EMF 15: Elektro- (Hyper-) Sensibilität (EHS) – Immer mehr Menschen betroffen (1985 ca. 0,5% – 2015 ca. 10-20%)

By | 23. Januar 2019

Anstieg von mit ES / EHS Betroffenen Menschen (% Anteil in dr Gesamtbevölkerung bzw. Testgruppe) über die Jahre

Anstieg von mit ES / EHS Betroffenen Menschen (% Anteil in der Gesamtbevölkerung bzw. Testgruppe) über die Jahre. Quelle der Daten: [1]

Das Thema Elektro- (Hyper-) Sensibilität (EHS) beschäftigt mich schon länger – insbesondere die Frage wie viele Menschen in der Bevölkerung davon betroffen sind und wie sich die Zahlen in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben.

So sind nach der ANSES (French Agency for Food, Environmental and Occupational Health & Safety) in Frankreich ca. 3 Millionen und in der Welt ca. 300 Millionen Menschen von EHS betroffen ([2], 31:05). Die WHO jedoch ging schon 2004 von 1-3% EHS Betroffenen aus [17, 18], was zu den Zahlen der ANSES passt. Die Dunkelziffer war & ist sicher auch damals (und heute) schon viel höher….

Hinweis: Für mehr zum Thema EMF, Mobilfunk & Co. schaut mal auf meine Seite zu EMF & Co.

Kopfschmerzen & psychische Erkrankungen durch EMF? – ein neues Massenphänomen?

Viele Menschen ordnen die durchaus vielfältigen Auswirkungen von EMF nicht der Quelle zu: Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Depressionen, AHDS, etc. pp. – werden oft nur im Kontext des zunehmenden Stresses durch Arbeitsverdichtung und z.B. des Lebenswandels (-> Ernährung) zugeschrieben. Wenn es gut läuft, dann denken die Menschen bzw. die Ärzte ggf. noch an zu wenig bzw. falsches Licht und die zirkadianen (Bio-) Rhythmen – hier insb. die unregelmäßige Aufnahme von Nahrung bzw. zu wenig und zu später Schlaf.

Aber wer denkt an EMF’s als zusätzliche bzw. primäre Quelle der aufgezählten Beschwerden? Deswegen möchte ich das Thema in diesem Artikel ausbreiten. Hier schon mal interessante Kurz-Facts was so passiert ist seit dem Jahr 2000:

  • 70% der Deutschen haben Kopfschmerzen (min. 1 mal im Monat) [5]
  • 42% mehr Kopfschmerzen bei 18-27 Jährigen zwischen 2005-2015 [11]
    • Die Anzahl der verschriebenen Migränemittelstieg sogar um 58%
  • 67,5% mehr Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen zwischen 2007 und 2017 [20]
  • 62% mehr Fehltage bei Belastungs- und Anpassungsstörungen (2012-2016) [37]
    • Genau: 2012 (10,5 Millionen Tage) und 2016 (16,9 Millionen Tage)
  • 80% der Erwerbstätigen schlafen schlecht [22]
    • Seit 2010 sind die Schlafstörungen bei Berufstätigen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren um 66 Prozent angestiegen
  • 500% mehr rezidivierende depressive Störungen seit 2000 (bis 2015) [23]

Das dann noch 8% der Kinder in Hamburg an einer psychischen Erkrankung mit potentiell chronischem Verlauf leiden und mehr als 25% der Kinder chronisch Krank sind…. ist ja ‘heutzutage’ schon fast ‘normal’ (Zahlen von der DAK) [39]. Was das alles (meiner Ansicht nach) mit EMF zu tun hat bzw. haben kann, bzw. durch diese verstärkt wird – das versuche ich im folgendem Blog-Beitrag zu erörtern.

EHS – was ist das? – Einige Definitionen von (Über-) Empfindlichkeit auf elektromagnetische Felder

Aus Heft 11 der Schriftenreihe der Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie e. V habe ich die folgenden Definitionen entnommen [4]:

  • Elektrosensitivität: Fähigkeit, elektromagnetische Felder (EMF) wahrzunehmen (im Zentralnervensystem begründete Fähigkeit), nicht gekoppelt an Symptome (siehe auch Leitrgeb, Norbert [14]).
  • Elektrosensibilität: Stress-Syndrom mit Entwicklung von Symptomen, der Zusammenhang mit EMF wird nicht hergestellt.
  • Elektrohypersensibilität (als neuer Begriff): gesteigerte Wahrnehmung von EMF bereits bei Feldstärken, die ein großer Teil der Bevölkerung (ohne merkbare Symptome) toleriert, und Entwicklung von Symptomen.

