Zahnpasta & Mundspülung selber machen – Aus Calciumcarbonat, Xylit & Kokosöl

Zahnpasta aus Kokosöl, Calcium-Carbonat, Xylit, Natron und ätherischen Ölen

Zahnpasta aus Kokosöl, Calcium-Carbonat, Xylit, Natron und ätherischen Ölen

In meinem Artikel über Fluor bin ich ja schon mal kurz auf Zahnpasta eingegangen. Wer bestrebt ist jegliche Zusatzstoffe zu eliminieren, den mag dieser Artikel hier interessieren.

Das was ich nutze ist einfach, billig und nach meinen Recherchen sollte es auch recht effektiv sein. Die im folgenden beschriebene Mischung sollte sich auch dazu eignen, die Zähne bzw. den Mund nach dem Essen von ‘säurehaltigem’ Dingen (z.B.Obst) schnell mal zu spülen (-> Neutralisierung der Fruchtsäuren).

Woraus besteht meine Zahnpasta & Mundspülung?

Meist verwende ich 5 einfache Zutaten:

  1. Calcium-Carbonat (andere Namen: Kalk, Kreide, E 170)
  2. ggf. Natron (NaHCO3)
  3. Xylit (Birkenzucker)
  4. Kokosöl (Nativ)
  5. Geschmack (Orangen-, Lavendel oder Pfefferminz-Öl)

Übersichtlich, oder?

Alle Zutaten im Töpfchen

Alle Zutaten im Töpfchen

Zahnpasta im Wasserbad vermischen

Zahnpasta im Wasserbad vermischen

Herstellung

Zuerst gebe ich das Calcium-Carbonat (gibt es billig in 1 Kg Eimern) mit dem Xylit, optional Natron (ebenfalls billig in 1 Kg Gebinden) und ein paar (wenigen!) Tropfen ‘Geschmacks-Öl’ in ein Gefäß und vermische alles.

Achtung: Ätherische Öle sollten immer stark verdünnt werden, wenn diese mit Schleimhäuten (Mund & Co.) in Verbindung kommen. Oft reichen 4 Tropfen auf die in den Fotos abgebildete Menge.

Danach gebe ich Kokosöl (meist Fest bei Raumtemperatur) hinzu und stelle alles in ein Wasserbad (ca. 50-60 Grad) und vermische dann nochmals alles, bis die Konsistenz sehr Breiartig ist. Ich bewahre dann alles im Gefäß mit Deckel auf und portioniere es mit einem kleinen Löffel.

Fertig vermischte Zahnpasta

Fertig vermischte Zahnpasta

Die Mengen solltet Ihr euch selber ausprobieren. Einige mögen es Süß und brauchen mehr Xylit, einige mögen mehr Kokosöl und den Effekte des Öl-Ziehen, welcher im (Indischen) Ayurveda weit verbreitet ist [6][8]. Wird alles für das Zähneputen verwendet empfiehlt sich für meinen Geschmack weniger Öl, jedoch mehr Calcium und Xylit als Putzkörper. Auf gleiche Weise kann der Anteil von Natron ausprobiert werden. Vom Volumen her hat jedoch das Calcium-Carbonat den größten Anteil in meinem Mix.

Etwas zu den Inhaltsstoffen

Da die Basis für meine Zahnpasta (bzw. Mundspülung) die Zutaten-liste von Zahnpasta, verschiedenste Blog-Beiträge & Hörensagen waren – habe ich selber noch mal recherchiert. Zu Calcium-Carbonat habe ich mir nicht die Mühe gemacht zu recherchieren –  ist dies doch der Hauptbestandteil von vielen Zahnpasta und als Schlämmkreide ein bewährtes Mittel zum Zähneputzen.

In Bezug auf die ätherischen (Geschmacks-) Öl habe ich für diesen Artikel auch nicht weiter gegraben – das war bereits Fokus meines Artikels über Fußpilz. Ganz klar: Diese Ölse haben eine Antifungale und Antibakterielle Wirkung. Allerdings sind einige Öle nicht sehr Verträglich für die Schleimhäute und sollten wenn, dann nur sehr verdünnt verwendet werden. Mit geringen Mengen von Orangen-, Pfefferminz- und Lavendel-Öl hatte ich bisher jedoch keine Probleme. Tip: Vorsichtig ran tasten!

Ganz wichtig für mich: Ich möchte in meinen Mund nur etwas packen, was ich auch verschlucken kann ohne mir zu schaden! Bei vielen Zahnpasta habe ich da so meine Zweifel – bei Kokosöl, Xylit und in Maßen Natron sowie Calcium eher nicht.

Xylitol / Xylit (Birkenzucker)

Diesem Zuckerersatzstoff aus Birken findet man in vielen Zahnpasta und es werden Ihm sehr viele wundersame und insb. Karies-Präventive Wirkungen zugeschrieben. So gab es schon 2009 ca. 500 Veröffentlichungen, welche sich in irgend einer Weise mit Karies und Zähnen beschäftigt hatten [1].

Die Wirkung von Xylit besteht wohl darin, das Xylitol im Vergleich zu (raffiniertem) Zucker und anderen Süßstoffen (Sorbit, etc.) nicht von den Plaque-Bakterien metabolisiert werden kann. Aus einem Meta-Review [1]:

Xylitol cannot be metabolized by plaque bacteria, contrary to sorbitol and other 6-carbon polyols, and may thus favour mineralization.”

Um wirklich Karies-Präventiv zu wirken sind anscheinend größere Dosen und eine mehrmalige Einnahme (>= 3) am Tag nötig [1]:

“Studies with low daily doses of xylitol are known as a rule to fail to show any caries-preventive effects. To obtain beneficial xylitol-effects on mutans streptococci, on plaque and caries occurrence xylitol must be consumed three times or more per day, with a daily dose of 5–6 grams.”

