anorganischer Form, dem so-genanntem trivalentem Chrom(III), vor. Es gibt auch andere Chrom-Formen (V, VI), welche karzinogen und für uns Menschen toxisch sind. [12][22]. Anbei eine kleine Übersicht [22]:

LebensmittelChrom in µg pro 100g
Bierhefe200
Paranüsse100
Edamer 30% Fett95
Linsen70
Ei5-50
Weizen-Vollkornbrot49
Mais32
Huhn26
Bohnen, Weiß20
Haselnüsse10
Kotelett10
Heidelbeeren10
Spinat9
Roggenbrot8
Äpfel4
Birnen2
Brokkoli1 (LPI [23]: 11-15)
Quark1

Problematisch fand ich jedoch, dass mein Nährstoff-Bilanz-Liebling Cronometer faktisch keine Daten zum Chrom in den Lebensmitteln hat – nicht einmal den Grundnahrungsmitteln. In wie weit nun das Chrom je nach Herstellung, Zubereitung, Herkunft, Bodenqualität & Co. schwankt? Keine Ahnung. Das Linus Pauling Institute [23] merkt an, dass der Chrom-Gehalt auch bei ‘gleichen’ Lebensmitteln signifikant schwankt!

“Since chromium content varies significantly between different batches of the same food”

So variiert z.B. die Angabe von Chrom in Brokkoli um den Faktor 10 (bzw. größer) zwischen der Quelle des LPI [23] und der des Vitalstoff-Lexikon [22]. Bei anderen sieht es ähnlich, aber nicht ganz so ‘krass’ aus.

Der täglich Bedarf – welche Mengen braucht der Mensch?

Zum täglichen Bedarf an Chrom habe ich viele Schätzwert-Angaben im Bereich von 30 bis zu 200 µg gefunden:

  • Das Food and Nutrition Board (FNB) des US Institute of Medicine (IOM) geht bei Erwachsenen von einer adäquaten Zufuhr (Adequate Intake, AI) 25-35 µg / Tag aus [23].
  • Die DGE empfiehlt zwischen 50-100 µg bei Erwachsenen. [25].
  • Der bekannte orthomolekulare Mediziner Melvyn R. Werbach soll 200-300 µg empfohlen haben.
  • Das LPI empfiehlt ca. 60-120 µg zusätzliche Supplementation [23].
  • Eine größere Meta-Studie zu Chrom gibt 50-200 µg an [3].
  • Die European Food Safety Authority (EFSA) mochte sich gar nicht auf eine Empfehlung (AI) festlegen [24].

‘Tolle Wurst’ mag ich hier denken. Alleine die Empfehlungen aus USA und DGE divergieren um Faktor 2-3, und die EFSA mag sich dann dar nicht festlegen. Zudem schwankt der Gehalt an Chrom in den Lebensmitteln wohl stark.

Supplementierung: Dosis, Verbindungen, Interaktionen und ‘Bad-Boy’ Picolinat?

Das ganze bringt mich dann zur Nahrungsergänzung. In der EU sind meines Wissens nach nur 3 Chrom-Verbindungen zugelassen, wobei eine davon eher nicht verwendet werden sollte [30]:

  • Chrom-angereicherte Hefe (Organisch), wobei die Bioverfügbarkeit von Chromhefe bis zu zehn Mal höher sein soll als die von Chromchlorid und Chrompicolinat [29].
    • Anmerkung: In Gegenwart von Chrom(III)-Chlorid als Chromquelle in Kultur von Saccharomyces Cerevisiae gewonnene mit Chrom angereicherte Hefe, die in handelsüblicher getrockneter Form 230-300 mg Chrom/kg enthält. Der Gehalt an Chrom(VI) darf 0,2 % des gesamten Chromgehalts nicht überschreiten [30].
  • Chrom-Picolinat (Synthetisch / Organisch) mit wohl recht guter Bioverfügbarkeit (2%)
    • Dazu gleich mehr!
  • Chrom(III)chlorid (Anorganisch), wohl mit äußerst niedriger Bioverfügbarkeit (0,1% – 2%) [29]
  • Chrom(III)sulfat (Anorganisch)

Im US-Bereich gibt es noch oft:

  • Chrom-(Bis)glycinat
  • Chrominex (z.B. LEF)
  • Chrom-Citrat
  • Chrom-Nicotinat (Organisch), aber nach [29] organische Chromverbindung mit schlechter Bioverfügbarkeit (0,5% – 2%)
  • etc.

