Wo stehen die Mobilfunkmasten? – Checkt mit der interaktiven Karte der Bundesnetzagentur (+ 5G-Karten)

Von | 15. März 2018

Mobilfunk-Sendemast. Quelle: Wikipedia. Autor: Erwin Krauß, Lizenz: GNU

Als betroffener Elektrosensibler hatte ich in einigen vorhergehenden Artikeln schon einiges zu EMF, Mobilfunk, WLAN, Krankheiten & Co. & wie man das alles messen kann geschrieben. Dort finden sich auch einige Testberichte zu Messgeräten, welche ich selber besitze. Was jedoch bei den Messungen hilfreich ist, sind Daten zu den Mobilfunkstationen, also:

  • Wo die Mobilfunkmasten genau stehen (ggf. auch verdeckt / getarnt).
  • In welche (Himmels-)Richtungen die Antennen abstrahlen (-> Haupt-Strahlrichtungen).
  • Mit welchen Intensitäten (bzw. Belastungen) grob zu rechnen ist.

Wo findet man solche Daten?: Bei der Bundesnetzagentur, denn diese betreibt eine EMF-Datenbank‘, in welcher [1]:

  • Standortbescheinigungspflichtige Funkanlagen mit einzuhaltenden Sicherheitsabständen,
  • Messorte der EMF – Messreihen mit Ergebnisdarstellung sowie
  • Standorte des automatischen Messsystems mit zeitlichen Verlauf der Grenzwertausschöpfung

verzeichnet sind. Das ganze basiert dabei auf Google-Maps ähnlichen Karten, wo die Funkanlagen mit Beschreibungen gesucht und angeschaut werden können. Die zusätzlichen Daten sind dabei die Abstrahlrichtungen der montierten Sendeantennen, sowie Messpunkte und deren Belastungen in Bezug auf die ‘offiziellen Grenzwerte’. Wer meinen Artikel zum Messen der EMF-Belastung gelesen hat wird sich erinnern, das die ‘offiziellen Grenzwerte’ (u.a. in Deutschland) auf den Festlegungen der ICNIRP basieren – eine private NGO die u.a. mit Interessenvertretern aus der Industrie & Co. besetzt ist. Das, was Baubiologen, Mediziner & Co. als sinnvoll erachten, ist teils 100.000 bis 1.000.000 mal weniger Belastung als die ‘Grenzwerte’ der ICNIRP. Weiter unten im Artikel gibt es dann noch Infos zu:

  • Netzabdeckungen für Telekom, Vodafone, O2 & Co. inklusive 5G-Karten
  • Speziell auch Österreich und die Schweiz (ink. 5G)
  • Für viele andere europäische Länder und die restliche Welt.

Hinweis: Für mehr zum Thema EMF, Mobilfunk & Co. schaut mal auf meine Seite zu EMF & Co.

Zur EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur

Funkanlagen Braunschweig Innenstadt. Quelle: EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur

Wer auf die Seite der Netzagentur surft und dort eine Adresse eingibt, der kann recht schnell sehen wo Funkanlagen stehen. Damit diese eingeblendet werden ist jedoch eine ausreichende Vergrößerung auf der Karte zu wählen.

Als (exemplarisches) Beispiel habe ich mal Braunschweigs Innenstadt herausgepickt – welche ich noch sehr gut kenne (siehe nebenstehendes Bild). Dort stehen, wie auch in vielen anderen Städten, in geringen Abständen von wenigen hundert Metern die Mobilfunkmasten bzw. ‘Sendeeinrichtungen’. Wenn das ganze mal auf einer Karte visualisiert wird – dann ist das schon Krass. So ist es kein Problem in der Innenstadt oder dicht bebauten Vierteln mal schnell 6-7 Mobilfunkmasten im Abstand von 300 Metern um sich zu haben. Dazu kommen dann noch schnell 30-40 WLAN-Router aus den Nachbarwohnungen, 30-40 DECT-Basisstationen & verschiedenste Mobilteile, Bluetooth-Geräte, WLAN-Repeater, WLAN-Fernseher, WLAN-XBox, WLAN-Notebooks, Heimvernetzung und natürlich viele Menschen die dann noch aktiv Telefonieren, WLAN-Surfen & Co. Gerade diese akkumulierte Belastung haben nur wenige Menschen auf dem Schirm… und wo vor 20-30 Jahren (bis auf Radio, Fernsehen und den Stromleitungen) sehr ‘wenig’ war, so leben wir heute in einem Meer aus verschiedensten EMF-Belastungen.

