Magen- & Darmkrams Teil 1: Leaky-Gut, SIBO, IMO (Methan), LPS, Pilze (Candida), Parasiten, Histamin-Intoleranz, Magensäure, Stuhl-pH, Mikrobiom-Diversität & Co.

Von | 8. Dezember 2021

Magen-Darm-Dysbiosen ala SIBO, Leaky-Gut, Candida, Histamin-Intoleranz & Co.: Was ist Grund und Auslöser? – nur “böse” Keime und Bakterien, zu wenig “gute” Bakterien und / oder ganz andere Dinge? Bildquelle: Pixabay

Das Thema der Magen- und Darm-“Dysbiosen” ist ein faktisch unendliches. Es haben sich da so viele, aus meiner Sicht teils “Pseudo-Begriffs-Diagnosen” etabliert, das der oder die Betroffene kaum noch weis was Sie oder Er nun eigentlich hat, oft von Therapeut zu Therapeut eilt und und es mit jedem ‘teils halbgarem’ Kochrezept-Versuch schlimmer wird.

Ich habe einige Menschen kennen gelernt – Empfindlichkeit gegen dies, das, jenes oder welches, ‘Hasenköttel’ und nur 2-3 mal in der Woche auf  Toilette, nie ordentlicher Stuhlgang oder konstanter Durchfall, Bauchweh, Ziehen, Schmerzen im Bereich der Gallenblase. Einige merken auch nichts und denken alles ist o.k. – haben aber teils neurologische Probleme (Zittern, Koordinationsprobleme, Brainfog, etc.). Wenn dann die Mikrobiom-Analyse vom Stuhl kommt (u.a. Stuhl-pH, Parasiten, Bakterien, Keime, Pilze und viel mehr), dann ist der Schreck oft groß.

Unklar bleibt für die Betroffenen jedoch oft die Ursache – weil der Therapeut die individuelle Vergangenheit & die Ess- und Lebensgewohnheiten mit dem Klienten nicht seziert. Wenn jedoch die Ursache nicht klar ist, dann ist in der Regel das Problem schwer abzustellen. So werden dann teils Probiotika verzehrt – welche die Probleme eskalieren – oder helfen, aber nur so lange diese eingenommen werden. All dies beseitigt in der Regel die wirklichen Ursachen nicht – und die können viele Gründe haben.

Was möchte ich nun in diesem ersten Teil über Magen- & Darmkrams ansprechen?

  • Das Mikrobiom – wir leben in Symbiose mit unseren ca. 39 Billionen Mikroorganismen
  • Die Liste der ‘garen und halbgaren’ Diagnosen & Bezeichnungen (SIBO, LPS, Leaky-Gut, Candida & Co)
  • Die häufigsten Ursachen für Magen- & Darmprobleme
  • Fleisch oder Gemüse & Kohlenhydrate: Bacteroides, Prevotella & Co.

Am Ende dieses erstens Teils folgt dann mein übliches Fazit.

Das Mikrobiom – wir leben in Symbiose mit unseren ca. 39 Billionen Mikroorganismen [6]

Darmbakterien – Schlüssel zur Gesundheit von Zschocke [2]. Gute Übersicht – zum Thema – wobei der SR2-Podcast die wichtigsten Aspekte thematisiert

Bevor ich in die Irrungen und Wirrungen der Magen- und Darm-Dysbiosen eintauche muss ein Konzept dem Leser hier klar sein oder werden: Das Mikrobiom. Das erste mal kam ich ca. 2014 damit in Kontakt – also ich das nebenstehende Buch von Frau Dr. Zschocke las [2]. In jedem Fall empfehle ich euch den SR2-Podcast aus der Reihe ‘Fragen an den Autor’ anzuhören [5] – es lohnt sich!

