Buchkritik: Health and Light (‘Risikofaktor Kunstlicht’) – Dr. John N. Ott

Buch: Health and Light von Dr. John. N. Ott

Buch: Health and Light von Dr. John. N. Ott in der indischen Edition (Erstveröffentlichung in 1973). Foto: H.C.

Heute mal eine etwas andere Buchkritik – von einem Buch das ca. 45 Jahre alt ist und in dem sich um sichtbares und ‘unsichtbares’ Licht dreht: Tageslicht, UV-Licht, Blaulicht, grünes Licht, ‘pinkes’ Licht, Kunstlicht allgemein, Röntgenstrahlung, etc. pp. – sowie die (Aus-) Wirkung der verschiedenen Lichtverhältnisse und das Fehlen bzw. Hinzufügen verschiedener Bereiche bzw. Wellenlängen (u.a. UV-A, UV-B, etc,) auf Pflanzen, Tiere und den Menschen.

Tip: Mehr zu (Blau-)Licht, Melatonin & Co. gibt es hier zu lesen!

Eine ‘Buch-Kamelle’ aus 1973?

mögen jetzt einige Denken. Was soll schon groß in einem Buch stehen, das 45 Jahre alt ist!? Selbst die deutsche Ausgabe ‘Risikofaktor Kunstlicht’ ist von 1993 und schon lange außer Druck…

Weit gefehlt! ich habe ja in den letzten Monaten einiges über Licht hier im Blog geschrieben – inspiriert u.a. von Dr. Jack Kruse – welcher oft in seinen Interviews dieses Buch von Dr. Ott erwähnt. Nun habe ich es gekauft und gelesen – und muss sagen: Wow!

Wow! – weil ich viel gelernt habe, Wow! – weil ich beeindruckt war von dem was Ott schon vor über 50 Jahren herausgefunden hatte. Wow! – weil ich mal wieder lesen musste wie sich ein großer Teil der Wissenschaft und Institutionen vor neuen Ansätzen verschießen. Wow – weil sich das Buch gut und spannend lesen lässt.

Wer ist John N. Ott? Er war damals der Begründer der ‘Time Lapse’ Fotografie – also wo alle paar Sekunden, Minuten oder Stunden ein Bild gemacht wird um dann z.B. das Wachstum einer Pflanze im Zeitraffer auf Film wieder zu geben. Durch diese Arbeiten wurde Ott bekannt (u.a. für Disney und andere Arbeiten) und hatte sich ‘indirekt’ mit Licht beschäftigen müssen. Warum ‘beschäftigen’? Weil manche Pflanzen sich nicht im Gewächshaus und / oder unter verschiedenem Kunstlicht nicht natürlich entwickeln wollten. Ott musste so gezwungenermaßen mit verschiedenen Lichtverhältnissen, Lampen, Beleuchtungsformen und Arten von Scheiben Glas, Kunststoff) experimentieren. Das was er dabei heraus fand und anstieß ist dabei fundamental gewesen – für Tier- und Pflanzenzüchter, für Menschen in den Bereichen vieler Erkrankungen wie Krebs, Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität, Depressionen, Karies, Augenkrankheiten, etc. pp.

Zum Inhaltsverzeichnis

Das Buch selber umfasst ca. 240 Seiten Text (+ weitere Seiten mit Referenzen) und gliedert sich (neben Vorwort, Einleitung und Nachwort) in die folgenden Kapitel:

  1. The Light Side of Health
  2. How it began
  3. The Electromagnetic Spectrum
  4. Reluctant Apples and timid Tiger Lilies
  5. Light and the Endocrine System
  6. I Break my Glasses
  7. An Experiment with Phototherapy on Human Cancer Patients
  8. Chloroplasts and Light Filters
  9. Animal response to Light
  10. Biological Effects of Tinted Lenses
  11. Effects of Radiation on Biological Clocks
  12. The TV Radiation Story
  13. Trace Amounts of Radiation and Full-Spectrum Lighting
  14. Photobiology comes of Age
  15. Routine Opposition to new Ideas as Standard Practive
  16. Signs of Encouragement

Nachfolgend dann die Zusammenfassung bzw. das wichtigste das mir beim lesen aufgefallen war in der hier im Blog praktizierten Kurzzusammenfassung. Ich denke gerade weil das Buch kaum noch verfügbar und auch nie in Deutsch erschienen ist – mag das alles für den einen oder andere interessant sein. Über Feedback & Kommentare freue ich mich denn auch immer!

