Buchkritik: Going Somewhere – Truth About a Life in Science – Andrew Marino, Ph.D., J.D.

Going Somewhere – von Andrew Marino, Ph.D., J.D.

Dieses Buch ist etwas spezieller – sicher nicht etwas was jeder lesen wird.

Warum?

Andrew Marino, Ph.D, J.D. ist ein Biophysiker und Jurist (letzteres ‘zwangsweise’), der sich sehr viel und intensiv mit jeder Art von elektromagnetischen Feldern (EMF, EMR, ELF, Mikrowellen & Co.) und den Auswirkungen auf lebende Organismen auseinandergesetzt hat. Marino hat zusammen mit seinem Doktorvater Dr. Robert O. Becker (u.a. ‘The Body Electric’) in vielen grundlegenden und wegweisenden Gerichts-Prozessen in den 70er und 80er Jahren als wissenschaftlicher Experte zu der Wirkung von EMF auf den Menschen ausgesagt – gegen den Druck und die bezahlten Experten & Forscher der Industrie sowie die oft wirtschaftlich und persönlich motivierten Karriere-Ambitionen von Richter, Komissionen, etc. pp.

Vor Gericht…

All dies kann Marino u.a. auch mit Akten belegen – welche er teils nur durch Umwege (und Blockaden) über den ‘Freedom of Information’ Act (Informationsfreiheitsgesetz) bekommen hat. Im Buch führt er dann zu einigen der Prozesse seine und die wissenschaftlichen Zeugenaussagen der Gegenseite im Wortlaut auf. Interessant auch die Befragungen der Anwälte und die Interpretationen von Marino dazu. Für den leiser wird hier das vorgehen der Strom- und Telekommunikationsfirmen transparent – und wie es real vor Gericht abläuft…

Marino empfinde ich dabei als eine Ausnahmepersönlichkeit – denn er hatte nach seinem Doktor in Biophysik, neben Familie und Arbeit, noch nebenbei Jura studiert. Warum? Weil er in einem Gerichtsprozess, in dem es um einen Tagebau ohne Sondergenehmigung nahe seines Hauses ging, ausgebootet wurde. Wichtig zum Verständnis: Vor Gericht geht es nicht um Gerechtigkeit – sondern nur um ‘das Recht’.. und das ist sehr flexibel auslegbar, wenn man das Spiel kennt, die Experten bezahlt – welche dann ‘kreative Messungen’ machen und unbeliebte Messungen (bzw. Ergebnisse) bereitwillig unterschlagen bzw. vergessen. Wer nicht weiß wie das Spiel funktioniert – der verliert…

Eine Chronik über das Leben & den Wissenschaftsbetrieb

Das vorliegende Buch ist als Autobiographie auf das wissenschaftliche Leben Marinos (und teilweise auch Dr. Becker) verfasst. Es beginnt in Marinos Jugend (1956) und reicht dann bis kurz vor seiner Pensionierung (2010). Was sich auf den ersten Blick langweilig anhört ließt sich sehr flüssig & spannend, weil es offenbart wie Marino und viele seine ‘Gegenspieler’ im Verwaltungs-, Wirtschafts-, Rechts- und Wissenschaftsbetrieb denken & handeln. Es kommt nicht auf die objektiven bzw. beobachteten Fakten (~ die Wahrheit) an, sondern auf die Repräsentation und die Tricksereien mit Statistiken, ‘speziellen’ Versuchsaufbauten und geschickten Interpretationen im Sinne des Auftraggebers.

Gleichzeitig wird durch das Buch das Thema der Gefährlichkeit der EMF Stück für Stück vermittelt – angefangen bei Hochspannungsleitungen und Laborexperimenten mit Mäusen und EM-Feldern basierend auf der 60 Herz Netzfrequenz (in den USA). Immer wieder finden sich dann auch Prozesse mit Mikrowellen dazwischen – wobei, so wie ich Marino verstehe – dies nicht einmal ausschlaggebend ist.

Sehr spannend auch, wie Marino über den Erzähl-Stil nahe bringt die Forschung in der Praxis funktioniert – nicht nur heute, sondern auch schon vor 50 Jahren. Denn: Ohne Geld keine Forschung und ohne unabhängiges Geld auch keine unabhängige Forschung… Wer die Besetzung der Komitees bestimmt oder in den Komitees ist, der bestimmt wer Geld bekommt (also woran geforscht wird & woran nicht), was der wissenschaftliche Konsens und was die (eher ‘unwissenschaftlichen’) Aussenseiterpositionen sind.

Zum Inhalt

Das Buch glieder sich in fünf Anschnitte die bestimmte Phasen in Marinos professionellem Arbeitsleben und der EMF-Thematik vertiefen. Ich werde in diesem Abschnitt grob den Inhalt und die Zielrichtung der Kapitel beschreiben und dann weiter Unten noch einmal bestimmte Punkte vertiefen bzw. hervorheben.

Preface

  • Einleitung zur Motivation des Buches. Sehr schön fand ich hier:
    • “EMF standards represent a political choice, not an objective scientific determination” und
    • “… that I had a responsibility to show how our legal system often prevent reliable science from entering the mainstream of society”.
  • Marino weißt in der Einleitung auch darauf hin das ‘Ist es sicher?’ (‘is it safe?’) im rechtlichen Kontext – also in Übereinstimmung mit den ‘anzuwendenden Standards’ (‘applicable Standards’) verstanden werden muss. Sicher muss also nicht wirklich sicher sein – ‘sicher’ heißt nur, das es den (meist von der Industrie beeinflussten) Standards entspricht. Nicht mehr und nicht weniger.

