Anaerobe Glykolyse: Von Krebs, Fatigue, Laktat & Übersäuerung, Adrenalin & NAD+ Mangel, Vitamin B3, L-Carnitin, Keto & Co.

Ohne Sauerstoff (Anaerobe Glykolyse) wird Pyruvat zu Laktat und dann Ethanol fermentiert. Dabei wird NADH zu NAD+ oxidiert, wobei sich der Vorrat an NAD+ in der Zelle aber erschöpfen kann. Kurzzeitig (u.a. Muskeln) ist das ‚voll o.k.‘. chronisch (u.a. Tumor-Gewebe) ist dies jedoch problematisch.
Im Interview über Chemo, Krebs & Co. mit Lothar Hirneise hatte dieser auch das Thema anaerobe Glykolyse erwähnt – das ist wohl genau die Eigenschaft, die wohl alle Tumorzellen teilen. Warum? Genau!
Oft wird von ‚Zucker-Stoffwechsel‘ gesprochen – auch von Fachleuten – was natürlich biochemischer ‚Quark‘ ist. Es geht hier um die biochemische Verwertung von Glukose als primären Energielieferant im Körper mittels der Glykolyse. Die anaerobe Glykolyse (also ohne Sauerstoff) endet im Vergleich zur aeroben Glykolyse (mit Sauerstoff) in der Produktion von Lactat und Ethanol. Einige kennen das ggf. aus der Thematik der ‚Übersäuerung‘ von Muskeln (-> Lactatbildung) bei starker Anstrengung.
Der grundsätzliche Mechanismus ist schon cool: Die Zellen können (extrem schnell) Energie ohne Sauerstoff produzieren – z.B. wenn das Blut mit der Versorgung mal nicht nachkommt u.a. bei Höchstleistungen & Belastungen. Zwar ist das ganze recht ineffizient – nur 2 (mol) ATP aus einem mol Glukose, anstatt 32 (mol) ATP bei der aeroben Glykolyse mit ‚Verheizung‘ des Pyruvat (über Acetyl-CoA) im Citrat-Zyklus – aber immerhin – denn mit Fettsäuren geht das alles nicht!
Das Problem ist aus meiner Sicht aber, wenn die anaerobe Glykolyse pathologisch wird – also durch fehlende Sauerstoffversorgung der Zellen bzw. andere Mechanismen (ggf. fehlendes Adrenalin, Zell-Gifte, etc.). Dann fehlt die Energie (in Form von genug ATP) für eine entsprechende Zell-Differenzierung. Anscheinend ist dies genau bei Krebszellen der Fall. Leider fokussiert sich die ‚Krebs-Forschung‘ genau auf diesen Aspekt wohl nicht, welcher vor fast 100 Jahren von Otto Warburg schon theoretisiert wurde [6].
Wichtig: Wer jetzt meint komplett auf Kohlenhydrate zu verzichten und auf die ß-Oxidation zu setzten (-> Fettverbrennung, Keto), dem muss ich sagen: So einfach ist das alles nicht. Letztendlich muss die Ursache angegangen werden und nicht irgend eine Ebene der Folge-Symptomatiken. Die anaerobe Glykolyse selber ist eine geniale Sache und warum diese nun faktisch immer bei Krebszellen vorkommt, ist eine andere.

Über Einsatz von NAD+ wird Pyruvat to AcetylCoA gewandelt. Im Citrat-Zyklus (ETC) wird dann AcetylCoA ‚verheizt‘ und NADH zu NAD+ regeneriert (reduziert), wenn dies seine Elektronen (bzw. ‚Hydrogen‘) auf ein O2 in der ETC überträgt. Hier wird Glucose sehr effizient zu ATP verstoffwechselt.
Puhhh… werden sich jetzt einige Leser Fragen – und auch wo ich in diesem Artikel ‚hin möchte‘. Das ist gar nicht so einfach – weil ich in diesem Artikel einige Gedanken entwickeln möchte die über das Lesen von verschiedenen Büchern, Artikeln und auch dem Interview von Hirneise zusammen gekommen sind. Insofern hier mal die Liste meiner ‚Gedanken‘:
- Einiges zur aeroben und anaeroben Glykolyse.
- Kurz etwas zur NAD+ ‚Erschöpfung‘, Vitamin B3, L-Carnitin, D-Ribose und Low-Carb
- Von zu niedrigem Adrenalin, Insulin & Glukose & erschöpften Nebennieren
- Körperliche Erschöpfung, Chronic Fatige (CFS), etc. lassen grüßen…
- Was zu Krebs, Warburg – und den potentiellen wirklichen Grundlagen von Krebs.
