Kreatin, Taurin, Carnitin & pflanzliche Ernährung – Gedanken….

Von | 26. November 2017
Gedanken beim Verfassen.. Taurin, Kreatin, Carnitin

‘Gedanken beim Verfassen…’. Gustave de Jonghe. Lizenz: Gemeinfrei.

Nach dem Lesen eines Buches (Anm.: Das mir in Bezug auf einige Aspekte heutzutage etwas überholt scheint) gingen mir einige Fragen und Gedanken durch den Kopf. Dies insbesondere im Kontext der ‘Langzeit’-Sinnhaftigkeit einer primär pflanzlichen Ernährung – sowie den ggf. vorhandenen Fallen. Speziell interessierte mich:

  • der Rolle der verschiedenen Aminosäuren & Mikronährstoffe,
  • die verschiedenen negativen und ggf. positiven Aspekten von tierischen Lebensmitteln,
  • dies in Bezug auf einige Aminosäuren die hauptsächlich in tierischen Produkten vorkommen (u.a. Kreatin, Carnitin & Taurin),
  • sowie einigen anderen Substanzen (u.a. Vitamin A als Retinol, Omega-3 Fettsäuren wie DHA).

Der Buchautor, Michalk, hatte dann in seinem Blog noch einige zusätzliche Artikel (Links ganz unten), in welchen er seine (kritischen) Fragestellungen und Gedanken in Hinblick auf eine (langfristige) Ernährung komplett ohne Tierprodukte weiter ausführt.

In den Artikel geht es mir jedoch nicht darum, ob eine rein (oder überwiegend) pflanzliche Ernährung nicht funktioniert oder keine Vorteile hätte. Ich möchte hier lediglich meine Gedanken kreisen lassen, ob ich die Kritik von Michalk nachvollziehen kann – der der Sicht ist, das mit solch einer Ernährung das Potential der eigenen körperlichen- und geistigen Leistungsfähigkeit nicht ausgeschöpft werden kann. Das Problem aus meiner Sicht: Michalk geht nicht auf den ggf. zu zahlenden Preis und die langfristigen Folgen der ‘maximalen Potentialhebung’ ein…

Was sind die Aspekte in der rein pflanzlichen Ernährung – die kritisch sein sollen?

Michalk hat in seinen kritischen Blog-Beiträgen zur rein pflanzlichen Ernährung [1][2][3][4][5][6] Substanzen thematisiert die primär in Fleisch bzw. Tierprodukten vorhanden sind – und die der Körper bei einem sich pflanzlich ernährenden Menschen (zu einem viel größeren Anteil) selber Synthetisieren muss.

Michalk vergleicht (hier) das ganze mit einem Hausbau, bei dem der Omnivore sehr viele Fertigkomponenten für sein Haus bekommt (z.B. Kreatin, Carnitin, Taurin, etc.) – welche beim Pflanzenesser erst noch umständlich aus den einzelnen (& einfachen) Baumaterial (-> u.a. essentiellen Aminosäuren, Vitamine & Spurenelemente) zurecht gezimmert werden müssen. Dabei besteht dann noch der Aspekt, das das ‘eigene zurechtzimmern’ auch mal nicht so klappt, wie geplant (z.B. genetische Faktoren). Die Logik dieser Geschichte und der dahinter liegenden Rationale klingt auf den ersten Blick sehr überzeugend – und hat auch mich nachdenklich gemacht.

Aus zahlreichen Beiträgen von Michalk habe ich nun folgende Themen mitgenommen, welche in Bezug auf den Unterschied mit/ohne Fleisch leben (sehr) relevant erscheinen:

  • Omega-3 Fettsäuren in Bezug auf EPA/DHA
  • Vitamin A (Retinol) und thematisiert die limitierte Umwandlung von a/ß-Carotin in Retinol
    • wobei dies aus meiner Sicht in der Regel kein Problem sein sollte – wenn keine genetischen Defekte vorliegen und im Schnitt 1-2 Kg Gemüse / Tag gegessen werden.
  • Semi-Essentielle Aminosäuren und Substanzen die primär in tierischen Produkten vorkommen
    • speziell Taurin, Carnitin, Kreatin, Carnosin sowie ggf.
    • auch Cholin
  • In seinen Blogposts spricht Michalk auch Eisen, zu Zink, zu Jod an
    • wobei ich genau diese Mikronährstoffe  überhaupt nicht problematisch finde (siehe auch die Links) – natürlich nur dann, wenn mit etwas Planung bzw. Umsicht gegessen wird.

