Keimen – Meine Erfahrungen aus 7 Jahren

By | 22. Februar 2017
BioSnacky Sprossengarten

BioSnacky Sprossengarten. Foto: H.C.

Sprossen und Keime – ein sehr großes und breites Thema zu dem ich schon lange einen Artikel schreiben wollte 🙂

Zum Thema Keimen gibt es im Web und auf Youtube sehr, sehr viele Videos und auch Artikel – bei diesem Blogpost soll es jedoch insbesondere um eine Übersicht in Bezug auf meine eigenen Erfahrungen in den letzten 7 Jahren gehen:

  • Ganz kurz: Warum keimen?
  • Welche KeimgerĂ€te haben sich bewĂ€hrt.
  • Welche Sprossen, Getreide, Linsen, etc. sind gut zu(m) Keimen?
  • Welche KeimgerĂ€te ich fĂŒr was nutze – und warum.
  • Aufbewahrung von Sprossen und Keimen.
  • Wo sind ‘Fallen’ und welche Sachen sind ggf. zu beachten (also das, was die Rohkost-Gurus oft nicht erwĂ€hnen…)

Warum keimen?

Meine GrĂŒnde sind u.a.:

  • Deutliche Aufwertung und BioverfĂŒgbarkeit der Vitamine (u.a. B-Vitamine, Vitamin-E) und NĂ€hrstoffen in Samen, Saaten, Getreide, Linsen & Co.
  • Deutlich mehr Antioxidanzien.
  • Abbau von fĂŒr den Menschen ungĂŒnstigen Schutz- und Hemmstoffen (Trypsin-Inhibitoren, Lektine, Tannine, PhytinsĂ€ure, Saponine & Co.) – wobei die z.B. wie im Falle von PhytinsĂ€ure – nicht immer nur schlecht sein mĂŒssen (siehe auch ‘How not to Die’).
  • Aufzucht von frischem GrĂŒn (u.a. Chlorophyll) auf kleinstem Raum.
  • Durch das Keimen können z.B. Mungbohnen und Linsen (in Maßen!) roh verzehrt werden.
  • Sehr gĂŒnstige Quelle fĂŒr hochwertige und lebendige Vitalstoffe.
  • Toller Geschmack der Sprossen und Keime – eine Bereicherung fĂŒr alle Salate & Co. 🙂

Wer mehr wissen will, dem sei Das große Buch der Sprossen und Keimeempfohlen. Ein Klassiker fĂŒr gĂŒnstige 9,99€. Interessant sind dort auch die oft aufgefĂŒhrten Werte zur Vervielfachung der Vitamine wĂ€hrend der Keimphase der einzelnen Samen, Saaten, Getreide und Legumen.

Welche KeimgerÀte haben sich bei mir bewÀhrt?

BioSnacky KeimgerÀt (das einfache)

BioSnacky KeimgerÀt (das einfache). Foto: H.C.

Ablaufsyphon (rot) und Rillenstruktur

Ablaufsyphon (rot) und Rillenstruktur. Foto: H.C.

Angefangen hatte ich 2010 mal mit dem einfachen KeimgerĂ€t (BioSnacky), dann  kam der Sprossengarten (BioSnacky) dazu und heute mache ich das meiste mit den KeimglĂ€sern von Eschenfelder. ZusĂ€tzlich habe ich auch noch ein Weizengrasssieb von Eschenfelder, was ich nur sehr selten nutze – dazu gleich mehr…

Nun mal der Reihe nach zu den einzelnen GerÀten und Ihren Vor- und Nachteilen:

  • BioSnacky KeimgerĂ€t
    • Ist eines der einfachsten, gĂŒnstigsten und universellsten KeimgerĂ€te die ich kenne. Das GerĂ€t besteht aus Acrylglas und soll nach Hersteller BPA-Frei sein.
    • Bei diesem System wird die oberste Schale gewĂ€ssert und das Wasser fließt dann (langsam) von Schale zu Schale ĂŒber die roten Ablaufsyphone. Die Saaten liegen dabei in den Ablaufrillen der einzelnen Ebenen.
    • Saaten die sehr klein sind und/oder aufgelieren (u.a. Ruccola und Kresse) verstopfen gerne mal die roten Ablaufsyphone.
    • Das KeimgerĂ€t eignet sich primĂ€r fĂŒr ‘Kleinzeug’, also primĂ€r Samen & Saaten – Mungbohnen gelingen auch noch gut.
    • Da die Höhe der Schalen sehr begrenzt ist, mĂŒssen Keimsaaten die viel GrĂŒn entwickeln (u.a. Radieschen und Bockshornklee) etwas frĂŒher geerntet werden.
    • In Bezug auf das Saubermachen ist eine SpĂŒlmaschine von Vorteil. FĂŒr die HandwĂ€sche ist eine SpĂŒlbĂŒrste mit Naturborsten unverzichtbar. Mit dem Schwamm oder Tuch ist den RĂŒckstĂ€nden in den Rillen nicht beizukommen.
  • Sprossengarten im Detail. Foto: H.C.

