Supplemente selber bauen Teil 1: Eigene Kapseln fertigen und Vorschau B-Komplex

By | 17. Juli 2019

Selbstbau-Supplemente aus Hochdosis-Supplementen

Auch schon mal das ‘Problem’ gehabt, das es ein Supplement bzw. Mix der benötigt wird – nicht gibt – oder das Teil astronomisch teuer ist?

Wer meinen alten Beitrag zu (Bulk-)Supplementen & Bezugsquellen gelesen hat, der wird sicher festgestellt haben, das die Zutaten in Großpackungen, wie z.B. 1 Kg Taurin, Glycin, Glutamin, Kreatin, Lysin nicht viel kosten. Auch Methyldonatoren wie Betain-TMG kosten im halben Kg faktisch ‘nichts’ – wie z.B. auch Vitamin C (u.a. als Calcium-Ascorbat) und viele andere Sachen.

Bei den B-Vitaminen verhält es sich ähnlich – oft gibt es die günstig in Dosierungen von 100-500 mg pro Kapsel für bestimmte Problemchen und Phasen (Migräne, Energiestoffwechsel, Leberunterstützung, etc. pp), wobei für eine (Dauer-) Anwendung oft zwischen 10-50 mg (je nach B-Vitamin) vollends ausreichen – oder auch schon zu viel sind. Das bedeutet: Aus einer Kapsel könnte man 10 Stück (oder mehr) machen…

Weiterhin sind oft bei Reinstoffen (z.B. Taurin) irgendwelche Zusatzstoffe in Kapseln enthalten (-> Siliciumdioxid, Magnesium-Stereat), damit bei der maschinellen Verkapselung alles reibungslos läuft. Gesundheitlich vorteilhaft ist das alles nicht.

Warum eigene Kapseln bauen? – Zusammengefasst

Folgende Vorteile von selbst gemachten Kapseln möchte ich im Zuge dieses Artikels vermitteln:

  1. Die Zusammensetzungen (Dosierungen) die es zu kaufen gibt mögen nicht immer individuell optimal für einen selber sein.
  2. Die Reinstoffe in einer Kapsel (z.B. 900 mg Taurin, 600 mg Lysin, etc.) sind in 500-1000g Packungen deutlich günstiger.
  3. Zusatzstoffe in Kauf-Kapseln können Problematisch sein.
  4. Einige Menschen mögen zudem keine Kapseln aus Gelatine… speziell wenn der Ursprung (Schwein, Rind, etc.) nicht klar ist.
  5. Manche Reinstoffe schmecken nicht gerade toll (z.B. Rosenwurz /Rhodelia) – weswegen viele dann Kapseln bevorzugen.

Es gibt für mich also viele gute Argumente selber eigene Kapseln zu bauen und sich die Rohstoffe dafür aus Bulk-Supplementen (ins. Aminosäuren, Vitamin C und andere) sowie (relativ) hoch dosierte Einzel-Supplemente als ‘Rohstoffquelle’ zu nutzen (u.a. B1, B2, B3 Niacin, B3 Nictotinamid, B3 Nicotinamid-Ribosid, B5, B6-P5P, B12-Adenosylcolbalamin, B12-Hydroxolcolbalamin, etc.).

Natürlich sind auch andere individuelle Mischungen wie z.B. Taurin + Mariendistel (soll u.a. förderlich für die Leber sein), Zink + B6-P5P (z.B. bei einer HPU) in Kapselform herzustellen. Sei es für Unterwegs – oder weil es für einen praktischer ist. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Zum praktischen Teil – günstig zu eigenen Kapseln

Die Kapsel-Füllhilfe ist bereit!