Da ich die meisten Themen schon behandelt hatte möchte ich mich in diesem Beitrag auf Taurin, Carnitin und Kreatin konzentrieren, auf die ich hier schon mal grob eingegangen war.

Zu Taurin, Carnitin und Kreatin

Ich versuche hier erst einmal die positiven Aspekte von den in der Überschrift angegebenen Substanzen auf Basis der Beiträge von Michalk vorzustellen. Denn auf diesen Aspekten basiert er einen Teil seiner Kritik an einer rein pflanzlichen Ernährung.

Taurin: Der Carnivor-Mensch: So wichtig ist Taurin

  • “Veganer haben viel niedrigere Taurin-Werte im Blut und im Urin” [9][10]
    • Anm.: Was erst einmal nichts bedeuten muss.
  • “Sorgt man dafür, dass Muskelzellen kein oder sehr viel weniger Taurin einlagern, fällt die AMPK-Expression deutlich. AMPK reguliert allerdings die Gene des Fettstoffwechsels. Ein regulierter Hauptschalter ist PPARalpha[…] [11]. Das ist für mich der Beginn einer mitochondrialen Dysfunktion.”
  • “Taurin ist enorm wichtig für das Gehirn,
    • fungiert als Neurotransmitter,
    • ist ein potentes Antioxidans (hemmt oxidativen Stress),
    • unterstützt die Entgiftung (Schwermetalle),
    • reguliert den Fett-Stoffwechsel,
    • schützt die Zellen (zytoprotektiv),
    • reguliert die Gesundheit der Retina,
    • die Entwicklung des Nervensystems und die Bildung von Galle.
    • Taurin, das weiß man heute, ist essentiell für die mitochondriale Funktion (insbesondere den oxidativen Stoffwechsel).”
  • Darüber hinaus ist Taurin auch mit der Furchtbarkeit von Männern (bzw. männlichen Ratten) assoziiert [24]

Uff… wer das mit AMPK verstehen möchte, der schaue bitte hier nach.

Kreatin: DAS ist der stärkste Mitochondrien-Booster

Zu Kreatin schreibt Michalk:

  • “Der stärkste uns bekannte Mitochondrien-Booster ist … Kreatin.”
  • “Kreatin-Mangel in den Muskelzellen zu einem ATP-Drop von ca. 50 % führt. Der „Energie-Etat“ wird uns direkt halbiert, wenn nicht ausreichend Kreatin zur Verfügung steht. Alleine das sollte uns in Hinblick auf gängige Ernährungsmodelle hellhörig werden lassen – angefangen bei Vegetarismus hin zum Veganismus etc.”
  • “Zu wenig Kreatin in der (Fett-)Zelle und die Stoffwechselaktivität sackt ab. Dies wiederum deckt sich mit den oben gezeigten Effekten in der Muskelzelle. Weniger Stoffwechselaktivität heißt nämlich auch: weniger ATP-Synthese.
  • “Kreatin seinerseits ist der zelluläre Energiespeicher. ATP nämlich kann nicht einfach so in der Ecke einer Zelle gespeichert werden. ATP überträgt ein Phosphat-Rest auf Kreatin, dadurch wird aus Kreatin das bekannte Phosphokreatin. Das ist der zelluläre Energiespeicher – und der ist, im Verhältnis zu zellulären Größenordnungen, riesig. –> ATP + Kreatin -> ADP + Phosphokreatin”

Hmm….. – wer mehr dazu lesen will, findet es auch im Buch über Mitochondrien von Lee Kow.

