Buchtip: Das Enneagramm unserer Beziehungen

Buch: Das Enneagramm unserer Beziehungen.

Buch: Das Enneagramm unserer Beziehungen. Foto: H.C.

Als Fan der Meyers-Briggs Typ-Indikatoren (MBTI) – bin ich schon vor Jahren mal auf das Enneagramm gestoßen, welches sich ebenfalls mit Typisierungen von Charakteren und anderen Mustern beschäftigt.

Damals dachte ich, das dass Enneagramm von der wissenschaftlich-historischen Basis eher im (sehr) esoterischen Bereich anzuordnen ist – so hatte ich mich dann nicht weiter darauf eingelassen. Durch die Empfehlung eines guten Freundes habe ich nun das vorliegende Buch gelesen und bin mehr als begeistert von der Deutungstiefe des Enneagramms (bzw. dem was die Autoren des Buches daraus gemacht haben).

Im vorliegenden Buch geht es dann – im Unterschied zur Enneagramm Standardliteratur (u.a. Palmer [1], Rohr [2]) – nicht primär um die einzelnen Charaktermuster & Typen, sondern a) um die Not, welche zur Entwicklung des jeweiligen Typen geführt hat, b) um die jeweiligen emotionalen Muster, die Stresspunkte und c) die Verwicklungs– und (Selbst-) Verstrickungsspiralen der einzelnen Typen. Ein zentraler Punkt im Buch stellt dann die (umfangreiche) Darstellung aller möglichen! Beziehungsmuster zwischen den einzelnen Typen dar, sowie das aufzeigen von Wegen die aus den vorgenannten (Selbst-) Verstrickungen herausführen können.

Dabei soll das vorgestellte Buch nach den Autoren “eine psychologische Neuinterpretation” des Enneagramm aus Perspektive der humanistischen Psychologie (u.a. Carl Jung) bieten (Anm.: auf dessen psychologischen Typen auch MBTI basiert), was das Buch dann auch für Therapeuten & Co. interessant machen dürfte.

Was ist das Enneagramm? – erst mal ganz kurz…

Eine Situation – verschiedene Reaktionen von verschiedenen Menschen – wer hat das nicht schon in seiner Umgebung beobachtet? Oder die verschiedene Dynamik, ob ich nun mit Freund A, B, C oder D das gleiche Unternehme… jeweils andere Chemie, Stimmung, Stress- & Erlebnisschwerpunkte. Steckt da ein System dahinter?

Das Enneagramm versucht nach den Autoren dann “unsere ganz alltäglichen, menschlich-allzumenschlichen inneren und äußeren Reaktionsgewohnheiten” zu beschreiben und unterteilt diese dann in 9 grundsätzliche Charaktertypen, erklärt Bildung und Herkunft dieser Typen – sowie in dem vorgestellten Buch auch die Interaktionsdynamik der 9 mal 9 verschiedenen Typen untereinander.

Es ist (für mich) ein sehr interessantes Modell und ein Ansatz mich und meine Reaktionsmuster – sowie die Dynamik die sich in der Interaktion mit verschiedenen Menschen einstellt (inkl. Stresspunkten) besser zu deuten. Denn für mich ist das (wertfreie) Verständnis einer Situation – also ohne Schuld zu projizieren, etwas persönlich zu nehmen, etc. – ein erste Schritt zu einer (eigenen) möglichen Veränderung.

Kurz Vorab…

Wie die Autoren des Buches war ich beim Lesen überrascht wie genau mich insb. ein einzelner Enneagramm-Typ Charakterisierte – besser als ich mich in (den überwiegenden) Dingen selber hätte beschreiben können – ein sehr großes ‘Aha’. Ähnliches ist mir schon mit den MBTI passiert, wobei ich das Enneagramm mit einem Fokus auf die Beschreibung ‘normaler’ Charakterphänomene (Wahrnehmungs-, Denk-, Fühl- und Verhaltensstile) und die hinter liegende Theorie deren Zustandekommens (u.a. in Bezug auf das innere Kind und der damaligen Not) deutlich tiefergehender empfinde. Denn für mich ist es (aus verschiedenen Gründen) aufschlussreich das ‘warum’ und die Entwicklung zum jetzt zu beleuchten bzw. Anhaltspunkte in diesem Aspekt zu bekommen.

