(Edel-)Schokolade & (Bitter-)Kakao: Lecker Cadmium!

(Bitter-)Schokolade. Quelle: Pixabay

Als ich die Sache mit Radium in Paranüssen recherchierte, welche teils auch schön Cadmium (Cd) enthalten, bin ich durch Zufall auch über Kakao gestolpert, welcher – wenn er aus Südamerika kommt – oft richtig viel Cadmium enthält.

Zwar hat die EU Grenzwerte eingeführt (ab 2019 verbindlich) [1] – welche jedoch ‘relativ hoch ausgefallen’ sind (bis zu 0,8mg Cd/Kg) und wohl so bemessen wurden, das sie den Produzenten stark entgegen gekommen sind [7]. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hatte dann in Bezug auf Schokolade mit >= 50 % Kakao um Faktor 2,7 niedrigere Grenzwerte vorgeschlagen [2, 3], insb. nach dem die EFSA [9] den Grenzwert für Cadmiun in 2009 auf 2,5µg/Kg Körpergewicht und Woche angepasst hatte (entspricht ca. 1,2mg Cadmium bei einer 70Kg Person pro Woche).

Das war es erst mal in Kürze in Bezug auf die harten Fakten. Was all das bedeutet nun nachfolgend im Text.

Die Geschichte…

Aus den Jahren 2007-2011 findet sich einiges in der Presse, dann noch mal Ende 2016 – aber so richtig Abgehoben scheint die Geschichte nie zu haben. So lässt sich in einem aktuellen Bericht (2016) der ETH Zürich auch folgendes finden:

“Vor ein paar Jahren ging ein Aufschrei durch die Presse. Deutsche Wissenschaftler fanden heraus, dass Bitterschokolade bedeutende Mengen des giftigen Schwermetalls Cadmium enthalten kann. Besonders stark belastet sind Kakaobohnen aus Lateinamerika. Durch regelmässigen Konsum von Bitterschokolade (mit hohem Kakaoanteil) können Konsumenten über Jahre beachtliche Mengen Cadmium zu sich nehmen.” [4]

Das Problem sind denn wohl auch die Cadmium reichen Böden vulkanischen Ursprungs, insb. in Südamerika. Sind die Böden dann noch Sauer und haben recht wenig Ton und organisches Material (beides bindet Cadmium) – dann geht ordentlich Cadmium in die Kakao-Bohne [4]. Zwar gibt der ETH-Bericht auch an, das Cadmium auch in Getreide oder Gemüse enthalten sei und das Raucher über den Tabakrauch nennenswerte Cadmium-Mengen, bis zur Hälfte des von der WHO empfohlenen Toleranzwertes, aufnehmen [4] – jedoch ist a) Rauchen meiner Ansicht nach nun wirklich dämlich und b) enthalten Getreide und Gemüse sicher nicht diese hohen Mengen an Cadmium.

Das Problem bei Cadmium

Nach dem BfR ist das empfindlichstes Zielorgan die Niere [3], wo es das Gewebe schädigt. Aber Cadmium kann auch zu auch Osteoporose führen [5] weil es die Calciumaufnahme des Körpers behindert [6]. Darüber hinaus soll es wohl auch Tumore auslösen können und führt in hohen Mengen zur Itai-Itai-Krankheit [6]. Problematisch: Cadmium kann bis zu 30 Jahren im Körper bleiben und ein Eisenmangel kann die Aufnahme ‘verbessern’ [5].

