Blutwerte: Was wären meine (potentiellen) Werte für eine umfassende(re) Diagnose?

Von | 29. Januar 2020
Blutwerte aus dem Labor

Blutwerte aus dem Labor. Quelle: Pixabay

Die Blutwert-Diagnostik ist in Ergänzung zu einer ‘ersten’ Haar-Analyse für mich ein Mittel um zu schauen, wo ich stehe und (möglichst) frühzeitig Probleme aufzudecken. Wie alle Formen der Diagnostik haben Blutwerte ihre spezifischen  Vor- und Nachteile bzw. Limitationen.

In vielen Artikeln von mir steht auch immer einiges zu der Diagnostik – wo es teils auch mehrere Verfahren und Werte braucht, um am Ende einen Wert sinnvoll zu bestimmen (-> z.B. bei Kupfer). Nicht immer ist ‘viel’ auf dem Papier auch viel in den Zellen…

Auch muss ‘man’ wissen, welcher der Labor-Parameter der richtige ist. Wer etwas über Eisen wissen möchte, kann den momentanen Stand messen, z.B. das Eisen im Serum, oder den Speicherwert, das Ferritin. Letzterer ist jedoch bei Entzündungen höher (-> braucht hsCRP) und abhängig von Transport-Proteinen (-> Transferrin, etc.). Wer da nur auf einen einzelnen Wert schaut… oft klapps, teils eben nicht.

Dann gibt es noch das Thema der Referenzwerte. Denn dies sind (aus meiner Sicht) oft keine Gesundheitswerte, sondern basieren in vielen Fällen auf Statistik und Massen-Untersuchungen (von oft auch kranken Menschen). Oft werden zusätzlich dann noch Alter, Geschlecht sowie persönliche Umstände (Schwangerschaft, Krankheiten, Genetik) nicht berücksichtigt.

Die Werte des (Steroid-) Hormonsystems (Testosteron, Östradiol, Progesteron, Cortisol), der Katecholamine (-> Dopamin, Adrenalin & Co.) und der Schilddrüse sind dann noch diffiziler – stehen sie doch in einer komplexen Wechselwirkung miteinander und in Verbindung mit Organfunktionen. Hier einzelne Werte zu messen führt oft in die Irre – es sollte zumindest immer das jeweilige System betrachtet werden (z.B. bei der Schilddrüse zumindest TSH, fT3, fT4, ggf. rT3).

Was ist der Inhalt dieses Artikels?

In diesem Artikel möchte ich grob in die Thematik der Blutwerte einführen und eine Übersicht geben, was gemessen werden kann bzw. was ich in bestimmten Kontexten selber machen würde. Allerdings ist dieser Artikel kein Leitfaden, um komplexe Blutbilder bzw. bestimmte hormonelle Lagen (komplett) zu deuten – dafür ist das ganze System Mensch zu Komplex – speziell da auch die Grenzen der Labordiagnostik beachtet werden müssen. Insofern ist das Ziel:

  • Vorüberlegungen zur Messerei!
  • Kurz was zu den freien Laboren und der Blutabnahme
  • Eine erste Orientierung zu geben, welche Werte ggf. sinnvoll sein können.
  • Werte die man zusätzlich nehmen könnte.
  • Was ‘Werte-Gruppen’ sind , die möglichst zusammen erhoben werden sollten.
  • Und ein paar ‘zarte Anmerkung’ wie ich in meinem Fall einige Werte für mich deute & interpretiere.

Zumindest kann dieser Artikel die Basis für eigene Überlegungen und nachfragen bei Therapeuten sein.

Einige Vorüberlegungen – Was, wann, warum messen?

Wer das Geld für eine Blutwerte-Untersuchung scheut – kann ganz umsonst mit Cronometer schon mal schauen, ob er überhaupt auf die (mindest-) Empfehlungen der Ernährungsgesellschaften kommt (z.B. DGE). Ich mache das mit dem Cronometer. Passt da schon was grob nicht, dann gibt es schon an diesem Punkt vielfältige Handlungsmöglichkeiten – ganz ohne Blutwerte.

