Welches B12 ist das bessere – Cyanocobalamin, Hydroxocobalamin – oder ein Mix aus Adenosylcobalamin & Methylcobalamin?

Hydroxocobalamin


Hydroxocobalamin. Quelle: Wikipedia. Lizenz: Public Domain

In meinem Artikel zu B12 hatte ich in Bezug auf einen Artikel in Nature [1] auf die verschiedenen B12-Varianten hingewiesen, welche da wären:

  • Cyanocobalamin (CC) & Hydroxocobalamin (HC) – als Vorstufen vom aktiven B12.
  • 5‘-Desoxyadenosylcobalamin (AC) & Methylcobalamin (MC) – als ‘aktiv’ bezeichnete Formen von B12.

Der Nature Artikel legte nahe das es nicht reicht mit nur eine der beiden aktiven Formen von B12 zu ergänzen, sondern das beide benötigt bzw. die Vorstufen Cyanocobalamin oder Hydroxocobalamin verwendet werden sollten. Weiterhin hatte ich in meinem B12 Artikel noch Aspekte zu Methylcobalamin aufgeführt, welche nahe legen das dies bei einer (bestehenden) Quecksilberbelastung ggf. nachteilhaft sein kann.

Nun ergibt sich für mich die Frage: Was bedeutet dies für die Praxis? Was ist optimaler Weise zu tun?

Cyanocobalamin oder Hydroxocobalamin?

Eigentlich ist das keine Frage, wenn man sich anschaut, die Cyanocobalamin metabolisiert wird – es braucht aus meiner Sicht zu viele Co-Faktoren und enzymatische Schritte und am Ende wird auch noch eine Cyanid-Gruppe spendiert. Wie sieht aber die Studienlage zum Thema aus? Um das Dilemma für mich aufzulösen habe ich eine kurze Recherche bei PubMed gemacht und folgendes gefunden, was ich hier verkürzt wiedergebe:

  • Zur Langzeittherapie mit HC bei B12 Mangel- mit folgenden Auszügen [2]:
    • Eine Injektion mit 1mg HC alle 3 Monate war ausreichend um normale Serumswerte herzustellen: “One depot series followed by i.m. injection of 1 mg hydroxocobalamin every third month secured values within the normal range for serum cobalamin, UB12BC and total B12 binding capacity (TB12BC).”
  • Zur Zellverfügbarkeit von HC mit folgenden Auszügen [3]:
    • HC wird vom Körper besser als CC aufgenommen – aber die Zellverfügbarkeit ist bisher nicht systemisch untersucht worden: “Hydroxocobalamin (OH-Cbl), when used to treat vitamin B12 deficiency, is better retained by the body than is cyanocobalamin (CN-Cbl), but the availability to cells has not been studied systematically.”
    • Ergebnis war das HC eine effiziente Form der B12 Behandlung ist u.a. weil es auch eine bessere Zellverfügbarkeit als CC hat : “It was concluded that OH-Cbl is a more efficient form of treatment of the common types of Cbl deficiency, principally because of the better retention, which requires less frequent injections, but also because of greater availability to cells.”
  • Zur Sicherheit von HC in gesunden Menschen [4]:
    • Beschreibt die Erfahrungen mit Hochdosis-HC (bis 10g) als Injektion inkl. Nebenwirkungen, wobei es zwei (leicht zu behandelnde) allergische Reaktionen auf eine (hohe) 5g und 10g Dosis gab.
  • B12 bei Erkrankung der Nieren – mit folgenden Zitaten [5]:
    • HC erhöht den Serumsspiegel 40-fach, CC nur 10-fach: “Folic acid- and vitamin B12-replete maintenance hemodialysis patients were randomly assigned to receive either 1 mg intravenous HC weekly for 8 weeks followed by CC for a further 8 weeks, or CC for 8 weeks followed by HC for 8 weeks. Hydroxocobalamin increased serum cobalamin concentrations 40-fold, whereas CC increased them only 10-fold”
    • HC und CC waren aber laut der Studie in der Wirkung faktisch gleich (equipotent): “Hydroxocobalamin and CC are equipotent despite producing very different serum cobalamin concentrations.”
  • Hochdosis HC bei der Behandlung von geringen systemischen Gefäßwiderständen – mit folgenden Zitaten [6]:
    • HC bis 30g (innerhalb von 24h) scheint sehr sicher: “High-dose hydroxocobalamin has been used for more than 40 years in Europe for the treatment of cyanide poisoning. No significant adverse events have been reported, even with doses as high as 30 g within 24 hours [6].”
  • Behandlung von Methylmalonazidurie (Methylgruppenabbauproblematik) und Homocystinurie mit HC anstatt mit CC – mit folgenden Zitaten [7]:
    • Die Behandlung mit HC gegenüber CC ist bei Methylmalonazidurie angezeigt: “Intramuscular cyanocobalamin treatment is inadequate in the treatment of patients with cobalamin C disease. Appropriate management of cobalamin C disease should include only the hydroxocobalamin form of cobalamin.”

