Kupfer Teil 1: Nötiges Spurenelement & kritisches Schwermetall – Von zu wenig und zu viel Kupfer

By | 11. September 2019

Kupfer – nicht zu viel (u.a. aus Rohren & Kochgeschirr) und nicht zu wenig. QUelle: Pixabay

Kupfer ist ein Schwermetall das wir für unser überleben brauchen – das jedoch im Überfluss und zu hoher Konzentration in unserem Körper schwerste Vergiftungs-Symptome auslösen kann [1].

Kupfer ist essentiell wichtig für die Entgiftungs-Enzyme und seine Funktion im Eisen-Transport – kann aber bei ‘zu viel’ die gleichen (u.a. neurologischen) Symptome wie bei einer Quecksilber-Vergiftung hervorrufen und bei Frauen zudem schwerste PMS-Beschwerden auslösen. Insofern möchte ich mit diesem Artikel ein bisschen tiefer in die Thematik einsteigen und folgende Themen evaluieren:

  • Wofür wir Kupfer brauchen
  • Was die Nebenwirkungen von zu viel Kupfer sind
  • Kupfer und Schwermetall-Belastungen mit Quecksilber
  • Methoden mit denen die Kupfer-Aufnahme zu senken ist
  • Kupferspeicher-Krankheiten (Wilsons, Menkes)
  • Kupfer-Quellen im Essen

Im zweiten Teil über Kupfer werde ich dann auf die Punkte:

  • Kupfer im Serum – ein guter Marker für den Kupfer-Status?
  • Intrazelluläres Kupfer – das was man (noch) nicht messen kann
  • Blutwert-Diagnostik
    • u.a. Coeruloplasmin, freies Kupfer & Co.
  • Kupfer-Diagnostik mittels Haar-Analyse
  • Kupfer-Antagonisten – Methoden zur Senkung des Kupfers im Körper (Ergänzung)

eingehen.

Ein wichtiger Aspekt in diesem Artikel ist denn auch, das Kupfer nicht nur im Mangel – sondern oft (bzw. eher öfters) auch im krassem Überschuss sein kann. Leider wird letzterer Aspekt nicht so breit diskutiert. Zudem ist ein deutlicher Überschuss auch schwer (oder kaum) mittels der Blutwert-Diagnostik zu bestimmen. Problematisch wird es dann, wenn bereits mit Kupfer überladene Menschen dauerhaft Kupfer supplementieren, weil Sie u.a. denken oder davon ausgehen, das es nicht schaden kann. So einfach ist das alles aber leider nicht…

Die positiven Seiten von Kupfer – wo es gebraucht wird

In Bezug auf positive Eigenschaften von Kupfer ist sicher das Blog Edubily ein guter Anlaufpunkt, da dort oft über die vielen positiven Effekte einer guten Versorgung mit Kupfer berichtet wird. Aus verschiedenen Quellen haben ich folgendes zusammengefasst [2][8][10][16]:

  • Kupfer ist wichtig für die (Kupfer/Zink) Superoxiddismutase (SOD) einem sehr wichtigen Protein bzw. Enzym welches freie Radikale (Superoxid, OO) entschärft. Megawichtig!
  • Kupfer reguliert auch z.B. das Enzym Dopamin-ß-Hydroxylase, was für die Umwandlung von Dopamin in Noradrenalin zuständig ist (positiver Stress).
  • Kupfer ist essentiell für den Eisen-Transport im Organismus (Ferroxidase I, Ceruloplasmin & Hephaestin) [8].
  • Kupfer Wichtig im Methylierungs-Zyklus (Methionin Synthase) und für die Regenerierung von SAMe (Adenosylhomocysteinase) [8].
  • Kupfer ist wichtig für die ATP-Produktion in den Mitochondrien, da es Cofaktor der Cytochrom-C-Oxidase (Komplex IV) ist.
  • Kupfer wird in der Amin-Oxidase (Flavine) benötigt, u.a. für den Metabolismus der Neurotransmitter (Noradrenaline, Dopamine, Serotonin). [8]
  • Eine mangelnde Kupfer-Versorgung hat Auswirkungen auf den Lipi-Haushalt, kann aber auch zu Problemen mit dem Glukose-Haushalt, der Leber, etc. führen, denn Kupfer-Mangel macht insulinresistent [3].
  • Kupfer reguliert die Enzyme Tyrosinase bzw. Monophenol Monooxygenase (u.a. Pigmentierung aber auch Melatonin [8]).
  • Aber auch der Lysyloxidase (Bindegewebe, Kollagen) und der Thioloxidase (Disulfidbrücken-Bildung in Proteinen).