Weitere Aspekte sind für mich:

  • die aktuellen Beschwerden (z.B. Verdauungs-Probleme, Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Rheuma, CFS, MCS, EHS, …),
  • die (physische) Anamnese: Zähne, Augen, Zunge, Füße/Nägel, Hautfarbe, Hautstruktur, Gewicht im Bezug zum Körper,
  • potentielle (historische) Belastungen mit Toxinen und Schwermetallen (z.B. Amalgam, Gadolinium aus MRT’s, die hormonelle Verhütung, viele pharmazeutische Medikamente), Alter.
  • sowie Lifestyle- und Ernährungsverhalten (Ernährung, EMF, Licht, Sport, Umfeld, etc. pp.)

um nur einige zu nennen.

Bei allem, auch den Blutwerten, ist dann zu beachten, dass der Blick auf eine Baustelle oft nicht reicht und die Sicht auf das Ganze blockiert. Die Normal-Medizin schaut bei Problemen mit Fußpilz auf die Füße – also zum Hautarzt. Der schaut aber nicht auf das Immunsystem und ggf. eine substanzielle Schwermetall-Belastung mit Amalgam. Amalgam stört Organe, die Hypophyse und den Hypothalamus, welche substanziell in die Hormon-Regulierung involviert sind. Das kann dann über Cortisol und niedrige Schilddrüsenwerte auf das Immunsystem ‘gehen’.

Insofern möchte ich hier dem Leser schon mal folgendes mitgeben:

Der Mensch ist ein System – Eine isolierte Schau auf eine Sache und Einzelwerte bringen nichts, da hier Dinge aus dem Kontext gerissen werden’

So sind auch die folgend beschriebenen Blutwerte nur ein Stein im großen Puzzle.

Freie Labore – eine Alternative zur Arztpraxis

Es gibt viele (freie) Labore – wo man morgens (nüchtern) aufschlagen kann um Blut abnehmen und viele Werte (als Selbstzahler) bestimmen zu lassen.

Vorteil: Da ist man unabhängig vom Arzt und einigermaßen sicher, das die Blutproben das Labor frisch erreichen und auch richtig gehandhabt, gekühlt, etc. pp. sind. Denn oft wissen die Helferinnen in der Praxis nicht mal, wie oder wo sie z.B. Coeruloplasmin auf dem Labor-Bogen ankreuzen sollen – geschweige denn, welches Röhrchen es für die Abnahme, ggf. auch gleich eingefroren, und in welcher Reihenfolge (Nativblut / Serum, Citratblut / Gerinnung, EDTA-Heparinblut, Fluoridblut) es denn sein muss oder sollte. Was da alles schief gehen kann, ist echt unfassbar – und selbst Labore in größeren Städten müssen vieles weiter an andere Labore versenden [1].

Nachteil: Selber zahlen. Allerdings wird kaum jemand seinen (Kassen-) Arzt dazu überreden können, nachfolgende Werte ‘allesamt’ bestimmen zu lassen – weil er viele sicher kaum kennt – und wenn, doch dann ggf. zum ersten und letzten mal im Studium davon gehört hat. Viele Ärzte wissen (aus meiner Sicht) auch gar nicht, wie Sie die nachfolgenden Werte deuten sollen – und nehmen die dann am besten auch nicht ab…

Ach ja: Essen, Frühstück, Medikamente, Supplemente und Schilddrüsen-Tabellen bitte erst nach der Blutabnahme einnehmen. Morgens, vor der Blutentnahme, auch nicht mehr als ein Glas Wasser trinken.

Eine erste Orientierung, welche Basis-Blutwerte ggf. sinnvoll sein können

Aus meiner Sicht sollten dis Basis-Werte die grundsätzlichen Organe (Schilddrüse, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse), Lipid- und KH-Stoffwechsel, Mikronährstoffe (Magnesium, Zink, Selen), Methylisierung / Homocystein (B6, B6, Folat) , Entzündungsmarker, Vitamin D und optimaler Weise ein mal im Jahr das Steroid-Hormonsystem + Cortisol (Nebenniere) umfassen.

Aus diesen Parametern kann dann im Kontext auf ggf. weitere Probleme geschlossen werden – was weitere Tests und Untersuchungen nach sich ziehen würde – wenn etwas ‘faul’ ist. Dabei werden natürlich niemals nur die Einzelwerte betrachtet – sondern das System, ‘da alles mit allem zusammenhängt’.

