Quecksilber, Toxizität & Formen: Anorganisch (Hg2+), Organisch ((R)Hg+), Elementar (Hg0), Mechanismen, Nachweis, Symptome, Diagnose, Cutler & Co.

Hg-Ausgasungen von einem 50 Jahre alten Zahn mit Plombe, der 15 Jahr vor der Aufnahme entfernt wurde.

Hg-Ausgasungen von einem 50 Jahre alten Zahn mit Plombe, der 15 Jahr vor der Aufnahme entfernt wurde.

Es gibt viele Schwermetalle, die sich bei uns durch Nahrung und Umweltfaktoren anreichern können: Arsen (u.a. Reis, Wasser in Entwicklungsländern), Blei (Munition, verbleites Benzin, alte Wasserleitungen), Cadmium (u.a. Schokolade aus Südamerika), etc. Es gibt jedoch ein Schwermetall, das viele zellbiologische Prozesse im Körper massiv stört, das sehr schwer wieder ‘loszuwerden’ ist und das sicher >30 Millionen Deutsche in Ihren Körper (-> Zähne) eingebaut bekommen haben und was teils dort immer noch verweilt: Quecksilber (Hg).

So ist die Quecksilberexposition die zweithäufigste Ursache für toxische Metallvergiftungen [1], wobei die primären Quellen Amalgam-Füllungen und inzwischen auch Fisch sind. Speziell bei Menschen die mal für 1-2 Jahre regelmäßig Thun- und / oder großen Raubfisch gegessen haben, sehr beliebt im Bereich Body-Building und Kraftsport, kenne ich hohe Methyl-Quecksilberwerte aus der Haar-Analyse. Aber auch durch gestreckte Hanfprodukte [12] kann dies hervorgerufen werden. Was Quecksilber von den meisten anderen Schwermetallen unterscheidet, ist, dass es

  • in verschiedenen Formen vorkommt,
  • die sich im Körper ineinander umwandeln können,
  • es die Blut-Gehirnschranke überwindet,
  • sich dort in Astrozyten und Mikroglia anreichert, Enzyme hemmt, Biomoleküle oxidiert,
  • je nach Form nur schwer mobilisiert und ausgeleitet werden kann – speziell aus dem Gehirn – und
  • je nach Form entweder primär über Niere oder Leber und mittels Galle (-> in den Dünndarm) ausgeschieden wird,
  • wobei es sich u.a. gerne in der Niere akkumuliert.

Worum geht es nun in diesem Artikel?

  • Die verschiedenen Formen von Quecksilber
  • Elementares (metallisches, flüssiges) Quecksilber oder Quecksilberdampf (Hgº)
  • Anorganisches Quecksilber (Hg++)
  • Organisches Quecksilber (RHg+)
  • Wer misst misst Mist – Quecksilber zu messen ist nicht trivial
  • Mechanismen der Quecksilber-Toxizität
  • Zwischen-Zusammenfassung: Quellen, Wege der Absorption, Verteilung und Ausscheidung
  • Folgen & Symptome einer Quecksilber-Vergiftung
  • Die Diagnose von Hg-Belastungen bzw. Intoxikationen
  • Welche Ansätze gibt es, das Hg wieder aus dem Körper zu bekommen?

Am Ende des Artikels findet Ihr dann mein übliches Fazit.

Die verschiedenen Formen von Quecksilber – eine Übersicht

Quecksilber kommt in der Umwelt in drei Grundzuständen vor, wobei jede Form ein individuelles toxikologisches Profil und metabolisches Schicksal im Körper hat. Für diesen Artikel versuche ich, das alles auf das ‘Relevante’ einzukürzen. Wer um die Unterschiede nicht bescheid weiß, der zieht oft falsche Schlüsse und versteht die ‘falschen’ Argumentationen in der Diskussion um die Toxizität nicht. [1][5][10]

  • Atomares Quecksilber (flüssig) bzw. Quecksilberdampf (Hgº)
    • Speziell die Dampf-Form des Hgº ist gefährlich,
      • weil die Lunge es aufnimmt und es über den ganzen Körper verteilt wird (-> Risiko bei der Amalgam-Entfernung).
      • und weil dieses Fettlöslich ist und damit die Blut-Hirn-Schranke und biologische Barrieren überwinden kann.
    • Der Metabolismus oxidiert Hgº zudem zum (‚fiesen‘) anorganischen Hg++.
    • Dabei erreicht oft eine Menge Hgº das Gehirn, bevor es (dann auch dort) in Hg++ umgewandelt wird.
  • Anorganisches Quecksilber (Hg2++ und Hg2+ oft auch als Hg++ vereinfacht)
    • Ist eine Verbindung von Hgº mit anderen Elementen außer Kohlenstoff, wie z.B. das Quecksilber in den Amalgam-Füllungen.
    • Es ist nach Cutler das ‚eklige giftige‘  Zeug.
    • Wer das anorganisches Quecksilber schluckt, absorbiert es aber nicht sehr gut (was von Vorteil ist).
    • Hinweis: Hg bildet zwei Ionen; Hg++ (-> Hg2+), und das Hg-Ion, von dem man erwarten würde, dass es Hg+ ist, das aber [Hg-Hg]++ ist (-> Hg2++).
  • Organisches Quecksilber (RHg+, wobei ‘R’ ein Kohlenstoff-‘Dings’ ist)
    • Das Kohlenstoff-‘Dings’ kann in verschiedenen “Konfigurationen” vorliegen, die häufigste Form ist das Methyl-Hg.
    • Der Darm absorbiert organisches Hg sehr gut.
    • Solange es in organischer Form bleibt, ist dieses Quecksilber nach Cutler ’ungiftiger‘  als Hg++
      • allerdings ist dieses neurotoxischer und hat eine erhöhte Fähigkeit, Plasmamembranen und die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, 
      • weil es Fettlöslich ist.
    • Das organische Quecksilber De-Methyliert jedoch mit der Zeit im Körper zu anorganischem Quecksilber (Hg++) und dann macht es die ganz großen Schäden.

