ARIC Studie: Mehr Kohlenhydrate = Längeres Leben (-> Low-Carb & Keto = Ungut)

By | 13. März 2019

U-Kurve in Bezug auf Sterblichkeitsrisiko und KH-Verzehr (ARIC-Studie). . Low-Carb & Keto schneiden dort nicht gut ab (was keine Überraschung für mich ist).

U-Kurve in Bezug auf Sterblichkeitsrisiko und KH-Verzehr (ARIC-Studie). Low-Carb & Keto schneiden dort nicht gut ab (was keine Überraschung für mich ist). Quelle: [1]

Schon älter (2018) jedoch immer noch interessant: Daten aus der ARIC Studie [1], veröffentlicht in der Lancet, legen nahe das die Menge der verzehrten Kohlenhydrate (KH) mit der Langlebigkeit verbunden ist: Je mehr (anteilige) Kohlenhydrate (in %) – desto länger tendenziell die Lebenserwartung, auch wenn man sich in einigen Pressemitteilungen viel Mühe gibt genau diesen Fakt zu verschwurbeln [2]… warum auch immer…

Spannend fand ich das Vorwort der Studie, in dem Sie den Trend zu den vielen Low-Carb (-> ‘High-Fat’) Diäten ansprechen, die dann oft noch aus tierischer Quelle stammen. Die Autoren stellen klar, das es damit (also Low-Carb) gar keine Langzeiterfahrungen gibt [1]:

Low carbohydrate diets, which restrict carbohydrate in favour of increased protein or fat intake, or both, are a popular weight-loss strategy. However, the long-term effect of carbohydrate restriction on mortality is controversial…”

Weiterhin scheint es Unterschiede zu geben ob bei einer Viel-Fett Ernährung pflanzliches oder tierisches Fett und/oder Protein verzehrt werden (Tip: Pflanzliches Fett & Protein schneidet besser ab). Dazu weiter aus der Studie:

“… and could depend on whether dietary carbohydrate is replaced by plant-based or animal-based fat and protein.”

Die Autoren wollten genau all dem nun nochmals nachgehen. Vorweg: Die Ergebnisse überraschen mich gar nicht 😉

Die U-Kurve: Low-Carb = Schlecht & mit tierischen Fetten & Protein noch schlechter

Extremes Low-Carb Essen, wie es im US-Bereich stattfindet.

Extremes Low-Carb Essen, wie es im US-Bereich stattfindet. Fazit: Ganz, ganz schlecht.

Zu erst ist aus meiner Sicht eines fest zu halten: Nach allen Daten und auch nach Vergleich mit anderen Studien ist (für mich und die Autoren) klar, das bei weniger als 50% Kohlenhydraten (KH) in der Ernährung das Sterberisiko steigt – egal wie man es dreht, wie gut die Fette und die Proteine sein mögen die man sich zuführt! Punkt. Dabei schreiben die Autoren auch, das sich die Sterbewahrscheinlichkeit erhöht, wenn die Fette & Proteine aus tierischen Produkten bzw. Quellen stammen – etwas, was ‘sogar’ das Ärzteblatt verstanden hat – jedoch sehr kompliziert ausdrückt [2].

Die U-Kurve & der Graubereich: Etwas zur optimalen Menge von Kohlenhydraten

Nun möchte ich den Blick noch einmal auf die oben abgebildete “U-Kurve” lenken. Diese legt auf den ersten Blick nahe, das ca. 50-55% KH optimal wären – also mit dem geringsten Sterberisiko assoziiert sind. Wer genau schaut, der wird jedoch sehen, das der ‘graue Bereich der Unsicherheit’ auch in einen Bereich reicht – der durchaus eine noch geringere Sterbewahrscheinlichkeit nahelegt: Bei noch mehr Verzehr von Kohlenhydraten.