Aus meiner Sicht sind dann die grundlegenden Blut-Basiswerte (die sicher kaum ein Allgemeinarzt erhebt) folgende:

  • Großes Blutbild
    • Besteht aus dem kleinem Blutbild
      • Leukozyten (weiße Blutkörperchen)
      • Erythrozyten (rote Blutkörperchen)
      • ggf. Erythrozytenverteilungsbreite (RDW)
      • Hämoglobin (Hb-Wert) (roter Blutfarbstoff)
      • Hämatokit (Anteil der Zellen im Blut)
      • MCV (mittleres Zellvolumen eines roten Blutkörperchens)
      • MCH (mittlere Konzentration von Hämoglobin in einem einzelnen roten Blutkörperchen)
      • MCHC (mittlere Konzentration von Hämoglobin in allen roten Blutkörperchen)
      • Trombozyten (Blutplättchen)
      • ggf. mittleres Trombozytenvolumen (MPV)
    • und einem Differentialblutbild (-> wichtig für Bewertung des Immunsystems)
      • Neutrophile (Stab- und segmentkernige Granulozyten)
      • Lymphozyten (gehören zu den weißen Blutkörperchen, den Leukozyten)
      • Monozyten (Unterform der Leukozyten)
      • Eosinophile (Granulozyten)
      • Basophile (Granulozyten)
  • KH-Stoffwechsel
    • Glucose (Blutzucker, Nüchtern)
    • Optimal (bei vermuteten Problemen): HbA1c (das ‘Langzeitgedächnis’ für den Blutzucker, zu hoch = ggf. Problem)
  • Fette
    • Cholesterin Gesamt, LDL (möglichst niedrig), HDL (möglichst hoch)
    • Triglyceride (zu hoch = ggf. Problem)
    • Maximal: Omega-3-Index (prozentualer Anteil von EPA & DHA im Blut, sollte wohl >8% sein)
  • Schilddrüsen-Werte
    • Mindestens: TSH, fT3, fT4 (Ganz wichtig: Die aktiven ‘freien’ Schilddrüsen-Hormone fT3 & fT4 immer zusammen messen!)
    • Optimal dazu: rT3 (das bremsende, ‘reverses’ T3 – der Gegenspieler zum fT3.  Anm.: Teuer)
    • Maximal (bei vermuteten Problemen, teuer): TPO-AK, Tg-AK, ggf. auch TRAK (Antikörper)
    • Ultraschall der Schilddrüse (Größe: Lappen links / rechts in ml, Gewebe-Beschaffenheit, Knoten, etc.)
  • Leberwerte
    • GOT, GPT, Gamma GT (Die allgemeinen Leberwerte -> zu hoch = ggf. Problem)
    • Billirubin (Gallenfarbstoff, Gelbsucht, zu hoch = ggf. Problem)
    • Maximal: Alkalische Phosphatase (zu hoch = ggf. Probleme mit Leber aber auch Knochenwachstum, Vitamin D-Mangel. Zu niedrig = ggf. SD-Unterfunktion, Blutarmut)
  • Niere
    • Kreatinin (Kreatin-Abbauprodukt, Rückschluss auf Nierenfunktion, zu hoch = ggf. Probleme)
    • Harnsäure (Abbauprodukt von Nieren, hoch u.a. bei Problemen mit der Niere)
    • Optimal: Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) – Filtrationsrate der Nieren, zu niedrig = ggf. Probleme
    • Maximal: Cystatin C (IFCC, Sensitiver Marker der GFR)
  • Bauchspeicheldrüse(BSP)
    • Amylase (Enzym KH-stoffwechsel, erhöht u.a. bei Problemen mit der BSP)
    • Lipase (Enzym Fett-Stoffwechsel, erniedrigt u.a. bei Problemen mit der BSP)
  • Eisen-Werte
    • Minimal: Ferritin (der ‘Eisen-Speicherwert’ – unbedingt auch hsCRP mit messen, da bei Entzündungen falsch höher)
    • Optimal dazu: Eisen im Serum + Transferrin (bzw.die  Transferrinsättigung)
  • Entzündungsmarker
    • Minimal: High Sensitive’ CRP -> hsCRP – (erhöht, auch wenn in der ‘Norm’  = Irgendwo Probleme, Infekte, etc. pp)
    • Maximal dazu: z.B. TNF-alpha (gibt noch anderes, aber das ist alles spezieller… zu komplex für diesen Artikel…)
  • Methylisierung
    • Minimal: Homocystein
    • Optimal dazu: B12-Serum oder uMMA-Test (Urin), wobei letzterer eher nur bei speziellen Problemen.
    • Maximal dazu: Vitamin B6-Bioaktiv (P5P bzw. PLP), Folat-Bioaktiv, im absoluten Zweifelsfall auch SAM.
  • Vitamin D
    • Minimal: 25-OH-Vitamin D (Speicherwert)
    • Maximal dazu: 1,25(OH)2 Vitamin D (Aktives D)
  • Mineralien im Vollblut bzw. Serum
    • Minimal: Natrium (Serum), Phosphat (Serum), Magnesium (Vollblut), Zink (Vollblut), Selen (Vollblut)
    • Optimal dazu: Kalium (Vollblut), Calcium (Vollblut und Serum), Kupfer (Serum) + Coeruloplasmin bzw. ‘freies Kupfer’.
    • Maximal dazu: Mangan (Vollblut) , Molybdän (Plasma, wenn möglich)
  • Steroid-Hormone (Nicht günstig & ja, wirklich alle Werte mit einer Messung am Morgen bis 8:00 Uhr!)
    • Pregnenolon (bei schlechter Befindlichkeit und/oder ab 55 Jahren)
    • Progesteron
    • Cortisol (optimal Morgenwert vor 8h)
    • DHEA-S
    • SHBG
    • Östradiol (E2)
    • Freies Testosteron (oder Gesamt-Testosteron + Albumin -> dann umrechnen mit der ‘Van Meulen Formel’)
    • Wichtig: Bei Frauen mit Zyklus bitte 5-7 Tage vor der nächsten Regel messen lassen!

