EMF 23: Kurz-Test vom E.P.E. Conseil ESI 24 EMF-Messgerät (HF, MF, EF) – Taugt es was?

Von | 29. April 2020
ESI 24 EMF-Messgerät - alle drei Messgrößen (HF, MF, EF) im grünen Bereich

ESI 24 EMF-Messgerät – alle drei Messgrößen (HF, MF, EF) im grünen Bereich

Drei EMF-Messgeräte hatte ich hier schon vorgestellt, das (semi-professionelle) Gigaherz ME 3830b & HF 35C und das Cornet ED88T Plus mit viel (interessanten!) Anzeige-Klimbim.

Warum stelle ich nun, mit dem E.P.E. Conseil ESI 24, noch ein viertes Messgerät vor, das die Messwerte dann nur mit ‘altmodischen’ LEDs (Rot, Gelb, Grün) anzeigt – jedoch kein Display für Zahlen und weitere Angaben hat?

Genau deswegen!

Wer aus meiner Sicht ehrlich mit dem Messen im Kontext für Laien ist, für den gibt es sowieso nur drei Wertebereiche:

  1. Grün: Alles ist gut.
  2. Gelb: Nicht toll, aber in Maßen kann man sich hier ggf. noch (zeit-begrenzt) aufhalten.
  3. Rot: Hier muss was verändert werden – die Technik oder meine aktuelle Position (meint: Schnell weg!)
    • Je ‘röter’ desto wichtiger und schneller sollte etwas passieren….

Zahlen, Einheiten und Grenzwerte hin- und her: Die meisten Menschen haben keinen Bezug dazu. Letztendlich muss ich nur wissen ob alles o.k. ist – oder ob Handlungsbedarf besteht. Wenn etwas geändert wurde dann ist der Erfolg der Aktion zu überprüfen. Entweder es ist besser geworden (Grün/Gelb) oder nicht (Rot). Gehen die Ideen aus, wie etwas verbessert werden kann, dann müssen andere Strategien angedacht werden (z.B. Schlaf- und Arbeitsplatz verschieben / verändern / wechseln, Abschirmung, Umbau, Umzug, etc.).

Hinweis: Für mehr zum Thema EMF, Mobilfunk & Co. schaut mal auf meine Seite zu EMF & Co.

Vorteil: Alle drei Messwerte (HF, MF, EF) werden gleichzeitig angezeigt!

ESI 24 EMF-Messgerät - Hohes Magnet (MF) und Elektrisches Feld (EF) am Netzteil.

Hohes Magnet (MF) und Elektrisches Feld (EF) am Netzteil.

ESI 24 EMF-Messgerät - Elektrisches Feld (EF) am Lichtschalter

ESI 24 EMF-Messgerät – Elektrisches Feld (EF) am Lichtschalter

Was ich am ESI 24 sehr, sehr positiv finde: Alle drei wichtigen Messwerte / Messbereiche:

  • Hochfrequente Felder, HF (Mikrowelle, Mobilfunk, WLAN, DECT, etc.)
  • Magnetische Wechselfelder, MF (Da wo ‘Strom fließt’, also Netzteile, (Haupt-)Stromleitungen, Elektr. Geräte)
  • Elektrische Wechselfelder, EF (Überall wo spannungsführende Stromleitungen & Kabel – auch in den Wänden – sind)

werden gleichzeitig angezeigt!

Bei den anderen Messgeräten muss immer der Messbereich umgeschaltet werden – so das für eine erste Messung alles drei mal abgegangen werden muss. Das bedeutet in der Praxis das oft wichtige Details übersehen werden und das erste ‘verorten’ von potentiellen Problemen sehr viel Zeit braucht.

Mit dem ESI 24 mache ich nun meine erste ‘Grob-Messung’. Überall wo das ESI dann Probleme aufzeigt, kann ich bei Bedarf mit den anderen Messgeräten nachmessen, z.B. mit dem HF35C um zu ermitteln wo genau nun die HF-Strahlung her kommt (z.B. WLAN-Router von Nachbarn, Baby-Phone, etc. pp).

Zu den technischen Daten

ESI 24 EMF-Messgerät Übersicht über die Messgrößen (Werte) und den LED-Anzeigen.

ESI 24 EMF-Messgerät Übersicht über die Messgrößen (Werte) und den LED-Anzeigen.

Auch bei den technischen Daten scheint das Gerät aus meiner Sicht im Vergleich ganz gut mit zu spielen bzw. Höhepunkte zu setzen:

  • Der Messbereich bei HF geht (nach Herstellerangaben) bis 10 GHz – mehr also beim Cornet und deutlich besser als beim HF35C (allerdings ohne Ortung).
    • Wobei es Berichte gibt, das in der Praxis wohl schon bei ca. 1 GHz Schluss mit der Genauigkeit sei [3], deren Authentizität ich nicht einschätzen kann – wie immer bei ‘Organisationen’ aus dem nichts…
  • Wie beim ME 3830 kann das ESI 24 auch die Magnetfelder in der Bahn messen (16 2/3 Hz Bahnstrom).
  • Zudem wird die 3D-Messung (Magnetfeld) unterstützt, so dass das Messgerät nicht noch in 3 verschiedene Richtungen (Achsen) gehalten werden muss, um dann einen Gesamtwert zu ermitteln.
  • Auch die Audiofunktion ist brauchbar – allerdings lässt sich die Lautstärke nicht regulieren, sondern nur Ein- und Aus schalten.

