Gemüse: Bio, Konventionell, Vorteile, Krebsrisiko, etc. – ein Nachschlag

By | 31. Mai 2017

Ich hatte ja letztens einen Blogpost bez. der Belastung von konventionellem Obst und Gemüse mit Pflanzenschutzmitteln geschrieben. Ein unbeantworteter Aspekt für mich war noch, wie relevant sind die (negativen) Spritzmittel in Bezug auf die Gesamtrisiken von Krebs & Co? Damit meine ich jetzt nicht die Weintraube die mit 24 einzelnen Spritzmitteln belastet ist, die ist wirklich ‘Evil’, sondern das Risiko dessen was beim Test noch gut weg gekommen ist im Vergleich wenn man das in Bio kaufen würde (z.B. grüne Greenpeace-Ampel bei konventionellem Obst & Gemüse).

Ursachen von Krebs nach Dr. B. Ames

Risiko im Bezug auf Krebs

Definitives wird zu dieser Frage sicher nie jemand antworten können – da hier ‘zu viele’ und auch individuell verschiedene Faktoren Einfluss nehmen – jedoch reicht für mich aktuell eine grobe Einschätzung eines erfahrenen Toxikologen und Wissenschaftlers mit Hintergrund in Ernährung und Biochemie. Wenn man genau so einem – hier Dr. Bruce Ames (Video) – glauben schenken darf, dann stellen (in den westlichen Industrieländern) Rauchen und eine ungesunde Ernährung viel größere Risiken (im Bezug auf Krebs) dar, als das aus der Spritzmittelbelastung. Auch Dr. T. Campbell (Autor der China Study) unterstützt diese Ansicht in seinem Buch ‘Whole’ (Deutsch: InterEssen).

Zu den Risiken aus Hormonbelastungen würde ich jetzt mal eher das omnipräsente Plastik (BPA, Phtalate & Co.) zählen – und weniger die Spritzmittel. So ist ja selbst der Bio-Krams oft in Plaste & Elaste verpackt. Und wenn nicht, dann liegt es im Plaste-Kühlschrank, auf der plastebeschichteten Arbeitsfläche, etc. pp.

Ist Bio viel besser als konventionell?

Dieser Frage ist auch Dr. Greger von Nutritionfacts.org in diesem Artikel [1] nachgegangen. Ähnlich wie Greenpeace gibt er zu bedenken, das Spritzmittel schwierig zu beurteilen sind, insb. wenn viele verschiedene Pestizide auf die gleiche Pflanze gesprüht werden – weil es dafür keine Studien gibt. Weiterhin werden auch ggf. toxische Abbauprodukte der Spritzmittel nicht betrachtet, wie z.B. Dioxine.

Dr. Greger weisst hingegen darauf hin, das Biokrams weniger Cadmium und mehr antioxidativ wirkende Phytonährstoffe gefunden wurden (‘Higher antioxidant and lower cadmium concentrations and lower incidence of pesticide residues in organically grown crops’ [2]). Man vermutet das dies u.a. davon kommt, das konventioneller Dünger auch Schwermetalle enthält.

Greger stellt aber auch zur Diskussion, das Menschen den Vorteil von Bio-Produkten überschätzen und eher darauf achten sollten genug Obst und Gemüse zu essen – anstatt z.B. nur wenig davon und dann in Bio. Grundsätzlich geht er davon aus, das der Vorteil von (verzehr von) Obst und Gemüse – auch oder insb. Konventionell – das Risiko bezüglich der Spritzmittel deutlich übersteigt und schließt sich damit Dr. Ames an.

Was sind dann noch die Vorteile von Bio-Produkten?

Auch hierzu hat Dr. Greger vor kurzem einen Artikel [3] verfasst. Die erste Studie die dieser Frage nach ging ist aus UK – die Million Woman Study [4] – und wurde 2014 veröffentlicht. Gefunden wurde hier aktuell nur eine signifikante Risikoreduktion in Bezug auf bestimmte Lymphom-Erkrankungen.

Vermutet wird, das der Vorteil von Bio darin stecken könnte das u.a. Milchprodukte – welche ja im Fett Dioxine, PCBs, und andere Schwermetalle akkumulieren – weniger mit Schwermetallen belastet sind.

Andere Studien [5] verweisen auf erhöhte (50-70%) ADHD-Raten in Kindern hin, wenn deren Pestizidwerte im Urin erhöht sind – oder auf mehr Organochlor (aus Pflanzenschutzmitteln) bei Hodenkrebspatienten  [6]. Dabei ist festzuhalten, das ca. 90% dieser Stoffe sich im Fettgewebe von Tierprodukten, also Fisch, Fleisch, Milch und Eiern akkumulieren.

Sind in Bio-Produkten mehr Nährstoffe enthalten?

Auch hier möchte ich auf Nutritionfacts.org [7] zurückgreifen. Das Thema wurde schon im Video ‘Haben Bio-Produkte einen höheren Nährwert?’ behandelt, was u.a. eine systemtische Studie [8] bespricht welche dem ganzen nachgegangen ist. Der primäre Unterschied der gefunden wurde bezieht sich auf die weiter oben schon angesprochenen antioxidativ wirkenden Phytonährstoffe. Man vermutet das sich diese als Schutzstoffe gegen Schädlinge ausbilden – da diese ja nicht (in dem konventionellem Maße) mit der chemischen Keule ferngehalten werden.

Natürlich ist das nur der kleine Ausschnitt an Sachen den die heutige Wissenschaft sucht und bestimmen kann – weil Sie Ihn kennt. Alles andere ist außerhalb des Blickfeldes und des Verständnisses des oft reduktionistischen wissenschaftlichen Weltbildes. Deswegen gehe ich für meinen Teil von weiteren Vorteilen von Bio, lokal Produziert, Frisch & Co. aus.

Mein Fazit

Wichtig ist DAS genug Obst und insb. Gemüse gegessen wird – für die notwendigen Mikronährstoffe – Bio hin oder her. Wer ‘supern’ möchte und das Bestmögliche machen möchte und auch bezahlen kann, der nimmt Bio – insbesondere bei den in der Regel hoch belasteten Südfrüchten bzw. dem in der Regel höher belastetem Obst (im Vergleich zum Gemüse). Damit wird zudem auch noch eine Idee unterstützt die in vielen Bereichen der Kette des Anbaus und der weiteren Verarbeitung vieles weniger schlecht macht. Und das ist gut & Wichtig – und unterstützenswert!

Die Hauptquellen für die meisten Schadstoffe scheinen hingegen klar die fettreichen Tierprodukte zu sein. Das heißt für mich, das diese Doppelt-Schädlich sind: Gesundheitlich ist die Bilanz dieser Lebensmittel zweifelhaft (mit Ausnahme von ggf. Fisch) und das Abwaschen (von zumindest einem Teil) der Spritzmittelrückstände, Antibiotika und anderweitigen Belastungen ist ja hier auch schlecht möglich.

Wer sich also um die ggf. belastete Karotte Gedanken macht, sich hingegen genussvoll die Currywurst, den Schinken, den Käse oder das Schweine-Schnitzel ‘reinzieht’, der sollte sich mal Gedanken um seine (etwas verzerrte) Risikowarnehmung machen 🙂


Quellen / Links

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