Das organische Quecksilber unterteilt sich dann noch in verschiedene konkrete Formen, wobei hier zwischen Alkyl- bzw. Phenylgruppen unterschieden wird, worauf ich hier jedoch nicht mehr im Detail eingehe. So werden Phenylquecksilber-Verbindungen hauptsächlich als Konservierungsstoffe in der Medizin eingesetzt [14]. Folgende andere organische Alkyl-Hg-Verbindungen sind außerdem noch relevant:

  • Methyl-Hg (CH3Hg+ oder im Blog auch MeHg abgekürzt) – als primär-problematische Variante.
    • Methyl-Quecksilber wird u.a. von Bakterien in Mund und Darm aus atomarem und anorganischem Quecksilber gebildet.
    • U.a. sehr viel in Thunfisch, Schwertfisch und Hai.
  • Ethyl-Hg (C2H5Hg oder EtHg im Blog)
    • Ist eine synthetische Form von Quecksilber, z.B. als Thiomersal in (alten) Impfungen und immer noch in Desinfektionsmitteln & Kontaktlinsen-Flüssigkeiten
    • Ethyl-Hg ist um Faktoren mehr (Neuro-) Toxisch als Methyl-Hg. Schon eine einfache “Impfung” (u.a. alte Tetanus-Impfungen) kann auch im Erwachsenenalter schwerste neurologische Probleme erzeugen, wie in der Dokumentation “Trace Amounts” dokumentiert [18].
  • Di-Methyl-Hg (CH3)2Hg
    • Ein absolutes Ultragift. Nochmals giftiger als Ethyl-Hg.

Folgendes passiert nun:

  • Sobald wir etwas organisches Quecksilber essen, bekommen wir eine Quecksilbervergiftung davon – weil es sehr gut aufgenommen wird.
  • Die anorganische Form hat es jedoch schwer, vom Körper aufgenommen zu werden und in das Gehirn zu gelangen – ist aber ‘eigentlich giftiger’.
  • Die metallische Dampfform (u.a. aus Amalgam-Füllungen) und die organische Form gelangen jedoch leicht in das Gehirn und
    • können dort zu der anorganischen Form oxidiert werden und das Gehirn ‘durcheinander bringen’.

Das Problem bei organischen Verbindungen ist also insbesondere die Überwindung der Blut-Hirn-Schranke. Einmal im Gehirn kann es sort über oxidation seinen primären Schaden anrichten.

Elementares (metallisches, flüssiges) Quecksilber oder Quecksilberdampf (Hgº)

Ist in alten Thermometern, Barometern, Zahn-Amalgam und war in Latexfarbe enthalten, geht schließlich in einen dampfförmigen Zustand über, was auch der Grund ist, wie – neben dem Abrieb und durch Säuren – dass Quecksilber aus der Amalgam-Füllung in den Körper kommt. Sehr gut ist dies auch auf dem eingangs gezeigten Bild zu sehen. So werden [1]:

  • bis zu 80% des eingeatmeten (elementaren) Quecksilberdampfes absorbiert und kann nebenbei die Blut-Hirn-Schranke überwinden oder die Plazenta erreichen.
  • Quecksilberdampf im Magen-Darm-Trakt wird in Quecksilbersulfid umgewandelt und mit den Fäkalien ausgeschieden.
  • Quecksilberdampf in den Nieren, dem Hauptspeicher für elementares Quecksilber, wird jedoch als fettlösliches Gas in alle Teile des zentralen Nervensystems transportiert.
  • Quecksilberdampf kann durch Katalase zu anorganischem Quecksilber oxidiert werden und hat eine hohe Affinität zu Thiolgruppen (-> schwefelhaltige SH-Gruppen) von Proteinen, Enzymen und Glutathion.

Elementares Quecksilber kann auch durch Mikroorganismen im Boden und Wasser und möglicherweise dem menschlichen Magen-Darm-Trakt methyliert, also in organisches Hg umgewandelt, werden. [1]

Anorganisches Quecksilber (Hg++)

Quecksilber in der anorganischen Salzform ist das ‘eklige, giftige Zeug’ und findet sich teils immer noch in kosmetischen Produkten (‘Skin Whitening’), Abführmitteln, Puder, Diuretika und Antiseptika. Anorganisches Quecksilber kann auch aus dem Metabolismus von elementarem Quecksilberdampf oder Methylquecksilber gebildet werden. Problematisch ist [1]:

  • Obwohl anorganisches Hg normalerweise nicht die Plazenta erreicht oder die Blut-Hirn-Schranke überwindet, wurde es im Gehirn von Neugeborenen gefunden, da die Blut-Hirn-Schranke noch nicht vollständig ausgebildet ist.
  • Eine chronische Exposition gegenüber anorganischen Hg-Salzen wirkt sich in erster Linie auf die Nierenrinde aus und kann sich als
    • Nierenversagen (Dysurie, Proteinurie, Hämaturie, Oligurie, und Urämie) oder mittels
    • gastrointestinaler Probleme (Colitis, Gingivitis, Stomatitis und übermäßiger Speichelfluss) manifestieren.
  • Ausscheidung geschieht primär über den Stuhl, Re-Absoroption im Darm nach Cutler um oder unter 10% [AC10], so dass deswegen keine Bindemittel notwendig sein.