Kapitel 1. – The Light Side of Health

Einführung in Licht allgemein – sichtbares, unsichtbares, etc. pp. Das ganze gekoppelt mit den Anfängen der Geschichte von Ott – der Zeitraffer-Fotografie und den ersten spezifischen ‘Problemen’ die sich bei einigen Projekten mit Tieren (Labormäusen), Samen, Pflanzen und Zellen ergaben. So berichtet er schon hier kurz von Menschen denen es besser ging, als sie keine Sonnenbrille mehr verwendeten.

Kapitel 2. – How it began

Ott beschreibt hier die Grundlagen der Zeitraffer-Fotografie, den Bau seiner speziellen Ausrüstung und insbesondere auch den Bau seines Gewächshauses aus Kunststoff – was damals noch ein Novum darstellte. Warum? Weil verschiedene Kunststoffe (u.a. Plexiglas) im Vergleich mit Glas einen Großteil des UV-Lichtes passieren lassen. Heute kann man das überall kaufen – in den 1960ern gab es das noch nicht auf dem Markt.

Mit dem Kunststoff-Gewächshaus gab es dann komplett andere (bessere) Ergebnisse bei der Entwicklung der Pflanzen – welche aufgrund der Fotografie in einer kontrollierten Umgebung (Klima, Luftfeuchtigkeit und insb. Wind) aufgenommen werden. So wollten sich einige Blumen im Glasgewächshaus nicht öffnen – im Kontrast zur Version aus Kunststoff. Was war der plausible Unterschied? Der UV-Bereich des Lichtes, welchen der Kunststoff passieren ließ. Weitere Erfahrungen hatte Ott dann mit verschiedenem künstlichen Licht gemacht. Viele der so genannten ‘Grow-Lights’ die es heute gibt – gehen dabei auf die Versuche und Erfahrungen von Ott in den 60ern und 70ern zurück! Das Kapitel geht da noch viel tiefer…

Spannend auch Versuche Blumen (Morning Glory, Prunkwinde) die am frühen morgen anfangen zu blühen zu fotografieren. Da Ott dafür (in der Nacht) kurz fotografisches Licht (mit Blauanteil) verwendete gab es Problem mit dem Blumen – Sie lagen am morgen in einem perfekten Kreis im Bereich des Fotolichtes danieder. Nach dem Ott einen Blaufilter am Fotolicht anbrachte gab es keine Probleme. Ähnlich versuche mit Kürbispflanzen – je nach Lichtquelle (mit viel oder wenig Blauanteil & Co.) entwickelten sich primär nur die männlichen oder weiblichen Blüten!

Kapitel 3. – The Electromagnetic Spectrum

Elektromagnetisches (Licht) Spektrum. Quelle: Wikipedia, Autor: Horst Frank & Phrood, Lizenz: CC BY-SA 3.0

In diesem Kapitel gibt Ott eine Einführung in das elektromagnetische Spektrum – also welches Licht (sichtbar und unsichtbar) in welchem Wellenlängenbereich zu finden ist, etc. pp.

Was ich hier sehr interessant fand war eine Vertiefung in die Funktionsweise von Leuchtstofflampen und Ihre charakteristischen ‘Spikes’ – also die Spitzen im Spektrum – welche mit dem Quecksilberdampf zu tun haben.

Kapitel 4. – Reluctant Apples and timid Tiger Lilies

Hier berichtet Ott von seinen Versuchen die Entwicklung eines Apfels – von der Blüte bis zum fertigen Apfel – zu fotografieren. Dazu wurde um einen Ast eines Apfelbaumes ein Glas-Gewächshaus gebaut in dem das Foto-Equipment untergebracht wurde. Alles funktionierte perfekt – nur blieb der zu fotografierende Apfel am Ende der Season grün. Bei den Äpfeln welche nicht im Gewächshaus (also draußen) waren gab es hingegen keine Probleme mit der Reifung. Was lief schief?

In purer Verzweifelung tauschte Ott das Fensterglas über den Äpfeln gegen Plastik aus – welches UV-Licht größtenteils passieren lässt. Die Reifung des Apfels setzte sich dann fort – der (Foto-)Auftrag war gerettet!