Wichtig ist hier zu wissen, das die ARIC-Studie, auf der die Forscher Ihre Beobachtungen stützen, die Form der KHs nicht differenziert, sondern nur die der Fette und Proteine (und selbst hier nur marginal: In Tierisch & Pflanzlich). Bei KH werden also raffinierter Zucker, Fruktose-Sirup, Kartoffeln, Reis, Hirse, Äpfel, Bananen, etc. pp in einen Topf geworfen.

Mein Punkt: Wenn ‘noch mehr’ Kohlenhydrate als die 55% KH optimal gewählt werden (sicher nur bei einem sehr kleinen Teil der Studien-Teilnehmer) und dazu die Auswahl der Fette und Proteine passt (wenig Tierisches) – dann ist optimaler weise ggf. noch etwas ‘weniger Sterblichkeit’ drin. Auch die Medizinstudentin Frau Rosenbusch, deren Meinung ich in diesem Bereich sehr schätze, sieht bzw. interpretiert das Ergebnis der Studie so [3].

Vergleich: ARIC & PURE Studie

Vergleich der ARIC-Daten mit denen der PURE-Studie in Bezug auf KH und die Gesamtsterblichkeit.

Vergleich der ARIC-Daten mit denen der PURE-Studie in Bezug auf KH und die Gesamtsterblichkeit. Quelle: [1]

Die Studie die Auf Daten der ARIC (Atherosclerosis Risk in Communities) Studie basiert analysierte die Daten von über 15.000 US-Amerikanern im Alter von 45-62 Jahren. Die Autoren verglichen dann die Daten mit denen von der PURE-Studie, welche ich hier schon mal besprochen hatte. Warum mit der PURE-Studie? Weil  beiden Studien die einzigen großen Kohorten-Studien scheinen, in der die Menge der zugeführten Kohlenhydrate ermittelt (bzw. publiziert) wurden:

“The ARIC and PURE studies were the only two cohorts for which data were published or available about the continuous percentage of energy from carbohydrate”

Die PURE-Studie ist für mich sehr zwiespältig, da u.a. finanziert von der Pharma-Industrie & Co. – und insbesondere deswegen, weil Sie zum Schluss kommt, das das mit den gesättigten Fetten gar nicht so schlimm sei. Interessant ist das der Hauptsponsor dann den Umsatz trächtigsten Cholesterinsenker der Welt produziert…. Zudem basieren die Daten nicht auf genauen Erfassungen der Menschen – sondern auf eigenen / geschätzten Angaben (-> Fragebogen). Zur PURE-Studie habe ich hier im Blog schon einen ausführlichen Beitrag gehabt…

Die Unterschiede zwischen ARIC & PURE

Zu beachten ist bei der ARIC und PURE-Studie noch folgendes – um die Daten und etwas unterschiedlichen Daten zu deuten:

  • ARIC hat nur US-Ernährungsgewohnheiten bzw. Bewohner untersucht
    • welche tendenziell mehr Fett & Fleischprodukte essen,
      • was sich auch an der Grafik zeigt, die unter 15% KH-Anteil bei der Ernährung beginnt.
  • PURE hat den Fokus eher auf Ländern gelegt die ökonomisch nicht so entwickelt sind wie die USA
    • u.a. Bangladesch, Indien, Pakistan, Zimbabwe, Chile, Kolumbien, China, etc.
    • wo viele Menschen sich aus ökonomischen Gründen oft nur weißen Reis bzw. eine Mangelernährung leisten können.
      • Da Fleisch und Fette eben viel Geld kosten.
    • Auch gab es hier kaum Ernährungsweisen mit weniger als 40% KH-Konsum
      • was in den Ländern auch eine eher unnatürliche Ernährung wäre…

Interessant war für deswegen, das im Vergleich mit den Daten der PURE-Studie die Autoren der Lancet-Studie faktisch zu gleichen Schlüssen bezüglich der Kohlenhydrate kommen – zwar nicht ganz – aber ziemlich identisch. Die Unterschiede liegen denn auch eher darin begründet, das die Menschen in der PURE-Studie welche ganz viele KH essen (>60%) sehr Arm sind und sich wenig Gemüse bzw. abwechslungsreiche Gemüse & Co. leisten können: Das macht dann meiner Interpretation nach wieder eine tendenziell höhere Sterblichkeit aus -> also wenn der KH-Anteil die 60% übersteigt (und die KH primär nur vom weißem Reis kommen).

