Superfood-Bullshit-Parade Teil 4: Warum Ubiquinol (QH, reduziertes Q10) wohl ‘überhyped’ ist und Vitamin C (+B3) das QH ggf. effektiver erhöht

Von | 26. Mai 2021
Ist Ubiquinol den Mehrpreis wert?

Hier stinkt ggf. etwas :-). Quelle: Pixabay

Weil es ggf. in meinem ‘upgedateten’ Q10 Artikel untergegangen ist und ich seit dem letzten Update noch ein paar andere (neue) Erkenntnisse hatte, möchte ich diese hier mit euch teilen.

Lange hatte mich die Frage bewegt wie viel besser das teure Ubiquinol (QH, reduziert) meine Q10-Blutwerte erhöht als das günstige Ubiquinon (Q10, oxidiert). Glaubt man einigen Studien, dann ist das Ubiquinol, das die Firma Kaneka patentiert hat, ein ‘wahnsinniges Zeug’. Ich selber habe dann verschiedene Produkte mit Kaneka Ubiquinol eingenommen – Kapsel mit Pulver, Gel-Kapsel wo das Ubiquinol in Fetten gelöst und gegen Oxidation geschützt ist, etc. Ich habe dabei 100 mg, 200 mg und auch 300 mg Ubiquinol eingenommen – aber irgendwie bewegte sich nicht viel und speziell nie in den Bereichen die einige Studien angeben [2][3]. So waren Werte um 2 mg/l Q10 im Blut für mich, auch mit 300 mg Ubiquinol, nicht erreichbar.

Was möchte ich in diesem Artikel nun ausführen?

  • Teure Elektronen: Ubiquinol
  • Billige Elektronen: Vitamin C
  • Wo Vitamin B3 in das Spiel kommt
  • Was andere zu der Thematik schreiben

Am Ende folgt dann mein übliches Fazit – u.a. wie man aus meiner Sicht den Q10-Spiegel am effektivsten erhöht bzw. behält.

Ach ja: Hier geht zu den anderen Teilen der Superfood-Bullshit-Parade

Teure Elektronen: Ubiquinol

Das Ubiquinon-Ubiquinol-Redox-Paar. Bildquelle: Wikimedia Commons, Lizenz CC BY 3.0

Ubiquinon (das billige ‘oxidierte’ Q10) wird vom Körper selber in das ‘reduzierte’, elektronenreiche, Ubiquinol (QH) gewandelt. Bei einigen Menschen kann das aufgrund eines genetischen Defektes eingeschränkt sein – aber das betrifft die meisten (99%?) nicht. Allerdings kann für diese Menschen der Unterschied zwischen Q10 und QH sehr wichtig sein.

Was viele vergessen: Ubiquinol (QH), also die reduzierte und ‘elektronenaufgeladene’ Form von Q10, kann, wenn als Kapsel eingenommen, ja nur ‘einmal’ seine Elektronen abgeben. Ist dies passiert, dann wird es zu dem einfachen Q10 – der Körper muss es selber wieder mittels Redox-Zyklus zu Ubiquinol ‘recyceln’. Für das Recycling bedarf es dann wiederum anderer Stoffe & Prozesse.

Weiterhin ist nicht wirklich klar, wie viel “reduziertes Q10” (-> Ubiquinol, QH), wenn dies als Kapsel eingenommen wird, wirklich über Magen und Darm in das Blut  und schließlich auch in die Mitochondrien gelangt. Ich denke, das es nicht sehr viel sein wird, da Ubiquinol auch als (teurer) Radikalfänger, u.a. gegen Peroxinitrid, wirken kann. In Falle des ‘abfangens’ von freien Radikalen spendet das ‘teure Zeug’ seine Elektronen irgendwo auf dem Weg vom Magen ins Blut oder im Blut und wird zu einfachem Q10. Das ist aus meiner Sicht umso relevanter umso mehr oxidativer Stress in Darm, Körper & Co besteht -> siehe u.a. fokaler Skorbut.

