NOS-Entgleisung & Peroxinitrid: Zerstört Tyrosin, Tryptophan, etc. – mit Folgen für 5-HTP, Serotonin, Dopamin, Melatonin, die Schilddrüse & Co.

By | 30. Januar 2019
Peroxinitrid (ONOO) - als Folge der NO-Synthase Entgleisung, was dann Tyrosin & Tryptophan zerstört.

Peroxinitrid (ONOO) – als Folge der NO-Synthase Entgleisung, was dann Tyrosin & Tryptophan zerstört. Bildquelle: Pixabay und Wikipedia

Peroxinitrid (-> chemisch ONOO, auch ‘O-NOO’ ausgesprochen) – das war das krasse freie Radikal, was z.B. bei einer NO-Synthase-Entgleisung entstehen kann (-> NO verbindet sich dann mit Superoxid, O2) – was dann allerlei Schaden in den Zellen und im Körper.

Das ganze ist auch unter ‘oxidativem und nitrosativem Stress’ bekannt – und für mich mit seinen Auswirkungen im Zusammenhang mit der Entgleisung NO-Synthase(n) einer der Mechanismen der hinter sehr vielen Krankheits(symptomen) stecken dürfte, welche durch viele Medikamente, die Pille (für die Frau) und normale Alterungsprozesse (u.a. hormonelle Veränderungen, weniger endogene Bildung von Antioxidanzien) verstärkt wird.

Wodurch kommt es zu einer NO-Synthase (NOS) Entgleisung?

Zum Beispiel wenn durch Chemikalien oder Elektrosmog der unplanmäßige Calcium-Einstrom in die Zellen aktiviert wird (-> via Calcium-Ionenkanal-Aktivierung per VGCC oder NDMA-Rezeptor). Menschen mit MCS, EHS, Energielosigkeit, ‘Burnout’, Fibromyalgie & Co. wissen hier teils bescheid.

Alternativ kann eine hohe NOS-Aktivität auch durch Infekte & Entzündungsreaktionen entstehen, also wenn das Immunsystem sehr aktiv ist (-> iNOS -> ganz viel mehr NO). Wichtig: Stickstoffmonoxyd (NO) ist dabei nicht nur schlecht und gehört auch zur Immunabwehr – nur gibt es eben ein zu viel an NO, speziell wenn dieses chronisch bzw. durch Umwelt- und selbst verstärkende Rückkopplungs-Effekte produziert wird.

Aber auch viele Medikamente (Antibiotika, Cholesterinsenker, Zytostatika, β-Blocker, Antihypertonika, etc.) & Rauchen führen zu der Bildung von mehr NO. Ebenfalls können massiver physischer und geistiger Stress, Halswirbelsäulentrauma (HWS) und nitridreiche Lebensmittel (u.a. Wurstwaren, Trockenmilch, gedüngte Wurzelgemüse & Salate) zu einer NOS-Entgleisung bzw. vermehrter Bildung von NO führen. [1][9][11] Wenn dann zum zu vielen NO noch oxidativer Stress kommt (-> viel Superoxid, O2 in den Mitochondrien ) [5] – wird es richtig problematisch.

Einige Folgen einer NO-Entgleisung (generell)

Nur ganz kurz, weil es hier im Artikel eigentlich um Peroxinitrid gehen soll: Eine NO-Entgleisung (und in Folge zu viel NO) führt zu [9]:

  • einem Mehrverbrauch an B12 (Methlylcolbalamin), weil B12 ein NO-Radikalenfänger ist.
    • So kommt es dann im Urin zur vermehrten Ausscheidung von Methylmalonsäure.
  • einer diätresistenten Cholesterinämie mit Störung der Steroidhormonsynthese
    • NO bremst die Hydroxylase in der Leber (-> kein Umbau von Cholesterin in Gallensäure)
  • einer erhöhten Entzündungsbereitschaft (Gelenke, Wirbelsäule, Haut)
    • Durch Aktivierung von COX und Prostataglandin Enzymen
    • Weiterhin fördern/aktivieren Entzündungen wieder iNOS -> mehr NO (-> Aua)
  • einem erhöhten Histaminspiegel, was wiederum zu mehr NO führt
    • zudem wird die Permeabilität der Blut-Hirnschranke vergrößert (-> schlecht)
  • einer Vermehrung von Nitrosaminen (-> Krebsrisiko)
  • einem erliegen des Citratzyklus (ATP-Produktion)
    • und Fehlen von Bausteinen für die Synthese von Aminosäuren (u.a. Häm-Biosynthese, Glutamin, Arginin, Prolin)