Anm.: Dabei hängt die biologische Wirkung nicht nur von der Intensität der EMF ab, sondern (vor allem) auch von den Signalcharakteristika (u.a. der Frequenz, Pulsung, Modulation, Flankensteilheit), wie ich es in EMF 5 und 6 in Bezug auf 5G und LTE schon ausgeführt hatte – und was auch die US NTP-Studie in Bezug auf die Modulation bestätigte.

Umfragen & Studien gehen von bis zu 10-20% EHS-Betroffenen in der Bevölkerung aus

In der aktuellen Ausgabe des diagnose:funk Magazins (4/2018) werden in einem Artikel zum Schwerpunkthema ‘Verbreitung der Elektrohypersensibilität in der Bevölkerung‘ [1, Seite 24/25] über 30 Studien und Umfragen zum Thema Anteil von E(H)S in der Bevölkerung zusammenfasst. Der Übersichtlichkeit halber habe ich die genannten Zahlen dann selber noch einmal grafisch visualisiert – und eine eher erschreckende Trendlinie eingezeichnet: Gab es 1985 kaum Menschen die von EHS betroffen waren (0,5%), nahm dies ab ca. 2000 dann deutlich auf um die >= 10% zu. Leider fehlen aktuelle Daten – da gerade in den letzten 5-8 Jahren die Nutzung von Mobilfunk, WLAN & Co. noch einmal dramatisch zugelegt hat.

Der Autor bemerkt, das die Studien teils große Unterschiede aufzeigen und verweist diesbezüglich auf:

  • Unterschiedliche Fragenkataloge
  • Unterschiede in der tatsächlichen Belastung der verschiedenen Länder:
    • durch verschiedene Nutzungs-Gewohnheiten,
    • andere Aufstellung von Sendemasten, etc.
  • Unterschiedliche Wahrnehmung der potentiellen Ursachen
    • In einer Studie aus Polen berichteten 68.5% der Teilnehmer über Kopfschmerzen,
    • aber nur 4.9% von ihnen assoziierten diese mit der Nutzung des Mobiltelefons.

So gibt es gerade für Deutschland Studien, auf welche ich folgend noch eingehe, die zeigen, dass sich Kopfschmerzen in den letzten Jahren zu einer Art Volkskrankheit entwickelt haben.

Grundsätzlich lässt sich aus den Studien erkennen, dass das Phänomenen EHS stark zunimmt (2004 mit bis zu 13,3% in AT – 2013 schon 21,6% in CH), wobei sich auch in den einzelnen Ländern ein stetig zunehmender Trend zeigt. Zu einzelnen Rückgängen merkt der Autor an, das Elektrosensible ihre Belastung reduzieren würden, was Teilnehmer aus einer Schweizer Studie angegeben hatten:

„Der Rückgang der Symptome bei diesen Teilnehmern wurde vor allem darauf zurückgeführt, dass Elektrosensible ihre Belastung reduzieren würden.“

Vermeidung beseitigt natürlich die EHS nicht, ebenso wenig die Störquellen. Hier wird nur die Exposition verringert – teils mit (starken) Einschränkungen beim nachgehen einer (Erwerbs-) Arbeit, beim Aufenthalt in Innenstädten, Bus, Bahn, etc. pp. Zumindest kann die Vermeidung die individuelle Situation ‘Lebbar’ machen – unter optimalen Bedingungen.

EHS & die ‘Psycho-‘-Schiene

Elektosensitivität als ICD-10 Code

Elektosensibilität als ICD-10 Code. Quelle: [25]

Leider werden Menschen mit EHS (oft) in die ‘Psycho-Schiene’ abgeschoben und dort ‘therapiert’ [4]. Warum? Weil die Beschwerden a) oft nicht ernst genommen werden b) keine direkte organische Ursache haben und c) durch die mannigfaltigen Symptome bzw. Auswirkungen von EMF massiv das neurologische System und den Körper strapazieren.

Dabei gibt es für EHS nach BMG/KBV (!) Glossar einen eigenen ICD-10 Diagnose-Code: Z58 [25], der auch mit Z58 Kontaktanlässe mit Bezug auf die physikalische Umwelt” [26] definiert wird. Zwar Kryptisch, jedoch irgendwie passend. Die EHS ist also – so wie ich es verstehe – ein eigenständiges bzw. definiertes Krankheitsbild, was Ärzte klar in Bezug auf Diagnose & Co. anwenden können!