- Vitamin B1 und die Pyruvatdehydrogenase
- Noch was zu Low-Carb, Keto & Co. bei CFS, Krebs, etc.
- Und warum das aus meiner Sicht keine (langzeit-) Lösung ist & der Körper Glukose braucht!
Ggf. ist vieles hier für einige ‚ein alter Hut‘, andere würden noch dies und das ergänzen und die nächsten finden sicher noch das ein ein oder anderen Missverständnis, aber ich kann mich nicht mit Fachexperten für jegliches Thema messen – und will das auch gar nicht. Mit geht es immer über den großen Überblick – den aus meiner Sicht wohl viele Experten verloren haben.
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Die aerobe und anaerobe Glykolyse

Bei der Glykolyse wird unter Gewinnung von 2 ATP und Einsatz von NAD+ Glucose in Pyruvat gewandelt (Anm.: Vereinfachte Darstellung)
Die Glykolyse ist der zentrale Prozess um Einfachzucker (Glukose) nach Pyruvat zu wandeln und dabei Energie (-> ATP) zu erzeugen. Das ganze passiert über viele Schritte – wie nebenstehend abgebildet. Zur Aktivierung der Reaktion werden u.a. 2 * ATP benötigt. Der Prozess im gestrichelten Kasten läuft dann fast identisch parallel (2 mal gleichzeitig) ab. Er verbraucht 2 * NAD+ (zu NADH) und erzeugt 4 * ATP. bis am Ende das PEP über die Pyruvatkinase in Pyruvat gewandelt wird.
Natürlich wird bei dieser Reaktion auch noch anderes Verbraucht und erzeugt – aber das ist für diesen Beitrag nicht relevant. Das Pyruvat wird dann, je nach dem [5]:
- Anaerob in Lactat & Ethanol gewandelt werden (siehe auch das Bild am Start des Artikels):
- Bei der Bildung von Ethanol (alkoholische Gärung) oder Lactat (über die Milchsäuregärung) wird das NADH zu NAD+ (über die Lactat Dehydrogenase) oxidiert.
- Das NAD+ ist dann der Stoff mit dem die Glykolyse in die nächste Runde gehen kann.
- Und das ganze Laktat muss auch noch irgendwie weg…
- Aerob im Citrat-Zyklus ‚verheitzt‘ werden:
- Unter Einsatz von u.a. NAD+ wird Pyruvat in AcetylCoA gewandelt.
- Das AcetylCoA wird dann im Citrat-Zyklus ‚verheizt‘ und generiert ordentlich ATP.
- Das NADH wird dabei zu NAD+ oxidiert, wenn dies seine Elektronen auf ein O2 in der Elektronen-Transport Kette (ETC) des Citrat-Zyklus überträgt.
- Das NAD+ ist dann der Stoff mit dem die Glykolyse in die nächste Runde gehen kann.
Wenn die anaerobe Glykolyse kein Dauerzustand ist bzw. die Zellen noch halbwegs Ihr Lactat los werden ist alles o.k. das passiert oft (z.B. Muskeln) und ist sicher nicht ohne Grund evolutionär erhalten geblieben. Die Leber kann dann (wenn genug Sauerstoff da ist) das Lactat wieder zu Pyruvat oxidieren, was dann über die Glukogenese wieder zu Glukose wird (siehe auch Cori-Zyklus) [1].
In jedem Fall aber ist der NAD+ Vorrat in der Zelle einer der begrenzenden Faktoren für die Glykolyse, da NAD+ und NADH die Zellwand wohl nicht durchdringen können. Insofern ist die Zelle alternativ auf genügende Versorgung mit Vorläufern oder intermediaten von NAD+ angewiesen, wie z.B. Niacin (NA), Nicotinamid (NAM) aber auch ‚teurere Formen‘ wie Nicotinamid Ribosid (NR), Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) oder NA-Mononukleotid (NAMN) [2]. Das ganze nennt man auch Vitamin B3.
Kurz etwas zur NAD+ ‚Erschöpfung‘, Vitamin B3, L-Carnitin, D-Ribose und Low-Carb
Oft habe ich schon über Vitamin B3 – hier insbesondere Niacin und Nicotinamid im Kontext der Behandlung von CFS gelesen. Dr. Mercola hält Niacin bzw. Nicotinamid für eines der wichtigsten Supplemente – gerade weil es ein wichtiger Co-Faktor von NAD+ ist. Mercola weist aber auch darauf hin, das es meist ‚an sich‘ keinen Mangel an Vitamin B3 gibt – jedoch einen an NAD+. [3] An NAD+ Mangelt es dann aus zwei Gründen: Verbrauch zu hoch, endogene Produktion zu niedrig.
