Wo stehen die Mobilfunkmasten? – Checkt mit der interaktive Karte der Bundesnetzagentur

Mobilfunk-Sendemast. Quelle: Wikipedia. Autor: Erwin Krauß, Lizenz: GNU

Ich hatte in einigen vorhergehenden Artikeln ja schon über EMF, Mobilfunk, WLAN & Co. + wie man das messen kann berichtet. Was für mich damals noch unklar war: Wie komme ich an Daten der Mobilfunkstationen heran? Also:

  • Wo stehen die Mobilfunkmasten (ggf. auch verdeckt / getarnt)
  • In welche (Himmels-)Richtungen strahlen Sie ab
  • Mit welchen Intensitäten (bzw. Belastungen) ist (grob) zu rechnen

Nun bin ich fündig geworden: Bei der Bundesnetzagentur, denn diese betreibt eine ‘EMF-Datenbank‘, in welcher [1]:

  • Standortbescheinigungspflichtige Funkanlagen mit einzuhaltenden Sicherheitsabständen,
  • Messorte der EMF – Messreihen mit Ergebnisdarstellung sowie
  • Standorte des automatischen Messsystems mit zeitlichen Verlauf der Grenzwertausschöpfung

verzeichnet sind. Das ganze basiert dabei auf Google-Maps auf dessen Karten die Funkanlagen mit Zusatzdaten interaktiv gesichtet werden können. Die zusätzlichen Daten sind dabei die Abstrahlrichtungen der montierten Sendeantennen, sowie Messpunkte und deren Belastungen in Bezug auf die ‘offiziellen Grenzwerte’. Wer meinen Artikel zum Messen der EMF-Belastung gelesen hat wird sich erinnern, das die ICNIRP  – welche die offiziell verwendeten Grenzwerte festgelegt hat – eine private Industrieorganisation ist. Das was Baubiologen, Mediziner & Co. als sinnvoll erachten ist teils 100.000 bis 1.000.000 mal weniger Belastung.

Zur EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur

Funkanlagen Braunschweig Innenstadt. Quelle: EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur

Wer auf die Seite der Netzagentur surft und dort eine Adresse eingibt, der kann recht schnell sehen wo Funkanlagen stehen. Damit diese eingeblendet werden ist jedoch eine ausreichende Vergrößerung auf der Karte zu wählen.

Als (exemplarisches) Beispiel habe ich mal Braunschweigs Innenstadt herausgepickt – welche ich noch sehr gut kenne (siehe nebenstehendes Bild). Dort stehen, wie auch in vielen anderen Städten, in geringen Abständen von wenigen Dutzend oder hundert Metern die Mobilfunkmasten bzw. Sendeeinrichtungen. Wenn das ganze mal auf einer Karte visualisiert wird – dann ist das schon Krass. So ist es kein Problem in der Innenstadt oder dicht bebauten Vierteln mal schnell 6-7 Mobilfunkmasten im Abstand von 300 Metern um sich zu haben. Dazu kommen dann noch schnell 30-40 WLAN’s aus den Nachbarwohnungen, 30-40 DECT-Basisstationen & verschiedenste Mobilteile, Bluetooth-Geräte, Heimvernetzung und natürlich viele Menschen die dann noch aktiv Telefonieren, WLAN-Surfen & Co. Gerade diese akkumulierte Belastung haben nur wenige Menschen auf dem Schirm… und wo vor 20-30 Jahren (bis auf Radio, Fernsehen und den Stromleitungen) sehr ‘wenig’ war, so leben wir heute in einem Meer aus verschiedensten EMF-Belastungen.

Legende.

Die einzelnen Anlagen und Messorte sind dann entsprechend der Legende auf der Karte der Bundesnetzagentur gekennzeichnet. Ein oranges “i” im Dreieck ist eine Sendeanlage, ein grüner Punkt ein Messort. Die Messorte sind dabei eher weniger spannend – weil die ICNIRP ‘Grenzwerte’ (wie schon weiter oben erwähnt) aus verschiedenen Gründen sehr hoch angesetzt sind. Ggf. hilft es ja die erreichten % Werte (meint: Ausschöpfung der Grenzwerte) mit 100 oder gar 1000 zu multiplizieren – um ein realistischeres Bild zu bekommen? Ich halte das für mich für angemessen – angesichts der ICNIRP Grenzwerte, welche ca. 1.000.000 mal über denen liegen die von Baubiologen für Schlafzimmer empfohlen werden.