Carnitin: So reguliert es deinen Stoffwechsel

Zu Carnitin finde ich bei Michalk ebenfalls eine recht interessante Zusammenfassung:

  • “Ein fehlregulierter Carnitin-Stoffwechsel zeigt sich: […] bei Sonderformen der Ernährung (z. B. Veganismus)”
  • “L-Carnitin kann endogen, in der Leber, synthetisiert werden. Die Synthese-Raten sind zwar niedrig, es wird generell aber angenommen, dass sie ausreichen, wenngleich die exogene Zufuhr den endogen synthetisierten Wert bei Weitem übersteigt und der Großteil des L-Carnitins tatsächlich aus der Nahrung stammt.” 
  • Für die körpereigene Biosynthese sind vier Enzyme und die Mikronährstoffe Methionin, Lysin, Vitamin C, Eisen und Vitamin B3 und B6 notwendig.Es werden circa 1,2 Micromol/kg/Tag synthetisiert. Das sind umgerechnet circa 12 mg für einen normalgewichtigen Menschen.
  • Bekannt ist, dass L-Carnitin dabei hilft, Fettsäuren über die mitochondriale Membran zu transportieren, sodass diese im Inneren der Mitochondrien, via ß-Oxidation, abgebaut werden können.
  • L-Carnitin selbst (oder die daraus gebildeten Substanzen) ist Regulator des zellulären Stoffwechsels und scheint ein überragendes Beispiel dafür zu sein, wie die Umwelt (hier: Carnitin-Verfügbarkeit) Einfluss auf das Genom nimmt. Daher ist die Frage berechtigt, ob und inwieweit eine deutliche Reduktion des freien Carnitins für eine Verschlechterung des Zell-Milieus sorgt.
  • Es zeigt sich, dass L-Carnitin eine Schlüsselsubstanz im mitochondrialen Energiestoffwechsel ist.

Puhhh.. das macht auf jeden Fall erst einmal den Aufmerksamkeitskanal auf – zumindest bei mir.

Was habe ich noch zu den Stoffen gefunden?

Auch ich war noch einmal kurz auf der Suche in Bezug auf die besprochenen Substanzen, weil ich auch etwas über eventuelle Dosierungen bei Supplementation & Vorkommen wissen wollte. Heraus gekommen ist folgender Extrakt – bei dem ich mal ganz viel zusätzliche (positive und mit Studien belegte) Auswirkungen der Stoffe ausgelassen habe. Wer mehr wissen möchte – der folge bitten den einzelnen Links.

Ergänzendes zu Taurin

In Wikipedia, die ich hier mal der Einfachheit heranziehe, steht:

Im Stoffwechsel von Erwachsenen entsteht Taurin aus der Aminosäure Cystein, die unter Sauerstoff- und NAD+-Verbrauch in mehreren Zwischenschritten oxidiert wird. Ein zweiter Entstehungsweg ergibt sich beim Abbau von Coenzym A durch Decarboxylierung von Cysteamin.’.

Anm.: Alternativ kann auch Methionin zur Synthetisierung verwendet werden [17]. Wichtig ist dann auch noch Vitamin B6, wobei dieses schnell bei einer HPU fehlt – und damit die körpereigenen Synthese hemmt bzw. stark limitieren dürfte – ungut!

  • Woher gibts NAD? NAD+ wird im Körper aus Vitamin B3 (u.a. Niacin, Nicotinamid) aber auch (in engen Grenzen) aus Tryptophan (De-Novo-Synthese) produziert.
  • Ein Review zu Taurin [27] nennt kurz Probleme bei Vegan ernährten Kindern, wobei das nach B. Davis [17] nur auf Babys bzw. im sehr frühen Kindesalter zutrifft.
    • Deswegen ist Taurin auch in der Muttermilch, bzw. teils in Babynahrung, enthalten.
  • Höhere Taurinkonzentrationen im Urin werden u.a. mit weniger Herz-Kreislauferkrankungen korreliert [15].
  • Eine alte Studie spricht auch über positive Effekte bei Suplementation von z.B. 250 mg/Tag [28].
  • Taurin soll außer in tierischen Produkten auch in Goji-Beeren vorkommen – die sind aber Nachtschattengewächse und wohl nicht ganz so zu empfehlen (No-Liste von Gundry).

Auf die Gojibeeren würde ich verzichten und bei Zweifel eher Supplementieren, speziell bei einer HPU. Interessant ist jedoch, das Fisch (u.a. Hering, Makrele, Sardinen) sehr viel Taurin enthalten – bis zu 200 mg/100 g.

Ergänzendes zu Carnitin

Carnitin ist ebenfalls primär in Tierprodukten zu finden, kann jedoch vom Körper synthetisiert werden.  Dazu braucht es die Aminosäuren Lysin und Methionin,  aber auch die Cofaktoren wie Vitamin C, Vitamin B6 (Achtung, Mangel bei HPU!), Niacin (Vitamin B3) und Eisen.