Was ich (damals) als kurios empfand war:
- Warum Profitieren ggf. gerade Menschen mit Erschöpfung, CFS & Co. von B3 in Form von Niacin, Nicotinamid, etc.?
- Warum empfehlen (zumindest einige) Ärzte / Therapeuten dann auch gleichzeitig eine eher an Fett lastige (Low-Carb) Ernährung?
- Warum oft auch noch L-Carnitin, Q10, D-Ribose & Co.?
Das mit B3 sollte sicher klar sein -> Vorläufer von NAD+, der als Co-Faktor dann auch in die Zellen kommt und dort dann für NAD+ sorgt – zumindest habe ich es so ‚grob‘ verstanden [2][3][4]. Wann fehlt NAD+ besonders? Wohl wenn eine Zelle die anaerobe Glykolyse über längere Zeit macht… ggf. Ihr Laktat auch nicht mehr richtig los wird.
Adenylat-Kinease
Aus dem Mitochondrien-Buch von Know weiß ich dann noch, das wenn die oxidative Phosphorylierung (-> das ‚verheizen‘ von Pyruvat über Acetyl-CoA im Citrat-Zyklus) ’nicht nachkommt‘ (z.B. zu wenig Sauerstoff da) die ATP Konzentration in der Zelle sinkt und die von ADP steigt. Um das Gleichgewicht (ATP/ADP) herzustellen kombiniert die Zelle 2*ADP zu 1*ATP + 1*AMP (-> Adenylat-Kinease). das erschöpft aber mit der Zeit die ADP-Vorräte.
Was braucht die Zelle nun um wieder genug ADP zu bilden? U.a. D-Ribose…. und wann sinkt noch mal die ATP-Konzentration in der Zelle? Ja, wenn diese im Modus der anaeroben Glykolyse ist… und dann viel ADP ‚verheizt‘.
Was macht L-Carnitin? Das sorgt u.a. dafür, das die Fettsäuren besser über die Zell-Membran kommen. Gekoppelt mit viel Fett in der Ernährung (-> ‚Low-Carb‘) ist dann die Idee das die Energieerzeugung (-> ATP) besser über die Beta-Oxidation (Fettverwertung) läuft, als über die Nutzung von Kohlenhydraten. Aber auch die Beta-Oxidation braucht Sauerstoff… – funktioniert also nur in entsprechend versorgten Zellen. Noch mehr zu Low-Carb und einigen Fehlschlüssen gegen Ende des Artikels…
Wenn ich mir so meinen Teil zusammen reime könnten die Menschen mit CFS & Co. also irgend ein Problem mit der Sauerstoff-Versorgung der Zellen bzw. dem Glukose bzw. Kohlenhydrat Metabolismus haben…. aber warum?
Von zu niedrigem NAD+, Adrenalin, Insulin & Glukose & erschöpften Nebennieren
Im Gespräch mit Hirneise bei Ken.FM sagt dieser etwas ganz, ganz wichtiges – was ich Thematisch auch in meiner Hormon-System Beitrags-Serie beschrieben habe. ich gebe es mal in meinen Worten wieder:
- Hohes Insulin befördert Glukose in die Zellen
- Durch das oft (chronisch) niedrige Adrenalin gibt es jedoch kein Kick (-> Signal) die Glukose auch zu ATP zu wandeln.
- Und Krebs-Kranke haben wohl sehr of (nach Hirneise) sehr wenig Adrenalin!
- Hirneise vermutet, das die Zelle dann die anaerobe Glykolyse nutzt um die Glukose möglichst ‚ineffizient‘ und damit ‚besser‘ zu entsorgen… das macht aber:
- viel Lactat! -> Übersäuerung
- viel Ethanol!
- viel NAD+ Verbrauch!
Zwar kann der Körper mit Lactat und Ethanol umgehen – mit letzterem nur über die Zink bzw. Eisen-Abhängige Alkohol-Dehydrogenase (NAD+) und Wandlung nach Acetaldehyd und von dort über die Aldehyddehydrogenase (NAD+) nach Acetat. Alles Braucht NAD+…. und spätestens bei der Acetat-CoA-Ligase wird es knapp, da diese ATP und CoA für die Wandlung von Acetat nach Acetyl-CoA benötigt. Mal so rein aus meinen Gefühlt, weil ich einfach nicht alle biochemischen Pfade und Wege abklappern kann: Zu lange & zu viel anaerobe Glykolyse scheint mir irgendwie keine gute Idee zu sein – und ein Zink-Mangel auch nicht.