Abstrahlrichtung

Details über eine Funkanlage. Quelle: EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur

Winkelscheibe. Quelle: IZgMF

Ein ‘Sendemast’ hat meist mehrere Sende-Einrichtungen. Bei den Masten die man sieht hängen meist 3 oder mehr rechteckige Kästen in drei (oder mehr) Himmelsrichtungen verteilt. Dies sind dann die aktiven Sendeantennen. Auch über deren Anzahl und Abstrahlrichtung (Himmelsrichtung) gibt die Bundesnetzagentur detailliert Auskunft. Wer auf eines der orangen ‘i’ klickt, dem wird eine Tabelle ähnlich der nebenstehenden angezeigt. Bei den Angaben steht dann 0 Grad für Norden, 90 Grad für Osten, etc. pp.

Was leider (oder gewollt?) fehlt – ist die spezifische Sendestärke in Watt, die Frequenz auf der Gefunkt wird und die genaue Nutzung (GSM, UMTS, LTE, WiMax, etc.) der jeweiligen Sendeeinrichtung.

‘Haupt’-Strahlungsrichtungen visualisiert – und weitere Fragen…

Funkanlagen Braunschweig Innenstadt mit ‘grob’ eingezeichneten Hauptstrahlungsrichtungen als Pfeile. Quelle: EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur

Für den Kartenausschnitt aus Braunschweigs Innenstadt habe ich mir mal die Mühe gemacht die Hauptstrahlungsrichtungen einmal ‘pi*daumen’ einzuzeichnen. Das Ergebnis finde ich ganz schön krass – insb. da es für mich hier deutliche Brennpunkte zu geben scheint, wo die Haupabstrahlrichtungen von mehreren Sendeeinrichtungen – in recht kurzer Distanz zu dieser – zusammenkommen.

Was mir da auch aufgefallen ist – die Messpunkte der Bundesnetzagentur scheinen ‘taktisch gut’ gewählt zu sein. Was meine ich damit? Mir scheinen diese immer in Bereichen zu liegen, welche ich in Bezug auf die Hauptstrahlungsrichtungen der Basisstationen eher (oder zumindest etwas) weniger belastet einschätzen würde. Zufall? Keine Ahnung – dazu müsste irgendwer dies systematisch für ganz Deutschland überprüfen und abschließend bewerten.

Wer das ganze genauer durchführen möchte, den verweise ich auf einen interessanten Beitrag vom IZgMF in dem erklärt wird wie man mit Google Earth die Hauptstrahlrichtungen visualisieren kann [3].

WLAN & DECT in Relation zum Mobilfunk

Wer sich um Mobilfunkmasten & Co. Gedanken macht, jedoch selber ein Schnurlostelefon (DECT) und/oder WLAN in seiner Wohnung oder seinem Eigenheim nutzt – der sollte meiner Ansicht nach erst einmal damit anfangen die großen und lokalen Risiken zu beseitigen: WLAN & DECT. Dann kommen sicherlich die Bluetooth-Geräte (insb. Kopfhörer) sowie natürlich das eigene Mobiltelefon (wenn vorhanden). Kritisch sind beim Mobiltelefon insb. die Zeiten in welchen damit telefoniert wird bzw. die Zeit in der Datendienste genutzt werden bzw. aktiviert sind.

Mein Fazit

Ich finde die Karte der Bundesnetzagentur nützlich – insb. um grob die potentielle EMF-Belastung für Wohnungen und Immobilien zu bewerten – also zumindest der Teil der Belastung, der nicht mal eben abgeschaltet werden kann bzw. wird.

Ist der nächste Mobilfunkmast 1000 Meter oder mehr weg – o.k. Sind jedoch gleich 3, 5 oder sogar 7 und mehr Mobilfunkmasten in unmittelbarer Nähe (<300 Meter) und ‘gehen’ dann die Hauptabstrahlrichtungen der Sendeeinrichtungen durch die eigene (Miet-) Wohnung – in der dann noch >= 10 WLANs zu empfangen sind…

… jeder muss selber entscheiden wo er leben möchte.

Mit 5G wird es dann wohl auch nicht besser werden, zumindest so wie ich die Informationen aus dem EMF-Warriors Podcast zu 5G Netzwerken interpretiere. 5G heist dann auch mehr Antennen pro Mast – die das Umfeld in mehr Sektoren aufteilen um mehr Bandbreite zu realisieren (u.a. Beamforming). Dann – in Städten – der Aufbau von so genannten Mikrozellen. Einzelne Sendeanlagen (insb. Mikrozellen) mögen dann zwar weniger Leistung haben, jedoch werden diese räumlich gesehen auch deutlich dichter stehen (z.B. alle 50-100 Meter). Die mittlere Belastung pro Raumvolumen (m³) könnte dadurch sogar deutlich zunehmen – insb. umso mehr Menschen und Geräte dann auch 5G vermehr und ggf. sogar anstatt DSL nutzen.

Und das alles wofür? WhatsApp, Facebook, Videos, Spiele & Co.? Tolle Wurst….

 


Quellen

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