Hier kurz die Detailübersicht auf Basis der Herstellerangaben:

  • Mess- / Frequenzbereiche:
    • Magnetisches Wechselfeld (Niederfrequenz)
      • 16 Hz – 3 kHz in nT
      • 3D-Messung!
    • Elektrisches Wechselfeld (Niederfrequenz)
      • Niederfrequenz: 16 Hz – 3 kHz in V/m
    • Hochfrequente Elektromagnetische Felder
      • 50 MHz – 10 GHz in μW/m²
  • Produkteigenschaften:
    • Optische Anzeige: Mittels LED
    • Akustische Anzeige: Audiosignal – Frequenz ändert sich mit zunehmenden Feldstärken
    • Erweiterter HF Modus: Alle 18 LEDs zeigen HF (Mikrowellenstrahlung) an, ab 0,6 μW/m² bei 2,5 GHz
    • Ortungsmodus: Auffinden von elektrischen Leitungen: 220/230 V – 50/60 Hz
    • «Hold» Modus: Abspeichern der EMF-Belastung an nicht einsehbaren Positionen

Was wichtig ist: Die Farben der LED’s sind für mich auch recht gut gewählt und entsprechen meinen eigenen Kriterien für gute bzw. schlechte Werte. Die oben stehende Grafik zeigt dann auch an, welche LEDs bei welchen Messwerten aufleuchten – und wie diese mit verschiedenen Standards korrelieren.

Unterschied von ESI 24 zu ESI 23 – Hochauflösender HF-Modus

HF-Messung Leistungsflussdichte in μW/m². Messbereich von 50 MHz - 8 GHz, Gerät ist optimiert für Frequenzen um 2.5 GHz

HF-Messung Leistungsflussdichte in μW/m². Messbereich von 50 MHz – 8 GHz, Gerät ist optimiert für Frequenzen um 2.5 GHz

Das ESI 24 kostet um die 230€ – das ESI 23 nur ca. 170€. Der Unterschied ist der so-genannte ‘hochauflösende HF-Modus’ bei dem das ESI 24 zur Anzeige der HF-Signalstärke alle 18 LEDs anstatt von 6 benutzt.

Wem egal ist wie stark die HF-Belastung ‘möglichst genau’ ist, also nur grob wissen mag ob die Belastung gut, naja oder schlecht ist – der ist mit dem ESI 23 sicher o.k. bedient. Wer konkretere Messwerte haben möchte – für den ist das ESI 24 klar das bessere Gerät. Eine Alternative wäre das Cornet, was die Messwerte sowie den höchsten gemessenen Wert (inkl. Historie) auch grafisch und mit Zahlen anzeigt.

Das ESI24 – eine HF Messgurke?

Nach dem eher unbekannten WILA Bonn haben wohl alle günstigen EMF-Messgeräte (auch die von Cornet) starke Probleme mit der Genauigkeit. Bis 1 GHz soll es beim ESI 24 und 10 µW/m² noch grob passen:

“Bis 900 MHz grober Indikator, sonst an oder unter der Rauschgrenze des Probanden”

Aber bei 1000 µW/m² gibt das WILA Bonn dann, das hier wohl gar nichts mehr passt:

“Systembedingt nicht sinnvoll feststellbar, tendenziell Unterbewertung um Faktor 10-500 (außer GSM 900)”

Auch sei die Empfindlichkeit ca. 100 mal unempfindlicher als vom Hersteller angegeben. Zudem merkt das WILA Bonn noch an, das und Aufgrund der Frequenzabhängigen Anzeige der Feldstärke in Verbindung mit der unbekannten Frequenz des Signals keine realistisch aussagekräftige Messung möglich sei:

“Da je nach Frequenz eine bestimmte Anzahl leuchtender Dioden aber sehr unterschiedlichen Leistungsflussdichten entspricht, bekommt man ohne Kenntnis der Frequenz keine brauchbaren Ergebnisse. Die Frequenz lässt sich mit dem Gerät jedoch nicht bestimmen. Die zutreffende Messung eines Frequenzgemischs, mit dem man es in der Praxis ja meistens zu tun hat, ist mit dem esi 24 grundsätzlich nicht möglich.”

Aus meiner Sicht tut das der ‘groben Messung’ mit dem ESI 24 keinen Abbruch – also wenn der Anwender nur wissen will ob am jeweiligen Ort eine Belastung anzutreffen ist die ggf. schon “ungut” ist. Dass das ESI 24 tendenziell (deutlich) weniger (HF-) Belastung anzeigt, als wirklich vorhanden ist – sollte ggf. einberechnet werden. Bei meinen Vergleichenden Tests mit einem Gigaherz HF35C habe ich jedoch in keiner Weise solche Abweichungen wie vom WILA Bonn angegeben feststellen können!