Das DHT (Steroid-Hormone) würde ich eher situationsbedingt messen z.B. Haarausfall bei Männern oder irgendwas mit der Prostata oder starke Körperbehaarung bei Frauen (Frauenbart, etc.). Genau so verhält es sich mit dem Aldosteron, das würde ich auch nur messen, wenn da irgendwie starken Probleme mit dem Natrium-Kalium Haushalt (Niere) sind und der Therapeut das auch sinnvoll bewerten kann. Cortisol und DHEA-S sind wichtig für die Bewertung der Nebennieren-Situation, weswegen auch die Abnahme vor bzw. bis 8:00 Uhr so wichtig ist.

Für eine Basis-Diagnose bei unklaren Beschwerden würde ich selber mindestens die Optimal-Version bestimmen lassen. Die Werte aus der Gruppe ‘Maximal’ können je nach ‘Optimal’-Blutwerten bzw. Anamnese gleich oder ggf. später ermittelt werden.

Und noch mal, ganz wichtig: Nüchtern messen lassen – kein Essen bzw. Frühstück, keine NEM, keine SD-Hormone, keine Hormon-Cremes & ein großes Glas Wasser am Morgen! Am Vorabend jedoch alles wie gehabt. Unbedingt jedes mal exakt so verfahren – andernfalls ist eine Korrelation der Blutwerte bzw. der Entwicklungen nur schwerlich möglich.

Und die (anderen) Vitamine?

Vom Messen der (anderen) Vitamine (B’s, C, E, K) halte ich nicht viel. Die Tests haben alle Ihre Eigenheiten und die guten Werte kennt kaum einer – wie auch nicht die Auswirkungen der Einnahme eines Multivitamins z.B. 1 Tag oder am Vorabend vor dem Test. Ob dann die inaktiven Formen, die aktiven, ein Speicherwert oder die ‘Tagesverfassung’ getestet wird – weiß auch kaum einer, der sich nicht explizit mit der Labor-Analytik beschäftigt hat. Wer Angst vor Vitamin-Mangel hat – dem würde ich eher die Einnahme eines B-Komplexes, von Vitamin C, K2-MK7 sowie ggf. einem gemischten E-Komplex nahelegen.