Bei den Amerikanern die das so machen scheint es jedoch unterschiedlich – hier gibt (wie angedeutet) Menschen die, wenn sie noch mehr als 55-60% KH essen – nochmals Ihr Sterblichkeitsrisiko senken (wenn auch wenige und wenn auch wenig). Das könnten dann besonders gesundheitsbewusste Menschen sein, die vollwertige Kohlenhydrate essen, Zucker meiden und gerade mit tierischem Fett nicht zu großzügig umgehen (-> ggf. die Adventisten?).

Mein Fazit

Für mich ist das nichts neues – ich praktiziere das alles ja schon länger – wie auch die langlebigen Menschen in Okinawa und anderen Blue-Zones in der Welt. So strebe ich für mich zwischen 15-25% Fett und 10-15% Protein an – so das ca. 60-75% für Kohlenhydrate über bleiben. Meist werden es sicher so um die 65% KH sein. Alles vorwiegend pflanzliche Fette & Proteine – aber nicht nur. Zumindest enthalten die Kohlenhydrate fast nur vollwertiges (Kartoffeln, Hirse, Möhren, Obst, etc. pp).

Was ich noch komisch fand…

.. ist, das die beiden Grafiken der Lancet-Studie mit dem ‘Graubereich’ sich nicht decken. Ich habe keine Erklärung dafür gefunden….

Weiterhin ist es meiner Ansicht nach komisch das alle nur über den angeblich ‘gefäääährlichääännn’ KH-Aspekt berichten –  nicht jedoch das viele Fett als eigentliches Problem in den Vordergrund stellen. Schließlich schreiben die Autoren ja schon zu Anfang Ihrer Studie das der zunehmende Low-Carb Trend (bzw. Wahn?) die Motivation für die Studie gelegt hat. Und bei Low-Carb geht es eigentlich um ‘High-Fat’ und nicht um Kohlenhydrate!

So schreibt auch das Ärzteblatt [3] im Titel: Studie: Kohlenhydratarme Ernährung kann Leben verkürzen – außer bei Veganern’ – wobei das die Studie so gar nicht aussagt und dieser Satz komplett irreführend in Bezug auf die Studie ist! Das Ärzteblatt (und andere Publikationen) berichten jedoch im Titel (bzw. der Zusammenfassung) nicht darüber, das der Studie nach gerade viele Fette das Leben definitiv kürzer machen. Zudem fällt mir speziell beim Ärzteblatt auf, das Sie etwas positives zu Veganismus schreiben – was auch nicht in der Studie steht und so nicht stimmt. Die Studie sagt nur aus, dass das Sterblichkeits-Risiko beim Verzehr von tierischen Fetten & Protein steigt – nicht das ‘Vegan’ gesund sei o.ä. – was es so pauschal auch nicht ist.

Es ist für mich jedoch schon bezeichnend, das über die eigentlichen Ergebnisse der ARIC-Studie eine genauso komische Fehlberichterstattung stattfindet, wie es bei der PURE-Studie schon der Fall war – speziell auch im Ärzteblatt. Für mich kann so viel ‘danebenliegen’ kein Zufall mehr sein…..

Ganz klar jedoch noch mal für alle Leser dieses Blogs formuliert : Low-Carb ist eine neue Mode, es gibt keine Langzeiterfahrungen und in keiner großen Langzeit-Studie die ich kenne hat das je gut abgeschnitten. Wenn dann das Low-Carb noch auf tierischen Produkten aufbaut – dann wird es nochmal schlechter. Darüber habe ich hier im Blog ja schon ausführlich(st) geschrieben (hier, hier oder z.B. hier).

 


Links / Quellen