Lithium: Wichtig für Psyche & Vitamin B12, sowie etwas zu Vorkommen, Formen, Dosierungen, Interaktionen (u.a. Quecksilber)

Lithium – ist nicht nur wichtig für Batterien, sondern auch den menschlichen Körper. Quelle: Pixabay

Lithium. Ja, dass aus den “Batterien” – wird auch als Element in unserem Körper benötigt. Ein Mangel an Lithium kann große Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben (u.a. Depressionen, ADHD, Bipolar, Süchte, Serotonin-Mangel, Alzheimer..), weswegen es international auch breit zur Behandlung verwendet wird [3][4][14][15][16][17][18][19].  Zudem spielt Lithium wohl auch eine Rolle im B12-Metabolismus [3], bei der Methylierung [18][19] und der Insulin-Sensitivität [38][39][40].

Bei meiner Suche nach den Vor- und ggf. möglichen Nachteilen einer Supplementierung mit Lithium bin ich schon am Anfang über eine Aussage von (Lithium-) Buchautor Dr. James Greenblatt (MD) gestolpert, welcher schreibt [29]:

“After twenty six years of experience, the single intervention I believe that has the most significant effect on the health of my patients is nutritional lithium.”

Die größten therapeutischen Effekte durch eine Supplementierung mit Lithium? Klar, die ‘übliche Autoren-Übertreibung’ mag man (oft zu recht) meinen. Jedoch ist an solchen Aussagen von Praktikern sehr oft auch ein Teil Wahrheit – und da möchte ich gerne wissen, wie groß dieser Teil ist, mit was er zusammenhängt und wo die realistischen Grenzen sind.

Wichtig: Bei Dr. Greenblatt geht es um die Verwendung von Lithium-Orotat im Bereich von 1-30 mg (Nettogehalt) als Nahrungsergänzungsmittel, was deutlich unter den durchaus üblichen pharmazeutischen Dosen von 300 bis 2700 mg (z.B. Lithiumcarbonat, Bruttogehalt) liegt [30], welche dieser Artikel nicht behandelt. Mein Fokus ist hier auf Lithium-Mengen, welche auch mit speziellen Heilwässer zugeführt werden können und sich im Bereich von 1-5 mg, ggf. auch 10 mg / Tag bewegen.

Der Artikel im Überblick

Deutschland gilt meiner Lesart nach eher als Mangelland’ bei Lithium, wie auch bei Jod und Selen – wenn eine vorläufige Empfehlung für die Zufuhr über die Nahrung mit 1 mg / Tag angesetzt wird [1]. Die DGE hat denn auch keinen Referenzwert für Lithium herausgegeben, weil es sich nach Ihr nicht um ein ‘essentielles Spurenelement’ handelt.

Die Zufuhr über die Nahrung, insbesondere beim Wasser, unterliegt global jedoch großen Schwankungen. Wo in den USA Werte um 650 bis 3100 µg (für einen 70 Kg schweren Mann) angegeben werden, scheint die Situation in Deutschland und Österreich, mit Werten um 348-494 µg (Potsdam, München, Gera, Wien) deutlich schlechter [5].

In diesem Artikel möchte ich dann folgendes Besprechen:

  • Anwendungsgebiete & Mangelerscheinungen
  • Lithium & die psychische Gesundheit
  • Kaum beachtet: Lithium und die Insulin-Sensitivität
  • Wo in der Nahrung kommt Lithium vor?
  • Wie viel Lithium pro Tag brauch der Mensch?
  • Andere Anwendungsgebiete: B12, ATP-Produktion, Immunsystem, Knochen …
  • Wohl oft im Mangel bei Menschen mit relevanter Quecksilber-Belastung
  • Auswirkungen auf B12, Methylierung, BH4 und die MTR-Mutation
  • Dr. Yasko zum ‘Lithium-Dumping’, MTR, COMT, B12 & Co.
  • Nebenwirkungen von (zu viel) Lithium
  • Die verschiedenen Lithium-Formen
  • Orotat-Salze & die EFSA – Gut und / oder böse?
  • Dosierung von Lithium-Orotat als Supplement
  • Bezugsquellen für das Orotat?!

Am Ende des Artikels folgt mein übliches Fazit mit ein paar weiteren Gedanken:

  • Psychotherapie, Quecksilber und Lithium – Gibt es da eine “Connection”?
  • “Be cool”
  • Meine Hypothese: Lithium-Mangel und EMF-Sensitivität – eine mögliche “Connection”
  • Irre: Deutsche müssen an Lithium reiche Mineralwässer trinken – andere können Supplemente nutzen!

Hinweis: Lithium-Orotat und Aspartat, auf welche dieser Artikel seinen Fokus legt, sind im Gegensatz zu den Lithium-Salzen in vielen Ländern (auch der EU) in geringen Dosierungen (z.B. 5 mg) frei verkäuflich. Allerdings gestaltet sich die Lage in Deutschland unübersichtlicher: Dort ist Lithium wohl generell verschreibungspflichtig bzw. der Verkauf als Nahrungsergänzungsmittel (u.a. Orotat) nicht gestattet.


Hinweis: Aufgrund des für mich unklaren Status von Lithium in Deutschland (-> Nahrungserhängungsmittel und / oder Arzneimittel?) weise ich darauf hin, das die Überlegungen in diesem Artikel rein hypothetisch sind und eine mögliche Einnahme von Lithium vorab mit einem Arzt abgesprochen und von diesem begleitet werden sollte.