Einige raten wegen dieser Wichtigkeit von Kupfer dann zum (regelmäßigen) Konsum von Leber-Produkten und Meeresfrüchten, da die pflanzlichen Quellen von Kupfer eine eher schlechte Quelle darstellen würden (-> Phytinsäuren). Teils wird dann auch (bei an Leber- und Meeresfrüchte armer Ernährung) zu 1-2 mg Kupfer als (Erhaltungs-)Dosis (in Form eines Supplements), sowie zudem auch Mangan (2 mg) und Eisen (15 mg) geraten [5].

Das Problem was ich hier sehe: Kupfer, Mangan und Eisen sind alles sehr Pro-Oxidative Metalle mit einem recht engem (Anwendungs-) Bereich des ‘genau richtig’. Eine Überdosierung bzw. zu viel Kupfer, Eisen und/oder Mangan können denn auch sehr viele gesundheitliche Probleme bereiten [1].

Insofern möchte ich mit diesem Artikel etwas mehr ergründen wo die (jeweils individuelle) Wahrheit liegen könnte – und wie ‘hoffentlich’ einigermaßen gesichert der eigene Kupfer-Status in Erfahrung gebraucht werden kann.

Kupfer im Essen wo ist es enthalten?

Meine Kupfer-Zufuhr – Ein Cronometer Beispieltag

Kupfer ist in vielen Dingen enthalten – u.a. auch Kartoffeln und Buchweizen – meinen beiden Klassikern. Viel konzentrierter findet sich Kupfer jedoch in einigen Samen wie z.B. Sesam und Hanf. Richtig gute Quellen sind jedoch insbesondere (Angaben pro 100 g) [4]:

  • tierische Leber (1200-4500 µg – Schwein bis Kalb)
  • Muscheln (3600-4500 µg)
  • andere Meeresfrüchte (440-1100 µg, letzeres bei Krabben)
  • Samen & Saaten (1340-1500 µg – Kürbis bis Sesam)
  • Nüsse (900-1300 µg – Walnuss/Mandel bis Haselnuss)
  • Hülsenfrüchte (449-1200 µg – Kichererbsen bis Sojabohnen)
  • Getreide & Haferflocken (um die 450-550 µg)
  • Kakopulver (3800 µg)
  • Käse (bis ca. 1000 µg)

Mit einer Cronometer-Ernährung (rein pflanzlich!) komme ich so auf ca. 5-7 mg am Tag, was ich angesichts der DGE-Empfehlung von 1-1,5 mg am Tag (Erwachsene) für deutlich ausreichend empfinde – egal ob nun ein paar Phytinsäuren die Aufnahme aus den Pflanzen etwas vermindern. Allerdings stimme ich Michalk bei seiner Kritik an den Empfehlungen zu, denn 1-1,5 mg Kupfer als offizieller Tagesbedarf ist mir nicht plausibel, wenn man mit normaler Ernährung leicht das 4-Fache der oberen Empfehlung der DGE schafft. Und das ganze ohne Fleisch & Co.!

Ist ein Kupfermangel weit verbreitet?

Bevor ich die Probleme von zu viel Kupfer bespreche, bei denen ich davon ausgehe das dies auf sehr viele Menschen zutrifft, möchte ich noch einmal auf die Problematik eines (eventuellen) Kupfer-Mangels eingehen. Michalk (Edubily) schreibt u.a. [1]:

“Wir Europäer und Amerikaner haben ein Problem mit Kupfer. Wir schaffen es kaum, die nötige Menge an Kupfer aufzunehmen, die zu allem Übel vermutlich sowieso zu niedrig angesetzt ist.”