Jörn Gutbier, der erste Vorsitzende von Diagnose:funk, ergänzt denn auch in einem Editorial [1]:

Elektrohypersensibilität ist keine Krankheit im klassischen Sinn, sondern eine „funktionale Behinderung“. Sie ist ein gemachtes Kranksein, ausgelöst und verstärkt durch die massiv zunehmende Verwendung künstlicher, elektromagnetischer Energien für die Informationsübertragung.”

Wobei ich hinzufügen möchte, das dieses auch für elektromagnetische Wechselfelder zutrifft (z.B. Elektro-Installationen, Bahnanlagen und E-Mobilität). Gutbier ergänzt, das Menschen die elektrohypersensibel sind u.a. „diskriminiert, lächerlich gemacht, psychologisiert“ werden und „Ökonomische und politische Interessenvertreter, die (..) Medizin und Psychiatrie“ dabei als Legitimationssysteme für industrielle Interessen dienen „gestützt und geschützt u.a. von den Verantwortlichen im Bundesamt für Strahlenschutz.“ . Das BfS stellt dann  noch Personal und Räume für die private NGO ICNIRP, welche unter Vernachlässigung des Vorsorgeprinzips industriefreundliche Grenzwerte definiert.

Gutbier verweist im Editorial auch auf die Europäische Umweltagentur (EUA), welche in Ihrer Schrift  “Späte Lehren aus frühen Warnungen” [3] dokumentiert, mit welchen Methoden die Industrie in Symbiose mit Regierungen verhinderte, dass Schädigungen durch profitable Produkte bekannt werden (u.a. Asbest, Tabak, Benzol, PCB, verbleites Benzin, Röntgen).

Anmerkung: Auch die MCS (welche wohl einen ähnliche Ursachen-Mechanismuß hat wie die EHS) hat einen eigenen ICD-10 Code: T78.4 (“Allergie, nicht näher bezeichnet”). Und die MCS ist klar eine Allergie, welche sich durch eine außerordentliche Sensibilität in Bezug auf Umweltchemikalien und auch bestimmte natürliche Substanzen zeigt (z.B. ätherische Öle, Harze, Perpene, etc. – auch und zum Teil insbesondere aus unbehandelten Hölzern).

Migräne, Kopfschmerzen & Co. – Erschreckende Zahlen, insb. bei Jugendlichen

(Regelmäßige) Kopfschmerzen bei jungen Erwachsenen zw. 18 und 27 Jahren.

(Regelmäßige) Kopfschmerzen bei jungen Erwachsenen zw. 18 und 27 Jahren. Quelle: Basierend auf [11]

Die mitunter häufigsten Symptome von elektromagnetischen Feldern (EMF) sind Kopfschmerzen, Migräne, Schlafschwierigkeiten & Co., wobei Menschen mit EHS hier besonders sensibel sind. Die heutigen Zahlen (DE) sind bereits recht erschreckend – die DMKG (Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft) gibt nach der AOK aktuell an, das schon bei [5]:

70 Prozent der Deutschen Kopfschmerzen vereinzelt oder sogar an mindestens 15 Tagen im Monatvorkommen und „In 90 Prozent dieser Fälle handelt es sich um Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Etwa vier bis fünf Prozent von ihnen leiden sogar täglich an Kopfschmerzen.”

Das Umweltbundesamt schreibt mit Verweis auf eine Studie aus 2014, das damals schon 50% der Männer und 60% der Frauen in den letzten 12 Monaten Kopfschmerzen hatten, wobei der Anteil an Migräne zw. 5-10% (Männer) und 15-24% (Frauen) lag [6]. Die Schmerzklinik ergänzt, dass die Migräne nach der WHO auf Platz 7 der schwersten behindernden Erkrankungen steht – wobei alle Kopfschmerzarten zusammengerechnet Platz 3 ausmachen würden [10]. Sehr spannend fand ich in diesem Zusammenhang folgende Aussage im Text [10]:

“Die neuen Entdeckungen weisen darauf hin, dass eine Störung der Blut- und Energieversorgung des Gehirns wesentlich für die Entstehung der Migräne ist.”

MW EMF verändern den Gehirn-Glukose Metabolismus.

MW EMF verändern den Gehirn-Glukose Metabolismus. Quelle: [17]

Wer meinen Artikel EMF und nitrosativen Stress gelesen hat (EMF 12), der kann sich sicher vorstellen, dass dieser der Energieversorgung im Gehirn nicht zuträglich ist – die ATP-Produktion wird genauso behindert, wie die Produktion von Dopamin und Serotonin/Melatonin durch die Zerstörung von Tryptophan und Tyrosin.

