Kupfer Teil 2: (Blutwerte)-Diagnostik, Coeruloplasmin, ‘freies Kupfer’ und Haar-Analyse

Von | 23. Oktober 2019

Kupfer & Coeruloplasmin – nicht zu viel (u.a. aus Rohren & Kochgeschirr) und nicht zu wenig. Quelle: Pixabay

In diesen zweiten Teil über Kupfer möchte ich alles in Bezug auf die Diagnostik besprechen – also wie man (hoffentlich) feststellen bzw. bestimmen kann, ob ausreichend, zu wenig oder deutlich zu viel Kupfer im Körper ist.

Das Problem in Kürze: Der Nachweis von zu viel Kupfer ist leider durchaus schwierig bzw. diffizil – wie ich in diesem Artikel demonstrieren werde. Wer hier nur auf den Serums-Wert von Kupfer (Blut-Diagnostik) schaut, die Interaktionen nicht kennt – der kann aus meiner Sicht sehr, sehr schnell Fehlschlüsse ziehen und supplementiert dann Kupfer – obwohl nie ein Mangel da war oder ist. So sind die Thmen dieses Artikels:

  • Krank durch zu viel Kupfer?
  • Ein Beispiel für falsche Schlüsse
  • Einführung in Coeruloplasmin bzw. Ceruloplasmin (CP)
  • Was macht (falsche) hohe- und niedrige CP-Werte?
  • Kupfer (im Serum) – viel Blutwert-Voodoo – und ein paar Ausblicke (Haar-Test)
  • Morbus Wilson – die Kupferspeicherkrankheit & andere Krankheiten
  • Freies Kupfer zur Bestimmung der Kupferlast – ein Mittelweg?
  • Der Gegencheck: Wie ist der Zink- und Molybdän-Status?
  • Kupfer & Ceruloplasmin – Tips zum erhöhen & erniedrigen
  • Kupferüberladung & Schwermetall-Vergiftung
  • Kupfer-Supplemente, Leber, Innereien und Kupfer-Mangel

sowie mein übliches Fazit und ein paar Gedanken zu Kupferüberladung & Schwermetall-Vergiftung sowie Kupfer-Supplementen, Leber, Innereien und angeblichem Kupfer-Mangel.

Ach ja: Zum Teil 1 gehts hier.

Krank durch zu viel Kupfer?

Zu wenig ist nicht gut, aber zu viel (überschüssiges) Kupfer noch viel weniger. Kupfer ist ein starkes Oxidanz (u.a. Beförderung der Fenton-Reaktion, oxidativer Stress) und fördert die Gewebeentzündung. Kupfer wirkt anti-mikrobiell (s. Kupferspirale und Spritzmittel) und reagiert mit schwefelhaltigen Gruppen von Proteinen/Enzymen, welche dadurch schlechter funktionieren – wodurch (und das ist mir wichtig) die Entgiftung wohl schlechter wird. Es schädigt durch Lipid-Peroxidation auch Zellmembranen und DNA. Zu viel Kupfer führt (wie auch Quecksilber) zu psychischen Veränderungen  und vielem mehr, wobei ich die Details dazu schon in meinen ersten Teil zu Kupfer beschrieben hatte.

Überdies wird Kupfer wohl im Gewebe (Haut), in den Gelenken, in der Leber und im Nervensystem deponiert. Levy [30] geht sogar so weit und schreibt, das es faktisch unmöglich sei in einem Kupfer-Mangel zu kommen. Zudem sei ein hoher Spiegel an Kupfer (wie auch bei Eisen) mit den aggressivsten Arten von (metastasierendem) Krebs assoziiert. Aus seinem Buch [30] (übersetzt mit deepl.com):

“Ganz im übertragenen Sinne ist das Einzige, was durch die Supplementation mit Kupfer erreicht wird, die Erhöhung des oxidativen Stress im gesamten Körper

Autsch!

Ein Beispiel für falsche Schlüsse

Ich habe mich bezüglich der Messung bzw. Analyse der Kupfer-Belastung sowie der Kupfer-Versorgung eines Menschen (-> zu viel, zu wenig, o.k.) durch einiges an Büchern, Podcasts und Studien ‘gequält’. Definitives bzw. befriedigendes habe ich jedoch nicht gefunden.