Angesichts meiner Kupfer-Zufuhr nach Cronometer sehe ich nicht, wie man unter 1-1,5 mg Kupfer pro Tag aufnehmen kann – es sei denn, man frönt einer kompletten Fehlernährung, wo dann der Mangel an Kupfer sicher noch das geringste Problem wäre. Interessanter Weise habe ich zur Aussage von Michalk dann noch ein Paper von Dr. James DiNicolantonio gefunden, dessen Buch über Salz ich hier schon mal vorgestellt hatte. DiNicolantonio schaut mir zwar auch etwas zu einseitig auf die Studienlage, aber Dumm ist er sicher nicht. So schreibt er u.a. [10]:

In the EU and in the UK, half of the adult population consumes less than the recommended amount of copper, and in the USA and Canada, at least a quarter of the population consumes less than the estimated average requirement. And other studies have found that over 80% of the population may get less than the RDA (0.9 mg/day) for copper from food. Around one-third of diets contain less than 1 mg of copper daily and 61% contain less than 1.5 mg with only 18% of diets exceeding 2 mg/day. Thus, marginal copper deficiency may be quite common.” [10]

Das sind für mich krasse Zahlen – und ich habe die Original-Studien nicht gelesen – mich aber an meinen Cronometer-Analyse eines ‘gut essenden’ Kantinen-Mischköstlers erinnert. Und was steht da für Kupfer? 1,1 mg. Aua. Michalk und Dr. DiNicolantonio scheinen also durchaus schlagkräftige und ernst zu nehmende Argumente zu haben, welche durch meine eigenen Analysen in Bezug auf die Mikronährstoff-Aufnahme unterstützt werden!

Wo sehe ich das Problem was beide, Michalk & DiNicolantonio ggf. übersehen? Eine Ernährung die nur ca. 1 mg an Kupfer (oder weniger) liefert – ist aus meiner Sicht eine Mangelernährung. Hier nur das ‘zu wenig Kupfer’ hervorzuheben und darauf eine Argumentation ‘Pro’ Supplementation aufzubauen ist für mich stark verkürzend.

Wie weit verbreitet ist ein ‘krasser’ Kupfermangel?

Nach einem Artikel bei Selfhacked.com [6] mit Referenz die Standard-Literatur ist ein offener/elementarer (‘Frank’) Kupfermangel in Menschen jedoch eher selten [7] oder ‘rare’ [9]. Das Problem was ich da sehe ist jedoch, das es wohl kaum verlässliche Daten dazu gibt (“Reliable data on the overall population at risk of hypocupraemia from all causes, including bariatric surgery, are not available” [9]) und ein Kupfermangel diagnostisch auch schnell übersehen wird. So gibt es wohl (die üblichen) Fehl- und Falschdiagnosen – und es kann Jahre dauern bis die Ursache festgestellt ist:

Copper deficiency is an underrecognised cause of neurological dysfunction and a spectrum of cytopenias. A retrospective review of 40 patients with hypocupraemia found the median interval from initial presentation with neurological or haematological findings to diagnosis of copper deficiency to be 1.1 years (range 10 weeks to 23 years)” [9]

Das gleiche gilt dann aus meiner Sicht auch bei vielen anderen Mangel-Symptomen in Bezug auf Mikronährstoffe oder Vergiftungen mit z.B. Quecksilber – welche u.a. zur Folge haben das sich zu viel intrazelluläres Kupfer (nicht im Serum messbar) anreichert – so wird auch eine Kupfer-Überladung in Bezug auf die Symptome oft übersehen [1].

Kupfermangel – was sind die Risikogruppen?

Betroffen sind wohl primär Neugeborene, Menschen die hohe Dosen an Zink-Supplementen nutzen, welche die einen Mehrbedarf haben (u.a. Schwangere und stillende Frauen), Menschen mit Magen- und Verdauungs- (-> Resorptions-) Problemen (u.a. Antazida, Zölliakie, Menkes), zystischer Fibrose sowie Bluthochdruck.

Hinzufügen möchte ich noch: Menschen mit einer beschissenen Ernährung (sorry, für diese direkten Worte…). Leute, es gibt Cronometer – wir schreiben das Jahr 2019! Wer nach Cronometer schon zu wenig Kupfer pro Tag zuführt – der muss wohl eher nicht darüber diskutieren ob ggf. pflanzliches Kupfer weniger oder tierisches Kupfer besser aufgenommen wird.