Das Wort Mikro-biom, was sich aus den griechischem mikrós für ‚klein‘ und bios für ‚Leben‘ zusammensetzt (-> ‘kleines Leben’) bezeichnet im weitesten Sinn die Gesamtheit aller Mikroorganismen – in unserem Falle die ‘in uns’. So besteht das Mikrobiom des Menschen aus Bakterien (Einzellern) und Pilzen (-> oft Zellverbände). Nach aktuellen Schätzungen [6] hat ein durchschnittliches (menschliches) Mikrobiom ca. 39 Billionen dieser Mikroorganismen. Zum Vergleich: Ein Erwachsener Mensch hat nur ungefähr 30 Billion ‘eigener’ Zellen. Wir sind also ein ‘Symbiont’ – ohne unser Mikrobiom sind wir nichts, sind wir ‘Tod’. Meint: geht es unserem Mikrobiom ‘schlecht’ dann geht es auch uns ‘schlecht’, wobei nicht einmal klar ist ob man den Menschen, als geistiges Wesen mit seinem Gedanken, Wahrnehmungen & Empfindungen, vom Mikrobiom trennen kann – oder ob das Mikrobion Teil all dessen ist.

Wichtig im Sinne dieses Artikels ist nun, das die meisten dieser ca. 39.000.000.000.000 Mikrobiom-Mikroorganismen im Darmtrakt vorkommen bzw. leben, wobei ein Teil unsere Schleimhäute, die Mundhöhle, Haut & Co. besiedeln. Auf Schleimhäuten bilden Bakterien häufig Kolonien in Form von Biofilmen – welche nichts böses sind, sondern verhindern das für uns ‘böse’ Bakterien und Keime (-> ‘Pathogene’) sich ausbreiten oder einnisten. Deswegen ist es auch nicht gut sich zu oft mit Seifen und Desinfektionsmittel zu waschen, denn dieses ‘tötet’ die guten Bakterien und schwächt unsere Abwehr gegen die ‘bösen’.

Die vielen unterschiedlichen Bakterien aus dem intakten Mikrobiom sind nicht einfach nur da, sondern Sie erfüllen viele wichtige Aufgaben für uns: Sie verwerten z.B. einen Teil der aufgenommenen Nahrung:

  • So synthetisieren die Bakterien ein Teil der für uns lebenswichtigen Vitamine wie B1, B2, B6, B12 und K und
  • sie produzieren z.B. kurzkettige Fettsäuren wie Essigsäure und Buttersäure, u.a. aus sonst unverdaulichen Ballaststoffen.
  • Letztere sind dann wieder Energiequelle für die Darmschleimhautzellen und
  • bestimmen das Darmmilieu,
  • haben Einfluss auf die Darmperistaltik,
  • wirken (positiv) auf Entzündungen,
  • die Entgiftung von Fremdstoffen,
  • verdrängen Pathogene und Unterstützen den Abbau ansonsten schwer verdaulicher Nahrungsbestandteile wie den Ballaststoffen.

Wenn es zu starke Veränderungen des Darmmikrobioms gibt, dann folgen oft Erkrankungen wie Darmentzündungen, Darmtumore, metabolisches Syndrom, neurologische- und Erschöpfungskrankheiten – und viel mehr. [1][2][3][4][5] Durch viele kleine (tägliche) Entscheidungen im Leben beeinflussen wir so unser Mikrobiom: Mit jedem bissen den wir essen, mit jedem Medikament und speziell Antibiotika die wir schlucken, wie viel Sonne wir tanken, wann wir zu Bett gehen und noch viel mehr – worauf ich gleich noch weiter eingehe.

Wichtig ist zu verstehen, das wenn ‘gute’ Bakterien aus dem Mikrobiom-Netzwerk in unserem Darm verschwinden, z.B. durch Antibiotika oder eine Fett- und Fleischmast ohne oder mit zu wenigen Ballaststoffen, in Neusprech auch Carnivore-Diät und (extremes) Low-Carb (Fett-Mast) genannt, dann hat das Auswirkungen auf das Gesamtsystem. Die geschlagenen Lücken können nun durch andere Bakterien und Keime gefüllt werden – und diese können (kurz-, mittel- oder langfristig) unsere Gesundheit ‘verhageln’. So verlieren z.B. Menschen die sich länger Carnivore und / oder (extrem) Low-Carb ernähren aus meiner Sicht oft die Ballaststoff-verwertenden Bakterien – und können dann ‘kaum zurück’. Denn essen diese Menschen auf einmal Ballaststoffreich – dann fehlen die Bakterien um diese Nahrungsbestandteile Stoff sinnvoll zu verwerten und es kommt zu Verdauungsbeschwerden.