Das nächste Problem von Ott ergab sich mit Tigerlilien, bei welchen sich in seinem Foto-Setup die Blüten nicht öffnen wollten. Ott versuchte den Tag/Nachtzyklus zu beschleunigen in dem er in einem speziellen Raum das Tageslicht abschotten und auch die Temperatur regeln konnte. Das Problem: Die Blüten wollten sich kein zweites mal öffnen – bevor wirklich ein ganzer Tag verstrichen war. Irgendetwas anderes bestimmte den 24h Rhythmus dieser Blumen… unabhängig von Tag und Nacht.

Kapitel 5. – Light and the Endocrine System

Nach einigen Auftritten im TV und seinen ersten Versuchen – begann Ott dann konkrete Experimente und Versuchsreihen durchzuführen. In einer ersten setzte er Aquarien-Zierfische kaltem Weißlicht, weißem Tageslicht und pinkem fluoreszierenden Licht aus (alles Leuchtstoffröhren). Nachdem weniger als 8h pro Tag beleuchtet wurde begannen die Fische wieder Eier zu produzieren – jedoch fast (80%) nur weibliche unter dem pinkem Licht! Die restlichen hatten zwar männliche Geschlechtsteile – jedoch nicht stark ausgeprägt oder deformiert.

Danach wurde Ott von einem Chinchinella-Züchter kontaktiert – welcher gerne mehr weibliche dieser Mäuschen züchten  würde. Die Lichtsituation bei den Chinchinellas (Keller, kleines Fenster, 75W Glühbirne – und mehr weibliche Mäuse in den Käfigen am Fenster) erinnerte Ott an seine Versuche mit den Kürbispflanzen. So sendete er dem Züchter zwei 100W Tageslichtlampen – worauf der zwei monate später an Ott zurückschrieb das nun (fast) aller Nachwuchs Weiblich sei.

Ott berichtet dann weiter, das schon damals die Ei-Industrie wusste, das Licht das durch das Auge eines Huhns empfangen wird die Hypophyse – und damit die Ei-Produktion – stimuliert. Auch zu Virus-Erkrankungen von Tomatenpflanzen (unter Glashäusern) bereichte er -> Als er erkrankte Pflanzen in sein Gewächshaus aus Kunststoff verfrachtete wurden diese wieder gesund. Am Ende bringt er dann erste systematische Überlegungen zu einem ‘Licht-Mangel’ zusammen.

Kapitel 6. – I Break my Glasses

Hier berichtet Ott von seinen zunehmenden Hüftschmerzen & einer generellen Arthrose. Da Ott seiner Aussage nach sehr Licht-Sensitiv war, trug er wenn immer möglich eine Sonnenbrille – die jedoch eines Tages zerbrach. Da seine alte Ersatzbrille irgendwie nicht richtig saß – verbrachte er (im Sommer) die meisten Arbeiten ohne eine Brille.

Was passierte: Ott brauchte (innerhalb von Tagen) auf einmal seinen Gehstock nicht mehr und hatte schnell kaum bzw. keine Schmerzen mehr – Ott fühlte sich besser als in den Jahren davor. Wichtig: Zu dieser Zeit hatte er viele Arbeiten im Aussenbereich zu verrichten – so das er viel ungefiltertes Licht bekam. Er erinnerte sich an seine eigenen Versuche mit Pflanzen und Tieren und verzichtete auf eine Sonnenbrille, trug seine normale nur noch wenn er es unbedingt musste. Dies, da jede Art von Glas (auch Fenster) den UV-Anteil vom Sonnenlicht blockieren. Was Ott auch berichtet: Die Zeit unter den Studiolampen tat Ihm überhaupt nicht gut, so das er versuchte die (Aufenthalts-) Zeit dort zu verringern.

Ott berichtet dann noch von anderen Dingen und seinen ersten Versuchen Geldmittel für weitere Forschungen zu bekommen – wobei jedoch alle Anträge abgelehnt wurde. Danach berichtet er jedoch von einigen Auszeichnungen und einem Ehrendoktor-Titel der Ihm verliehen wurde (was sich später noch als Hilfreich erweist).