I – Growing Up: 1956-1974

  • 1. Starting Out
    • Über die Kindheit, Schule, insb. College und einige interessante Lektionen im Leben in Bezug auf Fragen, Werte und Logik.
    • Gut fand ich den Punkt Fragen so zu stellen als ob Sie auf der eigenen Unfähigkeit (bzw. Limitation) zu Verstehen basieren – anstatt der eher mangelhaften Erklärung des Lehrers. Also z.B. Fragen in der Art: “Did I understand you to say such-and-such?” . Denn, wenn man eher zurückhaltend und nicht bedrohlich fragt, dann würde die Unterhaltung länger dauern und auch besser (erfreulicher) enden.
  • 2. Incubation
    • Die ersten Schritte in Job (RCA Corporation) und Studium (Univers. of Pennsylvania). Hier kam Marino dann das erste mal mit Mikrowellen & Co. in Berührung. Auch berichtet er über viele kleine Lektionen im Leben, die Ihm auffallen und später noch sein Werdegang bestimmen werden (Anm.: Er porträtiert sich selber als in vielen Dingen noch recht ‘naiver’ und idealistischer Geist – kann mich da sehr gut rein versetzten).
    • Eine Begebenheit war als er für einen Report auf mehrfache Nachfrage (und Drohung) seines Vorgesetzten das Ergebnis fingieren sollte – was er ablehnte. Er hatte sich dann jedoch gefragt wie er entschieden hätte wenn er auf den genau diesen Job angewiesen wäre. Und noch wichtiger: Wie viele Dinge werden von Menschen verfast, dessen Meinungen und Aussagen wir akzeptieren bzw. für Wahr nehmen – welche in genau der gleichen Situation waren…
    • Schön auch noch ein Gespräch darüber ob die Menschheit wirklich Fortschritte (‘progress’) gemacht hat. Marino schreibt im Buch: “.. but what I saw was that as the physical stresses had decreased, the psychological stresses increased”… und führt dies noch weiter aus. Schön zu lesen… also wenn man denkt das es vor 50 Jahren anders war…
    • Der Rest beschäftigt sich dann mit der Frage nach der nächsten Station im Leben, dem Kennenlernen von Dr. Robert O. Becker und dem Umzug zu Marinos neuen Wirkungsstätte für die nächsten 17 Jahre in Syracuse.
  • 3. Warrior
    • Beginn der Arbeiten unter Dr. Becker auf dem Weg zum Ph.D. Viel im Zusammenhang den Arbeiten von Becker im Kontext der Regeneration von Gliedmaßen, der Arbeit mit Knochen und dem Nachweise piezoelektrischer Eigenschaften dieser, etc. pp. – sowie einiges zum Wissenschaftsbetrieb und interessante Einsichten Marinos.
    • Spannend fand ich eine Anmerkung, nach dem das Muster der Einweisung von Patienten in psychische Behandlung mit dem Muster der Veränderung des Erdmangnetfeldes korreliert.
  • 4. A Legal Turn
    • Der erste Gerichtsprozess von Becker – bei dem nahe seines Grundstückes eine Kiesgrube eröffnet wurde, welche viel Lärm und auch Staubbelästigung verursachte sowie keine Genehmigung für bestimmte Erdarbeiten hatte. Im Gerichtsprozess, in denen es nie um Gerechtigkeit geht, wurde Marino dann geschickt mit einem (gekauften) Experten geschlagen.
    • Dies war der Grund das Marino selber ein Studium der Rechtswissenschaften – neben seiner Arbeit bei Dr. Becker begann (und erfolgreich beendete) – so das er sich in Zukunft selber verteidigen konnte. Schöne Zitate:
      • “A lawyer doesn’t seek abolute truth, but only the truth favorable to his client.”
      • “I realized that when an expert testifies, the whole process is biased in the sense that the expert is an advocate for the side that is paying him, just like with a lawyer.”
  • 5. Beginner
    • Nach dem Ph.D. nun der Weg zum eigenen Forschungsschwerpunkt im Labor von Becker. Einiges zum Hintergrund, Rolle und der Geschichte der Elektrizität in der Medizin – welche dann nach und nach von der Pharmazie abgelöst wurde (weniger Zeitaufwand für die Ärzte -> Gewinn + das die Pharma-Industrie oft Eigentümer der Journals war).
    • Dann Fokus auf EMF in Tierversuchen um eigentlich positive Effekte nachzuvollziehen – was jedoch (bis dato) zu unerklärlichen Phänomenen führte…
  • 6. Knowing
    • Etwas zu BHT (zusatz zu Mehl -> Ganz gruselig), der FDA und Beckers erster Erfahrung was es bedeutet wenn das Gesetz etwas für sicher erklärt (“deemd it safe”). Das ganze wird im Zusammenhang mit EMFs noch wichtig.
    • Dann einige Gedanken zu Beckers erstem Prozess und wie dort die Fakten vom Experten der Kies-Firma verbogen wurden… sehr interessant.. um das Spiel mit den Studien und dem ‘richtigem’ Design dieser (im Sinne des Auftragsgebers) zu verstehen…
  • 7. EMFs
    • Marino macht weiter mit seiner Forschung in Bezug auch EMFs und Knochen. Dabei stößt er auf immer mehr Fragen. Interessant war wohl ein Buch: “Electromagnetic Fields and Life” (Aleksander Presmen) das u.a. aussagt das es drei Arten der elektromagnetischen Phänomene gibt:
      1. EMFs in der Umwelt, welche den Metabolismus aller lebenden Organismen beeinflussen (z.B. das Erdmagnetfeld, Felder oder Ladungen die vom Wetter hervorgerufen werden – oder Menschgemachte EMF von Radio, Radar oder Hochspannungsleitungen).
      2. Natürliche EMF innerhalb der Organismen, welche z.B. Wachstum und Heilung steuern.
      3. EMF als Kommunikationsmedium zwischen lebenden Organismen.
    • Das erste mal, das EMF als “Stressor” in Zusammenhang mit dem Organismus in Verbindung gebracht wird (S. 88). Dies u.a. weil die Ergebnisse der EMF-Bestrahlung immer andere und teils gegensätzliche Auswirkungen hatte (z.B. einmal mehr und das andere mal weniger Wachstum).
    • Das erste mal das EMF bei Marinos Experimenten zu Glaukoma bei Mäusen führte…
  • 8. A Long Day
    • Über eine Konferenz über die biologischen Effekte von elektrischer Energie (1973) in der auch andere Wissenschaftler über Effekte von EMF berichteten, die Sie nicht erwartet hätten (z.B. Hühner die mehr Eier legen – aber früher sterben, wenn mit EMF bestrahlt).
    • Nach der Präsentation von Marino zu seinen Rattenexperimenten war dann eine beklommene Stille in der Konferenz – weil Sie wohl klar gemacht hatte das EMF ein mehr als zweischneidiges Schwert ist.
    • Am Abend gab es noch ein Gespräch mit einem Reporter der Washington Post, der Marino auf Cecil Jacobsen (George Washington Medical School) im Kontext mit der Mikrowellenbestrahlung der US-Botschaft in Moskau aufmerksam machte. Jacobsen konnte eine Verbindung nachweisen – dann jedoch wurden alle seine Verträge gekündigt und das Thema kam unter Verschluss…
  • 9. Wagging Tails
    • Marino wiederholt seine Experimente mit Ratten und bekommt immer andere – nie die gleichen. Er weißt darauf hin, das in den nächsten 35 Jahren immer das gleiche Muster bei Bestrahlung von Organismen mit EMF auftrat und das Ihm später klar wurde das es nicht die Daten (Messungen) sind die wichtig waren – sondern das Muster!
    • Dies läuft jedoch kontra-intuitiv zu dem, was normalerweise mit der Wiederholung von Experimenten erzielt werden soll (-> Wiederholung mit gleichem Ergebnis zur Bestätigung einer These). Dies ist dann auch ein Punkt den Marinos spätere Gegner in Gerichtsprozessen als Beweis für ‘unschlüssige’ Ergebnisse anführen. Insofern finde ich auch die damalige Stressor-These sehr gut – weil ein Stressor forciert unspezifisch ggf. im ‘Keim angelegte’ (und individuelle oder umweltbedingte) Krankheiten.
    • Marino startet eine multigenerationale Maus-Studie um die Langzeitauswirkungen von EMF zu studieren.
    • Dr. Becker kommt mit der US Navy in Berührung – dort soll ein Antennen-Array gebaut werden und es bestehen Vorbehalte seitens der Lokalregierung. Interessante Seitennotiz: Die Navy hatte ca. 25 EMF-Studien durchgeführt und fast alle zeigten Auswirkungen auf die Versuchstiere.
    • Die Beteiligung von Becker und Marino in einem ersten Prozess zu Überlandstromleitungen bahnt sich an…