Dabei soll Chrom-Picolinat vielen Fundstellen nach eine gute Bioverfügbarkeit haben [u.a. 1]. ‘Nach Bauchgefühl’ würde ich selber zum Glycinat [28] oder der Hefe tendieren, da Sulfit- und Chlorid-Verbindungen irgendwie nie meine erste Wahl sind (siehe auch meine Artikel zu Eisen und Magnesium). Chrom-Hefe scheint jedoch, wenn man einiges Studien glauben darf, im Bereich der Chrom-Verbindungen hervorzustechen [32]:

“Growing evidence demonstrated that Cr-enriched yeast may be superior to other forms of Cr supple-mentation in terms of its availability, bioactivity, and safety withless accumulation in the liver and kidney

In der gleichen Studie wird auch noch die Bioverfügbarkeit von organischen Formen wie Chrom-Hefe herausgestellt, welche vorgenannte 10-mal höhere Verfügbarkeit [29] unterstützten [32]:

“Cr absorption ranges between 0.4% and 2.0% in the case of inorganic chromium. For organic chromium, their Cr absorption could reach 10% to 25%, but stillvaries with different types of chromium complex”

Speziell soll dann die Sprüh-Getrocknete Chrom-Hefe noch besser sein als die Ofen-Getrocknete [32]. Die anorganischen Formen (Chlorid, Sulfat) scheinen angesichts der Unterschiede in der Bioverfügbarkeit jedoch keine Option zu sein. Dass eine Chrom-Supplementierung ‘ankommt’, hatte auch eine Studie zu Chrom-Hefe (500 µg / 8 Wochen) bestätigt [33]:

“In this study, serum and hair Cr contents in diabetic subjects after the Cr(III) phase increased significantly, which indicate that these markers, to some extent, can reflect the Cr status”

Wobei die Studie anmerkt, das die Chrom-Diagnostik sehr zu wünschen übrig lässt – aber dazu weiter unten noch mehr.

Chrom-Picolinat – Gut und / oder schlecht?

Das BfR (Bundesamt für Risikobewertung) riet in 2004 von der Verwendung von Chrom-Picolinat (also nur dieser einen speziellen Form) in NEMs in Bezug auf den damaligen Forschungsstand ab [1].  So schrieb das BfR in 2004 [1]:

“Es liegen mehrere Fallstudien am Menschen vor, die auf eine Reihe nachteiliger Effekte hinweisen”

sowie

Chrompicolinat sollte nicht eingesetzt werden.

Von der EFSA (European Food Safty Agency) gibt es zwei Dokumente, eines aus 2006 [2] – das andere aus 2009 [31]. Eines berichtet kritisch in Bezug auf Chrom-Picolinat – basierend auf einigen Forschungsergebnissen & Studien [2]. Zudem könne aufgrund mangelnder Daten zur Bioverfügbarkeit keine Aussage für das Upper Limit (UL), also die sichere Tagesgesamtzufuhr, zu Chrom-Picolinat gemacht werden. [2] Das andere Dokument [31] schreibt, dass eine Langzeit-Studie des US-NTP in 2008 mit Mäusen und Ratten (2 Jahre) es:

“zweifelhafte Beweise für die krebserregende Aktivität von Chrom-Picolinat bei männlichen Ratten gab, welche auf einer Zunahme der Häufigkeit von Präputialdrüsenadenomen basierten.”