Das sich auch die Glukose-Konzentration im Gehirn bei Exposition von Mikrowellen (‘Mobilfunkstrahlung’) ändert ist jedoch schon länger bekannt [17]. Was dies genau bewirkt ist jedoch unklar – Effekte auf die Neurotransmitter und anderes werden vermutet. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, das hier irgend etwas der Gesundheit zuträgliches passiert.

42% mehr Kopfschmerzen bei 18-27 Jährigen zwischen 2005-2015

Migränemittel - Zunahme der Verordnungen zw. 2005-2015 bei 18-27 Jährigen.

Migränemittel – Zunahme der Verordnungen zw. 2005-2015 bei 18-27 Jährigen.

Das Meldet die Welt auf Basis von Zahlen der Barmer GEK – alles Menschen, die zumindest einmal die Arztpraxis aufgesucht haben und sich behandeln ließen. So stieg die Anzahl der verschriebenen Migränemittel sogar um 58% [11]. Im Artikel steht auch, das:

“Die Altersgruppe hält nicht nur den Spitzenplatz, es sei auch mit einer „beträchtlichen Dunkelziffer“ zu rechnen. Junge Menschen würden seltener einen Arzt aufsuchen.”

Bei den Schülern ist die Lage wohl ähnlich schlimm: Drei von vier Schülern leiden nach dem Artikel der Welt regelmäßig unter Kopfschmerzen (Basis: Eine Studie der gemeinnützigen Zies-Gesellschaft) [11]. Ein Artikel der diagnose:funk [12] zeigt hier noch andere Entwicklungen auf – so litten 1995 nur ca. 10-15% der 8–16 Jährigen an Kopfschmerzen, in 2005 jedoch schon ca. 50%. Das Gesundheitsamt Stuttgart gab für eine Studie aus 2007 dann bereits Zahlen von: 23% der Mädchen und 17% der Jungen an, welche täglich oder mehrmals in der Woche Kopfschmerzen haben. Jedes 8. Kind litt dabei an Migräne.

Mobilfunk & Co. als Ursache für die Kopfschmerz-Epidemie?

Anstieg der Mikrowellen-Belastung zwischen 2000 und 2010 (700MHz - 2,5 GHz)

Anstieg der Mikrowellen-Belastung zwischen 2000 und 2010 (700MHz – 2,5 GHz). Aus: [17]

Für mich selber liegt es quasi auf der Hand, was einer der größten (mit-) Verursacher dieser erschreckenden Entwicklung sein könnte – dazu schaue ich nur, was sich dramatisch in unserer Umwelt zwischen 2005 und 2015 geändert hat: Die Belastung mit Mikrowellen – insbesondere durch die sehr breite und konstante Nutzung von Smartphones und WLAN. Ab 2008 (iPhone) ging es in diesem Bereich wirklich ‚ab‘ und seit 2012 nutzte diese Technik gefühlt jeder –spätestens 2015 auch sehr viele der älteren Menschen (60+), die vorher nicht einmal einen PC hatten bzw. bis heute nicht besitzen.

Das Mobilfunk & Co. Kopfschmerzen verursacht ist unter Experten nach diagnose:funk [11] und meinen eigenen Recherchen kein Thema mehr. Ebenfalls stellte das Schweizer Umweltbundesamt (BAFU) in 2006 fest [16, Seite 10], das die Korrelation von elektromagnetischen Feldern (EMF) und Kopfschmerzen als wahrscheinlich und konsistent angesehen werden muss. Das Ganze sei:

“so weit überzeugend, dass andere Faktoren mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden können”. (Anm.: Kriterium für die Einstufung von ‚Warscheinlich‘).

Mit 19 Jahren Kopfschmerzen am häufigsten.

Mit 19 Jahren Kopfschmerzen am häufigsten. Quelle: [35]

Eine Studie aus 2013 stellte fest, dass das Risiko für Kopfschmerzen mit der Anzahl und Dauer der Mobil- und Schnurlostelefongespräche steigt – und das statistisch signifikant [11]. Zudem produzierten auch Funk-Headsets Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen sowie Schlafprobleme. Aus der Studie:

“The number and duration of cellphone and cordless phone calls were associated with increased risk of headaches.”

