Nagel- und Fußpilz & T. Rubrum – Alternative Behandlung mit ätherischen Ölen, Natron & Co.?

(Schöne) Fußnägel - ohne Nagelpilz und ohne Fußpilz

(Schöne) Fußnägel. Quelle: Pixabay

Nach einem Spiegel Bericht aus dem Jahre 2000 [1] hatten schon damals ungefähr 16 Millionen Deutschen mit Haut- und Fußpilz (-> Hautmykosen -> syn. Tinea) last. Ein sehr ausführlicher Bericht zu Nagelpilzen (-> Onychomykose), dem Auftreten, der Vorbeuge, den Behandlungsmöglichkeiten sowie Wirkstoffen, Salben, Nebenwirkungen & Co. [2] gibt als Anzahl der betroffenen ca. 20% der deutschen Bevölkerung an – was ebenfalls den vom Spiegel angegebenen 16 Millionen Menschen entspricht.

In diesem Beitrag möchte ich selber auf die Pharma- und die alternative Seite eingehen. Letztere insbesondere mit Fokus auf verschiedenste ätherische Öle (u.a. Oregano, Thymian (Thymol), Zimt (Rinde), Zitronengras, Nelken, Rosmarin, Lavendel und Teebaum), Sachen wie Salz-, Natron- und andere Fußbäder, Myrrhe, Propolis, etc. pp. Mich hat da jeweils interessiert was verschiedenste Studien zur Wirksamkeit gegen die üblichen Fußpilzerreger aussagen.

Spannend? Dann lest weiter…

Die Erreger, die Alternative und ‘pharmazeutische’ Seite

Es gibt es zur Behandlung und Vorbeuge das ganz Spektrum an Naturheilkunde (Fußbäder, ätherische Öle, Darmsanierung, Ernährungsumstellung, etc.) sowie Chemie & Co. – letzteres meist in Form von Beigaben zu Ölen, Cremes und Sprays (u.a. ClotrimazolBifonazol, Ciclopirox, Terbinafin als Wirkstoffe) und als Tabletten (u.a. Terbinafin, Fluconazol [36], Itraconazol als Wirkstoffe).

Wichtig für die (Pharma-)Standard-Therapie ist zu wissen gegen was man vorgehen möchte – also welcher Pilz oder welche Bakterien den Nagel (Onychomykose) und ggf. die Haut (Tinea), insb zwischen den Zehen (Tinea pedis), befallen haben. Sehr oft ist dann der T. Rubrum bzw. T. Interdigitale der aktuelle ‘Bösewicht’.

In einer interessanten Einführung [3] hatte ich dann eine übersichtliche Tabelle (1) gefunden, welche aufzeigt welcher Wirkstoff (anscheinend) gegen welchen Pilz oder Bakterium (Haut & äußerliche Anwendung auf dem Nagel) wirkt:

Antimykotikum
ErregerBifonazolCiclopiroxClotrimazolTerbinafinAmorolfin
T. rubrum+++++
T. interdigitale++++
T. albicans++++ (1)– (²)
T. brevicaulis+++
M. canis+++(+)3
T. mentagrophytes+++
T. verrucosum+++

1 Wirkung nur gegenüber C. albicans in der virulenten Myzelphase; 2 nur einige Stämme sensibel; 3 Terbinafin ist den Azolpräparaten und Ciclopirox unterlegen.

Bei einem Nagelpilz (Onychomykose) gibt die Quelle [3] in einer Tabelle (2) folgendes zur inneren Einnahme (Tabletten) von Wirkstoffen an:

PräparatFluconazolTerbinafinItraconazol
ErregerspektrumT. rubrumT. rubrumT. rubrum
C. albicansT. interdigitaleC. albicans
S. brevicaulis (C. albicans)S. brevicaulis

Für Dosierungen und weitere Anmerkungen und Einschränkungen verweise ich auf die Quelle(n).

Die innere (medikamentöse) Anwendung ist nach der Standard-Medizin wohl angezeigt, wenn mehr als 3 Nägel bzw. schon der ganze (insb. große Zehen-)Nagel bis hinein in das Nagelbett befallen ist [3]. In wieweit die Wirkungen der Mittel am realen Menschen oder nur in der Petrischale verifiziert wurden habe ich nicht recherchiert.