Außerdem: Ubiquinol (QH) oxidiert in der Kapsel oder im Softgel mit der Zeit – je nach Temperatur und Sauerstoffdiffusion in der Kapsel – mal langsamer und mal schneller. Wie viel Ubiquinol nach 6, 12 oder 18 Monaten noch in der Kapsel ist, kann kaum einer sagen, denn dazu müssten die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln dieses nachmessen und veröffentlichen. Das “billige” Q10 hingegen, also die oxidierte Form, ist ja schon oxidiert und kann faktisch nicht weiter oxidieren bzw. ‘abbauen’.

Billige Elektronen: Vitamin C

Interaktion von ALA und DHLA mit NAD(H) / NADP(H), Glutathion-Systemen, Antioxidanten und Radikalen

Wer meine Vitamin C-Artikel gelesen hat der weiß hoffentlich, dass Vitamin C ein Elektronenspender ist. Vitamin C als Ascorbinsäure oder Ascorbat ist also so etwas ‘ähnlich’ dem ‘teuren’ Ubiquinol (QH) – nur viel günstiger pro ‘Elektron’.

Vitamin C gibt es ebenfalls in zwei Formen: Ascorbinsäure (reduziert, AA) und als Dehydroascorbinsäure (oxidiert, DHAA). Wenn Vitamin C (AA) irgendwo seine Elektronen ‘gespendet’ hat, um Unheil abzuwenden, dann wird es zu DHAA. Der Körper kann das DHAA dann ausscheiden – oder wieder zu AA mir Elektronen ‘aufladen’.

Nun habe ich letztens ein längeres Experiment getätigt: In nahm ca. 12-20 g Vitamin C als Ascorbinsäure pro Tag zu mir, reduzierte jedoch das Ubiquinol von 200 mg auf 100 mg und nahm als Ersatz 100 mg ‘billiges’ Q10. Was passierte? Anstatt zu sinken erhöhten sich meine Q10 Werte auf die höchsten Werte die bei mir je gemessen wurden – zuerst auf ca. 2,6 mg/l und dann sogar auf 2,9 mg/l. Allerdings war der letzte Wert Cholesterinkorrigiert (was die meisten Studien nicht angeben) etwas geringer als bei der 2,6 mg/l Messung – jedoch höher als bei jeder vorherigen Messung ohne extra Vitamin C. Vorher hatte ich es nie über ca. 1,6 mg/l geschafft – auch nicht mit 300 mg QH.

Wie erkläre ich mir das? Um Q10, Vitamin E und auch Vitamin C zu ‘recyceln’ braucht es genug NADH bzw. NADPH als Elektronendonatoren bzw. Reduktionsmittel. Wird nun kein oder weniger ‘extra’ Vitamin C zugeführt, dann konkurrieren nicht nur Q10 & Thioredoxin, sondern auch das oxidierte Vitamin C (neben vielen anderen) um die Elektronen, welche über die Dihydroliponsäure (DHLA) von NADH und NADPH zur Verfügung gestellt werden. Ist das Vitamin C knapp, dann wird zusätzlich noch teures und stark begrenztes QH ‘verbraten’ um oxidiertes Vitamin E zu recyceln – wo doch Vitamin C diesen Job viel effektiver und ‘billiger’ erledigen kann.

Das Ganze bedeutet schlussendlich: Wenn der Körper noch das (üblicherweise) wenige Vitamin C recyceln muss, in der Regel gibt es durch dem ‘Mampf’ den die meisten essen nur ca. 100 mg / Tag oder weniger, dann bleibt weniger Reduktionsmittel zur Regenerierung von Q10 & über, denn die Menge an NAD(P)H ist beschränkt.

Wo Vitamin B3 in das Spiel kommt

Über Einsatz von NAD+ wird Pyruvat to AcetylCoA gewandelt. Im Citrat-Zyklus (ETC) wird dann AcetylCoA 'verheizt' und NADH zu NAD+ regeneriert, wenn dies seine Elektronen auf ein O2 in der ETC überträgt. Hier wird Glucose sehr effizient zu ATP verstoffwechselt.