Aus meiner Sicht machen ‘fürs erste’ nur Vitamin D & B12 wirklich Sinn. Einen Folat und B6-Mangel sieht man dann spätestens an einem erhöhten Homocystein – und kann dann immer noch genauer schauen. Andere Mängel (bzw. fehlende Zufuhren) können auch über Cronometer grob überprüft werden.

Was kostet der Spaß? Und warum sollte ich die ganzen Hormone messen?

Das Steroid-Hormonsystem (Einfach). Anm.: Blaue Kästen sind Hormone die von der Nebenniere gebildet werden.

Das Steroid-Hormonsystem (Einfach). Anm.: Blaue Kästen sind Hormone die von der Nebenniere gebildet werden.

Kosten für das Minimal-Programm inkl. Steroid-Hormone? Ich denke mal so um 300€ mindestens, da gerade einige Schilddrüsen- und Hormonwerte nicht ganz günstig sind. Auf die Hormon-Werte würde ich jedoch im allgemeinen für eine grundlegende Basis-Diagnose nicht verzichten wollen – zu viel kann hier anbrennen, speziell bei Frauen, welche die hormonelle Verhüten, bei Männer und Frauen in den Wechseljahren, mit viel Stress, Schwermetall-Belastung – und vielen anderen Sachen.

Das nebenstehende Bild zeigt dann auch mal wie das mit dem Hormonsystem so in etwa abläuft und warum genau die oben aufgeführten Werte gemessen werden. Denn mit diesen kann man erst einmal grob schauen, wo ggf. was fehlt (am Anfang) oder wo irgend etwas ‘nicht weiter geht’. Fehlt es:

  • am Grundstoff, dem Pregnenolon – dann geht gar nichts.
  • Fehlt Progesteron, dann ist die ganze Cortisol-Achse gestört und
    • damit wichtige Teile der Immun-Modulation (-> gegen Entzündungen),
    • Teile derEnergiebereitstellung (-> Regulation Insulin- und Glucose-Stoffwechsel),
    • sowie der Blutdruck-Regulation (-> viel Corti = hoch, wenig = niedrig)
  • Fehlt DHEA, dann wird ggf. nichts nicht mit Testosteron & Co.
  • Etc.

Das Bild und die Werte in möglicher Gänze zu interpretieren und auch auf ggf. seltene Gen-Polymorphismen zu schließen (z.B. Kryptisches AGS), erfordert dann jedoch einiges an Erfahrung. Das alles genauer zu erklären liegt dann außerhalb des Fokus dieses Artikels und wird ggf. ein Thema in der Zukunft sein. Aus meiner Erfahrung sind jedoch die meisten Ärzte, auch Endokrinologen, oft mit der Auswertung überfordert – weil schon am Anfang nur Einzelwerte gemessen werden.

Welche weiteren Werte halte ich noch ggf. für sinnvoll?

Wer die Ausgabe nicht scheut der kann die Maximal-Version der obigen Liste machen lassen, sowie ein:

  • Aminogram (Übersicht der Aminosäurenanteile im Blut)
    • Aus meiner Sicht sehr sinnvoll, ggf. schon bei den Basiswerten!
    • Alternativ das Gesamt-Eiweiß, wobei das auch durch Entzündungen erhöht sein kann.
  • Oxidativer / Nitrosativer Stress
    • Minimal: Coenzym Q10
    • Optimal dazu:
      • GSH / GSSG (Gluthation reduziert / oxidiert) – mein Liebling
    • Luxus dazu (eher bei CFS, MCS, EHS, Schwermetall-Belastung):
      • SOD1 (Aktivität der Kupfer-Zink (Cu-Zn) Superoxid-Dismutase)
      • GPx (Gluthation Peroxidase in roten Blutzellen und Plasma)
      • ATP in Leukozyten (Mitochondrienfunktion)
      • PerOx (Lipidperoxidation -> Plasmamembranen & Lipide)
      • Nitrotyrosin (Nitrosativer Stress)
      • Thiole (Kontrolle Schwefelmangel zur Entgiftung)
  • Entzündungesmarker & Immunsystem Erweitert
    • RANTES (Entzündungsherde im Kiefer)
    • TH1/2/17 Profil
    • IL-10 (Moduliert Entzündungen)
    • IL-6 (Maker erhöhter Entzündungen)
    • IL-1ß, 2, 4, IL-17a (Komplexer….)
    • IP-10 (Interferon-Gamma Induced Protein 10 kD, CXCL10)
  • Energiestoffwechsel Erweitert bzw. “Krebs-Marker”.
    • Laktat / Pyruvat Quotient (Anaerobe Glykolyse, ‘Übersäurerung’ der Zellen)
    • M2PK (Funktion Pyruvat-Kinease, Mitochondrien-Funktion, Anaerobe Glykolyse)
  • Allergiediagnostik
    • Histamin (Serum)
    • IgG (wobei das schon ein eigenes Thema ist…)
  • Prostata (Mann ab 45 Jahre)
    • PSA (wobei der absolute Wert nicht unbedingt relevant ist – jedoch der relative Vergleich zum eigenen Vorwert)

Was ich unbedingt machen würde ist zudem ein:

  • HPU-Test 24h Sammelurin (Keac)
    • Aus meiner Sicht elementar wichtig…

Je nach Symptomen können dann noch spezielle Profile erstellt werden:

  • Neurotransmitter Profil (z.B. NeuroSpot 24, Neuro-Balance-Profil, Burnout-Kombitest)
    • Also Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin
  • Cortisol-Tagesprofil (ist bei NeuroSpot (+ DHEA) & NeuroBalance Profil bzw. Burnout-Kombitest enthalten)
    • Meist Morgens, Mittags, Abends
  • Darmflora Untersuchung (z.B. Kyber Status, Kyber Kompakt und sIgA-Wert beim Institut für Mikroökologie)

Das hier ist aber nicht mehr unbedingt günstig und teils auch nur über einen Arzt zu beziehen (-> NeuroSpot, NeuroBalance).

Zudem kann man auch einen Haar-Test machen, mein absolutier Liebling! Aber Vorsicht: Nicht alle Haar-Tests sind gut und Laien können aus meiner Sicht die Werte nicht sinnvoll auswerten und zieht dann oft viele falsche Schlüsse daraus. Ich selber habe mich in die Thematik mit mehreren hundert Stunden eingearbeitet und inzwischen >> 50 Haar-Tests ausgewertet. Ohne breites Verständnis der Zusammenhänge und die richtigen Fragen an die Menschen von denen die Haare kommen kann es viele Fehlschlüsse geben.

Fehlen da nicht viele Werte?

Also z.B. die anderen B-Vitamine (1, 2, 3, 5), Vitamin E, K, A, Spurenelemente wie Lithium und Chrom und so weiter?

Dazu kann ich nur schreiben: Hier geht es um eine sinnvolle und bezahlbare Basis-Diagnose. Spurenelemente wie Lithium und Chrom sind dann zwar sinnvoll, aber nicht sinnvoll mit Blut-Tests zu bestimmen. Bei Vitamin A (Retinol) ist nur der Momentan – aber nicht der Speicherwert (in Deutschland) messbar. Die anderen B-Vitamine sind zwar kritisch, aber normal nicht im krassen Mangel wie ggf. B12, Folat und B6 (letzteres durch die HPU).

Wichtig ist aus meiner Sicht: Immer den großen Kontext im Blick zu haben und zu Anfang nicht gleich zu stark ins Detail abzugleiten.

Wie werte ich das alles aus? Was weist auf was hin?

Puhh… jetzt wird es kompliziert. Oben bei den Werten habe ich viele meiner Artikel verlinkt – in den meisten steht was zu den Blutwerten und der Diagnostik. Grundsätzlich sollte man aufmerksam werden, wenn irgendwo Werte außerhalb der Referenzwerte sind, denn das ist meinst schon ein irgendwie schlechtes Zeichen – dem nachgegangen werden sollte.

