Welches B12 ist das bessere – Cyanocolbalamin, Hydroxocobalamin – oder ein Mix aus Adenosylcobalamin & Methylcobalamin?

By | 17. Mai 2017
Hydroxocobalamin


Hydroxocobalamin. Quelle: Wikipedia. Lizenz: Public Domain

In meinem Blogpost zu B12 hatte ich ja schon in Bezug auf einen Artikel in Nature [1] auf die verschiedenen B12-Varianten hingewiesen, welche da wären:

  • Cyanocolbalamin (CC) & Hydroxocobalamin (HC) – als Vorstufen vom aktiven B12.
  • 5‘-Desoxyadenosylcobalamin (AC) & Methylcobalamin (MC) – als ‘aktiv’ bezeichnete Formen von B12.

Der Nature Artikel legte nahe das es nicht reicht mit nur eine der beiden aktiven Formen von B12 zu supplementieren – sondern das beide benötigt bzw. die Vorstufen Cyanocolbalamin oder Hydroxocobalamin supplementiert werden sollten. Zudem hatte ich ja in meinem B12 Artikel noch Aspekte zu Methylcobalamin aufgeführt, welche nahe legen das dies bei einer (bestehenden) Quecksilberbelastung ggf. Nachteilhaft sein kann.

Nun basieren die meisten kommerziell angebotenen Supplemente auf Methylcobalamin, einige wenige auf Cyanocolbalamin – und ganz selten gibt es auch mal 5‘-Desoxyadenosylcobalamin. Hydroxocobalamin wird hingegen primär in Ampullen zur Injektion angeboten.

Cyanocolbalamin oder Hydroxocobalamin?

Mir hatte sich nun die Frage gestellt: was machen? Wie sieht die Studienlage zum Thema aus? Um das Dilemma für mich aufzulösen habe ich versucht die Studienlage grob zu sichten und nachfolgendes bei PubMed gefunden. Ich habe versucht kurz mit Übersetzungen das wichtigste hervorzuheben, wobei ich darauf hinweise, das meine Übersetzungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder medizinische Korrektheit haben:

  • Zur Langzeittherapie mit HC bei B12 Mangel- mit folgenden Auszügen [2]:
    • Eine Injektion mit 1mg HC alle 3 Monate war ausreichend um normale Serumswerte herzustellen: “One depot series followed by i.m. injection of 1 mg hydroxocobalamin every third month secured values within the normal range for serum cobalamin, UB12BC and total B12 binding capacity (TB12BC).”
  • Zur Zellverfügbarkeit von HC mit folgenden Auszügen [3]:
    • HC wird vom Körper besser als CC aufgenommen – aber die Zellverfügbarkeit ist bisher nicht systemisch untersucht worden: “Hydroxocobalamin (OH-Cbl), when used to treat vitamin B12 deficiency, is better retained by the body than is cyanocobalamin (CN-Cbl), but the availability to cells has not been studied systematically.”
    • Ergebnis war das HC eine effiziente Form der B12 Behandlung ist u.a. weil es auch eine bessere Zellverfügbarkeit als CC hat : “It was concluded that OH-Cbl is a more efficient form of treatment of the common types of Cbl deficiency, principally because of the better retention, which requires less frequent injections, but also because of greater availability to cells.”
  • Zur Sicherheit von HC in gesunden Menschen [4]:
    • Beschreibt die Erfahrungen mit Hochdosis-HC (bis 10g) als Injektion inkl. Nebenwirkungen, wobei es zwei (leicht zu behandelnde) allergische Reaktionen auf eine (hohe) 5g und 10g Dosis gab.
  • B12 bei Erkrankung der Nieren – mit folgenden Zitaten [5]:
    • HC erhöht den Serumsspiegel 40-fach, CC nur 10-fach: “Folic acid- and vitamin B12-replete maintenance hemodialysis patients were randomly assigned to receive either 1 mg intravenous HC weekly for 8 weeks followed by CC for a further 8 weeks, or CC for 8 weeks followed by HC for 8 weeks. Hydroxocobalamin increased serum cobalamin concentrations 40-fold, whereas CC increased them only 10-fold”
    • HC und CC waren aber laut der Studie in der Wirkung faktisch gleich (equipotent): “Hydroxocobalamin and CC are equipotent despite producing very different serum cobalamin concentrations.”
  • Hochdosis HC bei der Behandlung von geringen systemischen Gefäßwiderständen – mit folgenden Zitaten [6]:
    • HC bis 30g (innerhalb von 24h) scheint sehr sicher: “High-dose hydroxocobalamin has been used for more than 40 years in Europe for the treatment of cyanide poisoning. No significant adverse events have been reported, even with doses as high as 30 g within 24 hours [6].”
  • Behandlung von Methylmalonazidurie (Methylgruppenabbauproblematik) und Homocystinurie mit HC anstatt mit CC – mit folgenden Zitaten [7]:
    • Die Behandlung mit HC gegenüber CC ist bei Methylmalonazidurie angezeigt: “Intramuscular cyanocobalamin treatment is inadequate in the treatment of patients with cobalamin C disease. Appropriate management of cobalamin C disease should include only the hydroxocobalamin form of cobalamin.”