  • Mengen >> 2-4 g / Tag (als Ergänzung) sollten jedoch auch unerwünschte Effekte haben können (u.a. Übelkeit, Fischgeruch, Durchfall) und werden mit anderen Risikofaktoren (u.a. Prostata-Krebs) assoziiert [17].
  • Hier steht mit Verweise auf Studien das der Omnivore in Schnitt ca. 100-300 mg/Tag an Carnitin aufnimmt [29]. Zudem hatten in einer Studie 5 von 18 Frauen Übelkeit beim Verzehr von 2 g täglich [13]. Empfohlen wird am Ende eine Dosis die sich an der üblichen Aufnahme eines Omnivoren orientiert.
  • Nach dieser Studie nimmt das Muskelgewebe von Veganern L-Carnitin wohl schlechter oder kaum auf [11]. Was das bedeutet? Hmm….

Die DGE selber spricht keine Empfehlung zur Zufuhr aus. Sehr irritierend finde ich teils hohe Angabe zur Carnitin-Ergänzung ohne spezifische Probleme (z.B. Stoffwechsel, Fett-Verbrennung) angesichts dessen, das der Durchschnitts-Ominvore ggf. auch nur 100-300 mg/Tag zu sich nimmt.

Ergänzendes zu Kreatin

Kreatin entsteht in der Niere, in der Leber und in der Bauchspeicheldrüse aus den Aminosäuren Glycin, Methionin und Arginin sowie Folat und B12.

  • Es ist selbst keine Aminosäure, sondern (nach Wikipedia) eine sogenannte Guanidinium-Verbindung und wichtig für die Muskelkontraktion aber auch für Hirn- und Nervenfunktion.
  • In der Pharmazeutischen Zeitung steht in einem Artikel, dass der physiologische tägliche Bedarf ca. 2-4 g / Tag ist, wobei 2 g vom Körper gebildet werden [30].
  • Eine Studie zur Kreatin-Supplementierung will einen signifikanten positiven Effekt (p < 0,0001) auf das Arbeitsgedächtnis und die Intelligenz festgestellt haben [7].
  • Nach dieser Studie ist die dauerhafte Gabe von 5g Kreatin/Tag scheint sehr sicher zu sein. Für Dosen darüber liegen jedoch keine klinischen Studien vor – jedoch auch keine akuten Warnungen. [8].

Bei Vegan Health [31] wird, unter Verweis auf viele Studien, auf Wirkung und Sicherheit eingegangen.

  • Die Sicherheit scheint sehr groß, die Unterstützung beim Muskelaufbau gilt als gesichert.
  • Kreatin zeige insb. bei Menschen mit wenig Kreatinzufuhr über die Nahrung große Effekte.
  • In Bezug auf die Einnahme kann die ersten 5-7 Tage eine hohe Dosis genommen werden (bis 20 g – Ladephase),
    • danach eine Erhaltungsdosis (z.B. 2-3 g).
  • Für mich wichtig: Eine Verlängerung oder Erhöhung der Dosis der Ladephase zeige keine Auswirkung auf die Leistung [14].

Wobei es einen konkreten Mangel wohl nicht gibt – schreibt zu mindestens Berger [16].

“Bei vegetarischer Ernährung  ist die zusätzliche Einnahme nicht nötig, da Kreatin im Körper de novo synthetisiert wird. Die dafür benötigten Aminosäuren Arginin, Methionin und Glycin finden sich in nahezu allen pflanzlichen und tierischen Proteinen und werden daher auch vom Vegetarier in ausreichenden Mengen aufgenommen.” – schreibt zumindestens Berger [16].

Also wenn ich (Kraft-) Sport machen sollte dann scheint das durchaus interessant zu sein mal auszuprobieren was 2g/Tag – und eine initiale Ladephase für einen Unterschied machen. Mal schauen…. weil mich interessiert auch immer die Schattenseite (der Macht).

Was könnte noch interessant sein? Carnosin & ß-Alanin

Einen Aminosäure-ähnlichen Stoff gibt es jedoch noch in tierischen Produkten: Carnosin. Zwar kann der Körper, wie auch bei Kreatin & Co., selber Carnosin bilden (Carnosin-Synthase) – jedoch benötigt die endogene Synthese genug der Vorstufen ß-Alanin und Histidin. Leider sollen die synthetisierten Mengen dann nicht reichen um den Körper optimal zu versorgen [23] – mal wieder relevant für Veganer & Co.