Ursachen & Denken über die Pharma-Keule hinaus….

Wer direkt zum Hautarzt geht, bei dem wird zwar in der Regel ein Test der befallenen Stellen gemacht – jedoch nicht weiter nach den ggf. systemischen Ursachen gesucht warum der Pilz sich so gut ausbreiten konnte. Dr. med. Sonja Blaschke-Grünvogel schreibt dazu [37]:
Entscheidend für das Entstehen der Erkrankung ist das Milieu im Organismus, weshalb naturheilkundliche Therapieansätze über die symptomatische Behandlung hinausgehen und eine Milieuverbesserung und Stärkung des Immunsystems anstreben.”

Und gibt zu bedenken, das auch eine Standard-Therapie mit ergänzenden Maßnahmen begleitet werden sollte., welche versucht systemische Ursachen (Darm, Schwermetall-Belastungen, etc.) und/oder Mängel (z.B. Zink, Selen, Biotin, etc.) anzugehen – und damit über die symptomatische Therapie hinaus geht. Dabei listet Sie u.a. folgende Störungen auf [37]:

  • der Darmschleimhaut oder Darmflora durch ungesunde Ernährung
  • einer Übersäuerung des Bindegewebes
  • Schwermetalle und Störfelder (z. B. Narben, Zahnherde)

und gibt dann noch verschiedene Vorschläge zur Behandlung. Interessant im Bezug auf den Fuß- und Nagelpilz fand ich zudem, das nach der TCM hier insbesondere Störungen des Leber-, Milz-Pankreas-, Magen-, Gallenblasen- und Blasenmeridian vorliegen können.

Nun zu den Hausmittelchen….

Wer die Chemie nicht mag – oder vorbeugend was machen will – der findet im Internet alle möglichen ‘alternativen’ Anleitungen in Bezug auf Nagelpilz & Co. Hier mal eine Auswahl der Mittelchen:

  • Allerlei pflanzliche bzw. ätherische Öle (Basilikum, Lavendel, Myrrhe, Nelken, Oregano, Pfefferminze, Rosmarin, Teebaum, Thymian, Zimt, Zitronengras, etc.) [4][8][11-28]
  • Honig sowie Cistrosen- & Propolis-Tinktur (in alkoholisch wässriger Lösung) [4][8][31][32][33]
  • Zwiebelgewächse (Zwiebel, Knoblauch) [4][35]
  • Salz, Natron (Backpulver) und (Apfel-)Essig (Fußbad) [4][6][7][8][13]
  • Eichenrinde [4] und Lapacho [10] (Fußbad im Sud und als Pau d’ Arco zum Einnehmen) [11][29]
  • Effektive Mikroorganismen (EM) als Fußbad [5] und EM-Buch
  • Wasserstoffperoxid (3%) [9][34]
  • etc. pp.

Das Spektrum der angegebenen Mittelchen ist sehr, sehr groß… wobei ich einiges zu den Ölen gefunden habe, die wohl recht effektiv einige Pilze (zumindest in der Petrischale) abtöten können.

Was sagt die Wissenschaft zu den ätherischen Ölen?

Ich habe mal etwas Recherche bei Pubmed & Co. gemacht. Da ein bekannter insb. von dem sehr verbreiteten Pilz Trichophyton rubrum (T. Rubrum) betroffen war habe ich die Suche erst einmal mal darauf konzentriert. Bei der Suche habe ich fünf ganz interessante Meta-Studien gefunden [12, 13, 14, 15, 16] welche alle eine recht gute und interessante Übersicht eine Reihe von Ölen und anderen pflanzlichen Wirkstoffen geben. Um einfach zu beginenn fange ich mal mit denen an, welche eine ‘Hitliste’ der Öle angeben. So steht in einer Studie [12]:

“In a study by Guynot et al. () showed that out of 17 essential oils tested only seven namely; cinnamon leaf, lemongrass, thyme, bay, clove, peppermint and basil inhibited growth of Eurotium amstelodami, E. herbariorum, E. repens, E. rubrum, A. flavus, A. niger and P. corylophilum commonly causing deterioration of bakery products.”