Hg++ wird in der Leber mit Glutathion komplexiert und mit der Galle als Cystein-Quecksilber- oder Glutathion-Quecksilber-Komplex in den Dünndarm ausgeschieden. [1]

Organisches Quecksilber (RHg+)

Organisches Quecksilber gilt als die häufigste Form der natürlichen Quecksilberbelastung (mit Ausnahme von Amalgam) und findet sich in Fisch, Geflügel, das mit Fischmehl gefüttert wurde, Pestiziden, Fungiziden, Insektiziden und Thimerosal-haltigen Impfstoffen, welches es ab ca. 2010 jedoch nicht mehr, zumindest in Deutschland, geben sollte. Problematisch ist [1]:

  • Der Großteil der Toxizität aufgrund von MeHg-Expositionen betrifft das zentrale Nervensystem.
  • MeHg wird im menschlichen Magen-Darm-Trakt fast vollständig (95-100%) absorbiert.
  • MeHg liegt im Körper in Form eines wasserlöslichen Komplexes vor, hauptsächlich mit dem Schwefelatom von Thiol-Liganden,
    • passiert die Blut-Hirn-Schranke und
    • komplexiert mit L-Cystein zu einem Molekül, das Methionin ähnelt (-> und wird dann da eingebaut wo wir es nicht wollen…)
  • MeHg wird über die Plazenta aufgenommen und im fötalen Gehirn in Konzentrationen gespeichert, die die mütterlichen Blutspiegel übersteigen.

Nachdem es aus den Zellen in einem Komplex mit reduziertem Glutathion freigesetzt wurde, wird MeHg im Gallengang zu einem L-Cystein-Komplex abgebaut. So werden dann auch ca. 90% des MeHg über die Fäkalien (bzw. die Galle), nur ca. 10 Prozent des Methylquecksilbers über die Nieren ausgeschieden. Der Rest wird entweder enterohepatisch recycelt (-> wieder aufgenommen) oder durch die Mikroflora im Darm  de-methyliert und (hoffentlich) über die Fäkalien ausgeschieden. Letzteres passiert jedoch sehr langsam: In Tierversuchen wird MeHg mit einer Rate von einem Prozent pro Tag zu Hg++ abgebaut und ausgeschieden. [1]

Die Demethylierung durch die intestinale Mikroflora ist ein entscheidender Schritt bei der Eliminierung von Methylquecksilber aus dem Körper, aber die Forschung hat die Mechanismen oder die Mikroben, die für dieses Entgiftungssystem verantwortlich sind, noch nicht identifiziert. [1] Genau hier sind dann auch Bindemittel für den Darm relevant und interessant.

Ethyl-Quecksilber (C2H5Hg oder EtHg)

EtHg kann in den Geweben in größeren Mengen und schneller als Methylquecksilber in anorganisches Quecksilber umgewandelt werden. Wie bei Methylquecksilber sind die Fäkalien der wichtigste natürliche Ausscheidungsweg der Eliminierung. [1]

Thimerosal, das zu 49,6 Prozent aus Ethylquecksilber (einer Form von organischem Quecksilber) besteht, wird (bzw. wurde) seit den 1930er Jahren als Konservierungsmittel (Anm.: Eigentlich jedoch als ‘verkapptes’ Adjuvanz) in Impfungen verwendet. Bis ca. 2010 wurde es DTaP-, HIB- und Hepatitis-B-Impfstoffen beigemischt oder im Herstellungsprozess von Impfstoffen verwendet, so dass Spuren davon im Endprodukt vorhanden sind bzw. sein können (Anm.: Heute wohl immer noch in Entwicklungsländern). [1]

Basierend auf den in ca. dem Jahr 2000 bestehenden Impf-Empfehlungen des US Centers for Disease Control (CDC) konnte ein typisches sechs Monate altes Kind, wenn es alle Thimerosal-haltigen Impfstoffe erhielt, potenziell 187,5-200 µg Methylquecksilber injiziert bekommen haben – das entspräche mehr als 1,0 µg pro Tag. Diese Menge übersteigt die Referenzgrenzwerte für die Quecksilberexposition, die von der EPA (Environmental Protection Agency – der US Umweltbehörde) herausgegebenen Grenzwerte von 0,1 µg / Kg Körpergewicht & Tag. [1][18]

Ach ja: EtHg verursacht, wie MeHg ebenfalls Nieren- und Zentralnervensystemtoxizität, lagert sich in Leber, Nieren, Haut, Gehirn, Milz und Plasma ab. [1]


Wichtig ist: Die “Impfung” umgeht alle Schutzmechanismen des Körpers. Das Ethyl-Hg gelangt direkt in das But, geht über die Blut-Gehirn Schranke (BHS) und oxidiert dann im Gehirn zum anorganischen Hg und richtet dort großen Schaden an. 