Die neuen Grenzwerte

Stop! Quelle: Pixabay

In der Norm VO (EU) Nr. 488/2014 hat die EU neue Grenzwerte für Cadmium in Kakao- und Schokoladenerzeugnissen festgelegt. Diese sind je nach Produkt unterschiedlich hoch (Gesamtkakaotrockenmasse = GKTM) [1, 7]:

  • Milchschokolade mit <30 % GKTM: 0,10 mg Cadmium/kg
  • Schokolade mit < 50 % GKTM: 0,30 mg Cadmium/kg
  • Schokolade mit >= 50 % GKTM: 0,80 mg Cadmium/kg
  • Kakaopulver (Endverbraucher): 0,60 mg Cadmium/kg

Das deutsche BfR jedoch hatte lange vor der Festlegung der neuen Grenzwerte deutlich niedrige Werte gefordert und folgende Begründung angeführt [2]:

“Das BfR empfiehlt aufgrund von Expositionsabschätzungen, den Höchstgehalt für Cadmium in Schokolade zwischen 0,1 und 0,3 Milligramm pro Kilogramm festzusetzen. Unter der Annahme eines wöchentlichen Schokoladenverzehrs von 150 g mit diesen Höchstwerten würde ein Erwachsener eine Cadmiummenge aufnehmen, die etwa 3 (bei 0,1 mg/kg) bzw. 10 % (bei 0,3 mg/kg) des PTWI entspricht.”

Ein Bericht beim Deutschlandfunk bricht das ganze dann, mit Bezug auf Ursula Blum (CVUA), auf den Verzehr von ca. 27g Bitterschokolade (>50% Kakao) pro Tag herunter [5] – weil man ja auch noch andere Sachen isst und der Grenzwert der EFSA mit dem normalen Essen in der regel schon ausgeschöpft wird. In einem Artikel vom CUVA schreibt Frau Blum dann auch:

“Man muss feststellen, dass die Grenzwerte relativ hoch ausgefallen sind, weil in einigen Regionen kakaoerzeugender Länder der Boden natürlicherweise hohe Cadmium-Gehalte aufweisen kann. Die EU ist deshalb bei der Festlegung von Grenzwerten den Ländern mit hohem Cadmium-Gehalt im Boden entgegengekommen.” [7]

… und rät dann zum Konsum von Milchschokolade – weil diese anteilsmäßig weniger Kakao enthält [5]. Hmmm… Grenzwerte die so gemacht sind das die Hersteller damit keine, die Toxikologen jedoch größere Probleme damit haben – kennen ich das nicht schon irgendwoher? Ja, genau – vom Arsen im Reis!

Milch-, Edel- und Bitterschokolade – wo ist der Unterschied?

Ich zitiere hier der Einfachheit halber Reinhard Lieberei (Experte für tropische Nutzpflanzen am Biozentrum Klein Flottbek in Hamburg):

“Will man eine Tafel als Edelschokolade deklarieren, darf man den Kakao nicht vermischen mit den 95 Prozent anderen Kakaos. Das ist das große Problem der Hersteller von Edelschokolade. Die Produzenten von Konsumschokolade können Kakaos mischen, dabei cadmiumarme Sorten aus Afrika verwenden und auf diese Weise cadmiumreichen Kakao verdünnen.” [6]

Bei „halbbitter“, „zartbitter“ und „bitter“ muss dann nur ein Kakaoantei von 50 oder 60% vorhanden sein [11]. Das zusätzliche Problem bei Edelschokolade: Die meisten Anbauer (Produktionsvolumen) sitzen in Süd- und Mittelamerika [10].

Wie siehts grob mit den Belastungen aus?

Laboruntersuchung. Quelle: Pixabay

Nach Messungen des BfR sieht es dann ungefähr folgend mit der Belastung aus (Cadmium-Gehalte in Schokolade in mg/kg, abhängig von Bodenkonstitution, Anbaugebiet, Kakaomasseanteil – Maximalwerte 35% Kakaotrokenmasse):

  • Konsumschokolade: 0,08 (Afrika; Cd-arme Böden, ca. 80% der Welternte)
  • Edelschokolade: 0,07 – 0,2 – 0,5 – 1,3 (Amerika, Asien; Cd-reiche Böden, ca. 30% der Welternte)

Wobei das CVUA da etwas Mengenmäßige Transparenz hineinbringt und aussagt:

“Das Untersuchungsprogramm umfasste insgesamt 80 Proben. Davon wiesen 40 Proben (50 %) Cadmiumgehalte > 0,20 mg/kg auf, bei 19 Proben (24 %) lag die Cadmiumkonzentration ≥ 0,30 mg/kg. Der höchste Gehalt mit 0,51 mg Cadmium/kg wurde in einer Edelbitterschokolade mit einem Kakaogehalt von 72 % mind. ermittelt. Der Edelkakao stammte laut Angaben auf der Verpackung aus Ecuador.” [7]

Spannend wird es jetzt jedoch noch mal bei meiner eigenen Shopping-Tour. Ich hatte ‘Kakao-Nibs’ in Bio-Qualität einer Eigenmarke eines großen Anbieters in einer 250g Packung gekauft. Irgendwie überkam mich dann doch der Zweifel und ich hatte nachgefragt wie viel Cd im Kakao enthalten ist. die Antwort war: “Cadmium 0.713 ppm”, was 0,713 mg/kg entspricht – und damit nur knapp unter dem neuen EU-Grenzwert liegt, welcher ab 2019 verbindlich ist.

Aua. 🙁

Diskussion

Wer auf ‘hochprozentiges’ steht und damit Milchpulver, Zucker & Co. vermeiden will – der bekommt die extra Portion Cadmium gratis geliefert. Nicht absolut – aber relativ, weil alternativ ja Zucker & Co. das schokoladige Erlebnis ‘strecken’.

Gerade bei Kakao-Nibs, Edel- und hoch prozentiger Bitterschokolade sollte unbedingt auf die Herkunft geachtet werden: Am besten Afrika. Alternativ beim Hersteller Anfragen wie viel Cadmium in der Schokolade ist. Gibt es keine Auskunft, werde ich jedenfalls in Zukunft vom Verzehr absehen, denn 27g am Tag von meinen ‘Kakao-Nibs’ sind immerhin pro Woche 0,134 mg Cadmium – mehr als 10% meiner ‘maximalen Wochendosis’.

Das bisschen ist doch kein Problem? So wie ich es verstanden habe, werden die aktuellen Grenzwerte durchaus schon durch normales Essen voll ausgeschöpft. Nahrungs- und Lebensmittel die ‘Extra’ Cadmium zuführen werden bei diesen Grenzwerten eher nicht berücksichtigt. Um das ganze mal zu verdeutlichen: Wer jeden Tag eine (100g) Tafel (belastete) Edelschokolade isst, der erreicht alleine damit schnell 50% der Wochenmenge an Cd. Nicht gut.

Und: Wenn man schon beim Fragen nach der Cadmium-Belastung ist – gleich den Blei-Wert mit erfragen, den hier gibt es anscheinend oft eine Verunreinigungsproblematik in der Verarbeitung – wobei die genaue Quelle (noch) nicht identifiziert ist [12].

Das ärgerliche: Es gibt auch Kakaos mit einem Bruchteil der Cd-Belastung meiner Kakao-Nibs!

Mein Fazit

Bei Schokolade war ich schon länger dazu über gegangen nicht mehr als ‘einen Streifen’ pro Tag zu essen – also unter 25g (u.a. wegen dem Fettgehalt). Es ist (heute) primär ein Genussmittel für mich – und ich denke das sollte es angesichts der potentiellen Cd-Belastung auch weiterhin sein.

Da sich Cd im Körper akkumuliert ist alles Cadmium – wie auch alles zusätzliche Arsen im Reis – nicht gut. Wo bei Reis durch die Zubereitung der Arsengehalt reduziert werden kann – ist dieses bei Kakao nicht möglich. Hier hilft nur ‘strecken’ bzw. ‘verdünnen’ – vorwiegend mit Zucker und/oder anderen Fetten.

Von der eher sehr stark belasteten Edel-Schokolade aus Süd-und Mittelamerika werde ich deswegen in Zukunft absehen – und besser Bitter-Schokolade um 50-70% nutzen. Natürlich mit einer vorherigen Herstelleranfrage.


Quellen

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