II – Wandering: 1974-1980

  • 10. The Comission
    • Bei den Überlandstromleitungen ging es um 765KV Versionen! Der Gerichtsprozess wird detailliert geschildert – inkl. der Kernaussagen von Becker, Marino und Dr. Schwan (experte Gegenseite). Schwan stellt auf theoretische Gleichungen ab die beweisen würden das es keine Effekte geben kann. Marino sagt aus, das Gleichungen keine Prinzipien sind und das Experimente grundlegende Informationen liefern.
    • Marino und der Anwalt führen Schwan vor, weil er alle Studien die keine Auswirkungen auf EMF zeigen pauschal als ‘good science’ tituliert und alle Studien die Verbindungen Zeigen als ‘bad science’  – ohne die Studien jedoch im einzelnen gelesen zu haben. Schwan hat für mich eine feststehende Meinung und richtet danach alles aus – Fakten egal! Dann Fragen Sie Schwan nach den Mechanismen für viele Prozesse im Körper – für die er keine Erklärung oder Formeln hat. Dennoch gibt es Sie und die Auswirkungen sind akzeptiert.
    • Im Prozess entscheidet der Richter Matias dann gegen die Seite von Marino und diskreditiert dieses faktisch in der Urteilsbegründung. Marino bekommt dann jedoch Informationen, das hinter den Kulissen Deals gelaufen sind und macht diese öffentlich. Nebenbei gab es ein positives Interview von Marino und Becker bei 60 Minutes.
    • Das Ergebnis bei dem Gerichtsprozess war dann ein Halb-Sieg. Eine Trasse wurde nicht gebaut, Sicherheitsabstände wurden vergrößert und die Kritik an Marino im Urteil wurde gestrichen.
  • 11. Monsters
    • Aufgrund der Beteiligung am Gerichtsprozess (gegen große Interessen) und wegen dem Interview bei 60 Minutes erfahren Becker und Marino sehr viel Gegenwind in Bezug auf die Finanzierung Ihres Labors.
    • Es folgen einige Einsichten in der Hauptfiguren der ‘EMF ist kein Problem’ Fraktion (Miller, Flugum, Phillips, etc.) wobei Marino Miller mit ‘Because he who has the gold makes the rules’ zitiert. Viel Geld für Studien wird ausgeschrieben, jedoch bekommt Marino keine seiner Forschungsanträge genehmigt…
    • Ein weiterer Prozess bahnt sich an, jedoch wird Marino nicht als Experte zugelassen, weil ‘die Ansicht das EMF’s die Ursache für Gesundheitsprobleme sind umstritten ist’ -> ‘Not generally accepted’. Was sich wie ein Witz anhört bezieht sich auf ein US-Urteil, die so-genannte ‘Fry Rule’.
    • Über den Freedom of Information Act’ bekommt Marino Dokumente über die Experimente von Flugum und Phillips, aus denen u.a. hervorgeht das deren Maus-Experimente doch Auswirkungen zeigen – z.B. waren einmal die Mäuse größer, einmal kleiner, etc. pp. Um zu Sagen das es keine Auswirkungen gab wurden die Ergebnisse einfach gemittelt -> Schluss: Keine Größenänderung -> Kein Problem mit EMF…. ja, so einfach ist die Welt der Studien und Statistik….
  • 12. Risk
    • Interessantes Gespräch mit dem Risikobewerter Dwight Speiler, welcher u.a. ein Brochure verfasste die EMF als Harmlos darstellte (-> Propaganda). Marino arbeitet das dann in einem Gespräch mit Spieler, das im Wortlaut wiedergegeben wird, schön heraus. z.B.:
      • Marino:“When you wriote your boolet, did you hope to create knowledge or belive in the minds of the readers?”
      • Spieler: Belief
      • Marino: “… instead, you create a conviction in your audience about what is right or wrong?”
      • Spieler: Yes! Then the best course of action becomes clear.”
    • Aus einem anderes Gespräch mit Tauschen:
      • Marino: “Do you think that Starr can build powerlines in such a way that maximizes his profits, irrespective of the misery he causes?”
      • Tauschen: “Of course, …”
    • Marino schließt mit dem Gedanken, das ein professioneller Risikobewerter eher so etwas wie ein Drogendealer ist: Er macht das sich Menschen (kurzzeitig) gut fühlen – jedoch ist er kein Wissenschaftler der verlässliches Wissen über die Welt hat.
  • 13. Dangers
    • Über ein Antennen-Array das die US Navy bauen wollte und für einen Prozess für den Dr. Becker und Marino als wissenschaftliche Experten angefragt wurden. Aufgrund ihrer vorherigen Erfahrungen mit dem System und den beteiligten (u.a. Paul Tyler, Navy) lehnten Sie ab (weil dies u.a. den Tod der Finanzierung Ihres Labors bedeutet hätte). Allerdings nahmen sie schriftlich Stellung, gaben ein CBS-Interview und hatten einen Artikel im Saturday Review – für das Journalisten und sie selber unter starken Druck gesetzt wurden.
  • 14. Zaret
    • Spannender Abschnitt mit dem Augenarzt Milton Zaret. Dieser hatte für die US-Navy untersucht ob EMF Katarakte verursachen können (u.a. Radar & Co.). Zwar konnte er dies (zuerst) nicht direkt – jedoch war Ihm dies bei Service-Technikern, welche ihm aus dem zivilen Mikrowellenbereich aufsuchten, aufgefallen.
    • Über diese Arbeiten war er dann auch in die Beurteilung der Folgen in Bezug auf die Bestrahlung der US-Botschaft in Moskau mit Mikrowellen involviert (bei der ca. 1/3 der angestellten an Krebs starben).
    • Zwar konnte Zaret all dies mit hoher Wahrscheinlichkeit nachweisen (kausal auf EMF zurückführen), nur wollte das Militär bzw. die Regierung der USA wohl nicht reagieren – weil dieses dann hohe Kosten, Regressforderungen und eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von Radar & Co. bedeutet hätte (die Russen hatten sich ja brav an die US-Grenzwerte gehalten 😉
    • Nach dem Zaret dann in öffentlichen Prozessen EMF/Katarakt-geschädigte als wissenschaftlicher Sachverständiger unterstützte verlor er seine Navy-Kontrakte, alle Unterlagen wurden vernichtet und er ausgebootet und vom Ruf her zerstört.
  • 15. Bone EMFs
    • Dieses Kapitel dreht sich um Knochenheilung mit EMFs in Bezug auf Dr. Becker, Dr. Andrew Basset und Dr. Brighton – ein Thema das Marino zum Anfang seiner Kariere bei Dr. Becker durchführte (u.a. Piezo-Elektrischer Effekt in Knochen, Knochen als Halbleiter). Nett zu lesen – jedoch wenig in Bezug auf die EMF-Thematik als Krebs- und Krankheitsauslöser.
  • 16. Turning Point
    • Diskutiert u.a. die Forschung Marinos mittels (statistischer) Assoziationen in Bezug auf Überlandleitungen in England und dem auftreten von klinischen Depressionen (bis hin zu Selbstmord). Dann Experimente mit Mäuse in Hinblick auf Wachstum und EMF und wieder Probleme einiges zu publizieren, weil die Gegenseite mehr Einfluss hatte (‘He who has the gold makes the rules’ -> Morton Miller).
    • Dem folgen ein paar Seiten über ein Buchprojekt mit Dr. Becker in Bezug auf EMF. Marino schreibt dort das russische Forscher schon früh festgestellt hatten, das die Effekte der EMF unabhängig der Frequenzen oder bestimmter Gewebe bzw. Organe waren (was sich auch schon in Kapitel 15 angedeutet hatte).
    • Im Buch hatte sich Marino dann darauf konzentriert die Kernpunkte zu präsentieren, auf Basis derrer faktisch alle Industrie und ‘regierungsnahen’ Studien keine negativen Auswirkungen von EMF gefunden hatten. Eine der Studie war eine multigenerationale Maus-Studie (Dick Phillip). Da eine der Mäuse-Gruppen kleiner und die andere größer als die Vergleichsgruppe war, wurde das Ergebnis als Widersprüchlich gewertet und ein Mittelwert gebildet => Keine Auswirkung in der Schlussfolge. Martino merkt an, das die Ergebnisse nicht widersprüchlich, sondern entgegengesetzt (‘opposite’) waren.
    • Sehr wichtig von Marino: “EMF exposure led to disease because it was a stressor that extracted a physiological response”. Wie und in welche Richtung sich die Krankheit im jeweiligen (einzelnen) Organismus, anhand der Vorgeschichte und anderer Umweltfaktoren entwickelt ist nicht vorherzusagen.
  • 17. Southbound
    • Dieses Kapitel fängt damit an, das das Labor von Dr. Becker, in dem auch Marino für ca. 17 Jahre gearbeitet hatte, geschlossen wurde. Die ‘Gegner’ von Dr. Becker und Marino (insb. wegen den Studien zu EMF) hatten die Oberhand bzw. Schlüsselpositionen in der Verwaltungsstruktur eingenommen.
    • Dann folgt eine eher längere Erzählung über einen Traum o.ä. in der er zahlreiche Persönlichkeiten aus seiner Vergangenheit trifft und teils Zwiegespräche führt.