In der NTP Studie wurde nach EFSA der Schluss gezogen, dass es keine Hinweise auf krebserregende Aktivität aufgrund von Chrom-Picolinat bei weiblichen Ratten oder bei männlichen oder weiblichen Mäusen gab.  Basierend auf den verfügbaren Daten konnte kein endgültiger Schluss über das genotoxische Potenzial von Picolinsäure gezogen werden. [31]

Eine Meta-Studie aus 2012 [3] geht sehr kritisch mit dem Picolinat um, da in 1999 (Speetjens et al.) und anderen Studien wohl festgestellt wurde, dass u.a. in Zell-Kulturen DNA Schädigungen durch Entstehung von Hydroxyl-Radikalen auftraten – und dieses speziell bei der Verwendung von Chrom-Picolinat (CrPic) [3][8][23]. Zudem akkumulieren Organismen die CrPic ausgesetzt sind wohl intrazellulär Cr3+ Ionen welche zu genotoxischen Effekten führen können. In der Literatur sind auch Probleme (Nieren- und Leberschädigung) nach der Einnahme von CrPic dokumentiert. Zudem bestehen auch Bedenken wegen Beeinträchtigungen von Neurotransmittern und beobachteter Zell-Apoptose bei Diabetikern [3].

Das LPI [23] relativiert zwar einige dieser Dinge in soweit, dass sie primär Zell-Kulturen betreffen – und gibt eine ältere Studie von 1997 an [25], welche angeblich keine Probleme in Hinblick auf oxidativen Stress in Zellen unter Verwendung von CrPic gefunden hat. Abschließend referenziert das LPI dann noch eine andere Studie, welche mit dem Fazit schließt, dass es Chrom-Verbindungen gibt, welche die Probleme, die mit CrPic festgestellt wurden, nicht haben [9]:

“Given that in vitro studies suggest that other forms of chromium used as nutritional supplements, such as chromium chloride, are unlikely to be susceptible to generating this type of oxidative damage, the use of these compounds, rather than Cr(pic)(3), would appear warranted.

Angesichts der kontroversen Datenlage wäre CrPic nicht meine erste Wahl…

Eine ganz wichtige Frage ist für mich jedoch auch: Wie relevant ist das schlechte Abschneiden von Chrom-Picolinat im Vergleich zum von einer 1000 µg Tagesdosis zum Rauchen einer Zigarette? Oder zur Einnahme einer 20 mg Eisen-Kapsel bei Eisen-Mangel? Bei der Fenton-Reaktion die im Eisen-Stoffwechel abläuft gibt es auch zusätzliche freie Radikale, auch beim Sport und ‘sogar’ beim Essen. Für all dies hat der Körper jedoch Schutzmechanismen… ‘wo gehobelt wird, fallen eben Späne’. Schlussendlich sind die meisten Studien zu Chrom mit Picolinat durchgeführt worden… zumindest weiß man dort halbwegs woran man ist (oder auch nicht).

Interaktionen von Chrom (Vitamin C, Eisen)

Vitamin C (Anm.: Es ist mir nicht ganz klar, ob nur Ascorbinsäure, oder auch gepuffertes Ascorbat wirkt) soll die Aufnahme von Chrom verbessern [1][23]. Zudem interagiert Chrom mit Eisen – welche die gleichen Transporter benutzen. Chrom wird im Körper ans Transferrin gebunden transportiert – zu viel Eisen im Körper (-> Eisenüberladung, Hemochromatose) könnte also die Versorgung mir Chrom negativ beeinflussen. Aus [13]:

Chromium is transported in the body bound to transferrin, where it binds competitively with iron. Hemochromatosis is an iron storage disease in humans characterized by highly saturated transferrin levels and sometimes by diabetes”

Das LPI hat noch ein paar Sätze und Studien mehr zu der Thematik verlinkt [23].  Auf jeden Fall sind hohe Ferritin-Spiegel (>150) aus meiner Sicht gar nicht gut. Ggf. ist das ja ein zweiter Aspekt, warum teils höhere Ergänzungen an Chrom positiv wirken(meint: z.B. Eisenüberladene männliche Diabetiker).

Dosierungen von Chrom (als NEM)

Dieses ist aus meiner Sicht ein Punkt an dem sich viele Geister streiten und wo ich Angaben von 60-1000 µg pro Tag gefunden habe.