Di-Methyl-Quecksilber (CH3)2Hg

Dr. J. Mutter gibt in einem Seminarscript an, dass es noch das organische Di-Methyl-Quecksilber (CH3)2Hg gibt, was schon in geringsten Mengen tödlich ist [7][8]. Auf noch recht schlecht geklärte Weise kann Mono- in Di-Methyl-Quecksilber verwandelt werden [8], wobei dann die Toxizität um Größenordnungen steigt. Das Di-Methyl-Quecksilber gilt dabei als eine der giftigsten Substanzen im Universum – schon 0,1 mL reichen für eine schwere Hg-Vergiftung, mehr führen zum Tod. Durch Entzündungen und Bakterien, z.B. im Kiefernknochen, scheint nach Dr. Mutter wohl auch im Menschen eine Umwandlung von Mono- zu Dimethyl-Quecksilber ggf. möglich [6].

Wer misst misst Mist – Quecksilber zu Messen ist nicht trivial -> sehr schwierig

Nach Cutler [5] wird über den Urin nur das (anorganische) Hg++ ausgeschiedenen – aber über den Stuhl auch das organische (RHg+). MeHg kann im Darm bis zu ca. 95% re-absorbiert werden [9], das anorganische Hg2+ nach Cutler jedoch kaum.

Im Haar kann nur das Methyl-Hg nachgewiesen werden [3], was Haar-Analysen jedoch nicht wertlos macht, wenn man weiß, wie dort anorganisches Hg (nach Methode von Cutler) auch indirekt nachgewiesen werden kann.

Das Hg im Blut sollte bezüglich Methyl-Hg und anorganischem Hg differenziert werden – etwas, was nach meinen Erkenntnissen nur C. Shade bzw. Quicksilver-Scientific in den USA macht [3]. Problematisch ist hier jedoch, dass sich das Hg im Gehirn, den Bindegeweben und den Organen, u.a. der Niere, intrazellulär einlagert [10] und die Werte im Blut diese Belastung nicht proportional reflektieren – sondern Momentanwerte sind, die leicht beeinflusst werden können. So können z.B. die MeHg-Spiegel schon durch den Konsum einer einzelnen Portion Fisch schnell & länger stark ansteigen [3], sodass eine Korrelation des Spiegels im Blut mit einer potentiellen Körperbelastung noch schwieriger wird – speziell wenn die verschiedenen Formen des Quecksilbers nicht differenziert werden.

Die Ausscheidungs-Kinetik, also die Menge, die über Haar-, Urin und Stuhl ausgeschieden wird, hängt dann noch von den Organfunktionen (u.a. Niere, Leber), dem Stoffwechsel (schnell, normal, langsam), aber auch dem Zell-Glutathion-Spiegel (GSH), der Funktion der Entgiftungsenzyme (u.a. Glutathion-S-Transferasen, GST)  sowie der Membrantransporter (u.a. MRP’s) ab. Dinge wie ein Schwermetall-Mobilisations-Test (mit DMPS, DMSA, etc, ) sind somit aus Cutlers [10, Seite 54] und meiner Sicht ganz ‘übel’ (-> Nebenwirkungen) und führen in der Regel in die Irre – weil die Messwerte von zu vielen Faktoren abhängen und es zu viele falsch-positive gibt.

Optimaler Weise müssten also differenzierte Blut-, Haar- und Urinwerte genommen und verglichen werden, um daraus Rückschlüsse auf die potentielle Gesamtbelastung und auch die Leber- und Nierenfunktion zu ziehen. Etwas was faktisch keiner, außer Quicksilver Scientific in den USA (-> TriTest für 400$), macht.

Wer wie ich außerhalb der USA lebt, sollte aus meiner Sicht bei Zweifel in Bezug auf eine potentiell relevante Hg-Belastung einen Haar-Test machen. Der arbeitet ohne Blutabnahme, reflektiert die MeHg-Belastung recht gut und ermöglichst, über statistische Umwege, in der Regel auch eine Bewertung der anorganischen Belastung. Ein regulärer (nicht mobilisierter) Urin-Test kann nach Cutler jedoch helfen den relativen Fortschritt zu dokumentieren. 

Mechanismen der Quecksilber-Toxizität

DHLA, DMPS und GSH im Vergleich.

Quecksilber kann durch verschiedenste Mechanismen biochemische Schäden an Geweben und Genen verursachen [1]. Hg, speziell MeHg, hat eine hohe Affinität zu so-genannten Thiolen bzw. SH- bzw. Sulfhydryl-Gruppen (u.a. in Cystein, reduzierter Alpha-Liponsäure (DHLA), Glutathion (GSH) und Chelatoren wie DMPS vorkommend). Da SH-Gruppen ebenso wie Disulfidbrücken (-> Verbindungen mit zwei Schwefel-Gruppen) in Proteinen häufig sind, findet das MeHg molekulare Bindungsstellen im ganzen Körper – und kann so z.B. Enzyme deaktivieren. Allerdings findet ein reger Austausch des MeHg zwischen SH-Gruppen statt, so das es zu einer schnellen Umverteilung führt, wenn z.B. neue SH-Gruppen (durch Nahrung) verfügbar werden, denn obwohl die Quecksilber-SH Bindung stabil ist, ist sie in Gegenwart anderer freier SH-Gruppen labil [1]. So verteilt sich das MeHg dann mit der Zeit im Körper und akkumuliert sich u.a. zunehmend im Gehirn. [10][14] Im Gehirn De-Methlyliert MeHg dann mit der Zeit zu anorganischem Hg2+, was seine toxische Wirkung dort vergrößert [16].

