EMF Teil 2: PCs & Notebooks – EMF-Belastung durch Prozessor, Kabel, Netzteile, WLAN & Co.

Von | 28. Oktober 2017

157mG (15.000 nT) !!! über dem Prozessor auf der Tastatur (unter Last)

Da ich aktuell zwei Messgeräte habe, hatte mich mal interessiert wie es mit der Belastung beim Arbeiten an meinem PC & Notebook aussieht, u.a. in Bezug auf:

  • die Magnetfelder auf der Tastatur durch den Prozessor & Co. im Notebook.
  • die Belastung durch Mikrowellen (WLAN) am Notebook,
  • die Magnetfelder vom PC (ebenfalls Prozessor, aber auch Netzteil)
  • die elektrischen Felder der Spannungsversorgung am PC
    • Steckerleiste, Netzkabel, etc.

Das Problem: Selbst wenn ein Notebook ohne WLAN, Bluetooth & Co. betrieben wird, dann entstehen insb. bei Prozessorlast (durch die hohen Taktfrequenzen und Ströme die im Prozessor und auch von den Spannungswandlern fließen) hohe magnetische Wechselfelder – welche wohl ebenso bedenklich sind wie die elektrischen HF-Felder von WLAN & Co. Am PC arbeitet man mit einer externen Tastatur – am Notebook in der Regel jedoch nicht… wem es also in den Fingern, Händen oder in den Beinen kribbelt…

Hinweis: Für mehr zum Thema EMF, Mobilfunk & Co. schaut mal auf meine Seite zu EMF & Co.

Magnetfelder & Notebooks

Baubiologe Joachim Weise vom IBN schreibt [1]:

“Bei den meisten Notebooks ist der Prozessor im Bereich unterhalb der Tastatur eingebaut. Besonders in dieser Umgebung wird ein beträchtliches magnetisches Wechselfeld von 500 Nanotesla (nT) bis 1.500 nT abgestrahlt. Dies ist unabhängig davon, ob der PC mit Stromkabel oder Akku betrieben wird.” (Anm.: 1.500nT = 15mG)

und empfiehlt Notebooks, Laptos & Co. nur mit externer Tastatur und Maus zu betreiben, denn “bereits in einer Entfernung von 15 Zentimetern vom Notebook-Keyboard vermindert sich das Magnetfeld auf 30 Nanotesla. In 20 Zentimetern liegt es nur noch bei 10 nT.”

Aus einen anderen Dokument [2] von IBN geht dann hervor, das z.B. die TCO-Grenzwerte (2007) in einer Entfernung von ca. 30 cm gemessen werden. Das ist sehr schön, berücksichtigt jedoch nicht die Hände und auch nicht den oft sehr geringen Abstand der Notebook-Unterseite von Beinen und Genitalbereich – insb. wenn der Notebook, wie so oft, auf den Beinen abgelegt wird. Für Monitore mag der TCO-Wert ja o.k. sein – jedoch nicht für Geräte wo der Bedienbereich innerhalb der 30 cm liegt.

Eine weitere Quelle weist dann darauf hin, das [3]:

“Der Prozessor arbeitet im Mikrowellen-Bereich, ist aber weniger gut ab geschirmt als ein „normaler“ PC (kein Metallgehäuse).”

und rät zu folgender Abhilfe: “Etwas Abstand vom Gerät halten. Über Hardware – Konfiguration sämtliche nicht benötigten Komponenten deaktivieren (z. B. Bluetooth, WLAN).”.

 Zu den Messungen: a) Magnetfelder am Notebook

0,76mG im schwächsten Bereich im Idle-Betrieb.

8,47mG ganz links (unter Last)

2,19mG rechts vom Mauspad (unter Last)

Im ganz rechten Bild ist die Messung der schwächsten Stelle über der Tastatur bei Idle-Betrieb abgebildet (<100 nT). Dann folgen andere Messwerte an verschiedenen Gehäusestellen bei Betrieb unter Vollast (ca. 200 & 800 nT). Die >15.000 nT (150 mG) vom ersten Foto dieses Artikels sind also stark im Bereich des Prozessors konzentriert.

Die Messwerte an der Unterseite des Notebooks waren dann noch schlechter…. bis zu 38.000 nT (380 mG)  und insgesamt höher über einen breiteren Bereich. Auf der Oberseite waren dann in ca. 5 cm Abstand noch um die 300 nT messbar – unten bis zu 500 nT.