III Detour: 1980-1994

  • 18. Floating
    • Dr. Marino setzt seine Karriere an der Louisiana State University als Assistenzprofessor fort. Er beschreibt in diesem Kapitel zwei Gespräche mit Henry Vanderhide und Dennis Thibodeaux. Ersteren befragt er über die innere Struktur und Entscheidungsprozesse im NIH (National Institute of Health) – also wie entschieden wird welche Studien oder Forschungs-Vorhaben Geld bekommen und welche nicht. Die Aussagen sind krasser (erschreckender) als ich mir es vorgestellt hätte. Sehr interessant zu lesen.
    • Mit letzterem (Thibodeaux) führt er die geschickten und Interessanten Fragen bez. der die Auswahlverfahren des NIH fort u.a. in Bezug darauf wie Anträge optimal gestellt werden sollte, was ggf. zu viel ‘Neuheit’ ist, wie es ist wenn Vorhaben ggf. dem aktuellen Konsens gegenüberstehen, etc. pp. Thibodeaux geht dann noch weiter auf die Struktur des NIH ein – und was möglich ist um die jeweiligen Prüfer der Studien positiv gegenüber einem zu stimmen.
    • Dann folgt ein Diskurs was ‘gute Wissenschaft’ denn ist – wobei sich hier Thibodeaux für mich als ziemlich eindimensional outet. Er sagt das gute Wissenschaftliche Methodik für Ihn folgendes ist: “That reductionism is the true method of science, that scientific knowledge is knowledge of mechanisms, and that the dose-effect relationship is natures’s way of differentiation what is imaginary from what is real.”.
    • Am des Gespräches Ende ergänzt Thibodeaux noch “Good science is good science” und erklärt damit mal gar nichts. Erschreckend (für mich)…. gerade der Reduktionismus. Dazu kommt, das das NIH ‘compartmentalized’ ist. Das heißt die Fachdisziplinen arbeiten nicht synergistisch – sondern Sorten-rein getrennt nach ‘Fachgebieten’ – was auch Dr. T. Campbell bemängelt…. denn die Ursache von Kopfschmerzen muss nicht die Neurologie oder der Kopf sein. Marino entscheidet sich das NIH-Spiel nicht zu spielen….
    • Interessant war bei dem ganzen, das letztendlich (in der Praxis) nur zwei Gutachter im NIH über das Wohl eines Antrages entscheiden – und 50% aller Anträge schon vorher ausgesiebt werden. Die Gutachter werden von der Administration bestimmt – und sind natürlich auch persönlich vernetzt – so das zumindest mir klar wurde wie der Hase läuft. Auf die Frage von Marino an Thibodeaux was denn einen guten Gutachter ausmacht, elaboriert dieser das nur Forscher die in dem aktuellen (natürlich ‘Guten’) Denken des Systems ausgebildet würden (-> u.a. Reduktionismus) und dieses quasi verinnerlichen dann auch zu NIH Gutachtern berufen würden. Damit ist für mich eine Art intellektuelle Inzucht vorprogrammiert – die ganzheitlich-holistisches Denken (über den aktuellen Tellerrand hinaus) verneint.
    • Dies war für mich ein sehr interessantes Kapitel – weil ja in den vorhergehenden die Finanzierung der Studien über das NIH & Co. immer wieder ein Problem für Marino waren. Angesichts der aufgezeigten Umstände wird sehr klar, das es alle Forscher mit Meinungen und Thesen die gegen den Status-Quo gehen ganz große Probleme haben (werden) diese Forschungen finanziert zu bekommen.
  • 19. Carbon Fibers
    • Eine Episode in Marinos Leben in der er in Kontakt mit einem Arzt und einem Kohlefaserhersteller (‘Carbon Fiber’) kommt, welche diese Fasern für die OP bei Knieverletzungen nutzen, wo die eigenen Muskelfasern abgerissen sind. Marino wird damit beauftragt die Zulassung bei der FDA in den USA zu beantragen und alle nötigen Studien durchzuführen.
    • Marino offenbart dabei einen Teil das System-Wahnsinns der Zulassungsmodalitäten. Obwohl alle seine Studien an Mensch und Tier erfolgreich sind, die Techniken in anderen Ländern und sogar bei Hochleistungs-Rennpferden mit Erfolg angewandt werden muss er immer mehr Tests liefern, wobei Sinn, Ziel und Zweck teils nicht transparent sind.
    • Letztendlich gibt es ein Gespräch zwischen Ihm und dem (rein bürokratischen) Prüfer, wobei klar wird das eine Zulassung von irgendetwas ein Risiko für die Prüfer & FDA bedeuten würde – weil man eben nicht absolut ausschließen könne das es doch irgendwelche Langzeiteffekte gäbe. Dabei wurde komplett ignoriert ob die Lebensqualität des Patienten Steige oder nicht. Auch war ein Aspekt das alle neuen (medizinische) Verfahren Geld kosten würden – so das man die Entwicklung hier gewollt verlangsame.
    • Spannend für mich in diesem Kontext scheint, das wenn es um Impfstoffe geht (die brauchen keine klinischen Doppel-Blindstudien) oder andere Pharmaka von Chemie-Riesen (mit entsprechendem Einfluss) all dieses nicht so genau genommen zu werden scheint… ein wirklich interessanter Einblick in die Bürokratie!
  • 20 Power
    • Über ein Gerichtsprozess im Kontext Überland-Stromleitungen. Hier sollte direkt über das kleine Grundstück eines Bürgers eine Stromleitung laufen – und dieses in zwei kleine Parzellen zerschneiden. Das Hause musste schon versetzt werden – und sollte es dann noch einmal, weil die Stromfirma (Philadelphia Electric) Ihre Pläne änderte.