Cutler hat es 1999 [10] mal ganz gut beschrieben was Hg grundsätzlich im groben macht:

  • Es katalysiert die Oxidation von wichtigen Teilen des Körpers.
  • Der Teil, den es am meisten durcheinander bringt, sind die Membranen um und in Zellen.
  • Es haftet an Sulfhydryl- (Anm.: Thiol- bzw. SH-) Gruppen, die auf den Membranen vorhanden sind.
  • Dann katalysiert es die Oxidation der ungesättigten Verbindungen in den Membranen,
    • meint: die essentiellen (doppelt ungesättigten) Fettsäuren, die der Körper nicht ersetzen kann (-> die Omega-3’s wie z.B. DHA).
  • Es zerstört auch die Phospholipide (-> u.a. Phosphatidylcholin und Phosphatidylserin), welche die Membranen zusammenhalten.

Auswirkungen von Quecksilber auf das Hormonsystem über De-Regulierung von Hypothese & Hypothalamus und Blockade wichtiger Enzyme und Organfunktionen. Bild Basierend auf Cutler [1]

Wenn die Membran von (Nerven-) Zellen beschädigt ist, können sie ihre Funktion, Signale weiterzuleiten, nicht mehr richtig erfüllen und viele ‘Botschaften’, welche die Zellen weitergeben müssen, werden ‘verstümmelt’ (-> Neurotransmitter, Membranpotentiale). Das ist der Grund, warum neurologische Funktionen so stark betroffen sind, denn das Gehirn ist das Nachrichtenzentrum des Körpers und es reagiert am empfindlichsten. Im Gehirn sitzt zudem der Hypothalamus, wo sich Hg wohl recht gut konzentriert:

  • Der Hypothalamus ist verantwortlich für das Gedächtnis, die Stimmung und Emotionen, Atmung, Herzschlag und,
  • ganz wichtig, die: Hormone bzw. das Hormonsystem [10, Seite 32] welche vieles des Vorgenannten steuern.

Geht etwas in Hypothalamus schief, hat dies über die hormonelle Dysregulation massive Auswirkungen auf andere ‘Sub-Systeme’, da Hormone Teil eines komplizierten Kommunikationssystems sind, das Nachrichten bzw. Regulierungs-Signale weiterleitet, damit der Körper die entsprechende (richtigen) physiologischen Dinge macht. das ist jedoch nicht alles:

  • Auch die Hypophyse [10, Seite 45] ist betroffen , siehe auch nebenstehendes Bild,
  • der dritte craniale Nerv – kontrolliert die meisten Muskeln im Auge,
  • Blockaden im Schwefel-Aminosäuren-Zyklus [10, Seite 36]
  • oft auch Candida, wobei selbst Sonder-Ernährungsformen wie ‘Keto & Low-Carb’ hier nichts bringen, da sich Candida wohl auch gut von Ketonkörpern ernähren kann – denn Candida sind Eukarioten, Mitochondrien – und die können Fette verwerten!
    • Wer dann noch niedrige Neutrophile hat….

Da sich Hg auch in der Leber konzentriert wird hier die Entgiftungsleistung natürlicher und synthetische Chemikalien (u.a. aus der Nahrung) gesenkt – aber auch die Synthese, die Konvertierung und der Abbau von Hormonen. Ebenfalls beeinflusst Hg das Immunsystem über zahlreiche bereits vorgestellte und andere Mechanismen – es führt u.a. dazu, dass es ‘unschuldige Zuschauer’ wie Pollen oder eigene Körperteile angreift (-> autoimmune Problematiken) anstatt Bakterien und anderes.

Quecksilber oxidiert auch Proteine innerhalb von Zellen. Viele Enzyme funktionieren, weil sie ein bestimmtes Metallatom, z.B. Eisen, in ihrer “aktiven Stelle” halten, so dass es sich genau an der richtigen Stelle befindet – um die bestimmte Reaktion zu katalysieren, für die das jeweilige Enzym relevant ist. Hg sitzt gerne in diesen aktiven Stellen – wodurch Enzyme deaktiviert werden. Allerdings wird dadurch das Metall-Ion, z.B. Eisen oder Kupfer, freigesetzt und produziert in Folge weiteren oxidativen Stress, z.B. als ungebundenes Eisen bzw. Kupfer. C. Shade, Ph.D merkt noch an, das wenn dieses in den Mitochondrien passiert, diese anstatt ATP zu erzeugen, das die Zellenergie darstellt, Hg die Elektronentransportkette “Entkoppelt”, so dass die Elektronen, welche durch die Elektronentransportkette fließen, “an der Seite herausspringen” und zu freien Radikalen werden.

Indem es die Oxidation katalysiert, erzeugt Quecksilber auch freie Radikale, welche die DNA mutieren können. Diese Mutationen führen dazu, dass Zellen weniger effizient arbeiten, absterben, oder schlimmer noch, sie krebsartig werden. Quecksilber macht aber noch mehr [1]:

  • die Unterbrechung der intrazellulären Calcium-Homöostase,
  • die Störung des Membranpotentials (Zelle, Mitochondrien),
  • die Unterbrechung der exzitatorischen Aminosäurewege im zentralen Nervensystem (Glutamat/GABA-System),
  • durch Lipid-Peroxidation,
  • eine Zerstörung der Mikrotubulus (Niere),
  • die neurotoxische Akkumulation von Serotonin, Aspartat und Glutamat,
  • etc.

