CoEnzym Q10 – Mitochondrien-Booster & ROS-Killer?

CoEnzym Q10 Pillen 50mg (Ubichinol). Foto: H.C.

Irgendwie bin ich so oft über Coenzym Q10 gestolpert – ich wollte wirklich mal genauer wissen was da dran ist, also was es grob macht, wie sicher es ist, welche Form die beste ist und ob, wann und für welche Menschen eine Supplementierung ggf. Vorteile bringen könnte.

Coenzym Q10 im Überblick

Ein für mich sehr interessantes Video eines Apothekers [1] (in Deutsch) hat mir die Basis für diesen Artikel geliefert. Die Informationen aus dem Video passen auch zu denen des NIH [2]. In Kürze: Grundsätzlich macht der Körper dieses Vitaminoid (-> eine Vitamin ähnliche Substanz) selber – jedoch mit abnehmenden Alter immer weniger davon. Die Studienlage zu Q10 ist wohl sehr gut und die Anwendung in Bezug auf die Toxizität (ADI) mit 12mg/Kg Körpergewicht & Tag sei sehr sicher.

Natürliches Vorkommen

Q10 findet sich nach Wikipedia [3] und nach [1] vor allem (grob absteigend mit der Liste):

wobei kochen (Hitze) das Coenzym jedoch zerstören kann. Da sich diese Liste fast wie meine tägliche Speisekarte ließt – finde ich das schon mal gut 🙂

Eigenschaften von Q10

Die beiden wichtigsten Eigenschaften sollen sein [1][4]:

  • Das Coenzym Q10 trägt stark zur Energieversorgung im Körper bei und dient dabei als Elektronen-Transporter für die Atmungskette (Elektronen-Transport-Kette, ETC) unserer Mitochondrien.
    • Q10 ist also stark in der ATP-Produktion involviert.
    • Dabei bilden Ubichinon (Q10) und Cytochrom ein (komplexes) Redoxsystem.
  • Weiterhin ist Q10 ein starker (nicht-enzymatischer) Antioxidant und Radikalenfänger in Bezug auf Reaktive Sauerstoffspezies (ROS) und Fettsäureoxidation.
    • In einer Gruppe mit Vitamin A, C und E, Glutathion, etc. und
    • neben Superoxide Dismutase (SOD), Katalase (CAT) und Glutathion Peroxidase (GT) [5].

Wem das alles zu kompliziert ist – der beschränkt sich auf die drei in Fett geschriebenen Wörter: Energieversorgung, Antioxidant & Radikalenfänger.

Die Anwendungsgebiete

für eine Supplementation sind dann wohl auch primär die Bereiche welche mit dem Energiestoffwechsel zu tun haben, u.a.:

  • Herzinsuffizienz (Herzmuskel) [1][6],
  • Nervenzellen (wirkt Neuroprotektiv, u.a. wohl Schutz gegen Dopaminverlust) [1][4][18],
  • Immunsystem und Förderung der Fettverbrennung [1].
  • Glaukom, Neuropathien am Augen (Schutz optischer Nerv, Astrozyten) [4]
  • ggf. Verlangsamung der Alterung und Verbesserung der Mitochondrienfunktion [8].
    • ‘by increasing levels of SIRT1, PGC-1α, and SIRT3’ (Studie mit Mäusen)

So fassen Noh Y. H. et al. [4] in Bezug auf Q10 zusammen:

“(CoQ10), an essential cofactor of the electron transport chain and a potent antioxidant, acts by scavenging reactive oxygen species (ROS) for protecting neuronal cells against oxidative stress in many neurodegenerative diseases.”

Q10, Ubiquinon, Ubichinol?!?!

Das Co-Enzym Q10 gibt es in zwei Formen : Oxidiert (Ubiquinon) und Reduziert (Ubichinol), wobei es letzteres erst seit ca. 10 Jahren gibt – dies dann auch teurer ist und damit beworben wird, das es besser aufgenommen wird. Um die Verwirrung komplett zu machen gibt es jedoch auch noch andere Bezeichnungen für die beiden Formen, so das zumindest ich ab und zu auch mal die Orientierung verliere [7]:

Ubiquinon = Ubichinon (klare gelbe Farbe)

  • Ubidecarenon = Myoqinon = Myoquinone = Bio-Qinon = Normales Q10 = Oxidiertes Q10 = Das originale Q10 = Q = CoQ = QX = CoQ10 = 6-all-trans-Decaprenyl-2,3-dimethoxy-5-methyl-1,4-benzochinon

Ubiquinol = Ubichinol (2006 eingeführt, milchig-weiße Farbe)

  • Uniqinol = BioActive Q10 = Reduziertes Q10 = QH = CoQH = Dihydroquinon = 2,3-Dimethoxy-5-methyl-6-polyprenyl-1,4-benzochinol

Nach dem Apotheker Kuhnert [1] wandelt der Körper das Q10 selber von oxidierter Form in die unoxidierten Form – und umgekehrt u.a. unter Zuhilfenahme des Co-Faktors Selen. Auch die meisten Studien währen mit dem älteren und günstigem Ubiquinon durchgeführt, so das sich das Ubichinol eher bei Verabreichung sehr hoher Tagesdosen (z.B. Herzinsuffizienz) anbieten würde.