    Fliesspapier fĂŒr den Sprossengarten

    BioSnacky Sprossengarten

    • Der Sprossengarten ermöglicht aufgrund der deutlich höheren Keimschalen die Aufzucht von Saaten die viel und hohes GrĂŒn entwickeln (u.a. Radieschen und Bochshornklee).
    • Durch die grĂ¶ĂŸen Löcher durch die das Wasser von einer auf die nĂ€chste Ebene tropft kann alles schnell gewĂ€ssert werden – und im Vergleich zum einfachen KeimgerĂ€t können keine Syphone verstopfen.
    • Da kleine Keimsaaten durch die Löcher fallen oder diese verstopfen könnten muss fĂŒr diese Fliesspapier verwendet werden (u.a. Ruccula, Kresse, Radieschen, Alfalfa).
    • Ohne Fliesspapier ist der Sprossengarten sehr gut fĂŒr Bochshornklee, alle Getreide, Mungbohnen gegeignet.
    • In Bezug auf das Saubermachen ist eine SpĂŒlmaschine von Vorteil. FĂŒr die HandwĂ€sche ist eine SpĂŒlbĂŒrste mit Naturborsten unverzichtbar. Mit dem Schwamm oder Tuch ist den RĂŒckstĂ€nden in den Ablauflöchern nicht beizukommen.
  • Eschenfelder KeinglĂ€ser mit StĂ€nder und Schale

    Edelstahlgitter im Detail

    Eschenfelder KeimglÀser

    • Die KeimglĂ€ser gibt es in 0,75l und 1,0l GrĂ¶ĂŸe. Sie sind aus Glas und haben ein Edelstahlgitter im Deckel. Durch diese Materialien sind Sie die beste Option allem Plastik aus dem Weg zu gehen.
    • Die Deckel können einfach mit einem Topfschwamm gereinigt werden. ZusĂ€tzlich packe ich Sie ab und zu in einen Wasserkocher und koche Sie komplett ab. Toll fĂŒr Haushalte ohne eine SpĂŒlmaschine!
    • Da das Edelstahlsieb des Deckels sehr fein ist, eignen sich die GlĂ€ser faktisch fĂŒr alle Getreide, Bohnen, Erbsen, Linsen, Samen und Saaten die nicht aufgelieren – können also nur fĂŒr Kresse, Rucola und Senfsamen nicht verwendet werden. FĂŒr diese drei empfiehlt sich dann das einfache KeimgerĂ€t oder der Sprossengarten mit Fliesspapier.
    • Sehr schön an den GlĂ€ser ist das die zu keimenden Getreide, Linsen, etc. pp gleich in den KeimglĂ€sern gewĂ€ssert und gekeimt werden können. So entfĂ€llt ein separates WĂ€ssern und umfĂŒllen in die Keimschalen – wie bei den anderen KeimgerĂ€ten.
    • Das SpĂŒlen der KeimglĂ€ser geht sehr schnell von statten – das Edelstahlsieb garantiert ein schnelles befĂŒllen und entleeren.
    • Zwar sind die GlĂ€ser fĂŒr Keimsaaten (u.a. Brokkoli, Alfalfa, Bochshornklee, Radieschen) nicht ganz so gut geeignet wie die großflĂ€chigen Keimschalen – trozdem benutze ich Sie gerne, weil Sie sich so einfach und effektiv reinigen lassen.
    • FĂŒr die Komponenten zu meinem MĂŒsli, Getreide, Linsen, (Kicher-)erbsen und (Mung-)bohnen sind Sie jedoch (meine) erste Wahl.
  • Weizengrassieb. Foto: H.C.