Mit der Zeit werden sowohl MeHg als auch elementarer Quecksilberdampf im Gehirn in Hg++ umgewandelt und fest an sulfhydrylhaltige (Anm.: Thiol bzw. SH-Gruppen) Makromoleküle gebunden. Es wird angenommen, dass die Bindung und Dissoziation dieser Hg-Thiol-Komplexe die Bewegung von Hg und seine toxischen Wirkungen im Körper steuern. Meint: Das Ping-Pong des hin- und hers des Hg vergrößert die Schadenswirkung. Deswegen wird auch oft Hochdosis-Selen gegeben, was das Hg wohl länger stabil bindet – allerdings unter der Problematik, das es dadurch sehr schlecht mobilisier- und ausleitbar wird.

An dieser Stelle höre ich jedoch auf und verweise auf andere Fach-Publikationen, z.B. [14] wo dann noch mehr relevante gute Einführungen angegeben sind. Insgesamt sind die systemischen Auswirkungen von Hg also recht katastrophal.

Zwischen-Zusammenfassung: Quellen, Wege der Absorption, Verteilung und Ausscheidung

Um das bisher vorgestellte zusammen zu fassen hier eine von mit erweiterte / modifizierte Tabelle aus [1]:

Substanz Organisches Hg (RHg+)
meist Methyl-Hg (MeHg oder CH3Hg+)
Metallisches bzw. elementares Hg
(Hgº)
Anorganisches Hg
(Hg++)
Quellen Fisch, Geflügel, Pestizide Zahnamalgam, Kontaktlinsen-Flüssigkeiten!, fossile Brennstoffe, alte Latexfarbe, Thermometer, Verbrennungsanlagen, beruflich Demethylierung von Methylquecksilber durch die Darmmikroflora; biologische Oxidation von elementarem Quecksilber
Absorption 95-100 Prozent im Darmtrakt; 100 Prozent der eingeatmeten Dämpfe 75-85 Prozent des absorbierten Dampfes, aber nur 10% (Re-Absorption) im Darmtrakt [AC1] 7-15 Prozent der verschluckten Dosis werden absorbiert; 2-3 Prozent der dermalen Dosis werden bei Tieren absorbiert
Verteilung Lipophil, im ganzen Körper verteilt; überwindet leicht die Blut-Hirn-Schranke und die Plazentaschranke; reichert sich in Gehirn und Niere an Lipophil, im ganzen Körper verteilt; überwindet Blut-Hirn- und Plazentaschranke; reichert sich in Gehirn, Niere an Überschreitet nicht die Blut-Hirn-Schranke und die Plazentaschranke; findet sich im Gehirn von Neugeborenen; reichert sich in der Niere an
Stoffwechsel Cystein-Komplex, der für die intrazelluläre Absorption notwendig ist; wird im Gehirn durch Gewebemakrophagen, fetale Leber und freie Radikale langsam zu anorganischem Quecksilber de-methyliert Oxidiert intrazellulär zu anorganischem Quecksilber durch Katalase und Wasserstoffperoxid Methyliert durch die intestinale Mikroflora; bindet und induziert die Metallothionein-Biosynthese
Ausscheidung 90 Prozent in Galle, Fäkalien; 10 Prozent im Urin; auch [16][17] Urin, Fäkalien, Schweiß und Speichel Urin, Galle, Fäkalien, Schweiß, Speichel
Ursache der Toxizität De-Methylierung zu anorganischem (zweiwertigem) Quecksilber; Bildung von freien Radikalen; Bindung an Thiole in Enzymen und Strukturproteinen; Überwindung der Blut-Hirn-Schranke Oxidation zu anorganischem (zweiwertigem) Quecksilber Bindung an Thiole in Enzymen und Strukturproteinen

Folgen & Symptome einer Quecksilber-Vergiftung

Der Großteil der Toxizität aufgrund von (Me-)Hg-Exposition betrifft das zentrale Nervensystem. Dort kann es Demyelinisierung (-> Neuronen, Gliazellen, etc.), autonome Dysfunktion, sensorische Nervenleitungsverzögerung, abnormale neuronale Migration und abnormale Zellteilung verursachen. So sind denn auch viele chronische Toxizitätssymptome wie Parästhesien, periphere Neuropathie, Spastik, Gedächtnisverlust, Demenz, beeinträchtigtes Hören, Riechen und Schmecken, Zittern und Depression – mit einer Hg-Belastung assoziiert bzw. kausal mit Ihr verbunden. Nach Cutler sind folgende  Kernbereiche betroffen [10]:

  • Zentrales Nervensystem (u.a. auch Alzheimer, Multiple Sklerose, ALS),
  • Immunsystem (-> Dysfunktion),
  • gastrointestinale Probleme, Candida Pilze, Endotoxine,
  • Störungen der körpereigenen Entgiftung, u.a. gestörter Leber-Metabolismus.