Danach berichtet er von einem Projekt in einem Gefängnis, einer Gefängnisgärtnerei, wo sich u.a. der mentale Zustand und die Motivation der Gefangenen deutlichst verbesserte. Ott formuliert hier auch erste Gedanken dazu was ein Leben hinter Glas (Fenster, Auto & Co.) und in Häusern (u.a. Arbeit, Schule) mit den Menschen und insb. auch den Kindern macht.

Kapitel 7. – An Experiment with Phototherapy on Human Cancer Patients

Zur Einleitung schreibt Ott, das vorzuschlagen das Licht das in die Augen scheint eine andere Funktion als das Sehen hat – das war Ende der 60er faktisch so als hätte man Ende der 40er behauptet, das in 20 Jahren Menschen auf dem Mond spazieren gehen.

Dennoch hatten die Pfizer Laboratorien schon im Jahre 1959 Tests mit Krebspatienten und Licht durchgeführt (keine Brillen, viel Tageslicht in der Natur – ohne Glas) , wobei der Konzens war, das bei 14 der 15 Patienten das Tumorwachstum stagnierte – oder sogar zurückging. Die 15te Patientin hingegen hatte die Anweisungen nicht komplett verstanden und trug weiterhin eine Brille – welche natürlich einen Großteil des UV-Lichtes filterte. Nichts desto trotz hatte Ott mit seinen Anträgen und Vorschlägen die Auswirkungen von Licht in Verbindung mit Krebs zu erforschen keinen Erfolg.

So berichtet Ott weiter von einem Experiment mit C3H Mäusen, wobei eine Gruppe unter weißem Tageslicht, eine andere unter pinkem Licht (beide Fluoreszenz-Lampen) und die 3te unter Tageslicht hinter einer Glasscheibe gehalten wurden. Dabei entwickelte die Gruppe unter dem normalen Tageslicht den Krebs erst 2 Monate später als die Gruppe unter weißem Tageslicht und 3 Monate später als die unter dem pinkem Licht. Ebenfalls hatte das Licht starke Auswirkung auf den Nachwuchs…

Kapitel 8. – Chloroplasts and Light Filters

Um bei der Beantragung und Sammlung von Forschungsmitteln etwas besser dazustehen gründete Ott die (non-profit) ‘Time-Lapse Research Foundation’ – für dessen Vorstand sich dann zahlreiche prominente Wissenschaftler zur Verfügung stellten, welche Ott unterstützten. Dann noch ein bisschen mehr zu einem ersten ersten Paper über zirkadiane Rhythmen und die Rolle des Auges.

Dann wieder recht interessant Schilderungen mit Versuchen um Elodea Gras (beste gefundene Übersetzung: Schmalblättrige Wasserpest) und deren Chloroplasten und dem Verhalten dieser mit normalen Fensterlicht (ohne UV), mit hinter einem Rot, Grün bzw. Blau-Filter. Wo es ohne UV schon erste Veränderungen gab (immobile Chloroplasten), wurde dies unter rotem Licht noch deutlicher – wobei dies bei Grünem und dann blauem Licht wieder besser wurde. Wurde jedoch dem Fenster-Licht UV-Licht hinzugefügt – dann bewegten Sich die Chloroplasten fast wie man es in der Natur erwarten würde. Am Tagesende jedoch – kamen die Chloroplasten zum Stillstand, egal wie viel künstliches Licht verabreicht wurde. Erst nach einem Nachtzyklus konnte das Spiel des Lebens neu starten.

Nach weiteren Vorträgen und Filmaufführungen kam Ott dann mit dem Augenarzt Dr. T.G. Dickinson zusammen. Aus diesem Kontakt entwickelten sich dann Untersuchungen in Bezug auf ‎Pigmentepithelzellen des Auges. Durch einen Zufall wurden erste mikroskopische Bilder (Anm.: Phasen-Kontrast Mikroskopie) ohne Farbfilter gemacht, so das sich zusammen mit späteren Aufnahmen ergab, das das Wachstum der Pigmentepithelzellen stark vom verwendeten Licht(filter) abhing. Blaues Licht hatte abnormale pseudopodiale Aktivität zur folge, wobei rotes Licht dazu führte das die Zellwände rissen und das Zytoplasma auslief. So wurde denn auch die Zell-Mitose für ca. 3h unterbrochen – wenn die Zellen rotem oder blauen Licht ausgesetzt wurden.