Allerdings Insofern könnte die Supplementierung mit:

  • ß-Alanin als Vorläufer in der Carnosin-Synthese

noch interessant sein. Dies, weil ß-Alanin die endogene Synthese limitiert und Carnosin-Supplemente sehr teuer sind. Carnosin wird im Zusammenhang mit muskulärer Ausdauer in Verbindung gebracht und wirkt als Säurepuffer [19]. Über weitere mögliche Vorteilen von Carnosin (Gehirn, Muskeln, ggf. bei Katarakten, Wundheilung, Radikalenschutz, ggf. sogar einem Kupfer-Chelator, etc. pp [23]) mache ich ggf. noch mal in der Zukunft einen Artikel.

Supplementierung – Alles immer gut?

Ist die Supplementierung von Aminosäuren immer vorteilhaft? Auch diese Frage habe ich mir gestellt und versucht die Argumente Pro / Kontra abzuwägen.

Kontra Carnitin?

Dies habe ich das folgende unter dem Stichwort Problematik der CarnitinSupplementierung in einer Diplomarbeit gefunden [16]:

“Durch zusätzliche Gabe von Carnitin soll der Fettsäuretransport in die Mitochondrien erhöht und dadurch die ß-Oxidation gesteigert werden. Damit jedoch derartige Wirkungen erzielt werden, müsste es durch eine Supplementierung zu einem erhöhten Gehalt von Carnitin im Muskel kommen. Dies ist jedoch nicht der Fall – jede Überdosis dieser Aminosäure wird mit dem Harn ausgeschieden (Schek 2002, Evans u. Fornasini 2003). Selbst bei einer Aufnahme von 4 g täglich über einen längeren Zeitraum kommt es nicht zu einem Anstieg des Carnitingehaltes im Muskel (Wächter et al., 2002).”

Wobei es für mich ja auch reichen würde, wenn die energetischen Stoffwechselprozesse wie die Fettverbrennung (ß-Oxidation und andere) in den Mitochondrien besser laufen. Weiter wird angegeben:

“In Bioverfügbarkeitsstudien konnte gezeigt werden, dass nach einer Gabe von 6g die Bioverfügbarkeit bei nur 5 % lag während bei einer Gabe von 2 g die Bioverfügbarkeit 16 % betrug. Die Ergebnisse zeigen, dass die intestinale Absorption bei einer Dosis von 2 g gesättigt ist. Der Organismus reagiert auf eine hohe Zufuhr mit einer Anpassung indem er die intestinale Absorptionsrate und die Reabsorption in der Niere vermindert (Harper, 1988).”

und schließt mit einem Interview und dem Fazit das Carnitin nur bei Mangelpatienten  in Betracht zu ziehen wäre. Nun ist für mich die Frage: Wer ist Mangelpatient? Alle Veganer? Ein anderer kritischer Artikel in der Apothekerzeitung (Tenor: Mehr Risiko als Nutzen) schließt sich dem an [22] und ein Übersichtsartikel der Verbraucherzentrale weißt darauf hin, das mit der exogenen Einnahme die endogene (und vorgeblich im Regelfall vollkommen ausreichende) Produktion auch (längerfristig) vermindert wird [21].

Kontra Kreatin?

Die vorgenannte Diplomarbeit [16] gibt dann ähnliches zur Kreatin-Supplementierung zu bedenken:

“Von einer Einnahme über einen längeren Zeitraum ist abzuraten, da die Kreatinzufuhr einem negativen Feedback unterliegt, d.h. dass die körpereigene Synthese des Kreatins durch eine Supplementierung abnehmen kann, besonders  wenn diese längerfristig erfolgt (Guerrero-Ontiveros et al., 1998).” [17]

Insofern würde es ja durchaus passen, wenn max. 2-3 g / Tag gegeben werden (wie weiter oben angegeben), weil mehr wohl nicht viel mehr bringt.

Kontra Taurin?

Zu Taurin gibt die Diplomarbeit zu bedenken, das die meisten Studien mit sehr hohen Dosen und an Tieren erfolgten – also ggf. nicht direkt auf den Menschen zu übertragen sind. Sie schließt im Fazit mit:

“Die vielfach zitierte leistungssteigernde, fettverbrennende, leberentgiftende und kraftsteigernde Wirkung von Taurin beim Menschen kann wissenschaftlich nicht belegt werden. Nur Frühgeborene und parenteral ernährte Patienten können von einer Taurin-Supplementierung einen Nutzen haben (Riedl u. Kindl 2004, Elmafda 2004).”