Die Liste der ‘garen und halbgaren’ Diagnosen & Bezeichnungen (SIBO, LPS, Leaky-Gut, Candida & Co)

Das, 1-3 mal am Tag, ist für viele das Ziel. Quelle: Pixabay

So, nun wird es konkreter. Nachfolgend habe ich mal alle Magen- & Darm-Dysbiosen und (Pseudo-) Diagnosen aufgelistet die ich so kenne – jeweils mit einem kleinen Kommentar als Erklärung oder zu Grunde liegenden Ursachen. Das ganze ist aufgrund der Menge und Komplexität der Zusammenhänge natürlich nur ein ganz grober einstieg in die Thematik, weswegen dies auch Teil 1 der Magen- und Darmserie ist [1]:

  • Fehlende Magensäure [3]- was fälschlich gegebene (und faktisch immer schädliche) Magensäureblocker noch verschärfen und was dann
    • u.a. in einer intestinale Malabsorption mündet, dies, da
    • Proteine, Mineralien (u.a. Zink, Eisen, Calcium) und Vitamine (u.a. Folat, B12, B6) nicht mehr richtig aufgenommen werden können.
    • Auch werden Pathogene (-> Keime, schlechte Bakterien) im Magen nicht mehr abgetötet und können so den Dünndarm besiedeln.
  • Leaky-Gut –  Syndrom des durchlässigen Darms – gestörte Darmbarriere bzw. Schleimhaut (Dünndarm),
    • was zu allerlei Problemen mit Nahrungsmittel führen kann, wenn diese direkt in das Blut übergehen – wie Gundy in seinem Buch Plant-Paradox beschreibt.
    • Allerdings hat der ‘durchlässige Darm’ seine Ursachen: u.a. Antibiotika, Arzneimittel, eine schlechte Ernährung, ggf. zu wenig Magensäure.
  • SIBO (Small Intestine Bacterial Overgrowth) [6] – Überwucherung mit pathogenen Bakterien, wobei die Varianten unterschieden werden müssen:
    • a) Wasserstoffdominante SIBO – zu viele Wasserstoffgas produzierende Bakterien
    • b) Schwefelwasserstoff-Dominante SIBO – zu viele sulfatreduzierende Bakterien
  • IMO (Intestinal Methanogen Overgrowth) [6] – Überwucherung mit methanproduzierenden Bakterien (Archaea)
    • Ist als Sonderform der SIBO diskutiert, da Archaea den Wasserstoff in Methan umwandeln.
    • Diese Bakterien können Pro-Inflamatorisch wirken (-> TNF-alpha), wobei eigentlich jede dieser Dysbiose ähnliche Probleme erzeugt.
  • LPS (Lipopolysaccharide) – Fettähnlichen (Lipo-) und Zucker-Bestandteile (Polysacchariden) aus gramnegativen Bakterien
    • eine ganz schlechte Darm-Besiedelung, welche chronische Entzündungen verursachen kann – speziell bei Leaky-Gut.
  • (Hefe-) Pilze (u.a. Candida)
    • Vermehren sich gerne in einem schlechtem Darm-Mikrobiom.
  • Parasiten – Einzeller, Protozoten
    • Gerne bei Fernreisen, im Urwald & Co. zugezogen – haben aber durchaus viele Menschen.
  • Histamin-Intoleranz – u.a. gestörte DAO oder Überempfindlichkeit gegen bestimmte (Histaminhaltige) Nahrungsmittel
    • Was oft keine genetischen Ursachen hat – sondern Probleme mit Mikronährstoffen und zu wenig Gallenfluss. Die DAO braucht ‘Betriebsstoffe’.
  • Zu geringe Biodiversizität des Mikrobioms,
    • u.a. Ungleichgewichte bei Firmicutes, Bacterroides, Proteobacteria, Cyanobacteria, Prevotella, Akkermansia,
    • Problme bei der Acetat-, Laktat-, Propoinat- und Butyratproduktion,
    • fehlende Diversität bei Bifidobakterium spp., Lactobacillus spp. sowie Enterococcus spp.
    • Oft durch falsche Ernährung (z.B. extremes Low-Carb, Keto, Carnivore – speziell wenn ohne Gemüse), Antibiotika, Zusatzstoffe, Gifte, Medikamente & Co.,
    • wobei konventionelle Produkte (also nicht-BIO), Kantinenfraß, Fertigfutter, Softdrinks, Milchprodukte und Süßigkeiten hier ebenfalls nicht helfen.
  • zu guter Letzt noch andere Magen- und Darmschleimhaut-Entzündungen wie Gastritis,
    • wobei die Diagnosen überschneidend sein können.