Spannend auch: nach ca. 12h Beleuchtung der Zellen mit normalen Licht einer Glühlampe kam die Aktivität der ‎Pigmentkörnchen zum erliegen – konnte jedoch mit der Hinzugabe von Schwarzlicht bzw. langwelligem UV-Licht wieder gestartet werden. Dabei war jedoch die Intensität des UV-Lichtes sehr wichtig – zu viel davon – und die ‎Pigmentkörnchen reagierten abnormal und die Pigmentepithelzellen starben innerhalb von 30 min. ab. Die Intensität des UV-Lichtes ist also durchaus relevant!

Ott geht dann noch einmal auf die Sache mit dem Rotlicht und dem Riss der Zellwände ein und hypothetisiert das ggf. die normalen Glühlampen mit ihrem hohen Rot-Anteil auch Problematisch sein könnten. Zum Versuch mit dem Blaulicht merkt er an, das zwei prominente Virologen die Auswirkungen mit den Effekten verglichen – welche auch eine Virusinfektion zur Folge hat.

Danach folgt dann einiges an interessanter Korrespondenz die Ott im Buch abgedruckt hat.

Kapitel 9. – Animal response to Light

Ott leitet ein, das seine Forschungen und auch das was Ihm anderweitig bekannt war (er nennt im Buch einige Quellen) “mehr und mehr indiziert, das Tiere in Bezug auf die Intensität, Periodizität und die Verteilung der Wellenlängen im Lichtsprektrum den Pflanzen sehr ähnlich reagieren”.

Für ein anderes Projekt brauchte Ott dann Hasen – da er zu wenig platz hatte, packte er einige Käfige ein sein Plastik-Gewächshaus und hatte damit hervorragende Erfolge -> In Bezug auf den Nachwuchs. Das gleiche konnte er dann auch mit Mäusen und Ratten replizieren – UV Licht war also auch sehr wichtig für die Fertilität! In einem größerem Experiment an Mäusen mit UV durchlässigem Plastik bzw. Quarzglas (1), verschiedenen Typen von Fluoreszenz-licht (2), Warmen & kaltem (3) sowie pinkem Fluoreszenz-licht (4) überlebten 97 (1), 88 (2), 94 (3) bzw. nur 61 (4) Prozent des Nachwuchses bis zur eigenen Geschlechtsreife (‘Maturity’) – neben anderen Problemen bei den Mäusen mit dem Kunstlicht. Das mit dem pinkem Licht ist schon recht krass – und wird auch später noch oft Thema bei Ott sein.

Autopsien der ‘pinken’ Mäuse zeigte dann auch starkte Kalziumablagerungen. Bei den Mäusen unter blauem Licht zeigten sich hingegen höhere Cholesterin-werte als unter dem Mäusen, welche unter rotem Licht gehalten wurden. Ott berichtet dann noch von einer anderen Studie mit Turorzellen – in der die Mäuse unter Pinkem Licht deutlich schneller zur Tumorbildung neigten (Seite 101).

Kapitel 10. – Biological Effects of Tinted Lenses

Sonnenbrille. Quelle: Pixabay

Schon 1967 wusste man über Vitamin D & Co. bescheid. Ott zitiert einen russischen Forschungsbericht in dem steht:

“If human skin is not exposed to solar radiation (direct or scattered) for long periods of time, disturbances will occur in the physiological equilibrium of the human system. The result will be functional disorders of the nervous system and a Vitamin-D deficiency, a weakening of the body’s defenses, and an aggravation of chronic diseases.”

Dann rät der Bericht als Möglichkeit noch zu UV-Lampen mit einem Peak bei 315 nm, wobei die Dosis (bzw. Intensität) max. die Hälfte der Dosis erreichen sollte, die eine Hautrötung hervorruft. Ott geht dann im Detail durch die Wellenlängen und Intensitäten und zitiert weitere Forschungstexte der damaligen Zeit.