Eine andere Studie vergibt dann eine Rangfolge [13]:

“The order of the fungicidal activity of 11 essential oils was: oregano, thyme (thymol), cinnamon (bark), lemongrass, clove, palmarose, peppermint, lavender, geranium Bourbon, tea tree, thyme geraniol oils.”

… was jedoch nicht heißen muss das andere das gleiche folgern. Je nach Umgebung, Nährboden und Bewertungskriterien kann es auch anders aussehen [14]:

“The minimum inhibitory doses (MIDs) of essential oils by vapour contact to inhibit the growth of Trichophyton mentagrophytes and Trichophyton rubrum on agar medium were determined using airtight boxes. Among seven essential oils examined, cinnamon bark oil showed the least MID, followed by lemongrass, thyme and perilla oils. Lavender and tea tree oils showed moderate MID, and citron oil showed the highest MID, being 320 times higher than that of cinnamon bark oil.”

Wer mag kann auch noch in einer anderen Studie [15] über Rosmarin, Oregano, Knoblauch, Ingwer, Zimt, Basilikum, Fenchel, Kümmel, Koriander, Schwarzer Pfeffer einiges lesen – wobei dort T. Rubrum explizit nur im Zusammenhang mit Rosmarin und Zimt erwähnt wird. Das dann erst einmal zur groben Übersicht… nachfolgend noch mehr zu den einzelnen Ölen.

Teebaum-Öl

Dieses Öl wird sehr oft in Verbindung mit Fußpilz erwähnt und in Produkten verwendet. Zwar kommt es in den Meta-Studien nicht so gut weg, es scheint jedoch gegen recht viele Pilze & Co. zu wirken:

Tea tree oil (Melaleuca alternifolia) was effective against many fungal pathogens such as Alternaria spp., A. flavus, A. fumigates, A. niger, Blastoschizomyces capitatus, C. albicans, C. glabrata, C. parapsilosis, C. tropicalis, Cladosporium spp., Cryptococcus neoformans, E. floccosum, Fusarium spp., Malassezia furfur, Malassezia sympodialis, Microsporum canis, M. gypseum, Penicillium spp., Rhodotorula rubra, S. cerevisiae, T. mentagrophytes, T. rubrum, T. tonsurans, and Trichosporon sp.” [16]

Soweit so gut. Teebaumöl ist dabei auch oft unverdünnt noch halbwegs hautverträglich – wobei ich es mittelfristig verdünnen würde um keine allergischen Reaktionen zu produzieren.

Rosmarin-Öl

Hier fand ich eine Studie spannend, die Rosmarin in Bezug auf Rubrum & Co. eine bessere Wirkung als Bifonazol bescheinigt hatte:

Compared with bifonazole, rosemary EO showed better antifungal activities especially against C. albicans, Trichophyton tonsurans (T. tonsurans), and Trichophyton rubrum at lower MICs (15.0–30.2 μL). Rosemary EO also expressed important antibacterial activities on E. coli, S. typhimurium, S. enteritidis, and Shigella sonei.” [15]

was dann auch anderweitig (zumindest grundsätzlich) bestätigt wird:

“Papajani et al. [] have reported the antifungal activity of rosemary essential oil against dermatophytes such as A. cajetani, E. floccosum, M. gypseum, M. canis, T. violaceum, T. mentagrophytes, T. rubrum, and T. tonsurans and phytopathogens such as Botrytis cinerea and Pleomorphomonas oryzae.” [16]

Schon komisch das die Meta-Studien Rosmarin nicht in Zusammenhang mit Rubrum & Co. erwähnen bzw. gar nicht in den Listen aufführen…

Oregano-Öl

Zu Oregano-Öl habe ich einiges im Internet gefunden – insb. auf populären Webseiten in Bezug auf Nagelpilz & Co. [25, 26] und auch eine Erwähnung in einer Studie:

“The oil of Origanum vulgare was efficient at inhibiting C. albicans, Aspergillus niger, Microsporum gypseum, Microsporum canis, Arthroderma cajetani, Trichophyton violaceum, Trichophyton mentagrophytes, Epidermophyton floccosum, T. rubrum, and Trichophyton tonsurans [, ].” [16]