Ob es wichtig ist das Xylit zu essen – oder nur den Mund damit zu spülen habe ich nicht recherchiert. Mir ist es erst einmal wichtig, das Xylit wohl keine Schäden anrichtet und mir als Geschmacksträger dienen kann. Grundsätzlich stimmen dem Karies-Präventivem Tenor auch andere Meta-Studien zu [2]:

“This systematic review was found to be supporting in favors of xylitol when compared with other caries preventive strategies. Xylitol was found to be an effective strategy as self-applied caries preventive agent or as OTC sweetener;”

Wobei die Studien [1][2][3] noch mehr Studien nahe legen um (endlich) finale Klarheit zu schaffen – denn viele der Studien scheinen je nach Interessenlage (u.a. Zucker- und Süßstoffindustrie) einen ‘Bias’ zu haben.

Natron (NaHCO3)

Meine Überlegung war, das dass basische Natron gut Fruchtsäuren neutralisieren sollte, denn die Säuren greifen den Zahnschmelz an. Natron hat jedoch noch andere Effekte – z.B. gegen Plaques und bei Zahnverfärbungen – und das sogar im Vergleich zu einer Chlor basierenden Mundspülung [4]:

“The Facial MLSI (IxA) was statistically significant at 6 weeks, favouring the 67 % NaHCO3 dentifrice (p = 0.0404).”

Dem schließt sich eine andere Studie in Bezug auf die Wirkung gegen Plaques beim Zähneputzen an [5]:

“Plaque removal was significantly greater with NaHCO3-containing dentifrices compared with a non-NaHCO3 dentifrice after a single, timed brushing.”

Für mich hat das gereicht um Natron recht guten Gewissens in meine Zahnpasta zu integrieren.

Kokos-Öl

In der traditionellen indischen Medizin (u.a. Ayurveda) ist das so-genannte Öl-Ziehen verbreitet um Erkrankungen am Gebiss vorzubeugen. Eine indische Studie kam dann auch zu folgendem Ergebnis [6]:

Oil pulling is effective in controlling plaque levels.”

Wobei der Effekt jedoch nur bei regelmäßiger Anwendung (>7 Tage) statt findet und eher gering scheint [6]. Eine andere Studie hat das ganze dann wieder mit einer Chlor-Basierenden Mundspülung vergleichen und kam zum Ergebnis, das Kokosöl genauso effektiv ist [7]:

“The results showed that there is a statistically significant decrease in S. mutans. count from coconut oil as well as chlorhexidine group from baseline to 30 days. The study also showed that in comparison of coconut oil and chlorhexidine there is no statistically significant change regarding the antibacterial efficacy.

Wichtig für mich: Es ist ein positiver Effekt da und die Nebenwirkungen von Kokosöl sind wohl eher gering. Das Chlor-Zeugs tötet dann sicher auch andere (gute) Bakterien ab und verschlucken möchte ich solch einen Mist mal gar nicht.

Weitere Zutaten?

Als weitere Zutaten – wenn Geld keine Rolle spielt – können noch folgende diesen:

  • Lactoferrin (siehe meinen Artikel zu Eisen),
  • Q10 – Ubiquinol (Paradontose) [11],
  • Grüner Tee Katechine (Paradontose und Zahnfleischentzündungen) [12],
  • Wasserstoff-Peroxid (Desinfizierend, gegen Zahnfleischentzündungen) [10],

welche u.a. in der Zahnpasta von LEF enthalten sind (Referenzen auf Studien im verlinkten Artikel). Wer noch mehr lesen möchte, der sollte sich mal den Zahnhygiene-Thread bei Edubily anschauen.

Nachteile?

Ich sehe (fast) keine – außer das sicher eine Sache beachtet werden sollte: Nie mit zu viel Druck (der Zahnbürste) die Zähne putzen – denn sonst kann ggf. zu viel Schmirgelwirkung von dem Calcium und ggf. dem Natron und Xylit auf die Zähne ausgehen. Wer ganz sicher gehen möchte nutzt das hier vorgestellte Rezept nur als Spülung für zwischendurch – und Zahnpasta für den Rest.

Auf jeden Fall unterscheidet sich das was ich hier Schreibe (u.a. auch meine Einstellung gegen Fluor im Mund – und damit im Körper) von dem, was die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), die Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) und die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) empfehlen [9] – wollte zumindest darauf hingewiesen haben. Aber die scheinen auch die Wirkung vom Fluor auf den Rest des Körpers auszublenden…

Mein Fazit

Fertig angerichtet!

Fertig angerichtet!

Lecker, einfach und scheinbar effizient. Warum die Zutaten-liste von kommerzieller Zahnpasta so lang ist erschließt sich mir nicht mehr. Wozu brauche ich Schaum-Bildner? Wozu Konservierungsstoffe? Wozu Chemie aus Erdöl? Wozu Chlor-Chemie? Wozu neurotoxisches Fluor?

Im Vergleich: 5 Kg Natron kosten 10€, 5 Kg Calcium 16€, 500g Kokosöl 8€ und 1Kg Premium-Xylit ca. 11,50€. Damit kann ich Zahnpasta für mein Leben machen und außer Kokosöl ist das ganze viele Jahre lang lagerbar.

Tip: Wer Calcium-Carbonat und Natron in größeren Gebinden sucht gebe mal ‘diancleanshop’ in der Suchmaschine ein. Mehr dazu hatte ich mal hier geschrieben.


Links / Quellen