Wobei das natürlich nur auf einen Teil der Vorteile eingeht, die Herr Michalk aufzählt – denn es geht ja nicht nur um die Leistungssteigerung, sondern oft auch um die Mengen >> 2-4 g / Tag (als Ergänzung) sollten jedoch auch unerwünschte Effekte haben können (u.a. Übelkeit, Fischgeruch, Durchfall) und werden mit anderen Risikofaktoren (u.a. Prostata-Krebs) assoziiert [17]. (z.B. bei einer HPU/KPU).

Was lerne ich aus der Kritik? Es geht immer wieder die endogene / körpereigene Synthese…

… und das negative Feedback. Das greift mir aber gerade in Bezug auf eine (primär) pflanzliche Ernährung deutlichst zu kurz!

Was ist denn mit Menschen die (fast) jeden Tag 200 g Fleisch (oder mehr) zuführen? Die bekommen dann doch auch ‘exogenes’ bzw. Supplementiertes Kreatin, Carnitin, Taurin, Carnosin & Co. als Extraportion in den Organismus. Meine Frage: Verringert sich nicht auf hier die endogene Synthese? Und warum sollte ich mir als fast-kaum-fleisch Esser nicht auch 2 g Kreatin, 2 g Taurin und 500 mg L-Carnitin pro Tag zuführen?

Was von der zuvor aufgeführten Kritik zu halten ist? Ich finde Sie zu Pauschal, zu stark bezogen auf den Muskelaufbau bzw. den Punkt mit der Reduktion der körpereigenen Synthese bzw. Bildung – also wenn letztere überhaupt ausreicht. Interessant ist jedoch, das einige Ärzte bei Patienten mit CFS, HPU, etc.die Supplementation mit einigen oder allen dieser Aminosäuren durchaus empfehlen – nicht für den Muskelaufbau, aber die Energieproduktion, die Unterstützung der körpereigenen Entgiftung (u.a. Taurin) & Co.

Von Vor- und Nachteilen

Ich kann der Argumentation von Michalk in teilen gut folgen und stimme Ihm in Bezug auf Omega-3 Fettsäuren (EPA/DHA) z.B. in der Schwangerschaft auf Basis meiner vorherigen Recherchen zu. Ebenfalls ist Vitamin A und K2 ein Thema, dass je nach genetischer Disposition für sich komplett pflanzlich Ernährende Menschen ein Problem werden könnte – also wenn die Ernährung nicht durchdacht ist und/oder spezielle genetische Faktoren vorliegen. Doch wie viel Prozent der Menschen trifft das?

Was ich spannend fand: Carnitin, Taurin und Kreatin benötigen alle Methionin oder Cystein als Grundlage für die Synthese. Cystein kann zwar zu Methionin gewandelt werden – dadurch steigt jedoch der Homocysteinspiegel, was zu vermehrtem Verbrauch von Vitamin B12, Folat und B6 führt. Gleichzeitig kommt insb. Methionin in einer rein pflanzlichen Ernährung eher weniger vor – was nicht nur schlecht ist, denn zu viel Methionin muss entsorgt werden (-> Schwefelwasserstoff) und gilt eher als Lebens-verkürzend.

Kreatin als Supplement scheint so durchaus interessant, weil dann mehr Methionin, Folat und B12 für andere Aufgaben bereitsteht, Methionin und Cystein jedoch nicht selber zugeführt werden müssen. Dies könnte dann bei einer eher an Methionin- und B12 armen (pflanzlichen) Ernährung von Nutzen sein – insbesondere, wenn wenig Protein zugeführt wird.