Doctors Health Press schreibt dann zur Anwendung, das Oregano-Öl unbedingt verdünnt werden müsse – da sonst starke Hautreaktionen drohen [25]. Optimal eignet sich nach dem Artikel wohl Olivenöl als Träger -> 1TL Olivenöl auf 2-4 Tropfen Oregan-Öl. Aus dem Artikel:

Oregano oil is powerful enough that it should not be applied directly to the skin. It can cause skin irritation, redness, and burning, as well as other bad reactions. You should never apply pure oregano oil to your skin. To use oregano oil safely, it needs to be diluted with a carrier oil.”

Superfoofly ergäntz in einem anderen Artikel noch, das Oregano-Öl [26] sehr effektiv in Fußbädern sein soll – 20 Minuten bei ca. 42 Grad tötete 99,9% aller Trichophyton mentagrophytes Pilze ab (Anm.: In der Studie wurden keine echten menschlichen Füße verwendet).

Zimt-Öl

Auch Zimt-Öl scheint effektiv gegen Rubrum & Co. zu sein – es kam schon bei den Metastudien bzw. Vergleichen recht gut weg. Hier noch einmal ein Nachschlag:

Cinnamaldehyde showed the most promising antifungal activity and killing potency against Aspergillus fumigatus MTCC2550 and Trichophyton rubrum IOA-9. ” [17]

Zimt riecht auf jeden Fall lecker 😉

Nelken-Öl

Zu Nelken-Öl habe ich dann noch einmal mehr ausgraben können.

“Our results showed that the volatile vapour of clove essential oil was strongly active to all of the fungi tested except C. albicans. Spore germinations of T. mentagrophytes and T. rubrum were completely inhibited by the volatile vapour of clove essential oil (Fig. 1). The volatile vapour of clove essential oil also strongly inhibited the mycelial growth of E. floccusom and M. audiouinii (Fig. 2).”[18]

sowie:

“Rana et al. determined the antifungic activity of clove oil in different strains and reported this scale of sensibility Mucor sp.>Microsporum gypseum>Fusarium monoliforme NCIM 1100>Trichophytum rubrum>Aspergillus sp.>Fusarium oxysporum MTCC 284[22].” [19]

und:

“The activities of clove oil against different dermatophytes as Microsporum canis (KCTC 6591), Trichophyton mentagrophytes (KCTC 6077), Trichophyton rubrum (KCCM 60443), Epidermophyton floccosum (KCCM 11667) and Microsporum gypseum were tested and results indicate a maximum activity at concentration of 0.2 mg/mL with an effectiveness of up to 60%[24].” [19]

wobei die Effektivität wohl nicht perfekt ist….

Basilikum-Öl (Linalnool Type)

Bei Basiliku-Öl muss man wohl unterscheiden: Das normale Basilikum (Chemotyp Linalool) ist das ‘europäische’ Basilikum – es enthält 40-55% Linalool (Lavendelalkohol) und nur 3-31% Methylchavicol oder Estragol.

Dazu habe ich dann noch eine Studie gefunden:

“Based on these results, we conclude that linalool presents as an antifungal agent with anti-Trichophyton rubrum potential, an important dermatophytosis agent.” [20]

… was immer das auch konkret in der Praxis bedeuten mag.

Zitronengras-Öl

Zitronengras hatte ja schon bei den Vergleichen gut abgeschnitten, was auch gleich noch mal bestätigt wird:

Lemon grass oil is active against such dermatophytes such as Trichophyton mentagrophytes, T. rubrum, Epidermophyton floccosum and Microsporum gypseum,[] and is among the most active agents against human dermatophytes.” [21]

sowie auch hier:

“Lemon grass essential oil (LGEO) RESULTS of the present study indicate that LGEO has a noteworthy potential for the development of drugs for the treatment of fungal infections and skin inflammation that should be explored in future studies.” [22]

Insgesamt soll Zitronengras-Öl sehr effektiv gegen T. Rubrum & Co. sein – das stimmt hoffnungsvoll.