    Eschenfelder Weizengrasssieb

    • Ein KeimgerĂ€t speziell fĂŒr GrĂ€ser – also Weizen- Dinkel- und Gerstengras.
    • Diese GrĂ€ser werden fĂŒr die Bereitung von Smoothies oder SĂ€ften gezogen.
    • Das Sieb funktioniert perfekt – dennoch ist die Aufzucht von GrĂ€sern eine aufwĂ€ndige Aktion und das saubermachen bzw. befreien des Siebes von den Wurzelresten nach der Ernte des Grases ist durchaus aufwĂ€ndig.
    • So benutze ich das Sieb nur noch sehr, sehr selten – und vertraue auf die Zusatzversorgung mit Vitalstoffen eher auf die ‘ĂŒblichen’ Sprossen und Keime 🙂

Welche Sprossen, Getreide, Linsen, etc. sind gut zu(m) Keimen?

Alfalfa im Wachstum

Alfalfa im Wachstum

Ich habe viel ausprobiert und dabei folgende Erfahrungen fĂŒr mich gemacht. Hier erst einmal die Saaten und Samen:

  • Alfalfa: Keimen schnell, entwickeln schnell GrĂŒn, Lecker, sehr Mild und einfach aufzuziehen. Gelieren nicht, enthalten jedoch wohl viel Saphonine und sollte beim Leaky-Gut Syndrom vermieden werden. Da Sie auch L-Canavanin enthalten sollte der Verzehr zudem nicht exzessiv (>1 Tasse / Tag) sein.
  • Bochshornklee: Keimt recht schnell, schmeckt mit und ohne GrĂŒn gut, wachst hoch – wird dann aber bitter. Gelieren nicht. Gegen Krebs und fĂŒr Muskelentwicklung.
  • Brokkoli: Dunkelkeimer (1,5 Tage), Entwicklung ins grĂŒn dauert, Lecker und Mild. Gelieren nicht – und es wird Ihnen eine sehr große KrebsunterdrĂŒckende Wirkung nachgesagt (Sulforaphan) – wobei die Sprossen bis zu 25 mal wirkungsvoller als der Brokkoli sein soll. Wirklich mal ein sinnvolles und nicht ĂŒberteuertes Powerfood! (Hier noch meine ‘ultimative’ Keimanleitung dazu).
  • Kresse: Klassiker – wĂ€chst recht schnell, nicht sehr hoch – aber je höher desto schĂ€rfer. Gelieren recht stark.
  • Radischenkeime

    Radischenkeime

    Radieschen: Keimen dauert etwas lĂ€nger, viel GrĂŒn, wĂ€chst hoch – je höher, je schĂ€rfer der Geschmack – einer meiner Lieblinge im Winter. Gelieren nicht.

  • Rucola: Keimen dauert, wĂ€chst nicht so schnell. Gelieren recht stark – nicht mein Favorit.
  • Senf: Entwicklung ins GrĂŒn dauert (insb. bei niedrigen Temperaturen), Geliert / schleimt recht stark – sehr intensiver Geschmack – nicht unbedingt mein Fall. Besser als Keim und nicht als GrĂŒn essen.
  • Sonnenblumenkerne: Entwicklung in das BlattgrĂŒn dauert, dann sehr Lecker und Mild. Gelieren nicht. Leider ist das SpĂŒlen und aussortieren der nicht keimenden Kerne und Kern-HĂ€utchen eine aufwĂ€ndige Angelegenheit. Wird das nicht gemacht, wirds ‘muffelig’.

Nun der ‘Rest’, also den Linsen, Erbsen, Bohnen, Getreiden, etc.

  • Kichererbsen-Keime (ca. 4 Tage)

    Kichererbsen (ca. 4 Tage)

    Kichererbsen: Einer meiner Favoriten, keimt sehr gut (3-5 Tage). Gute Proteinquelle. Sollte wegen der recht vielen Trypsin-Inhibitoren und Lektine nach dem Keimen (Dampfdruck-)gekocht werden. Kleine Mengen (<= 1 Tasse) werden jedoch von vielen Menschen (und mir) ohne AuffÀlligkeiten vertragen.