Wenn es aber irgendwann an ausreichend NAD+ fehlt, weil ohne Elektronenübertragung im Citrat-Zyklus das ganze NADH nicht zu NAD+ regeneriert werden kann, dann kommt aus meiner Sicht das System zum Erliegen. Da helfen dann auch keine Birkmeyerschen NADH-Supplemente – sondern nur NAD+ bzw. dessen Vorläufer.
Frage: Woher kommt nun aber der Adrenalin-Mangel?

Eine Variante des Verlaufs von Cortisol, Adrenalin und der Steroidhormone im Verlaufe einer ‚Nebennierenschwäche‘.
Meine These / Antwort: (Auch) von einer dysregulierten bzw. erschöpften Nebenniere (-> Rinde & Mark) und das ist wieder durch chronischen Stress (psychisch, seelisch, körperlich / physisch) und durch chronische Entzündungen (u.a. oraler Bereich, Zähne, Wurzelbehandlungen, NICO/FDOK, infizierte Mandeln, Endotoxine im Darm & Co.) bedingt.
Oft ist ein niedriges Adrenalin im Endstadium einer ’so-genannten‘ Nebennieren-Schwäche (NNS) zu beobachten. Diese hängt natürlich auch wieder stark mit dem Cortisol und dem Steroid-Hormonsystem zusammen.
Physischer (-> Entzündungen) und psychischer Stress (-> u.a. auch seelische Konflikte) pusht (auch nach Hirneise) das Adrenalin – solange bis das nicht mehr funktioniert. Adrenalin regt aber auch über die ACTH-Achse der Hypophyse die Ausschüttung von Cortisol an, was (wie das DHEA) in der Nebennieren-Rinde gebildet wird.
Irgendwann funktioniert dann alles nicht mehr: DHEA, Cortisol, Adrenalin – und die Folgesymptome mehren sich: Problem mit dem Blutzucker, der Energie, dem Immunsystem, Depressionen, etc.
So schließt sich dann für mich auch der Kreis mit der anaeroben Glykolyse und dem Krebs: Denn Hirneise beschreibt auch, das (neben zwei anderen Faktoren: Gifte & Ernährung) 100% aller den Krebs ‚Langzeitüberlebenden‘ (-> ‚Survivors‘) Ihr Leben in Bezug auf das physisch- und insbesondere psychisch-emotionale Stress-System radikal geändert haben. Ich würde es als massiven ‚Tapetenwechsel‘ beschreiben. Denn ohne Regeneration & Schonung der Nebenniere, den Wiederaufbau von sinnvollen Cortisol- und Adrenalin-Spiegeln, sowie einer normalen Regulierung durch Hypophyse und Hypothalamus – wie sonst soll das System wieder ‚zu sich kommen‘?
Was zu Krebs, Warburg – und den Grundlagen von Krebs
Krebs ist nach Hirneise im Normalfall das, was uns Lebenszeit verschafft. Hirneise im Interview mit Ken.FM:
“Krebs ist zuerst einmal etwas unglaublich intelligentes und gutes. Hätten Sie keinen Krebs, dann würden Sie blind werden, Ihre Nieren würden kaputt gehen, sie würden vielleicht Venenentzündungen bekommen…”

Light In Shaping Life – Biophotons in Biology and Medicine von Roeland van Wijk. Foto: H.C.