Mhyrre-Öl (Extrakt)

Mhyrre hat den Vorteil das es wohl recht hautfreundlich ist, nicht verdünnt werden muss und eine lange Historie in der Verwendung hat. Health Press schreibt:

“Myrrh has a long history for treating and preventing infections. Adding a few drops of myrrh oil to a clean towel before applying to the skin can help treat minor skin infections like ringworm, athlete’s foot, and acne.” [23]

Superfoodly ergänzt in einem Artikel über 25 nützliche Eigenschaften von Mhyrre in Bezug auf Fußpilz & Co.:

Myrrh oil made from the Commiphora molmol species was tested in the lab against the following skin infections (20): Trichophyton rubrum, T. mentagrophytes, Microsporum canis, M. gypseum, T. verrucosum” [24]

So sollen ölige auch auch alkoholische Auszüge gegen T. Rubrum & Co. wirken.

Und was ist mit den anderen Mittelchen?

Nach dem ich zu den Ölen einiges gefunden hatte – was wirklich gut aussieht – hat mich interessiert was an den anderen und oft empfohlenen Hausmittelchen so dran ist. Nachfolgend nur die Ergebnisse einer wirklich kurzen Suche – weil ich nicht mehr viel Zeit damit vertun mag halbgare Lösungen zu recherchieren, bei denen sich dann erst nach einem halben Jahr herausstellt das sie nicht wirken bzw. neue Problem erzeugen.

Propolis

Eine Studie die chemische Mittel (u.a. Terbinafine, Fluconazole, etc.) mit Propolis in Bezug auf T. Rubrum & Co. verglichen hatte folgerte:

“Propolis showed important antifungal activity and it merits further investigation as a potentially useful agent for the treatment of dermatophytosis.” [31]

Das liesst sich schon mal gut. Eine andere interessante Meta-Studie zu Propolis und seinen Anwendungen [32] erwähnt eine andere Studie [33] welche Propolis als sehr effizient gegenüber T. Rubrum identifizierte:

“Recently, Falcão et al. [] screened the antifungal activity of Portuguese propolis and its potential floral sources Populus x Canadensis and Cistus ladanifer against Candida albicans, Trichophyton rubrum, and Aspergillus fumigatus. Plant extracts did not exhibit relevant antifungal activity, with exception of T. rubrum, but both propolis samples revealed similar antifungal activity, the highest being obtained against T. rubrum and the lowest against A. fumigatus.” [32]

Das hört sich für mich schon mal sehr gut an. An einer Propolis-Tinktur ist also grundsätzlich etwas dran, wie auch von der Irchelpraxis empfohlen [8].

Lapacho-Tee & Sud sowie Pau d’ Arco (die Rinde) zum Einnehmen (Kapseln)

Zu Lapacho-Tee bzw. einem über Stunden gekochten Lapacho-Sud zur Behandlung von Fußpilz habe ich ein Video gefunden [11] und einiges positives gehört – wobei ich bei konkreten Studien in Bezug auf T. Rubrum eher nicht fündig geworden bin. Im Video wird zumindest empfohlen einen (konzentrierten) Sud aus Lapacho-Tee zu kochen (optimal über mehrere Stunden) und diesen dann für ein Fußbad bzw. eine Fußtinktur anzuwenden.

Ein Artikel bei Superfoodly [29] zeichnet denn auch ein eher ambivalentes Bild in Bezug auf Lapacho – wobei dort der Fokus auf Candida (und nicht bei Fußpilz) lag. Eine eigene Pubmed-Recherche hat jedoch auch nichts zu Lapacho in Verbindung mit T. Rubrum & Co. ergeben. Das beste was ich noch gefunden hatte war eine brasilianische Studie die die Wirkung verschiedener ‘Cerrado’-Pflanzen auf T. Rubrum & Co. untersuchte [30].

Was letztendlich davon zu halten ist – und ob es gegen T. Rubrum & Co. hilft? Keine Ahnung… Ggf. sind die flüssigen Extrakte und alkoholisch-wässrigen Auszüge besser (u.a. für die externe Applikation).