Herkunft und Entstehung des Enneagramm

Das Enneagramm, die neuner Figur (Griechisch ‘ennea’), ist ein Modell das nach den Autoren des Buches über Jahrhunderte (ggf. sogar über 2000 Jahre) mündlich weitergegeben wurde – also ein Zeitraum in der es noch keine Psychologie im heutigen Sinne gab und psychisches noch nich  vom spirituellen getrennt war. In Zentralasien wurde es schon lange von Sufi-Orden (zum ‘Coaching’) verwendet und fand durch Gurdjieff erste Verbreitung im Westen. Durch nordamerikanische Jesuiten, u.a. Richard Rohr [2], wurde es dann vor ca. 30 Jahren einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.

Die neun Charaktermuster – Hintergrund

Enneagramm Symbolbild

Enneagramm Symbolbild. Quelle: Wikimedia. Lizenz: Public Domain

Nach der Interpretation des Enneagramm seitens der Autoren bestehen unsere (bzw. die Menschlichen) Charaktermuster aus (Anm.: Übernommen aus dem Buch, Seite 24):

  • einem bestimmten Stil des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens und Verhaltens,
  • der uns zur Gewohnheit geworden ist und uns deshalb ‘normal’ vorkommt,
  • der weitgehend automatisiert ist, uns daher nicht oder nur teilweise bewusst ist und den wir nicht willentlich oder absichtlich benutzen,
  • von dem wir nicht mehr so genau wissen, wie und unter welchen Umständen wir ihn uns angewöhnt haben.

Daraus ergeben sich dann im Enneagramm 9 verschiedene Charakter- bzw. Strickmuster, die nach den Autoren jeweils andere “Besonderheiten, Stärken, Einseitigkeiten und Auffälligkeiten  in der Art und Weise, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen, wie wir denken, fühlen, agieren und reagieren” beinhalten.

Diese Muster entstehen natürlich nicht einfach so, sondern haben eine Grundlage – antrainierte, aufgenommene, akzeptierte und automatisierte innere und äußere Aktionen und Reaktionen auf Umstände. In Bezug auf das innere Kind und auf frühkindliche Prägungen schreiben die Autoren dann:

“Das Charaktermuster ist die ‘Antwort’ des Kindes auf eine von Ihm erlebte Not. Und insofern eine kreative Eigenleistung zum Zweck des psychischen Überlebens, …”

 

Warum 9 Charaktermuster? – Die drei existentiellen Grundbedürfnisse…

Was für mich dann ein entscheidender Zugewinn war – war zu verstehen wie es nach der Philosophie bzw. dem Erklärungsmodell des Enneagramm zu den genau neun verschiedenen Typen kommt.

Die Theorie hinter den Enneagramm geht von drei existenziellen Grundbedürfnissen aus, welche für eine gesunde menschliche Entwicklung wichtig sind:

  • Das Autonomie-Bedürfnis (Ich-Gefühl, Behauptung, Durchsetzung, gegen Übergriffe wehren können, etc. pp)
  • Das Bedürfnis nach Beziehung (Sich geliebt fühlen und lieben, Freundschaft, Fürsorge, Versehen, Kontakt, Zugehörigkeit zur Familie/Gruppe, …)
  • Das Bedürfnis nach Orientierung und Sicherheit (Sich sicher fühlen, Sich auskennen, Klarheit, Verlässlichkeit, …)

Dabei ist eines der Grundbedürfnisse in der Vergangenheit des Kindes irgendwie zum ‘Problem’ geworden, konnte z.B. nicht ausgelebt werden, wurde vernachlässigt, beschränkt, etc. pp. Ich einem der drei Bereich ist dann ‘irgendwie’ die ‘existenzielle Not’ am größten gewesen und dort hat sich nach den Autoren “so etwas wie eine unbewusste ‘Überzeugung’ festgesetzt, eine Grundannahme, ‘wie die Welt (für mich) ist’.“. Egal wie glücklich dabei die Kindheit & Co. war – ein Bereich wird unterrepräsentiert gewesen sein – wenn auch nicht von der Außensicht, z.B. der Eltern, aber von der Innensicht des Kindes.

… führen zu drei existenziellen Grundproblemen…

  • bei Autonomie: “… ein existenzielles Grundproblem, das zu tun hat mit Macht, Kontrolle und Zorn (Selbstbehaptung).”
  • bei Beziehung: “… das zu tun hat mit dem Selbstwertgefühl, Angst vor Ablehnung und Zurückweisung, Schmerz und Trauer.”
  • bei Sicherheit: “… das zu tun hat mit Angst, Unsicherheit und Mißtrauen (Selbstsicherheit).”

