B-Vitamine, Schlaf & das Mikrobiom – Warum hohe Dosierungen & Multivitamin-Präparate ggf. keine gute Idee sind

Das folgende Video fand ich sehr spannend, weil die Ärztin (Dr. Stasha Gominak) darauf aufmerksam macht, das nach Ihren Erfahrungen nach die B-Vitamine

  • eine sehr unterschiedliche Rolle spielen,
  • individuell (sowie dosisbasiert) das ggf. Mikrobiom (Magen- & Darmbaktrien) beeinflussen,
  • zum Teil (wie auch Vitamin D) gespeichert werden können,
  • zum Teil endogen über Darmbakterien gebildet werden,
  • wobei exogene Gaben (insb. hoch dosierte B-Präparate) nach hinten los gehen können.

Meint: Was 3 Monate funktionieren mag, tut es irgendwann nicht mehr, etc. pp. Dr. Gominak berichtet über sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Ihren Patienten in Bezug auf B’s – jeweils in verschiedenen Phasen und Kontexten und im Zusammenhang mit Vitamin D, (Tief-) Schlaf, Energie  & Co. Hier jedoch erst einmal das Video [2]:

Vitamin D, Deep sleep & Gut Bacteria w/ Dr. Stasha Gominak

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Mich haben die Aussagen in dem Video in Bezug auf Multi-Vitaminpräparate (welche ich nicht nutze) interessiert. So war ich bisher auf dem Stand, das die B’s schlecht überdosiert werden können und eher unproblematisch sein (genau wie Dr. Gominak es dachte). Dem scheint jedoch nicht so – und mal wieder scheint das ganze System komplexer als oft dargestellt. So zumindest der Stand der Erfahrungen & Thesen von Frau Gominak.

Was nehme ich aus dem Video mit?

Die Erfahrungen die in Bezug auf Vitamin B12 bestehen (hohe Dosen die wohl gut vertragen werden) können wohl nicht einfach (für jeden) auf die anderen B-Vitamine übertragen werden. Die einzelnen B-Vitamine verhalten sich wohl sehr unterschiedlich, also in Bezug auf die Dosis, Interaktionen im Körper und auch in Bezug auf die Magen- und Darm Bakterien (-> Mikrobiom).

Eine generelle Hochdosierung von B’s nach dem Motto ‘viel hilft viel – und der Körper nimmt sich schon was er braucht’ ist im auch im Kontext der B-Vitamine nach den Erfahrungen von Frau Dr. Gominak nicht angesagt. Dem gegenüber stehen jedoch teils hoch-dosierte Multivitaminpräparate mit hohen Dosen für die B’s. Zwar können hoch dosierte einzelne B’s therapeutisch eingesetzt nach Dr. Gominak klar helfen – Sie sollten dann jedoch immer einzeln und im jeweiligen Kontext verabreicht werden. So können dann über die Zeit auch Dosen individuell angepasst werden, also wenn z.B. der Magen bzw. Darm wieder so weit in Ordnung ist bzw. Speicher aufgefüllt sind.

Sehr interessant: Bei vielen Ihrer Patienten traten 2-3 Jahre nach dem Aufstocken den Vitamin-D Depots wieder Probleme auf, die sich mit Gaben von B-Vitaminen beheben ließen. Frau Dr. Gominak stellt die These auf, das durch den normalisierten Status an Vitamin D die dadurch ausgelösten Reparatur-Prozesse im Körper nun vermehrt B’s benötigen. Nach 2-3 Jahren kann es dann sein, das die ‘Speicher’ an bestimmten B’s geleert sind – was dann neue Probleme auslöst, u.a. wenn unterliegende Probleme bei der Ernährung oder mit dem Mikrobiom (noch) nicht ausgeräumt sind.

Vitamin B5 Pantothensäure – Acetylcholin, Cortisol, CFS & Co.