Was bedeutet das? 15.400 nT auf der Oberseite, dort wo man Tippt, sind für mich ein komplett inakzeptabler Wert – das entspricht schon fast einer konventionellen Herdplatte im Abstand von ca. 10 cm. Die Werte auf der Unterseite sind noch schlechter… Einen (bzw. zumindest meinen) Notebook auf den Schoss zu legen ist also keine Gute Idee… eine geerdete Abschirmplatte bietet sich hier eher an… zumindest bei stationärem Betrieb. Zum Vergleich: Die vorgeschlagenen Grenzwerte für Wohnräume liegen bei 100 nT (1 mG)! – und dieser Wert wird sogar in 5 cm Abstand noch deutlich übertroffen. Zwar lässt die WHO, die Magnet-Wechselfelder unter Krebsverdacht gestellt hat, etwas mehr Spielraum (400 nT) – aber auch dieser wird hier klar überschritten.

In Anbetracht das der Baubiologe Weise weiter oben aussagt das bereits 500-1.500 nT (5-15mG) beträchtlich sind – sind die von mir gemessenen 15.000-35.000nT (150-350mG) einfach nur noch: Scheisse! Die Anfrage an den Hersteller ist raus – und ich bin mal gespannt, was ich für eine Antwort bekomme…

Zu den Messungen: b) WLAN am Notebook

Über 2000uW/m2 beim WLAN-Download.

761uW/m2 beim WLAN-Download

110uW/m2 beim WLAN-Download

545uW/m2 beim WLAN-Download

Hierfür habe ich den Notebook mit einem ca. 5 Meter entfernten WLAN-AccessPoint verbunden (FritzBox 7170, 2,4GHz WLAN 802.11/a mit 54MBit) und einen Download mit 6MBit über DSL gestartet. Durch die geringe Entfernung konnte das WLAN-Modul also mit recht geringer Leistung funken – zudem wurde die verfügbare WLAN-Bandbreite bei weitem nicht ausgeschöpft.

Wichtig: Der Hersteller meines HF-Messgerätes (GigaHertz Solutions HF 35C) empfiehlt die Belastung in 2 Meter Abstand zu messen um korrekte Messwerte zu ermitteln. Bei Messungen direkt am Gerät, also wo der Mensch sitzt, lässt sich das natürlich nicht einhalten.

Der ‘Gute’ bzw. sinnvolle Grenzwert für Wohn- bzw. Schlafräume ist von den meisten Institutionen mit 10µW/m² angegeben – einige schlagen auch nur 1µW/m² vor – was heutzutage leider ein Wunschtraum ist (zu viele WLANs, Mobilfunk & Co. in der Stadt und bei Nachbarn).

Wie man sieht wird der baubiologische Grenzwert schon in ca. 2,5 Metern Abstand um ca. das 100-fache überschritten (110µW/m² * 10 => 1100µW/m²). Kurz vor dem Notebook reicht dann der Messbereich des Gerätes nicht mehr aus. Zur Sicherheit habe ich auch noch mal mit meinem Tenmars “Schätzeisen” nachgemessen. Auch dies zeigt, in ca. Kopfposition des “Notebook-Arbeiters”, beträchtliche 545µW/m² an, also 54 * mehr als der empfohlene Grenzwert.

Ich hätte mit da vorgestellt, das die WLAN-Leistung hier entsprechend “runtergefahren” wird – da der Access-Point nur ein paar Meter weiter steht. Pustekuchen…

Magnetfelder & Spannungsversorgung am PC

Über 300 V/m im Bereich der Steckerleiste am Schreibtisch.

Über 300 nT alleine in einer Mess-Achse am PC-Gehäuse (ca. 800 nT gesamt)

Über 300 nT alleine in einer Mess-Achse am PC-Gehäuse (ca. 800 nT gesamt)

Oft sind die verschiedenen Geräte am PC (PC, Monitor, Lautsprecher, Drucker, Netzteile für eine externe Festplatte und ggf. eine Lampe) über eine Steckerleiste und Kaltgerätekabel angeschlossen. Diese Leiste und die vielen Kabel liegen dann in unmittelbarer Nähe von Beinen bzw. Füßen irgendwo in einer Ecke des Schreibtisches – bzw. bei ‘modernen’ Schreibtischen in einem Fach unter der Arbeitsplatte.