In jedem der drei Bereich gibt es nun eine Not-Lösungsstrategie, die Blockade, Überentwicklung oder Umfunktionierung der Grundenergie. Diesen 3 * 3 der Grundbedürfnisse * Not-Lösungsstrategie ergeben dann die 9 Enneagramm-Charaktertypen.

… führen zu den 9 Charaktertypen

Die ich hier nur kurz ansprechen möchte. Bei Wikipedia gibt es dazu die folgend (sehr, sehr verkürzt) abgebildete Tabelle, welche auf Helen Palmers Buch [1] zu Enneagramm beruht.

Palmers Buch fokussiert sich sehr stark auf die einzelnen Persönlichkeits-Typen des Enneagramm – nicht aber auf die Beziehungen/Interaktion und Kommunikation zwischen den Typen, wie das besprochene Buch. Deswegen habe ich in Klammern auch noch den Namen des Leidenschaftstypen – auf den sich das vorliegenden Buch konzentriert ergänzt.

TypNameSelbstbildnormal
1Perfektion (Zorn)Ich habe Rechtperfektionistisch, zaudernd, skrupulös
2Geber (Stolz)Ich helfemütterlich, gebend, aktiv
3Dynamiker (Täuschung)Ich habe Erfolgpragmatisch, statusbewusst, rollenorientiert
4Tragischer Romantiker (Neid)Ich bin andersästhetisch, romantisch, stilvoll
5Beobachter (Geiz)Ich blicke durchanalytisch, distanziert, abstrakt
6Advokat des Teufels (Zweifel)Ich tue meine Pflichtpflichtbewusst, vorsichtig, (anti-)autoritär
7Epikureer (Gier)Ich bin glücklichüberaktiv, genießerisch, oberflächlich
8Boss (Lust)Ich bin starkkontrollierend, konkurrierend, direkt
9Vermittler (Trägheit)Ich bin zufriedenangepasst, pflegeleicht, unentschlossen

Neben dem Persönlichkeits- und Leidenschaftstypen hat jeder Charakter noch andere Aspekte:

  • Emotionale Muster und Aufmerksamkeitsorganision.
  • Einen sogenannten ‘Flügel‘ (bezieht sich auf Eigenschaften eines der benachbarten Typen – oder beide).
  • Einen Typ dessen Charaktermuster er (teilweise) an nimmt, wenn es im sehr gut geht (Trostpunkt).
  • Einen Typ dessen Charaktermuster er (teilweise) an nimmt, wenn es im sehr schlecht geht (Stresspunkt).
    • Anm.: Was über die Linien zwischen den Punkten ausgedrückt wird.
  • Es gibt aber noch deutlich mehr Perspektiven auf die Charaktereigenschaften, worauf u.a. das Buch von Rohr und Ebert [2] sehr tief eingeht.

Zwar vereinfachen Systeme wie das Enneagramm die Wirklichkeit in einem ‘handhabbaren’ Modell, dennoch ergeben sich mit den Flügeln sowie dem Trost- und Stresspunkt schnell zahlreiche Varianten (min. 9) der neun Charakter. Das lässt schon mal einigen Raum…

… welche emotionale Muster haben

Als Beispiel für die emotionalen Haltungen bzw. Muster hier einmal der Text für EINS aus dem Buch:

“Menschen mit dem Muster EINS sind sich nicht unbedingt bewußt, das sie untergründig zornig sind. Sie erleben den Zorn odt weniger als ‘Gefühl im Bauch’, sondern mehr als ‘zornige Gedanken’. Ihr Denkstil bewegt sich in Kategorien von ‘richtig/falsch’ oder ‘gut/schlecht’ (beurteilender Verstand). Entsprechend ist die Aufmerksamkeit so organisiert, daß automatisch alles das ‘ins Auge springt’, was irgendwie fehlerhaft und mangelhaft zu sein scheint oder tatsächlich ist.”

Dazu kommt dann noch der Stresspunkt VIER (siehe auch die Linien den Enneagramm die EINS mit VIER verbinden): Depressive Verstimmungen, hervorgerufen durch Selbstvorwürfe – wenn dem (zornigen) Anspruch an Perfektion nicht genügt wird.