Bei Carnitin in Kombination mit Cholin wäre ich jedoch schon vorsichtiger – hier soll sich auch TMAO bilden können, wobei ich durch die Studienlage aktuell (2017) nicht so richtig durchblicke. Ich würde da aktuelle nur das eine oder das andere Einnehmen bzw. die Einnahme für den Tag verteilen. Ganz aktuell (Anf. 2019) gibt es jedoch Forschungen, die darauf hindeuten das die Bildung von TMAO abhängig von der Art der Darmbakterien geschieht (-> siehe weiter unten im Beitrag). Dabei sollen dann insbesondere Omnivoren – also Fleischesser – betroffen sein [25][26]. Das ganze betrifft die Bildung von TMAO beim Verzehr von Fleischprodukten – und (insb.) auch Supplementen. Aus dem Artikel von Suppversity [26]:

“you may be interested to hear that Wu’s 2018 paper in the BMJ’s Gut, suggests that the average omnivore is 10-fold(!) more likely to exhibit this problematic pattern than a vegan/(lacto/ovo)vegetarian peer”

In Bezug auf Taurin weiß ich, das die endogene Synthese bei der mitochondrialen Stoffwechselstörung HPU gestört ist, weil ausreichend Vitamin B6 fehlt (was dann auch Kreatin betrifft). Zudem ist der Taurin-Spiegel bei Veganern klar niedriger. Weiterhin hilft zugeführtes Taurin NAD+ zu sparen, was für mich sehr wichtig in Bezug auf den Energiestoffwechsel und mehr ist. Negative Aspekte habe ich hier in Bezug auf eine gemäßigte Supplementation nicht direkt gefunden.

Was mich überrascht hat war letztendlich auch das Ergebnis meiner zusätzlichen Recherche zu Cholin, welche für mich aufgedeckt hatte, das die empfohlenen 550 mg /Tag (US) kaum, die in Europa empfohlenen 400 mg jedoch noch gut erreicht werden können. Wichtig ist hier in jedem Fall genug B12 und Folat. Eine Supplementation scheint hier (bei Bedarf) ebenfalls recht einfach – wobei ich von dem gerne verwendeten (Sonnenblumen- oder Soja-)Lecitin Abstand nehme.

Ein ganz gewichtiger Punkt ist aus meiner Sicht die ‘metabolische Last’ durch die zusätzliche Proteinsynthese beim reinen Pflanzenesser – die Michalk anführt. Er vergleicht das in seinen Beiträgen mit dem Hausbau: Einmal werden Fertigteile angeliefert – das andere mal wird alles aus einfachen Steinen selbst gemauert, der Zement wird selber gemacht, etc. pp – alles natürlich unter einem zusätzlichen Energieaufwand. Das gibt zumindest mir zu denken… und bestätigt mich in der Entscheidung wieder Fisch in meine Ernährung integriert zu haben. So habe ich auch Studien gelesen, welche besagen das rein pflanzlich zwar (sehr) gut funktioniert – sich nach einigen Generationen jedoch Mängel bzw. Probleme zeigen. Alles nicht so einfach…

Was bleibt?

Meine Frage ist nun: Was bleibt ‘unter dem Strich’? Denn wenn ein höherer Fleisch, Ei & Co. Verzehr langfristig vorteilhaft ist, dann müsste sich das auch in den epidemiologischen Langzeitstudien und Bevölkerungsgruppen mit bestimmten Ernährungsweisen zeigen (insb. Mortalität, Krebs & Co.). Gerade die amerikanischen Adventisten finde ich in diesem Zusammenhang spannend – haben diese doch einen eher europäisch geprägten Genpool und ähnliche Alltagsstressoren wie wir hier in Deutschland bzw. Europa. In diesen Studien zeigt sich jedoch, das die Mortalität, Krebs & Co. gerade bei den Pescetariern, Veganern und Vegetariern am geringsten ist. Hmmmm….

Leider gibt es (in den Studien die ich kenne) keine Gruppe von Menschen die nur die Milchprodukte ausschließen (also Fleisch essen) sowie wie eine Unterscheidung von Pescetariern mit- und ohne Milchprodukte. Auch eine Unterscheidung in Bezug auf die Menge von Fleisch & Co. wäre interessant. Denn mein ‘Gefühl’ (worauf auch viele Studien hindeuten) ist es das ein sehr gemäßigter Fischkonsum eher vorteilhaft sein kann, jedoch gerade die Milchprodukte (insb. A1-Casein) einen Großteil der Probleme ausmachen.