Cutler [10] berichtet dann noch über folgende Symptome & Veränderungen die sich bei den Betroffenen (langsam) einstellen:

  • Erschöpfung und fehlende Motivation, langsames Einsetzen von Depression,
  • reduziert die Weise in der die Opfer im normalen Alltag funktionieren,
  • Interessensverlust in Bezug auf Ihre Umgebung, weniger Lebenslust und Gefühl der Freude, Rückzug aus dem sozialen Leben,
  • Abnahme der Konzentrationsfähigkeit, Rückgang der Intelligenz, speziell das Kurzzeitgedächtnis
  • Gedanken bekommen Repetitiv und pedantisch, Expressivität geht zurück,
  • emotionale Veränderungen, wobei das Opfer denke das Ihr Verhalten Rational, Normal und Gerechtfertigt ist.

Das ganze kann sich u.a. in folgenden klinischen Manifestationen ausdrücken [10]:

  • Tinnitus (ganz oft jedoch bei Gadolinium-Intoxikation),
  • Schwindel,
  • Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit (auch am Tage),
  • Appetitsverlust, Durchfall und Verstopfung, übermäßiger Speichelfluss,
  • gestörte Körper-Temperatur Regulation: Kalte Hände und Füße, Tendenz zum Schwitzen – oder auch gar nicht,
  • trockene Haut, Nagelpilz, Fußpilz, Haare werden dünner, trockener, weniger Wachstum, etc.,
  • spätes aufstehen, nachts lange wach – Biorhythmus kommt durcheinander,
  • Photophobie – helles Licht wird Unkomfortabel,
  • Zahnfleischbluten, lockere Zähne, schlechter Atem,
  • Geruchssinn wird schlecht, Hören geht zurück,
  • Herz-Rasen (Tachycardia), Angina, Flache T-Welle oder eine verlängertes QT-Intervall (EKG),
  • Menstruationen mit starken abdominalen Schmerzen (Frauen),
  • Schilddrüsenunterfunktion,
  • schlechte Blutzucker-Regulierung, Verlangen nach Süßem (-> Nebenniere),
  • dysregulation des Immunsystems, längere Krankheitsperioden (Erkältung),
  • Allergien, Asthma, andere Atemwegserkrankungen,
  • Neigung zu blauen Flecken und bluten,
  • Zittern in Finger, Augenlider, Lippen und zuletzt die Beine, Probleme bei der Koordination der Augen und der Fokuskontrolle,
  • etc.

Das ganze Bild einer HG-Vergiftung bzw. hohen Belastung kann sich noch durch Co-Belastungen mit anderen Schwermetallen verschlimmern bzw. sogar potenzieren. Cutler gibt an [10, Seite 29]:

  • Blei: Schwäche, Bleichgesichtig, Glaukom, Handballen und Ellenbogen sind gesenkt, niedrige Sexual-Hormone, gastrointestinale Probleme.
  • Arsen: Ruhelosigkeit, Rastlosigkeit, Furchtsam, Ängstlich, Egoistisch, bedrohliche Träume, empfindliche oder schmerzende Füße, “Pins and Needles” in den Zehen bzw. Füßen, Schmerzen in den Händen, Frauen haben viele Kopfschmerzen und auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Ganz wichtig: Symptome einer Kupfer-Vergiftung sind nach Cutler nicht von denen einer Hg-Belastung unterscheidbar. So sollte unbedingt eine Kupfer-Co-Intoxikation ausgeschlossen werden, bevor eine vermeintliche Hg-Belastung behandelt wird!

Die Diagnose von Hg-Belastungen bzw. Intoxikationen

Cutler gibt für die Diagnose einer relevanten Hg-Intoxikation sehr viele Kriterien an. Diese treten nicht immer auf, treten teilweise auch im Zusammenhang mit anderen Krankheiten auf, etc. Insofern ist die Chance eine relevante Hg-Belastung zu haben umso höher, umso mehr Kriterien erfüllt sind. Mehr Details in Cutlers Buch [10] ab Seite 56. Hier ein Auszug:


Hinweis: Der nachfolgende Abschnitt ist nur für Freunde des Blogs sichtbar.


Welche Ansätze gibt es das Hg wieder aus dem Körper zu bekommen?

Die Struktur des Komplexes, der aus zwei DHLA-Molekülen, einem Hg2+-Ion und zwei Phenyl-Hg-Gruppen besteht. Quecksilber in grün, Schwefel in gelb und Sauerstoff in rot.

Die Struktur des Komplexes, der aus zwei DHLA-Molekülen, einem Hg2+-Ion und zwei Phenyl-Hg-Gruppen besteht. Quecksilber in grün, Schwefel in gelb und Sauerstoff in rot. Quelle: A Review on Coordination Properties of
Thiol-Containing Chelating Agents Towards Mercury, Cadmium, and Lead
, Bjorklund et al., Lizenz: CC BY SA 4.0

Da die Stabilitätskonstanten (Energie, die zum Bilden und Brechen von Bindungen erforderlich ist) für Quecksilber- und Thiolkomplexe (Glutathion, Albumin, Cystein usw.) sehr hoch sind, bindet Quecksilber an jedes verfügbare freie Thiol (-> SH-Gruppe). So stabil wie die Quecksilber-SH-Gruppen-Bindung jedoch ist, wird Sie in Gegenwart anderer freier SH-Gruppen labil – daher wird Methylquecksilber auf andere konkurrierende SH-Gruppen haltige Liganden umverteilt.