  • Untersuchungen an Erwachsenen Diabetikern ergaben wohl teils deutliche Verbesserungen (180-1.000 µg / Tag) [18]
    • oder auch nicht – aber ebenfalls mit 1000 µg / Tag über 16 Wochen und dann noch mit Picolinat [16]
  • Das BfR schlug in 2004 eine maximale Dosis von 60 µg / Tag für Nahrungsergänzungsmitel (NEM) vor [1] – was es auch in 2018 bestätigte [11].
  • Die EFSA konnte aufgrund der limitierten Daten kein Upper-Limit festlegen , schreibt jedoch auch, das diese Evaluation nicht für Chrom-Picolinat gilt [2].
  • Die EFSA verweist auf eine Reihe von Human-Studien, bei denen 1 mg / Tag zu keinen negativen Auswirkungen geführt hat (-> ‘there was no evidence of adverse effects associated with supplementary intake of chromium up to a dose of 1 mg chromium/day). [2]
  • Auch das US-FNB konnte aufgrund der Datenlage ebenfalls kein Upper-Limit für Chrom(III)-Saltze festlegen [2].
  • Die EFSA erwähnt eine WHO-Empfehlung von max. 250 µg / Tag für eine Ergänzung, die nicht überschritten werden sollte. [2]
  • Cutler (Buch: ‘Amalgam Illness’ ) empfiehlt maximal 1000 µg / Tag, z.B. 3 mal zu den Mahlzeiten 200-300 mg Chrom [10]
    • also bei konkreten Problemen mit der KH-Verwertung / Stoffwechsel bzw. bei niedrigen Werten im Haar-Test [27].
    • zudem auch die Klassiker Vitamin B1 (nach Cutler 100 mg und/oder mehr) und Bittermelone (ebenfalls je zu den Mahlzeiten).

Im Dokument des BfR aus 2004 findet sich dann auch noch [1]:

“Erst kürzlich kam der SCF nach Auswertung verschiedener Untersuchungen am Menschen zu dem Schluss, dass Chromdosierungen bis zu 1 mg/Tag über Supplementierung als sicher zu betrachten sind und ohne nachteilige Effekte bleiben.”

Das deckt sich mit dem, was ich allgemein gefunden habe. Es sind jedoch Fälle in der Literatur beschrieben wo deutlich geringere Dosierungen als 1000 µg / Tag nach mehreren Wochen bzw. Monaten zu Problemen geführt haben. So gibt es u.a. Hinweise bzw. Theorien, das Chrom(III) Formen u.a. irgenwie auch zu toxischen Chrom VI und V Zwischenprodukten (-> ‘intermediates’) führen können [15]:

“These results strongly support the hypothesis that the antidiabetic activity of CrIII and the carcinogenicity of CrVI compounds arise from similar mechanisms involving highly reactive CrVI and CrV intermediates, and highlight concerns over the safety of CrIII nutritional supplements.”

Wie so oft sollte man von Extremen absehen – bzw. wissen, ob ein Mangel vorliegt – und wann dieser beseitigt ist. Allerdings scheint Chrom im Vergleich mit andren Spurenelementen recht sicher [23]:

“Few adverse events have been reported with chromium supplementation.”

… wobei es wohl eher wenig Daten in Bezug auf die Langzeit-Supplementierung gibt [19]. Zwar sollen krasse Mängel an Chrom extrem rar sein [3], wobei ich in vielen Dutzend Haar-Analysen doch schon oft arg niedrige Werte gesehen habe. Der US-NEM Hersteller LEF  packt dann in sein populäres Multivitamin-Produkt ‘Mix’ 300 µg / pro Tag. Dosen von 1000 µg / Tag halte ich selber nur bei festgestellten Mangel oder eindeutigen Symptomen für angemessen – und dann auch nur für eine begrenzte Zeit.

Allerdings möchte ich festhalten, dass (nach meiner Lesart) weder die EFSA noch das in den USA zuständige Gremium (FNB) kein ‘Upper Limit’ (UL) für Chrom festgelegt haben – vor allem wohl, weil die besten verfügbaren Daten nicht auf Nebenwirkungen von Chrom hindeuten und keine Dosis-Wirkungsbeziehung formuliert werden konnte.