Salz und Natron (Fußbäder)

Natron (Bicarbonate of Soda) soll teils antibakteriell wirken – in Bezug auf Pilze und T. Rubrum habe ich jedoch bei einer kurzen Suche nichts gefunden. Salz (Natrium-Chlorid) soll bei Fußbädern zusammen mit warmen Wasser helfen Pilze (u.a. T. Rubrum) noch besser abzutöten [13]. Aus der Studie:

“MFCs (Anm.: minimum fungicidal concentration) were further reduced to 1/2 – 1/8 by the addition of 10% sodium chloride. The salt effect was explained, at least partly, by an increase in mycelial adsorption of antifungal constituents in the presence of sodium chloride.” [13]

Ganz spannend fand ich jedoch, das gerade das warme Wasser (42 Grad) deutlich antifungaler wirkt als ein lauwarmes Wasser mit 27 Grad Celsius. Die Studie hierzu:

“The fungicidal activity of essential oils was markedly enhanced by treating at 42 degrees C for 20 min as compared with that at 27 degrees C, showing 1/4 – 1/32-fold reduction of minimum fungicidal concentration (MFC to kill 99.99%).” [13]

Das heißt: Salz verringert den Pilzbefall auf 1/2 oder 1/8 – das warme Wasser ist jedoch noch mal doppelt so effektiv. Zusammen mit den Ölen (hier insb. Oregano, Thymian (Thymol), Zimt (Rinde), Zitronengras sowie Nelken) ergibt sich wohl ein sehr effizientes Fußbad.

Wasserstoff-Peroxid (H2O2)

Meine Chemie-Kenntnisse in Verbindung mit Englisch sind hier ggf. etwas strapaziert, jedoch lese ich die Aussagen einer Studie so, das reines H2O2 (3%) gegen T. Rubrum nicht effektiv ist:

“Two dermatophyte strains, Trichophyton quinckeanum and Trichophyton rubrum, were highly susceptible to in vitro killing by components of the H2O2-peroxidase-halide system. Both strains were, however, resistant to relatively high concentrations of reagent H2O2 or H2O2 enzymatically generated by glucose and glucose oxidase, KI, or lactoperoxidase (LPO) alone.”

Insbesondere spricht die Studie ja auch von einer hohen Konzentration – und über 3% würde ich in Bezug auf ggf. allergische oder negative Wirkung einer H2O2-Lösung erst einmal nicht gehen wollen. Gegen einen Versuch mit einer 3%igen Lösung spricht für mich allerdingst erst einmal nicht viel [39].

Zwiebelgewächse

An diesem Hausmittelchen scheint etwas dran zu sein. Eine Studie welche die antifungalen Eigenschaften von Zwiebeln (Allium cepa L.) u.a. gegenüber T. Rubrum und T. Mentagrophytes testete kam zu folgendem Ergebnis:

“In correlation to the fungal growth, morphological alterations occurred to a less content for T. rubrum compared with T. mentagrophytes. The hyphae of T. rubrum were found to be mainly affected by converting to resistant forms, i.e., chlamidospores as a consequence of phenotype switching response to AOE (Anm.: aqueous onion extract) .” [35]

Hmmm… weniger effektiv gegen T. Rubrum, welcher dann in eine (resistente) Sporenform mutiert, welcher ggf. noch schwerer beizukommen ist? Nicht gerade das was ich im Sinn hatte.

Ghee

Von einer ausgebildeten Ayurveda-Ärztin wurde mir persönlich noch Ghee (geklärte Butter) zur lokalen Anwendung empfohlen. Ich bin dem jedoch nicht weiter nachgegangen. Ghee sollte jedoch auch als Trägeröl taugen.

Risiken bei den Hausmittelchen?

Wer denkt das alle Hausmittelchen und ‘natürlichen’ Substanzen nur gut sind und keine Nebenwirkungen haben – der liegt schon mal falsch – gerade die letzten Absätze sollten das klar gemacht haben. Aber auch bei den ätherischen Ölen ist die richtige Dosierung und ein Augenmaß wichtig. So schreibt Frau Galler [4]:

“Auch Hausmittel sollten mit Augenmaß und Vorsicht angewandt werden, um Risiken und Nebenwirkungen zu vermeiden. So können ätherische Öle und Apfelessig zu Brennen und Hautrötung führen, wenn sie pur auf die Haut aufgetragen werden. Fußbäder sollten nicht zu oft und zu lange gemacht werden, um ein Aufweichen der Haut und somit ein tieferes Eindringen der Pilzsporen zu vermeiden. Auch kann der physiologische Säureschutzmantel durch zu häufige basische Bäder gestört werden, so dass sich krankmachende Keime vermehren können.”

