Orthomonekulare Medizin – Dr. Volkmann

By | 28. Dezember 2016

Es ist schon länger her, das ich über die folgenden Videos und Herrn Dr. Volkmann, einem praktizierter der Orthomonekularen Medizin – welche im Bereich der alternativen Medizin angesiedelt ist, gestoßen bin. Nun gibts mal einen Blogeintrag darüber, denn das Konzept und die präsentierten Fälle aus der Praxis hatten mein Interesse geweckt.

Worum geht es bei der orthomonekularen Medizin?

Dr. Volkmann schreibt in seinem Buch ‘Ökosystem Mensch’:

“Die orthomolekulare Therapie geht u.a. auf den doppelten amerikanischen Nobelpreisträger Linus Pauling zurück, der diese Therapie in den 1950er Jahren für sich entdeckte… Orthomonekulare Substitution ist eine biologische Aufwertung der Nahrung. Dabei heißt ‘orthomonekular’ das ‘richtige Teilchen’.”

Das richtige Teilchen können dann verschiedene Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitaminoide und/oder (essentielle) Fettsäuren sein. Diese werden (in teils ‘hoher’ Dosierung) zur Therapie von Mängeln in diesen jeweiligen Stoffgruppen beim Patienten verwendet.

Was Dr. Volkmann in den Videos thematisiert…

ist grundsätzlich das Thema Mikronährstoffmangel – insb. bei Menschen die seit längerem starke (chronische) Krankheiten haben und bei denen sich seiner Ansicht nach (viele) Krankheiten aufgrund dieser Mangelversorgung als Symptom entwickelten. Volkmann macht auch zusätzliche Umweltbelastungen, die ‘zu-viel-versorgung’ mit Lebenmittelzusätzen (u.a. E-Stoffe in verarbeiteten Nahrung) und Chemie (u.a. Spritzmittelrückstände und Weichmacher aus Plastik & Co.) als Co-Faktoren für Erkrankungen aus, die – so wie ich Ihn verstehe – einen zusätzlichen Mehrbedarf des Körpers an Vital- und Mikronährstoffen bedingen.

Aber seht selber und bildet euch eine Meinung (weiter unten sind noch mehr Videos verlinkt):

Schmerztherapie, Burnout, Fatigue und Tumorkachexie unter hypoallergener orthomolekularer Therapie

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Angewandte (Applied) Kinesiologie

Spannend fand ich auch den Ansatz das mit Hilfe von (Applied) Kinesiologie die Körperreaktion der Patienten auf die gegebenen ‘reinen’ (meint: ohne Zusätze) Mikronährstoffe getestet werden – um so zu ermitteln welche akuten Mängel existieren, weil dann der Patient positiv darauf reagiert.  Nach Volkmanns Berichten stellen sich bei vielen Patienten unmittelbar nach Gabe von bestimmten Mikronährstoffen schon deutliche Änderungen in ihrer Symptomatik ein.

hoT

Dr. Volkmann nennt seine Weiterentwicklung der orthomonekularen Therapie (oT) nun hypoalergene oT => hoT. Der Unterschied, so wie ich es verstanden habe, ist das die benutzen Wirkstoffe ohne jegliche Füll- und Zusatzstoffe verabreicht werden. Dabei hat er dann noch bestimmte Pakete bzw. Kombinationen von Wirkstoffen geschnürt die sich in seiner Praxis bewährt haben.

Natürlich vermarktet er diese Produkte auch – und das ist ggf. der kleine Wermutstropfen an den Videos. Dazu muss ich aber bemerken: Es ist wirklich problematisch die reinen Wirkstoffe als Pulver bzw. Kapseln bei den üblichen Nahrungsmittelergänzungsherstellern zu bekommen, wie ich auch hier beschrieben habe. Insofern füllt sein Angebot für oT bzw. hoT praktizierende Ärzte und Heilpraktiker durchaus eine Angebotslücke.

Zu wenig Nährstoffe in unserer Nahrung bzw. die falsche Nahrung?

Ich habe hier ja schon eine Menge Artikel bez. Mikronährstoffe (Jod, Zink, Selen, B12, D3, etc.) und den Mangel an diesen in unserem Essen geschrieben, sowie meine eigene Nährstoffaufnahme sowie die eines ‘normalen’ Mischköstlers mit Cronometer analysiert.