Anwendungsgebiete & Mangelerscheinungen

Bekannte Interaktionen von Lithium mit biologischen Prozessen im Körper. Quelle: [1]

Lithium wirkt auf viele Systeme und metabolische Pfade im Körper [1][38] – wie alles im positiven (bei optimaler Zufuhr und Verfügbarkeit im Körper) und im negativen – bei zu wenig oder zu viel (-> siehe auch nebenstehende Tabelle).

Verwendet wird Lithium primär bei vielem was mit dem Gehirn zu tun hat (-> ‘Brain Health’ bzw. psychische Gesundheit). Lithium werden neuro-protektive und neuro-tropische Effekte zugeschrieben, wie auch der Erhöhung der grauen Substanz im Gehirn [2]. Zudem werden Lernschwierigkeiten und Herz-Probleme auch mit Lithium-Mangel assoziiert [3].

So hat ein Mangel an Lithium vielen Studien nach weitreichende Folgen auf die geistige Gesundheit. Eine geringe Aufnahme (u.a. durch wenig Lithium im Trinkwasser) bzw. ein geringer Bestand im Körper geht wohl einher mit (gesteigerten) Raten an Selbstmorden, Morden und Verbrechen [1][3]:

low lithium intakes from water supplies were associated with increased rates of suicides, homicides and the arrest rates for drug use and other crimes[1]

Mütter, deren Kinder an Autismus leiden haben wohl niedrige Lithium-Spiegeln im Blut (56% niedriger, p=0.005), wie auch Ihre jungen Kinder (-30%, p=0.04). Die Autoren der Studie vermuten einen Einfluss vom (fehlenden) auf die neurologischen und immunologische Entwicklung des Kinder [4]. Kinder die unter Autismus leiden, sollen jedoch generell zu denen mit den niedrigsten Spiegeln an Lithium gehören [21].

Lithium & die psychische Gesundheit

Energielos?, Depressiv? Neurologische Störungen? Ggf. sind EMF die Ursache.

Depressiv? Neurologische Störungen? Ggf. ist ein Mangel an Lithium die Ursache. Quelle: Pixabay

Die Anwendungsgebiete sind breit, wobei ich mich hier auf die wichtigsten (auch alternativen) Gebiete beschränke. Auf das Thema B12 und Methylierung später noch gesondert eingehen. Hier erst mal die Liste bei denen Lithium Anwendung findet [3][4][14][15][16][17][18][19][29]:

  • Reizbarkeit, starke Erregbarkeit
    • Lithium soll helfen mehr GABA freisetzten (beruhigend) [16]
  • ADHD, Autismus und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Angststörungen, Psychosen
  • Prävention der Suizidalität und Selbstverletzungen bei Affektstörungen [17]
  • Stimmungsschwankungen, Depressionen (wiederholend unipolar / bipolaren / manisch)
  • Serotonin-Mängel (z.B. bei Zigaretten- und Alkoholentzug), Süchten
    • Lithium soll die Abgabe von Serotonin fördern und den Abbau hemmen [16]
  • Alzheimer und anderen neurodegenerativen Krankheiten (MS, Parkinson)
  • Cluster [48] und (chronischen) Kopfschmerzen, zur Schmerzminderung bei Migräne
  • Epilepsie
    • Inaktivierung von Ionenkanälen (Natrium-Kalium), ggf. Herabsetzung der zentralen Erregbarkeit des Gehirns [16]

Wie macht Lithium all die tollen Sachen? Eine aktuelle Meta-Studie aus 2019 fasst dazu sehr viel zusammen. Hier nur einige Highlights [38][50]: Lithium

  • wirkt positiv auf die Na-Ka-ATPase (-> Natrium-Kalium Pumpe) , welche dafür zuständig ist das Natrium aus den Zellen und das Kalium in die Zellen zu befördern [41].
    • Die Intrazelluläre Calcium (Ca2+) Konzentration (wie auch die von Na) werde gesenkt [38]
  • moduliert die cAMP abhängige Signal-Kaskaden, wobei die cAMP-Aktivität nach A. Hall Cutler durch Quecksilber gesenkt wird.
  • moduliert die Aktivität von Glutamat, Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, GABA, Acetyl-Cholin und Glutamin (u.a. wohl über die Reduktion von Ca2+)
    • Zudem soll es intrazelluläre Prozesse im Kontext der synaptischen Neurotransmitter über Wirken auf Phosphatidylinositol und Adenylylcyclasen regulieren.
  • wirkt auf die Tryptophan und Tyrosin-Hydroxilasen (über BH4), ohne die es kein 5-HTP und L-Dopa gibt.
    • Sehr wichtig für die psychische Stabilität und als Vorläufer von vorgenannten Dopamin, Serotonin & Co.
  • hilft den zirkadianen Rhythmus zu normalisieren (bzw. verlängern [25]).
    • Hier wohl durch Wirkung auf die ‘Clock-Genes’: “By modulating the expression of clock genes (TIMELESS, ARNTL1, PER3, NR1D1, CLOCK), Li can resynchronize circadian rhythms.” [38]
  • erhöht den Wachstumsfaktor BDNF ,das für die synaptische Plastizität beim Lernen und Gedächtnis benötigt wird.
  • fördert auch die Neuroplastizität über den Nervenwachstumsfaktor (NGF) und den Glial-Derived Neurotrophic Factor (GDNF),
    • was sich auf Lernen, Gedächtnis, Stimmung und die allgemeine Gesundheit des Gehirns auswirkt
  • steigert die Neurogenese (im Hippocampus),
  • reduziert die durch NMDA-Rezeptoren vermittelte Glutamat-induzierte Toxizität
    • und hilft damit (Stress induzierte) neuronale Schädigungen zu reduzieren,
  • blockiert die Entwicklung von Beta-Amyloid-Plaques
  • erhöht N-Acetyl-Aspartat (NAA), was mit höheren IQ-Werten in Verbindung gebracht wurde
    • Meint: Lithium macht intelligenter!