Spannend wird es dann als auf Sonnenbrillen fokussiert welche die “schädlichen” UV-Strahlen aus dem Tageslicht filtern sollen. Er erklärt den Ursprung dieser Theorie und die vielen Fehlschlüsse. Wo Sonnenbrillen für Nordeuropäer in Afrika, am Äquator und im Umfeld von Schnee & Sonne temporär Sinn machen können – erschließt sich deren Funktion nicht im ‘normalen’ Einsatz, insb. auch deswegen nicht, weil schon die normalen Gläser von Brillen das UV-Spektrum herausfiltern.

So berichtet Ott über ein Experiment eines Kontaktlinsenherstellers aus 1969 in dem bei einem Patienten ein Auge eine UV-Blockende und das andere Auge eine UV-Durchläsige Kontaktlinse bekam. Wo es in Innenräumen kein Unterschied zwischen den Pupillenweitungen gab (kein UV-Licht), gab es unter freiem Himmel deutliche Unterschiede – die Pupille des Auges ohne ‘UV-Filter’ war deutlich kleiner. Dies erklärt dann ggf. auch die Sonnenbrillen-Nachfrage. Mit einer UV-Filternden Brille oder Kontaktlinse bleibt die Pupille weiter als sie das normal tun würde -> mehr Licht fällt in das Auge. Dies kann nun ‘zu viel’ sein, so das die Menschen dann eine Sonnenbrille haben möchte – welche den Lichteinfall reduziert.

“Well of the Sea” – Das Restaurant mit Schwarzlicht & ohne Kranke

OMNILUX UV ES Lampe im Betrieb

Auf Seite 117 kommt dann die klassische Anekdote von Ott, auf die Dr. Kruse auch immer wieder abhebt: Im Restaurant wurde als ‘Gag’ überall Schwarzlicht verbaut – und die Speisekarten waren so bedruckt, das Sie nur unter diesem Licht gelesen werden konnten. In Manager des Restaurants berichtete Ott, das die gesamte Mannschaft faktisch nie Krank war, egal ob gerade eine Grippewelle grassierte oder nicht. Spannend: Das Restaurant betrieb die Lampen damals schon seit 18 Jahren – was Ott weitere Hinweise auf eine gesunde bzw. nützliche Intensität des UV-Lichtes gab.

Spannend auch ein Bericht über die ‘Obrig Laboratories’, welche Kontaktlinsen Fabrizierten und Vollsprektum-Licht sowie Fensterglas aus Kunststoff einsetzten. Ott berichtet, das die Angestellten dieser Firma ebenfalls eine hervorragende Gesundheit aufwiesen – auch in der Zeit einer Grippe-Epidemie Welle. Das Gegenbeispiel berichtet Ott aus einer Radio-Station: Dort wurde die Beleuchtung gegen eine mit ‘Pinken’ Licht ausgetauscht. Die Stimmung & Krankheitsrate in der Station verschlechterte sich sehr schnell, es gab Kündigungen, etc. pp. – bis das Licht wieder ausgetauscht wurde.

Zum Ende des Kapitels vertieft Ott dann noch mal das Thema pinkes Licht und pinke Brillengläser auf – aggressive Tiere, Krankheiten und weitere psychologische Auffälligkeiten – auch bei Menschen die solche Brillen oder getönten Kontaktlinsen trugen.

Kapitel 11. – Effects of Radiation on Biological Clocks

In diesem Kapitel geht es um Effekte in denen Ott versuchte herauszufinden warum einige Pflanzen auch bei absoluter Dunkelheit noch den Tag- und Nachtrhythmus beibehalten. Dazu machte er Experimente, welche auf einen Bergwerks-Stollen umfassten – in der Hoffnung das in 200 Meter Tiefe keine irgendwie geartete Strahlung aus dem unsichtbarem Spektrum die Pflanzen erreichen könne. In der Tat verhielten sich diese Pflanzen dann komplett anders als die Pflanzen, welche nur in einem einfachen Gebäude verdunkelt wurden. Die Blumen die zur Mittagszeit in den Stollen verbracht wurden nahmen sofort ihre Nachtposition ein – nicht aber die, die in einen dunklen Schrank an der Oberfläche gestellt wurden.

Ott hypothetisiert dann welche Art von (Hintergrund-) Strahlung für die Effekte verantwortlich sein könnte.