Über Einsatz von NAD+ wird Pyruvat to AcetylCoA gewandelt und es entsteht NADH.

In meinem Artikel zu Vitamin B3 hatte ich schon sehr viel geschrieben: Wenn nicht genug B3 da ist, dann fehlt es auch NAD-‘irgendwas’, weil Vitamin B3 die Grundlage von NAD+ ist. Damit aus NAD+ dann NADH wird, was u.a. die Elektronen bereitstellt, um über reduzierte Alpha-Liponsäure (DHLA) das Q10 & Co. zu ‘regenerieren’, braucht es u.a. Kohlenhydrate – welche die Glykolyse anfeuern, meint: einem gut funktionierenden Energiestoffwechsel. Wie ein guter Energiestoffwechsel befeuert wird, ist außerhalb des Fokus dieses Artikels – hier habe ich jedoch etwas mehr dazu geschrieben.

Fazit dieser Sektion: Eine Grundversorgung an Vitamin B3 ist wichtig – 25 mg sind nach Dr. Mercola das, was man auf jeden Fall ‘extra’ zu sich führen sollte. Mehr in meinem B3-Artikel…

Was andere zu der Thematik schreiben

Ein schöner Artikel, der meine ‘Punkte’ ebenfalls thematisiert, kommt von B. Madsen [1]. Madsen schreibt, das seit der Entdeckung des Coenzyms Q10 im Jahr 1957 Wissenschaftler an diesem faszinierenden Nährstoff forschen. Im Jahr 2006 tauchte dann eine neue Art von Q10 namens “Ubiqinol” im Handel auf. Madsen schreibt weiter (übersetzt mit deepl.com)

Geschickte Marketingkampagnen versuchten, dieses als die neue und verbesserte CoQ10-Quelle anzupreisen, die vom Körper leichter aufgenommen werden könne und dem Ubichinon überlegen sei. Sowohl Verbraucher als auch Wissenschaftler wurden verwirrt und begannen, die traditionelle Form von CoQ10 – Ubiquinon – in Frage zu stellen, obwohl diese schon immer kommerziell verkauft und in allen Studien verwendet worden war.”

Madsens primäre Kritikpunkte an dem neuen Ubiquinol sind [1]:

  • Ubiquinol ist teurer und weniger stabil
    • Da Ubichinol in der Herstellung teurer ist, ist es für Verbraucher teurer zu kaufen und für Wissenschaftler teurer, es in der Forschung zu verwenden.
  • Die beiden Formen machen keinen Unterschied
    • Wenn Sie Ubiqinol (QH) einnehmen, wandelt es sich in Ubiquinon (Q10) um und umgekehrt. Es macht möglicherweise keinen Unterschied, in welcher Form Sie die Substanz einnehmen.
  • Noch ein paar grundlegende Fakten, um die Dinge in das ‘rechte Licht’ zu rücken:
    • Q10 (Ubiquinon) wurde in der Mehrzahl der Studien verwendet
    • Q10 (Ubiquinon ) ist in Pharma-Qualität erhältlich – Ubiquinol (QH) nicht (nur Food-Grade).
    • Ubiqinol ist anfällig für Oxidation – wenn es oxidiert, wandelt es sich wieder in Ubiquinon um.
    • Die Absorption von Ubiquinol (QH) und Ubiquinon (Q10) scheint die gleiche zu sein.

Madsens weiter: Coenzym Q10, unabhängig von seiner Form, wird durch die Darmmembran absorbiert. Sobald es im Körper ist, wechselt es zwischen den beiden Formen hin und her. Q10 (Ubiquinon) ist nicht ganz so bioverfügbar, da es kristallin ist. Der Körper kann keine Kristalle absorbieren, daher muss das Q10 in Moleküle zerlegt werden, die in der Lage sind, die Darmwand zu passieren. Nur wenige CoQ10-Hersteller haben es geschafft, eine Formel zu entwickeln, die eine optimale Absorption des Wirkstoffs gewährleistet.