  • Braune Linsen: Sehr schnelle Keimentwicklung (ca. 2-3 Tage) und danach Ausbildung von GrĂŒn. Sollte nach ca.  4 Tagen geerntet werden. Sehr angenehmer Geschmack, gut zu kauen, gute Proteinquelle. Ist nach allem was mir unter gekommen ist wohl zusammen mit Mungbohnen mit die am besten verdauliche roh-gekeimte Legume, auch in Hinblick auf Trypsin-Inhibitoren und Lektine. Zu große Mengen sollte jedoch auch hier nicht roh gegessen werden – ich habe Sie jedoch immer gut vertragen.
  • GrĂŒne (ganze) Erbsen: Auch diese sind keimbar, die Entwicklung dauert etwas lĂ€nger als bei den Kichererbsen. Nach dem Keimen koche sie jedoch (15 min. Dampfdruck, 120 Grad), da Sie (zumindest bei  mir) Roh auch schon in kleinen Mengen nicht vertrĂ€glich sind.
  • Mungbohnen: Klassiker – keimen schnell und entwickeln viel Masse. Ernte nach ca. 3-5 Tagen, je nach Temperatur. Geschmack angenehm Mild. Roh sehr gut vertrĂ€glich – jedoch wie bei allen HĂŒlsenfrĂŒchten nur in Maßen sinnvoll.
  • Linsenkeime (ca. 3 Tage)

    Linsen (ca. 3 Tage)

    Buchweizen: Keim sehr schnell (ca. 1,5-2 Tage). Sondert innerhalb der ersten 12h sehr viel StĂ€rke(schleim) ab. Danach sehr lecker und zart – sehr einfach zu kauen. Achtung: Nicht ins GrĂŒn keimen lassen (Fagopyrin)!

  • Nackthafer: Es ist schwierig keimfĂ€higen Nackthafer zu bekommen. Wenn, dann braucht er zum Keimen ca. 3-4 Tage – ist aber nach 2 Tagen auch schon gut kaubar und erste KeimansĂ€tze sind teilweise sichtbar. Nutze ich nur fĂŒrs MĂŒsli.
  • Mandeln: WĂ€ssere ich fĂŒr 24 Stunden in einer Schale, spĂŒle mehrmals, entferne danach das HĂ€utchen – und packe Sie dann in den KĂŒhlschrank in einem geschlossenem GefĂ€ĂŸ. Durch das starten des Keimprozesses werden Hemmstoffe abgebaut und u.a. das Vitamin E aufgewertet.

Sicher ist noch mehr Keim- und verzehrbar. Die Auflistung die ich hier vorstelle ist jedoch das was ich selber in der Regel keime. Ich habe zwar mit viel mehr herumexperimentiert – das was ich aufgefĂŒhrt und insb. in Fettschrift markiert habe sind jedoch die Dinge die hĂ€ngengeblieben sind – und diese sind meine Favoriten. Bei den braun markierten EintrĂ€gen sollte der rohe Verzehr vermieden bzw. stark reduziert eingeschrĂ€nkt werden.

Welche KeimgerĂ€te ich fĂŒr was nutze – und warum

Brokkolisprossen (ca. 7 Tage)

Bei den KeimgerĂ€ten hatte ich ja schon einiges zu den einzelnen GerĂ€tschaften geschrieben. Mein Liebling ist das Keimglas: Einfache Reinigung, kein Plastik, sehr breites Verwendungsspektrum – bis auf die gelierenden Keimsaaten. Bei den Keimsaaten sollten diese in den ersten Tagen durch schnelles hin- und herdrehen des Glases ĂŒber die Zentrifugenwirkung an die gesamte GlasflĂ€che geschleudert werden  – so das diese nicht am Deckel oder Boden verklumpen.

Danach kommt der Sprossengarten: Durch die Nutzung von Fliesspapier ist faktisch alles keimbar. Durch die große FlĂ€che der Schalen einen Sie sich insb. fĂŒr hoch wachsenden Keimsaaten deutlich besser als die GlĂ€ser. Schön auch, das das Wasser sehr schnell ablaufen kann und keine Syphone verstopfen. Einzig die Reinigung ist deutlich langsamer als beim Keimglas.