    • Marino war dann wissenschaftlicher Gutachter auf Seite des Klägers in Bezug auf die Gefahren der EMF – und zu aller Überraschung wurde der Gerichtsprozess gewonnen. Leider wurde das Ergebnis dann in der Revision aufgehoben, dann diese Aufhebung erst von Supreme Court zurückgewiesen – um dann doch bestätigt zu werden (wobei Marino nicht über die politischen Hintergründe spekuliert). Der eher ärmliche Grundstücksbesitzer hatte danach keine Kraft und kein Geld mehr weiter zu prozessieren.
    • Das Kapitel fand ich ebenfalls sehr interessant – isnb. auch die Argumentationsführung und die rhetorische Präzision in der Marinio damals die Testate vor Gericht gegeben hatte.
  • 21. Experts
    • Wieder viele interessante Gerichtsprozesse mit detaillierten Schilderungen und Dialogen. Er zeigt auf wie viele Experten funktionieren – welche sich u.a. nur auf die Studien der Stromfirmen berufen. Auch zeigt er auf das Aussagen auf vielfältigste Weise zu interpretieren sind – also ‘nicht falsch sind’, jedoch als Wahr (in der Sache) interpretiert werden.
    • Spannend auch eine Befragung vor Gericht mit einem Experten (Philip Keine), welcher in vielen Prozessen zu Gesundheitsrisiken die Seite der Industrie vertrat. Im Kreuzverhör gefragt ob Unkrautvernichtungsmittel, Asbest, Saccharin, Insektizide, etc. pp. Krebs verursachen verneinte er all dies. Jeder mag sich selber sein Urteil über diese Art der (Un-)Wissenschaft bilden…
    • Dieses Kapitel bietet noch viele andre ‘Perlen’ – zu viel um Sie hier alle wiederzugeben 😉
  • 22. Masters of Energy
    • Über die Teilname von Marino an einem Kongress der Energie-Industrie wo er dann einige gute Gespräche hatte und einen interessanten Vortrag darbot. In diesem Vortrag wollte er die Vorstände auf das Risiko aufmerksam machen, was passieren kann wenn das Thema EMF nicht ernst genommen wird -> zukünftige Regress-Forderungen, etc. pp.
    • Einige Gedanken von Marino in Bezug auf die Persönlichkeitsstrukturen der Firmen-CEO’s, welchen die Auswirkungen Ihrer Technologie auf andere Menschen (und Ihre eigenen Familien) egal scheint, solange Sie Macht und Einfluss haben und ausüben können.
  • 23. Razzle-Dazzle
    • Über mehrere Prozesse bei denen Marino als Experte aussagt, welche faktisch alle auf Basis der ‘Fry’-Rule verloren gehen. Interessant: Alle ‘Experten’ der Gegenseite hatten keine direkte Erfahrung mit EMFs und wurden primär aufgrund Ihres Status, Ihrer Position oder Auszeichnungen ausgesucht.
    • Es zeigt sich immer mehr, das alle diese Experten die persönliche Überzeugung hatten das EMF keine Problem verursachen -> nicht jedoch die Daten oder Fakten die dies belegen. Marino dazu:
      • “In court a scientific fact was nothing more nor less than what the expert pronounced.”
  • 24. Ipse Dixist
    • In diesem Kapitel geht es final um die ‘Fry’-Rule. Wieder ein Prozess in dem Marino teil nimmt – Polizisten die Krebs durch Radarpistolen bekamen – wieder eine Niederlage, basierend auf der ‘Fry’-Rule welche die Meinung (‘opinion’) der Experten für bare Münze nimmt – jedoch nicht fragt was die wissenschaftlichen Grundlagen der Meinung sind.
    • Dann bahnt sich ein neuer Prozess in Bezug auf ein Pharmazeutika an, der geeignet scheint die Fry’-Rule vor dem Supreme Court der USA zu kippen – ein Anwalt kommt diesbezüglich auf Marino zu. Die Frage ist: Was ersetzt die Fry-Rule? Denn die Industrie möchte wissenschaftliche Fakten & Evidenz noch mehr ausgrenzen. Ein schöner Dialog wird wiedergegeben, der Marinos Position und Vorschläge klar macht. Schöne Aussagen waren:
      • “Only if the expert can explain how he knows its’s reliable, because scientific knowledge is a product of method, not authotity.
    • Es geht dann viel um die damalige Annahme das Wissenschaftler die Wahrheit sagen. Aber warum trauen wir Wissenschaftlern das zu – nicht jedoch reichen Menschen, Beamten, etc. pp? Titel schützen nicht vor Ignoranz, Vorurteilen und persönlichen Meinungen – im Kontrast zu Fakten.
    • In einem Gespräch mit dem damaligen Richter versucht Marino diesem dies zu erklären, u.a. das nicht alles was in Journalen Publiziert ist auch Wahr oder richtig sein muss. Er fragt u.a. den Richter was ein Anwalt macht, wenn er Kenntnis über Fakten erlangt die gegen seinen Klienten sprechen. Der Richter antwortete: ‘Oppose it!’. Und was wäre wenn der Wissenschaftler nun Angestellter ist: Im Militär, einer Firma, in der Pharma- oder Atomindustrie? Was ist wenn dieser Fakten oder Wissen erlangt das gegen die Interessen seines Arbeitgeber spricht? …
    • Die ‘Fry’-Rule wurde dann am 28.6.1993 revidiert. Wissenschaftliche Zeugenaussagen wurden nur noch Akzeptiert, wenn diese durch die wissenschaftliche Methode (‘scientific knowledge’) erlangt wurden (im Kontrast zu ‘generally accepted’). Zum besseren Verständnis: Nicht ‘What do you know?’ sondern ‘How do you know?’.

