Methylsulfonylmethan (MSM) – Mittel gegen Entzündungen im Bewegungsapparat?

MSM als Molekül

MSM als Molekül. Bild lizenziert als Public Domain

Da ich oft über MSM gestolpert bin, habe ich mir das ganze mal etwas genauer angeschaut.

Was ist MSM?

MSM ist eine natürlich vorkommende Form von organisch gebundenem Schwefel, wobei Schwefel wichtig für die Synthese von Bindegewebe, sowie für die Bildung und Nahrung von Haaren und Nägeln ist. Wer Probleme mit seiner Nagelbildung hat – findet hier neben Zink und (organischer) Kieselsäure ggf. noch einen anderen Faktor mit dem eine Verbesserung zu fördern ist.

MSM für Gelenkprobleme? Arthrose? etc.?

Methylsulfonylmethan (MSM) kann wohl in diesem Fall ggf. interessant sein – also bei Gelenkproblemen (u.a. den Massenkrankheiten Arthritis, Arthrose und andere allgemeinen Entzündungen von Gelenken bzw. dem Bewegungsapparat, etc.). MSM soll entzündungshemmend wirken und so helfen Schmerzen zu lindern und die Regeneration zu fördern [3][15][16].

In einer Placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 50 Patienten zu Kniebeschwerden (Osteoporose) [2], hatten 2 * 3 g MSM am Tag deutliche Verbesserungen gebracht [2]:

“MSM (3g twice a day) improved symptoms of pain and physical function during the short intervention without major adverse events.”

Das gleich noch einmal in einer anderen Studie [4] mit 3 * ca. 1g pro Tag über 12 Wochen, wobei die Verbesserungen dort (bei geringerer Dosis) weniger ausgeprägt waren:

“These improvements, however, are small and it is yet to be determined if they are of clinical significance.’) [4].

Das geht zumindest mit dem überein, was mir so in Erinnerung ist – also das 3g / Tag eine eher kleine Dosis ist.

Wo kommt MSM natürlich vor?

Natürlich kommt MSM in Nahrungsmitteln wie Zwiebeln, Knoblauch, roher Milch, Sauerkraut, Tomatenmark, Tee vor – ist jedoch hitzeempfindlich. Wer also wenig Roh – und eher nur ‘gut durch’ gekocht, Pasteurisiert oder ultrahocherhitze Lebensmittel bzw. verarbeitete Produkte isst, der kann ggf. im Stress oder Belastungszeiten zu wenig organischen Schwefel (meint: weniger als optimalerweise möglich)  zu sich nehmen.

MSM ist aber auch ein wichtiges Anti-Allergen, das durch Besetzung der Rezeptoren in der Schleimhaut allergische Reaktionen abwehren soll. Zudem soll MSM auch bei anderen Problemen wie Magen-Darm-Bereich, wie z.B. Verstopfung, Durchfall aber auch gegen verschiedene Parasiten helfen. Ich bin letzterem selber nicht weiter nachgegangen, da mich primär die Eigenschaften in Punkto Entzündungshemmer (Arthrose) sowie die Ausleitung von Giftstoffen interessiert haben.

MSM zur Giftstoffausleitung?

MSM soll die Leber beim Ausscheiden von Giftstoffen unterstützen und durch seine Schwefelverbindungen auch schwache Bindungen zu Schwermetallen wie z.B. Quecksilber (Hg) eingehen. Konkrete Studien zu den Vorteilen von MSM bei der Ausleitung von Schwermetallen konnte ich nicht finden. Falls MSM jedoch schwache Bindungen mit Hg eingehen sollte würde ich (wie bei Cholrella) vorsichtig damit sein, wenn die Vermutung besteht das eine Hg-Vergiftung vorliegt bzw. vorliegen kann (u.a. Amalgam-Füllungen in den Zähnen).

MSM als Krebsmedikament?

In dieser Studie welche in PLoS ONE veröffentlicht wurde – wurde die Auswirkung von MSM auf die Entwicklung von Brustkrebs untersucht. Die Studie hat positive Auswirkungen nachgewiesen und schließt mit [17]:

“Thus, we strongly recommend the use of MSM as a trial drug for treating all types of breast cancers including triple-negative cancers.”

also einer Empfehlung MSM bei der Behandlung von Brustkrebs als zusätzliches Mittel – zumindest Versuchsweise – einzusetzen.