Legende.

Die einzelnen Anlagen und Messorte sind dann entsprechend der Legende auf der Karte der Bundesnetzagentur gekennzeichnet. Ein oranges “i” im Dreieck ist eine Sendeanlage, ein grüner Punkt ein Messort.

Die Messorte sind dabei eher weniger spannend – weil die ICNIRP ‘Grenzwerte’ (wie schon weiter oben erwähnt) aus verschiedenen Gründen sehr hoch angesetzt sind. Ggf. hilft es ja die erreichten % Werte (meint: Ausschöpfung der Grenzwerte) mit 100 oder gar 1000 zu multiplizieren – um ein realistischeres Bild zu bekommen? Ich halte das für mich für angemessen – angesichts der ICNIRP ‘Grenzwerte’, welche ca. 1.000.000 mal über denen liegen die von Baubiologen für Schlafzimmer empfohlen werden. Wie ‘krass’ sich das verhält und welche gesundheitlichen Auswirkungen schon bei im Vergleich geringen Belastungen auftreten können, hatte ich ja schon in meinem Beitrag zum Messen von EMF kurz vorgestellt. Ansonsten Empfehle ich auch noch die Zusammenfassung zum Film Resonance hier im Blog.

Die Abstrahlrichtung – wichtig um die eigene Belastung zu schätzen

Details über eine Funkanlage. Quelle: EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur

Ein ‘Sendemast’ hat meist mehrere Sende-Einrichtungen. Bei den Masten die man sieht hängen meist 3 oder mehr rechteckige Kästen in drei (oder mehr) Himmelsrichtungen verteilt. Dies sind dann die aktiven Sendeantennen. Auch über deren Anzahl und Abstrahlrichtung (Himmelsrichtung) gibt die Bundesnetzagentur detailliert Auskunft. Wer auf eines der orangen ‘i’ klickt, dem wird eine Tabelle ähnlich der nebenstehenden angezeigt. Bei den Angaben steht dann 0 Grad für Norden, 90 Grad für Osten, etc. pp.

Was leider (oder gewollt?) fehlt – ist die spezifische Sendestärke in Watt, die Frequenz auf der Gefunkt wird und die genaue Nutzung (GSM, UMTS, LTE, WiMax, etc.) der jeweiligen Sendeeinrichtung.

Wer denkt, das er direkt unter der Antenne sicher ist – nein, auf keinen Fall. Ganz krass wirkt sich dann auch die Richtungscharakteristik der Antennen aus.. aus 20 Watt Sendeleistung werden dann schnell mehrere tausend Watt (Impuls-) Spitzenleistung. Alles im Bereich von bis 100 Meter direkt in der Linie der Abstrahlrichtung kann dann ‘extrem’ betroffen bzw. belastet sein.

‘Haupt’-Abstrahlrichtungen visualisiert – und weitere Fragen…

Funkanlagen Braunschweig Innenstadt mit ‘grob’ eingezeichneten Hauptstrahlungsrichtungen als Pfeile. Quelle: EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur

Für den Kartenausschnitt aus Braunschweigs Innenstadt habe ich mir mal die Mühe gemacht die Hauptstrahlungsrichtungen einmal ‘pi*daumen’ einzuzeichnen. Das Ergebnis finde ich ganz schön krass – insb. da es für mich hier deutliche Brennpunkte zu geben scheint, wo die Haupabstrahlrichtungen von mehreren Sendeeinrichtungen – in recht kurzer Distanz zu dieser – zusammenkommen.