Wer die Liste aufmerksam gelesen hat und selber sich mit etwaigen Problemen rumplagt, dem ist hoffentlich ein grobes Muster aufgefallen. Eure Ur-Ur-Ur-Großmutter hatte diese Probleme sicherlich nicht und würde über all diese Diagnosen nur verwundert Ihren Kopf schütteln. Warum? Weil es die hoch-verarbeiteten Nahrungsmittel, die Medikamente, die Antibiotika und wirre Ernährungs‘konzepte’ damals noch nicht gab. Ur-Ur-Ur-Großmutter war sicherlich viel draußen und hat sich mit wenig Milchprodukten und wenig Fleisch ernährt – dafür jedoch mit viel Gemüse und Kartoffeln. Kantinenfraß, Fertigfutter, Softdrinks waren für Sie ebenfalls Fremdworte – und 73 Jogurtsorten, u.a. Erdbeergeschmack aus Pilzkulturen, unbekannt.

Die häufigsten Ursachen für Magen- & Darmprobleme

Buchtip: Ein Lob an der Magensäure von J. Wight, MD

Im vorherigen Abschnitt hatte ich es schon eingeleitet: Einige der Gründe, warum es zu den sich epidemisch ausbreitenden Magen- und Darmproblemen kommt. Hier mal meine Liste der größten Stör-, Mangel-, Umwelt- und Umfeldfaktoren [1][2][3]:

  • Magensäureblocker,
    • welche die Magensäure neutralisieren – die wir dringen brauchen um Keime zu töten und für die Vitamin & Proteinverwertung!
    • Das nebenstehende Buch führ das ganze auf 200 Seiten aus – für alle die es nicht glauben wollen.
  • Antibiotika,
    • welche die Magen- und Darmflora nachhaltig schädigen und ganze, speziell gute, Bakterienstämme auslöschen können.
    • In die frei gewordenen ‘Lücken’ können sich dann schlechte Pilze, Keime und Bakterien einnisten, da die guten Bakterien diese nicht mehr verdrängen können.
  • viele Medikamente,
    • welche alles mögliche im Magen & Darm machen – sowie Leber und Niere belasten.
  • viele hochproblematische Lebensmittel, u.a.
    • hoch gezüchteter konventioneller Weizen (-> WGA, Gliadin), speziell wenn es Vollkorn ist,
    • sowie sehr oft auch Milchprodukte aller Art (-> u.a. Laktose, Keime, etc.).
    • aber auch verschiedene Lektine, welche Problematisch werden, wenn die Darmschleimhaut nicht intakt ist.
  • Kantinenfraß, Softdrinks, Süßigkeiten, konventionelles Essen, Wurst, Zusatzstoffe, Fertigpizzas, Dosenfutter, TK- und Fertigmenüs
    • ist alles Mist – viele Zusatzstoffe, Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Geschmacksverstärker & Co. – alles Gift für das Mikrobiom.
    • Min. 99% Bio essen, alles frisch zubereiten, viel Gemüse & Kartoffeln und meine Basic-Tips beachten.
    • Merke: Konservierungsstoffe konservieren nicht nur – Sie wirken auch gegen die guten Darmbakterien!
  • zu wenig Gallenfluss,
  • zu wenig Magensäure,
    • dadurch schlechte Vitamin & Proteinverwertung und Übergang von Bakterien & Keimen in den Darm + falsche pH-Verhältnisse.
    • Leider geben in diesem Fall viele Ärzte (z.B. bei ‘Reflux’) Magensäureblocker, welche die Problematik noch eskalieren.
  • zu wenig Schilddrüsenhormone,
    • insbesondere fehlendes T3, was dann alle Zellen & Mitochondrien im Körper betrifft und ganz oft übersehen wird.
    • Ohne genug T3 gibt es nicht nur Probleme mit dem Insulin und der Glukosestoffwechsel…
  • Extremdiäten wie Low-Carb, Carnivore & Keto, viel Käse, Fleisch und Fette,
    • speziell wenn nicht 1-2 Kg Gemüse dazu verzehrt werden, denn all diese Dinge haben keinerlei Ballaststoffe, welche die Nahrung unserer guten Darmbakterien sind.
    • Viele Menschen bekommen Ihre Verdauung nach ein paar Monaten oder Jahren dieser ‘Diäten’ nicht mehr ‘geregelt’, das Mikrobiom ist ‘zerschossen’ (u.a. Bacteriodes Dominanz).
  • Histamin-Intoleranzen,
  • Psycho-Stress,
    • nicht umsonst spricht man von der ‘Brain-Gut-Axis’, der Gehirn-Magen-Achse. Darm wirkt auf ‘Brain’ und ‘Brain’ wirkt auf Darm.
    • Alleine durch Psycho-Stress kann es zum Darmverschluss bzw. sehr einem unregelmäßigen Stuhlgang kommen.
  • Mikronährstoff-Mangel und HPU,
    • denn wenn Mikronährstoffe (u.a. Vitamine & Mineralien) fehlen, u.a. durch eine HPU, wie soll dann die Biochemie (-> der Körper) funktionieren?
  • Mangel an Ballaststoffen,
    • welche die ‘guten’ Darmbakterien ernähren, welche UV-Licht emittieren, was für Dopamin, Melatonin & Co. sehr wichtig ist.
    • Allerdings, und das ist teils ein Problem, könne Ballaststoffe auch Nahrung für die ‘schlechten’ Bakterien sein – wenn diese sich einmal ‘breit’ gemacht haben.
  • Zu wenig direktes (UV-) Sonnenlicht, zu viel Kunstlicht, zirkadiane Verschiebungen
    • was dann unfassbar viele Auswirkungen auf Gehirn, Biorhythmus und auch die Verdauung und den Darm hat.
  • Parasiten
    • die ‘wir’ uns einfangen, wenn wir ‘blöde’ Dinge tun – oft auf Fernreisen.
  • (Haus-) Schimmel,
    • komplett unterschätzt – kann viele systemische Probleme erzeugen, welche sich auch auf den Darm auswirken.
  • Schwermetalle, speziell Quecksilber (meist aus Amalgam-Füllungen oder Rauffischen),
    • machen auch mannigfaltige Probleme im Darm und im Gesamtsystem (u.a. Hormone). Es ist schwer hier ein Anfang und Ende zu finden.
  • EMF – Elektromagnetische Felder – z.B. vom WLAN, Smartphone & Co.,