Einiges davon bezieht sich (sicher) auf pharmakologische Dosen, wobei Effekte – auch schon bei geringen Dosen mit 5-10 mg, welche theoretisch mit an Lithium reichem Wasser erreicht werden könnten, schon erreicht werden sollten. So steht selbst im Ärzteblatt, was Wasser wohl schon in der Antike für derartige Symptome eingesetzt wurde [17]:

“Schon aus der Antike gibt es Hinweise, dass Lithium-haltiges Quellwasser genutzt wurde, um Menschen mit manisch-depressiven Störungen zu heilen.”

Im alternativen Bereich wird jedoch anstatt Wasser und Lithium-Carbonat das Lithium-Orotat eingesetzt, wobei gerade die Orotat-Verbindung das Lithium effektiver in die Zellen befördern soll – doch auch dazu später mehr. Wer jedoch Probleme mit den oben aufgeführten Thematiken hat, der kann sich auf Lithium testen lassen, wobei Hundley (CNS) eine Haar-Analyse empfiehlt [18] – was auch meine Erfahrung bestätigt. Haar-Analysen gelten nach Hundley [18] und auch Cutler [27] als gutes Mittel für eine Bestimmung des ‘Körperinventars’.

Kaum beachtet: Lithium und die Insulin-Sensitivität

Ein Aspekt den ist fast übersehen hätte ist, das Lithium wohl auch stark auf den Glukose-Transport und Insulin im Körper wirkt [39]. In Ratten konnte so schon 1994 gezeigt werden, das in der Anwesenheit von Lithium der Glukose-Transport im Muskel (bei Gabe von Insulin bzw. hohen Insulin-Spiegeln) bis um Faktor 2,5 besser funktioniert – als ohne Lithium. Zudem sei die Insulin-Reaktion verbessert wurden. Aus der Studie [44]:

“Instead, lithium markedly increased the sensitivity of glucose transport to insulin, so that the increase in glucose transport activity induced by 300 pM insulin was ∼2.5-fold greater in the presence of lithium than in its absence.” und “Lithium also caused a modest increase in insulin responsiveness”

Eine Studie mit Hamstern folgerte 1997 das in Tieren mit Diabetes die Lithium-Spiegel deutlich niedriger sind als in solchen ohne Diabetes, wobei die Supplementation mit Lithium-Carbonat positive Werte auf die Werte von Glukose (im Blut) hatte. Zudem verbesserten sich die Insulin-Sensitivität (ISI) und die Insulin-Resistenz wurde gesenkt. Aus der Studie [40]:

“Hepatic lithium levels are significantly lower in diabetic hamsters when compared to healthy controls” sowie “Supplementation with lithium carbonate eliminated tissue lithium deficiency, and had a normalizing effect on blood glucose and glycosylated serum protein levels. The insulin sensitivity index (ISI) increased, thus reducing insulin resistance.

… zumindest in einigen Insulin-Sensitiven Geweben. Fand ich unwirklich spannend!

Andere Anwendungsgebiete: B12, ATP-Produktion, Immunsystem, Knochen …

Doch damit ist das ganze noch nicht vorbei. Lithium soll u.a. nach Hundley und Szklarska bei weiteren Dinge zu helfen [18][25][38]:

  • die Verwertung von B12 und Methylfolat in den Gehirnzellen verbessern,
  • ggf. auch die Knochengesundheit,
  • die Energieproduktion (ATP) der Mitochondrien,
  • einige Immunsystem relevante Faktoren
    • “increases the immunological activity of monocytes, NK cells, and lymphocytes, particularly increases the synthesis of IgG and IgM immunoglobulins by B cells” [38]
  • den WNT-Pfad aktivieren [47], welcher u.a. für die Regulation des intrazellulären Ca wichtig ist.
  • GSK-3 hemmen, das mit dem apoptotischen Zelltod in Verbindung gebracht wird [50].

Darüber Hinaus ist ein Mangel an Lithium ist dann wohl nicht gut für die Thymus-Drüse [46]. In Bezug auf die Natrium-Kalium-Pumpe [41] und ggf. normalisierte Ca2+ [38] Konzentration in Zellen kann ich mir bei Beseitigung eines Mangels an Lithium eine Verbesserung bei Problemen mit dem Herzen und ggf. auch eine bessere Resilienz gegenüber den Auswirkungen von Nitrostress, EMF, MCS & Co. vorstellen. Natürlich ist das Spekulativ und nur meine ganz persönliche Hypothese.

Wo in der Nahrung ist Lithium überhaupt enthalten?