Was mir da auch aufgefallen ist – die Messpunkte der Bundesnetzagentur scheinen ‘taktisch gut’ gewählt zu sein. Was meine ich damit? Mir scheinen diese immer in Bereichen zu liegen, welche ich in Bezug auf die Hauptstrahlungsrichtungen der Basisstationen eher (oder zumindest etwas) weniger belastet einschätzen würde. Zufall? Keine Ahnung – dazu müsste irgendwer dies systematisch für ganz Deutschland überprüfen und abschließend bewerten.

Wer das ganze genauer durchführen möchte, den verweise ich auf einen interessanten Beitrag in dem erklärt wird wie man mit Google Earth die Hauptstrahlrichtungen visualisieren kann [2].

Weitere Interessante Webseiten mit Datenbanken zu Mobilfunkstandorten

Hier noch ein paar andere Quellen bzw. Datenbank in Bezug auf Netzabdeckung, Ausbau, Feldstärken und Sendemasten:

Hier dann noch einige Webseiten in Bezug auf Europa & Co:

WLAN & DECT in Relation zum Mobilfunk

Wer sich um Mobilfunkmasten & Co. Gedanken macht, jedoch selber ein Schnurlostelefon (DECT) und/oder WLAN in seiner Wohnung oder seinem Eigenheim nutzt – der sollte meiner Ansicht nach erst einmal damit anfangen die großen und lokalen Risiken zu beseitigen: WLAN & DECT (hier einige Tips & Hintergrund dazu).

Dann kommen sicherlich die Bluetooth-Geräte (insb. Kopfhörer) sowie natürlich das eigene Mobiltelefon (wenn vorhanden). Kritisch sind beim Mobiltelefon insb. die Zeiten in welchen damit telefoniert wird bzw. die Zeit in der Datendienste genutzt werden bzw. aktiviert sind. Um das ganze zu verstehen und einordnen zu können – insb. auch die Risiken von Mobilfunkanlagen – habe ich in diesem Artikel etwas über die Leistungsdichte geschrieben.

Mein Fazit

Ich finde die Karte der Bundesnetzagentur nützlich – insb. um grob einen Teil der potentiellen EMF-Belastung für Wohnungen und Immobilien zu bewerten – also zumindest der Teil der Belastung, der nicht mal eben abgeschaltet werden kann bzw. wird.

Ist der nächste Mobilfunkmast 1000 Meter oder mehr weg – ‘naja’ o.k. Sind jedoch gleich 3, 5 oder sogar 7 und mehr Mobilfunkmasten in unmittelbarer Nähe (<300 Meter) und ‘gehen’ dann die Hauptabstrahlrichtungen der Sendeeinrichtungen durch die eigene (Miet-) Wohnung – in der dann noch >= 10 WLANs mit gutem Wert zu empfangen sind… – oder besteht sogar eine direkte Sichtverbindung zum Mobilfunkmasten…. und man wohnt selber in der Hauptabstrahlrichtung, wo einen die ganze Wucht der Belastung 24h am Tag trifft…

… jeder muss selber entscheiden wo er leben möchte.

Mit 5G wird es dann wohl auch nicht besser werden. 5G bedeutet dann noch mehr Antennen pro Mast – die das Umfeld in mehr Sektoren aufteilen um mehr Bandbreite zu realisieren, was auch in Summe eine höhere Sendeleistung bedeutet und eine viel ‘krassere’ Pulsung der Signale mit sich bringt. Zusätzlich wird in Städten, der Aufbau von so genannten Mikrozellen mit Frequenzen im Millimeterband (> 10 GHz) betrieben. Selbst wenn einzelne Sendeanlagen (insb. Mikrozellen) ggf. weniger Leistung haben (was fraglich ist), werden diese jedoch räumlich gesehen deutlich dichter stehen. Die mittlere Belastung pro Raumvolumen (m³ -> Leistungsdichte) könnte (bzw. wird) dadurch deutlich zunehmen – insbesondere umso mehr Menschen und Geräte 5G nutzen.

Und das alles wofür? WhatsApp, Facebook, Videos, Spiele & Co.? Tolle Wurst….

 


Quellen

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