Bei den Menschen, die ein kabelgebundenes Headset benutzt hatten, stiegen die Fallzahlen an Tinnitus – ebenfalls statistisch signifikant. Hier spielt wohl auch die ständige Erregung der Haarzellen eine Rolle, bei denen auch der NMDA-Rezeptor involviert ist [27, siehe auch Anhang]. Wer sich an EMF 12 erinnert, der wird wissen, das dies mit den VGCC’s in Verbindung steht, was dann sogar Wikipedia im Kontext der Haarzellen ausführt.

Schaut man dann noch einmal die Altersverteilung von Kopfschmerzen an und bedenkt, das die 2017 ’19-Jährigen’ quasi die erste Generation war, die mit Smartphones in entscheidenden Phasen Ihrer frühen Entwicklung aufgewachsen ist – dann lässt diese explosionsartige Zunahme von Kopfschmerzen & Co. nichts gutes für die weitere Zukunft und nachfolgende Genrationen erwarten.

Kopfschmerzen sind nur der Anfang der (psychologischen) EHS-Symptome & Beschwerden

Energielos?, Depressiv? Neurologische Störungen? Ggf. sind EMF die Ursache.

Energielos?, Depressiv? Neurologische Störungen? Ggf. sind EMF die Ursache. Quelle: Pixabay

Wie schon in EMF 7 dargelegt, haben auch andere neuropsychiatrische Beschwerden ihre kausale Ursache in EMF (also Mikrowellen von Basisstationen, Smartphones, WLAN, DECT-Telefonen, etc.). Der vorgenannte Artikel der diagnose:funk [12] listet zudem weitere auf:

  • Kopfschmerzen (oft bald nach Expositionsbeginn, u.a. Abdel-Rassoul et al., 2006)
  • Geringere Gedächtnisfunktion (Chiang, 1989)
  • Verringerte Konzentrations- und Problemlösefähigkeit (bereits bei eingeschalteten Handys/Smartphones: Becker, 2003; Abdel-Rassoul et al., 2007)
  • Reizbarkeit, Nervosität
  • Herz-Kreislauf-Störungen (Havas, 2006)
  • Erschöpfung und Tagesmüdigkeit (nach anhaltender Exposition)
  • Veränderung der Gehirnwellen (z.B. Alpha-Wellen, Perentos et al 2013, 2008, 2007)

Wann die Symptome auftreten bzw. bemerkt und zugeordnet werden ist individuell verschieden – der Einfluss auf den Organismus besteht jedoch unabhängig der Wahrnehmung (EMF 12). Speziell, wenn die Belastungen nur kurzfristig auftreten – können Sie von den Menschen meist kompensiert werden. Aus dem Artikel [12]:

“Bei den Schülern, die nichts merken, liegt aber nachweislich dennoch eine Stresssituation vor: Die Stresshormone (z.B. Cortisol) können im Speichel nachgewiesen werden.”

Interessant ist in diesem Kontext ggf. auch, dass bei Exposition mit EMF die Blut-Gehirnschranke durchlässiger wird, was insbesondere auch bei niedrig dosierten Feldern geschieht (<=1mW/KG, SAR für Mobiltelefone erlaubt bis zu 2000mW/KG) [28, 29, 30, 31, 32, 33, 34] wobei das ganze seit den 70’ern bekannt ist [16]. Dadurch können dann auch potentiell Schwermetalle und Toxine in das Gehirn passieren und andere degenerative Krankheiten befördern [9] – gar nicht gut. Wenn ich dann noch Meldungen lese, das nach AOK die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen stetig steigen [20]:

“Allerdings ist die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren konstant angestiegen, zwischen 2007 und 2017 um 67,5 Prozent.”

… dann gibt es für mich keine Fragen mehr – außer der Vermessenheit dieses nur mit Zeitdruck & Co. zu assoziieren.

80 Prozent der Erwerbstätigen schlafen schlecht

Häufigkeit von Schlafproblemen letzte 4 Wochen. Altersgruppe 35-65.

Häufigkeit von Schlafproblemen letzte 4 Wochen. Altersgruppe 35-65. Quelle: [35, Min. 22:53]

Dieser Überschrift hatte ein Artikel der DAK aus 2017 [22]. Im Artikel wird die dramatische Zunahme von Schlafstörungen seit 2010 thematisiert – dabei haben dann fast 10% der Betroffenen schwere Schlafstörungen. Was ist so besonders an den Zahlen? Die sehr schnelle Zunahme der Probleme:

Seit 2010 sind die Schlafstörungen bei Berufstätigen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren um 66 Prozent angestiegen