Ja, auch euer Smartphone macht euch und euer Mikrobiom krank. An Dinge wie Hausschimmel denkt fast keiner, Amalgamfüllungen sind lange verdrängt, Licht? – Ja, genau! Das Psycho-Stress zu einem absoluten Darmverschluss führen kann, bei dem auch ein Schnapsglas Rizinus-Öl und Ayurveda-Abführpillen nicht helfen – das habe ich selber gesehen. Über Extrem-Ernährungen reden viele nicht – und ich kenne inzwischen einige Menschen die sich damit nachhaltig Ihr Mikrobion ‘abgeschossen’ haben. Carnivore, Low-Carb & Keto lassen grüßen. Der Weg zurück ist dann oft steinig – weil von den Ballaststoff-Abbauenden Bakterien nicht mehr viele da sind – und andere, ‘böse’ Bakterien, die Ballaststoffe in Wasserstoff (SIBO) und Methan (IMO) umwandeln. Wer dann mit ‘Chronic Fatigue’ (CFS) und neurologischen Problemen zu kämpfen hat – der muss sich nicht wundern. Aber auch Extrem-Pudding-Veganer können sich veritable Nährstoffmängel ‘anessen’ – der Kreativität der ‘Selbstabschüsse’ sind keine Grenzen gesetzt.

Das eine Histamin-Unverträglichkeit oft mit einer HPU und Zink + Vitamin-B6 Mangel einhergeht ist ein alter ‘Hut’. Wie soll die DAO auch ohne Vitamin B6 (und Zink) funktionieren – u.a. auch ohne SAMe aus dem B6-Abhängigen Methylierungs-Zyklus? Wenig Folat (u.a. in Salaten & Grünzeugs) hilft dann dem vorgenannten Zyklus auch nicht – genauso wenig wie fehlendes B12, speziell wenn dann auch die Magensäure fehlt – welche für die Aufnahme von B12 braucht. Wer dazu öfters Antibiotika, Magensäureblocker und Medikamente einnimmt – der muss sich dann über gar nichts mehr wundern. Alle diese Dinge machen das Mikrobiom und die Diversität ‘Platt’. Wer dann noch Weizen, ‘optimal’ als Vollkorn, und (hoch-verarbeitete) Milchprodukte in das kaputte System schmeißt (u.a. Leaky-Gut), der sollte sich nicht wundern, wenn dann gar nichts mehr geht. Dr. Gundry nennt es dann Lektine, ich nenne es Brandbeschleuniger in der Strohhütte.