So schreibt auch Dr. Enzmann in einer Einleitung über mitochondriale Medizin [11]:

“Die größte Gefahr bei der Energiegewinnung (ATP) geht von übermäßig gebildetem Superoxid aus, das nicht mehr von der Superoxid-Dismutase (SOD) entgiftet werden kann. Es reagiert mit Stickstoffmonoxid (NO), das durch entzündliche Prozesse gebildet wird, zu Peroxynitrit und kann die Mitochondrien irreversibel schädigen.”

Letztendlich das, was Dr. Pall schon seit vielen Jahren anführt und ich in EMF 7 und EMF 12 im Detail dargelegt hatte. Eigentlich sollte ich diesen Beitrag in die EMF-Serie packen… denn all dies kann auch die Folge von Elektrosmog sein. Aua-Aua-Aua.

Warum ist Peroxinitrid (ONOO) so schädlich?

Teufelskreislauf der NO-Synthase Entgleisung mit folgender Bildung von Peroxinitrid (ONOO)

Teufelskreislauf der NO-Synthase Entgleisung mit folgender Bildung von Peroxinitrid (ONOO)

Warum ONOO nicht gut ist habe ich unter anderem auch schon in meinen Artikeln zu Coenzym Q10 und neurodegenerativen Krankheiten in Verbindung mit EMF beschrieben. U.a. hemmt ONOO es Enzyme, zerstört die Membran und schädigt die DNA von von Mitochondrien [9], was dann mit Erkrankungen des Gefäß- und kardiovaskulären Systems, dem Immunsystems und der vorzeitigen Alterung assoziiert wird. Auch aktiviert ONOO NF-kB, was zu einer pro-inflamatorischen Stoffwechsellage (-> Aktivierung iNOS -> ganz viel mehr NO) führt.

Sehr kritisch ist, das die Superoxiddismutase (SOD), welche normalerweise Sauerstoffradikale (u.a. O2) in Sauerstoff umwandelt – hier nicht wirken kann. Dies, da die Affinität von NO zu O2 (-> Bildung von ONOO) größer ist, also die SOD umgangen wird. [9]

Peroxinitrid zerstört Tryptophan und Tyrosin

Gerade lese ich das Buch von Dr. Strienz zur Schilddrüsenunterfunktion [1] (ganz o.k, leider mit Schwächen) und stolpere dabei auf Seite 102 darüber, das Peroxinitrid auch Tryptophan und Tyrosin zerstört (-> ‘Nitration’). Eine kurze PubMed-Recherche bestätigte das [2][3][10]. Im Detail bindet ONOO wohl an Tyrosin (Tryptophan) und baut diese zu Nitrophenylesigsäure ab (welche dann ein Marker für den Nitro-Stress ist) [9].

Folgen für Serotonin & Melatonin

Synthese-Schritte von Tryptophan zu Melatonin.

Synthese-Schritte von Tryptophan zu Melatonin.

Wer sich an meinen Artikel über Dopamin & die Schilddrüse erinnert, der wird sich erinnern, das Tryptophan der Vorläufer von Serotonin und Melatonin ist. Aus der Buchkritik von DesMaisons (Potatoes, not Prozac) weiß ich noch, das niedrige Serotonin-Werte wohl:

  • depressive Verstimmungen,
  • schlechte Impulskontrolle,
  • Selbstmordabsichten und insb.
  • Verlagen nach Alkohol, süßen Dingen und einfachen Kohlenhydraten (u.a. Zucker, Kekse, Kuchen, Pasta, Weißbrot, etc.)

auslösen können.