Leider entstehen um die Netzkabel und insbesondere auch die Steckdosenleiste teils starke elektrische Felder – oft sehr Nahe im Bereich der Beine, Füße oder Hände. Gleiches gilt auch für die Magnetfelder am PC: Im Bereich des Netzteils und des Prozessors entstehen teils starke magnetische Felder – ähnlich wie beim Notebook.

Implikationen

Auf Basis meiner Messungen habe ich folgende Konsequenzen gezogen:

  • Distanz: Kabel, Stecker, Netzteile, Steckdosenleisten, etc. pp. so weit weg wie möglich von mir zu positionieren.
    • Tastatur-, Maus-, USB-, DVI/HDMI-Kabel sind unkritisch.
    • Notebook mit externer Tastatur nutzen & PC-Gehäuse (sowie Notebook) möglichst weit Weg stellen!
    • Externe Festplatten & Netzteile weit weg – ggf. lange USB-Kabel benutzen.
    • Lautsprecher (mit integriertem Netzteil) & Co. nicht auf oder unter dem Tisch.
  • Abschirmung: Optimaler weise abgeschirmte Steckdosenleisten und abgeschirmte Kaltgerätekabel zu nutzen.
    • Netzteile die nicht gebraucht werden ausziehen!
    • Ggf. über die Anschaffung einer Schirmung für den Notebook nachdenken.
  • Vermeidung: Alles was nicht benötigt wird ausziehen oder Distanz schaffen.
    • Arbeits- und/oder Tischlampen sehr weit weg positionieren.
    • Netzteile die nicht benötigt werden ausziehen bzw. über eine zweite (geschirmte) Schalterleiste betätigen.
      • Lampen Netzteile für ext. Festplatte, etc.
    • Notebook möglichst immer im Batteriebetrieb nutzen – und immer mal wieder kurz aufladen.
      • Danach das Netzteil ausstecken!

Salzlampe. Quelle: Pixabay. Autor: Erwin Rigl

In ein ähnliches Horn bläst dann auch Dr. Mercola [4]. Dessen Zusammenfassung in Bezug auf Notebook ist grob:

  • Vorsicht bei der Benutzung eines Notebooks/Laptops – speziell bei schwangeren Frauen.
  • Bei Nutzung auf dem Schoss, sollte eine spezielle Unterlage benutzt werden
    • oder ggf. ein Kissen mit min ca. 25 cm Dicke.
  • Es sollte wenn möglich ein externe Tastatur benutzt werden.
  • Ein Notebook sollte nur im Batteriebetrieb genutzt werden,
    • da auch vom Netzteil und der Leitung zum Notebook starke elektromagnetische Felder ausgehen.
  • Die elektromagnetischen Felder von fünf vermessenen Laptops waren deutlich höher als die empfohlenen Grenzwerte.

Als zusätzlicher Aspekt um die Belastung zu reduzieren soll sich auch eine Himalaya-Salzlampe oderHauspflanzen anbieten, weil erstere negativ geladene Ionen freisetzten und die Pflanzen die EM-Felder dämpfen sollen [5]. Auch wenn es zur Salzlampe keine Studien gibt – schaden kann es wohl eher nicht & das rote Licht ist auch gut. Die Lampe sollte jedoch (wie jede Lampe) etwas weiter weg stehen, so das die EMF von Stromleitung und Lampe nicht neue Probleme bereiten.

Wrap-Top Strahlenschutz. Quelle: LessenEMF

Wer beruflich einen Notebook benutzen muss, sollte durch seinen Arbeitgeber externe Tastatur, eine (drahtgebundene) Maus sowie eine Abschirm-Unterlage und/oder etwas wie das nebenstehend abgebildete “Wrap-Top” zur Verfügung gestellt bekommen. Mit dem Wrap-Top kann das Gerät dann im Tischbetrieb, z.B. an einer Docking-Station, abgeschirmt werden.

Mein Fazit

Schon wieder ein Bereich der Technik in dem ich die Nutzung leider mit mehr Bedacht abwägen muss – weil die Hersteller hier nicht handeln und den Konsumenten im Regen stehen lassen – genau wie bei den flimmernden Displays oder bei Nano-Partikel schleudernden Laserdruckern. Ein Notebook war für mich sowieso nur ein Kompromiss für unterwegs – das WLAN so gut es geht ausgeschaltet und meist per Kabel verbunden. WLAN hin & her – die sehr hohen Magnetfelder im Bedienbereich finde ich gar nicht lustig.