Kupfermangel-Symptome

Die Zeichen eines Kupfer-Mangels können vielfältig sein und sich auch mit denen eines Eisen-Mangels vergleichbar sein – weil ohne genug Kupfer auch der Eisen-Transport beeinträchtigt wird [6][10]:

  • Anemie, niedrige Neutrophile (im Blutbild), hohes Apolipoprotein
  • Wachstumsstörungen, dünnes Haar, schlechte Haut,
  • neurologische Probleme, optische Neuropathie
  • Hepatische Eisenüberladung
  • Bluthochdruck, Atherosklerose, hohes LDL & Triglyceride, niedriges HDL
  • Fettleber, etc.
  • niedriges Hämoglobin, Hämatokrit, ggf. niedriges MCV, MCH – jedoch normales Ferritin, Transferrin, etc. [1]

Das Problem: Zu viel Kupfer macht ähnliche Probleme… u.a. fast alle einer Schwermetall-Vergiftung wie mit Quecksilber [1]. Insofern ist es schwer von seinen Symptomen auf einen Mangel an Kupfer zu schließen! Ohne Blutwert-Diagnostik, ggf. auch eine Haar-Analyse,  geht hier aus meiner Sicht ‘nix’.

Die Schattenseite: Die Risiken von zu viel Kupfer

Kupfer ist nach A. Cutler, Ph.D (Biochemie) von allen essentiellen Mineralien das, was in normalen physiologischen Mengen der Zufuhr am schnellten toxische Werte erreichen kann. Schon 5 mg Kupfer am Tag als Supplement (auf Dauer) können zu toxischen Akkumulationen führen. Supplemente mit 10 mg / Tag können das (in manchen Menschen) bereits nach einer Woche erreichen, wenn zusätzlich kein Zink oder Molybdän eingenommen wird, was die Aufnahme von Kupfer senkt [1].

Wer diese Zahlen unglaubwürdig findet, dem gebe ich zu bedenken das der Mensch nur ca. 100 mg Kupfer im gesamten Körper enthalten soll [15]. 7 Tage je 10 mg Kupfer-Supplementierung würden dann schon fast dem gesamten Körperbestand entsprechen. Zudem ist Kupfer (in ausreichenden Mengen) ein toxisches Bio- bzw. Fungizid. Wir Menschen benötigen Kupfer jedoch als Spurenelement aber nicht im großen Mengen wie z.B. Calcium oder Magnesium.

Auch das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) schreibt, das wegen des geringen “Abstandes” zwischen oberen Limit (UL) und der üblichen Kuferzufuhr (97,5 Percentile der Kupferzufuhr), Kupfer derhöchsten Risikokategorie zuzuordnen ist. Aus dem BfR-Dokument [19]:

“Für Nahrungsergänzungsmittel kann vom BfR ein Zusatz von Kupfer im Sinne der oben dargelegten Option c) aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes nicht empfohlen werden.”

Zu viel Kupfer ist also kein Spaß. Hohe (Dauer-)Dosen wie bei Vitamin D3 oder den B-Vitaminen werden hier nicht verkraftet, Metabolisiert und ausgeschieden, da hier die Leber sowie ausreichend Gallensaft nötig sind – und eine gute Leberfunktion sowie genug Gallensaft hat auch nicht jeder. So ist Kupfer meines Erachtens und meiner Lesart nach deutlich kritischer als Eisen-, Selen- und insbesondere Mangan-Supplemente, wo auch schnell ein zu viel (bzw. zu wenig) gibt – also der therapeutisch sinnvolle Bereich recht eng ist.

Problematisch am Kupfer ist jedoch, das man den Status im Blut nicht so gut messen kann wie bei Eisen, Selen und Mangan (-> Vollblut-Diagnostik) – was es schwer macht, definitiv zu erkennen ob eine Kupfer-Überladung bzw. ein Mangel vorliegt. Dieses ist deswegen der Fall, weil Kupfer auch intrazellulär gebunden werden kann – und so nicht im Blutserum zu messen ist bzw. auftaucht. Letzteres ist der Gegenstand vieler Forschungen, welche es jedoch noch nicht so lange gibt [15].