IV – Understandig 1995-1998

  • 25. Szent-Gyorgyi
    • Ein kurzer Abschnitt wo Marino Szent-Gyorgyi bei einer Veranstaltung traf.
  • 26. Looking at EMFs I to I
    • Dieses Kapitel gibt die nächsten 5 Jahre von Marino in Form von Briefen wieder. Grundsätzlich geht es um die Frage was der Unterschied zwischen Leben und nicht lebenden Dingen ist – und die Unterschiede von Physik und Biologie. Leben erschließt sich nicht mit Fokus auf Atome, Elektronen und Quanteneffekte -> Man kann ein Lächeln nicht auf Basis der Elektronen in den Lippen Analysieren.
    • Marinos EMF-Ergebnisse waren oft zurückgewiesen worden, weil diese verschiedene Ergebnisse gezeigt hatten und ‘inconclusive’ bzw. nicht exakt zu reproduzieren waren. Diese Betrachtungsweise verneint jedoch die Umwelt die nicht immer gleich ist – und insb. den individuellen Organismus. Es ist als wenn alles Leben vollkommen deterministisch und immer exakt gleich auf jeden Stimuli reagieren müsste – wie Roboter. Marino identifiziert das Denken in der Wissenschaft als einen Punkt der sich ändern müsse (Anm.: Um die Realität zu antizipieren).
    • Marino erkennt das es zwei Wissenschaften gibt: Eine ist limitiert auf leblose Gegenstände (Physik) und die andere beschäftigt sich mit dem Leben. Jede hat ihre eigenen Methoden um zu etablieren was ein Fakt ist.
    • Ein weiteres Problem ist das viele Biologen das leben als eine Art Maschine begreifen – jedoch die chaotische Natur dabei ausschließen (Reduktionismus). Wenn ein Biologe sagt X hat Y verursacht, dann bedeutet dies etwas anderes als in der Physik.
    • Marino zeigt auch die Idiokratie der Vergabe der Forschungsgelder auf: “The basic requirement for obtaining funding is presentation of evidence that the results of the proposed experiment will be as predicted” – was Ergebnisoffene Forschung und Forschung ohne ‘Vor-Forschung’ ja schon ausschließt.  (Anm.: Zudem kann so auch ‘unliebsame’ Forschung bzw. Ergebnisse die keiner sehen, hören oder anderweitig mag – schon im Antragsprozess eliminiert werden.)
    • Marino erhält Forschungsgelder für weitere EMF-Studien. Wichtig hier: Die Mittelwerte aus allen individuellen Abweichungen legen wieder keine ‘Gefahren’ nahe – jedoch hat Marino dieses mal von einem Statistikprofessor eine Methode entwickeln lassen welche den Unterschied der EMF-Mäuse mit >95% aufzeigt.
    • Marino schließt mit vielen guten Gedanken & einer Überleitung auf das nächste Kapitel – ein Mann namens Christopher, Statistiker des RAPID Programmes was Marinos Daten & letzten EMF-Forschungen evaluieren musste (und auch nicht unpolitisch war/ist…).