Bei Minute 59:20 geht Frau Gominak noch einmal auf einen Mangel von B5 ein – der viele Schmerzen auslösen könne. B5 ist nicht nur für die Bildung von Acetyl-Cholin wichtig, was u.a. für den Tiefschlaf sehr wichtig ist – sondern es ist auch für die Cortisol-Synthese relevant. Warum? Cortisol wirkt stark entzündungshemmend und dämpfend auf das körpereigene Immunsystem. Das ganze kann dann wieder im Zusammenhang mit Stress, CFS und dem Nervensystem wirken [1].

Am Ende stellt Frau Gominak die These auf, das die Form von B5 die wir wirklich nutzen können nur endogen (vom Mikrobiom im Magen- und Darm) gebildet wird – nicht jedoch direkt aus den Lebensmitteln kommt. Bei B6 ist das ja ähnlich – in Der Nahrung liegt die passive Form vor, welche im Körper noch in die aktive Form (P5P) gewandelt werden muss. Hmmm….

Tip: In meinem 3ZU Artikel steht noch was über die Darmbakterien.

(Rem-) Schlaf, Schlafapnoe, Verhaltensstörungen (Kinder) & Co.

Dies ist ein Schwerpunkt im ersten Teil des Interviews – also was ein Mangel an Vitamin D, B-Vitaminen und ein nicht funktionierender Darm alles auslösen kann. Insbesondere wenn kein Tiefschlaf möglich ist, dann sind z.B. die Auswirkungen bei schwangeren Frauen auf das sich entwickelnde Gehirn von Kindern nach Frau Gominak recht dramatisch.

Da dies aktuell nicht ‘meine Themen’ sind – bitte ich den interessierten Leser das Interview in diesen Aspekten selber anzuschauen.

Bestimmte B-Vitamine ‘können nach hinten los gehen’…

… wenn alles (wieder) gut ist. Um Min 1:06:10 sagt Frau Gominak, das wenn alles gut funktioniert hohe Gaben an B-Vitaminen sogar Probleme auslösen können (Arthrose-Schmerzen, etc.). Insofern muss Sie sogar Ihre Patienten überzeugen, das diese bestimmte B-Vitamine nach der Genesung absetzten müss(t)en.

Tip: Weiter unten in diesem Beitrag dann noch einige Gedanken von mir dazu…

PPP & Deuterium…

Am Ende (ab ca. min. 1:14:15) kommt Sie auf das Thema Pentosephosphatweg (PPP -> 6C, 4C) und Deuterium zu sprechen. Das hört sich für mich alles sehr nach Dr. Jack Kruse an, wobei ich mich schon in der Buckritik zu Anja Leitz in Bezug auf den PPP geäußert hatte. Bei der Erklärung zu Deuterium greift Sie auch die Theorien von Kruse und Boras auf. Damit meine ich nicht das Deuterium die ATPase in den Mitochondrien stört, sondern das eine ketogene Ernährung hier unter dem Strich langfristige Vorteile verspräche (was ich ganz klar nicht so sehe!).

Sie schränkt jedoch ein, und das halte ich Ihr zu gute, das Sie sich gerade in das Thema einarbeitet. Zudem sagt Sie bei ca. 1:18:50 das Sie versucht für 12 Stunden ‘Ketogen’ zu sein. Das ist jedoch keine ketogene Ernährung (nach 12h sind die Glykogenspeicher noch nicht leer), sondern wird neumodisch ‘intermittierendes Fasten’ genannt. Dies ist letztendlich nur ein geschicktes Spiel mit dem Fett- und KH-Stoffwechsel (u.a. AMPK & mTOR) – also metabolische Flexibilität. Dazu steht dann einiges im Buch von Chris Michalk (‘Das Handbuch für Ihren Körper’) , was ich auch schon hier im Blog besprochen hatte. Ich denke hier muss Frau Gominak noch Ihre Hausaufgaben machen.

Grundsätzlich sind jedoch 12h Pause zwischen dem letzten und ersten Essen (also auch kein Kaffee, Saft, Snack & Co.) etwas eher normales, entlasten die Verdauung und insb. die Leber – und fördern damit die Gesundheit, weil die Leber dann in der Nacht besser Ihrer Entgiftungsfunktion nachkommen kann.