Kapitel 12. – The TV Radiation Story

Alter Fernseher. Quelle: Pixabay

“Kinder – setzt ich nicht so Dicht vor den Fernseher” – Hieß es früher immer, als der Fernseher noch eine Röhre hatte. Das das so war verdanken Wir übrigens Herrn Ott! Otts Interesse wurde über einen Artikel in der Time von 1964 mit dem Titel “Those Tired Children” geweckt, welche abnormales Verhalten bei hohem TV-Konsum gezeigt hatten.

Ott erzählt dann in diesem Kapitel von seinen eigenen Forschungen (und Kampf) zur Röntgenstrahlenemission der damaligen Fernseher, welcher so stark war das eben genau diese ‘Verstrahlungseffekte’ bei den Nutzern hervorgerufen wurden. Erst ignorierten die Fernseherhersteller die Probleme, dann riefen Sie einen Teil der Fernseher zurück – bis die ‘Bombe’ doch explodierte und es zur staatlichen Regulierung kam. Mehrfach wurden dann die Grenzwerte gesenkt – und immer noch gab es Probleme…

Da das ganze heute technisch nicht mehr relevant ist – vertiefe ich es hier nicht weiter. Das Kapitel hat dennoch ein Gruseln bei mir hinterlassen – weil ich mit meinem Alter natürlich viel vor dem Farbfernseher bzw. PC-Monitor saß… in recht geringem Abstand…

Kapitel 13. – Trace Amounts of Radiation and Full-Spectrum Lighting

Ott berichtet von Versuchen mit Fluoreszenz-Lampen und Pflanzen, bei denen er feststellte, das diese an den Enden geringe Emissionen von Röntgenstrahlung hatten.

Kapitel 14. – Photobiology comes of Age

In diesem Kapitel fasst Ott interessante Aspekte der damals aktuelle Forschung im Kontext der Photobiologie zusammen. Spannend fand ich dabei folgende Dinge:

  • In den letzten 60 Jahren (Bezugsjahr: 1970) ging die Intensität des Sonnenlichtes um ca. 15% zurück!
    • Im UV-Spektrum war der Rückgang sogar 26%.
  • Alufolie ist ein guter Reflektor für Licht, insb. UV-Licht
    • Anm.: Weswegen Dr. Kruse auch teile seines Hauses mit Alufolie ausgekleidet hat.
  • In einer Studie mit 2000 Chinchilla waren 60-75% des Nachwuchs männlich -> Bei Verwendung von normalen Glühlampen. Wurde jedoch eine Tageslichtlampe verwendet, dann waren es 60-75% Weibchen.
  • Bei Hamstern unter Vollspektrum-Licht gabe es weniger Probleme mit Zähnen (2,2 Löcher) als bei denen unter kaltem Weißlicht (10,9 Zähne mit Löchern).
  • UHF Strahlung (300Mhz-3Ghz) verursacht eine Akkumulation von Acetylcholine in Nervenfasern.
  • Calcium wird vom Körper besser aufgenommen wenn die Patienten künstlichem Sonnenlicht ausgesetzt sind (im Vergleich zu kaltem Weißlicht).
  • (Intensives) grünes Licht kann die Retina beschädigen.
  • In einer Schule mit einer sehr hohen Leukämie-Rate war es Praxis die Vorhänge vor den Fenstern ständig zu schließen. Zudem waren die Vorhänge grünlich, so das nur grünliches Restlicht in den Raum fiel. Zudem war die Beleuchtung Warmweiss – also Lampen mit einem hohem pink-orangem Anteil.
    • Nach einem Lehrer wechsel, welche die Vorhänge offen ließen – und nach dem Austausch der Lampen gegen Kaltweiss gab es keine Leukämiefälle mehr.
  • Ott trifft Albert Schweizers Tochter. In einem Gespräch stellt sich heraus, das es zu der Zeit Ihres Vatern faktisch keinen Krebs in Lambarene gab – heute jedoch recht viel.
    • Das Problem: Viele Ureinwohner Tragen nun Sonnenbrillen – weil diese ein Statussymbol sind.
  • Verschiedenste Geschichten wo Menschen mit Krebs durch Zugabe von UV-Licht, mehr aufenthalt unter Sonnenlicht, etc. pp – den Krankheitsverlauf stabilisieren oder deutlich verbessern konnten.

Schon krass… was man vor 45-50 Jahren schon alles wusste. Viel davon hat bis zum heutigen Tage noch keine große Verbreitung gefunden – so zumindest meine Sicht auf die Dinge.