Ansonsten sind meine eigenen persönlichen Zielwerte (also bezogen auf mein Alter, meine eigenen Baustellen und mein Geschlecht) folgende:


Hinweis: Der ausgeblendete Abschnitt mit “meinen” Blutwertzielen ist nur für eingeloggte Unterstützer sichtbar…


TNF-α (Zytokin) induzierter Cortisolanstieg (Progesteron-'Steal') mit Erniedrigung von DHEA, Testosteron und weiteren Steroid-Hormonen.

TNF-α (Zytokin) induzierter Cortisolanstieg (Progesteron-‘Steal’) mit Erniedrigung von DHEA, Testosteron und weiteren Steroid-Hormonen. Bild basierend auf Baehr [11] & Straub [15].

Einige Werte müssen jedoch im Kontext zueinander betrachtet werden – und u.a. mit denen aus dem großen Blutbild – wie z.B. bei Eisen.

Cortisol sollte am Morgen (8 Uhr) am höchsten sein. 16-22 µg/dl ist da für mich ein guter Wertebereich – deutlich mehr weißt meist auf irgend einen ‘Stress’ bzw. eine Entzündung hin. Niedrige Werte weisen oft auf ein Nebennieren-Problem oder auch zu wenig Progesteron hin – weswegen man immer ‘alles’ messen sollte.

Es kann aber auch solche Sachen wie im Bild nebenan geben – wo durch eine (chronische) Entzündung Cortisol steigt und viele anderen Hormone senkt (-> im Englischen ‘Pregnenolone Steal’). Deswegen ist auch TNF-alpha als Luxus-Wert dabei, denn TNF-alpha reagiert schneller auf (bestimmte) Entzündungen als hsCRP.

Bei den Hormonwerten hängen diese (bzw. sinnvolle Wertebereiche) zusätzlich von Geschlecht, Wechseljahren, Schwangerschaft und Alter ab – zu komplex für diesen Artikel. Oft sind hier leider auch schon die Referenzwerte nur noch Leidenswerte. Hier muss auch viel im jeweiligen Alters- und Geschlechtskontext betrachtet werden, z.B. Prä- oder Post Menopause, Schwangerschaft und Stillzeit. Dazu, also zum Steroid-Hormonsystem, mache ich noch mal eine eigene Artikel-Serie – welche auch für die Testo-Fraktion sehr wichtig ist, denn die kommt auch in die Wechseljahre – und die Wechseljahre sind keine ‘Herren-Jahre’ 😉

Alles ist Relativ – Wer misst misst Mist!

Wer Blutwerte misst, der denkt ggf. das es einen guten und einen schlechten Wert gibt. Das ist aber nicht so einfach! Für einige Blutwerte gibt es halbwegs vernünftige Bereiche – für andere (selten gemessene) faktisch gar nicht. Die Messtechnik ist teils unterschiedlich – und wie schon weiter oben beschrieben, abhängig von vielen Variablen. Messe ich das gleiche Blut in zwei Laboren – bekomme ich andere Ergebnisse. Aber es gibt noch andere Parameter:

  • So gibt es zwar Norm- und Referenz-Werte.
  • Dann muss bedacht werden, das einige Blutwerte bei einer Krankheit anders sind (z.B. hsCRP, TNF-alpha) –
    • und wieder andere beeinflussen (z.B. Ferritin, Coeruloplasmin, etc.).
  • Dann beeinflussen Supplemente die Blutwerte auch noch
    • Und keiner weiß so richtig, wann und wie lange die vorher abgesetzt werden sollten – weil, was will man denn eigentlich messen?
  • Dann beeinflussen Supplemente teils auch die Analytik
    • z.B. geht Messen von Q10 bei 200 mg / Tag (Ubiquinol-) Einnahme teils schief, wenn es nicht min. 36 h vorher abgesetzt wird.
    • Biotin über 5 mg / Tag soll auch nicht gut sein – 1 tag vorher absetzten oder reduzieren.
    • Keiner, auch die Labore nicht, kann genau (vorher) sagen, wo Grenzen liegen und was die vielfältigen Interaktionen sind.

Ich könnte noch mehr schreiben – möchte das hier an diesem Punkt jedoch nicht. Ich möchte ja die Blutwert-Analytik nicht madig machen – aber man sollte Sie nehmen für was Sie ist: Ein ‘ungefähres’ Hilfsmittel. Das sollte auch dem Arzt klar sein: Er behandelt einen Patienten mit Symptomen bzw. Krankheiten – keinen Laborzettel!