Zu der Thematik habe ich viele Quellen gefunden – einen abschließenden Reim konnte ich mir noch nicht darauf machen. Eine Quelle schreibt, das Lithium insbesondere [5]:

  • Primär in Gemüse und Getreiden
  • sowie teils auch (in signifikanten Mengen) im Mineral- sowie teils auch Trinkwasser

zu finden ist. Eine andere Quelle [9] gibt an, das:

“On average, eggs, meat, sausage, and fish deliver significantly more lithium per kg of dry matter than most cereal foodstuffs. Eggs, liver, and kidneys of cattle had a mean lithium content of 5 mg kg-1.”

Lithium in der Nahrung – Angaben in Bezug auf das Trockengewicht. Quelle: [9]

Das Problem an der zweiten Quelle [9] ist das Wort ‘Drymatter’ -> ‘Trockenmasse’. Wie vergleiche ich nun getrocknetes Ei & Fleisch mit sowieso trockenen Getreiden (meist nur ca. 15% Feuchtigkeit)? Allerdings wird diese Studie oft zitiert – jedoch ohne darauf hinzuweisen, das es sich um Vergleiche der Trockenmasse handelt. So sind auch die Werte von Früchten irreführend: 1 Kg Trockenfrüchte entsprechen schnell 10 Kg (und mehr) an frischen Obst bzw. Beeren. Im Volltext ergänzen die Autoren dann noch, das alle Gemüse >1 mg / Kg (Trockengewicht) enthalten und deutlich besser als die Früchte und auch Getreide abschneiden – was natürlich in der Praxis wieder irreführend ist, weill kaum wer Trocken-Gemüse essen dürfte – jedoch (trockene) Haferflocken. So schließt sich zumindest Szklarska [38] in einer Meta-Studie der von mir inzwischen übernommenen Ansicht an, das Fleisch (außer Fisch) und Milchprodukte keine gute Quelle für Lithium sind – Getreide und Gemüse jedoch schon.

Das ganze ist dann auch wieder abhängig vom Lithium im Boden. So findet sich Lithium wohl primär im Lehmanteil der Böden – mit ziemlich unterschiedlichen Angaben (7-200 µg /g) [5]:

“Lithium is found in trace amounts in all soils primarily inthe clay fraction, and to a lesser extent in the organic soilfraction [8], in amounts ranging from 7 to 200 µg/g”

In Bezug auf die Lithium-Aufnahme ist dann wohl das Trinkwasser der primäre Faktor neben der reinen Menge und auch Art der verzehrten Nahrung, wobei Kekse, Kuchen und Süsses sehr schlecht abschneiden [9]:

“The lithium content of water seems most likely as an explanation for the different lithium intake.”

Lithium-Zufuhr in verschiedenen Ländern. Quelle: [5]

Letztendlich ist es für den Verbraucher kaum abzusehen wo wie viel Lithium enthalten ist. Spannend fand ich noch, das nach ‘der Wende’ sich die Lithium-Zufuhr verdoppelt haben solle – bei Männern von 419 µg (1988) auf 990 µg (1992) – also innerhalb von 4 Jahren, was die Autoren durch mehr Importwaren folgern [9]. Das ist mehr als unplausibel für mich, denn eine andere Studie aus 2002 gibt für Deutschland (viel später) denn auch deutlich niedrige Werte an (364-494 µg) [5]. Eine andere Meta-Studie gibt für polnische Studenten bzw. Menschen in Belgien Tagesaufnahmen von ca. 10µg an – was ich jedoch kaum für plausibel halte [38]. Es zeigt jedoch für mich auf, das Lithium ein sehr variabel-unsicherer Faktor in der Ernährung sein kann.

Die Situation bleibt undurchsichtig – zumindest für mich. Wer misst ist hier aus meiner Sicht mal wieder klar im Vorteil.

Lithium in Mineral- und Quellwässern

In Bezug zu den ‘Wässerchen’ in Flaschen habe ich auch noch eine Liste gefunden, welche u.a. folgendes angibt [13][37]:

WassermarkeLithium-Gehalt (mg/l)
Staatl. Bad Kissinger Rakoczy5,00
Preblauer Sunshine1,4
Hirschquelle Heilwasser (Uran!)1,31
Bad Vilbeler Römerbrunnen1,2
Bad Liebenzeller Paracelsusquelle1,00-1,21
Zurzacher1,1
Adelheid Quelle (fast kein Uran)0,98
Biskirchener Heilssprudel0,88
Dunaris0,79
Ensinger Schillerquelle0,82
Heppinger Extra0,84
Staatl. Fachingen Still (auch gut)0,77

Anm.: Einige Wasser mit sehr viel Uran habe ich aus der Liste bereits entfernt. Leider ist das Thema Uran im Quell- und Mineralwasser kein gutes. Wer mehr wissen mag, der schaut mal in die Liste von Foodwatch [45]. Ich würde den Uran-Gehalt in jedem falle beachten und optimaler Weise Wässer <1 µg/l bevorzugen.