Melatonin ist dann das Schlaf- und Reperaturhormon – was durch EMF und Co. ja auch reduziert wird. Warum wird es durch EMF reduziert? Ich denke, weil es durch EMF zu mehr Peroxinitrid kommt – denn Melationin ist nach Dr. Kuklinski [4] selber wieder ein Antioxidanz gegen Hydroxyl- und Peroxinitrid-Radikale, was sich in seiner Wirkung als Antioxidant dann auch vermehrt verbrauchen dürfte – und deswegen doppelt ‘erniedrigt’ wird!

Bei Menschen mit der mitochondrial vermittelten Stoffwechselstörung HPU kommt es in Folge des dadurch bedingten Vitamin B6 (P5P) und Zink-Mangel zu weiteren Problemen bei der körpereigenen Synthese von Serotonin (braucht B6) und Melatonin (braucht Zink & Magnesium). All diese Effekte sind aus meiner Sicht selbstverstärkend. Hinzu kommt heutzutage noch die Unterdrückung der körpereigenen Melatonin-Produktion durch blaues Licht von LED & Co.

Folgen für Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin

Tyrosin ist einer der Vorläufer von Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin. Fehlt Tyrosin dann ist die körpereigene Biosynthese dieser drei Stoffe beeinträchtigt. Dopamin (auch ‘Glückshormon’) macht dabei den ‘Antrieb’ im Körper (bzw. Geist). (Nor-)Adrenalin, beide in der Nebenniere gebildet, sind für die (kurzfristige) Stress-Antwort des Körpers zuständig – das ist nicht per-see negativ, sondern trifft auf viele Situationen zu, in denen wir kurzfristig eine erhöhte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit benötigen.

Ist die Synthese der drei Neurotransmitter (zu stark) reduziert, dann sind meiner Lesart nach auch Antrieb, Stress-Antwort des Körpers & Co. kompromittiert, wie ich es in meinem Artikel zu Dopamin & Co. auch ausführe.

Folgen für die Schilddrüse und (L-)Thyroxin (T4)

Schilddrüse & Cofaktoren. Quelle: Jorge Flechas und Inst. f. Functional Med.

Tyrosin ist ein elementarer Baustein zur Biosynthese des Schilddrüsenhormons Thyroxin. Zu viel Peroxinitrid (u.a. Belastung durch EMF & Co. oder in Folge einer HPU) haben also auch das Potential (neben anderen Faktoren) T4 zu erniedrigen.

HPU’ler haben hier jedoch noch das zusätzliche Problem, das die Synthese von Thyroxin (und T3) aus Tyrosin Vitamin B6 und Zink benötigen – welche dort im starken Mangel sind.

Peroxinitrid oxidiert Cystein und Methionin

Nach Strienz oxidiert Peroxinitrid auch die Schwefelgruppen von Cystein und Methionin, was auch eine PubMed-Recherche bestätigte [10]. Striez weisst darauf hin, das beide Aminosäuren u.a. Baustoff für das Antioxidanz Gluthation (GSH) sind.

Ich meine das durch eine Ernährung mit ausreichend Protein genug dieser beiden Aminosäuren zugeführt werden, wobei bei einer eher pflanzlichen Ernährung Cystein und Methionin (welche im Überfluss auch Nachteile haben) eher gemäßigt vorkommen.

Peroxinitrid & Folgen für Calcium in Zellen (Calcium-ATPase)

Bei Elektrosmog oder Chemikalien kommt es ja zu (ungewollt) mehr Calcium in den Zellen (VGCC-Aktivierung, NDMA-Rezeptor). Damit der Calcium-Spiegel wieder sinkt (und z.B. Muskelzellen entspannen können), eine NOS-Entgleisung ggf. beendet wird – braucht es die Calcium bzw. Ca(2+)-ATPase.  Leider wird auch diese durch Peroxinitrid inaktiviert:

“Tyrosine nitration, tryptophan oxidation and Ca(2+)-ATPase inactivation induced by peroxynitrite” [2]

Nun führt mehr Ca in den Zellen zur Aktivierung der NO-Synthase (-> Siehe auch EMF 12), aktiviert den pro-inflamatorischen NF-kB [9], so das hier ein weiterer sich selbst verstärkender Teufelskreislauf entsteht, der eine (bestehende) NOS-Entgleisung anheizt (-> mehr NO & ONOO ).