Kaum noch verwende ich das normale KeimgerĂ€t: Durch die niedrigen Schalen kann ich viele Keimsaaten nicht richtig ins GrĂŒn wachsen lassen. Die Reinigung ist von allen GerĂ€ten die schwierigste – insb. ohne SpĂŒlmaschine. Auch verstopfen die Ablaufsyphone bei sehr kleinen bzw. gelierenden Keimsaaten (u.a. Kresse, Rucola) in den ersten Tagen sehr schnell.

Hier nun meine Liste mit den Bewertungen der KeimgerĂ€te fĂŒr verschiedenes Keimgut:

  • Keimglas
    • 1ste Wahl fĂŒr: Getreide, Buchweizen, Nackthafer, Kichererbsen, Linsen, Mungbohnen, GrĂŒne Erbsen, Sonneblumenkerne.
    • 2te Wahl fĂŒr: Bochshornklee, Alfalfa, Radieschen, Brokkoli.
    • Gar nicht: Kresse, Rucola, Senf.
  • Sprossengarten
    • 1ste Wahl fĂŒr: Alfalfa, Kresse, Radieschen, Rucola, Brokkoli (mit Fliess), Bochshornklee, Mungbohnen, Getreide (außer Buchweizen).
    • 2ste Wahl fĂŒr: Senf, Rucola, Kichererbsen, Linsen, GrĂŒne Erbsen
  • Einfaches KeimgerĂ€t
    • 1ste Wahl fĂŒr: Kresse, Brokkoli
    • 2te Wahl fĂŒr: Alfalfa, Senf, Bochshornklee, Radieschen, Rucola, Mungbohnen
    • Gar nicht: Linsen, (Kicher-)erbsen, Buchweizen

Wer also wenig Platz hat und meine Vorliebe fĂŒr diese Sprossen und Keime teilt, der ist nach meinen Erfahrungen mit den KeimglĂ€sern am besten bedient. Die gibts auch etwas gĂŒnstiger von A. Vogel (dem Hersteller des BioSnackys) – dann aber mit schlechter zu reinigendem Plastedeckel.

Aufbewahrung von Sprossen und Keimen

Keimgut in Glasschale (Clip&Close). Foto: H.C.

Ich bewahre die Sprossen, Keime, etc. pp. welche ich nicht sofort nach der Ernte verzehre in einem GlasgefĂ€ĂŸ (mit Kunststoffdeckel) im KĂŒhlschrank fĂŒr max. 5-7 Tage – bei ca. 4-6 Grad auf. Der Kunststoffdeckel ist ein Kompromiss – kommt hingegen kaum mit dem Keimgut in Kontakt.

Wichtig ist auch hier auf das regelmĂ€ĂŸiges SpĂŒlen – alle 1 bis 2 Tage – zu achten. Dies, da der Wachstumsprozess im KĂŒhlschrank zwar stark verlangsamt ist – dennoch nicht komplett zum erliegen kommt. Insofern mĂŒssen auch hier die Stoffwechselprodukte der Pflanzen ausgespĂŒlt werden um Schimmel- und Geruchsbildung zu vermeiden.

HĂŒlsenfrĂŒchte – AntinĂ€hrstoffe & Lektine

Oft wird gerade fĂŒr die HĂŒlsenfrĂŒchte und einige Getreide der Lektingehalt angefĂŒhrt der zu Darmproblemen fĂŒhren soll. Die Lektine werden wohl durch das Keimen nur teilweise abgebaut – jedoch kann der verbleibende Lektingehalt Probleme verursachen – dann empfiehlt sich ggf. das lĂ€ngere Kochen (>80 Grad) der Keimlinge. Alternativ kann auch kurz mit einem Dampfdruckkochtopf (120 Grad) gekocht werden.

Hilfreich fand ich diese Übersicht in Bezug auf die Lektin- und AntinĂ€hrstoffproblematik. Auch gehe ich in meinem Folgeartikel zum Keimen noch ein bisschen auf die AntinĂ€hrstoffe ein. Zu vermeiden ist nach dem Artikel in jedem Fall der roh(gekeimte) Verzehr von:

  • Kidney, Lima-, Schwarzen-, Pferde- und Gartenbohnen.
  • Erbsen der Gattungen L. sativus, L. cicera und L. clymenun
  • In grĂ¶ĂŸeren Mengen Kichererbsen – da diese neben Lektinen auch Trypsin-Inhibitoren haben (Proteine die die Verdauung behindern – werden durch Kochen abgebaut).
  • Buchweizen enthĂ€lt bzw. bildet (wenn er ins GrĂŒn keimt) Fagopyrin – was ungĂŒnstig in Bezug auf die LichtsensitivitĂ€t sein kann (jucken und rote Haut). Ich hatte damit in 3 Jahren nie Probleme – einfach nur 2 Tage keimen lassen.