V – Return: 1998-2010

  • 27. Christopher
    • Hier geht es um die Fortsetzung der EMF-Kontroverse. Der US-Kongress hatte dem NIH (unter Kenneth Olsen) 40 Millionen $ gegeben um die EMF-Thematik (Krebs & Co. oder nicht) endgültig zu klären. Olden setzte dann Christopher als Leiter der RAPID Kommission ein. 3 Jahre später, nach Abschluss vieler Studien, gab es dann eine Zusammenkunft der Wissenschaftler unter Christopher um über die Thematik zu reden und abzustimmen.
    • Marino berichtet von der Konferenz in der sich das vorherige Muster wiederholt: Weil die Studien nicht eindeutig sind – also exakte und wiederholbare Ergebnisse aufweisen, wie z.B. in der Physik, werden Sie wieder von einigen (u.a. Rose mandel, Universität Toronto) abgetan. Viele wollen einen exakten Mechanismus in Bezug auf EMF etabliert wissen – bevor Sie EMF als Risikofaktor akzeptieren.
    • Marino fragt: “Was ist der Mechanismus der Schwerkraft?”, “was der des ohmschen Gesetzes?” und wird abgetan mit “Dies sind (Natur-)Kräfte” – und das Naturkräfte von Gesetzen begleitet werden, so das das Wissen um dem Mechanismus unwesentlich wäre. Wenn ich so etwas lese…
    • Marino fragt weiter: Warum ist es wichtig einen (Wirk-)Mechanismus zu identifizieren bevor akzeptiert wird das EMF Auswirkungen auf das Immunsystem haben? Sollte sich die Suche nach einem Mechanismus noch nach der Etablierung (bzw. Akzeptanz) der Auswirkung anschließen – insofern ein ein-eindeutiger Mechanismus dafür jemals gefunden werden kann? Letztendlich wurde gegen die Frage gestimmt ob EMF Auswirkungen auf das Immunsystem haben…
    •  Ganz krass an: “All of our scientific laws require consistency. When the conditions are the same, the results must be the same” (Juko, S. 381). So viel vermessenheit kann ich selber kaum ertragen. Also ob bei Experimenten alle Variablen voll kontrolliert werden könnten! Also ob jede Maus identisch mit einer anderen wäre! Aua!
    • Am Ende dann eine Kontroverse: Der Auftrag des Kongresses war ein definitives Ja, schädlich” oder Nein, Unschädlich” als Aussage zu produzieren. Dem sieht sich auch Christopher unterworfen. Als Christopher dann Olden dennoch mitteilte das die Frage so nicht beantwortet werden könne – und keine wissenschaftliche Gewissheit präsentiert werden könne, wo keine existiere –  wurde Christopher abgesetzt. Olden veranlasste dann jemand anderen (Ruhrig) den finalen Report zu schreiben und zu schlussfolgern das EMF sicher seien.
    • Zwar kamen dann noch Zahlen zu den möglichen Krebs-Toten durch EMF auf (Anm.: zwischen 6 und 600 pro 1 Million Amerikaner => ca. 180-180000 Tote/Jahr in den USA), jedoch wurde diese Zahlen nicht in den finalen Report einbezogen. Der Rest ist Geschichte…
  • 28. Young Richman
    • Richman ist ein Anwalt einer wirklich großen Kanzlei – welche Verbraucher und Opfer in Zivilprozessen vertreten. Bei einer Veranstaltung kommt dieser auf Marino zu und Marino erklärt im Beisein anderer Forscher sein Konzept der Umweltwissenschaften und einer Bewertungsmatrix (inkl. Farbkodierung), welche die Säulen für:
      • Kinds of Knowledge (Perfect, Imperfect, No),
      • Mental State (Certainty, Uncertainty, Guess) und einer
      • Knowledge Hierarchy (Mathematics, Gravity, Technology, Medicine & Environmental Science, Questionnaire Studies, Astrolony, Phrenology) definiert.
    • Richman und Marino kommen überein, das Marino seine Kanzlei besucht und sein Konzept vorstellt.
  • 29. Measure for Measure
    • Diskussion mit den Anwälten von Richman Junjor & Seniors Anwantskanzlei. Marino geht tief in seiner Erklärung in Bezug auf die Etablierung wissenschaftlicher Fakten und den feinen Unterschieden – da er das Zeil hat den Kern der Diskussion zu klären – und nicht mit Tricks Prozesse zu gewinnen. Die wiedergegebene Diskussion ist sehr Tief und interessant.
    • Leider überwirft er sich mit den Senior – dem es nicht um die Wahrheit, sondern eher um den Sieg vor Gericht (und das Geld) aus Prozessen geht. Dies ist jedoch nicht in Marinos Interesse.
  • 30. Mind War
    • Marino hat eine noch bessere statistische Methode gefunden um angesichts der individuellen Varianten EEG & Co. durch Bestrahlung mit EMF Rechnung zu tragen und Muster + Unterschiede zu erkennen. Statistisch sehr relevant und auf einer Mathematisch-wissenschaftlichen Basis: Mittels Recurrence Quantification Analysis (RQA). Tests mit Erwachsenen, Babys, etc. pp. – durch die Bank belegen nach Ihm eine durchgehende Beeinflussung der Gehirnaktivität.
    • Nach seinen Erkenntnissen sind es denn auch die elektrischen Felder die die Probleme verursachen – und nicht die magnetischen. Frequenz & Feldstärke sind recht egal. Wichtig jedoch: Bei Menschen mit Krankheitsbild (Gehirn) waren die Effekte signifikant verschieden von gesunden Subjekten.
    • Dann noch ein Anschnitt über die üblichen Taktiken der Industrie-Nahem Forschung mit immer den gleichen “Fehldesigns” bei der Studie, unpassenden Vergleichen, einfacher Mittelwertbildung, etc. pp.
    • Er schließt dann mit einer Präsentation und seinen Nachfragen darauf bei der WHO – und stellt noch einmal klar wie die Taktik der Verschleierung funktioniert und das Schlüsselpositionen von Industrienahen Wissenschaftlern und Akteuren besetzt sind.