Dies ist dann die Grundlage für die sogenannte Chelatbildung bzw. den Chelatoren von Schwermetallen mit Verbindungen wie DMPS und DMSA, welche je zwei SH-Gruppen enthalten. In Gegenwart dieser Chelatoren, wenn deren Konzentration hoch genug ist, kann das Hg-Ion, von einem SH-Gruppen haltigen Liganden (z.B. Glutathion, Cystein, Homocystein, Metallothionein und Albumin) zu einem anderen (z.B. DMPS) wechseln.

DMPS und DMSA haben jedoch fundamentale Limitationen: Beide Substanzen überwinden nicht die Blut-Hirn-Schranke und Sie ‘gehen auch nicht intrazellulär. Beide Chelatoren wurden in Russland vor ca. 60 Jahren gegen akute Vergiftungen von Industriearbeitern mit Hg entwickelt – sind also für akute toxische Belastungen im Blut, nicht jedoch primär für alte und chronifizierte Belastungen konzipiert. Insofern gibt es begleitende Ansätze, wie den von Cutler, der mit Alpha-Liponsäure (ALA), welches ebenfalls 2 SH-Gruppen besitzt, Gehirn- und Zellgängig ist, das Hg aus dem Gehirn, den Zellen und Organen zu bekommen. Da beide Chelatoren, insbesondere aber DMSA, primär über die Niere entgiften ist hier unbedingt darauf zu achten das die Nierenfunktion und die Membrantransporter, hier speziell MRP2 [16][17], funktionieren.

Ein anderer Ansatz ist die Hoch-Regulierung der (natürlichen) biochemischen Entgiftung und der Glutathion-Systeme über Nrf2, welchen u.a. Chis Shade verfolgt. Mittels Glutathion und Gluthation-S-Transferase kann ein Hg-Molekül dann an ein GSH-Molekül ‘geheftet’ werden (-> Konjugation) um es transportfähig zu machen und auszuscheiden. Das meint zumindest (auch) Patrick [1]:

“Anorganisches Quecksilber wird in der Leber mit Glutathion komplexiert und in der Galle als Cystein-Quecksilber- oder Glutathion-Quecksilber-Komplex ausgeschieden”

Cutler war dann der Ansicht ist, das die Alpha-Liponsäure (ALA) Hg2+ auch direkt komplexieren (Chelatieren) kann und die Ausscheidung über Hg-GSH-Komplexe ineffektiv und langwierig ist. Wer nun ALA im Sinne des Cutler-Protokolls nutzt, erhöht aber auch (indirekt) GSH über die Induktion von Nrf2. Ob ALA ein richtiger Chelator ist, nur indirekt über Nrf2 & Co. wirkt – also Cutler oder Shade (oder beide) Recht haben – vertiefe ich noch mal in einem anderen Artikel.

Mein Fazit

Dieser Artikel sollte nur einen kurzen Überblick über das Thema Quecksilber geben – damit überhaupt einmal die Begrifflichkeiten und die unterschiedlichen Quecksilber-Varianten, deren Aufnahme, Umwandlung, das Schadenspotential und die Ausscheidung klar werden.

Ganz wichtig bei Hg ist es zu verstehen, das es, bis auf Di-Methyl-Hg, oral verschluckt nicht akut-toxisch ist. Bei direkter Injektion in den Körper bzw. Blutkreislauf oder als Dampf von flüssigem Quecksilber ist es jedoch sehr gefährlich.

Die toxikologischen Effekte sind schleichend – speziell bei Belastung durch Zahn-Amalgam, weswegen gerade viele Zahnärzte die negativen Folgen verdrängen. Gute ‘Entgifter’ zeigen dann auch weniger Probleme – und ‘schlechte Entgifter’ fallen u.a. bereits beim Zahnarzt-Studium heraus – wo immer noch mit Amalgam hantiert wird. Früher hantierten die Zahnärzte das Amalgam dann noch ganz ohne Schutz, hatten es mit Ihren Fingern gerollt – also ohne Handschuhe. Wer dann mal schaut mit welchem Alter und an was Zahnärzte so versterben bzw. wie es mit deren geistiger Gesundheit im Alter aussieht wird Bauklötze staunen.

Den Unterschied von guten zu schlechten Entgiftern (-> Genetik, Enzymfunktionen, Entgiftungsblockaden, Ernährung, Lifestyle & Co.) zeigen auch die Untersuchungen von Daunderer [15] auf: So gibt es bei den Hg-Belastungen in den Menschen eine klare Relation zu der Anzahl der Amalgam-Füllungen – jedoch große individuelle Abweichungen.

Allerdings kann das Thema Quecksilber bzw. Amalgam ‘nicht offen thematisiert werden’, denn wenn Amalgam nicht mehr offiziell ‘ungiftig‘ bzw. ‘unproblematisch’ währe – dann würde die Frage nach Regress-Forderungen und der Schadensersatz-Haftung gestellt werden müssen. Am Ende würde dies bedeuten, dass, z.B. in Deutschland, die gesetzlichen Krankenkassen die Folgekosten, u.a. die Zahn-Sanierung und die Schwermetall-Ausleitung, von ca. 30-40 Millionen Menschen bezahlen müsste. Upps…  Insofern bleibt Amalgam nach offizieller Doktrin (solange es im Mund ist) ungiftig, wobei sich alleine bei Google Scholar > 24.000 Studien bzw. Einträge zu Quecksilber finden lassen, die in der Regel eher gegenteiliges behaupten dürften.

 


Links / Quellen

Cutler

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