Wer hier im Blog schon länger mit ließt, der weiß sicher was ich jetzt gleich schreiben werde: Die Probleme sind für mich insbesondere auf a) Blaulicht und b) EMF (-> Mobilfunk, WLAN & Co.) zurückzuführen, welche ja Schwerpunkt-Themen in diesem Blog sind. Welche Geräte vereinen beide Problem-Dimensionen? Insbesondere Smartphones und Tablets. Anstatt jedoch die mannigfaltigen Probleme an der Quelle bzw. Ursache zu reduzieren greifen die meisten Deutschen wohl zu Pharmazeutika:

Etwa ein Drittel (31 Prozent) ist regelmäßig erschöpft. Im Vergleich zu 2010 schlucken heute fast doppelt so viele Erwerbstätige Schlafmittel.” [22]

Klar – Schlafmangel erschöpft. So sind denn nach der DAK auch die Fehltage aufgrund von Schlafstörungen um 70% angestiegen. Das die DAK dann im Bericht nicht einmal das Thema Licht erwähnt – sondern nur abstrakt die Nutzung von PC & Co. ist für mich sehr ernüchternd.

500% mehr Rezidivierende depressive Störungen seit 2000 (bis 2015)

Abgeschlossene stationäre Leistungen zur medizinischen Rehabilitation - fallzahlen von 2000-2015 für Code F33, Rezidivierende depressive Störung.

Abgeschlossene stationäre Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (Rentenversicherung) – Fallzahlen von 2000-2015 für Code F33, Rezidivierende depressive Störung. Quelle: [23]

Das in Bezug auf abgeschlossene stationäre Leistungen – wobei ich die Zahlen dazu direkt aus einer Datenbank des Bundes bezogen habe [23]. Bei diesem Krankheitsbild handelt es sich um ‘wiederholte depressive Episoden’ der wohl nicht mehr ganz netten Art [24].

Ich denke egal wie man die Zahlen dreht – auch unter der Berücksichtigung, das mit diesem Krankheitsbild heute sicher offener Umgegangen wird als noch vor 1-2 Jahrzehnten – aber 500% Steigerung in 15 Jahren?

Kritiker mögen anmerken, das der größte Sprung von 2005-2010 erfolgte – also bevor nun wirklich jeder mit einem Smartphone ‘rumgelaufen’ ist. Auch mag man anmerken, das eine wiederholte depressive Episode einiges an Zeit benötigt um sich zu entwickeln – und das es dann noch mal Zeit braucht bis es ggf. zu einer stationären Behandlung kommt.

Bei den Zahlen geht es jedoch nicht um Millionen, sondern ‘nur’ um Zehntausende. Und die bekomme ich mit Vieltelefonieren im Berufsleben ganz schnell zusammen. Spätestens seit dem Jahr 2000 lief nun fast jeder in meinem Berufsumfeld mit dem Mobiltelefon herum – teils auch schon mit vernetzten PDA’s. Auch ist die Nutzung von DECT-Schurlostelefonen und WLAN schon kurz nach der Jahrtausendwende (zumindest im IT-Bereich) stark präsent gewesen. Ich denke, das das ‘dicke’ Ende hier erst noch bevorsteht. Was ich mich jedoch auch frage: Wie hat es das Gesundheitssystem geschafft in kurzer Zeit die vielen zusätzlichen Therapieplätze zu organisieren? Und wie soll das in der Zukunft überhaupt noch geordnet weiter gehen?

Mein Fazit

Mich wundert die epidemische Zunahme der für EMF typischen Symptome in der Bevölkerung in keiner Weise. Die eingangs referenzierte Studie, aus der ich dann das Diagramm mit der Zunahme von EHS-Symptomen erstellt habe – reflektiert denn auch einen bedenklichen Trend. Die Trendkurve mit R² >0,8 verheißt ebenfalls nichts Gutes für die Zukunft. Auch das Kinder immer mehr an auf Entzündungen basierenden Krankheiten leiden – und das bei über 25% der Kinder chronisch [39] – ist nicht normal, jedoch mit NOS-Entgleisung durch VGCC-Aktivierung (-> EMF, Chemikalien) gut erklärbar.

Da es kaum noch Mobilfunk- und WLAN freie Bereiche bzw. Zonen gibt, ja genau das Gegenteil passiert (-> immer noch mehr), wird dieser Trend in der Zukunft sicher weiter zunehmen. E-Mobilität, ob im Kfz, in der Bahn oder dem E-Bus, machen es nicht besser – und die Nutzung von Mobiltelefonen in den faradayschen Käfigen ebenfalls nicht. Die Smartphones schalten dann häufig auf die höchste Sendeleistungs-Stufe – was dann wirklich mehr als bedenklich ist.