Mein Fazit

Langsam wird mir klarer, das eine rein pflanzliche Ernährung nicht unbedingt für jeden gleich gut funktionieren muss und an welchen Faktoren dieses liegen könnte. Eine Ernährung die zwar vorwiegend pflanzlich ist, jedoch Fisch (-> bringt EPA/DHA & implizit auch Kreatin, Carnitin, Taurin und auch Cholin) sowie ggf. Eier (insb. Cholin aber auch Taurin) in Maßen integriert erscheint mir generell, speziell unter dem Aspekt verschiedener genetischer Mutationen (von denen man meist nichts vermutet), für manche Menschen durchaus sinnvoll oder überlegenswert.

Von begrenzenden Faktoren

Eventuell ist vorgenanntes der Grund warum einige Menschen mit überwiegend (oder rein) pflanzlichen Ernährungsweisen besser fahren als andere – oder auch nicht. Ich meine damit:

  • genetischen (und limitierende) Faktoren (u.a. die körpereigene DHA– und Retinol-Synthese),
  • ggf. geringer Aufnahme an B12, B6 und Folat (Folsäure), welche oft die begrenzenden Faktoren bei der Eigensynthese von Cholin, Kreatin & Co. sind.
  • die erworbene und kultivierte Magen- und Darmbakterienkultur (Mikrobiom),
  • sowie andere Probleme wie z.B. eine erhöhte Ausscheidung von Vitamin B6 & Zink durch eine Stoffwechselstörung wie HPU/KPU [22],
    • was u.a. negativ für die Eigensynthese von Q10, Kreatin, Taurin und anderen Aminosäuren ist.

Gerade hier kann aus meiner Sicht eine Ergänzung mit Mineralstoffen, Vitaminen und auch speziellen (semi-essentiellen bzw. begrenzten) Aminosäuren von Vorteil sein.

Messen heißt wissen & nichts unnötig  aus dem Tritt bringen

Ein (potentieller) Nachteil bei der Supplementierung mit Aminosäuren kann sein, das wenn von außen (in zu hohen Mengen) zugeführt wird, der Körper ggf. die Eigensynthese und die Recyclingprozesse herunterreguliert. Wird dann das Supplement abgesetzt gibt es eventuell erst einmal einen Durchhänger – bis die körpereigenen Prozesse wieder hoch gefahren sind.

Insofern bin ich kein Freund von hohen Dosen, sondern von der ‘Ergänzung’ im physiologischen Bereich. Hilfreich kann hier insbesondere eine Blutwert-Analyse sein (-> Aminogram) – erst dann ist in vielen Fällen eine gezielte (individuelle) Supplementation möglich. Anhaltspunkte sind hier für mich:

  • L-Taurin: 1-3 g / Tag (speziell bei einer HPU)
  • Kreatin (Monohydrat): max. 2-3 g / Tag (speziell bei einer HPU)
  • L-Carnitin: 0,5-1 g / Tag
  • L-Carnosin: 500 mg / Tag
  • Glycin: 2-4 g / Tag
  • Glutamin: 1-2 g / Tag
  • Kollagen-Hydrolisat: bis 5 g / Tag

wobei das natürlich abhängig ist von dem wie ich mich gerade ernähre – was ich mache – sowie von meinen Blutwerten.

Offene Fragen?

Nach allem für und wieder sind die abschließenden und  offenen Fragen für mich selber:

  • In welchen Phasen, Situationen und/oder Intervallen machen Supplemente ggf. Sinn?
    • Mit welchen mittel- und langfristigen positiven und insb. negativen Konsequenzen ist zu rechnen?
  • Ist eine Supplementation der ‘tierischen’ Aminosäuren und Vitaminähnlichen Stoffen wie Taurin, Kreatin, Carnitin & Carnosin und insbesondere Cholin (bei Mangel) ggf. gesünder als der Verzehr der entsprechenden tierischen Produkte?
    • Also ist Supplementieren hier ggf. sinnvoller als belastete Tierprodukte zu konsumieren?
  • Wo ist der Trade-Off?
    • Welche und wie viel Tierprodukte sind (auf individueller Basis) in Bezug auf die natürliche Zufuhr von Carnitin, Kreatin, Taurin, Carnosin, Retinol, DHA & Co. ggf. noch gut oder vorteilhaft?

Die Antworten werden sicher individuell verschieden sein – weil die Lebensziele, Ausgangsverfassung, Umweltbedingungen und die auch (epi-)genetischen Ausstattungen verschieden sind. Mir zeigt es jedoch, das es ‘die universell richtige’ Ernährung nicht gibt und diese durchaus individueller sein kann als bisher von mir angenommen.

 


Quellen

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