Für mich ergibt sich aus meinen Betrachtungen ganz klar die Folgerung das die Patienten über die Herr Dr. Volkmann berichtet selbst auf Basis von Cronometers Nährstoff- und Mikronärstoffanalysen viele Mindestempfehlungen und Referenzwerte – selbst der DGE – nicht erreichen dürften. Und dies ist noch der ‘Gutfall’, denn es nimmt an, das alles was gegessen wird frisch zubereitet ist und auch noch das enthält was Cronometer angibt, was nicht unbedingt der Fall sein muss.

vit-versorgung-de

Vitaminversorgung in % in Bezug auf die DGE Referenzwerte bei Männern über 65 (in etwa Abschrift der im nebenstehenden Text referenzierten Quelle)

Herr Volkmann verweist in seinem Buch auf Seite 102 dazu auf eine Studie von Frau Dr. D. Volkert, veröffentlicht in der Ernährungsrundschau 35/1988 Heft 10, in der die Vitalstoffversorgung bei Menschen (über 65) in Bezug auf die DGE-Empfehlungen untersucht worden waren. Bei den meisten Vitalstoffen bewegt sich die Versorgung nur zwischen 40 und 60% der DGE Werte wie nebenstehend abgebildet. Bei Folsäure befinden sich wohl sogar 80% im Mangel.

Ob die Referenzwerte der DGE oft nicht zu niedrig sind spielt in diesem Zusammenhang nicht einmal eine Rolle – da selbst die DGE Empfehlungen oft unterboten werden. Wichtig ist aber zu den DGE Referenzwerten zu bemerken: Sie gelten für gesunde Menschen – bei Schwangeren erhöhen Sie sich teils deutlich und bei Kranken dürfte dies auch der Fall sein.

Bei Kranken – insb. mit Magen- und Darmstörungen – ist das Bild dann sicher noch schlechter: Dies, da durch die Störungen die Nährstoffe im Darm schlechter aufgenommen werden – egal was man oben hinein tut. Deswegen können sich hier die von Volkmann angesprochenen höheren Dosierungen durchaus über einen Zeitraum von einigen Tagen/Wochen/Monaten anbieten um die Depots wieder auf zu füllen. Wenn man dies ‘auf eigene Faust’ machen möchte ist es meiner Ansicht nach angezeigt sich tiefgehend zu informieren und mit der Thematik zu beschäftigen – und bei multiplen Störungen besser einen Facharzt wie Herrn Dr. Volkmann zu konsultieren.

DGE Referenzwerte im Kontext einer gesunden Ernährung

Ich erreiche aber mit meiner vollwertigen und pflanzlichen Ernährung nach Cronometer in der Regel um 150-300% höhere Werte als die von der DGE festgelegten (für fast alle Vitamine und Mineralstoffe + Spurenelemente), oft aber auch um 400-600% mehr (Vitamin A, Vitamin C, Vitamin K, Mangan) – und das Berücksichtigt noch nicht das gekeimte Getreide, meine Sprossen und anderweitige Keime!

Wer sich nun aber mit viel Süßkrams, Chips, Dosenessen, Fertigpizzas und Menüs, Kantine, belegten Brötchen, Softdrinks und/oder überwiegend Milch und Fleischprodukten + Pommes & Co. und sehr viel gekochtem bzw. gebackenem ernährt – der wird meiner Einschätzung nach in vielen Belangen selbst die DGE-Empfehlungen nicht erreichen. Was ggf. noch schlimmer ist:  Er mutet dem Körper viel zusätzliche Last zu (u.a. E- und Konservierungsstoffe), Acrylamide, Nitrosamine, Glycotoxine, Dioxine und PCBs, Transfette, Phtalate und BPA aus den Verpackungen und Dosen, etc. pp  – so das ein erhöhter Verbrauch von Mikronährstoffen mehr als plausibel erscheint.

Kritik an Supplementen?

Auch ich bin im Regelfall nicht für Supplemente – es ist die Ernährung und der Lebenswandel die für eine ausreichende Versorgung sorgen sollten. Die orthomonekulare Medizin hingegen sehe ich da eher als Ansatz für bei einer individuellen Mangelversorgung mit ausgeprägtem Krankheitsbild. Es sollte sich aber keiner die Illusion machen, das ein paar Supplemente eine gesunde vollwertige Mischkost ersetzten könnten – das können diese nicht! Dazu kommen in den Pflanzen einfach zu viele Stoffe vor – von denen die Biochemie und die Mediziner nicht mal eine Ahnung haben.

Jedoch sind Supplemente bei einem akutem Mangel an Vitaalstoffen meiner Ansicht nach nicht generell schlecht oder abzulehnen. Zu bedenken ist auch, das z.B. die DGE & WHO angeben das wir in Deutschland z.B. Selen– und Jod Mangelland sind. Aber das ist noch nicht alles:

  • So ist z.B. Kaliumjodid als Zugabe (‘Supplement’ bzw. ‘Nahrungsergänzung’) in Speisesalz Standard.
  • In den USA steht sogar Selen auf der verpflichtenden Zusatzliste für Babynahrung.
  • Schwangeren wird klar die zusätzliche Einnahme von Folat empfohlen.
  • Ältere Menschen mit Vitamin B12 Aufnahmestörungen, Veganer oder Menschen mit fehlendem intrinsischem Faktor bekommen Vitamin B12 ärztlich verschrieben (wenn es sein muss).
  • Frauen und / oder Sportlern wird bei (Waden-)Krämpfen z.B. Magnesium empfohlen.
  • Von medizinischer Seite ist die Vitamin D3 Supplementation ab einem bestimmten Blutserumspiegel indiziert.