Blutwerte können in Teilen durchaus individuell sein. Wer mit viel Mikronährstoffen supplementiert – der hat oft super Blutwerte – das sagt jedoch nichts darüber aus, das sein Körper in Kern ggf. krasse Probleme, z.B. mit Zink & Vitamin B6 hat – z.B. bei einer HPU. Supplemente können also Symptome bzw. schlechte Werte verdecken. Wer nun auf die Idee kommt alles 2 Wochen vor dem Bluttest absetzten… – also ich würde das selber nicht unbedingt machen. Macht auch keiner mit Medikamenten! Also messen viele unter ‘Supplementation’ – was bei der Auswertung der Werte natürlich auch im Hinterkopf (des Therapeuten) sein sollte.

Dann auch wieder die Frage: Was will ich eigentlich messen? Wie gut das Supplement anschlägt? Meinen Krankheitsstatus ohne Supplement?

Ich hoffe ich habe dem Leser hier noch einige interessante Überlegungen mit auf dem Weg gegeben: z.B. dass man auch ‘relativ’ messen kann. Ich messe Zink, nehme dann für 8 Wochen so und so viel mg pro Tag und messe noch mal. Dann weiß ich (ungefähr) was diese Intervention >>bei mir!<< gebracht hat. Diese Dosierung von Zink bezogen auf meinen Ausgangswert ist aber nicht auf andere Menschen mit anderem Zink-Status, ggf. HPU und anderem Darm und anderer Ernährung (ggf. mehr Phytinsäuren) übertragbar….

Mein Fazit

Labordiagnostik & Blutwerte sind schon eine tolle Sache – diese funktionieren jedoch am besten ganzheitlich:

  • Ganzheitlich in dem Sinne, das auf die wichtigsten Parameter des gesamten Systems geschaut wird
    • und dann noch die zusammenhängenden Werte der ‘Subsysteme’,
    • wie z.B. dem Steroid-Hormonsystem oder der Schilddrüse.
  • Ganzheitlich auch in dem Sinne, dass dem Messenden bewusst ist, dass dieses auch nur wieder eine ‘Teilschau’ ist.
    • also ein Teil der Werte
    • und ein Teil der Systeme

Natürlich muss der Therapeut – oder interessierte Laie – diese Werte auch alle interpretieren können. Leider bekommt das (meiner Erfahrung nach)  kaum ein Arzt ‘hin’ – bzw. kann sich Kassen-Systemisch bedingt die Zeit für eine umfassende Analyse nehmen. Schon bei so wichtigen und alltäglichen Sachen wie der Schilddrüse, aber auch Eisen und Kupfer werden ja oft die Blutwerte und deren komplexen Zusammenhänge & Interaktionen nicht verstanden (-> also auf dem Level, wie er hier in den Blog-Artikeln beschrieben ist). Beim Hormonsystem wird es dann ganz gruselig… und ich spreche hier aus Erfahrung.

Insofern appelliere ich an jeden Leser hier, sich selber in die Thematik einzuarbeiten. Auch mit der künstlichen Intelligenz & Co. wird es in Zukunft aus meiner Sicht (als Informatiker) nicht so schnell viel besser werden. Denn werden Algorithmen (absichtlich oder unabsichtlich) mit den falschen Daten gefüttert – dann kommt eben auch das Falsche raus. Zudem ist die Blutwertmesserei teils auch ziemlich relativ wie im vorherigen Absatz beschrieben. Blutwerte ohne eine vollständige Anamnese zu interpretieren und dann auch den zugehörigen Menschen nie gesehen zu haben… das ist so eine Sache…

Zudem denke ich, dass gerade viele große P****a-Firmen kein Interesse daran haben, dass auf einmal Ihre patentierten Produkte auf einmal gar nicht mehr benötigt werden – weil man viele Zusammenhänge besser versteht und dann günstigst mit nicht patentierbaren Lifestyle-Änderungen und Mikronährstoffen behandelt.

 


Links / Quellen 

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