Irgendwie erscheinen mir die ‘Grenzwerte’ des BfR angesichts der Forschungslage und den Studien etwas niedrig bzw. sehr, sehr zurückhaltend vorsichtig. Da ein Chrom-Mangel den Studien nach faktisch kaum gesichert durch Laborwerte festzustellen ist – und sicher kaum ein Arzt überhaupt daran denkt – denke ich, dass die 60 µg / Tag zwar vorbeugend wirksam sein können – aber einen Mangel oder Mehrbedarf in vielen Fällen sicher nicht befriedigen werden.

Blutwerte – Mal wieder nichts genaues…

Blutwerte aus dem Labor

Blutwerte – manchmal eher in die irre führend. Quelle: Pixabay

Die Blutwert-Diagnostik in Bezug auf Chrom lässt auch zu wünschen übrig, was einige Studien bemängeln [17][19]. Das Problem ist, dass die Tests nicht zwischen den einzelnen Formen an Chrom unterscheiden können. Speziell kann vom Status im Blut nicht auf die Körpervorräte geschlossen werden – ein ähnliches Dilemma wie bei Vitamin A (Retinol) und Eisen (ohne Ferritin) [19].

“An important concern when interpreting the data from studies investigating chromium effects is the lack of a validated and precise estimate of chromium status. There is no reliable method for assessing the body’s chromium status, and there is no information on the bioavailability of the different forms of chromium” [19]

Cutler merkt an, dass Blut und Urin keine guten Marker für Chrom im Körper sind. Chrom-Spiegel im Blut und Urin werden aus seiner Sicht stark durch Glukose und Insulin erhöht, so das Menschen mit Diabetes II, welche dann viele Kohlenhydrate verzehren oft einen niedrigen Bestand an Chrom im Körper haben – jedoch bei recht gut ‘scheinenden’ Blutwerten [27]. Das Labor GanzImmun kann dann nur feststellen ob ggf. toxische Spiegel im Blut vorliegen, das IMD Berlin mag es genauer testen wollen – wobei ich auf die Einschränkungen von Cutler hinweise.

Aus meiner und Cutlers [27] Sicht bietet sich die Haar-Analyse als ein probates Mittel zur Feststellung der Chrom-Versorgung im Körper an – allerdings mit Einschränkungen bei einer starken Belastung mit Quecksilber.

Viel hilft nicht immer viel – oder auch nicht…

In einer weiteren Studie [16] hab ich dann den Hinweis gelesen, dass ‘zu viel’ Chrom auch wieder nicht gut ist. Warum? Weil Chrom wohl einen engen ‘positiv’ wirkenden Bereich hat – zu viel & zu wenig sind nicht gut. Aus der Studie:

“There was, however, a strong association between serum chromium and change in insulin resistance (β = -0.83, p=0.01), where subjects with the highest serum chromium had a worsening of insulin sensitivity.”

Also Menschen mit den höchsten Serum-Werten an Chrom hatten wohl wieder eine schlechtere Insulin-Sensitivität als die mit den ‘normalen’. Wer nun jedoch ein paar Zeilen höher aufmerksam gelesen hat, der erinnert sich an Cutlers Anmerkung [27], das ein hohes Insulin und ein viel an Glukose auch einen hohen Blut-Serums-Spiegel machen. Da mag ich Fragen:

  • Macht nun (zu) viel Chrom eine schlechte Insulinsensitivität?
  • Oder macht zu viel Insulin und Glukose im Blut hohe Chrom-Werte im Serum?

Ja, so ist das mit den Studien und der Ursache bzw. der Wirkung… Die großen Zusammenhänge versteht man oft nie oder erst nach ein paar Jahren der Beschäftigung mit einer speziellen Thematik.

Chrom & Diabetes (II) – Quo Vadis?