Das mehr Lithium im (Trink-) Wasser dann eine gute Idee sein könnte thematisiert im Kontext Demenz & Co. dann auch ein Bericht im Ärzteblatt in Bezug auf eine neuere dänische Studie [14] und ein Artikel (‘Opinion’) in der New York Times [15] welcher ebenfalls die protektive Wirkung von  Lithium u.a. in Bezug auf Demenz hervorhebt. Spannend fand ich jedoch, das die Bandbreite in Dänemark bei Lithium im Trinkwasser zwischen 0,6 µg/l und 30,7 µg/l erreichen kann und bei Menschen mit Demenz tendenziell niedriger ausfiel [28]. Gleiches wird dann auch durch andere Studien und Berichte angeführt [1][3][5][21].

Was ist der (natürliche) Bedarf an Lithium?

Wie eingangs schon angegeben, liegt eine vorläufige Empfehlung für die Zufuhr über die Nahrung bei 1 mg / Tag [1], wobei eine andere Studie von minimal 100µg / Tag spricht, jedoch auch die 1mg referenziert [9]. Die durchschnittliche Zufuhr in Deutschland dürfte jedoch unter 1000 µg / Tag liegen – ggf. ist Sie nicht einmal halb so hoch (364-494 µg [5])- wenn nicht an Lithium reiche Mineral- und Quellwässer getrunken werden, die aber teils auch reich an Uran sind [13]. Um die mindestens 1 mg Lithium zu erreichen wird eine Supplementierung vorgeschlagen, wobei Schwangere, Kinder, und stillende relativ gesehen mehr Lithium benötigen [9]:

“For subjects subsisting on special diets or for populations residing in naturally low Li areas, Li supplementation or other appropriate measures to meet this RDA would be required. Special attention should be accorded to the potentially higher relative Li needs of children, adolescents and lactating mothers.”.

Zudem soll Lithium bei viel sportlicher Betätigung verloren gehen – wie auch bei Dialyse-Patienten.

Als Dosen im Bereich der Nahrungsergänzung gelten Marshall [7] nach Dosen von 1-20 mg, wobei dieser betont, dass bei Lithium der Bereich der sicheren Anwendung in Bezug auf die Empfehlung vom 1 mg größer sei als die von z.B. Zink (RDA in den USA 15 mg) bei 300 mg Zink am Tag. Zwar hinkt der Vergleich etwas, da in der Li-Orotat in der Regel nur als 5 mg Kapsel zu bekommen ist, aber ich lasse Ihn mal gelten. Marshall dazu [7]:

The safety of low-dose lithium is comparable to low-dose forms of other nutrients such as zinc. In fact, lithium has a much wider therapeutic and biologically compatible (nontoxic) window than zinc.

Marshall verweist auf die lange Erfahrung vieler funktioneller Mediziner mit niedrigen Dosen an Lithium (bis 20 mg Dosis je Tag) und gibt im Vergleich auch Studien mit therapeutischen Dosen im dreistelligen Bereich an (u.a. 150 mg Lithium Orotat bei Alkoholikern). Auf höhere Dosierungen als 5-20 mg / Tag möchte ich denn auch hier im Beitrag nicht eingehen, weil dieses außerhalb des Bereiches der Nahrungsergänzung liegt und schon mit täglich 5 mg nach ein paar Monaten “irre” hohe Werte im Haar zur Folge haben.

Lithium – wohl oft im Mangel bei Menschen mit relevanter Quecksilber-Belastung

Bestimmung von Lithium ‘im Körper’ mittels Haar-Analyse. Ein Mangel zeigt sind ich genau dieser Form aus meiner Erfahrung oft bei Menschen mit hoher Quecksilber-Belastung (u.a. Zahn-Amalgam).

Auf Lithium bin ich in Bezug meiner Recherchen über Quecksilber-Vergiftung (u.a. Amalgam) und Schwermetall-Ausleitungen gestoßen. In diesem Kontext habe ich schon einige Haar-Analysen ausgewertet, bei denen sich immer ein Muster zeigte: Wenn eine starke Belastung mit Quecksilber und ggf. Blei vorlag, dann lag der Messwert für das das Lithium im Kopf-Haar bisher faktisch immer unterhalb der Nachweisgrenze.

A. Hall Cutler [27] gibt denn auch ein Haar-Lithium unter 0,005 als ein potentiellen Marker für eine (starke) Vergiftung bzw. Belastung mit Quecksilber- (Hg-) an. Nach Cutler wirkt (genügend) Lithium denn auch beruhigend und Stimmungs-Stabilisierend. Zu viel Lithium sollte dagegen vermieden werden, da Lithium wohl auch einen engeren Normal- bzw. Anwendungsbereich hat – also nichts übertreiben! Das insb. Haar-Werte ein guter Marker für den Lithium-Bestand im Körper ist, bestätigt aus meiner Sicht auch eine neuere Studie aus 2016 [42]. Dort steht u.a.:

“The resulted dataindicated that the contents of Li in scalp hair samples of different types of psychiatric patients (schizophrenia,depression and bipolar disorder) were 46.0-55.7% lower as compared to healthy individuals (p<0.001).”

Spannend fand ich in diesem Zusammenhang, das ein anderer Autor explizit auf Lithium im Verbindung bei Quecksilber-Vergiftung hinweist, was auch mit meinen Beobachtungen (wenig Li bei Menschen mit potentiell hoher Hg-Intoxikation) überein geht [7]:

Lithium may benefit those with elevated mercury levels from fish consumption or dental amalgams”

So gehen dann wohl auch einige Symptome einer Quecksilber-Vergiftung (Hg) dann mit denen eines Lithium-Mangels über ein – wobei ich mich Frage was hier die reale Ursache ist… das wenige Lithium und / oder das viele Quecksilber? Aus [7]:

Symptoms of mercury toxicity include irritability, depression, anxiety, sensitivity to stress, and emotional lability, which interestingly enough are similar to the proposed symptoms of lithium insufficiency in humans.”