Was befördert die Anreicherung von Kupfer im Körper?

Bestimmte Umwelt- oder Gesundheitsbedingungen fördern die Anreicherung bzw. die verminderte Ausscheidung von Kupfer im Körper. Das Ergebnis ist dann immer das gleiche: Eine Kupferüberladung. Problematisch ist bzw sind u.a. [1][13][14]:

  • Zu viel Kupfer im Trinkwasser (ggf. auch Kupferleitungen beim falschem Ph-Wert).
  • Kupfer aus Kochutensilien und Geschirr.
  • Morbus Wilson – eine Krankheit bei der die Kupfer-Ausscheidung der Leber stark beeinträchtigt wird.
    • Anm.: wobei sich dies nicht im Serum-Plasma (Blutwert) reflektiert, jedoch wohl im ‘freiem Kupfer’ [13]
  • eine eingeschränkte Funktion der Nebennieren zur Kupfer-Akkumulation führen kann
  • Jede (milde) Leberfunktionsstörung die Kupfer-Ausscheidung über den Gallensaft vermindert – also Kupfer akkumuliert wird.
    • Menschen mit Probleme an der Galle , Hepatitis oder anderen Leber-Krankheiten tragen nach Cutler so ein latentes Risiko für eine Kupfer-Akkumulation.
  • Krankheiten bzw. Organstörungen, die dann wieder indirekt auf die Leber wirken wie [14]:
    • Schilddrüsen-Unter- und Überfunktion
    • Rheumatoide Arthritis
    • Krebs (Leukämie, Lymphom)
  • Die durch Quecksilber ausgelöste Störung im Mineralstoff-Transport befördert die Akkumulation von Kupfer [1]
    • Was für alle Menschen mit (ehemaligem) Amalgam im Mund oder
    • Belastung durch Farben, Industrie-Quecksilber (alte Manometer, Barometer, Thermometer),
    • Arbeiten in Zahnarztpraxen und Laboren sowie dem
    • Umgang mit zerbrochenen Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen relevant sein kann.
  • Hier möchte ich auch noch die HPU & KPU hinzufügen – Anreicherung von Kupfer durch massiven Zinkverlust…

Gerade die Quellen von Quecksilber sind vielfältig und betreffen sicher die meisten Menschen >40 Jahre gerade wegen Zahn-Amalgam. Die Haar-Tests (und Blutwerte), die ich selber in diesem Kontext gesehen und analysiert habe sind in der Tat gruselig in Bezug auf die Kupfer-Akkumulation. So schreib auch Daunderer bereits in den 90’er Jahren:

“Bei jeder Dysballance des Schwermetallhaushaltes kommt es zu einer deutlichen bis hochsignifikanten Speicherung von Kupfer bei völlig normalen bis leicht erhöhtem Serumkupfer. Normal bis 500µg/l. Kupfer und Zink wirken antagonistisch, in der Regel kommt es zu einem Zinkmangel” [18, Seite 792]

Wer diesen Aspekt bei einem ‘scheinbaren’ Kupfer-Mangel übersieht, der handelt aus meiner Sicht fahrlässig.

Folgen & Symptome einer Kupferüberladung & Toxizität

Das überschüssige Kupfer kann sich in Niere, Gehirn und Augen anreichern, toxisch auf Leberzellen wirken und Nervenzellen beschädigen – zudem kann durch die Anreicherung des Kupfers die Zink- und Eisenaufnahme beeinträchtigt werden [13]. Weitere Auswirkungen können sein [1]:

  • Zu viel Kupfer schädigt die Nieren (bei Diabetikern) und kann zu Blindheit führen (Augenkrankheiten).
    • Es sollte nach Cutler bei Diabetikern und Menschen mit Augenkrankheiten (aber auch Krebs) vermieden werden – falls nicht explizit ein Mangel nachgewiesen wurde.
  • (Hohes) Kupfer ist ein synergistisches Gift in Bezug auf  Belastung mit anderen Schwermetallen (z.B. Quecksilber).