Mein Fazit

Grundsätzlich mag ich Dr. Gominaks Ausdrucksweise, weil Sie in der Regel sehr differenziert und vorsichtig argumentiert. Am Ende des Videos sagt Sie dann, das Sie selber noch Probleme mit Ihrem Schlaf und dem ‘Restles leg’ Syndrom hat – was für mich Ihr Interesse an den Themen erklärt.

Blinder Fleck?: Schwermetallbelastungen & Stoffwechselstörungen (ala HPU/KPU)?

Einiges was Dr. Gominak beschreibt (u.a. Arthrose-Schmerzen nach B-Gabe) regt bei mir die Frage an, ob bei Ihr nicht ggf. eine Schwermetallbelastung besteht. So gibt es verschiedene vererbte bzw. erworbene Stoffwechselstörungen wie z.B. die Hämopyrrollaktamurie (HPU) bzw. die KPU, welche die Probleme einer Schwermetallbelastung potenzieren können. Bei der HPU liegt eine Störung der Häm-Synthese vor, was zu einer verkehrten Ausscheidung von aktivem B6 (P5P), Zink und Mangan führt. Symptome sind dann Energiemangel, Entgiftungsstörungen, etc. – weil B6 auch für die Synthese von Q10, Taurin, etc. sowie für die Schilddrüse benötigt wird.

Das Problem: Menschen die eine (unbehandelte) HPU haben entgiften wohl eher schlecht. Werden dann schlagartig durch Supplemente, insb. hohe Gaben an B6-P5P,  die Defizite beseitigt – dann funktioniert die Entgiftung (und andere) wieder schlagartig besser. Das hört sich erst einmal gut an – kann jedoch bei einer bestehenden und über die Jahre akkumulierten Schwermetallmelastung nach hinten los gehen – wenn diese Schwermetalle nicht im Darm durch ein entsprechendes Mittel (Chelatbildner) gebunden werden.

Ohne effektive Bindung und Ausleitung kann es nun zu einer Re-Vergiftung kommen. Das bedeutet, das Schadstoffe aus dem Fett- und Bindegewebe in Organe und ggf. das Gehirn (um-) verteilt werden können. Das würde meiner Ansicht nach ebenfalls die Probleme eines Teils von Dr. Gominaks Patienten erklären können. Das Thema HPU zeigt jedoch auch auf, das selbst einfache (bzw. höher dosierte) B-Vitamine neben der Beseitigung von Mangelsymptomen auch unerwünschte Folgen haben können, wenn diese ‘einfach so’ eingenommen werden. Denn dann ist überhaupt nicht klar, aufgrund welcher Supplementation (meint: Welches B-Vitamin bzw. welcher Stoff im Multivitamin) nun die Symptome ausgelöst wurden und wie damit effektiv umgegangen werden sollte.

Blinder Fleck?: Kunstlicht & EMF

Was Frau Gominak (auch) nicht erwähnt: Die Auswirkung von Kunstlicht und EMF auf den Schlaf, unser Hormon- und Nervensystem sowie die zirkadianen Rhythmen insgesamt. Dies und Dinge wie eine HPU/KPU erklären für mich jedoch zum Teil diese teils voll unterschiedlichen Erfahrungen in Bezug auf Ihre Patienten.

Das alles reduziert jedoch nicht die interessanten Erfahrungen aus der Praxis in Bezug auf Vitamin D (gut) und den B’s (differenziert), welche Sie in dem Video teilt.

Abschluss

Mal wieder bestätigt sich für mich, das alles Multikausal ist und einfache Erklärungen oft zu einfach sind. Am Ende bleibt für mich mal wieder über, das dass was ich derzeit mache wohl ein recht guter Entwurf zu sein scheint. Damit vermeide ich krasse Fehltritte, schaffe (aus meiner Sicht) eine gute Basis und kann, wenn ich Dinge besser verstehe, gezielt supplementieren – in der Hoffnung so ungewünschte Seiteneffekte zu vermeiden und den Nutzen zu optimieren.

 


Quellen / Links