Der Unterschied der beiden Formen ist nach [7]:

“Das oxidierte Ubiquinon wird benötigt, um Energie in Form von ATP zu produzieren, das reduzierte Ubiquinol hingegen fungiert als Antioxidans. Dies bedeutet, dass das reduzierte Q10 Elektronen abgibt, während das oxidierte Q10 Elektronen aufnimmt.”

was auch mit den Erklärungen von Kuhnert [1] überein geht. Aus der Nahrung nehmen wir denn auch die oxidierte Form auf, wobei 90-95% des Q10 in unserem Blut reduziert sind. Der Artikel [7] schließt mit:

“Q10 wird im Darm zusammen mit Fett aufgenommen und anschließend über die Lymphgefäße langsam ins Blut transportiert. Schon wenn das oxidierte Q10 die Darmwand passiert, wandelt es sich in reduziertes Q10 um. Eigentlich gibt es keinen Grund, ein Produkt mit der reduzierten Form zu verwenden (Ubiquinol), da der Körper die oxidierte Form (Ubiquinon) automatisch in die reduzierte Form (Ubiquinol) umwandelt.”

Natürlich behauptet ein Supplemente-Hersteller das Gegenteil – also das teure Ubichinol im Bezug auf die Dosis bis zu 8 mal effektiver ist bzw. besser aufgenommen wird [9]. Wie auch immer… Interessant ist jedoch auch, das das teure Ubichinol auch anfälliger für eine Oxidation – also nicht so lange haltbar ist [1][9]. Ganz schlecht ist dabei wohl Blaulicht – wie auch bei dem stark verwandten Vitamin K. Das Ubichinol wird dann wohl nicht unwirksam, sondern wandelt dann zu dem deutlich günstigerem Ubichinon.

Tip: Q10 wird optimaler weise mit einer fettreichen Mahlzeit eingenommen. Q10 in Form von Kapseln mit zusätzlichem Fett(transporter) erscheint mit so durchaus sinnvoll.

Dosierung

Apotheker Kuhnert [1] gibt folgendes an:

  • Prävention: 5-30mg/Tag vorbeugend o.k.
  • Therapeutische Dosis: 30-500mg/Tag
  • Herzinsuffizienz: 500mg/Tag

wobei wohl beachtet werden kann, das Q10 wohl auch im Blut etwas überlebt (Halbwertzeit) – also ein höherer Spiegel durch Supplementation oder Nahrung (ähnlich Vitamin D oder A) nicht den nächsten Tag wieder abgefallen ist. Demgegenüber gibt Life Extension, ein Supplemente-Hersteller, folgende Dosen an [9]:

“People seeking to protect their whole-body health should consider supplementing with 100-150 mg of ubiquinol daily. Those seeking to capture the documented anti-aging benefits of ubiquinol should consider consuming 200-300 mg daily.”

Wohlgemerkt, mit der angeblich potenteren Form Ubichinol, die auch ca. 3 mal so teuer ist. Der Körper des Menschen selber enthält wohl nur 1000-1500 mg Q10 [19], so das ich denke das die Empfehlungen von Life Extension sehr hoch gegriffen sind. Aber die wollen schliesslcih auch verkaufen 😉 Wer unnötigen oxidativen Stress meidet (u.a. Kunst- & Blaulicht, Mobilfunk & Co.), für Elektronenzufuhr sorgt -> Frische Nahrung, viel Gemüse, Sonnenlicht und ‘Grounding’ [17], der wird dann wohl auch weniger exogenes Q10 benötigen bzw. aus einer Supplementierung weniger (potentiellen) Vorteil ziehen können (wenn überhaupt). Insofern scheinen mir die Angaben von Apotheker Kuhnert recht plausibel – also wenn man eine Supplementierung erwägt.

(UV-)Licht, Q10 & Vitamin K & Redox-Potential

Der (durchaus kontroverse) Dr. Jack Kruse gibt noch an, das Q10, wie auch sein ‘zwilling’ K2, Lichtfrequenzen im UV-Spektrum absorbieren und faktisch eine chemische Batterie für UV-Licht sind [12]. Hohe Farbtemperaturen, insb. aus Kunstlichtquellen (Monitore, LED-Licht, etc.) reduzieren hingegen Q10 und K2 Spiegel, da insb. die Blauanteil einige Millimeter tief in die Haut (und Arterien) wirken. Ganz nachteilig sei dies im Falle von K1 & K2, da dieses Vitamin auch viele verschiedene Zelltypen vor einem Glutathion-Abbau (‘depletion’) schützen würde [11]. Glutathion ist dabei ein sehr, sehr wichtiges Antioxidant im Körper [10]. (Anm.: Vitamin K schützt nicht gegen einen Mangel an Cystein – dem Baustoff für Glutathion).