Anleitung Cap’M’Quik Verkapselhilfe

Wer so etwas noch nie gemacht hat – keine Panik, alles ist sehr, sehr einfach. Für das eigene Kapseln-Bauen werden nur drei bzw. vier Dinge benötigt, je nachdem was man vor hat:

  1. Eine Verkapselungshilfe
  2. Leere Kapseln (Gelantine oder Pflanzlich)
  3. Zeit, Geduld & Lust
  4. Optional: Einen Standmixer bzw. Mixeraufsatz für die Küchenmaschine oder eine Kaffeemühle – um bei mehr als einer Zutat alles gut durch zu mischen (bzw. Tabletten / Presslinge zu Pulver zu zerkleinern).

Punkt 3) ist dann auch recht wichtig – weil das manuelle öffnen, bestücken, füllen und verschließen der Kapseln (selbst mit der Verkapselungshilfe) schon ein ‘zeitlicher Akt’ ist.

Wichtig: Die gezeigte Kapselhilfe bzw. der Kapselfüller verdeutlicht das Prinzip – es gibt jedoch deutlich effektivere Teile zu kaufen. Da sind u.a. die Chinesen sehr innovativ (Video). Zu beziehen gibts solche Teile bei den üblichen verdächtigen, die mit “e” oder “A” anfangen. Suchbegriffe sind “100 Löcher Kapselfüller mit Spreizer”. Eine “Pulversperre” soll auch nützlich sein.

Verschiedene Kapsel-Größen – Wahl der Qual?

Bei den Kapseln bzw. der Hilfe muss man sich vorab für die Größe der Kapseln entscheiden, den die Hilfe hat Bohrungen bzw. Halterungen die nur für eine Größe passen. Insgesamt gibt es hier die Größen 4-000, wobei 4 schon sehr, sehr klein ist und “000” einigen Menschen (inkl. mir) schon Schluckbeschwerden bereiten dürfte.

KapselgrößeLängeDurchmesserInhaltEinfüllmenge in mg
315,4 mm5,6 mm0,25 ml160-320
217,3 mm6,1 mm0,38 ml220-440
119,0 mm6,6 mm0,5 ml250-500
021,2 mm7,3 mm0,7 ml350-700
0023,3 mm8,2 mm0,9 ml480-950
00026,1 mm9,5 mm1,4 ml700-1370

Realistischer Weise bieten sich dann für mich auch nur Größe “0” oder “00” an, weil “2” & “3” schon sehr ‘fummelig’ sind – und es auch eher keine Verkapselungshilfen dafür gibt. Wenn ich dann auch noch etwas ‘Stoff’ unterbringen möchte, lande ich praktischer Weise immer bei Größe “00” – denn das Auffüllen mit allerweltsdingen wie Reismehl, Glycin, Inositol oder Taurin etc. pp. ist für mich nie ein Problem.

Die Verkapselungshilfe – der Anfang – Kapseln öffnen und bestücken

Kapselhalter voll bestückt.

Kapseln öffnen und den Halter mit den Kapsel (großes Unterteil) bestücken.

Zum Start müssen die Kapseln (gibt es ebenfalls in praktischen Beuteln zu 1000 Stück in den einzelnen Größen) geöffnet und das große Teil  in die Vorrichtung der Kapselhilfe gesteckt werden. Am besten hat man dazu zwei Schalen – eine mit den verschlossenen Kapseln aus der Tüte – und eine für die Kapsel-Kappen, die später nach dem Befüllen wieder aufgesteckt werden müssen.

Nebenstehend habe ich dann 50 Kapseln geöffnet und das größere Teil der Kapsel in die Löcher / Bohrungen der Vorrichtung gesteckt. das Ganze geht mit etwas Übung recht schnell – und stellt den einfachsten Teil der ‘Produktion’ dar.

Das Befüllen mit ‘Stoff’

(Lysin-) Pulver in die Kapseln verteilen.

Pulver (Lysin) mit einem Teigschaber in die Kapseln verteilen.

Nach dem die Kapseln alle eingesteckt sind wird das zu verkapselnde Roh-Supplement eingefüllt. In meinem Beispiel hier ist es reines Lysin (Aminosäure). Das Lysin ist leider etwas grobkörnig, ähnlich groben Puderzucker – und verhält sich deswegen etwas störrisch beim Verkapseln.