Ein Kayser-Fleischer-Ring, Kupferablagerungen in der Hornhaut, deutet darauf hin, dass der Körper Kupfer nicht richtig metabolisiert.. Quelle: Wikipedia, CC BY SA 3.0, Fred/Dijk

In Bezug auf eine Diagnose können dann so-genannte Kayser-Fleischer-Ringe in den Augen auftreten – ein recht sicheres Zeichen für eine massive Überladung mit Kupfer.

Grundsätzlich ist eine Kupfer-Intoxikation nach Cutler wohl fast nicht von den Symptomen von einer Quecksilber-Vergiftung zu unterscheiden [1]. Bei Frauen können jedoch noch Starke PMS-Symptome hinzukommen. Grundsätzliche Kupfer [14][16] & Hg-Symptome sind u.a. [1]:

  • Parkinson-Ähnliche Symptome, Schizophrenie, psychotische Episoden
  • Emotionale Reaktionen, Irritierbar, Diskussionen, Vermeidungsverhalten, Zurückhaltend, Sozialer Rückzug, schnelle Stimmungswechsel,
  • Gehirn-Nebel (‘Brain-Fog’), Intelligenz geht schleichend zurück, Kreatives Denken wird schwieriger, Psychosen, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Depressionen,
  • Trockene Haut, Fuß- und Nagelpilz, Haarausfall,
  • Schilddrüsenunterfunktion, Störungen des Immunsystems
  • MCV/MCH (etwas) erhöht, GOT/GPT (leicht) erhöht, Blutzucker erhöht

Ein großer Bericht zur toxischen Wirkung von Kupfer (u.a. durch Wasser und in Tierversuchen) in Bezug auf chronisch hohes Kupfer und die teils schwer zu interpretierenden Datenlage in Studien fügt dann noch folgendes hinzu [12]:

  • Leberkrankheiten / Hepatotoxizität
  • Reproduktions- und Wachstumsstörungen

Das ganze Teil ist aber umfangreich und recht schwer zu lesen. Interessant auch, das Kupfer als Biozid im (biologischem) Pflanzenschutz eingesetzt wird. Dr. Lam [17] fügt hier noch hinzu, das auch:

  • Problematiken mit der Nebenniere (Erschöpfung)

kritisch sind, genau wie die der Leber – weil hier zu wenig Kupfer ausgeschieden wird und sich anreichern kann. So komme es auch bei einer kompromittierten Nebenniere zu einer verminderten Produktion von Coeruloplasmin, was hohe Spiegel an ungebundenem Kupfer bedeutet [17]. Autsch. Im Wiki der University of Rochester in Bezug auf Kupfer steht dann auch recht unmissverständlich in Bezug auf Kupfer und übliche Quellen von ‘zu viel’ [13]:

Too much copper can be toxic. You can get too much copper from dietary supplements or from drinking contaminated water. You can also get too much copper from being around fungicides that have copper sulfate.”

Insofern ließt sich das Fazit der Studie von DiNicolantonio [10], in der ich nichts über die Gefahren von ‘zu viel’ lesen konnte, schon ziemlich irritierend für mich:

Copper in the diet or as supplementation has low toxicity, and an increased consumption of copper has the potential to reduce the population-wide incidence of IHD, heart failure and fatty liver disease.” [10]

Ich halte das für extrem vereinfachend – weil es ja nicht um zu wenig Kupfer – sondern in erster Linie um eine ‘beschissene’ Ernährung geht. Die Aussage ist mir also viel zu pauschal – wie auch bei anderen Artikeln über Kupfer [2].

Kupfer – viele Interaktionen (Vitamin D3, Retinol, Eisen, etc.)