Natürlich gibt es dann auch das Risiko der ‘nicht Wirkung’ und der Verschleppung der Mykose. Ob denn Eichenrinden-, Lapacho-, EM-, Salz-, Essig- und Natron-Bäder & Co. überhaupt effektiv gegen die eigenen Pilze und Bakterien wirken ist ohne Klärung mit einem Arzt schwer zu sagen. Auch Zwiebel und Knoblauch mag den Bewuchs zwar hemmen – jedoch nicht stoppen bzw. die Resistenzbildung fördern [35]. So schreibt auch Naturheilkundler Gräber [6]:

“Tabletten sind zwar ein effektivste Mittel gegen Onychomykosen, haben aber auch die stärksten Nebenwirkungen. Da die Behandlung mindestens 6 Wochen dauert, müssen die Leberwerte kontrolliert werden.”

Nicht unbedingt eine leichte Entscheidung… zumindest wenn die Cremes und anderen äußeren Anwendungen scheitern sollten. Wer mehr zu den Pharma-Lösungen wissen möchte, der schaut ggf. bei diesem oder diesem Artikel [27, 28] in der pharmazeutischen Zeitung rein. Zumindest hat man da mal eine gute Grundlage für das Zwiegespräch mit dem Arzt sowie den Grenzen und den Vor- und Nachteile bei den einzelnen Behandlungsmöglichkeiten.

Eigene Erfahrungen in Bezug auf Fußpilz?

Mittels Behandlung der Fußnägel Lavendel- und Teebaumöl sowie Propolis-Tinktur & Fußbädern (mit Natron) konnte eine Onychomykose (Nagelpilz, Fuß, kompletter Nagel befallen) nicht rückgängig gemacht werden – wobei sich jedoch Verbesserungen zeigten. Was positiv wahrgenommen wurde war die Auswirkung bez. des einfetten der Füße und Nägel mit Kokosöl vor dem Besuch der Sauna und vor dem Schwimmen (Ziel: Hautschutz + Neuverkeimung reduzieren). Die (tägliche) Anwendung von Oliven- und Oregano-Öl (+ Myrre) konnte eine Tinea pedis (Mykose in den Zehenzwischenräumen) subjektiv wahrgenommen eindämmen und reduzieren (n=1, t=30 Tage). Wichtig hier sind auf jeden Fall die (weiter oben beschriebenen) begleitenden Maßnahmen.

Pharmakeule und Lebergesundheit

Zur Pharma-Keule habe ich eine sehr gespaltene Meinung, denn all diese Mittelchen belasten die Leber stark (u.a.  Terbinafin). Die Leber ist jedoch das zentrale Entgiftungsorgan, welches insb. bei Belastungen mit Schwermetallen bzw. einer Entgiftungsstörung (u.a. HPU/KPU [38]) schon kompromittiert ist. So setzten diese Tabletten nicht an der eigentlich Ursache an – sondern verschlimmern langfristig gesehen ggf. noch die zu grunde liegende Problematik. Dies ist für mich der Grund, warum die Erfahrungen in Bezug auf diese Mittel so unterschiedlich scheinen.

Vor der Einnahme der ‘Hammer’ -Tabletten (u.a.  Terbinafin) sollte also auf jeden Fall eine Untersuchung der Blut- und insb. der Leber- und Nierenwerte durch den behandelnden (Haut-) Arzt erfolgen. Der Ursache von erhöhten Leberwerten (-> auch noch deutlich unter den ‘Normwertgrenzen’) sollte vor einer Einnahme dieser Medikamente nachgegangen werden. Denn über die Leber wird das Medikament metabolisiert – und die Leber ist das Organ, das ca. 27% der Energie im Körper verbraucht und alles möglich ‘aufräumen’ muss. Es ist also sehr wichtig, das dort alles im Grünen ist – ist es das nicht, so kann dies zusätzlich negative Folgen haben.