Auch wenn ich hier im Blog noch nicht auf Glutathion & Co. eingegangen bin nehme ich hier einen wichtigen Punkt für mich mit – wenn das denn alles so ist [11]: Besser Vitamin K2 (z.B. MK4) supplementieren bzw. ordentlich Grünzeug futtern & mit der Nahrung ordentlich Cystein zuführen – anstatt Glutathion-Supplements kaufen, bei dem auch fraglich ist wie gut es über den Magen aufgenommen wird. Glutathion macht der Körper selber (Endogen) – wenn die Baustoffe dafür da sind. Dann klappts auch mit dem Redox-Potential besser [16].

Flugreise und Elektronenmangel

Dr. Kruse macht noch darauf aufmerksam, das mehr Q10 verbraucht wird, wenn wir weniger mit dem Erdmangetfeld & der Erde verbunden sind und desto mehr Mangel an Elektronen wird haben: ‘Flying increases serum ROS and CoEnq10 is used up to protect lipids from peroxidation.’ [13].

Interessant ist dann der Zusammenhang zwischen LDL und niedrigen Q10-Status den er dann beschreibt:

“This loss of Q10 causes our lipid membranes in the lipoproteins to become more “sticky” and cause disease in arteries. This increased viscosity causes slower LDL uptake at its receptor in the liver. This allows the LDL to stay in our serum longer and become exposed to a more oxidized serum that has been depleted in the isoprenoid side chain protections of Q10. CoEnzQ10 has 10 isoprenoid side chains that protect our serum from oxidation.”

Kruse führt dann noch weiter [15] aus das oxidierte Fettsäuren (HDL, LDL, etc.) sich dann an den Arterien ablagern… Ist das vielleicht mit ein Grund für Thrombosen bei Flugreisen? Für Ihn der Q10 Status ein wichtiger Marker – insb. wenn wenig Fisch gegessen wird. So haben nach Ihm gerade Veganer und Vegetarier einen niedrigen Q10-Status im Blut (zu wenig Kohlgemüse?), was insbesondere bei Ausdauersportlern problematisch wäre, weil hier das Blutplasma stärker oxidieren würde.

Kruse selber empfiehlt dann Ubiquinol, weil diese Form besser im Magen absorbiert werden würde, was auch zu den Studien passt die Life Extension [9] anführt. Er schreibt zu Ubiquinol:

“It contains two hydroxyl (OH) groups instead of just one. This advantage allows it to bond with water molecules, and makes it more readily absorbable by our mitochondria in our cells for energy production. Ubiquinol is the biologically superior form of CoQ10 because it’s an electron donor, which makes it a very effective neutralizer of free radicals and the only form of CoQ10 that scavenges lipid peroxyl radicals that can damage the polyunsaturated fatty acids of your cell membranes.” [15]

So tief in die Materie sind dann die anderen Quellen (z.B. [1][7]) nicht gegangen – also die zu Grunde liegenden Zusammenhänge zu erklären.

Mein Fazit

Ich habe das Gefühl das langsam die Fäden bei mir zusammen kommen. Ohne ein minimales Verständnis was Licht, die Mitochondrien und die Elektronentransportkette (ETC) machen, war es schwer für mich die Auswirkung von CoEnzym Q10 auch nur annähernd zu begreifen.

So habe ich bei meinem letztem Blutbild auch den Q10 Status bestimmen lassen – alles Top! Sowie ich die Situation sehe tue ich jedoch viel gutes dafür: Viel Kohlgemüse, in maßen Nüsse, Samen & Saaten im Müsli, faktisch jeden Tag Hülsenfrüchte – und min. 2 mal die Woche Sardinen & Co. Viel davon auf den Punkt gedämpft oder auch Roh bzw. gekeimt. Durch mein geändertes Lichtumfeld, mehr Sonne und weniger Blaulichtexposition – vermeide ich zusätzliche Oxidation von DHA & Co., Zellstress – sowie die unnötige Zerstörung von Q10 und Vitamin K.

Für eine eventuelle (und präventive) supplementierung mit Q10 sehe ich bei mir deswegen (noch) keine Grundlage. Wer hingegen Probleme mit eingangs aufgeführten Aspekten hat, das mit der Ernährung noch nicht so hin bekommt und durch Beruf & Co. viel Fliegt, wenig Sonne sieht und sich viel in der “Funk-Hölle” (u.a. Stadt, Hochhaus, Büros, Mobiltelefon- & WLAN-Nutzung) aufhält – für den könnte Q10 ggf. Strohalm sein. Wer mehr wissen will, sollte man bei Examine.com [20] reinschauen, die haben über 200 Studien zu Q10 übersichtlich ausgewertet und geben einige weitere Tips.

 


Quellen

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