Epilouge

  • Zusammenfassende und abschließende Gedanken… u.a. “My heroic idea of science is gone, replaced by a more sober view, shaped by my experience”…

Kritik

Eigentlich wollte ich es nicht so ausgedehnt und lang machen. Das Buch hat mich dennoch phasenweise sehr gepackt – wobei sich das Erzählmuster bzw. die Erfahrungen die Marino in Bezug auf EMF in Forschung, Diskussionen, Gremien und vor Gericht gemacht hat immer wieder wiederholen.

Jedoch zeigt mir genau dieses Muster – inklusive der vielen Enttäuschungen Marinos in Bezug auf die (gerichtsfeste) Klärung der Sachlage sehr wichtig. Der Respekt vor der Wissenschaft – insbesondere wenn die finanzielle Interessen groß sind – sollte eher gering sein und im Zweifel auf der Seite der Vorsicht stehen. Groß sind die Versprechen & sehr klein gemacht werden die Risiken. Der Laie selber kann die Komplexität der Fachgebiete und der da dahinterstehenden Aspekte und Fragen gar nicht überblicken – und noch weniger Studien-Designs, Statistik und die Geeignetheit der verwendeten Methoden bewerten. Oft hat der einfache Laie auch nur den Zugriff auf die Zusammenfassung der Studien – die Details verstecken sind dann hinter kostenpflichtigen Paywalls oder in teuren Magazinen. Und selbst dort muss auf die präsentierten Daten und Auswertungen und die Ehrlichkeit & Transparenz der Wissenschaftler vertraut werden. Nicht nur Marino zeigt auf, das diese Vertrauensvorschuss oft nicht gerechtfertigt ist.

Mit hat das Buch viele gedankliche Anregungen gegeben, gerade weil Marino in seiner Bibliographie (und teils auch eine Reflektion seines professionellen Arbeitsleben) sehr in die Tiefe geht und auch sehr ausführlich Dialoge und einen Austausch von Argumenten im Wortlaut wiedergibt. Wer Marc Aurels ‘Selbstbetrachtungen’ mag –  der wird sicher auch Marino mögen. Allerdings muss der Leser bei Marino anhand von 450 Seite deutlich mehr Zeit als bei Aurel mitbringen.

Implikationen

Wer bisher ein eher ehernes Bild der Wissenschaft und der großen staatlichen (US-)Organisationen wie NIH, FDA & Co. hatte – wird dieses zu vielen Teilen zerstört wiederfinden. Genau wie in der Politik versammeln sich auch dort in den Organisationsstrukturen Menschen die Ihre Verlangen (u.a. nach Macht, Einfluss und Geld) – vor die Wahrheit und die Fakten stellen. Vorurteile, Denkblockaden und Verwaltungsstrukturen machen dann eine Änderung des Denkens durch neuen Leute schwierig – weil all diese durch den Filter des Status-Quo laufen. Die Erzählungen von Thibodeaux, aber auch Vanderhide, haben dies für mich noch einmal transparent gemacht.

Im seinem Buch ‘Interessen’ berichtet Dr. T. Colin Campbell ja ähnliches über die Strukturen im Gesundheitswesen… man forsche an der Symptombekämpfungsfront, schaue jedoch nicht bei den Ursachen. Fachübergreifendes Denken ist durch die Kompartimentierung der Forschung ausgeschlossen bzw. erschwert. Studien die die Ernährung in Bezug auf Krankheiten als Ursache oder Lösung favorisieren und untersuchen wollen bekommen kein (oder kaum) Geld. Denn würde dies Erfolg zeigen – würde es nicht nur meiner Meinung nach den aktuellen Status-Quo gefährden -> Viel weniger Ärzte, Pharmaka und medizinische Leistungen würden benötigt.

So lassen die Schilderungen von Marino, aber auch Campbell, ein zweifelhaftes Licht auf viele der Studien scheinen, welche auch ich hier im Blog referenziere. Deswegen versuche ich auch immer alles möglichst über die Ernährung zu lösen – und vertraue Supplements und Medikamenten eher weniger bzw. irre mich lieber auf der Seite der Vorsicht.

Mein Fazit

Das EMFs aller Art – u.a. Mensch gemachte Mikrowellen sowie elektrische Felder & Wechselstrom-Magnetfelder – nicht ‘ohne’ sind ist mit schon länger bewusst. Das Problem: Wenn mein Nachbar Zigarette raucht – und das in seiner Wohnung macht – dann berührt mich das nicht. Betreibt er an der Wand zu meiner Wohnung einen WLAN-Router und eine DECT-Basisstation, dann habe auch ich eine starke EMF-Belastung – und damit ein Problem. Marinos Buch machte mir in diesem Bezug noch einmal sehr klar, dass das alles nicht gut ist – und ich vom Gesetzgeber, Gerichten und auch der Industrie keine Hilfe oder Verbesserung erwarten kann, selbst wenn die Fakten auf dem Tisch liegen und die Probleme überall sichtbar sind.

Das ganze ist jedoch (für mich) erst relevant wenn ich mich selber ändere. So lange ich selber WLAN, Mobilfunk & Co. nutze – kann ich es anderen nicht untersagen. Nutze ich es selber, dann ist auch die stärkste Strahlungsquelle direkt bei mir, denn die Intensität der Felder nimmt im Quadrat (zur Entfernung) ab. So mache ich mir weniger Sorgen um den Mobilfunkmasten in 2 Km Entfernung – finde 7 Stück im Umkreis von 300 Metern jedoch besorgniserregend. Nicht unbedingt wegen den Masten selber – sondern weil es auch bedeutet, das sehr, sehr viele Menschen (und Maschinen) Mobil kommunizieren und damit eine (Grund- bzw. Dauer-) Belastung erst wirklich erzeugen. Ganz schlimm finde ich jedoch eine DECT- oder WLAN-Basisstation, welche ggf. nur wenige Meter von meinem Schlaf- bzw. Aufenthaltsort entfernt ist. Und das kann je nach dem schon die Wand zur Nachbarwohnung sein…

Kann ich eine Kaufempfehlung geben?

Wer sich für eine Bibliographie, einen interessanten intellektuellen Diskurs sowie Fragen der Wissenschaftsethik und der Rechtswissenschaften (aus US-Perspektive) interessiert – und das über die Sachfrage der EMF’s hinaus – der wird an dem Buch viel Freude haben. Wer praktischen zu EMFs und dem aktuellen Stand der Wissenschaft dazu benötigt – der sollte anderes lesen bzw. mit meinen Blog-Beitrag zu dem Film Resonance beginnen.

 


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