In meinem aktuellem Lese-Buch: ‚Light in Shaping Life‘ von Wijk geht dieser auch auf das ganze Thema Zell-Differenzierung, Wachstum, Glykolyse, Krebs & Co. ein [5]. Schon 1924 theoretisierte Otto Warburg darüber, das Krebs durch Tumore in Zellen entsteht, welche Ihre Energie primär über die anaerobe Fermentation beziehen (-> ‚Über den Stoffwechsel der Tumoren‘) [6]. Forschungen von Burk in den 1940er und 50ern bestätigten, das Tumore umso ‚bösartiger‘ sind je höher die Fermentationsrate (-> Anaerobe Glykolyse) ist. So theorisiert auch schon Warburg korrekt, das Differenzierung von Zellen viel Energie benötigt und unter fermentativer Energieproduktion nur eine geringe Zell-Differenzierung möglich ist in der Krebs-Zellen aus z.B. Leber oder Nieren-Gewebe alle Ihre spezifischen Eigenschaften verlieren. [5]
Nach Wijk erklärt dieses dann auch, warum so viele nicht-physiologische Substanzen und Aktionen die Zell-Atmung verringern und die Fermentation befördern! Wijk definiert dann Krebs auch folgend [5, Seite 171]:
„Krebs ist der thermodynamische Gleichgewichtszustand aller Körperzellen.“
Find ich ziemlich Cool! Denn im thermischen Gleichgewichts passiert nichts mehr – keine Differenzierung bzw. De-differenzierung der höheren (noch differenzierteren) Körperzellen. Warburg sagte dann auch schon 1966 bei einem Treffen von Nobelpreisträgern in in Lindau in Bezug auf ‚The prime Cause and Prevention of Cancer‘: [5, Seite 171]
„Cancer, above all other diseases, has coutless secondary causes. But even for cancer, there is only one primary cause. Summarized in a few words, the prime cause of cancer is the replacement of the respiration of oxygen in normal body cells by a fermentation of sugar„
Leider ist auch das nur die halbe Wahrheit, weil dies nicht die Ur-Ursache ist. Heute würde man Krebs nach Wijk als eine mitochondriale Krankheit beschreiben. Warburg hatte aber schon in 1956 seine Bestürzung in Bezug auf die ‚üblichen‘ Krebs-Theorien und die kontinuierliche Entdeckung von angeblichen Krebs erzeugenden Stoffen und Viren formuliert – da all dieses von wirklichen präventiven Schritten ablenke. [5]
Und nicht nur Warburg übt Kritik…..
Ähnliches schreibt Weinberg (Professor der Biologie am MIT und ehemaliger Forschungsdirektor des Onkologie-Laboratoriums in Cambridge, Massachusetts) in seinem Buch aus 1998: „One Renegade Cell: How Cancer Begins“. Bis heute sei noch kein „Prime cause“ (also die primäre Ursache) von Krebs gefunden. Speziell die Theorien, das Krebs sich aus ‚Onkogenen‚ entwickle hätte jeden Bezug zur Realität verloren, wie auch die Theorien das Krebs genetischen Ursprungs sei – was explizit falsch sei.
Wijk schreibt abschließend, das der Schlüssel zum Verständnis zu Krebs die (anaerobe) Glykolyse sei – weil dort wo die Zellatmung intakt ist kein Krebs entsteht (Einwurf: Hirneise weist auch darauf hin, das es kein ‚Herz-Krebs‘ gibt!). Dauere die Unterversorgung mit Sauerstoff zu lange an, dann gäbe es einen ‚point of no return‘, an dem der Schaden (durch den Sauerstoff-Mangel) nicht mehr repariert werden könne.
Ich höre jetzt an dieser Stelle auf tiefer zu gehen – weise jedoch darauf hin, das aus meiner Sicht noch die Leber eine entscheidende Rolle im Zusammenspiel der Glukose-Verwertung (u.a. Glukogenese) sowie generell der Verstoffwechselung von Toxinen & Co. spielt. Die Bauchspeicheldrüse ist dann noch für die Regulierung des Insulin und auch Glucagon (-> Steuerung der Glucogenese) wichtig. Entstehen zu viele Probleme bei den einzelnen Organen und auch im Hormonsystem (-> u.a. Cortisol) und bei den Neurotransmittern (-> u.a. Adrenalin) – dann kommt es aus meiner Sicht zu Dysregulationen, welche die Entstehung von Krebs über die Fehlregulierung der Glukose-Verwertung fördern.
Kurzer Einschub: Vitamin B1 und die Pyruvatdehydrogenase
Wie schon in meinem Beitrag zu Essen gegen EMF II geschrieben hilft Vitamin B1 (optimal als Benfothiamin) Pyruvat in Acetyl-CoA zu konvertieren (-> Pyruvathydrogenase), so das dieses in den Citratzyklus gelangen kann um ATP zu produzieren. Das bedeutet: Vermeidung der aneroben Glykolyse – also wenn es an einem Mangel an Vitamin B1 liegt.
B1 wird auch für das Nervensystem, das Gedächtnis und den Herzmuskel benötigt. Wenn es also mit der KH-Verwertung nicht klappt, dann ist ggf. B1 ein interessanter Tip. Wichtig ist hier auf keinen Fall die Form Thiaminmononitrat zu nehmen (Synthetisch), optimal aus meiner eigenen Sicht ist Benfothiamin alternativ Thoamin HCL. In Bezug auf die Dosierung bin ich selber flexibel: Thamin HCL bis in den Grammbereich, Benfo gerne bis 300 mg (oder mehr) am Tag. Allerdings sind diese Dosen auf die Dauer nicht für jeden.