Lithium sollte im Falle einer Nahrungsergänzung (bei Mangel) und einer Hg-Intoxikation dann ggf. einigen Effekten von Quecksilber, hier u.a. auf die Glutamat-Rezeptoren, entgegenwirken [7][32]. Aus [7]:

This similarity likely results from the fact that along with increasing oxidative stress, mercury increases levels of the excitatory neurotransmitter glutamate in the brain by impairing glial function, while lithium has a modulating and opposing action on glutamate (NDMA) receptors.

Doch zu Anwendungen und potentiellen Nebenwirkungen später noch mehr. Spannend ist die (für mich ungeklärte) Frage, warum denn nun (stark) Hg-Belastete so niedrige Lithium-Werte im Haar haben. Kommt es eventuell zu einem Mehrverbrauch durch den modulierenden Effekt (sowie einem ‘Verbrauch’) von Lithium? Viele Fragen…

Auswirkungen auf B12, Methylierung, BH4 und die MTR-Mutation

Was ich überaus spannend fand – ist das Lithium wohl auch mit B12 und der Methylierung (u.a. Methyl-Folat) zu bzw. einen Einfluss darauf hat [3]:

“A statistically highly significant direct association was observed between the hair lithium and cobalt concentrations, which suggests a role of lithium in the transport and distribution of vitamin B12”

Ausführungen dazu habe ich dann bei Dr. Yasko gefunden [13]. Yasko nimmt an, das die Rolle von Lithium bei der Methylierung unterschätzt wird. So benötigen Ihm nach Menschen die hohe Dosen an B12 zuführen mehr Lithium um in Balance zu bleiben, Zudem hätten Menschen mit einer MTR-Mutation (Methionin Synthase) intrinsisch niedrigere Lithium-Spiegel, wobei er auf seine gesammelten Daten in Verbindung mit Haar-Analysen verweist. Zudem scheint es eine Verbindung zwischen Kalium und Lithium zu geben, wobei er anmerkt das Kalium ggf. zusammen mit Lithium ergänzt werden solle.

Yasko weist weiter auf Forschungen von Cervantes [31] hin, welche Ergaben das die B12-Serumspiegel bei Menschen mit zusätzlichem Lithium ca. 20% gesenkt waren – der B12 Metabolismus und Lithium hängen also irgendwie zusammen. In einem Vortrag [34] geht Yasko weiter darauf ein – der ist jedoch ‘Hardcore’. So wie ich es aktuell verstehe (also mit Vorbehalt!) wird der B12-Metabolismus durch Lithium verbessert – fehlendes Lithium könnte eine Rolle bei Menschen spielen, deren B12 Werte im Keller bleiben. Zugleich könnten hohe B12-Gaben auch Lithium ‘verbrauchen’. Wichtig auch: Die Serumspiegel geben keine richtige Auskunft darüber, ob das B12 auch in die Zellen bzw. Mitochondrien geht. So gibt es nach Dr. Kuklinski Menschen mit hohen B12 Serumspiegel >1000, aber miserablen B12-uMMA Werten. Mehr dazu steht in meinem langen Artikel über B12 sowie über die verschiedenen Formen.

Final rät Yasko vor einer hohen Supplementierung mit B12 die Lithium-Spiegel zu prüfen und erst einmal Lithium aufzufüllen, da dieses durch den B12 Metabolismus stärker verbraucht werden könne [20]. Leider ohne Quelle – gab es bei Yasko auch noch den Hinweis, das Lithium helfen könne BH4-Spiegel zu unterstützten – was u.a. sehr wichtig währe für eine gute Funktion der NO-Synthasen und weniger Nitro-Stress aber auch die Produktion von Serotonin, Melatonin, Dopamin, Norepinephrin und Epinephrin über die BH4-Abhängigen Tryptophan und Tyrosin-Hydroxilasen [33]. Spannend ist jedoch, wie Yasko bemerkt, das ein B12-Mangel stark mit kognitiven und (neuro-)psychischen Auswirkungen assoziiert wird, jedoch die Verbindung mit Lithium kaum erforscht ist.

Anmerken möchte ich noch, das auch Dr. Chris Shade von Lithium als wichtigen Co-Faktor für die B-Vitamine spricht [49].

Dr. Yasko zum ‘Lithium-Dumping’, MTR, COMT, B12 & Co.

Yasko bemerkt auch, das einige Menschen (insb. wohl welche mit einer Historie von (neuro-)psychischen Problemen) ein Problem mit einer erhöhten Ausscheidung von Lithium (-> ‘Lithium-Dumping’) haben. Dieses betrifft wohl insb. Menschen mit Variationen in der Gruppe der MTR Gene (Methionin-Synthase) haben [34]. Dazu gibt es noch Varianten bei COMT, welche u.a. in starkem Zusammenhang mit Dopamin und auch der Intelligenz bzw. dem Verhalten stehen sollen [36]. Yasko weist darauf hin, das wenn es zusätzlich noch grundlegende Probleme mit der Methylierung gibt (‘out of balance’) die Problematik des ‘Dumping’ größer wird.