Die ‚Psycho-Diagnose‘ ist durchaus richtig – nur die Behandlung ist falsch!

Das Betroffene von EHS oft psychische Beschwerden entwickeln ist für mich nur logisch – wer mit Dauer-Kopfschmerzen, Migräne, EMF-induzierten depressiven Verstimmungen, Chaos bei den Neuro-Transmittern, schlechtem Schlaf, Gehirnwellenveränderungen, die dann Reizbarkeit, verringerte Konzentrations-, Gehirnleistungs- und Problemlösefähigkeit folgern,  ist oder wird dann nicht ‘Psycho’?

Allerdings hilft hier aus meiner persönlichen Sicht nicht der Psychotherapeut, der Psychiater & Co. – sondern in erster Linie die Abstellung der Ursache (-> EMF’s) sowie die Unterstützung auf der biochemischen Ebene, u.a. durch:

  • genug Nährstoffe (u.a. Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Cholin, DHA)
    • durch eine ausgewogene Ernährung (und ggf. auch NEM’s)
  • Vorstufen von Neurotransmittern (u.a. 5-HTP als Vorstufe von Serotonin und Melatonin)
    • oder auch direkt die Gabe von 5-HTP bzw. Melatonin sowie
    • L-Tyrosin für mehr Dopamin
  • eine gut funktionierende Schilddrüse & Nebenniere, sowie
  • ein ausgeglichenes (Steroid-) Hormonsystem (Progesteron, DHEA, etc.)

Denn ohne einen funktionierenden Stoffwechsel kann auch das Gehirn nicht vernünftig arbeiten. Ist der Stoffwechsel sortiert, dann erledigen sich auch oft bis zu 50% der ‘Psycho’-Symptome – wie auch die Autoren eines gutes Buches über HPU schreiben [21]. Dadurch gehen die EMF’s nicht weg – jedoch die Resilenz diesen gegenüber steigt. Gerade Menschen mit der mitochondrial vermittelten Stoffwechselstörung HPU in Kombination mit EMF und ggf. einer Belastung durch Schwermetalle (u.a. Quecksilber, insb. Amalgam) sind für mich (u.a. durch den Mangel an Zink und Vitamin B6) Problem-Beschleuniger (-> nitrosativer Stress), was dann oft Auswirkungen auf das Hormonsystem, Nebennieren und die Schilddrüse hat. Oft entwickeln die Menschen mit EHS dann auch noch MCS – oder umgekehrt:

“In Berichten über elektrosensible Menschen ist zu lesen, dass ihre Empfindlichkeit meistens auch mit einer Überempfindlichkeit auf Chemikalien (MCS = Multiple Chemical Sensitivity) verbunden ist.” [1, Seite 23]

Wer EMF 12 gelesen hat versteht dann auch, warum EHS dann auch oft zusammen mit MCS auftaucht (ganz am Ende des Artikels -> NMDA2 Rezeptor). Das EMF – wie weiter oben geschrieben – die Blut-Gehirnschranke für Toxine und Schwermetalle ‚aufmachen‘ [9] – ist da natürlich nicht hilfreich.

Behandelt werden muss die Gesellschaft und die von Menschen geschaffene Umwelt

Letztendlich liegt das Problem jedoch nicht bei den Betroffenen – sondern in der Umwelt die durch den Menschen, die Gesellschaft sowie kommerzielle & industrielle Interessen geschaffen wird.

EMF’s aus WLAN und Mobilfunk sind für mich denn auch in etwa wie Rauchen, verbleites Benzin oder Asbest. Irgendwer verseucht in meiner Nähe die Luft und ich atme die Karzinogene passiv ein. Wo beim Rauchen ggf. ein paar Meter Distanz ausreichten, bei Asbest eine Staubmaske – da reichen diese Mittel zur Vermeidung von EMF’s, insbesondere in Innenstädten oder in Büros, nicht aus. Die Meidung der Aussenwelt ist für die meisten aber auch keine Option – schränkt Sie doch Freiheit, Mobilität und auch Verdienstmöglichkeiten und damit das wirtschaftliche Überleben stark ein.

EHS – Fluch oder bitterer Segen?