Cutler und Schmiedel geben Dosen bis zu 300 mg und mehr (-> therapeutische Dosen) an. Nach Schmiedel bei Dosen bis zu 300 mg (Tag, z.B. je 100 mg zu den Mahlzeiten) keine gravierenden Gegenanzeigen und Nebenwirkungen bekannt.
Noch was zu Low-Carb, Keto & Co. bei CFS, Krebs, etc.

Cholesterin-Synthese einfach erklärt. Quelle: Aus einem Video von Ninja Nerd Science
So wie ich es verstehe denke ‚einige‘ das Keto & Low-Carb die Lösung ist, wenn der Krebs ‚da‘ ist und auch Hirneise weißt auf die Quark-Leinöl-Diät in Bezug auf Budwig hin. Klar, um die überschüssige Glukose in den Zellen zu verheizen – die wohl mangels Adrenalin & Co. nicht verheizt wird – schalten die Zellen wohl in die anaerobe Glykolyse.
Eine starke Reduktion von neuen KH und die Steigerung des Fett-Konsums für bis zu 4 Wochen – gekoppelt mit intermittierendem Fasten und ggf. einem latentem Kaloriendefizit können dieses Problem ggf. temporär umschiffen, die Mitophagie aktivieren, gekonnt mit AMKP / mTOR / SIRT1 spielen und mehr. Da gehe ich zum Teil mit – allerdings immer nur phasenweise und ‚mit Plan‘ was man da eigentlich macht und erreichen will. Was einige leider vergessen: Einige Krebsarten finden auch die Fettsäuren komplett genial um zu wachsen… die Studien dazu habe ich in meinen Artikeln zu Fett & KH verlinkt. Was man auch immer macht – einhergehen muss das ganze (aus meiner Sicht) auch mit einer krassen Umstellung der Lebensumstände:
- kein Adrenalin-Push,
- kein Stress,
- ein absoluter Tapetenwechsel,
- z.B. Urlaub von der Arbeit und allen gegenwärtigen Stressoren – physisch und psychisch!
- u.a. eine Aryuveda-Kur im Ausland, komplette Medien-Abstinenz – was auch immer…
- z.B. Urlaub von der Arbeit und allen gegenwärtigen Stressoren – physisch und psychisch!
Denn nicht die Kohlenhydrate sind das Problem, sondern das niedrige Adrenalin und das zusammengebrochene Rest-System! Und beim Adrenalin-Ausstoß gibt es kein negatives Feedback – jeder zusätzliche Stress pusht weiter – die Nebenniere wird gefordert – die Leber muss es dann abbauen… bis nicht mehr geht.
Die ‚langfrist‘ Low-Carber & Keto-Anhänger machen an dieser Stelle für mich oft einen Denkfehler: Die möchten die ‚böse‘ Glukose aus den Kohlenhydraten mit maximal viel Fett ersetzten – was optimaler Weise mittels der β-Oxidation zu ATP ‚verheizt‘ wird. Das Problem: Die Theorie passt (für mich) nicht so ganz – insbesondere nicht auf die Dauer:
- Ohne genug Sauerstoff in den Zellen klappt es auch nicht mit der β-Oxidation.
- Protein kann über die Glucogenese zu Glukose umgewandelt werden (und wird es auch),
- also müsste der ‚Keto-Logik‘ nach auch die Protein-Zufuhr dramatisch verringert werden.
- Der Körper braucht die Kohlenstoffe aus der Glukose aber als strukturelles Substrat.
- Und die Aminosäuren aus dem Protein auch…
- Die Glykolyse bedient überdies (-> Abzweig bei Glucose-6-phosphat) den Pentosephosphatweg (PPP).
- Hier entsteht Ribose-5-Phosphat (-> Nucleotidsynthese!). Als weiteres Produkt des PP-Wegs entsteht NADPH.
- Insulin ist der stärkste Aktivator der endogenen Cholesterinsynthese, optimal der Glykolyse der Leber [8] + NADPH aus dem PPP.
- Das wird (zwingend) für die Synthese der Steroid-Hormone benötigt & auch das mit dem Insulin ist etwas komplexer.
- Fett zwar ist ein guter Energie-Speicher, aber recht langsamer Elektronen- bzw. Energielieferant.