Und ein Trostpunkt SIEBEN: Optimismus und Lebensfreude – wenn die Mängel und Fehler anderer weniger wichtig sind, losgelassen werden kann, sowie Entspannung und Humor Raum einnehmen.

In diesem Kapitel wird auch klar, das die Vorstellung, Analyse und Diskussion der allgemeinen und besonderen Fähigkeiten, Stärken, Schwächen, etc. pp der einzelnen Typen – wie es andere Bücher oder Webseiten [3] zum Enneagramm machen – nicht der Kern dieses Buches ist. Alles steht unter dem Aspekt der ‘Verwicklungen, Wechselwirkungen und möglichen Entwicklungen’ der einzelnen Typen. – welche meiner Ansicht nach gerade in Zeiten der (persönlichen oder partnerschaftlichen Beziehungs-) Krisen sehr hilfreich sein können.

Verwicklungstendenzen: Die neun Muster unter Beziehungsaspekten

Dieses Kapitel versucht an einer prototypischen Geschichte (Einladung und Aufenthalt auf einer Party eines flüchtig bekannten) die neun Muster unter Beziehungsaspekten zu beschreiben. Dabei werden Fragen wie (Auszug aus dem Buch, Seite 59):

  • Wie stehe ich zu mir selbst in Beziehung?
  • Wie ist mein Kontaktverhalten? Wie gehe ich mit meinen/fremden Grenzen um?
  • Was wünsche und brauche ich zutiefst in Beziehungen, um mich geliebt zu fühlen? Was verletzt mich am meisten?
  • Wie bin ich, und wie geht es mir, wenn ich mich in einer hierarchischen Beziehung in der unteren/oberen Position befinde?
  • Was stört andere an mir? In welche Beziehungsfallen locke ich (ohne es zu wollen oder zu wissen) andere immer wieder?
  • Was schätzen andere an mir? Welche positiven Beziehungsqualitäten kann ich zur Verfügung stellen?
  • Welches existenzielle Thema, welche Not liegt diesem Muster zugrunde?
  • Was ist die Dynamik, mit der ich mich weiter in mein Muster verstricke?

Diskutiert und Analysiert und soweit möglich aus Sicht der Autoren beantwortet. Ein Fokus nimmt dabei auch die Selbstverstrickungsspirale ein. Das ist ein Mechanismus, über das ein Schmerzpunkt in einem Muster genau die Reaktion bzw. das agieren verstärkt was seinerseits wieder den Schmerzpunkt verstärkt…

Hier mal ein Beispiel aus dem Buch zur (typischen) Selbstverstrickungsspirale von Typ EINS:

Je Unvollkommener EINS sich selber findet (mangelnde Selbstliebe)

Desto strenger und angestrengter geht sie (und Ihr innerer Kritiker) mit sich selbst um. Sie bemüht sich, es besser und richtiger zu machen.

Je mehr sie sich anstrengt, desto weiter entfernt sie sich von ihrem Vollkommenheitsideal und der Erfüllung ihrer Sehnsucht, irgendwann fertig zu sein und sich ausruhen zu können.

Wenn das Selbst-Hinterfragen in Selbsthaß umschlägt, gerät EINS in eine existenzielle Sinnkrise, die mit starken negativen Gefühlen einhergeht.

Durch die im Kapitel vorher diskutierten Szenarien und die Diskussion anhand der eingangs aufgeführten Fragen konnte ich in der Darstellung in Bezug auf meinen eigenen Typ in jedem Fall Musteraspekte und Kreisläufe erkennen.

Entwicklungen: Wege aus der Selbstverstrickungsspirale

In dem nächsten Kapitel wird diskutiert und vorgestellt welche möglichen persönlichen Wege der Entwicklung (u.a. aus den Selbstverstrickungsspiralen) das Enneagramm eröffnet, aber auch welche Holzwege gegangen werden können, z.B. wenn mit den Deutungen des Enneagramms als absolute Wahrheit oder in Bezug auf die Analyse anderer Menschen umgegangen – und damit sehr viele Annahmen getroffen werden. Gerade der letzte Punkt erinnert mich an das Buch ‘Die Vier Verprechen’ in dem das dritte versprechen ‘Ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse’ war.

Da das Enneagramm Teile der Seelenlandschaft beleuchtet, welche einem selber nicht bewusst sind bzw. am Rand des bewussten liegen – bieten Sie nach Meinung der Autoren Möglichkeiten für eine aufrichtige Auseinandersetzung; um Klärungen in Entwicklung und Beziehungen zu erreichen.