Beachtenswerte Dinge um die Leber nicht unnötig zu belasten

Sind die Leberwerte eher Grenzwertig und liegt ein Fuß/Nagelpilz vor, dann passt das nach dem Schema der TCM gut zusammen. Leberprobleme könnten dann z.B. auf eine (schon mehrfach angesprochene) latente Schwermetall-Belastung hindeuten – welche z.B. mit Amalgam-Plomben und/oder einer KPU/HPU [38] zusammenhängen können. In jedem Falle sollten dann erst einmal alle zusätzlichen Belastungen der Leber vermieden werden:

  • Nicht zu viel Protein am Abend essen (Pulver, Fleisch, Hülsenfrüchte etc.)
  • kein fettreiches Essen am Abend,
  • gemäßigter Obstkonsum (-> Fruktose) und
  • kein Alkohol, insb. nicht am Abend.

Dies ist wichtig, da die Leber Nachts mit Entgiftungsprozessen beschäftigt ist und Protein-, Fett, Fruktose-Verwertung sowie Alkohol die Leber stark fordern. In wie weit jemand dann vorerst von einer (pharmazeutisch-) ‘systemischen’ Therapie absieht und erst einmal grundlegende Probleme mit Ernährung, Darm, (Schwermetall-) Belastungen und Mikronährstoffdefiziten angeht – das ist nicht Fokus dieses Artikels.

Mein Fazit?

Gemischt…. je nachdem was man ließt sind andere ätherische Öle besser oder schlechter – zumindest in der Petrischale oder auf irgendwelchen Trägermaterialen (u.a. Agar). Folgendes nehme ich für mich aus der Recherche in Bezug auf die Hausmittelchen mit:

  • Fußbäder mit Salz und Ölen scheinen hilfreich zu sein.
    • Wichtig: Die Wasser-Temperatur sollte jedoch >40 Grad sein (Ausnahme: Nicht bei EM)
  • Bei den Ölen scheinen Oregano, Thymian (Thymol), Zimt (Rinde), Zitronengras, Nelken, Rosmarin, Lavendel und Teebaum die sinnvollsten zu sein (ohne eine Reihenfolge vorzugeben).
    • Achtung: Bei der Anwendung sind diese ggf. mit einem Trägeröl (z.B. Olive) zu verdünnen.
  • Propolis-Tinktur (in alkoholisch wässriger Lösung) und Mhyrre können wohl auch hilfreich sein
    • … und sind wohl auch hautfreundlicher als einige der ätherischen Öle.
  • Wasserstoff-Peroxid (H2O2) ist wohl auch einen Versuch wert – extern appliziert gilt es als sehr sicher
    • Anm.: Gegen Insektenstiche hilft es bei mir Wunderbar (-> Codan-Stift)

Prävention und Vorsorge

Ganz wichtig scheint jedoch auch das drumherhum, welches ich aus vielen der referenzierten und verlinkten Artikel mitgenommen habe. Als wichtigste drei Punkte zur Eindämmung von bestehenden und zur Prävention gegenüber (neuen) Infektionen nehme ich für mich jedoch einige begleitende Maßnahmen mit:

  • Kalte & schwitzige Füße vermeiden
    • Bewegung, Durchblutung anregen, etc. pp.
    • Füße & Zehennägel trocken föhnen.
    • Tip: Sandalen – ggf. auch im Herbst und Frühjahr
      • mit entsprechenden Socken, so das die Füße nicht schwitzen oder frieren.
  • Socken täglich wechseln
  • Rissige & sehr trockene Haut & Co. ebenfalls vermeiden
    • Mit einem Öl oder z.B. einer Fettcreme (meinst nicht Antifungal) oder einer
    • Olivenöl-Korianderöl Mischung (leicht antifungal) bzw.
    • Kokosöl einreiben bzw. eincremen.

Falls Sie einen Fuß- oder Nagelpilz haben dann hoffe ich, das dieser Artikel Ihnen zumindest einige Ideen für eine begleitende Behandlung geliefert hat.


Quellen