- Glukose ist bis zu 100 mal schneller -> anaerobe Glykolyse in Muskelzellen bei Spitzenlast!
Reicht das? Wem das nicht reicht, dem empfehle ich ein Interview mit Zyko (ehemaliger Bodybuilder mit viel Erfahrung und Hintergrund in Biochemie) bei Edubily [7] – das ist ziemlich genial auf den Punkt. Aus dem Interview u.a. :
„Fettsäuren sind ganz anders als Glucose. Aus ihnen kann man keine anabolen Biosynthesen machen. Man baut sie in andere Moleküle ein, wie etwa Phospholipide oder Triacylglycerine, aber das wars. Fettsäuren sind dichte Elektronenspeicher, und letztere geben sie in der Atmungskette ab um ATP herzustellen. Fettsäuren sind also primär Energieträger, keine strukturellen Substrate, sie können keine Kohlenstoffatome in anabole Biosynthesen abgeben (oder kaum).“
Der wichtigste Punkt ist jedoch für mich: All die Diskussion bei Keto & Low-Carb – u.a. gegen Krebs – geht für mich an der Frage nach den eigentlichen Ursachen vorbei. Auch Insulinresistente Zellen gibt es nicht einfach so… und an den Kohlenhydraten bzw. der Glukose an sich liegt es aus meiner Sicht eher nicht – Milliarden Menschen die gut damit Leben und lebten sind meine Evidenz – zudem auch die ARIC-Studie. Bei denen, bei denen es mit KH nicht klappt, ‚liegt der Hase eher irgendwo anders im Pfeffer‘.
Zwar theoretisiert ein Dr. Jack Kruse dass das mit dem Fett und auch dem PPP wiederum nochmal anders ist (z.B. hier) – aber das ganze wird dann so komplex (oder ‚verschwurbelt‘) in der Erklärung (und auch dem nachvollziehen) – das ich denke, das die Gefahr groß ist das Kruse sich da irgendwo krass verrannt hat (wie auch an einigen Stellen in seinem Buch). Zumindest sieht er aktuell immer schlechter (und rundlicher) aus – und andererseits ist er (aus meiner Sicht und meinem Gefühl) so ca. der einzige der seine (eigene) Theorie nachvollziehen kann. Ansonsten hat Dr. Kruse aber schon sehr, sehr coole & lesenswerte Ideen!
Mein Fazit
Nebennieren-Problematiken, niedriges Adrenalin und einen langsamen Metabolismus (-> insb. Schilddrüse) – ggf. auch noch Probleme mit dem Blutzucker (meist Mangel an Chrom und Mangan – teils auch Zink). All dies sehe ich oft in den Haar-Analysen die ich so auswerte.
Wenn nun das Insulin die Glukose in die Zellen ‚rein befördert‘ – aber das Adrenalin, die Bewegung, der Sport & Co. fehlt um den Kick zu geben dieses die Glukose dann in Energie umzusetzten – dann nennt man das aus meiner Sicht in der ersten Stufe: Diabetes. Alternativ kann auch das viele Fett in der Ernährung die Zellen (bzw. deren Rezeptoren) auch Insulin-resistent machen: Gleichzeitig viel Kohlenhydrate und viel Fett ist da aus meiner Sicht eine sehr, sehr ungünstige Lösung, wenn die Energie nicht auch genutzt wird. Meint: Pommes aus der Friteuse, Butterbrot mit Käse und Sahne-Torte sind blöde Ideen – zumindest auf die Dauer. Kommt dann alles zusammen, dann ist das die erste Stufe zum metabolischen Abstieg…
Oft werden die zu beobachtenden Dysregulationen noch von Schwermetallen und Veränderungen im Glutamat / GABA-System zusätzlich beeinträchtigt -> Übererregung, Schlaflosigkeit, etc. können die Folge sein. Primäre Verursacher sind dann oft Endotoxine (Darm) und die schon genannten Schwermetalle wie Quecksilber (u.a. aus Amalgam).
Ich denke so zusammenfassend, das die Probleme, die dann irgend wann mal Krebs ‚machen‘, primär daher wo Hirneise Sie beschreibt:
- a) Gifte (Quecksilber, Zahnherde, etc.),
- b) Ernährung & Lebenswandel und im Bereich der
- c) Stressoren (emotional, psychisch, physisch).
In meinen Artikeln und anderswo habe ich schon oft genug thematisiert was ich in diesen Fällen machen würde. In der neuen Serie zu den (Steroid-) Hormonen steht dann noch etwas mehr zu Cortisol, Adrenalin & Co. In der Serie über Schwermetall-Ausleitungen viel zu den Giften und insbesondere wie man das Quecksilber (aus meiner aktuellen Sicht) potentiell los werden kann.