Kapitel 15. – Routine Opposition to new Ideas as Standard Practive

Ott berichtet über die vielen Probleme die sein neues Forschungsparadigma hat – in Bezug darauf anerkannt und wahrgenommen zu werden. Dies beeinflusst dann natürlich auch sehr direkt die Bewilligung von Forschungsgelden für die neue Disziplin der Photobiologie. Um das ganze zu illustrieren gibt Ott viel von seinem Schriftverkehr in Bezug auf Anträge, Antworten und Unterstützer seiner Sache wieder.

Kapitel 16. – Signs of Encouragement

Das letzte reguläre Kapitel schließt dann mit den positiven Aspekten der neuen Forschungsdisziplin, Erfolgen in Bezug auf Anerkennung und Forschungsgelder und einem hoffentlich beginnenden Umdenken.

Afterword

Das Nachwort schließt dann mit vielen weiterführenden Gedanken und Zusammenfassungen seitens Ott. Interessant: Hier thematisiert er auch Nahrungsmittel-Zusatzstoffe wie Lebenmittelfarben und was dies in Bezug auf eine Spektralabsorption im Körper bedeutet. Wer sich mit den Forschungen um Methylenblau beschäftigt hat – wird wissen was Ott meint – und das ganze kann in beide Richtungen wirken. Auch erwähnt Ott die potentiellen Auswirkungen von EMF um die er sich Gedanken macht – also Strahlung außerhalb des sichtbaren Spektrums auf den Organismus und Pflanzen.

Wer mehr wissen möchte – der lese einfach das Buch 🙂

Diskussion

Was soll ich hier groß schreiben? Ein 45 Jahre altes Buch das mir heute immer noch aktuell erscheint – bis ggf. auf die Sache mit den Röhren-Fernsehern, für die heute 18 Jährige sicher nur noch ein Lächeln übrig haben.

Ich fand das Buch gut geschrieben und recht kurzweilig. Was mir absolut nicht klar ist: Warum leben wir heute immer noch hinter UV-Filterndem Glas? Warum haben unsere ‘Voll-Spektrum’ Lampen bzw. das was also Vollspektrum bezeichnet wird – 45 Jahre nach diesem Buch – immer noch keinen UV-Anteil? Warum wird schwach-intensives UV-Licht verteufelt oder als Gefahr (an-)gesehen? Ich erinnere hier an meinen Blogpost zu 660nm Rot- und Schwarzlicht – wo ich auch aktuelle Studien ausgegraben hatte, das schwaches Schwarzlicht (20W Lampen, etc.) nicht gefährlich ist.

Ganz krass fand ich jedoch das mit dem pinkem Licht und Sonnenbrillen! Pinke Brillengläser? Pinkes Licht bzw. Pink im Licht? Aua! Aber auch Sonnenbrillen scheinen in der Regel deutlich mehr zu schaden als zu nützen. Mal abgesehen vom Einsatz im Schnee bedeckten Hochgebirge, auf dem Meer zur Mittagszeit oder in der Wüste.

Insofern kann ich nur positives über das Buch schreiben – insb. wenn ich sein Alter bedenke und anerkenne.

Zur Verfügbarkeit des Buches

Das Buch ist außer Druck und es werden aktuell nur antiquarische deutsche (ab ca. 8€) und importierte Exemplare im englischen Original aus den USA oder Indien ab Preisen ab ca. 10-15€ (inkl. Versand) z.B. bei Abebooks.de, angeboten.

Mein Fazit & abschließende Worte

Das Lesen hat sich für mich gelohnt – und gerade bei der Verwendung von schwachem UV-Licht in geschlossenen Räumen  hat es bei mir die letzten Vorbehalte aufgelöst. Weiterhin werde ich auch bei der Verwendung von (optischen) Brillen zurückhaltender sein – wenn ich keine zum Lesen oder zum Schutz (Gartenarbeit mit Ästen in Bäumen, etc.) brauche und mich draußen aufhalte, dann werde ich ab sofort versuchen die tägliche Dosis (auch indirektes) UV-Licht ohne Glasbausteine in meine Augen zu lassen. Sonnenbrillen sind in unseren Breiten (Deutschland) sowieso unsinnig.