Im Kontext des Ausstiegs aus dem Muster wird auf das Konzept des ‘inneren Beobachters’ eingegangen und ein Bogenschlag zum ‘inneren Kind’ gemacht – hier im Zusammenhang mit alten Mustern & Überlebensstrategien welche im aktuellen Leben mehr schaden als nutzen.

Wechselspiele der Beziehungsmuster

In diesem Kapitel geht es insbesondere um die Wechselwirkung der Beziehungsmuster, der in einem Regelkreis beschrieben wird – einmal im Gutem, einmal im Schlechten (Teufelskreis). Was ist damit genau gemeint? Jeder Enneagramm-Typ hat seine spezifischen Eigenschaften – und in der Interaktion zwischen zwei Menschen entsteht in diesem Wechselspiel des Aufeinander-Reagierens eine Dynamik mit Rückkopplung: Aktion/Reaktion A -> Interpretation & Gefühl/Emotion B -> Aktion/Reaktion B ->Interpretation & Gefühl/Emotion A; und wieder von vorne.

Dieser Regelkreis, bestückt mit den individuellen Eigenschaften (Wahrnehmungs-, Denk-, Fühl- und Verhaltensstile) der beiden Typen entsteht (durch Gewöhnung und Wiederholung) ein spezielles Beziehungsmuster – ein Umgangsstil, der automatisiert abläuft und den beteiligten oft so zur Gewohnheit geworden ist, das er Ihnen ‘normal’ vorkommt. Es werden implizit Annahmen getroffen wie sich der andere Verhält und es wird oft ‘Prophylaktisch’ reagiert – bezogen auf den Teufelskreis setzt sich das Drama fort.

Auch hier kann das Enneagramm helfen den Kreislauf zu erkennen.

Wechselwirkungen: Das Enneagramm unserer Beziehungen

Dies ist mit Abstand das längste und größte Kapitel – es geht hier insb. “um die Wechselwirkungen welche sich ergeben, wenn die 9 Enneagramm-Muster miteinander zu tun bekommen”. In allen möglichen Konstellationen!

Dabei wird zuerst noch einmal ein Kurzüberblick über die Beziehungsaspekte der neun Muster, geordnet nach den Grundenergien, gegeben. Hier insb. in den Bereichen: Aufmerksamkeit, Kontaktverhalten, Beziehungssehnsucht, Verletzung und Verwicklungsdynamik.

Danach werden alle Enneagramm-Typen Beziehungen besprochen bei denen es direkte Verbindungen zwischen den Typen (Strass- und Trostpunkt) gibt. Die Autoren geben an, das bei dieser Art von Beziehungen große Anziehungs und Abstoßungspotentiale vorhanden sind, weswegen Sie im Detail besprochen werden.

Vervollständigt wird das Kapitel dann durch die (kurze) Besprechung bzw. Vorstellung der Beziehung zwischen allen Typkombinationen. Dabei wird jeweils die Sicht jedes der beiden Typmuster aufgezeigt mit Perspektive auf die jeweiligen Verwicklungstendenzen (-) und Entwicklungsmöglichkeiten (+).

Entwicklungen: Wege aus der Beziehungsverwicklung

Das Buch schließt mit diesem Kapitel in dem es u.a. darum geht wie das Enneagramm “als Instrument für die Beziehungsklärung und Beziehungsentwicklung sinnvoll genutzt werden kann.”.

Mein Fazit

Enneagramm – Sinn oder Unsinn? – mögen sich hier ggf. einige Leser Fragen.

Ich möchte hier auf die Autoren verweisen, welche genau die diese Frage auch im Buch diskutieren. Die Autoren schreiben hier, das ein Modell dann ein gutes Modell ist, wenn es nützlich ist – also u.a. möglichst viele Phänomene sinnvoll ordnet & beschreibt, sowie “wenn es gezielt auf das aufmerksam machen kann, was man sehen möchte”. 

Für mich war unter diesem Aspekt das Buch und das Enneagramm sehr nützlich – u.a. weil ich mich aktuell mit Teilen der vorgestellten The- bzw. Problematiken beschäftige und bei diesen (in Bezug auf mich) klarer sehen/fühlen möchte, für Anregungen, Impulse und verschiedene Sicht- und Erklärungsweisen offen bin. So habe ich u.a. neue Einsichten in mögliche Aspekte meiner eigenen (Kindheits-)Geschichte und meine Muster bekommen die ich annehmen kann bzw. welche ich als offene Punkte zur weiteren Klärung mitnehme.