Wer mehr wissen mag schaut ggf. bei einem Beitrag rein, der die Genetik (MTR, MTRR und COMT) etwas näher beleuchtet) [33] sowie bei einem (älteren) Video von Dr. Yasko über Lithium, B12, MTR, COMT & Co. [34]. Das ganze Thema individuelle Genetik, in diesem Kontext u.a. Varianten bei der MTR (Methionin Synthase), MTRR (Methionin-Synthase Reduktase), im Folat-Metabolismus (MTHFR) und COMT (Catechol-O-Methyltransferase) welche eng im Zusammenhang mit Dopamin steht ist jedoch riesig und sprengt den Fokus dieses Artikels. Wer sich grundsätzlich für Genom-Faktoren in Bezug auf Supplementierung, speziell auch die Methylierung, interessiert – dem Empfehle ich mal bei Bob Miller rein zu zu hören (Interview mit Mercola) [35] , ansonsten unbedingt Ben Lynch (-> Buchtipp: ‘Schmutzige Gene’) lesen, welcher u.a. MTHFR & COMT behandelt.

Nebenwirkungen von (zu viel) Lithium

Da dieser Artikel sich nur mit sehr geringen Dosen an Lithium und Lithium-Mängeln befasst, habe ich mich in das Thema Nebenwirkungen nicht weiter vertieft. So werden oft folgende Nebenwirkungen und Interaktionen (primär in Bezug auf hohe therapeutische bzw. pharmakologische Dosen) genannt [16][17][23]:

  • Analgetika (u.a. Diclofenac & Ibuprofen), ACE-Hemmer, SAAIDs (Ibuprofen, etc.) und Saluretika
    • beeinflussen (vermindern) die renale Ausscheidung von Lithium (-> Risiko der Akkumulation).
  • Kreislaufstörungen, Müdigkeit, Tremor, Gewichtszunahme, Leukozytose
  • Bei hohen bzw. therapeutischen Dosen Änderungen im Elektrokardiogramm [43]
  • Im Kontext Schilddrüse kann es zu einem Anstieg von TSH kommen sowie einer Unterfunktion und / oder Nebenschilddrüsen-Überfunktion [16]
    • Anm.: Die Funktion der Schilddrüse zu überprüfen ist jedoch immer eine gute Idee!
  • Einschränkung der Nierenfunktion, Azidose (bei Langzeittherapie)
  • Merkfähigkeits-, und Konzentrationsstörungen, Zittern (feinschlägiger Tremor)
  • Häufiges Wasserlassen, Harndrang (Polyurie)
  • Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Durst
  • Nicht empfohlen bei Menschen mit einer Störung des Natrium-Haushaltes (u.a. Morbus Addinson, Nierenerkrankungen)

Da Lithium eine sehr geringe therapeutische Breite hat (0,5 bis 1,5 mmol/l) ist bei pharmazeutischen Dosen eine Kontrolle indiziert, um eine mögliche Intoxikation mit Lithium zu vermeiden [17].  Bei pharmazeutischen Dosen von Lithium-Carbonat werden zudem teils hohe Mengen an Calcium zugeführt, was ungut sein kann, speziell wenn Vitamin D & K fehlen. Für alle weiteren Interaktionen und Kontraindikationen, insb. mit Psychopharmaka, verweise ich auf die Literatur und andere Zusammenfassungen, insb. [17][23].

Die verschiedenen Lithium-Formen

Bei Lithium gibt es verschiedene zwei verschiedene Gruppen an Verbindungen: die Salze und die Aminosäuren-Chelate. Dabei ist wie üblich zwischen der Brutto-Menge und dem Netto-Inhalt von Lithium zu unterscheiden (wobei ich teil verschiedene Angaben gefunden habe).

  • Chelate
    • Lithiumaspartat
  • Salze
    • Lithiumorotat (ca. 5 mg Elementar auf ca. 130 Orotat [umgerechnet auf Basis 26])
    • Lithiumcitrat
    • Lithiumsulfat
    • Lithiumcarbonat (ca. 5 mg Elementar auf 50 mg Carbonat [25] bzw. 27 mg [umgerechnet auf Basis von 26])
    • Lithiumacetat

Die meisten Salze, insbesondere das Carbonat mit dem die meisten klinischen Studien durchgeführt wurden, sind in der Regel verschreibungspflichtig. Die Chelate sind in vielen Ländern in geringer Dosierung frei verkäuflich – jedoch in Bezug auf Studien kaum untersucht. Mit Lithium-Orotat scheint es jedoch gerade in den USA viel praktische Erfahrung zu geben – weil es dort ebenfalls frei verkäuflich ist und von vielen namhaften Nahrungsergänzungsmittel-Anbietern angeboten wird (LEF, Swanson, etc.).

Orotat-Salze & die EFSA, Wikipedia – Gut und / oder böse?

Die Orotat-Salt Verbindung geht auf Dr. Hans Nieper zurück. Bei dem Orotat handelt sich um das Mineralsalz der Orotsäure, welches wir auch (in geringen Mengen) benötigen um DNA und RNA zu synthetisieren [12]. Allgemein wird angenommen, das Orotate Mineralstoffe besser in Zellen und Gewebe transportieren – wobei dies für Lithium-Orotat nicht eindeutig klinisch bestätigt ist.