Der Studien-Urwald in Bezug auf Diabetes & Verbesserung des Insulin-, Glukose & KH-Stoffwechsels scheint sehr undurchsichtig. Mal berichten Studien von Vorteilen [17][28], die nächsten nicht [16][23] – und große Metastudien zeigen viel Licht + Schatten auf [3]. Auch das eher ‘Supplementations-Positive’ LPI schließt mit [23]:

“Randomized controlled trials have failed to provide any evidence of benefits of chromium supplementation in the prevention or treatment of impaired glucose tolerance and type 2 diabetes mellitus.”

Hmm… was stimmt den nun?

Ich denke, dass Chrom ‘natürlich’ nichts hilft – auch nicht in Diabetikern – wenn genug Chrom da ist. Und selbst wenn nicht genug Chrom da ist, dann haben viele Menschen, insb. die mit der Diabetes II, oft auch ganz andere Probleme (-> zu viel Fett in der Ernährung, zu viel schnelle Kohlenhydrate, eine Vitamin B1-Mangel, etc.). Chrom ist da aus meiner Sicht in diesem Falle ggf. untergeordnet. Insofern ist das uneinheitliche Bild für mich nachzuvollziehen. Dennoch: Genug Chrom braucht es schon! Insofern schließt auch eine Studie [17]:

“These beneficial effects of chromium, together with its wide safety profile, may justify its use as an adjunct therapy in the management of insulin resistance and type-2 diabetes.”

Meint aus meiner Sicht: Chrom wirkt und ist eine recht sichere Beigabe zu einer Diabetes Typ II Therapie bzw. bei Problemen mit der Insulin-Resistenz. Natürlich könnte auch einfach ein Haar-Test gemacht werden um mehr Klarheit zu haben… aber wer kennt das schon und weiß wie es auszuwerten ist….

Mein Fazit

Chrom – irgendwie ganz einfach – und auch nicht. Wer hauptsächlich Auszugsmehle, Fette und Zucker isst – der wird nicht glücklich werden, nicht nur bei Chrom nicht…

Eine gute vollwertige Ernährung sollte die  Zufuhr an Chrom (halbwegs) sichern. Aber wer macht das schon noch? Sicher schadet bei Menschen, die mehr dem Fleisch zugetan sind, auch mal ein Stück Leber oder Niere nicht. Was genau wo drin ist – und auch im eigenen Körper und im eigenen Blut – das weiß keiner so genau. Die Blutwert-Diagnostik kann man hier aus meiner Sicht vergessen: Zu viele Co-Faktoren beeinflussen die Messung und zudem ist kein sicherer Rückschluss auf den Stand der Körper-Depots möglich. Selbst bei der Haar-Analyse kann ‘sehr niedrig’ nach Cutler [27] bei dem einen (noch) reichen – bei dem anderen nicht. Hier muss dann der Therapeut – oder das eigene Körpergefühl ‘rann’.

In Bezug auf eine Langzeit-Supplementierung (was immer das auch persönlich sein mag) scheinen Dosen bis 300 µg / Tag der Literatur nach sehr sicher – speziell da in einigen Studien mit bis zu 16 Wochen Laufzeit auch 1000 µg / Tag nach meiner Lesart in der Regel keine Problem verursacht haben [16][18]. Zudem ist solch eine Supplementation noch im ‘Upper Tolerable Limit’ (UL) der EFSA [2].

Die Probleme und leichten Beschwerden die vereinzelt beschrieben werden müssten aus meiner Sicht auf die Menge von Nutzern ‘runtergebrochen’ werden – und es müsste klar sein wie die Menschen, die Probleme hatten ‘drauf waren’. Einige Menschen bekommen ja schon bei einem saurem Apfel Magenbeschwerden – die anderen bei Weizenbrot, die nächsten bei Milch. So sind auch viele Menschen glücklich mit Magnesium-Citrat – bei mir ist das eher ein Abführmittel. So verschieden können Menschen sein.

Wer alleine mal recherchiert, wie viele Tote es alleine durch Aspirin pro Jahr gibt… der wird ein anderes Verhältnis zur Sicherheit von Mikronährstoffen wie Chrom & Co. bekommen.


Quellen / Links:

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