Peroxinitrid erniedrigt Qbiquinol (QH, reduziertes Q10)

Q10 Kapseln

Q10 Kapseln. Foto: H.C.

In meinen überarbeiteten Beitrag zu CoEnzym Q10 und Ubiquinol hatte ich angegeben, das Ubiquinol ein Peroxinitrid-(PN)-Radikalenfänger ist [6]. Das Problem: QH (bzw. Q10) ist auch essentiell für die Energieproduktion in den Mitochondrien (-> Elektronentransporter zwischen ETC-Komplex I, II & III) – und so dürfte eine hohe Belastung mit PN auch die körpereigenen Vorräte an QH schneller erschöpfen.

Leider verliert der Körper im Alter vermehrt die Kapazität Q10 endogen zu bilden sowie oxidiertes Q10 in reduziertes Qbiquinol (QH) zu wandeln. Durch weniger Q10 in den Mitochondrien (der ETC) kommt es dann jedoch wieder vermehrt zur Bildung von oxidativem Stress (O2), weil ‘wartende Elektronen’ die nicht sofort mittels Q10 von ETC Komplex I & II nach III transportiert werden können. So reagierten dann einzelne Elektronen ‘aus der Warteschlange’ in Komplex I & II mit Sauerstoff zu Superoxid (O2). [3]. Das Superoxid kann dann mit NO zu ONOO (Peroxinitrid) reagieren.

Also schon wieder ein selbst verstärkender Feedback-Mechanismus, welcher die PN-Produktion anheizen kann und zudem die Verfügbarkeit von Ubiquinol (aber auch ATP -> Energie) im Körper verringert.

Abhilfe durch Supplemente (5-HTP, Q10, Selen, etc.)? und Lifestyle-Veränderungen?

In diesem Abschnitt möchte ich meine Gedanken schweifen lassen, was ggf. bzw. welche NEMs gegen zu viel Peroxinitrid bzw. NOS-Entgleisungen helfen könnten – und von was ggf. nicht so gut ‘kommt’ (u.a. bei Schwermetallbelastungen). Zum Ende gehe ich auch noch kurz auch auf einige oft (aber nicht hier) genannte Supplemente ein, die man eher nicht ‘einfach so’ einnehmen sollte – insbesondere wenn eine HPU oder Belastung mit Schwermetallen vor liegt. Diese Thematik werde ich bei Zeiten auch noch einmal aufbereiten und einen extra Artikel dazu einstellen.

Wichtig bei alldem: Peroxinitrid ist nicht immer schlecht – und wird vom Körper u.a. als Imun-Abwehrreaktion gegen Pathogene produziert [6]. Das Problem entsteht, wenn es ein zu viel an Peroxinitrid durch eine NOS-Entgleisung bzw. zu viel oxidativen Stress gibt. Auch freie Radikale in den Mitochondrien sind nicht per-see schlecht – sondern fungieren in einem normalen Maße als Signalgeber bzw. Steuerungsmechanismen in den Mitos [6]. Alles was ich hier folgend schreibe sind also Ideen, Thesen & Co. – welche sich auf Zustände Beziehen in denen ich über Fälle spreche, wo im Körper einiges biochemisch entgleist ist.

5-HTP (und ECGC) für mehr Serotonin und Melatonin?

Zwar könnte theoretisch auch mit (L-)Tryptophan supplementiert werden – diese Aminosäure passiert u.a. jedoch schlecht die Blut-Gehirnschranke und steht deswegen nicht so effektiv für die Produktion von Neurotransmitter im Gehirn zur Verfügung wie 5-HTP. Aber auch bei 5-HTP gibt es einiges zu beachten bzw. zu optimieren: Denn 5-HTP ist nicht = 5-HTP.

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