Sehr Kritisch in Bezug zu den Lektinen sind dann wohl insbesondere alle Getreide: u.a. Weizen, Gerste, Dinkel, etc. – wo auch noch verstĂ€rkt die WGA und PhytinsĂ€ureproblematik hinzukommt, denn PhytinsĂ€ure reduziert die Aufnahme von Mineralien im Darm. Deswegen nutze ich diese Getreide bzw. Mehle und Produkte auch nur noch in geringen Maßen. Roggen und Dinkel verursachen, richtig zubereitet und fermentiert (Sauerteig), als Brot verarbeitete bei mir keine Probleme. DafĂŒr sollte in nach dem frischen Mahlen das Mehl gesiebt werden um einen Teil der Kleie auszusortieren. Das habe selbst ich in Bezug auf die Bekömmlichkeit beim eigenen Brotbacken gemerkt. Ansonsten vertrage ich gerade Roggenbrot und Pumpernickel sehr gut.

So ist es vorstellbar, das manche (wenige) Menschen auch ein Problem mit (Nackt-)hafer bzw. Haferflocken haben können – und das muss nicht am Gluten liegen, sondern z.B. an Lektinen. Das Pseudo-Getreide Buchweizen soll im Vergleich zu allen anderen Getreiden noch die beste Wahl sein – falls es individuelle und wohl eher seltene UnvertrĂ€glichkeiten gibt. Einweichen (12-24h) und/oder Keimen ist bei mir in Bezug auf die Getreide jedenfalls Pflicht – wie auch bei den Legumen. Wer sich unsicher ist Kocht alles noch kurz vor dem Verzehr. Meist hat eine gesteigerte SensitivitĂ€t auch andere Ursachen – z.B. das der Magen- und Darmtrakt durch Medikamente, Antibiotika (innerhalb der letzten 6-24 Monate), FehlernĂ€hrung und/oder Industrienahrung vorgeschĂ€digt ist.

Die gute Nachricht: GrundsĂ€tzlich habe ich nichts gefunden das Keime schlechter wĂ€ren als der rohe Verzehr der Samen oder Saaten (mit Ausnahme von BuchweizengrĂŒn). Was nun zuerst kommt: Kaputter Magen durch Antibiotika, Zusatzstoffe und zu viel Tierprodukte – und dann Empfindlichkeit in Bezug auf Lektine & Co.? Wer weiß… Deswegen rate ich dazu in Zweifelsfall zu kochen – insbesondere die Legumen (HĂŒlsenfrĂŒchte).

Dr. T. Campbell merkte in seinem Buch ‘China Study’ an, das pflanzliche Nahrungsmittel im synergistischen Kontext wirken – und sich seiner Meinung nach nicht auf einen einzelnen Stoff in ggf. hoher (Labor-)Dosis reduzieren lassen. So gibt es seinen Forschungen nach keine Probleme mit Aflatoxinen (in Maßen), wenn nicht hohe Mengen an Casein (aus Milch) verzehrt wird.

Wichtig erscheint mir jedoch eines: Im historischen Kontext wurden viele Getreide (und ebenfalls Legumen) eingeweicht, gesĂ€uert, gekeimt, fermentiert und/oder gekocht – und das hatte sicher schon seine GrĂŒnde. Viel von diesem Wissen und den Praktiken ist verloren gegangen – und auch ich lerne hier immer wieder dazu.

Mein Fazit

Keimen ist fĂŒr mich zu einer großen Bereicherung des Speiseplans geworden. Der Wermutstropfen ist allerdings das dass Keimen auch ein bisschen Planung voraussetzt. Dies, da die Keimsaaten morgens und abends gegossen werden mĂŒssen – und bis zu 7 Tagen fĂŒr das heranreifen benötigen (im Winter mehr, im Sommer weniger). Eine lĂ€ngere Abwesenheit, Urlaub, Dienstreisen, etc. pp. sollten vor dem Start des Keimvorgangs berĂŒcksichtigt werden.

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