Ich könnte die Liste noch weiter fortsetzten – und frage mich was grundsätzlich falsch sein kann (bzw. könnte) an der (zeitbeschränkten) Supplementierung von grundlegenden Mikronärstoffen (u.a. unter ärztlicher Aufsicht), wenn ein Mensch sich in einem akuten Mangel(zustand) befindet?

Ganz wichtig in diesem Kontext: Auch Dr. Volkmann distanziert sich klar von chemisch veränderten Vitaminen, die unser Körper nicht kennt und für die es keine entsprechenden Entgiftungssysteme im Körper gibt (S. 170 in seinem Buch). Ähnliches gilt für die Mineralstoffe und Spurenelemente – seine hoT verwendet dabei primär Verbindungen die auch in der Nahrung bzw. dem Körper vorkommen. Also z.B. Magnesium und Calicium in Carbonatform, Selen in als Hefe, etc. pp. Bei den Vitaminen wird das dann insgesamt schwieriger – aber auch hier gibt es Produkte bei denen z.B. die B-Vitamine aus Buchweizensprossen extrahiert werden (Tip: Ich esse lieber die Sprossen) oder wo Vitamin-C über Fruchtpulver von Acerola-Kirschen substituiert wird (Bitte auf die Qualität achten!). Zum Thema NEM habe ich dann auch hier noch einen Beitrag zu Zusatzstoffen – auf die zu achten ist – sowie einen Beitrag in Bezug auf das Bestellen.

Mittel- und Langfristig zählt eine vollwertige (Bio-)Ernährung

Was ich gut finde – und was Herr Dr. Volkmann auch immer wieder in seinen Vorträgen betont: Die langfristige Basis und Grundlage ist eine vollwertige Biokost aus dem ökologischen Landbau. Basta! Das ist auch das was Herr Dr. Volkmann von seinen Patienten abverlangt – ansonsten behandelt er nach seiner Aussage nicht (weiter). Supplemente und Darmaufbau sind der Anfang – die Basis für den langfristigen Erfolg kann aber nur die Umstellung der Gewohnheiten auf eine gesunde Ernährung mit natürlichen, vollwertigen und gesunden (Bio-)Lebensmitteln – die noch weit mehr wichtige und nützliche Stoffe enthalten als die Supplemente.

Mein Fazit

Für mich erscheint das was Herr Dr. Volkmann präsentiert, schreibt und schildert plausibel. Dieses schon auf Basis meiner eigenen Ernährungsumstellung und der von mit subjektiv verspürten und durch die Blutbilder qualitativen gemessenen Unterschiede.

Zu der Supplementierung, insb. mit A, E und B-Vitaminen (mit Ausnahme von B12) kann ich weniger sagen – hier gibt es wohl Studien die (in Langzeitversuchen) teils negatives aussagen. Leider aber ist dort die Quelle und Art der A, B und E-Vitamine (und der spezifischen Verhältnisse) oft nicht klar – also sind es künstliche (synthetische) Varianten oder Extrakte/Auszüge aus Naturprodukten/Keinem? Sind es bei Vitamin-E alle Formen der Tocotrienole und Tocopherole Supplementiert worden? War es Fölsäure oder (5-MTHF) Folat – was supplementiert wurde? War es Beta-Carotin (Pro-Vitamin A) oder Retinylpalminat (Vitamin A)? Die Unterschiede liegen im Detail! Aber auch bei Mineralstoffen und Spurenelementen gibt es viele Dinge zu unterscheiden und  Interaktionen zu beachten, wie u.a. meine Artikel zu Magnesium und Calcium deutlich machen sollten.

Mittel- und Langfristig würde ich immer versuchen die Vitamine, Mineralstoffe und essentielle Fettsäuren aus den Lebensmitteln zu beziehen – jedoch Herrn Dr. Volkmanns Erfahrungen als Anhaltspunkt sehen wie wichtig diese Mikronährstoffe sind. Herr Dr. Volkmann hat auch ein Buch (‘Ökosystem Mensch‘) über all das geschrieben was er präsentiert – für die, die mehr wissen möchten.

Ansonsten wünsche ich noch viel Spaß beim anschauen der Videos.


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