… soweit so gut.

Dann habe ich noch einen Artikel [8] gefunden in dem auch die Frage gestellt wird ob den nun CC oder HC besser ist. Drei Aspekte dort fand ich interessant:

  • Sie sagen das CC günstiger und besser Lagerfähig als HC ist – weswegen es mehrheitlich verwendet wird.
  • Referenzieren auch oben genannte Studien und sagen das HC den B12 Serumsspiegel besser erhöht und eine Depotwirkung hat.
  • Zudem führen Sie noch andere positive Wirkungen an (Verbesserung der kognitiven Funktion in B12 Mangelpatienten, Entgiftung des Gehirns, etc.).

Das alles spricht ja erst einmal für HC!

Pillen oder Injektionen – was ist besser?

Weiter geht mit der Frage: Pillen oder Injektionen? – das ist auch der Kern meiner offenen Fragestellung, da die meisten Studien oben auf Injektionen basieren. Seien wir Ehrlich – wer mag schon gerne Spritzen oder möchte immer wieder zum Arzt gehen müssen? Interessanterweise hat der Autor des Artikels im letzten Absatz zwei Studien gefunden die nahelegen, das die orale Einnahme als Pille sogar besser als die Injektion ist:

  • Eine Studie aus 1997 zeigt demnach das eine orale Supplementierung mit 2 mg (Pillen) drei mal so effektiv war wie eine Injektion in Patienten mit perniziöser Anämie in Bezug auf den Blutserumsspiegel von B12 [9].
  • Eine andere Studie aus 2005 folgerte das 2 mg oral verabreichtes B12 (Pillen) genauso effektiv wie intramuskulär verabreichtes B12 in B12-Mangelpatienten war – die Tests wurden aber mit CC durchgeführt und nicht mit HC [10].

Soweit so schön 🙂

Alles gut für Hydroxolcolbalamin?

Es ist schon ein Wahnsinn – jetzt bin ich ca. 2,5 Jahre dran am B12-Thema und ich lerne immer noch dazu – da ich immer wieder alles in Frage stelle und nie davon ausgehe das ich der Weisheit letzten Schlusses gefunden habe. Und da besteht in vielen Büchern und Fachartikeln die ich gelesen habe wohl ebenfalls ein (eklatanter) Mangel an Übersicht in Bezug auf den Themenkomlex B12 – bzw. es gibt so viele Informationen das man sich darin verliert 😉

Dr. Greger von Nutritionfacts.org empfiehlt hier Cyanocolbalamin (CC) weil es auch seinen Zweck erfüllt, sicher sei und billiger als HC ist. Für mich macht es jedoch keinen Sinn ein ein B12-Präparat zu schlucken was wieder zig Co-Faktoren braucht um in die aktiven Formen umgewandelt zu werden – insb. wenn es dann noch voll-synthetisch ist. Auch diese Stellungsnahme [11] mit Verweis auf die WHO, legt nahe das Hydroxocobalamin gegenüber CC zu bevorzugen ist.

Nicht so schnell!