Aber auch bei Leberkrebs [19], gastrointestinalem Krebs [18], Blasenkrebs [1], etc. soll es positive Wirkungen geben, wobei die Autoren der letzten Studie schreiben: “MSM is a natural sulfur compound with no side-effects.” – also das MSM eine natürliche Schwefelkomponente ohne Nebenwirkungen sei, was mich zum nächsten Aspekt bringt.

Weitere Wirkungen von MSM?

Eine ganz aktuelle Metastudie [16] fasst das Wirkungsspektrum:

  • Anti-Entzündliche Wirkung
  • Antioxidans / Radikalfänger
  • ‎Immunmodulation
  • ‎Schwefelspender / Methylierung

Anwendungsgebiete:

  • Arthritis und Entzündung
  • Knorpelkonservierung
  • Verbessert den Bewegungsbereich und die physikalische Funktion
  • Reduktion von Muskelkater nach Sport
  • Reduktion von oxidativem Stress
  • Verbesserung bei ‎saisonalen Allergien
  • Verbesserung der Hautqualität und Textur
  • Wirkungen bei Krebs

sowie Informationen zu der Sicherheit von MSM zusammen. Die Studie schließt mit einem positiven Fazit und legt zukünftigen Einsatz gegen Krebserkrankungen nahe (‘Emerging research suggests that MSM may one day aid in the treatment of various types of cancer’).

Sicherheit von MSM?

Nach allem was ich gelesen habe (siehe auch die verlinkten Quellen) gilt MSM als (sehr) sicher, insb. in den empfohlenen Tagesdosen von z.B. 2g/Tag (wobei 0.06 g pro Kg Körpergewicht wohl die als (sehr) sicher angenommene Dosis darstellt und im Test (mit Mäusen) bis zu 100 mal mehr verabreicht wurde [5]) .

Dieser Bericht (‘Dimethyl Sulfoxide (DMSO) and Methylsulfonylmethane (MSM) for Osteoarthritis’ [10]) spricht bei MSM von “Side effects of MSM include allergic reactions, digestive upsets, and skin rashes.” sowie recht wenigen wissenschaftlichen Studien zu den Effekten von MSM, wobei MSM auch die Blutgehirnschranke überwinden kann [6], aber wohl nicht klar ist ob das irgendwie negativ ist.

Bei all dem sollte im Auge behalten werden, das viele Zusätze der Lebensmittelindustrie und insbesondere (Schmerz-)Medikamente wohl eher deutlich schlimmere Nebenwirkungen haben und insbesondere haben können als die, die in Bezug auf MSM beschrieben werden und eher (sehr) selten auftreten.

Gibt es etwas bei der Einnahme von MSM zu beachten?

MSM soll Cortisol erhöhend wirken. Insofern sollte MSM eher morgens bzw. spätestens zu Mittag – jedoch nichts abends eingenommen werden [13][14].

Zwar habe ich keine Studie dazu gefunden, jedoch sollen hohe Dauerdosen von MSM den Kupferspiegel senken. Ob die Schwefelverbindungen im MSM dabei die Kupferaufnahme blockieren oder ob die Metabolisierung von MSM zu einem erhöhten Kupferverbrauch führt – konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Im Zweifelsfall beim Blutbild einfach mal den Kupferspiegel bestimmen lassen. Tip: Auch wenn Zink (in größeren Mengen) supplementiert wird – bietet es sich an seinen Kupferwert mal überprüfen zu lassen.

MSM Herstellung & Anbieter

Bezüglich der Anbieter und der Herstellungsverfahren gibt es einen riesigen Wildwuchs – es ist sehr schwer sich zu orientieren. Entweder gibt es MSM von Markenanbietern in Kapselform – da aber sehr teuer, oder alternativ bei eBay und Amazon – wo MSM dann günstig im Kilo-Eimer (mit oft fraglichem Ursprung) zu bekommen ist.

Aktuell habe ich für mich das OptiMSM Pulver als anscheinend ‘beste’ MSM Quelle aus pflanzlichen Ursprung ausgemacht, wobei dies für ca. 25€ pro 500g Gebinde vertrieben wird. Es wird auf dem Markt viel angeboten – wobei dann die Qualität und Herkunft noch unklarer ist bzw. scheint als beim OptiMSM.

Alternativen zu MSM bei Arthrose, Arthritis,… ?

In Bezug auf Arthrose, Arthritis, Rheuma und anderen (Gelenk-)entzündungen mag es jedoch auch sinnvoll erscheinen sein den Konsum insbesondere an Milch, Ei-, Fleisch- (insb. aus konventioneller Mast und ganz speziell Schwein und jegliches verarbeitete Fleisch) und oft auch Getreideprodukte (insb. Weizenvollkorn & Lekinproblematik) zu reduzieren. Alternativ bietet sich an auszutesten was persönlich am schlechtesten vertragen wird (Stichwort: Eliminierungsdiät).