Ob die Betroffenen nun das ‘Glück’ haben die EMF’s zu spüren – und damit ‘gezwungen sind’ diese aktiv zu vermeiden – und damit ihre Gesundheit zu schützen – ja, das ist die für mich offene Frage. Denn auf ‘die anderen’ Menschen wirken die EMF’s ja auch – nur das diese die Belastung scheinbar ‘noch’ ertragen können. Hintergründig entsteht jedoch auch bei den Menschen die ‘scheinbar nichts spüren’ eine starke Belastung des Organismus. Wer daran zweifelt, der Lese meinen Blog-Beitrag EMF 12.

In jedem Falle ist es absurd die Opfern von der Mensch-Gemachten EHS zu stigmatisieren und in die Psycho-Schiene einzuordnen. Lesenswert ist dazu auch ein Text von U. Weiner [36].


Quellen / Links / Anhang

Anhang: Tinnitus und der NMDA-Rezeptor – Auszug aus [27, Seite 17]

Prof Zenner: “Und zwar kann folgendes passieren: Der Botenstoff, wenn er von der Sinneszelle freigegeben wird, der dockt an der Hörnervenzelle an einem sogenannten Rezeptor an. Und die Folge ist, das jetzt die Hörnervenzelle eingeschaltet wird und das Signal weitergibt. Dabei kann es passieren, daß man vorübergehend zu viel von dem Botenstoff anbietet. Und die Folge ist, daß dadurch in der Hörnervenzelle eine weitere Struktur, ein sogenannter NMDA-Rezeptor, der normalerweise ruhig ist, eingeschaltet wird. Die Folge davon ist, daß geladene Teilchen, sogenannte Kalzium-Ionen in den Hörnerven eindringen. Und diese Kalzium-Ionen tun das in einem solchen Ausmaß, daß sie die Hörnervenzelle sehr stark schädigen können. Und gleichzeitig – diese Kalzium-Ionen sind geladene Teilchen – ändern sie die elektrische Eigensachaft des Hörnerven. Und die Veränderung der elektrischen Eigenschaft ist nun leider ein Signal, welches vom Gehirn verstanden wird – und zwar als Ohrgeräusch.”

Anhang: Tabelle mit den Studien aus [1]

Anbei mal die abgetippte Tabelle, welche die Datengrundlage für das Bild am Anfang dieses Artikels geliefert hat. Quelle ist der Artikel aus der diagnose:funk 4/1018 [1].

Jahr der Messung% EHS-PersonenLandJahr veröff.Referenz
19850.06Schweden1991National Encyclopedia Sw., 1991 (8)
19940.63Schweden1995Anonymous estimate, 1994 (9)
19951.50Österreich1995Leitgeb N. et al., 1995, 2005 (10)
19961.50Schweden1998SNBHW, Env. report, 1998 (11)
19982.00Österreich1997Leitgeb N. et al., 1998, 2005 (12)
19971.50Schweden2002Hillert L. et al., 2002 (13)
19983.20USA Kalifornien2002Levallois P., 2002 (14)
19993.10Schweden2001SNBHW, Env. report, 2001 (15)
20003.20Schweden2003Sw Labour Union Sif, 2003 (16)
20016.00Deutschland2002Schroeder E., 2002 (17)
200213.30Österreich2003Spiß B., 2003 (2)
20038.00Deutschland2003Infas, 2003 (18)
20039.00Schweden2004Elöverkänsligas Riksförbund, 2005 (19)
20035.00Irland2005This is London, 2005 (20)
200411.00England2004Fox E., 2004 (21)
20049.00Deutschland2004Infas, 2004 (22)
20045.00Schweiz2006Schreier N. et al., 2006 (23)
20049.50Deutschland2007Berg G. et al., 2007 (24)
20054.00England2007Eltiti S. et al., 2007 (25)
20054.90Polen2014Szyjkowska A. et al., 2014 (6)
200510.00Deutschland2005Infas, 2005 (26)
20069.00Deutschland2006Infas, 2006 (27)
20073.50Österreich2008Schröttner J., Leitgeb, N., 2008 (28)
200410.30Deutschland2009Blettner M. et al., 2009 (29)
2006 b. 200812.10Deutschland2008Thomas S et al., 2008 (30)
200713.30Taiwan2011Tseng MMC et al., 2011 (31)
200821.10Schweiz2010Röösli M, Mohler E, Frei P, 2010 (3)
200921.60Schweiz2010Röösli M, Mohler E, Frei P, 2010 (3)
2009>10.00Deutschland2010Infas, 2010 (32)
2009>12.00Deutschland2010Eger H., Jahn M., 2010 (33)
20113.50Niederlande2014Baliatsas C. et al., 2014 (34)
20137.00Deutschland2014Infas, 2014 (35)