Wer später mehr mit verschiedenen Aminosäuren und Mixturen arbeitet wird merken, das die einen eher ‘pappig’ sind (u.a. Taurin), die anderen wie Zucker (u.a. Glycin), die anderen wie Puderzucker, etc. pp. – weswegen die Hersteller für das maschinelle Verkapseln auch teils diese komischen Zusatzstoffe beigeben.

Zum Verteilen des Pulvers in die Kapseln nutze ich dann einen einfachen Plastik-Teigschaber. Mit diesem verstreiche ich das Pulver in die Kapseln – und nehme am Ende überflüssiges ab.

Das ‘Stopfen’ der Kapseln

Mit dem Presswerkzeug das Pulver verdichten.

Presswerkzeug und volle Kapseln.

Je nachdem wie ‘komprimierbar’ das Pulver ist, bietet sich an die Kapseln nach dem Einfüllen des Pulvers ‘zu Stopfen’ bzw. den Inhalt zu verdichten. Dazu gibt es die ‘Stopfhilfe’, welche man auf die Kapseln setzt und dann leicht drückt.

Je nachdem wie viel Platz danach wieder in den Kapseln ist wird noch mal nachgefüllt, verteilt, etc. pp. – wieder gestopft bis die Kapseln voll sind. Beim Lysin lässt sich fast nichts stopfen, so das es da gleich zum nächsten Schritt geht.

Das Verschließen der Kapseln

Füllhilfe (Halter) absenken um die Kapsel-Kappen aufzustecken.

Kapselenden (Kappen) aufstecken.

Der letzte Schritt ist das verschließen der Kapseln. Dazu wird der Träger (das Teil mit den Löchern wo die Kapseln drin stecken) leicht abgesenkt (die seitlichen Distanzstücke werden gedreht), so das die Kapsel-Enden leicht über dem Träger heraus schauen.

Nun werden die Kappen auf die Kapseln gesteckt – oder gefummelt. Das ist wirklich der nervigste Schritt, weil sich je nach Art und Konsistenz des Pulvers das ganze leichter oder schwieriger gestaltet. Teils lässt sich eine Kappe auch nur schwer aufstecken, so das an der Kappe dann leicht gezogen und damit die Kapsel aus dem Träger herausgezogen wird. Nun ist zumindest das Aufstecken der Kappe einfacher 🙂

Die ‘Ernte’

‘Ernten’ der Kapseln.

Fertige (Lysin-)Kapseln in einer alten Dose.

Der letzte Schritt ist die Ernte. Dazu werden die Kapseln aus dem Träger in eine Schale gedrückt und dann in eine (alte) Supplemente-Dose gegeben. Fertig.

Das ganze Prozedere benötigt zwar etwas Handarbeit – spart jedoch Geld und kann auch als ‘Meditativ’ betrachtet werden.Positiv finde ich, das ich hier den Mix oder die Rezeptur immer schnell ändern und auf meine Bedürfnisse anpassen kann. Denn nichts ist statisch – erst recht nicht das Leben oder der gesundheitliche Zustand. Was gestern oder bei Krankheit gut war – muss morgen nicht auch automatisch gut und sinnvoll sein. Leider beachten dieses viele Menschen in Bezug auf die Supplemente nicht. Wo Intervall-fasten schon angekommen ist – ist das ‘Intervall-Supplementieren’ noch nicht so stark im Bewusstsein.

Muss es immer die Kapsel sein?

Nö. Alternativ können auch einfach Mixturen zusammengestellt und in einem großen Glas vermischt gelagert und dann später abgewogen (oder ‘abgedosierlöffelt’) werden. Letzteres mache ich z.B. bei meinem Müsli – da kippe ich dann einfach einen Mix aus Zimt, Mariendiestel, verschiedenen Aminos, etc. pp. drauf. Natürlich steht die Schale dazu auf einer Wage und mir ist klar wie viel Gramm vom Mix ich dazu geben muss. Warum ich dafür keine Kapseln nehme? Bei mehr als 2-3 Gramm wird das mit den Kapseln recht müßig. Zudem bevorzuge ich für einiges die ‘Verbreiung’ im Müsli.