Das Deutsche Grüne Kreuz (DKG) schreibt (verlinkt weiter oben) zwar das es keine Ernährung gibt die Arthrose oder Arthritis heilen oder verhindern könnte – aber geht nicht auf das vermindern einer akuten und Eintrittsrisiko einer zukünftigen Erkrankung ein. So berichtet selbst das Arthrose-Journal über die Arachidonsäureproblematik und zu viel Omega 6 Fettsäuren (u.a. tierische Fette) und rät zu mehr Omega 3.

So beschreibt der (durchaus kontrovers diskutierte) Arzt S. Gundry, MD in seinem Buch ‘Plant Paradox’ das seiner Meinung nach MSM & Glucosamin deswegen die Gelenkbeschwerden bei vielen Menschen reduzieren, weil Sie den Auswirkungen von Lektinen (eine Art Pflanzenschutzstoffen) die bei ‘defektem’ Magen- und Darmtrakt problematisch werden und wohl entzündliche Autoimmunprozesse auslösen können entgegenwirken – und widerspricht der Sicht des DKG [11].

Schade ist jedoch das die aktuelle Wissenschaft Autoimunreaktionen auf Basis von Antinährstoffen und fremdproteinen (Milch, etc.) in der Nahrung in Verbindung mit einem geschädigtem Darm (u.a. aufgrund von Medikamente wie Säureblockern, Aspirin, Ibu, Antibiotika, etc. pp)  in der Nahrung so wenig auf dem Schirm hat. Der ganzheitliche Blick auf die Ernährung und Gesundheit scheint noch immer Mangelware zu sein.

Mein Fazit

MSM könnte sich ggf. für die Menschen empfehlen, die schon (akute) Gelenk- und Knie-Probleme haben – bzw. welche die Ihre Ernährung nicht umstellen mögen und / oder eher wenig rohe, vollwertige & frische pflanzliche Kost, Zwiebelgewächse und Kohlgemüse essen.

Wer mag, der kann ggf. auch noch folgendes recherchieren falls er Probleme mit seinem Bewegungsapparat hat:

  • Glucosamin (auch als N-Acetyl-Glucosamin), was im Zusammenhang mit MSM bei Kniebeschwerden (Osteoporose) wirksam sein soll (“It can be concluded that the combination of MSM with Glu provides better and more rapid improvement in patients with osteoarthritis”) [7]. Zudem unterdrückt Glucosamin wohl auch bestimmte (ungewollte) Imunsystemreaktionen und hilft ggf. bei MS [12]. Nach Wikipedia (siehe den Link) werden zusätzlich verschiedene Studien verlinkt, die einen knorpelschützenden Effekt festgestellt haben.
  • Cissus Quadrangularis, das als Pflanzenextrakt bzw Pulver verkauft wird und das insb. in Bezug auf Knochen, Bänder und Sehnen-Regeneration wirksam sein soll und wohl auch recht sicher scheint (‘Based on studies to date, Cissus extracts appear to be exceedingly safe and free of adverse effects at the doses commonly used.’) [8][9].
  • Kollagen(hydrolisat), das ist ein Protein-Pulver mit verschiedenen Aminosäuren welche die Regeneration von Haut, Gelenk- und Muskel (Stützgewebe) effektiv unterstützen soll.
  • Chondroitin: Chondroitin wird im Verdauungsprozess größtenteils in Glucosamin und Glucuronsäure umgewandelt. Die Idee dahinter ist soweit mir bekannt analog bzw. ähnlich zur Gabe von Glucosamin.

Langfristige Ziele im Visier – führt meines Erachtens jedoch kaum etwas an dem Grundgerüst einer vollwertigen und vorwiegend pflanzlichen Ernährung (ggf. mit Fisch wegen EPA und DHA) vorbei, u.a. um auch viele Entzündungsmarker zu reduzieren (-> hsCRP). Insofern setzte ich selber primär auf “natürliches” MSM aus der Nahrung (u.a. Zwiebeln) und verhindere viele entzündliche Prozesse durch den Verzicht auf  zu viele (hoch erhitzte) tierische Produkte und zu viel gesättigte und Omega-6 Fette (u.a. Transfette, Palmitinsäure, etc.).

Anmerkung: Unten in den Links habe ich noch einen interessanten Artikel von Selfhacked verlinkt.


Links

Quellen