Er fasst zusammen, das die Anzahl der wissenschaftlichen Studien, die mit Q10 als Ubiquinon durchgeführt wurden, viel umfangreicher ist, als die Anzahl der Studien, die mit Ubiqinol (QH) durchgeführt wurden. In Bezug auf die Absorption gäbe es keinen eindeutigen Unterschied zwischen Ubiquinon (Q10) und Ubiqinol (QH). Wichtig sei, dass die richtige Absorption gewährleistet ist.

Mein Fazit

Vereinfachter NAD+ und Methylierungs-Zyklus aus dem die Wichtigkeit von TMG B2, B6, B12 und Methyl-Donatoren wie Folat transparent wird.

Natürlich sind viele Wirkungen und Eigenschaften von Q10 und Vitamin C verschieden, nicht jeder Mensch ist gleich, etc. Q10 ist u.a. ein (wichtiger) ‘Elektronenübertrager’ in der Elektronentransportkette (ETC) in den Mitochondrien – Vitamin C nicht. Interessant wären vergleichende Studien – ggf. gibt es welche, ich habe nicht explizit danach gesucht.

Im Kontext der Unterschiede Q10 / QH folge ich inhaltlich und fachlich schlussendlich Madsen [1]. Dies, da meine Versuche mit verschiedenen QH-Produkten und inzwischen doch recht teuren (aufsummierten) Blutuntersuchungen, aus meiner empirischen Sicht (n=1) das bestätigen, was Madsen schreibt. Da ich die Empirie durch die Biochemie erklären kann – ist es für mich stimmig. Allerdings mag ich anmerken, das ich nicht nur mit Vitamin C ‘herumexperimentiere’ und die Steigerungen bei Q10 auch andere Gründe haben könnten.

Zwar gehe ich auch davon aus, dass das Ubiquinol (QH) etwas besser aufgenommen wird und auch etwas potenter wirkt als Q10 – aber nicht 3,5 mal besser. Wenn ich mal auf die Preise schaue dann ergibt sich folgendes (hier die absolut günstigsten Quellen die ich kenne):

Ubiquinol (QH) ist aus der günstigsten Quelle also ca. 3,5 mal so teuer wie normales Q10. Für eine Kapsel QH (100 mg) gibt es dann ca. 5,5 g Vitamin C. Nun muss jeder entscheiden was mehr bringt: 5500 mg Vitamin C oder ggf. eine zweite Kapsel 100 mg Ubiquinol (QH), was dann ggf. kaum besser wirkt als als das 3,5 mal günstigere Q10. Ich selber setzte auf 100 mg Q10/Tag + Ascorbinsäure.

Mein abschließender Tip ist so: Etwas günstiges Q10, genug Vitamin C und das Vitamin B3 als Niacin (NA) oder Nicotinamid (NAM) nicht vergessen. Allerdings, und das ist wichtig, funktioniert die NAD+-Synthese nur gut, wenn auch der Methylierungs-Zyklus rund läuft. Für diesen bedarf es dann ausreichend B2, B6, Folat und B12 sowie etwas TMG. Wer alles ‘richtig’ machen will – soweit das überhaupt möglich ist – der nutzt z.B. einen sinnvoll dosierten B-Komplex und Vitamin C – wobei Magnesium, mein Nummer #1 Supplement, sicherlich nicht fehlen sollte.

Ein Hinweis noch: Spielt nicht ‘einfach so’ mit der Alpha-Liponsäure rum – wenn Ihr nicht halbwegs oder wirklich wisst was Ihr (euch damit an-) tut.


Mein Bullshit-O-Meter: 3 von 5 – und ich muss ‘beichten’, das ich selber viele Jahre ggf. unnötig viel Geld für Ubiquinol ausgegeben habe.


Links / Quellen

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