… soweit so gut. Ein weiterer Artikel [8] hatte sich auch auch die Frage gestellt wird ob den nun CC oder HC besser ist. Folgende Aspekte fand ich interessant:

  • Sie sagen das CC günstiger und besser Lagerfähig als HC ist – weswegen es mehrheitlich verwendet wird.
  • Referenzieren auch oben genannte Studien und sagen das HC den B12 Serumspiegel besser erhöht und eine Depotwirkung hat.

Das alles spricht aus meiner Sicht klar für HC und gegen CC – erklärt jedoch, warum CC recht beliebt ist: Günstig und lange Lagerbar (MHD). Dr. Greger von Nutritionfacts.org empfiehlt hier zwar auch Cyanocobalamin (CC), weil es seinen Zweck erfüllen sollte, sicher sei und billiger als HC ist. Für mich macht es jedoch keinen Sinn ein ein B12-Präparat zu schlucken was wieder zig Co-Faktoren braucht um in die aktiven Formen umgewandelt zu werden. So verweisen auch andere Stellungsnahmen [11], u.a. mit Verweis auf die WHO, darauf, das Hydroxocobalamin gegenüber CC zu bevorzugen ist.

Pillen oder Injektionen – was ist besser?

Weiter geht mit der Frage: Pillen oder Injektionen? Ich finde das auch wichtig, die meisten Studien weiter oben auf Injektionen basieren. Seien wir Ehrlich – wer mag schon gerne Spritzen oder möchte immer wieder zum Arzt gehen müssen? Interessanter weise hat der Autor des Artikels im letzten Absatz zwei Studien gefunden die nahelegen, das die orale Einnahme als Pille sogar besser als die Injektion sein könnte:

  • Eine Studie aus 1997 zeigt demnach das eine orale Supplementierung mit 2 mg (Pillen) drei mal so effektiv war wie eine Injektion in Patienten mit perniziöser Anämie in Bezug auf den Blutserumspiegel von B12 [9].
  • Eine andere Studie aus 2005 folgerte das 2 mg oral verabreichtes B12 (Pillen) genauso effektiv wie intramuskulär verabreichtes B12 in B12-Mangelpatienten war – die Tests wurden aber mit CC durchgeführt und nicht mit HC [10].

Alles gut Hydroxocobalamin?

In meinem Artikel zu B12 hatte ich schon auf ein Interview mit Dr. med. Mutter [14], der auf Entgiftungen spezialisiert ist, verwiesen. Er schreibt, das:

“Die Gabe von Vitamin B12-Vorstufen (Anm.: HC und CC) kann den Mangel an SAM und Glutathion verstärken. Das kann bei Vergifteten zu einer Verschlechterung der Grundkrankheit führen…”

Ungut, wenn es so ist. Mutter propagiert dann MC, weil es direkt eine Methylgruppe mitbringe, was gut für die Methylierung sei. Bei AC und HC sei dies nicht der Fall. Methylgruppen gibt es jedoch leicht und überall, z.B. mittels TMG. Meine Frage nun: Stimmt Mutter seine Annahme? Also das der Vorteil von MC ist das es eine zusätzliche Methyl-Gruppe als Extra gibt? Eine andere Studie die ich gefunden habe schreibt dann [13]:

All B12 forms are converted to AdCbl, because they are all broken down to cobalamin first while the adenosyl group that is used to assemble AdCbl is synthesized from adenosine triphosphate inside the mitochondria”

Danach scheint es recht egal, weil alles erstmal zu Cobalamin konvertiert wird -> und erst daraus die wirklich ‘aktiven’ Formen gebaut werden. Weiter aus der Studie:

“It is important to understand that the conversions to active B12 forms do not employ the methyl or adenosyl ligand from supplemental MeCbl or AdCbl, respectively. The methyl group is derived from other molecules—5-MTHF, SAM-e, or betaine—while the adenosyl group is synthesized inside cells.”