Was bedacht werden sollte: Das ESI 24 kostet knapp über 200€ und ist ganz klar kein hoch genauer Spektrumanalysator für 10.000€ mit verschiedensten Antennen – je nach Frequenzbereich und Mess-Charakteristik. Zudem ist (mir) unklar, wer hinter dem WILA Bonn steht – und wer diesem die für den Vergleich nötigen hoch genauen Geräte gestellt hat.

Mein Fazit

ESI 24 EMF-Messgerät - Maximal hohe Hochfrequenz-Belastung am Smartphone >>> 2000µW/m² (bzw. ausserhalb des Messbereiches)

ESI 24 EMF-Messgerät – Maximal hohe Hochfrequenz-Belastung am Smartphone >>> 2000µW/m² (bzw. außerhalb des Messbereiches)

ESI 24 EMF-Messgerät - im hoch auflösenden HF-Modus - ca. 1µW/m²

ESI 24 EMF-Messgerät – im hoch auflösenden HF-Modus – ca. 1 µW/m²

Für meine eigenen Messungen ist das ESI 24 eine Bereicherung.

Um schnell und ohne großes ‘Trara’ die Situation in einem Raum oder einem Außenbereich zu bewerten ist das ESI für mich zwar nicht perfekt aber hat seine Vorzüge. Zudem ist es sehr leicht, klein und lässt sich fast Blind bedienen & ablesen.

Positiv: Ein Umschalten der Messbereiche entfällt – eine ‘Spot’-Messung ist in wenigen Sekunden abgeschlossen. Für mich ist dieses Messgerät also optimal für erste Begehungen – mit sehr starken Abstrichen bei der HF-Messung. Ist etwas auffällig, dann kann ich, wenn relevant, später genauer das elektrisches Feld, NF, HF & Co. mit meinen Geräten von Gigaherz messen.

Die Messwerte die das ESI anzeigt habe ich nicht im Detail mit den (semi-professionellen) Geräten von Gigaherz überprüft. Allerdings erscheinen mir die Messwerte bzw. Anzeigen zumindest bis 2,4 GHz halbwegs sinnfällig. Genauer in dieser Preisklasse ist wohl das Cornet ED88T – zumindest wenn ich den Testbericht des WILA Bonn [3] und meine eigenen Erfahrungen richtig deute – aber letztendlich ist das schwer auszumachen.

Anmerken möchte ich hier nochmal, das in im Vergleich zu einem Gigaherz HF35C die Aussagen des WILA Bonn in Bezug auf die Ungenauigkeiten nicht nachvollziehen kann. Die genauen Umstände der Tests des WILA Bonn bleiben unklar – und ggf. anderweitige Motivationen auch. So sind für mich Messwert-Abweichungen bei > 1000 µW/m² nicht mehr Praxis-Relevant – weil man dort, wo solche Werte auftauchen, nicht leben will. Ich versuche solche Orte nach Möglichkeit zu meiden bzw. schnellstens zu verlassen.

In Bezug auf die ca. 170€ scheint mir das ESI 23 konkurrenzlos günstig – allerdings “misst” dieses nur bis 6 GHz – hat also eine andere HF-Messtechnik & ‘an Bord’. Das ESI 24 (ca. 230€) erfüllt dann aus meiner Sicht in jedem Fall alle Ansprüche an ein einfaches ‘Haushaltsmessgerät’, insbesondere auch, weil es die Magnetfelder in der Bahn und auch im Auto (magnetisierte Reifenkarkassen) erfassen können soll, wobei ich hier lieber auf mein Gigaherz ME3830B vertraue.

Eines ist klar: Mess-Wunder darf man unterhalb vom 1000€ nicht erwarten. Das ESI im Bereich Hochfrequenz jedoch ein sehr hilfreiches Gerät – was für die Einschätzung der Belastungen, das Auffinden von versehentlich aktivierten WLAN-Geräten, Baby-Phones und Belastungen aus Richtung der Nachbarn (im Miethaus) ausreicht. Als einzige Alternative in diesem Preisbereich bietet sich für mich das Cornet ED88T Plus an. Dies ist jedoch für den absoluten Laien, der mit den Zahlen nichts anfangen kann, ggf. zu kompliziert.

Nachtrag: Das ESI-24 gibt es aktuell in der 3ten (verbesserten) Revision, zu erkennen am rückwärtigen Aufkleber: Model/BN: ESI24-SM2/BN19-2Ich konnte bei einem Ad-Hoc-test keine großen Unterschiede im Bereich HF fest machen, habe dieses aber noch nicht in Umgebungen mit > 2,7 GHz testen können. Nach ‘hörensagen’ soll es besser mit den breitbandigen 5G-Signalen umgehen können bzw. hier optimiert worden sein.


Quellen / Links

Wichtiger Hinweis: Weder der Hersteller noch ein deutscher Vertrieb hat mir irgend etwas für diesen Artikel gegeben oder diesen beauftragt – und ich stehe auch mit keinem in wirtschaftlicher Verbindung. Der Artikel über das Gerät ist rein deswegen entstanden, weil ich das Gerät o.k. finde.

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