Die EFSA und die Kritik an den Orotat-Salzen

Im Internet lässt sich dann viel Positives und negatives (bzw. Warnungen) vor der Orotat-Verbindung lesen [22]. Viel davon geht wohl auf einen Bericht der EFSA zurück [11][12] in dem es um die Sicherheit von Orotaten ging. Es geht darum das ein Mutagener bzw. Tumor-Fördernder Aspekt bei Orotaten ab einer bestimmten Konzentration festgestellt wurde. Im EFSA Bericht gibt es dann folgendes zu lesen [12]:

“A No Observed Adverse Effect Level for this effect can thus be determined to be 50 mg/kg bw/day, while the Lowest Observed Effect Level is 100 mg/kg bw/day.”

Das bedeutet grob, das bei einem 70 Kg schweren Menschen bis zu einer Menge von 3,5 g Orotat-Verbindung keine, aber ab 7 g erste Effekte messbar wären. Angesichts dieser eigentlich “hohen Schwelle” und der fehlenden Studien zur Geno-Toxizität von Orot-Verbindungen werden Orot-Verbindungen in höheren Dosen von der EFSA als bedenklich eingestuft. In wie weit das bei 130 mg Orotat am Tag durch ein 5 mg Supplement relevant erscheint lasse ich den Leser bewerten. Ich habe meine Schlüsse selber gezogen 😉

Ich für mich ziele die Analogie beim Speisesalz: 10 g mögen vorteilhaft sein – 300 g sind sicher tödlich, wenn mit einer Magensonde appliziert oder in Kapseln eingenommen. Die Anwendungsbereiche zwischen gut und böse sind oft schmal – auch bei ‘allerweltsdingen’ wie Kochsalz. So sind denn auch die bis zu über 2 g Calcium bei Einnahme von pharmazeutischen Dosen von Lithiumcarbonat nicht ohne. Wie immer sollte alles im Kontext – und nicht isoliert betrachtet werden.

Einiges zur Kritik in vielen Artikeln und der Wikipedia

Dann gibt es noch eine Reihe von Veröffentlichungen, teils auch bei Wikipedia referenziert, die auf Lithium-Vergiftungen mittels eines Lithium-Orotat Supplements hinweisen [10]. Verschwiegen wird dabei oft, das der entsprechende Mensch (also einer), 18 Kapseln mit 5 mg Lithium-Orotat auf einmal zu sich genommen hat (-> 90 mg Lithium, ca. 2,4 g Orotat). Ob nun das Lithium oder das Orotat die Beschwerden auslösten weiß ich nicht – aber 18 Kapseln auf einmal? Das möchte ich lieber nicht mit ganz vielen Pharmazeutika versuchen.

Eine andere kritische Veröffentlichung (‘Letter to the Editor’) zu ‘selbst verabreichten’ Lithium [10], welche leider nicht im Volltext einsehbar ist, kontert Marshall [7] in einer Stellungnahme. Der betreffende Mensch hatte ohne medizinische Begleitung durch einen Therapeuten 240 mg Lithium zu sich genommen, wobei der Patient jedoch keine toxischen Symptome zeigte:

“The diagnosis was not confirmed, and the patient did not show signs of toxicity. Toxicity at this dose would not be expected, based on the long history of safe use of lithium throughout Europe and the U.S. for more than 40 years.”

Der (sehr kritische) Artikel bei Superfoodly schlägt dann Lithium-Aspartat als alternative Verbindung vor, ohne sich jedoch nur ein Stück damit zu beschäftigen. Hätte der Autor dies getan, dann wäre ihm sicher aufgefallen, das Aspartat-Verbindungen auch Nachteile haben können (-> Excitotoxizität). Entsprechend fallen auch die Kommentare unter dem Artikels aus.

Lithium-Orotat und Buchautoren

Greenblatt hatte ich am Anfang des Artikels schon zitiert, andere Zitate von Buchautoren sind nach Dr. Edward Group, der ebenfalls angibt mit Lithium-Orotat gute Erfolge zu erzielen [23] folgende:

“Another form of lithium, called lithium orotate, is preferred because the orotate ion crosses the blood-brain barrier easily. Therefore, lithium orotate can be used in much lower servings (e.g. 5 mg) with remarkable results and no side effects.” -Shaheen Lakhan, M.D., author of ‘Nutritional Therapies for Mental Disorders’

sowie

“The lithium salt of orotic acid (lithium orotate) improves the effects of lithium several-fold by increasing lithium bio-utilization.” -Ward Dean, M.D., author of ‘The Unique Safe Mineral with Multiple Uses’

und

“Lithium orotate is a highly bioavailable form of lithium that is available as an over-the-counter dietary supplement.” -Linda Fugate, Ph.D., author of ‘Lithium’s Potential Role in Preventing Alzheimer’s Disease’

Was stimmt – wo die Wahrheit liegt muss der Leser dieses Artikels selber entscheiden. Wer meinen Artikel zu Chlorella gelesen hat, der weis auch das selbst wenn 10 Buchautoren und Doktoren schreiben etwas sei gut – dieses nicht so sein muss bzw. langfristige (negative) Effekte nicht auszuschließen sind. Im Kontrast zu Chlorella ist die Studienlage bei Lithium und Orotat-Salzen jedoch um einiges besser.

Dosierung (und Bezugsquellen) von Lithium-Orotat als Supplement


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