Viele von Gundrys Lektinen (Buch: Plant-Paradox) verträgt der Mensch im allgemeinen gut, einige weniger – und einige der Lektine machen auch gutes (Quercitin, Resveratrol, etc.). Wenn jedoch die Darmbarriere defekt bzw. durchlässig ist und Nahrung unverdaut in das Blut kommt – dann schlägt die Immun-Polizei ordentlich drauf, was dann den ‘Stress’ macht. Schuld sind aber meist nicht die Lektine, sondern die oben beschrieben Ursachen, welche u.a. zu ‘Leaky Gut’ führen und oft bzw. zusätzlich noch falsche Zubereitungstechniken und falsche Zutaten.

Fleisch oder Gemüse & Kohlenhydrate: Bacteroides, Prevotella & Co.

Ein grenzwertiger Prevotella-Status in einer Mikrobiom-Analyse.

In meinem 3ZU-Artikel hatte ich, neben vielem anderen schon etwas zu Prevotella & Bacteroides geschrieben.

Zu den Darm-Bakterien möchte ich eine kleine Geschichte erzählen: Wer noch nie bzw. kaum Hülsenfrüchte gegessen hat, wird das ganze ggf. kennen: Pups, Grummel, Pups, Grummel, Pups…. speziell wenn die Linsen, Bohne oder Kichererbsen nicht eingeweicht, Unterkocht sind oder roh-gekeimt waren. Werden diese Dinge jedoch richtig zubereitet (-> Keimen, Dampfdruckkochtopf), richtig gekaut (-> Amylase) und wird mit kleinen Mengen angefangen (teil auch Roh), dann gibt sich das ‘Pups’ mit der Zeit. Warum? Das Mikrobiom passt sich (langsam) an. Das gleiche gilt denn auch für größere Mengen Rohkost, Salate, anderes Gemüse und Grünzeug.

In diesem Kontext ist es ggf. wichtig zu wissen, das es zwei stark verschiedene Darmbesiedlungen (-> Enterotypen) in Bezug auf Bakterien (-> Bacteriodes und Prevotella [11]) gibt. Je nachdem, ob man eher fleisch- und tierproduktlastige (Bacterioides, Enterotyp I) bzw. eher pflanzlich dominierte Nahrung und Kohlenhydrate (Prevotella, Enterotyp II) zu sich nimmt bildet sich eine Dominanz von Typ I oder II aus [8][10]. Dies macht ja auch Sinn, weil es verschiedene Bakterien braucht um die Nahrungsbestandteile zu verwerten.

Der Enterotyp ist dabei wirklich von der Ernährung und vom nicht Geschlecht, Genom, Alter, etc. abhängig – und lässt sich durch eine Umstellung der Ernährung auch ändern [9]. Die Forschung steht noch am Anfang – jedoch tritt z.B. Darmkrebs fast nur bei Menschen auf, bei denen die Bacterioides Bakterien dominant sind.

Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: In Fleisch, Ei, Milch, Käse, Fett & Co. sind keine Ballaststoffe enthalten. Gemüse, Kartoffeln, Reis, die stärkehaltige Wurzelgemüse, Hülsenfrüchte & Co. bringen diese jedoch im Überfluss mit. Letzteres ist wichtig, damit unsere ‘guten’ Darmbakterien wohl genährt werden und dann daraus z.B. hochwertige Fette bauen. So bestätigen auch Meta-Analysen vieler Studien das Ballaststoffe aus Lebensmittel Herz- und Gefäßkrankheiten reduzieren bzw. negativ mit diesen assoziiert sind [12]. Allerdings, und das ist die Einschränkung, können viele nicht mehr mit Ballaststoffen umgehen – wenn die Mikrobiom-Diversität zerstört ist. Wie man aus dieser Falle ggf. herauskommt, das mag ich in Teil 2 & 3 dieser Serie besprechen.