Auch hat mir das Buch neue Impulse gegeben über bestimmte Dinge nachzudenken – und mir selber in Zukunft mehr Aufmerksamkeit in Bezug auf meine Gefühle, Emotionen und ggf. (gerade ablaufende) Selbstverstrickungen zu schenken. Ganz wichtig: Es hat mir geholfen besser zu verstehen warum – und besser zu akzeptieren das – andere Menschen anders ‘ticken’. Das Sie (und ich) in vielen Aspekten unseres Wesenskerns ein ‘Ergebnis’ der Umstände sind in denen Sie aufgewachsen sind – insb. bevor ein ‘selbstständiges’ bzw. zumindest ein ‘teil-autonomes’ Handeln möglich war.

Und hier möchte ich noch etwas wiederholen, worauf auch die Autoren sowie Helen Palmer (S. 30 in [1]) hinweisen: Die Beschäftigung mit dem Enneagramm bringt viele Vorteile wenn es dafür eingesetzt wird sich selber besser zu erkennen, eigenes Leid zu mindern sowie andere Standpunkte (das ‘ticken’) besser zu verstehen – und ggf. unsere Haltung zu ändern. Eingesetzt um die Charakterzüge anderer für ‘vordergründige Zwecke’ zu entdecken birgt es große Gefahren.

Letzte Gedanken

Im Sinne der ‘Vier Versprechen’ von Ruiz ausgedrückt – hat mir das vorliegende Buch mehr Verständnis gegeben gerade nicht davon auszugehen, das andere Menschen meinen Erwartungen entsprechen sollten’ – sondern – ‘das meine Erwartungen nicht denen der anderen Menschen entspricht’.

Denn worauf basieren meine Erwartungen? Auf meinen Glaubenssätzen! Wer kann sich also (im Sinne der vier Verprechen von Ruiz) ändern, u.a. in dem er nichts mehr persönlich nimmt, keine voreiligen Schlüsse zieht und dadurch dann auch (hoffentlich) kein oder weniger emotionales Gift mit seinen Worten verteilt – wenn eine Situation ‘mal hochkocht’?

Genau 🙂

Viel Spaß beim Lesen!


 

Links

  • [1] ‘Das Enneagramm – sich selbst und andere verstehen lernen’, Helen Palmer, Knaur (aktuell nur noch gebraucht zu beziehen).
    • Leider kann ich nach dem Lesen des Buches dieses aus meiner Perspektive nicht empfehlen. Zwar wird Geschichte und Herkunft des Enneagramm deutlich  mehr Platz gewidmet als im besprochenen Buch und auch auf die einzelnen Charaktertypen wird deutlich länger und tiefer eingegangen – es finden sich für mich aber keine Ansätze im Buch wie nun der Weg der Änderung geschehen kann (u.a. Ausweg aus der Selbstverstrickungsspirale).
    • Wer hingegen sehr lange und detalierte Typbeschreibungen sucht, der mag hier dennoch richtig sein – da das Buch gebraucht sehr günstig angeboten wird.
  • [2] ‘Das Enneagramm: Die 9 Gesichter der Seele’, Richard Rohr, Andreas Ebert, Claudius Verlag: http://www.claudius.de/index.php/das-enneagramm-357
    • Dieses Buch lese ich gerade und es macht auf mich bisher einen sehr guten und strukturierten Eindruck. Es scheint eine Mittelding zwischen des sehr langen Typbeschreibungen von Palmer – und dem strukturierten Ansatz vom besprochenen Buch zu sein – wo dann auch auf die vielen anderen Aspekte des Enneagramm, wie z.B. den/die Flügel, eingegangen wird.
    • Da es sich bei dem Buch ebenfalls um ein im Original in deutscher Sprache verfassest handelt – merkt man Ihm beim lesen – im Vergleich zu dem Buch von Palmer – sofort an.
  • [3] Eine sehr kurzer Überblick über die Persönlichkeitstypen des Enneagramm (Claudius Verlag): http://www.enneagramm.de
    • Basierend auf dem Buch von Rohr / Ebert – ebenfalls aus dem Claudius Verlag

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