Die “originale Methylgruppe” des MC wird also eher nicht verwendet. Allerdings hat MC durch die Methyl-Gruppe eine affinität zu Quecksilber und kann dieses wohl mobilisieren bzw. im Körper verschleppen, wie ich schon im ersten B12-Artikel schrieb. Das, was Dr. Mutter also aussagte, ist so wohl “so” nicht korrekt.

Vitamin B12 und Genetische Polymorphismen…

Also kann man einfach nur eine Form von B12 schlucken? Anscheinend ist dies auch nicht so einfach – es scheint seltene genetische Krankheiten zu geben, wo der Stoffwechsel in Bezug auf AC oder MC (-> ‘passive‘ Supplementation und Konvertierung zu Cobalamin) gestört sein kann. Dann sollte z.B. eine Kombination aus MC und AC genutzt werden, was der in der Einleitung genannte Artikel zu bedenken gibt [1][12]. Ob es wirklich so ist? Keine Ahnung. Alternativ kann jedoch auch nur mit HC ergänzt werden [1] bzw. mit Injektionen von HC, falls alle oralen Formen nicht weiter helfen [13]:

“The injectable form of B12 hydroxocobalamin is a justifiable choice when high dose oral B12 is not successful.”

Noch alles klar? Ich hoffe.

Mein Fazit

In Kürze: Ein Kombi aus Methylcobalamin (MC) und Adenosylcobalamin (AC) erscheint gut, wenn keine Quecksilberbelastung vorliegt (-> weil sich das Methyl aus dem ‘zu viel’ MC auch mit Hg zu MeHg verbinden kann). Ansonsten würde ich grundsätzlich Hydroxolcobalamin (HC) nutzen, weil dies die sicherste Variante zu sein scheint. Allerdings ist diese Form meistens teurer und schlecht verfügbar als Nahrungsergänzung. Warum? Ja, genau – ich weiß es auch nicht. Hier noch mal die Zusammenfassung:

  • Cyanocobalamin (Synthetisch) ist für  die Mülltonne, u.a. da die Wandlung über HC zu MC und AC sehr aufwändig ist und viele Co-Faktoren benötigt
    • Über alles hinaus, muss noch die Cyanid-Gruppe ausgeschieden werden…
  • Hydroxocobalamin ist die sicherste Variante wenn nur eine Form zugeführt wird
    • z.B. per Injektion – wenn die orale Version nicht funktioniert.
  • Ansonsten ist eine Kombi aus Methylcobalamin und Adenosylcobalamin scheinbar sinnvoll
    • aber nur, wenn keine Belastung mit Quecksilber vorliegt (-> Methylierung von Hg!)

Wenn keine Quecksilber (Hg) Problematik vorliegt, ist also eine MC/AC-Kombi gut. Nur MC birgt das Risiko einer Unterversorgung, da hier eine Gen-Mutation zuschlagen kann. Liegt eine Hg-Problematik vor oder ist vermutet, dann würde ich kein MC nehmen, sondern HC bzw. HC & AC. Aus all dem beschrieben ergibt sich dann folgendes für die Praxis für mich:

Bei deutlichem Mangel sollte das Vorgehen ggf. mit dem Arzt besprochen werden (-> eventuell bieten sich auch Injektionen mit HC auf “Kasse” an). Ein Blutbild ist hilfreich um die Fortschritte zu kontrollieren, wobei optimaler Weise zum Serumswert auch ein uMMA Test erfolgt, denn nur der kontrolliert ob das B12 auch in den Zellen ankommt und verwertet wird bzw. wurde.

Ganz wichtig: Eine Kontrolle ist auch deswegen unerlässlich, da es auch Supplemente gibt, welche nichts taugen bzw. nicht entsprechend wirken. Damit habe ich bereits eigene Erfahrungen gemacht. Es muss also nicht immer an genetischen oder anderen Faktoren liegen.


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Links/Quellen

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