So werde ich bei der Nutzung auf jeden Fall darauf achten, das der Notebook min 25 cm über meinen Beinen schwebt – bzw. ich am besten vor Ihm stehe (Stehtisch & Co.) – was natürlich Sinn und Nutzwert dieses elektronischen ‘Notizbuchs’ schon einmal einschränkt. Das Problem: Bei normalen Tischen sind die 25 cm gar nicht realisierbar. Wenn der Notebook auf der Tischoberfläche steht und ich auf dem Stuhl ‘davor’ sitze, dann sind meine Beine ggf. 10 cm unter der Notebook-Unterseite… also bedarf es (nicht nur) ‘eigentlich’ einer Abschirm-Matte…

Für die Tastatur muss ich mir noch eine Lösung überlegen – die Anfrage an den Hersteller läuft bereits… mal sehen ob der überhaupt interne Standards in Bezug auf die Magnetfelder & Co. hat. Denn ein abschirmendes Blech über- und unter dem Prozessor wären ja nicht die schlechteste Idee…

Denn wenn ich jetzt noch eine Tastatur & eine Abschirm-Matte mitschleppen muss – was bringt mir dann ein kompakter und leichter Notebook überhaupt? Und wer bezahlt mir die Tastatur, die Matte und eine neue Tasche?

Nachtrag: Wo sehe ich weitere Probleme mit der EMF?

Unsere Knochen sind faktisch Halbleiter und beherbergen u.a. Übergangsmetalle wie Kupfer. Starke exogene und nicht-natürliche Magnetfelder können nun u.a. mit den Übergangsmetallen interagieren und ungewünschte Nebeneffekte auslösen oder begünstigen (Bildung von ROS, Osteoporose, etc. pp). Das ist jedoch nur ein Aspekt – der jedoch direkt für die Hände auf der Tastatur relevant ist. EMF können jedoch auch anderen Neuro- und Zeitstress auslösen. Wer mehr wissen möchte, den verweise ich u.a. auf den Film Resonance oder die achtteilige EMF Artikelserie von (dem durchaus kontroversen) Dr. Jack Kruse, z.B. Teil 8: Quantum Bone.

Normen, CE-Zeichen & Co.

Es gibt zwar ganz viele tolle Normen, welche die Hersteller in Bezug auf Vorschriften erfüllen müssen – jedoch dienen die meisten nur dazu sicher zu stellen, das die Technik A nicht die Technik B stört. All das wird z.B. mit dem Anbringen eines ‘CE’-Zeichens auf dem Produkt erklärt. Dabei ist dies dann in der Regel nur eine Selbsterklärung – das bedeutet, das der Hersteller oder Importeur einfach selbst bestätigt, das alles o.k. ist. Das c’t Magazin vergleicht das u.a. mit anderen Vorteilen den Verwaltungsaufwand zu reduzieren: Fahrschüler könnten doch problemlos selbst erklären, dass sie Auto fahren können”

Was hat das CE-Zeichen jetzt mit (m)einem Notebook & Co zu tun? Die einzige Norm die sich da mit den Auswirkungen auf den Menschen befasst ist wohl die EN 62311:2008. Und welche Grenzwerte definiert diese Norm?

IEC 62311 legt Messmethoden fest, jedoch keine Grenzwerte: Die Messmethoden sind normativ, die Grenzwerte informativ. [6]

Gar keine! Für Europa seien dann letztendlich jedoch die ‘Grenzwerte’ der ICNIRP einzuhalten (‘Da es um allgemeinen Personenschutz geht, sind die Grenzwerte für „General Public“ einzuhalten.’ [6]). Also mal wieder die ICNIRP… die private Organisation welche Grenzwerte macht die ca. 1000-1.000.000 mal über den Grenzwerten liegen die WHO, Ärzte & Apotheker und Baubiologen ansetzten.

Alles klar Hauser? Nein Kienzle!


Update: Der Hersteller bzw. der deutsche Support sieht keine Gefahr (“Die von Ihnen genannten Werte sind absolut unbedenklich.”) und verweist darauf das er alle gesetzlichen Bestimmungen einhält. Zwar verweist der Hersteller auf seiner englischen Webseite auch darauf das ggf. sogar besser ist: “Meet or exceed all applicable legal requirements, industry standards and voluntary agreements to which Acer subscribes.” – bei einer Nachfrage welches denn nun konkret die Industriestandards und die freiwilligen Vereinbarungen sein, gab es nur die Antwort “Weitere Informationen sind für die Öffentlichkeit nicht verfügbar, da diese sehr detailliert sind und das Haus nicht verlassen dürfen.”…


Quellen

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