In meinem Artikel zu B12 hatte ich ja schon auf ein Interview mit Dr. med. Mutter [14] der auf Entgiftungen spezialisiert ist verwiesen. Er schreibt (wie recht viele), das u.a.:

“Die Gabe von Vitamin B12-Vorstufen (Anm.: HC und CC) kann den Mangel an SAM und Glutathion verstärken. Das kann bei Vergifteten zu einer Verschlechterung der Grundkrankheit führen…”

Ziemlich Dramatisch, oder? Hier wird MC propagiert – weil es direkt eine Methylgruppe mitbringe – was gut für die Methylierung sei. Bei AC und HC sei dies nicht der Fall. Meine Frage nun: Stimmt das? Also das der Vorteil von MC ist das es eine zusätzliche Methyl-Gruppe als Extra gibt? Eine andere Studie die ich gefunden habe schreibt dann [13]:

All B12 forms are converted to AdCbl, because they are all broken down to cobalamin first while the adenosyl group that is used to assemble AdCbl is synthesized from adenosine triphosphate inside the mitochondria”

Hmm.. also ist es egal, ob ich HC, MC oder AC schlucke (-> ‘Passiv’) – erst einmal wird alles zu Cobalamin -> und erst dann wieder zu den ‘aktiven’ Formen gebastelt? Es scheint genau so:

“It is important to understand that the conversions to active B12 forms do not employ the methyl or adenosyl ligand from supplemental MeCbl or AdCbl, respectively. The methyl group is derived from other molecules—5-MTHF, SAM-e, or betaine—while the adenosyl group is synthesized inside cells.”

Die “originale Methylgruppe” des MC wird dabei dann wohl auch nicht verwendet und ist z.B. nicht direkt für den Homocystein-Abbau nutzbar – weil erst einmal alles B12 aus den Supplementen zu Colbalamin gewandelt – und erst dann aktiviert wird [13]. Das Was Dr. Mutter also aussagte ist so wohl nicht korrekt.

Genetische Polymorphismen…

Also nur eine Form von B12 schlucken? Auch nicht so einfach – Es gibt seltene genetische Krankheiten, wo der Stoffwechsel in Bezug auf AC oder MC (-> ‘passive’ Supplementation und Konvertierung zu Colbalamin) gestört sein kann. – dann sollte z.B. eine Kombination aus MC und AC genutzt werden, was ja auch der in der Einleitung genannte Artikel zu bedenken gibt [1] [12]. Alternativ kann auch nur mit HC supplementiert werden [1] bzw. mit Injektionen von HC, falls alle oralen Formen nicht weiter helfen [13]:

“The injectable form of B12 hydroxocobalamin is a justifiable choice when high dose oral B12 is not successful.”

Noch alles klar?

Mein Fazit

In Kürze: Ein Kombi aus Methylcobalamin (MC) und Adenosylcobalamin (AC) erscheint mir am sinnvollsten – wenn keine Quecksilberbelastung vorliegt (-> weil sich das Methyl aus dem ‘zu viel’ MC auch mit Hg zu MeHg verbinden kann). Ansonsten würde ich Hydroxolcolbalamin (HC) bzw. eine Kombi aus HC und AC nutzen.

So kann man alles recht gut abkürzen:

  • Cyanocobalamin (Synthetisch) ist für  die Mülltonne, u.a. da die Wandlung über HC zu MC und AC sehr aufwändig ist und viele Co-Faktoren benötigt
    • Zudem muss noch die Cyanide-Gruppe ausgeschieden werden…
  • Hydroxocobalamin ist die sicherste Variante wenn nur eine Form zugeführt wird
    • z.B. per Injektion – wenn die orale Version nicht funktioniert.
  • Ansonsten ist eine Kombi aus Methylcolbalamin und Adenosylcobalamin sinnvoll
    • aber nur wenn keine Belastung mit Quecksilber vorliegt (-> Methylierung von Hg!)

Wenn keine Quecksilber (Hg) Problematik vorliegt, ist also eine MC/AC-Kombi gut. Nur MC birgt das Risiko einer Unterversorgung, da hier eine Gen-Mutation zuschlagen kann. Liegt eine Hg-Problematik vor oder ist vermutet, dann würde ich kein MC nehmen, sondern HC bzw. HC & AC (auf ganz sicher). Wer einen Mangel Methyl-Donatoren oder Gluthation hat, sollte mit SAM und/ober Betain TMG supplementieren. Bei viel nitrosativem Stress (NO-Synthase Entkopplung) scheint dann jedoch HC und AC vorteilhaft [13].

 


Links/Quellen

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