Kupfer – wie jedes andere Spurenelement oder Vitamin im Körper steht nicht alleine da – alles interagiert mit allem und hohe Dosen von X lösen ggf. Ungleichgewichte in Bezug auf Y und Z aus. So erniedrigt Zink die Kupferaufnahme… aber es gibt noch mehr Interaktionen:

  • Eine hohe Zufuhr von Kupfer – verstärkt die Ausscheidung von Selen – und umgekehrt.
  • Eine überhöhte Calcium- und Eisenaufnahme senkt die Kupferaufnahme.
  • Eine überhöhte Kupferaufnahme hemmt die Aufnahme von Zink – und umgekehrt – wie schon erwähnt.
  • Hohe Gehalte an Schwefel der Nahrung (z.B. MSM) hemmen die Kupferaufnahme.
  • Ein Überschuss an Mangan verschlechtert die Zink- und Kupferaufnahme.
  • Molybdän senkt die Kupferaufnahme – und umgekehrt.

Aber das ist noch nicht alles – auch Vitamin D (welches viele gerne in hohen Dosen einnehmen) und Vitamin A (welches viele vergessen) haben EInfluss auf den Kupfer-Haushalt. Warum? Dazu hatte ich mal etwas in meinem Artikel zu Vitamin D3 hatte ich mal geschrieben:

“Gleichzeitig verdrängt Vitamin D wohl das Retinol (Vitamin A) aus der Leber , was dann die Bildung von Coeruloplasmin beeinträchtigt. Letzteres ist jedoch für die Ferroxidase-Aktivität wichtig, welche bei Mangel zu Kupfer- und Eisenüberladung in den Zellen, gleichzeitig jedoch zu einem Kupfer- und Eisenmangel im Blutplasma führen kann.”

Toll, oder?

Was lernen wir bzw. ich daraus? Wenn man mittels Supplementen ‘schraubt – sollten die Interaktionen beachtet und nichts übertrieben werden. Wie man dann den Kupfer-Wert im Körper halbwegs abschätzen kann – oder auch nicht – das ist dann Fokus vom zweiten Teil über Kupfer.

Mein Fazit

Mangelernährte Menschen haben einen Kupfer-Mangel – ich denke das ist mein kompaktes Fazit. Alle anderen, wenn Sie nicht anderweitig Krank sind oder irgend eine (extreme) Hochdosis-Supplementation mit Vitamin D, Selen, Zink, Molybdän bzw. Schwefel machen, sollten in der Regel kein Problem mit zu wenig Kupfer haben. Dies betrifft natürlich nur Menschen die sich nicht Mangelernähren… und da liegt die eigene Warnehmung oft weitab der (Cronometer-)Realität…

Allerdings – und das ist das Problem das mir mehr begegnet ist – haben viele Menschen wohl ein Problem mit zu viel Kupfer in den Zellen bzw. den Organen. Wo bei ‘zu wenig’ einfach Supplementiert werden kann – ist das ‘loswerden’ von zu viel Kupfer ein Problem. Hier sind meiner Erfahrung nach gerade Menschen mit einer substanziellen Quecksilber- bzw. Amalgam-Belastung betroffen , sowie potentiell Menschen mit einer HPU (durch die ebenfalls hohe Zink-Ausscheidung).

Das große und erfahrene NEM-Hersteller, z.B. Life Extension (LEF), dann bestimmte Multivitamin-Präparate (u.a. den LEF-Mix) auch explizit ohne Kupfer anbieten – ja, sollte ebenfalls nachdenklich machen und ein Indikator sein, das Kupfer nicht jedermanns Sache ist. Dies scheint dann so viele Menschen zu betreffen, das es sich für LEF kommerziell lohnt dafür ein extra Produkt bzw. eine extra Mischung herzustellen. So ist in den Multivitamin-Präparaten mit Kupfer dann auch meist recht viel Zink & oft Molybdän. Das Kupfer wird in diesem Falle dazu gegeben, damit bei Langzeiteinnahme des NEM (-> also z.B. das viele Zink, Molybdän und Selen im LEF Mix) nicht die Zufuhr bzw. Aufnahme an Kupfer leidet.

“Wir haben also kein Kupfer-Problem” (zumindest kein generelles) mag ich in Bezug auf DiNicolantonio [10] – aber auch anderen – folgern. Solche Schlüsse gibt es aus meiner Sicht nur, wenn nicht auf das ganze Bild geschaut wird. Und klar: Mit einer Fehlernährung kann auch gezielt ein Kupfermangel erzeugt werden. Aber dann wird es sicher nicht nur an Kupfer mangeln…


Quellen / Links

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