Seine Heilung in Keto zu suchen ist aus meiner Sicht keine Lösung. Keto oder Low-Carb als zeitbegrenzte Interventionen im Bereich einiger Wochen können sicher – je nach Umstand – angemessen sein um Symptome zu behandeln bzw. zu unterdrücken. Mittel- und Langfristig sehe ich aus meiner Sicht nur die Lösung, die Problem möglichst da anzugehen – wo auch deren wahrscheinliche Ursachen-Kaskade liegt:
- Emotionaler, physischer und psychischer Stress,
- Schwermetalle (Amalgam),
- Darm-Dysbiose (Endotoxin, LPS, Leaky-Gut & Co.),
- Zahnherde, NICO’s und alte wurzelbehandelte Zähne,
- eine Schilddrüse in Unterfunktion,
- eine HPU,
- ein entgleistes Steroid-Hormonsystem,
- eine überlastete Leber,
- Probleme mit der Nebenniere und
- heutzutage immer mehr auch EMF und Kunstlicht.
Dies sind alles oft ‚gute Adressen‘ zum abklären.
Wenn einem also viel Vitamin B1 (z.B. 3 * 100 mg Benfothiamin), Vitamin B3 (z.B. 3 * 100-250 mg Niacin oder Nicotinamid / Tag – zwingend mit der gleichen Menge an TMG!), viel D-Ribose (3-5 g), viel L-Carnitin (1 g oder mehr) pro Tag, aber ggf. auch Q10 (200 mg oder mehr), ein B-Komplex & Co. sehr viel bringen, aber dennoch nicht die Probleme beseitigen – dann sollte nicht nur dort, sondern auch bei den Ursachen geschaut werden!
Denn dem Körper fehlen sicherlich nicht 100-500 mg Nicotinamid, 5 g Ribose oder 200 mg Q10 am Tag. Dieses sind für mich alles nur Indikatoren, das auf einer ganz anderen Ebene – u.a. in Bezug auf chronische Entzündungen und ggf. chronisch niedriges Adrenalin & Cortisol – etwas schief läuft. So sehe ich auch Keto & LowCarb bei CFS, Krebs & Co. kritisch – das dieses nur Spiele auf Zeit sind – denn hier wird zwar die Glykolyse über die ß-Oxidation umschifft – aber auch das hat Seiteneffekte.
So sollte an den Ursachen angesetzt werden. Supplemente, richtig eingesetzt, können beim Prozess der Suche & Genesung aus meiner Sicht auf jeden Fall unterstützend helfen – ganz klar – weiß ich – mache ich selber so! Aber das ist, wenn die zu Grunde liegenden Ursachen nicht beseitigt werden, nur ein Spiel auf Zeit.
Links / Quellen
- [1] 2.9 – ATP Production I: Glycolysis, Joseph Feher, Quantitative Human Physiology, An Introduction, 2012, Pages 171-179, doi: 10.1016/B978-0-12-382163-8.00020-7, (Teiltext)
- [2] NAD+ metabolism and the control of energy homeostasis – a balancing act between mitochondria and the nucleus, Carles Cantó et al., Cell Metab. 2015 Jul 7; 22(1): 31–53., doi: 10.1016/j.cmet.2015.05.023
- [3] The #1 Supplement Everyone Should Be Taking, 5G Protection, How to Recover Faster When Flying, and His Favorite Biohacks of All-Time, Dr. Joseph Mercola, EP 112, The Biohacking Secrets Show
- [4] Nicotinic acid, nicotinamide, and nicotinamide riboside: a molecular evaluation of NAD+ precursor vitamins in human nutrition., Bogan KL1, Brenner C., Annu Rev Nutr. 2008;28:115-30. doi: 10.1146/annurev.nutr.28.061807.155443.
- [5] Light In Shaping Life – Biophotons in Biology and Medicine, Roeland van Wijk, Meluna, 2014, ISBN-10: 9081884328
- [6] Über den Stoffwechsel der Tumoren, Warburg et al, Biochemische Zeitschrift 152: 319-344, 1924
- [7] Interview mit Zyko – Über Low-Carb, Muskelaufbau & Testosteron, Phil Böhm, Edubily.de, 23.09.2019
- [8] Energy Metabolism in the Liver, Liangyou Rui, Compr Physiol. 2014 Jan; 4(1): 177–197., doi: 10.1002/cphy.c130024
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