Ausblick: Individueller B-Komplex

Warum kann ein eigener Vitamin-B-Komplex Sinn machen? Dafür gibt es aus meiner Sicht viele Gründe:

  • Wer z.B. eine HPU hat und ein B-Multivitamin mit ‘eher’ wenig B6-P5P (10 mg) und ohne B6 (Pyridoxin) sucht, der wird bei seiner Suche auf Probleme stoßen: Weil es so etwas kaum gibt bzw. wieder irgend etwas anderes enthalten ist, was keiner braucht.
  • Wer ein B-Vitamin ohne (oder mit weniger) Methyl-Folat haben möchte – weil er mTOR in bestimmten Phasen (z.B. während des Fastens) nicht pushen möchte – auch der hat ein Problem. Einige (wenige) Menschen reagieren dann auch schlecht auf (hohe Dosen von) Methyl-Folat – weil Sie u.a. auch gar kein Problem mit zu wenig davon haben.
  • Einige Menschen haben Probleme mit zu viel Niacin (B3) in Bezug auf eine Histaminausschüttung der Mastzellen – andere wollen mehr Niacin, oder sogar Nicotinamid-Ribosid (B3, NR), in Bezug auf bessere Unterstützung der Leber und mehr NAD+ / NADPH (im Vergleich zu Nicotinamid, NAM).
  • Probleme mit der Leber oder Kopfschmerzen? Auch hier können bestimmte B-Vitamine Linderung bzw. Unterstützung verschaffen – glaubt man Erfahrungsberichten und Studien.

Wichtig in jedem Falle: ‘Viel hilft viel’ ist hier (nicht immer) ein guter Ratgeber. Denn: Alles interagiert mit allem – und Ungleichgewichte schlagen aus meiner Sicht irgendwann zu Buche…. oft zeitverzögert, schleichend und lange unbemerkt. Insofern könn(t)en eigene Supplemente-Mischungen hier Sinn machen – um nichts zu übertreiben und den individuellen Bedürfnissen und der Situationen angepasst zu sein. Wer nicht selber mixen mag – der kann hier sicher auch auf seinen Apotheker (bzw. einem der so etwas noch macht) zurückgreifen um (individuelle) Kapseln herstellen zu lassen.

Mein Fazit

Das Herstellen eigener Kapseln kann durchaus (individuell) Sinn machen, u.a. wenn sich jemand a) mit der Thematik von NEMs tiefer beschäftigt und / oder b) aus Bulk-Supplements (wie z.B. Taurin) günstig Kapseln für die Reise und Co. hergestellt werden sollen. Gerade bei Menschen die wirklich chronische Krankheiten haben und deswegen ggf. weniger arbeiten können – ist das Geld teils knapp. Das ist die Realität, die ich teils über Berichte mit bekomme.

Wie ein eigener B-Komplex aus (höher dosierten) einzelnen B-Supplementen hergestellt werden könnte habe ich in diesem Artikel bereits angerissen. Im einem späteren Teil dieser Serie werde ich ggf. tiefer darauf eingehen warum es Sinn machen kann, einen eigenen B-Komplex als Pulver und / oder Kapsel ‘zu basteln’. Bis dahin wünsche ich den Lesern hier viel Erfolg mit den ‘Manufaktur’-NEMs aus eigener Produktion 😉

Ach ja: Falls irgend wer eine halbautomatische Kapsel-Maschine (optimal für Größe 00) günstig abzugeben hat – der schicke mir bitte eine eMail an blog(ät)hcfricke.com – ggf. können wir ins Geschäft bzw. den Austausch kommen.

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