Es gibt zwar verschiedenste Ansätze bei der Diagnostik – wobei aber die Limitationen dieser Verfahren oder Methoden in Grenz- oder Zweifelsfällen aus meiner Sicht unzureichend beschrieben sind und dann zu (durchaus gefährlichen) Fehlschlüssen führen können. Auch in einem Podcast zwischen Dr. Mercola und Dr. Walsh, der sich sehr Stark mit Blutwert-Diagnostik beschäftigt, kam das Thema ‘Messen von Kupfer’ auf – wobei keiner der Beiden zufrieden mit dem Stand der Diagnostik war und beide nichts zu dem hinzufügen konnte was ich auch schon (nicht) wusste.

Zwar kann man wohl mit einer Biopsie recht gut feststellen wo zu wenig oder zu viel Kupfer z.B. in der Leber, ist – jedoch halte ich das für einen ziemlich krassen Schritt. Wie schnell man ‘daneben’ liegen kann will ich hier eingangs denn auch aufzeigen. Als (für mich durchaus repräsentatives) Beispiel dienen mir die Werte eines Menschen den ich kenne und dessen Werte ich hier auf Nachfrage verwenden darf:

  • Kupfer (Serum) 74 µg/dl (Referenzbereich Labor: 56 bis 111)
    • Also Kupfer eher o.k.? und nicht zu hoch?
  • Coeruloplasmin 0,16 g/l (Referenzbereich Labor: 0,20 bis 0,60)
    • Ggf. zu wenig Kupfer? weil zu wenig Coeruloplasmin?
  • Kupfer frei 19 µg/dl (Normbereich für freies Kupfer nach [2] Optimal: < 15 µg/dl, erhöht > 25 µg/dl)
    • Was ca. 25,67 % freies Kupfer wären – ganz schön viel…. Also Kupfer ggf. doch recht hoch?

Haar-Analyse mit wohl deutlicher Kupfer-Überladung.

Wenn nur auf die reinen Blutwerte geschaut wird, dann denken sicher viele: Nix schlimmes, alles o.k., zu wenig oder zu viel – das komplette Verwirrspiel. Auf jeden Fall scheint das Kupfer aber nicht ‘krass zu viel’…..

Wenn ich dann aber auf die Haar-Analyse des gleichen Menschen schaue, dann bleibt mir der Atem stocken: Sehr hohe Kupfer-Werte im Haar. Nach A. Cutler deuten solche Werte (bzw. alle über 60) mit >97.5% Wahrscheinlichkeit auf eine massive Kupfer-Überladung hin. Das ganze wird zudem dadurch unterstützt, das der Mensch wohl auch eine deutliche Quecksilber-Belastung mit entsprechender Vergangenheit (Amalgam) hat, welche im Regelfall zu einer verminderten Ausscheidung (bez. einer starken Anreicherung) von Kupfer im Körper führt [3].

Passend zum Beispiel ist, das A. Cutler dann auch (1999) schreibt, das die Blut- und Urin-Tests nicht befriedigend sind und die Haar-Analyse das wohl beste Mittel ist um die wirklich Belastung des Organismus mit Kupfer festzustellen. Hätte ich jetzt noch Urin-Werte und eine Biopsie der verschiedenen Organe, dann könnte man diese Aussage bzw. diesen Gedanken gut verifizieren.

Einführung in Coeruloplasmin bzw. Ceruloplasmin (CP)

Bevor ich in die Blutwert-Diagnostik ein- bzw. hinabsteige, möchte ich in einen wichtigen Faktor in Bezug auf Kupfer einführen bzw. dieses kurz vorstellen: Coeruloplasmin (CP).

CP ist ein Enzym (Protein), das an Kupfer gebunden, für den Transport des Kupfers (aber auch Eisen) im Blut verantwortlich, und mindestens 125 weitere Interaktionen mit anderen Proteinen im Körper hat. Je nach Angabe sind wohl ca. >=90-95% des Kupfers  im Blut an CP gebunden [2][4][7]. Wenn CP niedrig ist, dann bedeutet dies mehr so-genanntes ‘freies Kupfer’ im Blut, was dann auch wieder mehr freie Radikale (Reaktive Sauerstoff-Spezies, ROS) zur Folge hat. Sehr wichtig ist bei CP jedoch die Funktion in Bezug auf (intrazelluläres) Eisen bzw. im Eisen-Metabolismus [25]:

“Under normal conditions, ceruloplasmin oxidizes ferrous iron into the ferric form, keeping the level of dangerous ferrous iron within the cell to a minimum”.

So können Störungen bei CP (bzw. den Genen) zu einem verminderten CP-Enzym (-> Ferroxidase) und damit einer Eisen-Akkumulation in Zellen führen. Mehr (bzw. zu viel) Eisen in dem Zellen -> mehr oxidativer Stress, was dann wohl auch wieder in Verbindung mit Parkinson & Co. steht. [25]

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