Aber warum ‘fahren’ dann ‘angeblich’ so viele Menschen gut mit Carnivore & Co.? mögen einige Leser hier Fragen. Auch dazu habe ich meine Antwort: Fett- und Fleischprodukte sind in der Regel sehr wenig allergen. Menschen mit Darm-Dysbiosen (Leaky-Gut, Nahrungsmittelunverträglichkeiten) und ggf. zu wenig Magensäure nutzen dann die ‘scheinbar’ einfachste Variante: Eine Extremdiät die aus meiner Sicht neue Probleme produzieren wird. Diese Menschen könnten einen Nahrungsmittel-Verträglichkeits-Test machen, eine Mikrobiomanalyse und eine Magen-pH-Wert Messung um der Ursache auf den Grund zu gehen, dann mit einer Eliminationsdiät beginnen und die zu Grunde liegenden Probleme gezielt (mit jeweils passenden Interventionen & Ergänzungen) angehen. Das jedoch ist eine Thematik für einen zukünftigen Teil dieser Serie.

Mein Fazit

Abnahme der Magensäure im Alter. Basierend auf: K. Krentz et al., 1984 & [3]

Das Thema Magen- und Darm-Dysbiosen ist komplex, weil es auch sehr individuell ist. Im Detail gibt es so viele Unterschiede was teils schief gelaufen ist, dass es ‘allgemeine Kochrezepte’ hier nur schwerlich gibt. So muss aus meiner Sicht breit geschaut werden. Gerade die fehlende Magensäure, hoch problematisch mit dem steigenden Alter, ist etwas was sehr viele übersehen.

Ein Minimum-Vorschlag der Untersuchungen wäre für mich deswegen auch folgendes:

  • Check Ernährung + persönliche Historie
    • Meint: Ausführliche 1-2 h Basis-Anamnese
  • Check Nahrungsmittel- Unverträglichkeiten und genaue Symptome in Bezug auf verschiedene Lebensmittel, Stuhlgang und Umstände
    • Wichtig: Hier gibt es verschiedene Tests, wobei nicht alles “was taugen”.
  • Check Mikrobiom & Darmflora (Stuhlprobe)
    • Hinweis: Auch hier gibt es verschiedene Tests & Anbieter – oft komplex auszuwerten bzw. daraus einen Plan zur Umsetzung zu machen.
  • Check Magensäure (oft zu wenig, speziell im Alter)
  • Check relevante Blutwerte 
  • Check HPU
  • Check Schilddrüse
  • Check Methylierung (u.a. Homocystein, Folat, B6, B12, MTHFR)
  • Check Gallenfluss (u.a. Cholin-Zufuhr, PEMT)
  • Check Umgang mit EMF & Licht

Wenn dieses ein Therapeut nicht macht bzw. zu viel von der Liste nicht macht, dann wird es aus meiner Sicht schwierig. Allerdings, und das ist ein großes Problem, sind viele Betroffene hier auch nicht (selbst-) ehrlich. Sie verschweigen teils Ihnen selber ‘peinliche’ (jedoch sehr relevante) Ernährungsdetails, liefern kein (ungestelltes) ein Bild vom eigenen Kühlschrank, der Speisekammer bzw. dem Vorratsschrank und auch keine Fotos von 3 Tagen Frühstück, Mittag und Abendessen.

Wenn dann z.B. eine Eliminierungs-Diät angesprochen wird, oder der kategorische Ausschluss von bestimmten Nahrungsmitteln & Getränken, das konsequent 99+ % Bio eingekauft werden muss, alle Pflegeprodukte auf Naturkosmetik umgestellt werden müssen – auch dann wird es oft schwierig.

Wenn es dann heißt: Verschenkt den ‘alten toxischen Dreck’ oder schmeißt Ihn weg – dann verstehen viele immer noch nicht, dass das geliebte Nicht-Bio oder Junk-Food nicht durch den eigenen Darm gehen muss um in der Toilette bzw. Müll zu landen. Ja, wirklich: Man kann (schlechte) Dinge auch ohne Umweg über den eigenen Magen- und Darm (oder die Haut) in den Abfall geben.

 


Links / Quellen

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